Fechtkunst, vollendete Anwendung der blanken Waffe, besonders beim Kampf zu zweien. Schon die alten Griechen und Römer hatten
Fechtmeister (
armaturae doctores). In den
Fechterschulen des spätern Rom wurden Sklaven in der
F. unterrichtet (
s. Gladiatoren). Die
F. wurde im römischen Heer betrieben und weiter ausgebildet durch das Ritter- und Turnierwesen seit den ersten Kreuzzügen; mit dem Waffenrecht fand sie bei den Bürgern der größern Städte Eingang. Dann finden sich bürgerliche privilegierte
Fechtergesellschaften, so in Frankfurt a.
M. die
Bruderschaft von St. Markus vom Löwenberg, der Kaiser Friedrich III. 1487 den ersten Privilegiumsbrief erteilte, den zuletzt Rudolf II. 1579 erneuerte. Sie führten das Schwert, der Neuling mußte eine scharfe Probe bestehen und durfte dann, nach Empfang der »Heimlichkeit«, die in allerlei Kunstgriffen bei der Führung der Waffe bestand, den Löwen als Wappen der Gesellschaft führen und selbst das
Fechten lehren. Ähnlich organisierten sich unter anderm die
Veitsbrüder in Prag, von Rudolf II. 1607 privilegiert, mit Schreibfeder und Greifenhelm im Wappen, daher ihre Obern »Meister des langen Schwertes über die Gesellschaft der Freifechter von der Feder« hießen. St. Veit war ihr Schutzpatron. Von dem Wappen, vielleicht auch von der Anwendung des biegsamen Degens kam ihr volkstümlicher Name
Federfechter. Beide Gesellschaften hatten gleichen Fechtbrauch und gleiche Gesetze, ihr gemeinsamer Oberhauptmann vertrat sie ständig am kaiserlichen Hoflager. Über die
Luxbrüder mangeln bestimmte Nachrichten; von ihnen sollen die
Klopffechter abstammen, die auf Jahrmärkten auftraten. Das »Rapierfechten« kam erst um 1560 in Aufnahme; Fechtwaffen waren noch Schwert (auch das zweihändige), Degen, Dolch, Spieß, Hellebarde und Dusack, Dusägge, Dusäck (griff- und stichblattlose, schwertartige Waffe). Die Deutschen bevorzugten stets die Hiebwaffe. Der leichte
spanische Degen verbreitete sich vom 16. Jahrh. an über Italien nach Deutschland und Frankreich als bevorzugte Fechtwaffe. Mit der Verbreitung der Feuerwaffe erhielt sich das Fechten nur als Bestandteil einer ritterlichen Erziehung auf Kadetten- und Militärschulen und den deutschen Universitäten, wo der Degen als Zeichen des Adels galt. Es war das der
Renkontredegen, zum Hieb und Stoß brauchbar. Privilegierte Fechtschulen für die deutschen Universitäten, auf denen die
F. forthin am meisten blühte, entstanden, als Wilhelm Kreußler aus Nassau, der 1618 Marksbruder geworden war, in Jena privilegierter Fechtmeister ward. Er ist der Gründer des deutschen Stoßfechtens, das jedoch auf den meisten deutschen Universitäten dem Hiebfechten gewichen ist. In Frankreich werden noch heute alle Duelle mit blanker Waffe (sogar unter Unteroffizieren) mit dem Stoßdegen ausgefochten. Das
Bajonettfechten kam im 17. Jahrh. in Frankreich auf und wurde Anfang des 19. bei den sächsischen Truppen ausgebildet, dann in den europäischen Heeren eingeführt. Aus dem Orient stammen der
krumme Säbel und die
Pike oder
Lanze als Fechtwaffen. Die ganze deutsche Kavallerie hat seit 1888 die Lanze. Über Fechtübungen bei den Truppen
s. Fechten. Florett, Degen, Lanze und Fechtgewehr dienen zum
Stoß-, Rapier (Schläger, Hieber, Haurapier) und Säbel zum
Hieb-, Degen- und Säbelrapier, der vorschriftsmäßigen deutschen Offizierwaffe entsprechend, zum
Hiebstoßfechten. Die Klinge zerfällt vom Gefäß ab in ganze und halbe Stärke, ganze und halbe Schwäche. Die Schwäche soll den Gegner treffen, die Stärke die feindliche Waffe abwehren (parieren). Nach der neuen Vorschrift fällt das
Hiebfechten mit Rapieren im Lehrplan der Militärturnanstalt fort, so daß nur das Degenrapier mit Schilfklinge und das Säbelrapier mit schwach gekrümmter Klinge Lehrmittel bilden. Stoß- und Hiebfechten werden im allgemeinen nach denselben Fechterregeln erlernt. Dem
Schulfechten folgt
Frei- oder
Kontrafechten (Gegenfechten). Zur
Auslage gehört Stellung des Körpers und Lage der Waffe (
Fechterstellung;
s. Appell und
Ausfall). Die Klingen berühren sich, sind gebunden, haben
Fühlung, sind
engagiert; üben sie gegenseitig einen Druck aus, so sind sie
belegt, stringiert. Beim
Degagieren wechselt man unterhalb der feindlichen Waffe die Auslage. Die Gegner stehen auf der
Gefechtslinie, im
Fechterabstand (
Mensur), so weit, daß sie sich treffen können;
Stöße (
Hiebe), nach der Blöße geführt, werden durch
Deckung (
Parade) abgewehrt (
s. Attackierstoß); ein kräftiger Hieb kann eine schwache Parade
durchschlagen. Die
Innenblöße zeigt der Verteidiger links, die
Außenblöße rechts von seiner Waffe,
d. h. zu seiner Rechten, bez. Linken, entweder über der Hand (hoch) oder unter derselben (tief). Benennung der Hiebe
s. Fig. 1. Durch
Battieren (
vgl. Battuta [Battement] und Desarmieren) oder
Stringieren schlägt man, um Blöße zu schaffen, die feindliche Waffe streichend, zur Seite. Der
Vor- oder
Zwischenstoß kommt dem feindlichen Stoß zuvor, der
Mitstoß (
a tempo,
Tempostoß) trifft den Gegner, während er stößt, der
Nachstoß (
Riposte, Reprise) folgt aus der Deckungslage. Dasselbe gilt vom Hiebfechten. Bei
Finten (ital.
finta,
frz. feinte) wird zur Täuschung dee Gegners ein Stoß (Hieb) nur angedeutet.
Gänge, aus Stößen (Hieben) und Deckungen bestehend, bereiten das Freifechten vor, der erste Stoß (Hieb) heißt
Anstoß (
Anhieb).
Bewegliche Mensur setzt in Vorteil. Zum Schutz dienen
Masken, Brustschützen, Handschuhe.
Stoßfechten. Bei den vier Faustlagen (Fig. 2 bis 5) beim Fechten mit dem
Stoßdegen (
Florett, Fleuret, Stoßrapier) befinden sich die Finger in
Kammlage, wenn sie nach oben, in
Ristlage, wenn sie nach unten zeigen. Weitere Kunstgriffe sind:
Kamieren, Traversieren, Ligieren (Ligade),
Flankonade-,
Trompé-,
Doublé-,
Kroisierstoß oder
Reversligade, Doppelhiebe.
Pallasch und
Haubajonett (
Jatagan) sind für Stoß und Hieb bestimmt. Bei dem deutschen
Bajonettfechten (
Bajonettieren,
vgl. Bajonett) wird Einzelausbildung, breite Fechterstellung, kurzer
Fangstoß (bei dem die linke Hand während des Ausstoßens losläßt), bewegliche Mensur und häufiger Wechsel der Gegner empfohlen. Beim Fechten mit der
Lanze liegt die gefällte Lanze mit dem untern Ende in der Achselhöhle, die rechte Hand hält sie wagerecht (Auslage). Zum Stoß wird sie erst etwas zurückgezogen und dann kräftig vorgeschnellt, die Paraden sind nur kurze Schläge der Lanze nach der Waffe des Gegners.
Hiebfechten wird mit
Rapier oder
Säbel, mit letzterm auch zu Pferde, geübt. Die
Auslage ist eine gerade,
vorwärts (
s. Chok) oder
verhangene (besonders auf Universitäten). Mit
krummem Säbel wird wie mit Rapier gefochten, der Hieb aber mehr schneidend durchgezogen. Beim Hiebstoßfechten werden Hiebe und Stöße zusammen angewendet. (Über Fechtauszeichnungen bei der Kavallerie
s. Fechten.) Vgl.
F. A. W. L.
Roux: Anweisung zum Hiebfechten (2. Aufl., Jena 1849), Die Kreußlersche Stoßfechtschule (das. 1857), Deutsches Paukbuch (2. Aufl., das. 1867); Ludw. Cäsar
Roux, Die Hiebfechtkunst (3. Aufl., das. 1901);
Hergsell: Die
F. (2. Aufl., Wien 1892), Unterricht im Säbelfechten (das. 1885) und Die Fechtkunst im 15. u. 16. Jahrhundert (Prag 1896);
Lion, Das Stoßfechten (Hof 1882);
Montag, Neue praktische Fechtschule auf Hieb und Stoß (3. Aufl., Berl. 1884); v.
Dresky, Anleitung zum Fechten mit dem Stoßdegen (das. 1891); »Deutsche Hiebfechtschule« (2. Aufl., Leipz. 1901) und »Deutsche Stoßfechtschule nach Kreußlerschen Grundsätzen« (das. 1892, beide herausgegeben vom Verein deutscher Fechtmeister); P.
Roux, Das Säbelfechten (Jena 1899);
F. Meyer, Lehrbuch des Stoßfechtens (Wien 1903);
Sestini, Das Fechten mit Florett und Säbel (deutsch, Berl. 1903); »Bajonettiervorschrift für die Infanterie« (das. 1901); »Vorschrift für das Fechten auf Hieb und Stoß« (das. 1901);
Spilling, Das Fechten auf Hieb und Stoß auf Grund der Verordnung vom 11. April 1901 (das. 1902);
Merignac,
Histoire de l'escrime (Par. 188386, 2 Bde.);
Thimm, Bibliographie der
F. (Lond. 1891 u. 1896).