knuffen ,
puffen, knöchen, ein merkwürdiges volkswort, zuerst bei Campe,
nachdem es norddeutsche schriftsteller in derb traulicher rede gebraucht hatten. 11)
eigentlich, mit der faust oder dem ellenbogen stoszen: wirst du plötzlich in den koth gestutzt ... wirst geknufft, zertrampelt und beschmutzt. Bürger 57
a; wann zerrt der mutwill' oder knuft. Voss 6, 244 (
die lichtscheuen); sie zankte, schrie, knuffte und stiesz, dasz mir die knochen noch weh thun. Zelter
an Göthe 415; knufft er es (
das schwein) auf den kopf mit derber hand. Gries
ged. 2, 124; dasz du diesen armen wurm .. beständig knuffst, wo du ihn siehst. Immermann
Münchh. (1841) 2, 62; der Pole .. den fuhrmann knuffend. Freytag
soll u. haben 2, 51; dabei knuffte sie die kinder. Auerbach
neues leben (1862) 2, 14 22)
übertragen, quälen, knöchen, extern: du hast uns lange satt geknufft, man wird dich wieder knuffen, schuft! Bürger 25
a (
der raubgraf str. 19); wüchsen nur von selbst die kleider, notabene, mir ein rock, oder knufte nicht der schneider, notabene, wie ein bock. Voss 6, 48 (
trinklied),
zugleich vom stoszen des bocks und drücken, quälen mit den hohen preisen; so wurd' ich immer fort geknufft. 'gut ist er, sprach man, wenn der schuft nur nicht so räsonnierte' Seume
lebenslauf Jeremias Bunkels (Gödeke
eilf büch. d. d. 2, 234
a). 33)
verbreitung und verwandtschaft. 3@aa)
so spät es in die schriftsprache gekommen ist, musz es doch im leben sehr alt sein; und zwar lebt es in allen drei hauptmundarten in gleicher form. nicht nur nd. und md., wie ostfries. Stürenb. 117
a,
westf. Fromm. 3, 366,
märkisch Danneil 110
b (
nl. im dem. knuffelen,
wie nd. gern knüffeln,
s. d.),
dann mrh. Kehrein 237,
westerw. Schmidt 82,
hessisch, thür., meisznisch —
sondern auch oberd., wie henneb. Reinw. 1, 85,
bairisch Schm. 2, 373 '
mit den knöcheln der faust stoszen',
kärnt. knuffen
und knüffen (
mit knuff
m. puff) Lexer 163,
und ebenda wieder knüffeln,
wie in Tirol. der umlaut auch nd., in Osnabrück knüffen Strodtm. 327.
eigen erweitert siebenbürg. knufaien Frommann 5, 173.
anderseits auch in Schweden knuffa,
dazu knuff
m., aber doch wol entlehnt, wie puffa (knyffla
s. unter knüffeln 2). 3@bb)
heimisch dagegen mit andrer lautstufe dän. knubbe,
norw. knubba,
auch engl. landsch. knub
und knubble (Flügel).
auch bei uns finden sich p
und b,
sodasz wieder einmal alle drei lautstufen vertreten sind: knuppen
auf d. Hundsrück, in Aachen, das. knupp
m., pl. knubbe,
knuff und die beule davon; ebenso ostfries. knuppen
oder gnuppen,
und gnubben,
dazu knupp
oder gnupp
knuff, auch mit s
verstärkt knups Stür. 117
a. 72
b,
[] wie pomm. gnupps
m. starker stosz, gnupsen
stoszen (
und vom stosze schallen, s. f) Dähnert 156
a,
waldeck. knubsen
stoszen. 3@cc)
nicht davon zu trennen sind wörter mit n-
für kn-,
wie engl. nubble
für knubble
knuffen (Flügel), nub
stoszen Halliw. 583
a (
vgl.nob
und nobble
schlagen, reiben 579
a),
und ebenso auf deutschem boden ostfries. nuppen
und nubben
knuffen Stür. 162
a,
westf. nuffen Fromm. 3, 367;
auch isl. hnybba
stoszen (
mit den hörnern, von vieh)
wird dazu gehören. auch der anlaut geht also wieder einmal durch alle möglichkeiten: n- hn- gn-
und kn-,
und zwar in derselben sprachschicht der nd. lautstufe. 3@dd)
den weg zum ursprung zeigt vielleicht die bed., die bei ihrer einfachheit und natürlichkeit die urspr. sein mag: die faust, genauer die knöchel als waffen brauchen. wie bei knopf (1,
b)
spuren der bed. knöchel da sind, so heiszt es bestimmt eine faust knüpfen,
nd. knütten,
westf. eine verknufte feust Frommann 3, 366,
nd. knupstôt
puff brem. wb. 2, 832
ist vielleicht geradezu urspr. fauststosz, und knöcheln, knöchen
gleich knuffen
ist bestimmt so von knöchel, knochen
genommen. auch die wörter mit n-
werden damit nicht ausgeschlossen, denn das ist in der verwandtschaft auch sonst heimisch, s. unter knochen I,
e (
vgl. nd. gnucken
stoszen, gnuck
knuff Richey 77).
die lautstufe in nd. knuffen, knüffeln
stimmt auch zu nd. knüvel
knöchel (
s.knübel).
kann aber das oberd. knuffen
entlehnt sein? 3@ee)
erwähnenswert ist dabei ein wort für faust: altn. knefi
und hnefi
m., schwed. näfve
u. s. w., auch mhd. neve (
s. wb. 2
1, 331
b). 3@ff)
aber merkwürdig auch in streng hd. gebiete, im hintersten Bregenzerwalde knupp
m. stosz, bildlich schädigung an der gesundheit, dem vermögen u. ä., z. b. von einer gefährlichen erkältung überkommt man einen knupp,
ein ausartender sohn gibt dem vater den knupp (Felder).
das stimmt genau zu dem nd. knupps
m. in der Altmark, z. b. hê hat 'n knupps weg Danneil 111
b,
also hier wie bei knuffen
die lautregel zwischen hd. und nd. wieder einmal wie aufgehoben! doch gehört diesz vielleicht zu einem andern stamme. das nd. wort bezeichnet auch einen knackenden klang, wenn z. b. beim arbeiten eine sehne überspringt, auch als interj. knupps!
als zeitwort knuppsen (
s. Danneil),
bei Dähnert gnupsen
neben stoszen auch '
vom stosze schallen'
; das stimmt ablautend zu knapsen, knaps,
mit auslautwandel zu nd. knuk (gnuk)
dumpf klingender stosz und schaden an der gesundheit (
brem. wb.),
wie knack 3,
knacks, und tritt damit in die verwandtschaft des schallwortes knappen (knacken)
über, wo eben auch pp
als nd. und hd. erscheint.