wert,
adj. formen und verbreitung. got. waírþs;
an. verðr,
schwed. värd,
dän. værd;
afries werth;
ae. weorð,
engl. worth;
as. werð,
mnd. wert,
mndl. wert, waert,
ndl. waard;
ahd. wërd,
mhd. wërt (
die flexionsformen zeigen -d-,
z. b. dat. pl. werd-en),
nhd. wert (
mit dehnung des stammvokals vor -rt
und eindringen des auslautenden -t
in den inlaut; dat. pl. wert-en). —
mundartlich ist wert
für den gesamten dt. sprachraum bezeugt, vor allem in wendungen wie he is keen penn vēad Mensing
schlesw.-holst. 5, 597; 's is nich der rede wäärt Müller-Fraureuth
obersächs. 2, 659; es ist öpis wërt, wenn ... Hunziker
Aargau 294.
herkunft und gebrauch. die etymologie ist umstritten (
s. Hellquist
svensk etym. ordb. [
31948] 1392
f. und J. de Vries
etym. woordenb [1958] 265
f.);
es besteht aber darin weitgehende einig keit, dasz kymr. gwerth,
finn. verta,
lit. vetas,
apreusz. werts
und aslav. -vrědǔ (
in: nevrědǔ '
unwürdig')
als entlehnungen aus dem germ. anzusehen sind, und dasz —
in anschlusz an Brugmann
idg. forsch. 13, 88
anm. 1 —
germ. *werþa-
am ehesten zu got. -waírþs '
wohin gewendet' (=
nhd. -wärts),
lat. vorsus
und air. frith- '
gegen'
gestellt werden kann, unter hinweis auf lat. pretium '
als gegenwert dienender preis'
neben griech. προτί,
ai. práti '
gegen' (
s. Walde-Pokorny
vgl. wb. 1 [1930] 275
u. Hellquist
a. a. o.). —
das adjektiv erscheint im got. und ahd. ausschlieszlich, im ae., as. und an. vorwiegend prädikativ, gewöhnlich mit einer dativischen bezugsgrösze oder einer genitivischen bestimmungsergänzung, oft auch mit einem bestimmungsgliedsatz oder abhängigen infinitiv. dieser gebrauch reicht vom got. bis ins nhd., vermannigfaltigt vor allem dadurch, dasz seit dem 15.
jh. auch akkusativische bestimmungen, besonders als wertangaben, üblich sind (
s. 1 c
δ).
hingegen findet sich attributives wert
auf hd. sprachgebiet erst im 12.
jh., ist seitdem aber ungemein häufig, mhd. vor allem im sinne von '(
wert-)
schätzung verdienend, edel, herrlich' (
s. u. 2 a
α sowie dt. wortgesch. 1 [1943] 161
f. und 206
Maurer-Stroh),
nhd. besonders in der schon mhd. auftretenden bedeutung '(
wert-)
geschätzt, verehrt, teuer' (
s. u. 2 a
β),
wobei also das wort nicht mehr auf einen objektiven, von der ritterlichen gesellschaft zu schätzenden wert, sondern auf eine subjektive, persönliche bindung bezogen ist. früh begegnet ferner ironischer gebrauch (
s. u. 2 a
γ),
der die anwendung des beiworts in höflicher anrede seit dem 1.
weltkrieg unüblich werden läszt. ungebräuchlich wird im nhd. auch die im mhd. sowie mnd.-mndl. verbreitete adverbiale verwendung (
mhd. wërde '
auf eine würdige, ehrenvolle, herrliche weise'
mhd. wb. 3, 602).
im übrigen spielt wert
zunehmend eine rolle als grundwort zusammengesetzter adjektive; vgl. ehren- (
teil 3, 67), hoch- (
teil 4, 2, 1639), lieb- (
teil 6, 980), un-wert (
teil 11, 3, 2184
ff.)
sowie die zahlreichen bildungen des typus beachtens-, sehens-, wissens-wert. 11)
prädikativ. 1@aa) wert sein '
angesehen, geschätzt, bedeutung und geltung (wert)
habend sein': ir birut mihil uuerdasalz therera erda, iueraz girati (
rat, lehre)scal salzan uuoroltdati Otfrid II 17, 1
Kelle; valuit uuerd uuas (10./11.
jh.)
ahd. gl. 2, 274, 13—15
St.-S.; uilia uasa. uti tu estimas colerentur. pretiosa sordescerent undiuriu faz uuerd uuârî
n. unde aber tiuriu unuuerd uuârîn Notker 1, 228, 9
f. P.; frowe, ir sît schœne und sît ouch wert: den zwein stêt wol genâde bî. waz schadet iu daz man iuwer gert? joch sint iedoch gedanke frî Walther v.
d. Vogelweide 62, 16
Kraus; zum vierden so wurdt zu zeiten und sonderlich ietzt, so das leder werdt ist, das leder zu bald ... aus der werckstatt genommen, zu verkauffen (1507)
urk.-b. d. st. Heilbronn 3, 155
Rauch; der gelehrt ist werth Lehman
floril. polit. (1662) 1, 319; wo ist, auch ohne lohn und ohne schwert, das recht gesichert, tugend werth? Kretschmann
s. w. (1784) 1, 67; vernunft, wie grosz ist deine kraft, wie werth sind deine lehren, wenn sie der süszen leidenschaft geheimen wunsch gewähren! Pfeffel
poet. vers. (1816) 1, 98; doch glänzt, vor allem andern lieb und werth, das holde mägdlein auf der blumenweide A. v. Droste-Hülshoff
ges. schr. (1878) 2, 218;
so auch mundartlich: im winter is 's holz wërt Hunziker
Aargau 294; Schmeller-Fr.
bayer. 2, 991. wert sein
im vergleichssatz (
typus: wie
oder als er wert ist)
kann eigentlich schon nicht mehr als absoluter gebrauch gelten und leitet zu c
über: (
iustitia)
sua cunctis attribuens. nullumque eo quo non merebatur afficiens mannolichemo rehtonde. nîomannen anderes hefenonde. danne sô er uuerd ist Notker 1, 801, 24
P.; was gilts, ich wil dir noch begegnen vnd dich, gleich wie du wert bist, segnen Fischart
s. dicht. 1, 131
Kurz; damit er die guggisz zweymahlen theuwrer mOege verkauffen, dann sie wAerdt seindt Ph. Bech
Agricolas bergwerckb. (1621) 18. 1@bb) etwas
oder jemanden (sich) wert haben (achten, finden, halten, machen
u. ä.) '(
wert-)
schätzen bzw. (
wert-)
schätzung verleihen': ich han uch sere lieb und sere wert und dete durch uwern willen me dann ir wenent
Lancelot 1, 286
Kluge; was man vor zeitt hett lieb vnd wertt, desselben ietz man lützel gert
liederb. d. Hätzlerin 38
Haltaus; darumb so sollen wir ... die herliche historiam und offenbarung von der tauff Christi hoch und werd halten und tewer achten (1546) Luther 51, 115
W.; wer sol seinen frommen herrn vnd frsten nicht werth vnd in ehren halten? Heyden
Plinius (1565)
vorr. 6
a; alte leut, alte pferd acht niemand werdt Eyering
proverb. (1601) 1, 54; die Gergasener, die jhre sAeu ber gott liebten vnd werth hielten Lehman
floril. polit. (1662) 1, 385; letztere bestreben sich, sich durch dienstfertigkeit, durch redlichkeit und treue gefällig und werth zu machen Schiller 1, 18
G.; das ist es ja was man begehrt, der rost macht erst die münze werth Göthe I 15, 1, 164
W.; das (
musik, kunst, heitre leichtigkeit) macht das leben wert, die herzen weicher Wildgans
österr. lieder (1914) 12; kinder sind'n jeschenk vom himmel, du hältst es aber nich wert C. Viebig
die vor den toren (1949) 199.
zuweilen auch in präpositionaler fügung für wert halten: inn frsten vnd herren fr edel, lieb vnd werd halten Riederer
rhetoric (1493) g 2
a; die haltend jn für hoch vnd werd, ja, für die best artzny uff erd H. R. Manuel
weinsp. v. 2494
ndr.; es kam die zeit, in der ich mich gerade für wert hielt, mich zu verbrauchen Binding
erlebtes leben (1928) 142. 1@cc)
gewöhnlich mit ergänzungsbestimmungen verschiedener art verbunden. 1@c@aα)
einer präpositional angeschlossenen: vorwâr sage ich ûch daz kein prophête ist wert in sînes vatir lande
Matthias v. Beheims evangelienb. 124
Bechstein; so findt man auch vil edler vOegl, die haben lange krumme negel, sind doch bey grossen herren wehrt K. Scheit
Grobianus v. 633
ndr.; sie ... waren ... in gottes auge kOestlich, lieb vnd wert Joh. Arndt
nachfolgung Christi (1631) 22; wer reich ist, ... ... ist bey den groszen werth B. Neukirch
ged. (1744) 173; Bacchus und Silen mochten sich immer bey der weinlese zuerst berauschen: sie blieben doch in jedem andenken als erfinder und wohlthAeter lieb und werth Th. Abbt
verm. w. (1768) 1, 6;
oft in der verbindung wert gehalten bei (von) jem.: so pistu pey mir ewig wert und liebe gehalten Arigo
decamerone 159
lit. ver.; dann ich was lieb und wert bey den edlen und der priesterschafft gehalten Frey
gartenges. 41
B.; der Amalia magd aber ... wurde darum so berhmet und von ihren herrn werth gehalten, weil sie sich vor dem gespenst so gar nicht entsetzte J. Riemer
pol. maulaffe (1679) 30; es war eine von ihnen wert gehaltene meinung, dasz ... Meinecke
Boyen (1896) 1, 1. 1@c@bβ)
einer dativischen bezugsgrösze. 1@c@b@aaαα) jemandem wert sein '
von jem. geschätzt werden' (
s. auch unter d
α): obo uuir unsih minnon,so birun uuir uuerd mannon ioh minnot unsih thratoselb druhtin unser guato Otfrid
H. 131
Kelle; si tuônt al daz si tuônt, daz sie diên liûten uuert sîn
omnia enim facivnt. vt videantvr ab hominibvs Notker(
s gl.) 2, 58, 27
Piper; tiur unde wert ist mir der man, der guot und übel betrahten kan, der mich und iegelichen man nach sinem werde erkennen kan Gottfried v. Straszburg
Tristan 17
Ranke; umb des willen er es (
das rosz) gar liebe het unnd im wert was Arigo
decamerone 189
lit. ver.; so würstu dann den glasern wert so man new fenster dar begert K. Scheit
Grobianus v. 3876
ndr.; welcher dem kOenig sonderbar werth, lieb vnd wol befolhen war Spreng
Ilias (1610) 13
b; der ungemeine glantz von seiner hohen feyer, so meiner seele werth und theuer, bricht ietzund an Henrici
ged. (1727) 1, 5; (
ich) beschwöre ... sie (
anrede) bei allem, was ihnen werth und heilig ist Göthe I 24, 219
W.; auch die besseren (
menschen) sorgen, vielleicht nicht um den beifall der menge, aber doch um die gute meinung solcher, die ihnen werth sind G. Freytag
ges. w. 13 (1887) 114; wer jetzt nicht mit allem, was ihm lieb und wert ist, dafür einsteht, ... der begreift einfach nicht, was dann wird O.
M. Graf
unruhe um e. friedfertigen (1948) 398;
auch nd.: he is mî lêf un wërd Doornkaat Koolman
ostfries. 3, 538. 1@c@b@bbββ) jemandem wert machen '
bei jem. in (
wert-)
schätzung bringen': si machet in lieb und werd got und den lúten Seuse
dt. schr. 12, 25
Bihlm.; das (
charitas) macht dich gott dē herren werdt vnd angenem vnd macht gott den herren dir auch werdt Keisersberg
brösamlin (1517) 2, 27
a; was ihn euch widrig macht, macht ihn mir werth Schiller 12, 411
G.; dasz sie den alten aberglauben abgeschworen, hat sie mir ... lieb und wert gemacht Fontane
ges. w. (1905) I 6, 355; das machte ihn den frauen so wert Feuchtwanger
geschw. Oppermann (1948) 119. 1@c@gγ)
einer genitivischen (
s. auch die belege teil 3, 1134
s. v. es B 27
sowie Behaghel
genetiv bei adjectiven, in: PBB. 43 [1918] 155). 1@c@g@aaaa) einer sache wert sein '
ihrer würdig sein, sie verdienen' (
αα)
oder jemanden (sich, etwas) einer sache wert achten '
ihrer würdig finden'
u. dgl. (
ββ). 1@c@g@aaαα) daz uuir uuert sîn des diskesideles? Williram
hohes lied 22, 33
Seemüller; da geschehe iu allez des ir gert. des sît ir weizgot wol wert Hartmann v. Aue
Iwein 7465
Benecke-Lachm.; eyn erbeytter ist seyns lohns werdt (1522)
Luk. 10, 7 (
vgl. got.: wairþs auk ist waurstwja mizdons seinaizos); ... ein guldins grab, desz du wol wirdig bist und werd H. Sachs 2, 35
lit. ver.; dann wer des hellers nicht gegert, der ist des pfennigs auch nicht werth Eyering
proverb. (1601) 2, 17; Gerold der bischoff fellt durchs schwert weil ers gefhrt, so war ers werth Binhardus
thüring. chron. (1613) 41; solch ein werk ist eines denkmaals wehrt
dt. schaubühne (1740) 4, 262
Gottsched; beweist dieses nicht, dass sie ihr schicksal verdienen und keines bessern werth sind Klinger
w. 3 (1815) 192; (
Wilhelm war) überzeugt ..., dasz er eines solchen glückes nicht werth sei Göthe I 21, 83
W.; wer sich selber macht zum knechte, nicht ist der goldnen freiheit werth A. v. Droste-Hülshoff
ges. schr. (1878) 1, 372; ein ziel, des schweisses wert Feuchtwanger
d. falsche Nero (1947) 260.
oft mit genitivischen vorgangsbezeichnungen (
nomina actionis oder infinitiven)
verbunden: schiede du helflîche dan, sô ist dîn lîp wol prîses wert Wolfram v. Eschenbach
Parzival 253, 23
Lachm.; seine rAeth lang ratschlagend nichts konden so hochschAetzigs erdencken, das ainer so prAechtlichen verwarung werdt were (
in einer goldenen truhe) Schaidenreiszer
Odyssea (1537)
vorr. 6; der kluge ... Machiavellus ... lachens oder mitleidens wrdig und werth seye Schupp
schr. (1663) 421; sind der bewunderung wie des betrachtens werth König
ged. (1745) 30; es schien des versuches werth Mommsen
röm. gesch. 5 (1894) 5; gibt es keine geschriebene zeitung, die des lesens wert wäre, so gibt es eine gesprochene A. Zweig
einsetzung e. königs (1950) 126;
besonders häufig in wendungen wie das ist (nicht) der rede
oder mühe wert: wenn die schwermer nicht so ungelerte logici weren, so hetten sie die stcke konnen treiben, das were auch der reden werd gewest Luther 26, 439
W.; ich wil es meiner frentschaft clagen, das dw mich ebertag thuest schlagen oft vmb ein schlecht ding hewr wie fert, das doch oft ist der red nit wert H. Sachs
s. fastnachtsp. 6, 3
ndr.; es ist aber diser vnterschaid der red nicht werth (1616) Kepler
opera 5, 595
Frisch; je nun — es ist zwar nicht der mhe werth Chr.
F. Weisze
lustsp. (1783) 3, 14; ein altes wiederholtes spiel, bei dem man es nicht einmal der mühe werth gefunden hat, eine neue erfindung anzubringen Tieck
schr. (1828) 17, 9; und von dem andern rede nicht mehr, es ist der rede nicht wert Fontane
ges. w. (1905) I 5, 231; den neunundsiebenzig jahren zulieb, die sie (
anrede) auf dem rücken schleppen, hab ich's getan. es ist ja nicht der rede wert A. Supper
holunderduft (1918) 135; das ist die einzige form von macht, die der mühe wert ist Feuchtwanger
d. falsche Nero (1947) 123.
auch mundartlich: 's is nich der mühe, der rede wäärt Müller-Fraureuth
obersächs. 2, 659; des ist (
net) der red
e wert '
erwähnenswert' Fischer
schwäb. 6, 1, 721;
alemannisch oft in der elliptischen wendung: s is
t nit d
er wárt '
es ist nicht der mühe wert, als erwiderung auf vorhergegangenen dank; oft auch im ärger als einleitungsformel ...'; s ist d
er wárt ('
es lohnt sich'),
dass m
er si
ch buckt d
erwëje
n Martin-Lienhart
elsäss. 2, 858; Follmann
lothr. 538; Seiler
Basel 310; Hunziker
Aargau 294; Stucki
ma. v. Jaun (Freiburg) 32. 1@c@g@bbββ) daz wâre lieht wirt uns gegeben, darzuo daz engelische leben, darzuo swaz unser herze gert, ist daz wir uns des machen wert (1200/1220) Otto II. v. Freising
Laubacher Barlaam 2973
Perdisch; die pfarrer ... achte ich aller eren wAerdt Eberlin v. Günzburg
s. schr. 1, 77
ndr.; wer hat den Kato-Portius der seulen wehrt geschAetzet? G. Neumark
fortgepfl. lustwald (1657) 1, 146; finden sie (
anrede) diese blätter einer abschrift zu künftigem gebrauche werth (27. 5. 1819) Göthe IV 31, 157
W.; er hielt sie keiner erwiderung wert Mörike
ges. schr. 3 (1905) 64
Göschen; sind denn nur mir die züge schön und lieb, dasz keiner sie des wahrens werth geachtet? A. v. Droste-Hülshoff
ges. schr. (1878) 2, 251; der sich selbst groszer dinge wert achtet Nic. Hartmann
ethik (
21935) 405. 1@c@g@bb@bbbb) einer person wert sein '
ihrer würdig oder ihr angemessen sein': swer der selben (
vater und mutter) für mich gert, daz wizzet, der enist mîn (
Christi) niht wert (1200/1220) Otto II. v. Freising
Laubacher Barlaam 10 270
Perdisch; ja, er ist dein wirdig und wert (
als gatte) H. Sachs 13, 29
lit. ver.; ein mensch ist desz andern wol werth Petri
d. Teutschen weiszh. (1605) X 7
a; der gute könig hörte mich an, bis ich geendigt und meine dankbarkeit mit wenigen worten, die seiner werth waren, ausgedrückt hatte Göthe I 44, 36
W.; köpf mich mit dem grafenschwerdt, wie es eines ritters werth Brentano
ges. schr. (1852) 5, 60; denk mir's oftmalen, ich bin dein gar nit wert E. v. Handel-Mazzetti
Jesse u. Maria (1911) 110; diese beiden knickse aber waren mindestens eines kaisers wert Rilke
ges. w. (1927) 4, 181. 1@c@g@bb@cccc) goldes wert sein
u. dgl., mit wertangaben verschiedener art verbunden: tanti valet somihilesuuerdes uuerdist (10./11.
jh.)
ahd. gl. 2, 274, 9—12
St.-S.; jâ weist dû vil wol war ich dich sande vert; disiu reise ist goldes wert Neidhart
lieder 10, 36
Haupt; der kost, diu an der krône læge, si wær zweir tûsent marc wert (1300—1318) Ottokar v. Steiermark
österr. reimchron. 69214
Seemüller; wie sie (
die edelsteine) köstenlich und grosses geltes wert waren (
di gran valore) Arigo
decamerone 77
lit. ver.; er nam dem schefer ausz der herd ein schaff, das war eins glden werd Er. Alberus
fab. 29
ndr.; von denen sagt man gmein auff erd, er ist nit einer nesteln werth, nit einer leus er werth thut sein Eyering
proverb. (1601) 2, 360; das facit: diese welt keines pfifferlings werth maler Müller
w. (1811) 2, 22; ein fromm gemüt oft liebt und ehrt, was vor der welt nicht hellers wert Mörike
w. 1, 245
Maync; vor allem noch in der sprichwörtlichen verbindung eigener herd ist goldes wert: ein eigen hêrt ist goldes wêrt Tunnicius
sprichw. (1515)
nr. 440; eygner herd ist golds werdt
schöne weise klugreden (1548) 9 b; ein sprichwort kommt mir zur rechten zeit: der eigne herd sei goldes werth Baumeister
zimmermannsspr. (1837) 11. 1@c@g@bb@dddd)
als besonderer typus findet sich im älteren dt. die verbindung mit wertangebenden personenbezeichnungen: thaz uuas engilo uuerdioh himilriches alles (
der in der erde liegende schatz, der leichnam Christi, hatte den wert der engel und des ganzen himmerlreiches) Otfrid IV 35, 15
Kelle; kain eysen mich (
den riesen Kolkan) verschneidet nicht dann dein pfeil und mein schwert. nun pin ich nit aines mannes wert (
nun habe ich verwundeter nicht mehr den wert eines einzigen mannes) Heinrich v. Neustadt
Apollonius 5476
Singer; und findestu einen buchstaben drinnen, der sich jns fegfeur oder auff die verstorben seele reime, so wil ich keins menschen mehr werd sein (
nicht mehr den wert eines menschen haben, d. h. als mensch gelten) Luther 30, 2, 386
W.; dann so einer den thurnier verschüttet vnnd durch volgende vnthat mehr oder eine verwirckt, solt er in ewigkeyt keins edelmanns mehr werdt sein Seb. Franck
Germaniae chron. (1538) 87
a (
vgl. ebda 87
b: bei peen vnnd verlust seines adelichen namens): was dir nit mit grossem schreyen zu deiner meinung will gedeyen, das soltu beschirmen mit dem schwerdt, so sicht man wer eins mans ist wert (
wer manneswert hat, d. h. den namen eines mannes verdient) K. Scheit
Grobianus v. 3743
ndr.; daneben der deutlichere typus: der sein gut mit vnntzen leuten verthut, ist nicht werth des namens eines menschen Friedrich Wilhelm
sprichwörterreg. (1577) e 2
a. 1@c@dδ)
einer akkusativischen (
s. auch teil 3, 1134). 1@c@d@aaaa) etwas
oder jemanden wert sein,
wie γ aa
und bb;
die akkusativische anwendung schlieszt an das muster undeutlicher genitivkonstruktionen an, die als akkusative verstanden werden konnten: wie weis ich aber obs die fursten werd sind? (1530) Luther 30, 2, 447
W.; rechtschaffen lieben ist wohl gegenliebe werth Opitz
teutsche poemata 41
ndr. seit dem 15.
jh. ist hier der akkusativ im vordringen, hat den genitiv allerdings bisher nicht verdrängen können: secht, wie hat er das creuz getragen: er ist noch so starck wol, das man in dar an hengen sol; das ist er doch wol werdt, als ich von manichem Juden hab gehOert (2.
h. d. 15. jhs.)
Egerer fronleichnamsspiel 230
Milchsack; ob er hasz oder liebe werth ist (1522) Luther 10, 3, 108
W.; gelt vmb dienst ist nicht danck werth Lehman
floril. polit. (1662) 1, 86; ihr habt mich zu lieb, ihr guten menschen: ich bin das nicht werth und meine sachen auch nicht (1789?) Mozart
bei Jahn (1856) 3, 498; bin ich die ritterliche rechte nicht werth? Göthe I 8, 16
W.; er (
der kammerdiener) ist ein galanter mensch, er wär wohl eine dame werth Hafner
ges. schr. (1812) 1, 7; es musz ein riesenhafter geist gewesen sein, der dieses weib erzogen hat. ich bin sie bei weitem nicht werth Stifter
s. w. 1 (1904) 113; weil ja so ein nützliches heim die unterstützung doch wert sei O.
M. Graf
unruhe um e. friedfertigen (1948) 393.
auch nd.: de boom is den platz gorni vēad (
von einem schlechttragenden baum) Mensing
schlesw.-holst. 5, 597. 1@c@d@bbbb)
mit wertangaben verschiedener art verbunden. 1@c@d@aaαα)
wie γ cc;
hier hat sich der akkusativ gemeinhin durchgesetzt und hat den ursprünglich üblichen genitiv auf wenige wendungen zurückgedrängt; auch dieser gebrauch schlieszt an undeutliche genitivgefüge an, die akkusativisch aufgefaszt werden konnten: aber als man das golt ab geschabet (
von dem bilde), so were es kume zwelf phenning wert. also ist mit diser ssser biltlicher minne: ... als man die alleine ab geschbe, so were, was do blibe, harte kleines schatzes wert Johannes Tauler
pred. 248
Vetter; ainen visch, der iiij schilling wert ist (1379)
österr. weistümer 5, 380;
danach dann fälle wie: das über zechen tausent ducaten wert sein mocht Arigo
decamerone 153
lit. ver.; ein wort geschwiegen zu seiner zeit ist gold wehrt Zinkgref-Weidner
weisheit 3.
theil (1653) 28; so ist auch seine ratio, welche er wider den Aristotelem bringet, nicht ein haar werth Prätorius
winterflucht (1678) 339; demnach ists eine recht heillose rede, wenn man von manchem menschen zu sagen pfleget: er ist nicht einen schusz pulver werth Chr. Starke
synopsis 3 (1737) 1067; das sprichwort sagt: ein eigner herd, ein braves weib, sind gold und perlen werth Göthe I 14, 157
W.; dieses besagte genus ist durch die bank keine leere weinflasche werth Gaudy
s. w. (1844) 17, 102; das seien galgenvögel, die nur deshalb noch nicht gehenkt wären, weil sie keinen strick wert wären R. Huch
kampfum Rom (1925) 354;
so auch mundartlich weit verbreitet: dat gôd is hêl gên geld wërd Doornkaat Koolman
ostfries. 3, 538; da ene is n sechser wart, dr andr zwe greschla (
gleichheit) Rother
schl. sprichw. 386; ër ist ke
inen (schiss)drëck
oder auch k. pfennig wárt Martin-Lienhart
elsäss. 2, 858; ds g'sángel îst n bàtzen werth
volksschausp. 207
Hartmann-Abele. besonders geläufig sind verbindungen mit einem pronominalen akkusativ: (
sie) gab ir fünffhundert pfunt und so vil schöner kleynet, die auch wol so vil wert waren Arigo
decamerone 232
lit. ver.; solhen anfanng nennt Paulus ein newe creatur, sprechend, daz in Cristo Jhesu weder die besneydung noch vnbesneydung etwas werdt sey Berthold v. Chiemsee
theologey 37
R.; du hast mir ein mann geben, der ... wenig oder auch gar nichts werdt ist Montanus
schwankb. 316
lit. ver.; was sie gelten vnnd werth seyn Lehman
floril. polit. (1662) 1, 264; im felde, da ist der mann noch was werth, da wird das herz noch gewogen Schiller 12, 57
G.; stärk und gesundheit sind viel wert, wenn sie richtig gebraucht werden O. Ludwig
ges. schr. (1891) 2, 124; ... dasz sie dies und noch mehr wert sei H. Mann
d. blaue engel (1950) 196; was isch das hus wèrt? Follmann
lothr. 538; da's ja vel vead (
als spöttische abweisung) Mensing
schlesw.-holst. 5, 597;
auch in der wendung einander wert sein '
gleichwertig sein, einander nicht nachstehen (
an kraft, tugend oder untugend),
zueinander passen': man sieht: diese gegner waren einander werth Ranke
s. w. (1867) 1, 153; vater und sohn waren einander werth gewesen Fontane
rom. u. nov. (1890) 7, 119; sie und er wären einander wert gewesen O.
M. Graf
unruhe um e. friedfertigen (1948) 143.
umgangssprachlich finden sich gelegentlich wendungen wie er ist eine million wert '
besitzt eine million, ist reich, steht hoch im kurs'
oder er ist im jahre 50 000
m. wert '
hat ein jahreseinkommen von 50 000
m.'
; anschlieszend an engl. fügungen wie to be worth a million, to be worth ℔ 1000 a year: ein kleiner edelmann, der jährlich kaum hundert pistolen werth ist Wieland
s. w. (1853) 1, 71; und nun noch zum schlusz eine öconomisch-mercantilische frage: wenn herr Wild (
der grosze sänger) 5000 rh. werth ist, was ist denn Moltke werth? (7. 11. 1816
an Zelter) Göthe IV 27, 222
W.; also jeder halte ein buch ... für einen Engländer, bei welchem man fragt: wie viel ist er werth? Jean Paul
w. 48, 74
Hempel; ganz wie man ... sagt: 'der ist eine million wert', so heiszt es hier: 'der ist zehn oder mehr ringe diwarra wert' Ratzel
völkerk. 2 (1888) 226. 1@c@d@bbββ)
als besondere variante erscheint der im neueren dt. verbreitete typus das ist den einsatz wert
u. dgl., '
das lohnt den einsatz': die summe ist wohl einen versuch werth Göthe I 8, 79
W.; ihr mann hätte einen brief von dir, der allein für mich eine reise nach St. Goar wert sei (8. 2. 1843) L. v. Gall
an L. Schücking in: br. 165
Muschler; (
Ansorge:) nu, jaja, das is auch an fluch werth Gerh. Hauptmann
weber (1892) 41; also muszte dessen (
des unternehmens) preis den einsatz (
des lebens) wert sein E. Stickelberger
liebestraum d. Polyphilos (1929) 35; wenn Paris eine messe wert war, so Litauen einen namen und eine schwierige grammatik A. Zweig
einsetzung e. königs (1950) 234. 1@c@eε)
mit einer infinitivischen ergänzungsbestimmung: das sie nicht werd sollen sein, mir die schuchrymen auff zulOesen Luther 23, 29
W. (
vgl. got. þizei ik ni im wairþs anahneiwands andbindan skaudaraip skohe is
Mark. 1, 7); doch ist auch diese that wol werth zugedencken S. Feyerabendt
ungar. chron. (1581) 114
b; ... dasz deren höchstgepriesene tugenden wert und würdig seien, von männiglich verehrt zu werden Abraham a
s. Clara
w. 2, 70
Strigl; wer, wenn das vaterland in noth ist, einen andern gedanken als seine rettung fühlt, ist nicht werth, in einem freien staat zu leben Klinger
neues theater (1790) 1, 8; ich bitte dich ..., dasz du mich werth achtest, die sonne wieder zu sehen Göthe I 43, 365
W.; es ist ein welthistorischer augenblick, — wohl werth, in erinnerung gebracht zu werden —, in welchem Cäsar Albion betrat Ranke
s. w. (1867) 14, 6; eine rotte von menschen, nicht wert, den namen Deutsche zu tragen, wagt es, die geheiligte person des monarchen in den staub zu ziehen H. Mann
untertan (1949) 240. 1@c@zζ)
mit einer gliedsatzbestimmung: uuanda siê uuerd nesint daz dû siê heîlest Notker 2, 271, 15
Piper; wir wâren wert nu mange zît daz wir geworfen âne strît wæren von den ougen dîn (1200/1220) Otto II. v. Freising
Laubacher Barlaam 14 348
Perdisch; dann sOelt ich andern sagen war, vnd mOegen selbs nit hOeren gar der gleichen auch, so wAer ich werd, das mich nit lenger trg die erd U. v. Hutten
opera 1, 452
B.; du werest werth unnd hettest wol verdienet, dasz ich auch dich in das wasser wrffe R. Lorichius
paedagogia principum (1595) 116; wrdig vnd wehrt ist dieser kOenig das man jhn ... liebe Dannhawer
catech. (1657) 4, 463; die wahrheit ist wohl werth, dasz wir sie bis in den tod bekennen! Lessing 8, 18
L.-M.; oho ... was die igel und die meisen und finken wert sind, werden wohl auch noch menschen wert sein, sollte ich meinen A. Supper
auf alten wegen (1928) 29; die Silvan ist nicht wert, dass du dich noch ärgerst O.
M. Graf
unruhe um e. friedfertigen (1948) 326;
auch mundartlich: -en ass net w
îert, dat der dwel en hölt
luxemburg. ma. 485
a. 1@dd)
mit mehrfacher ergänzung. 1@d@aα)
mit dativ und genitiv bzw. akkusativ: es ist mir nicht der mühe werth (1781) Mozart
bei Jahn (1856) 3, 67; so — so viel bin ich dir werth, dass deine freude thränen und keine worte hat Klinger
w. (1809) 1, 189; so ist denn alles nichts, ... wenn das eine fehlt, das dem menschen alles übrige werth ist! Göthe I 23, 247
W.; so ist ihm alles klein und nichts der rede werth Müllner
dram. w. (1828) 5, 14; ein einzig wort, bin ich euch diesz nicht werth? Deinhardstein
ges. dram. w. (1848) 4, 142; was eine mutter dem kind werth ist, lernt man erst, wenn es zu spät ... ist (1847) Bismarck
br. a. braut (1900) 49; auf mein geschwätz zu antworten, ist ihm nicht der mühe werth
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893) 4, 130. 1@d@bβ)
mit genitiv und ergänzendem infinitiv bzw. bestimmungsgliedsatz: die des uuerd nesint. daz sie
pater sî
trahens ad filium dir fater ziehende ze sînimo sune Notker 2, 364, 1
Piper; mîn lîp wære des wol wert daz mich mîn selbes swert zehant hie an im ræche und ez durch in stæche Hartmann v. Aue
Iwein 3995
Benecke-Lachm.; denn sie ist der ehre wohl werd, das jhr solchs widerfert (1480) Dietr. Schernberg
spiel v. frau Jutten 1195
Schröder; seyt nur frolich und danckt gott, das yhr des werd seyt worden, sein wort zuhören (1524) Luther 15, 72
W.; Bouillons geweihtes heldenschwert war ganz allein der ehre werth, dasz ihn Jerusalem zum königsthron erhoben Gottsched
neueste ged. (1750) 95; zwei heldenstämme kühn siehst du in dir allein zusammen flieszen. du weiszt, wie, ihrer werth dich zu erziehn, dein vater keine müh sich liesz verdrieszen A. v. Droste-Hülshoff
ges. schr. (1878) 2, 226. 1@d@gγ)
mit akkusativ (
gemeinhin es)
und einem infinitiv oder gliedsatz als ergänzungsbestimmung: die ... es nicht werd sein, das man jhnen ein stcke brots giebt Pape
bettel- und garteteuffel (1586) J 5
b; nur Teutschland ist es wehrt, dass gott mit diser kunst so spaht es erst verehrt Rompler v. Löwenhalt
erst. gebüsch (1647) 57; hole die flöte, die der sänger Hylas an die mir geheiligte eiche hieng; du bist es werth, ihm nachzuspielen Gessner
schr. (1777) 1, 18; er ist es auch in der that schon werth, dasz ein frauenzimmer um ihn seufzet Lessing 2, 41
L.-M.; die (
dämchen) seien es denn doch nicht wert, dass man seine existenz und die von anderen leuten auf den kopf stelle H. Mann
d. blaue engel (1950) 187. 1@ee)
prädikative steigerungsformen. 1@e@aα) werter (mehr wert) sein
oder werter halten als ...
u. dgl.: ja bistu von der künfte min werder, dan du wandest sin Gottfried v. Straszburg
Tristan 4382
Ranke; den solten wir vil werder haben denne uns selber Johannes Tauler
pred. 159
Vetter; spricht ouch Paulus, dasz wir ie einer den andren soll werter oder thürer schätzen denn sich selbs Zwingli
dt. schr. 1, 230
Sch.; der pfennig ist niendert werder vnnd angenemer, dann da er geschlagen worden Paracelsus
opera (1616) 1, 909
a; Jesu ... ... was kan ich hOeher setzen, oder theur- und wehrter schAetzen als dein' Aedle purpurfluht? G. Neumark
fortgepfl. lustwald (1657) 1, 59; ihre gegenwart deuchte ihn noch lieber und werther als vorher Göthe I 24, 264
W.; oft in der wendung jemandem werter sein als '
von jem. mehr geschätzt werden als': uuanda dir uuerdera ist diû beta dero himeliscon guôto danne dero irdiscon Notker 2, 227, 17
Piper; och in diseme ein stunde zuo sinde ... daz ist tusent werbe nútzer und gotte werder dan viertzig jor in dinen eigenen ufsetzen Johannes Tauler
pred. 33
Vetter; das so wir theuer erkauffen und etwas bedachtsamer verstehen, ist uns so viel lieber vnd wehrter, dasz ich auch meine meinung durch ein gleichnisz sage Harsdörffer
gesprächsp. 1 (1644) 17; er wird mir ewig werth, mir ewig werther, als mein leben bleiben Lessing 3, 82
L.-M.; keine seiner fähigkeiten ist dem menschen werther als die ein bildungskraft Göthe I 40, 204
W.; freiheit däuchte ihnen werther als köstliche steine E.
M. Arndt
schr. f. u. an s. lb. Deutschen (1845) 1, 260.
im neueren dt. tritt prädikatives werter
gegenüber mehr wert
zurück; bereits Adelung
erklärt: '
die comparation ist in dieser bedeutung nicht üblich, sondern musz durch mehr, weniger, am meisten, am wenigsten
umschrieben werden': er ist mehr werth als du 4 (1801) 1507;
literarische belege: dann kann ein zug mehr werth seyn wie hundert A. W. Schlegel in:
Athenäum (1798) 1, 1, 159; so wie das wenige, was Fichte über den Luther aber ganz herrlich gesagt hat, mehr wert als Villers dickes buch ist (1. 6. 1809) J. Grimm
an Savigny bei Schoof
br. 72. 1@e@bβ) am wertesten (der werteste) sein: des dritten thurnierten die ritter, die die richsten waren und die werdsten
Lancelot 1, 217
Kluge; es was do eine gewonheit: wer aller meist wibe und kinde hette, der was aller werdest (
anf. 15.
jh.)
städtechron. 8, 272 (
Straszburg); wann der gast am werthesten ist, soll er wegziehen Eyering
proverb. (1601) 3, 380; der mensch und das menschliche wurden am werthesten geachtet Göthe I 46, 23
W. im neueren dt. unüblich geworden (
s. unter α). 22)
attributiv. 2@aa)
als beiwort von personen- und sachbezeichnungen, ohne weitere bestimmungen gebraucht. 2@a@aα)
im sinne von '(
wert-)
schätzung verdienend, edel'
oder auch '
wert(
e)
habend, kostbar, herrlich'. 2@a@a@aaαα)
personencharakterisierend; geradezu als modewort der mhd. dichtung auftretend: swer werden wîben dienen sol, der sol heimlîchen varn (
um 1170) Meinloh v. Sevelingen
in: minnes. frühl. 12, 1
Lachm.-Kraus; ir sult ouch werden vrouweüber manigen werden man, die mîner vrouwen Helchenwâren undertân, und über manige vrouwen,der si het gewalt, von hôher fürsten künne,sprach der küene degen balt
Nibelungenlied 1236, 1
Bartsch-de Boor; der ich ähte nider stach, da'z manec wert juncfrouwe sach Wolfram v. Eschenbach
Parzival 135, 10
Lachm.; von den werden Swaben wart ritterlich gevohten Joh. v. Würzburg
Wilhelm v. Österreich 17 559
Regel; recht zucht und ere lernen die werden frauen in irer schul Joh. v. Saaz
ackermann 190
Hammerich-Jungbluth (
kap. 29, 17);
und auch im neueren dt. noch gelegentlich anzutreffen, wenngleich nicht immer deutlich von β zu scheiden: Cypselus der sun Etion solle sein ein künig wert! der Corinther wie jm ist beschOert Boner
Herodot (1535) 76
a; die werthe fürstin folget mir, die schon ein höher reich erblicket Gryphius
trauersp. 152
Palm; der held von solchem sange gar hohen mut gewann, und unter süssem klange entschlief der werte mann Uhland
ged. 1, 379
Schmidt-H.; und als das morgengrau in die kemnate sich stahl, da hatte die werthe frau geseufzt schon manchesmal A. v. Droste-Hülshoff
ges. schr. (1878) 1, 260. 2@a@a@bbββ)
sachcharakterisierend; auch in dieser anwendung besonders im mhd. sehr verbreitet: des freude sich an sorgen rach, swer dâ nâch werder (
hoher) minne sprach Wolfram v. Eschenbach
Parzival 641, 6
Lachm.; daz nieman ane ir (
der liebe) lere noch tugende hat noch ere. so manec wert leben, so liebe (
nominativ) vrumet, so vil so tugende von ir kumet Gottfried v. Straszburg
Tristan 191
Ranke; nû merket wie der linden stê der vogele singen, ... noch baz stêt wîben werder (
BC: schoner) gruoz Walther v.
d. Vogelweide 43, 36
Lachm. (
vgl. Jellinek
in: PBB. 43, 3); swer der was der grôze kraft begienc (oder) uopte friuntschaft oder anders kunde machen mit listen werde sachen ... den selben êrten sie dâmite: ... (1200/1220) Otto II. v. Freising
Laubacher Barlaam 13 621
Perdisch (
v. 13 628: grôze sache); da mit er lert die strazze der tugend und di weg der werden baren stete (= wâren stæte) (1369) Heinrich v. Mügeln
bei Anton Schönbach
miscellen a. Grazer hss. 9,
in: mitt. d. hist. ver. f. Steiermark (1898) 46; du Bethleem vil werde statt, unser herr dich dar z hat dich erwellet, das du solt sin aller stette frstin und von Judea die minste nicht. gross wirdikait dir geschicht (14.
jh.)
schauspiele d. mittelalters 1, 152
Mone; doch auch noch im älteren nhd. üblich: der ist zwifeltig hbsch vnd schon vnd ist ein edle, werde kron Er. Alberus
fab. 60
ndr.; die nacht wir also auff der erd verzogen, da der morgen werd herfürer trat. Aurora schon mit rosenfarb schOen angethon ... Fischart
flöhhaz 15
ndr.; dein ritterliche mannheit werth ist in weibliche forcht verkehrt Spreng
Ilias (1610) 98
a; sey gegrst ein gefäsz der miltigkeit, ein schreinlein werth vnd reiche, darin himlischer sussigkeit ein schatz ligt wunderliche (
anf. 17. jh.)
kathol. kirchenl. 1, 599
Kehrein; die freundschafft gibt das hertz: die klugheit werthes ertz Harsdörffer
teutsch secretar. (1656) 1, 1 a 2 b (
vorr.); o! wie musz denn deine seele, weis- und grosser printz von Hessen, dem unendlichen monarchen ein so wehrter spiegl seyn Brockes
ird. vergn. (1721) 4, 23; wenn er sich in der welt als in einem groszen, schönen, würdigen und werthen ganzen fühlt Göthe I 46, 22
W.; zuweilen im sinne von '
gut': ja, was von gutn büchern wird feil in teutscher sprach, die kauff ich auff ... kein grösser frewd hab ich auff erd, denn zu lesen die bücher werth H. Sachs 21, 109
lit. ver.; oder auch '
wertvoll, wichtig': triumphirend hob Elise das werthe schriftstück empor ...: die bank anerkennt unser guthaben
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893) 4, 373;
auch die im mhd. schon begegnende anwendung im sinne von '
ehrenvoll' (
vgl. Kudrun 912, 2
M. und Göttweiger Trojanerkrieg 18 579
K.)
findet sich noch gelegentlich im älteren nhd.: der todt der heiligen ist ein werder herrlicher todt fr gott Petri
d. Teutschen weiszh. (1605) B 2
b; die könige hielten vor jahren die poeten in wehrtem stand und liesz ihnen ihr milte hand vil ehr und güter widerfahren Weckherlin
ged. 1, 208
Fischer. 2@a@bβ) '(
wert-)
geschätzt'
; in dieser bedeutung wird attributives wert
besonders im älteren nhd. geläufig, wobei der gebrauch von '
hochverehrt'
bis zu '
teuer, lieb'
reicht (
vgl. liebwert
teil 6, 980). 2@a@b@aaαα)
personencharakterisierend: ir sultz niht anders hân vernomn, wan daz der vischær sî komn. dar gêt: ir sît im werder gast: und schütet ab iu zornes last Wolfram v. Eschenbach
Parzival 229, 21
Lachm.; wenn wir daz allez volpringen, sô hab wir mangen haimleichen nutz volprâcht ze dienst der werden muoter (
Maria) und dar nâch guoten freunden (1350) Konrad v. Megenberg
buch d. natur 54
Pfeiffer; gott den allmächtigen, sin werte, liebe mutter Mariam ... bitten (15. 4. 1488)
urk. z. gesch. d. schwäb. bundes 24
lit ver.; nu sicze nidder, fraw minn! den unmud saltu losszen sinn: wan du bist mer ein werdes wipp. viel lieber ist mer din zarter lipp dan aller disser wernde gut (1501)
Alsfelder passionsspiel v. 750
Grein; es nennet jhn bei seinem eigen namen und gibt jm so einen freundlichen zunamen, nennet in einen lieben oder wehrten Daniel G. Nigrinus
Daniel (1594) 336; in erwegung dessen vnd damit diese vortreffliche geschichte ... der werten posteritet vnverfAelscht hinterlassen wrden ..., haben meine obern den gantzen verlauff ... mir auffgetragen Chemnitz
schwed. krieg 1 (1648) 2; sagen sie ihrer vortrefflichen gattin und ihren werthen schwestern, dasz es mich unaussprechlich freut, in ihrem andenken noch zu leben J. G. Forster
s. schr. (1843) 7, 136; was seh' ich? ihr, herr Werner! nun bei gott! ein werther, theurer gast! Schiller 14, 296
G.; nicht wenige unter diesen phantasiegebilden haben ... so reiche ausbildung erhalten, dasz sie auch den schaffenden wie alte werthe freunde während seiner arbeit umgeben G. Freytag
ges. w. 14 (1887) 51; haben sie (
frau von Wulckow) denn so viele dichter in ihrer werten familie? (1914/18) H. Mann
untertan (1949) 283.
oft in der anrede, als ein ausdruck der wertschätzung des angesprochenen (
s. auch unter c
β): Herodes sprach got er dich, werder nefte min, din zung mss sAelig sin! (14.
jh.)
schausp. d. mittelalters 1, 177
Mone; dj red (
des klausners) gieng mir gar hoch zuo muot; ich sprach, o werder bruoder guot Schwarzenberg
Cicero (1535) 151
a; Jesu, komm doch selbst zu mir und verbleibe für und für: komm doch, wehrter seelen freund, liebster, den mein hertze meint Joh. Scheffler
ev. kirchenl. 5, 370
Fischer-Tümpel; werthes paar! ... (
beginn eines hochzeitsgedichts) Logau
sinnged. 14
lit. ver. (
vgl. ebda: liebes paar!); du liebes werthes kind, vernimm itzt, was ... Chr. Reuter
Harlequins hochzeit-schmausz 46
ndr. (
entrée); hochgeehrte herren, vornehme patroni und werthe collegen Herttwig
berg-buch (1734) 1; (
major:) aber hören sie, werther herr Läuffer Lenz
ges. schr. (1828) 1, 10; werthe freundin (
Serlo zu Aurelie) Göthe I 22, 95
W.; ich wünsche guten morgen, werthe damen Schnitzler
d. grüne kakadu (1899) 7;
noch zu beginn dieses jahrhunderts (
vor dem ersten weltkrieg)
üblich, wenngleich nun mit einem leichten tone der überlegenheit gebraucht: 'sie sind willkommen, mein werter herr Grünlich!' sagte der konsul (1901) Th. Mann
Buddenbrooks (1925) 1, 118; sagen sie mal, werte frau, kennen sie vielleicht 'ne familie Badekow in Tempelhof? (
ein stadtreisender zu einer kaufmannsfrau, in einem gasthausgespräch) (1910) C. Viebig
die vor d. toren (1949) 19; sind sie nicht, mein werter herr doktor, in einer ähnlichen lage wie damals ihr vater? (1914/18) H. Mann
untertan (1949) 118.
im gegenwärtigen dt. ist wert
kaum noch als anrede zu gebrauchen; es wird als abschätzig empfunden: das kann ich ihnen ohneweiters erklären, werter herr. wir haben die pflicht, dieses land von allen betrügerischen, hinterhältigen und schädlichen elementen zu befreien Fr. Werfel
geschw. v. Neapel (1931) 405; 'sehr geehrter herr Oberholzer!? ausgeschlossen!' ... am liebsten hätte er eine saugrobe anrede über den brief gesetzt, dann gab er nach und wollte einfach 'werter Oberholzer' dafür schreiben O.
M. Graf
unruhe um e. friedfertigen (1948) 149. 2@a@b@bbββ)
sachcharakterisierend; im älteren dt. ist dieser gebrauch zuweilen schwer von α ββ zu scheiden: mancher erfähret nicht ehe, wie ein theure und werthe gabe es sei umb ein frisch und gesund auge, es verderbe ihm denn Rörer
bei Luther
26, 15
Erlanger ausg.; dieses trinckgeschirre ist ein werthes angedencken meines groszvaters Lohenstein
Arminius (1689) 1, 20; mein werthes vaterland einst wieder zu erblicken Joh. El. Schlegel
w. (1761) 1, 17; darf ich um ihren (
anrede) werthen namen bitten? Gaudy
s. w. (1844) 2, 46; wird er (
W.) zugleich im vaterland ein werther hochgefeierter name Justi
Winckelmann (1866) 2, 2, 260; doch gedachte ein jeder seine beute als ein werthes andenken an die verstorbene aufzubewahren G. Keller
ges. w. (1889) 1, 81; als wir gerade im besten schmausen waren, kam Hühnchen 'ganz zufällig' drüber zu und war sehr erfreut, die werte bekanntschaft zu machen H. Seidel
Leberecht Hühnchen (1899) 48; 'hier, bitte', und er gibt ihr einen füllfederhalter. 'nur eine kleine, kleine werte unterschrift' Feuchtwanger
Simone (1950) 258;
oft in anrufen oder anreden: du ausserwehlter schatz auf erden, du werther unnd sssester friede Rist
d. friedejauchz. Teutschl. (1653) 151; o nimm mich, werther flusz! und führe mich mit dir Gottsched
neueste ged. (1750) 63; nochmal also ade! Rothweil, werthes theures nestgen! Bräker
s. schr. (1789) 1, 112;
besonders im briefstil des 18./19.
jhs. geläufig: ewr. excellenz sehr wehrte zuschrift vom 16ten dieses habe zu erhalten die ehre gehabt
(amtsbrief für Tauentzien) Lessing 18, 479
L.-M.; für ihren lieben werthen brief ... dancke ich (
an den herzog Carl August) (1787) Göthe IV 8, 239
W.; ich bitte um mittheilung des werthen namens derjenigen, die ... bald den theuren deinen tragen wird
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893) 4, 86; ... um sie (
anrede) zu bitten, uns jede in ihrem werthen hause eintretende veränderung rechtzeitig bekannt zu geben
ebda 32. 2@a@gγ)
ironisch (
vgl. die letzten belege von gruppe β αα);
ansätze zu diesem gebrauch finden sich bereits in den parodien des höfischen minnesangs (
tagelieds): wol ûf, lâz ûz die hert (
weckruf des hirten an den knecht); des erschrac diu dirne und ir geselle wert Steinmar 8, 6
in: die Schweizer minnesänger 180
B.; ob du schon hast ein guten muth mit deinen ketzern werth, die zech muszt du bezahlen theuer (
an den winterkönig, Friedrich V. v. d. Pfalz) (1619/20)
bei Opel-Cohn
dreiszigj. krieg 63; jetzt erschien der gastwirth und hinter ihm ein stämmiger hausknecht, der eine ungeheure thönerne schüssel trug ... 'nun, da bring' ich auch den werthen hündlein das ihrige' scherzte jener Langbein
s. schr. (1835) 31, 126; natürlicherweise gewahrte man von der werten figur des kleinen auch nicht das allermindeste, sondern blosz einen ungeheuren kohlensack E. T. A. Hoffmann
s. w. 14, 168
Gr.; ja ja, mein werther herr Soubise, reist zur madam nur nach Parise
spottlied bei Ditfurth
volksl. d. pr. heeres (1869) 21; liebe Judith, ich weisz nicht, ob du schon unseren werten feind kennst, den herrn doktor Hessling. heute wird er uns vernichten H. Mann
untertan (1949) 222.
oft in verbindung mit person
oder persönlichkeit: kaum hatte ich ihr das gesagt, um nun sogleich von ihrer werthen person den übergang auf ihren beutel zu machen K.
F. Bahrdt
gesch. seines lebens (1790) 2, 95; (
ein gedicht,) in welchem die muse ... und eine andere frauengestalt ... sich um meine werthe person recht wacker zanken Göthe I 21, 42
W.; er soll ... jene schachtel, in welcher vor mehr denn zwanzig jahren seine eigene werthe person auf den bewuszten stein deponirt worden (
als findelkind), annoch besitzen Holtei
erz. schr. (1861) 1, 19; es muss aber diese meine lebensbeschreibung bei zeiten nach meinem tode gedruckt werden, wenn sich noch hie und da ein lesender und rauchender Wiener herr ... an meine werthe persönlichkeit erinnern soll Seb. Brunner
ges. erz. (1864) 1, 125; es hätte sich sogar jeder verachtet, der im stande gewesen wäre, seine werthe persönlichkeit in eine solche lage zu versetzen
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893) 4, 156. 2@bb)
mit ergänzungsbestimmungen (
vgl. 1 c). 2@b@aα)
genitivischen oder akkusativischen (
vgl. ae. healfes pundes wyrðne sâulsceat Bosworth-Toller 1199
sowie as. en suín sestein penniggo uuerht Wadstein
kl. as. sprachdenkm. 24, 14): vnd Leoman jude habe ich geschenkt vnd geben fur alle sin vordrung zechen guldin, nemlich vier guldin en golde und sechs guldin wert gelt ('
silbergeld',
s. dt. rechtswb. 3, 1545) (
um 1500)
Endinger judensp. 95
ndr.; nichts bleibt uns in der faust als die nichtswerthen äste, der stachel dieses creutz, die angst, die seelen peste (1657) Gryphius
trauersp. 160
Palm; eine nichts wehrte sache
cosa di nissun valore Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1285
c; nun als er die angespannten pferde hervorschnauben sieht, da regt sich sein kühner, des vaters werther, göttlicher muth Göthe I 41, 2, 41
W.; diese denn doch aller ehren werthe denkart (
stoizismus) Fichte
s. w. (1845) 5, 504; wir haben damenbesuch gehabt, keinen der rede werthen A. v. Droste-Hülshoff
br. an Schücking (1893) 284; der ehemann, der sich darüber ärgert, dasz man sie (
seine schöne frau) bewundert, ist eine fratze, ein hässliches, lächerliches, jedes spottes wertes ding Kahlenberg
Barchwitz (1902) 50;
bereits Adelung
erklärt jedoch: '
ob man gleich sagt eine nichts werthe sache,
so sagt man doch nie, wenigstens nicht richtig ein zehn thaler werther ring' 4 (1801) 1507. 2@b@bβ)
mit einer dativischen bezugsgrösze: so wirt der verständige leser bey ihnen ... offt schlechte, harte und rawe und den göttern kaum anstehende und gezimliche noch wehrte reden und arten finden Weckherlin
ged. 1, 295
Fischer; es ist dem mir ewig werthen originale durch den mahler weder ein abbruch, noch durch seine kunst ein unnOethiger zusatz geschehen L. A. Gottsched
br. (1771) 1, 14
Runkel; darf ich ... hoffen, dieses der akademie Jena so werthe document ... wieder aufzustellen (24. 6. 1826) Göthe IV 41, 70
W.; bis ein den pilgern werthes grab des märtyrers gebein empfangen Joh. G. Jacobi
s. w. (1807) 1, 104; einige bedenkliche aeuszerungen über ... einige uns gleich werthe persönlichkeiten Bismarck
ged. u. er. 1, 154
volksausg.; wie Adam im paradies seiner nacktheit schämt dieser arme sich der häszlichkeit des ihm werten bildes E. v. Handel-Mazzetti
Jesse u. Maria (1911) 174. 2@cc)
attributive steigerungsformen (
vgl. 1 e). 2@c@aα)
komparativische: Tütschlandt hett nie werdern man dann mich, so ich beschwOeren kan Murner
narrenbeschwör. 4
ndr.; (
Chach:) wird disz, was uns so werth, aus unser hand genommen? (
Sein.:) umb ein noch werther gut, den frieden, zu bekommen (1663) Gryphius
Catharina v. Georgien 195
lit. ver.; er, der ... sich ... hätte überreden lassen, mit aufopferung der werthern hälfte seiner selbst in den orden der Corybanten zu treten Wieland
Agathon (1766) 2, 106; gab es ein seliger, ein werther glück dem mühenden menschenvolk, als in der aura jenes thales friedlich-unschuldige lämmer weiden Herder 27, 69
S. 2@c@bβ)
superlativische (
s. auch unter 3 a
und vgl. an. [þú vǽrer] þess verþost kvenna, at ...
Sigurdarkvida en skamma 32, 1): 'so sprech ich, herre', sprach sie, 'das ir ein der werdest konig werent, der nu lebet ...'
Lancelot 1, 492
Kluge; solche schenckung aber ist nicht silber, goldt oder edelgestein, welches doch vor der welt das hOechste, angenembste und werdeste kleinat unnd schatz ist C. Huberinus
mancherlei form zu predigen (1557) 28
b; wie der ritter Gendolet dem kOenig der werdest vnd frnembste raht were
buch d. liebe (1587) 335
a; des Ammons blutigs end, mein todter Absolon, mein allerwerthester, mein auserkohrner sohn, betrüben mich nicht mehr Gryphius
trauersp. 766
Palm; die feste vor-mauer des wehrtesten Deutschlandes Butschky
Pathmos (1677)
vorr. 5
a; ich empfehle mich ihrem (
anrede) werthesten hause (2. 4. 1786) Lichtenberg
br. 2, 258
L.-Sch.; aber Winckelmann hätte lange zeit ... nach den werthesten, seiner betrachtung würdigsten gegenständen umhergetastet Göthe I 46, 39
W.; hoch Maximilian, unsers kaisers wertester freund E. v. Handel-Mazzetti
die arme Margaret (1911) 192.
oft in der anrede (
vgl.a β αα): ach wertheste zuhOerer Chr. Weise
polit. redner (1677) 31; liebste, wertheste, schOenste princessin! Ziegler
asiat. Banise (1689) 319; kommt, wertheste freunde! Scheibe
musicus (1745) 293; ach, werthester tiefsinn, gestehen sie ... Petrasch
s. lustsp. (1765) 1, 95; sagen sie mir nur einmal, werthester herr, wen diese dinge interessiren Seb. Brunner
ges. erz. (1864) 1, 345; nun ist euch, werteste frau und freundin, die art meines nicht unbedeutenden geschäftes bekannt G. Keller
ges. w. (1889) 1, 225; ich danke für die nachfrage, wertheste mamsell Storm
s. w. (1898) 1, 222;
besonders mit vorangehendem possessivum: tausendfältiges glück hast du, mein wertestes Österreich, zu gewarten (1676) Abraham a
s. Clara
w. 1, 124
Strigl; mein wehrtester schatz!
caro mio bene, caro bene mio! Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1285
c; auch sie, mein werthester freund, waren unter dieser anzahl Nicolai
reise d. Deutschland (1783) 1, VII; ich nehme deshalb, mein werthester herr, das ... anerbieten ... an (3. 4. 1826) Göthe IV 41, 6
W. 33)
substantiviert. 3@aa)
als personenbezeichnung; in der älteren zeit der bedeutung 2 a
α,
im neueren dt. gemeinhin 2 a
β folgend: ich muoz von rehte den tac iemer minnen, dô ich die werden von êrest erkande, in süezer zühte, mit wîplîchen sinnen Hartmann v. Aue
in: minnes. frühl. 215, 15
Kraus; uns schrîbet an sîner epistola Johannes ewangelista, der vil gotes werde (1200/1220) Otto II. v. Freising
Laubacher Barlaam 4726
Perdisch; in Pllen fuor durch ritterschaft der werd mit wernden handen; er hat in manigen landen gebet ritterleichen muot Peter Suchenwirt 28
Primisser (IX 133); Joseph, du getruwer goddes man, du hoist dich eins genommen an, dasz du nach (
noch) den werden wilt bestaden zu der erden den herren (
hehren) licham Jhesus (1501)
Alsfelder passionssp. 6597
Grein; der gelehrte, der werde Petri
d. Teutschen weiszh. (1605) N 8
a; wo sie von dir getrennt, in liedern der verklärten den namen ihres werthen der seele Sappho's nennt Tiedge
w. (1823) 2, 13;
besonders als anrede: wie kOemmt es, werther, sprich einmal, dasz du der Pallas untreu worden? Gottsched
ged. (1751) 1, 152; du erblassest? was ist dir, mein werther? (1768) Gerstenberg
Ugolino 258
H.; aber erleichtern sie ihre brust, werter! E. T. A. Hoffmann
s. w. 4, 12
Gr.; meist superlativisch: ihnen, mein werthester, traue ich vor einer unzAehligen menge anderer, in allen guten eigenschaften, den grOeszten vorzug zu Schwabe
belust. (1741) 1, 189; ihr liebes schreiben, mein werthester, bester ... erhalte ich ... erst heute (13. 2. 1818
an Schlosser) Göthe IV 29, 50
W. u. ö.; der pfarrer ..., sich zum leise athmenden lehrer wendend, sprach: 'sie müssen jetzt schon so gefällig sein, werthester!' Seb. Brunner
ges. erz. (1864) 1, 6; wollet sie (
die fälle) mir noch einmal vorlesen, wertester!
qu. a. d. j. 1938.
der komparativ erscheint nur vereinzelt substantiviert: eine gestalt voll anmuth und holder, redender sitten, die ich in meinem morgen der jahr' an einem geliebet, der mein wertherer war. in welchem ich lieblicher lebte; gottes liebling Bodmer
Noah (1752) 13. 3@bb)
als sachbezeichnung: la allen dinen flis heruf gan ... so wurt dir ..., das du wurst gesat in das grOeste, in daz nehste und daz allerwerdeste daz got hat Johannes Tauler
pred. 90
Vetter; Griechenland hat auch nichts so seltzames und werthes besessen Lohenstein
Arminius (1689) 1, 127; ort, der mir nur verdrusz statt glück und ruhe gab, nichts werthes hast du mir, als meines Hannchens grab! (1758) A. G. Kästner
ges. poet. u. pros. w. 1 (1841) 24; dein werthes, abgeschlossen den 4. märz, mit angenehmen beylagen, gibt manches zu denken (18. 3. 1826) Göthe IV 40, 326
W.; entbehrung nur lehrt uns das werthe schätzen Brentano
ges. schr. (1852) 6, 95;
im neueren dt. meist mit abhängigem genitiv oder dativ: so dasz doch im grunde nichts der kräfte, der anlagen, der absichten völlig werthes herauskommt (30. 10. 1824) Göthe IV 38, 279
W.; ich habe gesehen, dasz gegen die spanische darstellung nichts der rede werthes von französischer seite eingewendet wird Laube
ges. schr. (1875) 4, 155; es kam ihm vor, als habe er etwas ihm wertes zu verteidigen Gerh. Hauptmann
bahnw. Thiel (1892) 29; ... dasz er nichts der geltung wertes gewesen, nichts der dauernden erinnerung wertes getan
M. Kähler
d. lebendige gott (1894) 59.