übel,
adj. u. adv. ,
malus, mhd. ubel,
ahd. ubil,
goth. ubils,
as. uBil,
ags. yfel,
mnl. övel,
ndl. euvel,
belg. ovel,
engl. evil.
von unsicherer etymologie, nur in den germ. sprachen belegt; Graff 1, 92; Leo Meyer
die goth. sprache 556 und Kluge
etym. wb.6 402
stellen es, gestützt auf ahd. uppi '
maleficus' (Graff 1, 88),
das den stamm ubja
zeigt, als l-ableitung (
vgl. mhd. michel, lützel, dürkel)
zur wurzel *ub,
die in der präp. über (
s. d.)
vorliegt. darnach wäre die grundbedeutung von übel '
das über das maasz, die norm hinausgehende'.
an. illr
steht mit übel
etymologisch nicht im zusammenhang. bedeutung und gebrauch: der gebrauchsumfang, insbesondere von übel 6 (
s. u.),
war im ahd., mhd. und frühneuhd. gröszer als heute, da schlecht (
s. d.)
und schlimm (
s. d.)
erst spät sich zu synonymen wörtern entwickelten und auch arg
und böse
gegenüber übel
relativ seltener verwendet wurden. so kennt Is. (Hench 31, 22)
wohl übel (=
nefarius),
aber weder arc
noch bôsi,
ebenso gebraucht auch Tatian nie arc
oder bôsi,
aber sehr häufig ubil,
das die regelmäszige vertretung von lat. malus ist, einmal übersetzt ubil
lat. nequam. Otfried gebraucht wohl arg
neben ubili
als gegensatz von guat,
doch überwiegt ubili
weit, bôsi
als adj. ist auch bei ihm nicht zu belegen. die bedeutung beschränkt sich in althochdeutscher zeit, dem inhalt der texte entsprechend, fast durchaus auf das moralisch sittliche; z. b.: ther ubilo scalc
Tatian 147, 12. 149, 7.
im gegensatz zu gitriuui scalc (
fidelis servus);
ebenso altniederdeutsch vgl. Gallée 350.
auch im mhd. ist diese bedeutung die geläufigste, daher hier das adj. übel
häufiger zu concreten substantiven als attribut tritt, während nhd. die attributive verbindung mit concreta selten ist gegenüber der mit abstracta. in den dialecten und in der verkehrssprache geht der adjectivische gebrauch überhaupt zurück, vgl. Crecelius
oberhess. wb. 830.
die abgrenzung gegen schlimm, böse, arg, schlecht
u. a. ist mehrfach, aber stets willkürlich und mit subjectivem sprachgefühl versucht worden. Frisch (1741)
deutsch-lat. wb. empfiehlt den gebrauch von übel
blosz '
in einer gelinden bedeutung, die eine auslegung zuläszt, als: ein übler ist nicht so hart geredet, als ein böser mensch, ein übler geruch ist nicht so viel als gestanck, ein übler nachbar minus commodus vicinus'; Heynatz
versuch eines syn. wb. 231
b stellt es als begrifflich nächst verwandt zu schlimm, '
doch könnte man es allein auf das, was physisch nicht gut ist, einschränken, die heuschrecken, die ratzen und mäuse sind üble thiere ... eine böse handlung ist eine solche, die von einem bösen herzen zeugt, eine üble handlung, die einen üblen ausgang oder üble folgen hat'.
ebenso merkt Teller
beurtheilung (1795) 2, 224
für Luthers sprachgebrauch an: '
übel ist das böse, insofern es schaden und nachtheil bringt'. Eberhard (1820) 11, 133
ff. versteht unter übel '
das böse, sofern es empfunden wird'.
alle diese versuche einer begrifflichen abgrenzung sind gewaltsam. die scheidung von den synonymen geschah zu keiner zeit scharf und reinlich, und wo sich ansätze zeigen, fuszen sie nicht in einer begrifflichen, sondern phraseologischen differencierung. 11)
krank. schon goth.: ni þaurbun svinþai lekeis ak þai ubilaba habandans
Mc. 2, 17,
allerdings hier wörtlich [] das griech. κακῶς ἔχοντες übersetzend; vgl. Höfler
deutsches krankheitsnamenb. (1899) 759
a; ein wenig bel,
un poco indisposto Kramer (1678) 1065
b. 1@aa)
attributiv: ubele zäne,
dentes stupidi, vacillantes, aerosi, cavi, marcidi Stieler (1691) 1375; er hat üble oder schädliche augen,
he has infective, malignant or hurtfull eyes Ludwig
teutsch-engl. wb. (1765) 1777; üble verdauung
apepsia Nemnich
lex. nosologicum (1801) 17
b; ich setze ... meinen kopff zum pfande, dasz ihr ... wesen ... von einer übeln disposition des geblüts herrühret Schnabel
insel felsenbg. 1, 4 es ist eine wirksame arzenei, welche die guten säfte zugleich mit den üblen angreift Göthe 24, 84, 9
Weim. 1@bb)
prädicativ: 'übel sein, werden',
to be evil, ill Ludwig
teutsch-engl. wb. a. a. o.; Hölty ist auf dem lande bey seiner mutter und soll sehr übel seyn, ich fürchte es ist aus Boie
an Bürger 1, 313
Strodtmann; gestern hatte ich rhabarber eingenommen. in der that war ich sehr übel G. C. Lichtenberg
briefe 1, 23; ich werde übel, wenn ich mein hiesiges geschmier ansehe
briefe an Merck (1835) 326;
heute durch den adverbiellen gebrauch verdrängt. 1@cc)
adverbiell: einem übel seyn,
quaalyk zyn Kramer
hochniederd. wb. (1719) 217
b.
über das ganze deutsche gebiet verbreitet: es ist, wird mir übel =
ich habe die neigung zum erbrechen Crecelius 2, 830; mi iss so ääwl,
ich musz mich erbrechen Danneil 8
b,
vgl. auch Hunziker
Aargauer wb. 268;
auch ohnmächtig werden, vgl. Staub-Tobler 1, 55
und Schöpf
tirol. idiot. 779;
gegensatz: wohl: und sei dir allein wol: so jr übel ist? Boltz
Terenz deutsch (1539) 85
b (
adelphi I 1,
v. 34); ... wie du aber ungeduldig auffuhrst und schwurst, dir sei übel und weh, E. Th. A. Hoffmann 5, 6, 100; 'er ist schon um vier mit den kühen heimgekommen, weil ihm so übel war' A. v. Droste-Hülshoff 2, 286 (
die judenbuche); 'wann dir nit übel is, wärst heim geblieben', murrte der alte Anzengruber 3, 326.
mit acc.: bey menschen mich viel übler was Rollenhagen
froschm. b. 1,
th. 1,
c. 6
Eija; übel werden: es wurde ihr ein wenig bel,
ella alterossi un poco Kramer (1678)
a. a. o.;
hauptsächlich von der empfindung des magens, dann überhaupt von dem gefühle des überdrusses und ekels Spiess 261; er hatte ... ein solch wild wessen, dasz ... mir selbst gantz übel davon ward Grimmelshausen 2, 366, 4
Keller (
vogelnest); (wir) musten frischen lufft suchen, dann dem Thurnmeyr wolte übel werden Moscherosch
ges. 2, 224; alle teufel! was hat er? wird ihm übel? Schiller 2, 116 (
räuber III 2); übel zu pasz seyn,
male habere Garthius 442
a; übel zu fusz seyn,
to be a bad walker, a poor pedestrian Hilpert 633
a; in zwischen liesz er ... das heergerAethe, samt denen krancken, und welche am belsten zu fusse waren, zurcke ... gehen Lohenstein
Arminius 1, 56
b.
heute allgemein. auf psychische schmerzzustände übertragen: übel zu muthe sein, werden;
frühneuhochdeutsch auch persönlich: (er war) traurig und übel ze muote (
dolente e tristo) Arigo
decam. 160, 34
Keller; meist unpers.: ein mensch, dem leid und ubel zu mute ist, der hat auswendig elend geberde Luther 18, 494, 9
Weim.; mir war so übel zu muthe ... H. Steffens
was ich erlebte 3, 100; gar vbel war dem weib zu muot. ir gspilen rufft sie trewlich an Casp. Scheit
frölich heimfahrt B II
b;
variiert: dem armen Crispan wurde je lAenger je bler um das hertz Zendorius a Zendoriis
teutsche winternächte (1682) 659. übel gehen, sich übel befinden,
sentirsi, trovarsi male Kramer (1678)
a. a. o.; ... zu einer kranken person ..., die ... sich so übel befand, ... Pfeffel
pros. vers. 5, 29; sehr ungern hört ich, dasz sie sich einige zeit übel befanden; möge das frühjahr uns allen gedeihlich werden Göthe IV 34, 146, 15
Weim.; auch adjectivisch: ich kam nach Carlsbad in dem übelsten befinden Göthe IV 19, 376, 3
Weim.; übertragen auf die allgemeine lebenslage, insbesondere wirthschaftliche verhältnisse [] wie: vivo aflictè, es gehet mir übel, ich leb kümmerlich Er. Alberus
nov. dict. gen. (1540) 32
a oder übel gehen, bösen fortgang haben, unglücklichen ausgang haben Emmelius
M. 4
b s. u. verengt: es ist ihr übel gegangen =
sie hatte einen regelwidrigen entbindungsverlauf s. o. th. 5,
sp. 709. 'mir macht etwas übel, mir bekommt etwas übel': das es dem viech nicht bel bekompt Sebiz
feldbau (
Straszburg 1579) 17; worauff dieser sich wohl befindet, das bekommt jenem bel Butschky
Pathmos (1677) 9; er (
der wirth) bereitete mir ... ein höchst wohlschmeckendes gastmahl, das mir aber sehr übel bekam Göthe 33, 47, 8; wenn er diese seltsamen detailgeschäfte betrachtete, deren eines ... feilhielt, während ein anderes mit übelmachenden bergen verzuckerter früchte und klebriger bonbons lockte R. Presber
die bunte kuh 104.
häufig verallgemeinert: hie des flohs klag zuom Jupiter der seim sommergsellen der mucken klagt wie man jn gar wOel vertrucken, wie übel jhm bekommen thut das weiberfleisch und iungfrawbluot Fischart
der flöhhatz 69,
v. 146
neudr.; dieser handel bekam den studenten etwas bel Happel
acad. roman (1690) 379; allen bekommt dies schweigen, die ganze Iliade hindurch, sehr unwohl; ihren völkern aber noch übler Herder 17, 165; (
Peter:) gelt! das war ein gutes stück arbeit? (
knecht:) so ziemlich, gnädiger herr, aber es wäre euch fast übel bekommen Tieck
schriften 5, 25 (
Phantasus, Blaubart). belangend die ensetzung, kam dieselbe daher, das ich ... diese ... beysorge schöpffete, als möchten sich E(uer) G(naden) ... was übel fühlen Ringwalt
christliche warnung A III
a; sik ovele hebben,
krank sein mnd. wb. (1880) 259
b; übel auszsehen,
pallere, sine colore esse Dentzler
clavis ling. lat. (1716) 293
b; bist du im ernste krank mein sohn? du siehst doch so übel nicht aus J.
F. v. Cronegk
schriften 1, 92; so eben schreibt mir die Toni ... du sehest übel aus B. v. Arnim
Cl. Brentanos frühlingskranz 169. bel hOeren,
udir gravemente, difficilmente v. harthörig Kramer (1678) 1065
a; du hörst übel, ich musz dich einmal zum bader füren Tappius (1545) 28
a; damit jhr aber desto fglicher zur handelung kommen mOeget solt jhr wissen, das mein meister sehr vbel hOeret B. Krüger
Clawerts werckl. hist. 7
neudr.; diese leute müssen übel hören, sprach ich, weil jhnen der engel so hart zuschreyet Moscherosch
ges. (1650) 1, 205; (
Fuchsmundi als wahrsager): die tauben werden übel hören, und die stummen gar nicht reden Stranitzky
ollapatrida 127, 35
Wien. neudr.; übel sehen,
caecurire Stieler (1691) 1375. 22)
physische beschwerden verursachend, besonders von geruch und geschmacksempfindungen. 2@aa)
attributiv: en'n ôweln geruch hem Schambach 148
b; ein übeler (widriger
etc.) geschmack,
een quaaden smaak, een quaaden, viezen, vuilen reuk Kramer
hochniederd. wb. (1719) 217
a ; ein übler gestanck
a deadly stink, ein übler geschmack oder geruch,
an ill or strong taste or smell Ludwig
teutsch-engl. wb. (1765)
a. a. o.; das geht mit groszen dAempffen vnnd belm geruch von jnen Sebiz
feldbau (1579) 17; (
es war) der mir entwischte ble geruch ... nur ein schertz dargegen zu rechnen
Simpl. 87
Kögel; die reichen des mittelalters, welche mit wohlriechenden kostbaren specereien die üble ausdünstung ihrer haut und kleider, ... zu ersticken wuszten J. Liebig
chemische briefe (1844) 101; wer sich gegen die üblen gerüche wehren will, zieht den kürzeren v. Holtei
erzähl. schr. 3, 185; was süsze schmeckt, hat einen üblen nachgeschmack G. Th. v. Hippel
lebensläufe 1, 342; nye kein schlaffe im in sein augen komen mochte; das villeicht von dem herten pette oder übeln essen bekomen möcht Arigo
decam. 203, 33
Keller; ein wasser oder wenig üblen wein kosten B. Schupp
schriften 699.
die metaphorische verwendung in der redensart '
einen üblen geschmack z. b. in der kleidung, wahl der lectüre u. dgl. zeigen'
s. u.; die kinder singen einen üblen trippel Abr. a S. Clara
etwas für alle (1711) 2, 9; selbst Rammler, der behutsamste dichter in der sprache singt
[] von der sonne, dasz sie rings um sich glückselige welten an goldenen seilen umherlenkt, wo ketten gewisz ein übles geklirr machen würden Herder 5, 395. 2@bb)
prädicativ: dieser wein ist nicht übel,
this wine has a good garb Ludwig (1765)
a. a. o.; aha! einen kapaun, und mit trüffeln gefüllt — nicht übel! hier haben sie, herr pastor! Nicolai
Seb. Nothanker (1773) 1, 59. 2@cc)
adverbiell: das gewAechs stincket vast vbel Bock
kreutterbuch 145; das brot so von altem korn, das übel schmecket und ersticket ist, gebacken wird, ist hartdäuig Tabernaem. (1581) 591; die juden bruchen das cristen blut fur den geschmacke, als sie übel stincken
Endinger judenspiel 97
neudr.; das musz ja fürchterlich schmecken! meinst du nicht auch, Katinka? gar nicht übel, erwiederte diese v. Holtei
erzähl. schriften 3, 183. damit ich sagen kann, was gut und übel schmecket, folgt es, dasz ich ein koch sein musz? Lichtwer
äsopische fabeln (1748) 111.
metaphorisch: ir vnwarheit stinckt so vbel Eberlin v. Günzburg 1, 85
neudr.; hunger vnd harren stinckt vbel in die nase Tappius (1545) 92
b; vbel kyden, misztönen
discrepare, dissonare Maaler (1561) 441; denn solches meistes theils ubel klinget, und den vers hart ... macht Aug. Buchner
anleit. z. dtsch. poeterei 70; der esel singt darum so übel, weil er so hoch anhebt A. Schellhorn
sprichwörter (1797) 16; was thoren übel lautet, ist harmonie und klang Dusch
verm. werke (1754) 67. 33)
unbequem, lästig, beschwerlich, unlusterfüllt, disagreeable, inconvenient, uncomfortable, troublesome Hilpert (1845) 633
a,
woraus sich verallgemeinernd die bedeutung '
unglücklich, unheilvoll'
entwickelt. der weite kreis der gebrauchsmöglichkeiten kann hier nicht erschöpft werden; im folgenden nur die geläufigeren verbindungen: 3@aa)
attributiv: den wolf begie ein übel vart
Reinhart Fuchs 355; we mir daʒ ich ie wart, ich han gevarn eine ubel vart, sit ich uberwunden bin Mone
schausp. d. mittelalters 1, 79, 147; sî sprach 'ich wæne ir swæren tac und übele zît hinne tragt' (
gegensatz: senfte zît 1749) Hartmann v. Aue
Iwein 1741; derselb wirt eynem(!) üblen tag sehen an dem iungsten tag der nit het das lyden christi ... zuo eynem fürsprechen
der ewigen wiszheit betbüchlin (1518) 113
a; weilen aber ... desz menschen will und ziel nicht selten im ausgang stolpern, also hat auch die üble zeit manchem reichen einen riegl geschossen Abr. a S. Clara
mercks Wien (1680) 72; aber hiervor (
für die kleinodien) bietet ihr mir nur die hälfte, was ich fordere, sie kosten mich schier mehr, ich bitt, begehret meine übele zeit nicht
schausp. engl. komödianten 100
Tittman; die beiden ersten tage wollte es nicht recht gehen, da ich aber die art schon weisz, wie es mir bey solchen veränderungen zu muthe ist, so wartete ich die üble zeit mit ruhiger beschäftigung ab und bin jetzt schon um vieles weiter Göthe IV 13, 103
Weim.; da ich so manchen guten und fröhlichen tag in unsernn geschäften mit ihnen zugebracht habe; so hätte ich auch von herzen gern die übeln und sauren stunden getheilt, welche sie zuletzt in Ilmenau haben durcharbeiten müssen IV 8, 274
Weim.; und wie er gestern erst vom thal bei argem frost und harter müh getragen ihn auf üblen wegen A. v. Droste-Hülshoff 2, 73. übles wetter: sie (
die fehlschüsse) entstehen theils aus der ungeschicklichkeit des büchsenmeisters, theils aus den stücken selbst, theils von der üblen witterung v. Fleming
d. vollk. teutsche soldat (1726) 64 § 5; das üble wetter dieses sommers hat, fürcht ich, die Ilmenauer messung manchmal gestört Göthe IV 8, 27,
Weim. auch metaphorisch für üble laune: bei denen mir alles üble wetter so leicht übergegangen wäre A. v. Arnim 7, 7. 'übles gefühl, üble laune',
ganz allgemein: nur ein klein bischen von übler laune lies er blicken Gleim
briefwechsel [] 1, 203
Körte; dasz Faust alle üble laune vergasz Klinger 3, 97 (
Fausts leben); wenn die geister nicht besondere anstalten machen, kann ich ... nicht zeichnen, worüber ich in sehr üblen humor gerathen werde Göthe IV 8, 4
Weim.; sie schafft mich zur thür hinaus, wenn sie übler laune ist Bauernfeld 1, 19; heute, da er sich in seiner übelsten laune befindet v. Ebner-Eschenbach 2, 117. 'üble botschaft'
etc.: Maria mutter reine, ich kom nuo alleine und sagen dir ubel mere die uns sint al zuo swere Mone
schausp. des mittelalters 1, 105, 771; üble botschaft kommt immer zu früh Reinsberg-Düringsfeld 1, 267; ich bin ruhig und sicher, glaube den leuten nicht, die alles vergröszern, vorzüglich üble nachrichten Göthe IV 10, 81
Weim.; meine frau base ... gab meinem vetter ... die freiheit ... die übeln eindrücke wieder auszulöschen Gellert 4, 192; ein ... bienenschwarm, der für eine üble vorbedeutung gehalten wurde
M. J. Schmidt
gesch. der Deutschen 1, 63; das wird ein übles ende nehmen,
that will come to a bad end Hilpert (1845) 633
a; 'das walte gott' sprach meine mutter leise und klopfte unter dem tisch, um die üble berufung abzuwenden Storm 4, 304; laszt ihr (
der blumen) welken nicht von übler deutung seyn Sal. Geszner
werke (1778) 2, 47. 'üble folgen'
etc.: es gereicht zu einer üblen consequenz,
hoc institutum nil nisi mala post se trahet S. J. Apinus
glossar. novum (1728) 152; jeder kennt die übeln folgen der heftigen leidenschaften Gellert 6, 149; ich bin als arzt gewisz, dasz dieser druck keine üblen folgen haben werde Göthe 22, 244, 13
Weim.; eben diese einschränkung unserer zerbrechlichen maschine ... muszte es auch seyn, die alle üblen folgen verbesserte Schiller 1, 175 (
versuch über den zusammenhang etc.); am merkwürdigsten war mir, dasz der feldmarschall wiederholt darauf zurückkam, dasz Arnim ... durch seine haltung gegen Thiers dessen sturz mit allen üblen politischen folgen hauptsächlich mit verschuldet habe Bismarck
gedanken und erinnerungen 2, 167; und jeder schritt mir üble früchte trug A. v. Droste-Hülshoff 2, 111; bei seiner (
Homers) Venus wäre diese (
übermenschliche grösze) von noch üblerer wirkung Herder
werke 3, 119; dasz solche in unsern augen verfrühte ehen doch in bezug auf kindersegen keine üblen wirkungen wahrnehmen lassen O. Peschel
völkerkunde 227. 'üble lage, übler zustand': er ist in einem übeln zustande,
he fares very ill Ludwig
teutsch-engl. wb. (1765) 1777; die übeln umstände des reichs A. v. Haller
Usong (1771) 224; so gern Friedrich aber auch der üblen lage Palästinas abgeholfen hätte, beharrte er doch darauf, dasz erst das nöthigere in Italien abgethan seyn müsse Raumer
gesch. d. Hohenstaufen (1823
f.) 4, 3. 'in der üblen lage sein',
ganz allgemein: die gegenpartei war in der üblen lage, dasz ... Mommsen
röm. gesch. 2, 129; wir sind in der üblen lage, dasz wir auf uns schiessen lassen müssen, ohne zu antworten Moltke
ges. schriften u. denkw. (1892) 4, 200; weil er in der üblen lage war, mit bloszen legitimistischen sentiments gegen tatsachen fechten zu müssen Fontane I 5, 59.
eine üble sache,
res adversa Steinbach (1725) 398;
een quaade zaak Kramer
hochniederd. wb. (1719) 217
a; armut ist eine üble sache
F. Pückler
briefwechsel u. tageb. (1873
ff.) 2, 115; nun jeder kann mit seinem gelde schalten doch hat das geld die üble eigenschaft, dasz, nimmt man weg davon, wird's weniger Bauernfeld 3, 16 (
Fortunat 1, 3). 3@bb)
substantiviert: gravia passus, der viel ubels ausgestanden Garthius 304
a; es möchte sonst was übels daraus entstehen Creizenach
schausp. engl. comöd. 161, 27; wir mögen ihm gutes oder übels gönnen
die vernünft. tadlerinnen 1, 13; man hat mir sonst einen hauffen hergesagt, wie viel übels man im krieg auszustehen habe Stranitzky
[] ollapatrida 27, 35
Wien. neudr.; gott gebe, dasz es für euren seligen vater nichts übles zu bedeuten hat Fouqué
gefühle, bilder (1819) 1, 28; kein übels wird dir wiederfahren Simon Dach 156
Oesterley; übles kommt zum übeln durch das starre grübeln J. H. Vosz
sämtl. gedichte (1802) 5, 214.
im superlativ: und die sach zum allervbelsten herausz solt gehen Wickram
rollw. 92; hätten wir uns des übelsten zu befürchten genugsame ursach gehabt Schnabel
insel Felsenb. 1, 90. 3@cc)
prädicativ: 'im geschmacksurtheil ist immer noch eine beziehung auf den verstand enthalten.' übel, wenn sie nicht enthalten wäre Herder 22, 38; am Rheine ist alles in furcht und sorgen, auch meine mutter hat eingepackt und ihre sachen nach Langensalza geschickt. würde es übler, so kann sie zu mir Göthe IV 10, 181; je mehr schlieszlich alles ankam auf die persönlichkeit der leitenden männer, ... desto übler war es, dasz es ... an führern fehlte Th. Mommsen
röm. gesch.4 3, 7. 3@dd)
adverbiell: vbl essen,
uti cibo tenui Schönsleder
prompt. (1647) 3
b; übel schlafen
dormir cattivamente Kramer (1678)
a. a. o.; du werest dise nacht übel herbern (
albergherai pur male) Arigo
decam. 60, 26
Keller; das ansehen des gestrengen gerichts und zorns gottes vertreibt alle luoste des fleischs und macht ubel essen, trincken und ligen Luther 18, 511
Weim.; damit sie jhre kinder bereichern mOegen, so fressen sie bel, trincken bel Äg. Albertinus
hirnschleiffer 44; der auf eines fremden hand hoffet, der frühstücket übel und isset noch übler zu nacht, indem ich in meinem haus ein könig bin Pistorius
thesaurus (1715) 59;
metaphorisch: nicht waisz ich, ob sie zuo beth von irem mann ubell gespeiset ward
M. Lindener
rastbüchlein 14; (
sie) essen übel, sint schlecht gecleit H. Folz
fastn. sp. 1238; wer dann zum letsten kumpt herzuo (
zum tisch), der sorg wie er auch sitzen thuo, sitzt er dann vbel, iszt auch schlecht, so gschicht dem kunden eben recht Scheit
grobianus v. 4098
neudr.; so aber ainer übel felt, gestossen würd ... H. Braunschweig
chirurgia (1539) 82
a; wie einst die mutter ... unten an der halde übel gefallen, dasz sie liegen blieb, bis es (
Vroneli) sie gefunden Reinhart
Vroneli (
deutsche rundschau XXXVI) 441; so bald ich aber solches ausz der acht gelassen ..., so ist mir allemahl hinderlich gangen, vnd vbel gerahten Moscherosch
insomnis cura parentum 94
neudr.; das hätte dir übel gerathen können Göthe 8, 70, 11
Weim. (
Götz); es laufft übel ab
male cedit Steinbach (1725) 398; experimente ..., sie mögen gut oder übel abgelaufen sein Archenholz
England u. Italien (1785) I, 1, 103; er hielt es für vortheilhafter, angegriffen zu werden ..., als anzugreifen, was den seinen vor kurzem bei Bicocca so übel ausgeschlagen Ranke 2, 218; er wrde bel mit ihme seyn ankommen J. Rist
das friedewünschende Teutschland (1648) 24; dasz nur Bode nichts davon erfährt, sonst kommen wir übler an als Starke Göthe IV 8, 375
Weim.; des erschraken sie anfangs und meinten, man käme übel an Mörike 3, 97 (
maler Nolten); darumb bleibt nur von hoff fortan, ihr kompt sonst mAechtig vbel an J. Gilhusius
grammatica (1597) 1, 22; trau ja nicht jedermann du kOemst sonst bel an! Lassenius 1669; aber er ist selber mit seiner ruchlosigkeit und unbesonnenheit übel angelauffen J. Prätorius
anthropod. plut. (1666) 1, 255; i was der teufel, da bin ich übel angelaufen! Ph. Hafner 1, 139; wer auf treu' und glauben schauet, kömt daselbsten (
am hofe) übel fort J. Grob
dichter. versuchg. (1678) 35; ihr könnt auch einmal übel weg kommen, denn es steht keinem an der stirn geschrieben, wesz todes er sterben soll Tieck
schriften 5, 30 (
Phantasus); (
ich) komm' aber gemeiniglich übel bey euch angefahren
maler Müller
[] 1, 286; beyde haben es nicht übel getroffen Göthe IV 27, 4
Weim.; ihr habt es recht übel getroffen, keinen solchen tag hier erlebt zu haben A. v. Droste-Hülshoff
briefe 308; ich sprach z im: 'myn lieber fründt, meint ir, das ir dest schöner sindt, darumb das ich ouch übel far und bin nit spiegel luter clar?' Th. Murner
narrenbeschwörung 181, 26
neudr.; fürwitz hat dich lernen so übel faren Forster
frische teutsche liedlein 17
neudr; es giebt männer, die sehr übel fahren würden, wenn sie einen einzigen schritt ohne rath und wissen ihrer weiber thäten Knigge
umgang mit menschen 2, 56; darinnen Preussen gar übel abgerissen C. Hennenberger
erclerung d. preuss. landtaffel 4. 'übel daran sein': wo ein sölches geschicht, wir übel daran sein Arigo
decam. 21, 34
Keller; das ward den rector verdrieszen, die collegaten, doctores vnd magistri waren vbel daran mit der gantzen vniuersitet
Eulenspiegel (1515) 42
neudr.; wie übel ist unser eines dran, das nichts zu tauschen hat Lessing 2, 124, 32; das trübe wetter drückt mir heut allen rauch in die stube, dass ich gar übel dran bin Göthe IV 3, 135, 16
Weim.; vielleicht ist derjenige, dem man genie zuschreibt, übler daran als der, der nur gewöhnliche fähigkeiten besitzt Göthe 21, 191, 6
Weim.; ein sogenannter dichter ist am übelsten dran Cl. Brentano
ges. schrift. 4, 180 (
d. brave Kasperl u. schön. Annerl);
auch dialectisch, vgl. z. b. Hunziker 268, Follmann
lothr. ma. 261,
hier in gleicher bedeutung auch: er isch iwel begobt.
verengt: übel dran seyn bey einem,
in nulla esse gratia ... ich bin bey ihm übel dran,
alienum a me habet animum Dentzler
clavis ling. lat. (1716) 293
b. 'übel gehen, ergehen'
etc.: wenn dirs wol geht, so denk daran dasz dirs kan wider ubel gahn Hans Sachs 19, 46, 8
Keller-Götze; (
ein jude:) es mocht uns anders ubel gehen, und losszen mer en (
Jesus) das volk vorkeren mit siner falschen lere
Alsfelder passionsspiel 76, 2448; die geisz scharret, wenn sy wol stat, hört bald vff, wenns jr übel gadt H. R. Manuel
das weinspiel v. 3995
neudr.; offt ich warnet, offt ermahnet sohn es dir wirt vbel gahn Spee
trutznacht. (1649) 271, 44, 6; ich kann nicht vernemen wie es ir möcht ergangen sein anders dann übel Arigo
decam. 112, 4
Keller; wir seynd verlohren, vnd es wird vns vbel ergehen Äg. Albertinus
hirnschleiffer 9; aber kommt mir nicht mehr in's haus, sonst soll es euch übel gehen Göthe 43, 221
Weim.; hernach gieng es vbel zu im orientischen reich Joh. Mathesius
Sarepta 86
b; da es vbel vmb jhr vatterland stuond W. Xylander
Polybius 8; (
Hamlet:) und es steht in der that so übel um meine gemüthslage, dasz die erde, dieser treffliche bau, mir nur ein kahles vorgebirge scheint
Shakespeare 3, 211 (
Hamlet II 2). denn er klagt, wie es ynn seym lande so ubel stehe und zu gehe ... Luther 19, 356
Weim.; wie wol vnser nation gesin ist vnd wie vbel vnsere sachen stond Eberlin v. Günzburg 1, 10
neudr.; summa, es stund vbel in Teutschlanden Stumpf
Schwytzerchronik (1606) 81
b;
selten persönlich: dann disz ist gar des teuffels art, der auch auff d' leut so laurt vnd wart, frewt sich, wanns andern auch so geht, gleich wie er ewig vbel steht Fischart
nachtrab 7,
v. 166
Kurz; morgens um 6 uhr am 10. august wuszte ich schon, dasz es übel mit dem schlosz aussehen würde Kerner
bilderbuch (1849) 67; mit der geselligkeit als trost in Schubarts damaliger lage sah es besonders übel aus D.
F. Strausz
Schubarts leben in seinen briefen 1, 31. 44)
unzweckmäszig, der bestimmung nicht gemäsz. 4@aa)
attributiv in verbindung mit concreten: ungeeignet, unzuverlässig, mangelhaft, schadhaft: es ward wohl schon eher eine üble scheide gefunden, darin ein guter degen steckte Reinsberg-Düringsfeld 2, 297; drei dinge treiben
[] den mann aus dem hause: ein rauch, ein übel dach und ein böses weib
ebd. 1, 303; den der abte vmb seiner übel gerüstung in dem ersten ansechen nicht erkant Arigo
decam. 46, 6
Keller; in deutscher sprache wird er also vielen verständlicher seyn, und auch anfänger auf einen guten weg weisen, die sich vieleicht sonst durch üble anführer hätten verderben lassen Gottsched
crit. dichtkunst (1751) 7; wenn sie von mir erst jetzt ein wort empfangen, so ist es weil ich biszher kaum einen moment zur ruhe gekommen und überhaupt ein übler correspondente bin Göthe IV 9, 227, 23
Weim.; ein übeler bezahler
an ill, bad paymaster Ludwig
teutsch-engl. wb. a. a. o. häufig in negation: ... so wär' ich traun! kein übler zeitungsschreiber worden Schubart
leben und gesinnungen 2, 9; der Berthold ist gar kein übler anfänger A. v. Arnim 3, 89; eine grüblerische natur, bei alledem aber kein übler handwerksmeister Storm 7, 4. 4@bb)
attributiv bei abstracten: '
mangelhaft, verkehrt, falsch': ... welcher massen diesz länndtlein ausz leider vbeller vorsorg vnnserer vorfahren in eine vnerwindtliche schuldenlast gerathen
acta publica 1, 35
Palm; die närrischen vnnd blöden wurden jhres gleichens burgerschafft hinterlassen vnd also das regiment durch üble hausshaltungen in böse verfassung gerahten G. P. Harsdörffer
frauenzimmergesprechspiele 1, 107
b; durch üble aufsicht hat er das reich seines cronprintzens beraubet Ziegler
asiat. Banise (1689) 96; die gattung kann sehr unschuldig seyn, aber nicht der dichter, der einen üblen gebrauch davon macht Gerstenberg
rec. i. d. Hamb. n. zeit. 398, 26; die üble besetzung eines solchen amtes kann eine ganze gemeine unglücklich machen Rabener 4, 42; eine üble wahl treffen Hilpert (1845) 633
a; die üble methode damaliger bibelerklärung Scherer
literaturgesch.7 48; ... dasz dieser ... seine reformen in übelster weise einleitete Mommsen
röm. gesch. 2, 59; die bewohner Antwerpens hatten aus bittern erfahrungen gelernt, welchen üblen dienst herzog Alba ihnen geleistet, als er ... Moltke
ges. schrift. u. denkwürdigk. 2, 20.
mit negation '
geschickt, geeignet': diese waren nun auch in keiner übeln schule gewesen Ziegler
asiat. Banise (1689) 188; einen nicht üblen unterricht in der mathematik Storm 6, 199. 4@cc)
adverbiell: sein zeyt vnnd lernen vbel anlegen
abuti otio et literis Maaler (1561) 441
a; übel reden verstehen, schreiben
parlar, intender, scriver male Kramer
a. a. o.; übel gemacht, geformt ... seyn
quaalyk gemaakt, gevormt zyn Kramer
hochniederd. wb. (1719) 217
a; summa, diesen schleppern odder buben gib nicht, denn es ist ubel angelegt Luther 26, 645
Weim.; wie lang wolt ir blind sein vnd ewer guot vnd arbeit so vbel anlegen Eberlin v. Günzburg 1, 37; meyne gleichwohl nicht, dasz die acht tage, darin ich es ... zusammen geschrieben, vbel angelegt seyn werden Moscherosch
insomnis cura parentum 133
neudr.; mit unmäsigem unnd uberflüssigem pracht und verschwenden in vil weg ubel hauszhalten Sattler (1617) 295; ein mensch, der übel haushält Göthe 21, 51, 23
Weim.; vbel auszleyhen, namentlich denen so vngern widergAebend
male credere Maaler
a. a. o.; vbel verkauffen
ebd.; sich und seinen dingen übel rathen,
male consulere Hederich (1729) 2395; es thut mir leid, dasz Chodowiecki sie übel versorgt hat Göthe IV 8, 246
Weim.; dasz ... die armen unterthanen ... in ein solches labyrinth von unsicherheit und schwanken verstrickt werden, dasz ihr ärgster feind sie nicht übler berathen könnte Thibaut
üb. d. notwendigk. e. allg. bürgerl. rechts 435; wer vor dem wirth die zech vil machen, der achtet bel seinen sachen C. Agyrtas
grillenvertreiber (1670) 132; übel ist dein geist gelenkt, will er sich in sorg' um sie verzehren Fr. Rückert 2, 65. gottes wohlthat übel anwenden,
perverse uti beneficio Hederich (1729) 2893; hier sei der schmuck denn immer übel angebracht Mörike 3, 72 (
maler Nolten); sehr übel find' ich das angebracht Joh. Nestroy 2, 100. eine die vbel gemannet hat,
male nupta Maaler
a. a. o.; übel geheiratet, gepaart
etc. seyn,
quaalyk getrouwt, gepaart zyn Kramer
hochniederd. wb. (1719) 217
a; ihnen ihre
[] übel gegründete meinung zu widerlegen G. R. Weckherlin
gedichte 1, 294, 65; da sich sogar in der katholischen kirche ... von dem übel unterrichteten zum besser unterrichteten pabst appelliren läszt Lenz
vertheidigung des Herrn W. 3; die theologen leren ubel, da sie leren: wyr wissen nit, wenn wyr seyn ynn der liebe Luther 8, 281
Weim.; so ist das ein beweis, dasz entweder der vorausgesezte begriff falsch war, oder dasz die folgerungen übel gezogen worden v. Haller
restaur. d. staatswiss. 1, 9, 11; Winkelmann musz also zuerst wohl nicht recht gelesen haben, und zweitens übel vergleichen, übel folgern Herder 3, 13; übel gefahren, herr postillion! huft um!
maler Müller
werke 1, 286; nachdem sie wahrgenommen, dasz Desiderius ihren herrn übel berichtet hatte ...
M. J. Schmidt
gesch. d. deutschen 1, 404; er zeigte mir seine erbauungsbücher, die nicht übel gewählt sind J.
M. Miller
briefw. dreier akad. fr. (1778) 1, 52; o Sterne, — guter Jorik! wie übel hat man dich verstanden! Schubart
leben und gesinnungen 1, 226; also war ... die träge ... mystik das produkt aller dieser schwärmerey, des übel verstandenen evangeliums, ... Zimmermann
über die einsamkeit 1, 159. dorumb ist zeschetzen, dasz Guilelmus und Lanfrancus übel gesehen haben, wann sye sprechen, dasz das bein basillare sey under dem bein leuda genannt Joh. v. Gersdorff
feldtbuch der wundtartzney (1517) III 2
a; dweil aber der mund (
der trinker) al zeit vbel gehalten ... wirt, verleuret er auch sein lebendige ... feuchtigkeit Ambach
vom zusauffen C IV
a; alte beudel oder seckel schliessen übel Tappius (1545); du hast übel gethan, dasz du nicht zuvor, ehe du hinunter (
in die tiefe gruft) gestiegen, bedacht hast, wie du woltest wieder herauskommen Lokmann
fab. 9; zu spät merkte der könig der Perser, dasz er übel gethan, zwischen Athen und Lacedämon nicht ein gleichgewichte zu behaupten J. v. Müller 1, 150
f. unpersönlich: (
Stultanus:) ia nun meinet dann jhr, dasz es so vbel gethan sein solte, wann ich widerumb freyen wolte Creizenach
schausp. engl. comöd. 271, 28; (
dritter gast:) ... er soll nicht bleiben. (
erster gast:) es wäre übel gethan, wenn wir irgend einen brauer leben lieszen Tieck 5, 328 (
Phantasus); ein ding ist warlich vbel bschaffen: das kein schwantz hondt vnser affen, Th. Murner
narrenbeschw. 51
neudr. 'an etwas übel thun': daran thun sie sehr übel Göthe 21, 78, 1
Weim. vgl. u. 6,
e. 4@dd)
prädicativ: ich, wie mit trunkkenen fast übel ist zu schertzen, wie kaum ich mich besann, kont dieses nicht verschmertzen J. Rachel
satyr. ged. 90
neudr. meist negiert: es ist nicht übel =
es ist klug, wohlgethan: der pfiff ist gar nicht übel: die einfalt vor der schurkerey voraus zu schicken Lessing 3, 152 (
Nathan 197); es ist so übel nicht, es ist so ganz natürlich hingesagt
maler Müller 1, 255; der einfall war nicht übel Knigge
umgang mit menschen 1, 177; überhaupt wird es nicht übel sein, wenn ich manchmal etwas von unsern manuscripten voraus lese Göthe IV 10, 240
Weim.; mit persönl. subject: meinte der gute schwabe: 'ach höre sie, das phlegma ist auch nicht immer so übel Solger
nachgel. schrift. (1826) 1, 44; dieser tausch ist nicht übel v. Görres
ges. br. 3, 99. 4@ee)
aus der zusammenrückung mit part. entstehen mehr oder weniger feste composita: übelangebracht, -angeführt, -angelegt, -angewandt, -befestigt, -begründet, -berechnet, -berichtet, -beschäftigt, -erfunden, -erzogen, -gegründet, -geleitet, -geordnet, -geputzt, -gewachsen, -gewählt, -nachgemacht, -rechnend, -verbunden, -verdauend, verdaut,
u. a.; seit dem 18.
jahrh. vielfach in unterliegender concurrenz mit schlecht,
daher nur in festen verbindungen häufiger. 55)
verengt aus '
unzweckmäszig', '
mangelhaft',
zu '
unansehnlich, häszlich': 5@aa)
attributiv: von übler schrifft (
titel) G. Ph. Harsdörffer
teutscher secretarius 2, 18; verzeihen sie die üble
[] handschrifft Göthe IV 9, 179
Weim.; er hat einen üblen gang,
he halts or hobbles a little in going Ludwig
teutschengl. wb. a. a. o.; 's macht en übli gatig,
es sieht schlecht aus Hunziker 268; sollte aber nicht etwa der dichter selbst eine üble figur machen v. Ayrenhoff 231, 7.
häufiger in negation: tas' khè ewle froi,
das ist eine hübsche oder tüchtige frau Martin-Lienhart 1, 8; groszes, schlankgewachsenes frauenzimmer von gar nicht üblem ansehen E. Th. A. Hoffmann 14, 163; nun wollen sie die herrschaft nehmen? und meine mündel dazu? sie ist kein übles appertinenzstück Bauernfeld 4, 12; das is ihn ooch wirklich kee ibler mann G. Hauptmann
der biberpelz (1893) 103; des Faffners gold ist keine üble beute Fouqué
held des nordens (1810) 1, 178; 5@bb)
prädicativ: das bild ist nicht übel, zwar nach art der dutzendbilder fabrikmäszig, aber doch charakteristisch gemahlt Göthe III 2, 107, 2
Weim.; im schlosz war eine kammerjungfer, nicht übel, nur dasz sie immer schief lachte v. Ebner-Eschenbach 4, 191. 5@cc)
adverbiell: pannosus hudlecht, zerhudelt, zerlumpt, vbel bekleidt, zerfetzt, voll bletzen Megiserus
thes. 2, 203
b; übel gekleydet (
mal vestiti) Arigo
decam. 95, 29
Keller; der erste man der im zuo gesichte kam, das was Primaso, der genug übel in seinem harnisch ze tische sasse
ebd. 46, 5; solltest du nicht einem hübschen bürgermädchen begreiflich machen, dasz sie übel angezogen ist Göthe 45, 30, 24
Weim.; was gehets den mond an, dasz er vbler scheint dann die sonn? Paracelsus
opera (1616) 2, 464; und in der that, ich fand das stübchen so übel nicht Storm 4, 171; jeder rym hat sich müssen schmucken noch dem man jn hatt wellen drucken und sich die form geschicket hat, darumb manch rym so übel stat Seb. Brant
narrenschiff 1, 26
Zarncke; übertragen und ins moralische gewendet: '
unziemlich'
; indecorus, das übel stehet,
ἀπρεπής Garthius 351
b; nembt exempel, wie vbel es vor der welt vnnd den menschen stehe Moscherosch
insomn. cura parent. 19
neudr.; hütt dich vor hochuart, traut gespil, nymm weins zu dir auch nit vil, wann das gar übel stAvtt Hätzlerin
liederbuch 95; der divel git selichen rat, der diner selen vbel stat Mone
schausp. 1, 81, 195; auch so dir etwas bliben is in zänen stecken, wo du bist, so nimb ein messer, stich und grübel in zänen fast, das steht nicht übel Scheit
grobianus v. 857
ff. neudr.; deshalb mir gar übel gestanden, das ich als ein vnfruotiger hirt vnd der nur den nutz ansicht, vmb liesse kummen die schaff so miner trüw empfolht sind H. Zwingli
v. freiheit d. sp. 4
neudr. mit dativ der person: 'übel stehen',
öfter 'übel anstehen': es stadt ein weysen man vbel an
alienum a sapiente Maaler (1561) 441
a; übel stehen, übel anstehen, übelanständig seyn,
misstaan, niet voegen Kramer
hochniederd. wb. (1719) 217
b; sychst nicht wie dir deyn vornemen mechtig vbel anstehet, vnd dir gantz vnerlich ist Hutten
opp. omnia 2, 190, 43; welchs eim christlichen lerer gar vbel anstehet Luther 26, 553
Weim.; es stnd dem artzt vbel an, dasz er der natrlichen weissagung nicht vnterricht ... were Paracelsus
opera (1616) 2, 201
c; es ... wirde vnserer religion vbel anstehen Moscherosch
insomn. cura parent. 37
neudr.; das wär in allen landen uns gar übel angestanden
altdeutsche passionsspiele aus Tirol 174
Wackernell; ich (
machte) einen talar ... für einen probst; liesz auch nicht übel Pfeffel
poet. versuche 9, 83; die alzuvielen anmerkungen und citationen lassen hier, gleich bey dem ersten anblicke, sehr übel J. G. Zimmermann
von dem nationalstolze (1758) 17. 66)
moralisch schlecht, sündhaft, böse, das sittengesetz, den anstand verletzend. [] 6@aa)
in dieser bedeutung ist übel
im ahd. und mhd. am häufigsten belegt. ubilero angilo
übersetzt in Isidor (
Hench 31, 22)
das lat. angelorum malorum, wie Tatian (
Sievers 75, 1)
die evangelienstelle Mt. 13, 18
venit malus et rapit quod seminatum est in corde eius wörtlich mit quimit thie ubilo inti ginimit thaz thâr gisauuit ist in sînemo herzen
wiedergiebt. in gleicher weise noch in der Mentelbibel (1466): der vbel kumt vnd zuckt daz do ist geseet (
Zainerbibel: der bösz,
Luther: der arge).
vgl. auch zur Isidorstelle: (
das wichwasser) vertribt die blen geist wo man es hinwirfft
der ewigen wiszheit betbüchlin (1518) 114
a,
und die Herborstelle mhd. wb. 3, 168
a; in attributiver verbindung mit man
drückt es den gegensatz von guot
aus, also den sündhaften menschen z. b. Tatian 41, 5: guot mán ... frambringit guot, inti ubil man ... bringit ubil;
ebenso auch bei abstracten: fon herzen ûzgangent ubila githanca (
cogitationes malae) Tatian 84, 9; thaz scírme mih in brústin — — — — — — — — — fon úbilên githâhtîn Otfried 5, 3, 14;
substantiviert: uuârun gileittit andre zuêne ubile mit imo (
alii duo nequam) Tatian 202, 1;
auch as.: than aftar thêm wordun skêdit that werod an twê, thea gôdun endi thea ubilon
Hêliand 4445.
in dieser gegenüberstellung in der mhd. profanen literatur häufig: er (
der klôsenære) seit, ob si die guoten bannen und den übeln singen Walther 11, 1. 6@bb)
nhd: vbler oder poser
malus voc. theut. (1482)
hh viiij
a; ein ubeler mensch,
homo malitiosus Stieler
a. a. o.; nefarius Kirsch (1723) 297
a;
in der bibel und theologischen literatur durchaus geläufig neben böse
und arg. ... das ir seyt sun ewers vatters der in den himeln ist. der seinen sune macht scheinen vber die guoten vnd die vbeln: vnd regent auf die gerechten vnd die vngerechten
erste deutsche bibel (1466)
Mt. 5, 45
Kurrelmeyer; aus der bibel in vielfachen verbindungen in die profane literatur übergegangen: nach meinem ainfaltigen synn ist zweifel gar ain bel kraut Hätzlerin
liederbuch 241; wer sich lobt musz üble nachbarn haben Reinsberg-Düringsfeld 2, 56; üble haushälter ihres amtes völlig entsetzen A. G. Kästner 1, 24; du bist in übler gesellschaft Göthe 38, 15, 25
Weim.; das hört die üble schwährin und redt gar bald hierüber Herder 25, 109. 6@cc)
mit abstracten '
sittlich schlecht, sündhaft': üble anschläge
roguish contrivances Ludwig
teutsch-engl. wb. a. a. o.; übel straszraub,
rapina quae fit in via regia quelle bei Scherz
gloss. 1694
b; darumb und besonders, daʒ die wort nit unrain gezelet werdent, wa die übeln werk nit darby synd Stainhöwel
de claris mulieribus 17; ein üble that kan ewig hertzeleid gebähren. J. Chr. Günther
ged. (1735) 86; dem lieutenant v. Busch habe wegen seiner übeln conduite, da es ihm etwas ganz gewöhnliches war, sich im dienste und auf der wache zu besauffen, den abschied ertheilen müssen Lessing 18, 475; ... welche durch ihre üble aufführung in der republick unruhen anfingen Rabener 4, 232; sollte man mädchen eines übeln lebens und heilige mit andern verbrechern zusammen in einen kerker gesperrt haben? Göthe 47, 216
Weim.; seine üblen sitten hätten alle zurück geschreckt A. v. Arnim 11, 217; Hamlets rede über die üble sitte des trinkens Ludwig 5, 129. 'üble gewohnheit': sie sehen wohl, dasz ich in meinen üblen gewohnheiten unverbesserlich bin Lessing 18, 70; unnatürlichkeit, welches die übelste gewohnheit in der welt ist Hippel
über die ehe (1774) 69; jedes wort, das sie sprach, war voll güte und anstand, duldung und liebe, von aller schlacke übler gewohnheit gereinigt, gleichmäszig und tief G. Keller 1, 183. 'übler ruf': nur sage ich noch, dasz drey oder vier solche urtheile ... genug sind, seinen ganzen catalogum
[] ... in übelen ruf zu bringen Liscow
satyr. u. ernsth. schriften (1739)
vorr. 45. 6@dd)
prädicativ: der schelm! ich weisz, dasz er mir beim umarmen lieber den hals umdrehte ... (
Ampedo:) er ist so übel nicht, bruder Tieck 3, 270 (
Fortunat II 1, 2). 6@ee)
als substantiviertes neutrum: einem übels erweisen Garthius 441
b;
besonders in der bibel und theologischen prosa: so wil ich got lestren, spilen, eebrechen, ander übels begon Zwingli
v. freiheit d. sp. 27
neudr.; wie mOegen ir guots thuon so ir bels gelernet hant? Judas Nazarei 66
neudr.; wan ich han vast vil úbels getan und wenig bösz under wegen gelan Mone
schausp. 2, 197, 23; wer bels bet oder hAegt, desz gleiche schuld jr yeder tregt J. v. Schwartzenberg
der teutsch Cicero (1535) 122; so aber das nit hat wöllen verfahen, so gebürt sich mir nu mer ze achten, was übels vnd args beschech Niclas v. Wyle
translationen 46, 19
Keller; und ist beszer, daz wir sie arges gegen uns gedenken laszen, wann daz wir übels volbringen Stainhöwel
de claris mulieribus 242; vbels hören, schadet nicht, vbels thun, das ist unrecht Moscherosch
gesichte (1650) 2, 175; der schalk ist in sich nichts übles und auch göttlicher natur Pückler
briefw. u. tageb. 1, 188. 6@ff)
adverbiell: vbel thun, poszlich thun,
malignari voc. theut. (1482)
hh viij
a; vbel handlen, vbel oder bOeses thuon,
malefacere Maaler (1561) 441
b; ... das ein end ward alles geschlächts, das übel gethon hat vor den Herren
bibel verteutscht (
Zür. 1531)
4. Mos. 32, 13; die menschen übel tuon und kein gepot gotz nicht halten (
gli uomini fare le sconce cose) Arigo
decam. 24, 17
Keller; mit feyren lehrnet man arges vnd bel thuon W. Xylander
Polybius (1574)
vorrede 2
a; wer vbel handelt, der fleucht das liecht Vogelsang
gespräch v. d. tragedia Joh. Hussen 5
neudr.; fraw, du hast sehr ubel und wider gott und göttliche recht gethon
M. Lindener
rastbüchlein 43; dasz recht thon ist sein selbst lohn, übel thon sein selbst spott und hohn Opel-Cohn
dreiszigjähr. krieg 376; ... ach! er sah auch mich, so oft ich übel vor ihm that! Giseke
poet. werke (1767) 13.
verengt: dämonistisch thätig sein Höfler
krankheitsnamenbuch 760
a;
verallgemeinert und ohne beziehung auf das moralischsittliche: übel thun, handeln =
verkehrt, ungeschickt handeln s. o. 4,
c; man schuldigt mich nit, das ich übel gelebt, sunder duncket mich, vmb das ich wolgemeinet, zuo straffen (
quod male vixerim, sed quod bene senserim) Hutten 1, 414, 27; aber auff manung er nichts gab, er blieb in seinem alten trab, vnd lebet vbel on all scham, bisz es für seinen vater kam Fischart
nachtrab 58,
v. 2185
Kurz; sich vbel halten,
turpiter se dare Dasypod.
dict. Niiij; im andern wer am besten zahlt gewinnts, wie vbel er sich halt Fischart
glückh. schiff. 49,
v. 430
neudr.; übel gewunnen übel gelungen Seb. Franck
sprichw. 2, 3
b;
male partum male disperit ubel gewunnen, ubel verschlungen Luther 16, 517, 18
Weim.; male parta, male dilabuntur, vbel gewonnen gut, gehet vbel wider dahin, oder vbel gewunnen, vbel zerunnen A. Corvinus
fons latinitatis 449. 77)
verengt: feindselig, gehässig, boshaft: 7@aa)
attributiv: eine übele nachrede,
backbiting or calumny Ludwig
teutsch-engl. wb. a. a. o.; in übler nachrede seyn,
male audire Hederich (1729) 2393; zu vbel nachreden geneigt,
maledicus Megiserus
thes. 2, 12
c; beide (
Egmont und Oranien) hatten sich bei dem könige über die übeln nachreden beschwert, womit man in Spanien ihren guten namen zu brandmarken ... suchte Schiller 7, 251; es wäre euch besser, nach dem tode eine schlechte grabschrift zu haben, als üble nachrede von ihnen, so lange ihr lebt Schlegel
Shakespeare 3, 223; dasz wir keine üble auslegung befürchten dürfen J. Möser 1, 93.
[] 'übler wille'
etc.: es gibt eine klugheit in der art, sie auszusprechen, der auch der übelste wille nichts anhaben mag Görres
ges. schr. 1, 12
f.; weil sich in den Niederlanden bereits viel übler wille gegen Spanien regte Ranke 14, 190;
vgl. übelwollen; ich soll eine üble idee vom schönen geschlecht haben Göthe IV 1, 206, 18
Weim.; gerade so wie die entsprechenden laute der Englisoten für knabe (knave) diesen üblen sinn (knavery büberei) sich zugezogen haben Peschel
völkerkunde 105; er war würdig ... nachfolger eines alten kindsweibes zu sein, im üblen wie im guten sinne Holtei
vierzig jahre (1843) 1, 7; es hätte ihm nicht entgehen können dasz im kopfe des jägers üble absichten sich regten J. K. Lavater
verm. schr. 2, 74. 7@bb)
substantiviert: von den todten soll man nichts übles reden Wander 4, 1256; (
Es.): wiltu ... das ich ... sage das dich angaat? (
San.): ich begers, so ferr es etwas billichs ist. (
Es.): vAeh, ein huorenwirt will nit das ich bels rede Boltz
Terenz teutsch (1539) 89
a (
adelphi II 1,
v. 187); was aber die anderen belanget, so ... mir alles vbels fluchen möchten Ringwalt
lauter wahrheit A vij
a; es fragt sich in wiefern euch eure arbeit berechtigt von der meinigen übels zu reden Göthe 38, 20, 15
Weim.; es ist meiner treu recht schlecht von mir, dasz ich von meinem in gott ruhenden ahnherrn übles rede Immermann 1, 7. 7@cc)
adverbiell: übel von einem urtheilen,
secus de aliquo iudicare Hederich (1729) 2393; sondern soll eyn versucht dapffer man seyn, das sich der lesterer musz schemen, ubel von yhm zuo urteylen Luther 10
II, 113
Weim.; man könne ihn so wenig verstehen oder wolle ihn so übel verstehen, dasz man die sprache für spuren von verrücktheit erklärt B. v. Arnim
die Günderode (1840) 1, 225; sie hatten blos die herablassung, auf die schriftstellen, welche die Arianer dagegen anführten, übel und böse zu antworten Lessing 13, 376; böszlich gearbeit, ubel gelonet H. Sachs 8, 102, 14
Keller; ach wie übel, süsse feindin, lohnst du meine treue liebe! Herder 25, 155; ... er zog gute leute zu sich, welchen doch vbel gelonet ward Joh. Mathesius
Sarepta (1571) 87
a; ich red übel, schelt,
maledico Erasmus Alberus
nov. dict. genus (1540) 28
a; es ist allezeit besser, wenn man es nicht weisz, wer von uns übel spricht Lessing 2, 70, 1 (
freigeist II 2); diese personen, die vom genie so übel sprechen, behaupten alle genie zu haben Göthe 45, 11, 19
Weim.; einem übel nachreden, ehre abschneiden,
detraho Garthius 189
a; red auch in dein gedancken dem künig nit übel nach heimlich in deiner kammer Seb. Franck
sprüchw. (1545) 1, 3
a; diese reden insgemein nie zierlicher, als wenn sie am übelsten nachreden Lohenstein
Arminius 1, 104; (
Dido) legt hin die scham, hielt fr kein schmach, so man jhr bel redet nach Spreng
Aeneis (1610) 66
a IV.
substantiviert: was macht dann nun die wüste rott, die dich, o groszer wunder-gott, so schändlich lästert und mit schmach dir so viel übels redet nach? Paulus Gerhardt
bei Fischer-Tümpel kirchenlied 3, 426
b; einem schmählich vnd vbel zureden, lesteren Megiserus
thes. (1613) 348
b; (
sie) die frawen schulten und ir übel zuo retten Arigo
decam. 263, 25
Keller; sie fürchtet, dasz sie übel auf sie zu sprechen sind Joh. E. Schlegel 2, 267; unglücklicher weise aber für den Sebaldus, war sie auf denselben und auch auf seine frau sehr übel zu sprechen Nicolai
Seb. Nothanker 1, 38.
ganz allgemein: übel anschreiben,
carbone notare Dentzler
clav. ling. latin. (1716) 293
b; auch bei französischen schriftstellern stehen sie übel angeschrieben J. Grimm
Reinhart Fuchs, vorrede 82; und da sie solchen schertz in andern sachen in allen festen, bey allen gesten, ..., erleiden mag, wie wolt man es dann dem armen Eulenspiegel, der es von alter her ausz langem brauch an sich gebracht, ererbt und beeignet, erst für vbel deuten vnd auffnemmen? Fischart
Eulenspiegel 13
Hauffen; [] ich werd' es nicht für übel deuten, ob du mich gleich ie für den leuten verhaszt, und heist mich von dir gehn Stieler
geharnschte Venus 75
neudr. sie legen es den Teutschen vbel ausz Vogelsang
gespräch v. d. tragedia Joh. Hussen 3
neudr.; seitmal ich auch verstanden hab, wie das etliche mir zuo nachteil, meine bücher vnd geschrifft, bey den vnverständigen vbel auszlegen Hutten 1, 419, 10; weil etliche ... meine handlung ... zum ... übelsten auslegen wolten G. v. Berlichingen
lebensbeschrbg. 4
Bieling; wundern kan ich mich freylich nicht, wenn sie mein stillschweigen übel ausgelegt haben Lichtenberg
briefe 2, 14; derhalben es auch die jenigen, so anderer mundarten gewohnet, und derer sich gebrauchen, nicht bel vermercken werden, das diese rechtschreibung meistentheils nach dieser mundart in den ober-sAechsischen ... lAendern, ... eingerichtet worden C. Gueintz
deutsche rechtschreib. (1666) 25; deszwegen wolle der leser ... nicht bel vermercken, wenn ... Lohenstein
Arminius (1689
f.) 1, 102
f.; der besuch ... wird nicht übel vermerkt werden Göthe 23, 222, 9
Weim.; weil ich aber den h. (
herrn) ertappt, wolte er es nicht im üblen vermercken sondern mich los lassen
schausp. engl. comöd. 122, 23
Creizenach; ob ich mich iendert thuon vergessen das sült ir mir nit zu übel messen
fastnachtsp. 209, 1; jedoch kanst mirs nicht vbel messen diweil ain schulsack hast gefressen darauf latinisch stund geschriben tu asine, der noch bist pliben Fischart
glückh. schiff 39
neudr. übel nehmen,
male accipere Nieremberger (1753)
Aa aa aa 2
b;
leicht erzürnt, erregt werden Frischbier 2, 417; wollt ihr's nicht übel nehmen, wenn ich euch so schlechtes geld anbiete Tieck 1, 203.
mit dat. der person: so würde ich doch dem herrn Utz diese beyden zeilen sehr übel nehmen Dusch
krit. u. satyr. schriften (1758) 40; man hat mir einen gewissen leichtsinn in diesen dingen oft übel genommen Göthe IV 22, 50, 10
Weim.; einige erinnerungen nimmt mir der würdige verfasser nicht übel, jeder hat seine sinnesart und musz sehen, wie er sich durchhilft 32, 179, 16
Weim.; sie sollten er das nich übel nehm': erschtlich hatte se immer mit mir zu tun ... G. Hauptmann
Rose Bernd (1904) 109; jener kampf mit dem Islam ... dauerte hier noch immer fort ... man nahm sich keine gewaltsamkeit dabei übel Ranke 3, 76.
als entschuldigungsformel ganz allgemein: nimm 't nich oewel! sä' de vosz, da harr'n 'ne gôs bi'n wickel Lipperheide 889
b; sie sind wirklich gegen die deutschen gelehrten ungerecht, und nehmen sie es mir nicht übel, fast musz ich glauben, diesz komme von ihrem stande her Nicolai
Seb. Nothanker 1, 131; lächerlich machen wir uns ... nimm mir's nicht übel! Mörike 1, 234; wir sind einander fehl gegangen. nehmts nicht übel Lessing 3, 152 (
Nathan V 5).
reflexiv: se nimt sik nix öwel,
nimmt es nicht so genau mit sich Eckart
sprichw. (1893) 531; in's holde leben wenn dich götter senden, geniesze wohlgemuth und froh! scheint es bedenklich dich hinaus zu wenden, nimm dir's nicht übel: allen scheint es so Göthe 3, 235
Weim. 'für übel nehmen': nömen se nits vor wel Schambach 148
b; ich bitt euch, ihr wollet mirs nicht für vbel nehmen Erasmus Alberus
fab. 5. vbel aufnemmen,
iniquo animo pati Maaler (1561) 441
a;
in deteriorem partem accipere Garthius 188
b; wir müssen uns schämen, bruder, dasz ein so liebenswürdiger gast von unserm vater so übel aufgenommen worden Lessing 2, 41, 21; 'nem sies nit übel, das madel nimts ja auch nit übel auf' B. v. Arnim
die Günderode (1840) 1, 386; (
Daja:) nehmt ja nicht übel auf, gestrenger ritter. — gott, wir sind so bekümmert, was der sultan doch will Lessing 3, 64 (
Nathan II 6).
mit dativ der person: weilen ich ... dich ... vor ein kind gottes halt, so wirst du mir es ja nicht übel aufnehmen
[] Abr. a S. Clara
mercks Wien 8; ich ... nahm es ihr übel auf, dasz sie sich nicht wieder sehen lassen Göthe 25
I; 139, 6
Weim. für vbel auffnemmen,
aegre ferre, indigne ferre Dasypod.
dict. Niiij;
meist mit negation: nicht für vbel auffnemmen,
zu gut halten, dextre interpretari Emmelius
sylva Nn 6
b; mit behaltung meins herren des herzogen gnade, der mir nicht für übel uffnemen wölle, das ich in mit worten fürkome
herzog Ernst prosa 292, 10
Bartsch; sie (
die hauswirthin) musz es auch nit vor übel aufnehmen, so ihr der mann mehr bürden auflegen würde, denn einem andern hausgesinde Colerus
hausbuch 6; dasz sol man ir nit vor übel vff nemmen Murner
gäuchmatt 44; nim nicht für übel auf, du Pallas unser stadt, dasz man nicht eulen dir allhier gewiedmet hat Lohenstein
Arminius 1, 687
a. 'in übel aufnehmen': ich weisz nicht ob Filipello euer man mir in übel auffgenomen het, daz ich euch also gehoffiret habe Arigo
decam. 196, 10
Keller; aber jhr artzt in der gemein mOechtens mir verargen, vnnd in vbel auffnemmen, das ich die knst artzney ... an tag lege Paracelsus
chirurg. schrift. (1618) 302
a; der künig nam aber solichs bet in übel auff
Tristrant (
prosa) 85, 11;
heute veraltet, besonders mit in
und für.
in gleicher bedeutung: 'übel empfinden, übel finden',
z. b.: und billig muszt' er es übel empfinden, den ritter zum zweiten mal schon in seinem wege zu finden Wieland 4, 227 (
d. neue Amadis 11, 25); sie ... stellte ihnen vor augen, wie übel es ihr könig Artabanus entfinden würde A. v. Braunschweig
Octavia 1, 68; als die Korcyräer höreten, dasz die neuen kolonisten ... auf dem zuge nach Epidamnus begriffen seyn, ... empfanden sie solches sehr übel Heilmann
gesch. d. pelop. krieges (1760) 31; er empfand es übel, dasz der könig von Dänemark, um den auch er verdienste hatte, dem bunde beitrat Ranke 4, 81; es könnte seiner hoheit leicht einfallen, übel zu finden, dasz wir uns hier im angesichte seines serais gelagert haben Wieland 8, 64 (
Danischmend, cap. 8). 'für übel halten': liebe ... herrn, jhr wöllet ... mir nichts für vbel halten
volksb. v. dr. Faust 116
neudr.; der festen meinung, niemand dörfe, oder könne ihm was vor übel halten
der polit. maulaffe (1679) 55; die gelassenheit, die man ihnen für übel hält Joh. E. Schlegel 5, 233; ade ihr mauschel-brüder all, ihr rechte zöllners-art! halt mir für übl nichts überall, ich hab gesungen die wahrt Opel-Cohn
dreiszigjähr. krieg 426; 'in übel haben': etlich frawen Nyuetta zoren in übel heten und schulten Arigo
decam 272, 12
Keller; wer wolt euch das in ubel han? Hans Sachs 17, 119, 33
Götze; 'für übel haben': habt ez nicht verübel,
no la bie per mal Brenner
it.-deutsches sprachbuch (1424)
in Bayerns maa. 2, 394;
imputare, vorweisen oder vor vbel han Diefenbach
mlat.-hd.-böhm. wb. 151;
landschaftlich noch im gebrauch: verübl hàbn oder verübln,
etwas böse aufnehmen Lexer
kärntn. wb. 245; wer wolt für übel haben das?
fastnachtsp. 290, 12.
häufiger negiert: ist es hinfurt den armen menschen nit fur ubel zu haben Luther
br. 2, 62; also hAette er es Marcomirn nicht fr bel, dasz er Riamens und Olorenens aberglauben ... gemiszbraucht habe Lohenstein
Arminius 1, 167
a; es ist denen ahlen-schmieden nicht vor übel zu haben, wann sie bey dem feuer nicht so gar weisz aussehen Abr. a S. Clara
etwas für alle 2, 10;
meist als entschuldigungsformel: das solt ir mir nit frübel han
Theuerdank 81, 77; vnd habens e. g. mir nur nit für uobel Erzherzog Ferdinand II. v. Tirol
spec. vitae humanae 7
neudr.; hab mir nit fürübel, wann ich dir ... werde eins versetzen H. Guarinonius
grewel der verwüstung (1610) 1094; habt
[] mirs doch nicht vor übel! ihr sehet ja, dasz es meine schuld nicht sey Gryphius
lustsp. 46; du wOellst mirs nicht fr vbel han, ich hab dir ja kein leidt gethan Erasmus Alberus
fabeln 31
neudr. daraus: verüblhäbik,
empfindlich Hintner
beitr. 6;
vgl. dazu die redensart: vbel für gut han,
aegre habere, dolenter ferre Maaler (1561) 441
a; bald darnach aber hat Lysias ... übel für guot ghept die ding die sich verlauffen hattend
bibel verteutscht (
Zür. 1531) 2.
Makkab. 11
a. 88)
zornig, ungebärdig, heftig, grausam. 8@aa)
attributiv: üble behandlung,
a harsh, bad treatment Hilpert 633
a; und gab ihr zu verstehen, dasz ihn der zorn übereilet, und dasz ihr übles tractement ihm sehr leid sey
der polit. maulaffe (1679) 46; eine strafe, die wegen der üblen behandlung des pöbels oft schrecklich ist Archenholz
England und Italien (1785) 1, 1, 62; sie hatte manche harte last getragen, ihres mannes üble behandlung, noch schwerer seinen tod Droste-Hülshoff 2, 278 (
die judenbuche). 8@bb)
prädicativ: das sie jhren leib nicht pflegen kundten, waren sie vbel auff jhn selbst W. Xylander
Polybius (1574) 157;
noch heute in den dialekten: möcht ma nöt übl wear'n! =
möchte man nicht böse werden! Lexer
kärntn. wb. 245; de
r bue
b wurd alle
n tag üweler (
böswilliger) Martin-Lienhart 1, 8. 8@cc)
adverbiell: capero, vel contraho frontem, ich bin traurig, sihe übel Erasmus Alberus
nov. dict. genus (1540) 32
b; ovele sēn,
scheel sehen Lübben
mnd. wb. 259
b; sie sach mich übel an A. v. Arnim 21, 47; wer vbel siht, da will ich machen mit einem kraut, das er musz lachen Erasmus Alberus
fabeln 172
neudr. einen mit worten vbel emphahen, vnwirsch anreden,
male accipere aliquem verbis Maaler (1561)
a. a. o.; wurd aber übel bewillkommet, indem ihr der herr das frischangefüllete kammer-becken auff den kopff schmisz
der polit. maulaffe (1679) 44; man ist so übel mit ihm umbgangen, dasz er mich gleich daurete Grimmelshausen
vogelnest 2, 355, 17
Keller; sie ... stiesz das fräulein von sich, und würde ihr vielleicht nochmals übel begegnet haben, wenn sie nicht die umstehenden damen in schutz genommen hätten Nicolai
Seb. Nothanker 1, 201; ein geschlecht, das ihm so übel mit gespielt hat Göthe 22, 29, 13
Weim.; sagt, man hat euch übel mitgespielt, nicht wahr? E. Th. A. Hoffmann 11, 57; er wirt dir übel faren mit Hans Sachs 1, 44, 9
Keller. o Daja, Daja! wenn in augenblicken, des kummers und der galle, meine laune dich übel anliesz, warum jede thorheit, die meiner zung' entfuhr, ihr hinterbringen? Lessing 3, 77 (
Nathan III 2). 'übel tun',
ungebärdig sich benehmen, zornig sein, weinen, schmerz zeigen: ir hend angstlichen übel ton
N. Manuel
Barbali 191
Bächtold; lugt was doch mOecht die vrsach sein das das kind als vbel thet Fischart
flöhatz 18,
v. 569. wel daun =
wehklagen Schambach 148
b;
häufiger: 'sich übel haben, gehaben, geheben': vbel gehaben,
conqueri Maaler (1561) 441
a;
doliturus ... der sich vbel gehaben wird A. Corvinus
fons latinitatis (1646) 278; sich äbbel hâ
laut jammern Kleemann
nord-thüring. idiot. 3
a; welche mich, wiewol wider des Damis willen, zu ihr nahme, massen selbiger sich sehr übel hatte, dasz er meiner solte müssig gehen A. U. v. Braunschweig
Octavia 2, 441; liebe, wie gehabst du dich so recht übel
der ewigen wiszheit betbüchlin (1518) 50
b; die bawren gehuben sich übel
buch der liebe 11, 4; die turteltauben ... ist eyn zorniger vogel, vnd der sich vbel gehebt, wann er gefangen würd Sebiz
feldbau (1579) 118; allda (
haben) sie seinen famulum, den Wagner gefunden, der sich seines herrn halben vbel gehube
volksb. v. dr. Faust 119
neudr.; was grosser klag, was grossen gschrey hör ich? mich wundert wer da sey der sich so mächtig vbel gheb, ob es sey todt, oder obs leb Fischart
flöhaz 3
neudr.; [] sein weib gar vbel sich gehub, bey dem grab als man jhn begrub, vnd wolt sich gar nit trösten lahn L. Sandrub
hist. u. poet. kurzweil 109
neudr. vbel halten,
malè tractare Dasypod.
dict. Niiij; sich selbs vbel halten, im selbs nichts guts thuon,
male mereri de se Maaler (1561) 441
b; man wird sy ... übel halten vier hundert jar
bibel verteutscht (
Zür. 1531)
1. Moses 15, 13; der vater hielt die mutter übel Herder 23, 543 (
Adrastea); hast du ein knecht, der flieszig arbeit, treu und recht, den halt nit ubel, sonder wol Hans Sachs 19, 28, 40
Götze; ... vil volckes starb, vnd schnell des gAehen todts verdarb, vmb dasz derselb Chrysen den alten priester thet schnOed und vbel halten Joh. Spreng
Ilias (1610) 1
b. einen vbel handlen, rauch anfaren,
contumeliam facere, voce aliquem violare Maaler (1561) 441
b; der vater ist gestendig sinen sun übel gehandelt vnd gedrengt haben Fr. Riederer
spiegel d. waren rhetoric (1493) C 4
b; damit richtet er aus, das die feinde ... jn vbel handeln Luther 28, 244, 34
Weim.; yetzt hab der herren ich so viel, yeder ubel mich herschen will Hans Sachs 6, 189,
v. 17
Keller; wer hat dich so geschlagen, mein heyl, vnd dich mit plagen so übel zugericht? Paulus Gerhardt
bei Fischer-Tümpel kirchenlied 3, 308. die erste bewegung in mir war ein aufjauchzen der herzlichsten freude, und erst, als ich sah, dasz er übel zugerichtet war und blutete, da wurde ich betreten G. Keller 1, 38. 99)
steigerungsadverb: '
sehr'.
zunächst in verbindung mit empfindungsverben und thätigkeitsverben, welche körperempfindungen im gefolge haben, wo übel 2),
bzw. 8)
stark an begriffsinhalt einbüszt und eine blosze gradsteigerung ausdrückt. mhd. und besonders frühneuhd. allgemein üblich, heute veraltet: mein lebenlang so bin ich ie so gar ubel erschrocken nie warhafftig, als auff dise stund Hans Sachs 17, 24, 3
Keller-Götze. wer erschrack übler dann Wilibaldus! Wickram 2, 55, 2
Bolte; do das die kinder Israhels hortend, erschrackend sy übel ab jm
bibel verteutscht (
Zür. 1531)
Judith 4
a; erschrack Lucifer vber die massen vbel Ayrer
proc. 1, 5; und seit vil übels von dem concilium, das die pfaffen übel erschraken Richental
chronik 78; von dieser red erschrack sein bruder fast übel Kirchhof
wendunmuth 2, 33; der guot herr erschrack dessen übel Frey
gartengesellschaft 45, 16. vast vbel fOerchten,
male formidare Maaler (1561) 441
a; vbl fOerchten,
pavere, horrere, pertimescere etc. Schönsleder
prompt. (1647) Q 3
a; drumb, was mir zthuon syg, ich nitt weisz, dann gar mir vbel grusen thuot
Schweiz. schausp. d. 16. jahrh. 3, 164, 603
Bächtold; vor schmertzen gieng jhm zu ein grausz, vnd forcht so vbel seiner haut dasz er thet heulen vberlaut Joh. Spreng
Ilias (1610) V, 69
a; vnd förcht got vbel wo du sine gbott übertretten hast Zwingli
v. freiheit d. sp. 18
neudr.; sie (
die weltlichen fürsten) förchten sich übel vor disem stall (
vor der katholischen kirche), und es gehet inen wie dem fuchs, der zuom lewen nit hinein wolt Sleidanus
reden 108, 69
Böhmer; nun das kindlein, das seines vatters auch ubel forcht, zuo ime sagt
M. Lindener
rastbüchlein 28. das verdreuszt mich übel, die sach truckt, engt und irrt mich übel,
male habet me haec res Maaler (1561) 441
a; es ist jm begegnet wider die hoffnung, das verdreüzet den man übel Boltz
Terenz deutsch (1539) 14
a (
Andria II 6,
v. 436); welches schniben und schnarchen, der guote mann auff der cantzel vernam und in ubel verdrosz, das er den Wenden predigen solte
M. Lindener
rastbüchlein 7; und hett mich übel gereut, dasz ich den bruder von mir gelassen hette G. v. Berlichingen
lebensbeschrbg. 43
Bieling; ich hasz den hof ausz keiner andern
[] vrsach so übel, dann dasz er so nach ist (...
tam male odi) Boltz
Terenz deutsch (1539) 97
b (
adelphi IV 1,
v. 523); das beschwert den vatter also übel das er vor kummer starb Seb. Muenster
cosm. 117; darumm sage vns, wie ists dir ergangen? dann vns vast übel thuot verlangen
schweiz. schausp. d. 16. jahrh. 3, 33, 382
Bächtold; der selbs nicht weisz, wie vbel schmertzet des bösen lob Wekherlin
ged. 386; und bath, weil jhn so vbel frr so solt man jhn doch lassen ein L. Sandrub
hist. u. poet. kurzweil 61
neudr. mein kint leit litsuchtig im haus: vnd wirt vbel gequelt
Mentel-bibel (1466)
Matth. 8, 6; widderumb der den schuch anhatt, achttet nicht, wie gladt er anligt, szondern wie ubell er yhn druckt Luther 10, 1, 1, 315
Weim.; wenn die leus und flöhe übel beissen und not thun, so spricht man es wirt bald regnen Keisersberg
Emeis (1517) 34
a;
metaphorisch: vbel beissen, verdriessen,
male urere Dasypodius
dict. Niiij.
im alterthümelnden stil oder von der bibelsprache beeinfluszt noch im 18.
u. 19.
jahrh.: es wird von den Nordleuten übel bedränget Scherer
lit. gesch. 61; du ergriffst ihn gewaltig und hast ihn übel gebändigt Göthe 4, 121
Weim. 'übel schlagen': warumb schlegst mich so grausam ubel Hans Sachs 21, 23, 23
Götze; mit dem den aychen bengel faszt, sie ausz der maszen übel schlug und zurichtet Montanus
schwankbücher 13; wenn's auch einen strausz mit Steffen absetzt und er mich übel schlägt, was ist's mehr als ein böses ehestündlein? Musäus
volksmärchen 1, 47
Hempel. vitupero, vbel schelten, schmehen Megiserus
thes. 2, 720
a; darnach wird der geist (
Zwingli) seer zornig, das ich yhr deuteley so frölich gespottet habe und schillt mich ubel Luther 26, 304
Weim.; ob du das gschirr (
mit wein) zu vol thuost schencken, und sorgst, der herr werds maul drob hencken und werd dir darumb vbel fluochen, so soltu disen vortheil suchen Scheit
grobianus v. 1748
ff. neudr.; war einmal im sprachgefühle durch solche wendungen übel
als steigerungsadverb geläufig geworden, so griff der gebrauch auch bald auf andere verba über, ja übel
trat auch als intensitätsadverb zu adjectiven. 9@aa)
bei verben: verbrann die statt Costantz gar vbel Stumpf
Schwytzerchronik (1606) 398
a; wie bel dem Simplicio die kunst misslingt
Simpl. 6
neudr.; als übel verstümmeltes spiegelbild Gerhard
archäolog. ztg. jg. 1, 156; ein ... gentleman, der ... mit seinem eignen guten namen so übel zerfallen ist Gerstenberg
litteraturbr. 150, 28; es wäre nur übel gefehlt, wenn ich so viel brauchte J. P. Hebel 2, 28, 9
Behaghel; übel hast du gewisz dich verirret Sal. Geszner (1778) 2, 69. 9@bb)
bei adjectiven: ewl šen,
ausnehmend schön, ewl rix,
sehr reich, ewl fiel,
sehr viel Martin-Lienhart 1, 8. 1010) schwer, schwerlich, mühesam
etc.,
moeielyk, bezwaarlyk Kramer
hochniederd. dict. (1719) 217
a; es wird übel zu finden, zu bekommen oder anzutreffen seyn; solche flecken gehen übel aus,
such spots are hard to take out Ludwig
teutsch-engl. wb. (1765) 1778; wer eynmal in der leuthe mundt kompt, der kan übel wider darausz kommen Tappius (1545) 50
b; weil aber sich gemeinigklich befindet, dasz an denen orten ... das holtz seltzam vnd vbel zu bekommen ist Ercker
mineral. ertzt (1580) 46
a; 's ist übel kämmen, da kein haar ist Alexis
Roland von Berlin 1, 379; ob die Phyllis angenommen von den rosen ihre zier oder ob vielleicht von ihr solche solchen schein bekommen, war gar übel zu bescheiden Logau
sinnged. 11, 15
Eitner. 1111) übel
nähert sich der negation oder schränkt im adverbiellen gebrauch die geltung des verbalbegriffes wesentlich ein. synonym: '
wenig, nicht, misz-'. 11@aa)
attributiv: 'übel lust, übel gefallen haben',
stets unflectiert und meist mit negation: was ihre rö
m. nebenstunden
[] betrifft, zu diesen hat Breitkopf nicht übel lust, nur möchte er etwas davon sehen Göthe IV 9, 157
f. Weim.; ich merke, sie hätten nicht übel lust, uns beim eintritt in einen kunstsaal immer einen kleinen maulkorb vorhängen zu lassen A. W. Schlegel
Athenäum 2, 46; die frau ... schien nicht übel lust zu haben, wieder von vorn anzufangen Ebner-Eschenbach 3, 166. er grosses leyde und übel gefallen daran het Arigo
decam. 318, 2
Keller;
ähnlich: er hat nitt iwel mieh g'hā,
nicht wenig mühe Martin-Lienhart 1, 8. 11@bb)
adverbiell: o we, ick hebbe dy ghevraghet, unde du hest my ghesaget, dat my herde ovel behaghet
nd. visio Philiberti 42,
v. 601 (
nd. jahrb. 1879); vbel gefallen,
displicere Diefenbach
mlat.-deutsch.-böhm. wb. 100; es hat mir auf den rath zu Arnstadt uber die maszen übel gefallen Luther
br. 5, 623; vnd do sich das volck vngedultig machet, gefiel es übel vor den oren des herrn
bibel verteutscht (
Zür. 1531)
4. Moses 11
a; wie kOendt mirs vbler gfallen das ich die liebst ob allen solt meyden so weyt von dem Rein? Forster
frische teutsche liedlein 178
neudr.; mit negation: alszo haben auch vertzeytten gotts dienste auff etlichen bergen gott nit ubel gefallen Luther 8, 556
Weim.; welche mein einfeltige arbeit, hoff ich, vielen frommen christen nicht vbel gefallen wirdt Ringwalt
evangelia a 6
a; das weibsstück ... gefällt mir nicht übel Stranitzky
ollapatrida 17, 29.
diffido, ich misztraw, traw nit wol, traw bel Erasmus Alberus
nov. dict. genus (1540) 23
a; (
Prisca:) das höre ich von vil münch vnd pfaffen weibern klagen, sie getrawen vbel, mein magister thuot nit also Vogelsang
gespräch v. d. tragedia Joh. Hussen 25
neudr.; ... wenn einem menschen allein, das regiment ... zuogestellet ist, so kan es nit anders zuogehen, er wirt stoltz, hoffertig, ... und wie man gemeinlich sagt, kan er die guote tag übel leiden Sleidanus
reden 213, 45
Böhmer; amarellen ... wöllen an külen ... orten stehen, vnd können vbel warme lufft erleiden Sebiz
feldbau (1579) 347; o übel geziemt sich's, fürst zu seyn, und in noth die söhn' Achaias zu stürzen Bürger 197,
v. 233
Bohtz; sehr holde jungfrau, sagt er ihr, ihr schickt euch übel nicht zu mir Lenz
gedichte 152
Weinhold; weil nun der feldherr diesen unverdienten helden übel etwas ausschlagen konte, befahl er ... Lohenstein
Arminius 1, 68
b; mein hals ist desz henckens so gar ubel gewohnet Crecelius 2, 830; vom theater und den kirchlichen cerimonien bin ich gleich übel erbaut Göthe IV 8, 170
Weim.; wer für dem creutze weicht, taug übel unter christen Logau
sinnged. 188, 4
Eitner; vbel merken, nit wol verston,
intelligere parum Maaler (1561) 441; das etliche pnctlein offt yn dyser getruckte sermon gemeldet werden, vnnd verdrusslich geacht zu lesen, yst geschehen zu nutz dem ainfaltigen vbel merckenden leser Eberlin v. Günzburg 3, 252
neudr.; da ist etwan ein feiner mann vnd vbel beredt. dargegen find man ein heszlichen, der ist wol beredt Erasmus Alberus
fabeln 9
neudr.; es wird ihm übel gedeyen,
non impune talia feret Garthius 341
a; aber es ist jr übel gelungen, ... dann sie hat das leben darüber müssen verlieren Joh. Nas
das antipap. eins und hundert 1, 56
b.
beim adj.: du bist allweg unsinnig und übel gesund (
semper amens et male sanus existes) Stainhöwel
Äsop 51.
in der negation '
sehr viel': mr händ nid übel garben überchó,
wir haben nicht wenig garben bekommen Hunziker 268; sie hatte stattliche kleider und war mit gürtlen, ringen, perlen und dergleichen geschmeiss auch nicht übel versehen und gezieret Grimmelshausen
vogelnest 2, 420, 4
Keller. 1212)
formelhaft: 12@aa) ubel ärger machen,
malum malo cumulare Stieler (1691)
a. a. o.; oleo incendium restinguere, du machst nur übel erger Tappius (1545) 49
b; äbbel ärger mache,
schlimmer machen Kleemann
nord-thüring. idiot. 3
a:
[] treibestu es dazu, so machistu nur übel erger Luther 17
I, 122, 22
Weim.; sonder machen nur vbel erger Musculus
hosenteuffel 7
neudr.; damit nicht übel ärger gemacht würde Grimmelshausen
vogelnest 2, 343, 23
Keller. das sprichwort: 'ausz ubel wirt ergers' Luther 8, 680, 22
Weim.; der liebe gott verleihe gnade, dasz wir erkennen und ihm dafür danken, sonst wird vbel ärger werden
tischr. 2, 12; ich habs auch schon an eurem bruder wahrgenommen, meine kinder; ich mag mich aber nichts merken lassen, sonst könnt er sich verstellen und seinem kummer heimlich nachhängen und da macht ich aus übel nur ärger H. L. Wagner
der wohlthätige unbekannte 14. 12@bb) wohl oder übel
aus prägnantem gebrauch in älterer zeit allmählich formelhaft werdend und vom verbalbegriff sich ablösend: nachdem ... gott eynnem jden gnad gibt sich sollicher zeit wol oder vbel zu geprauchen Cronberg
schrift. 77
neudr.; 'o wehe', sprach der student, 'es gieng mir wol und ubel' Lindener
rastbüchlein 11; in mitler zeit hat uns niemand gesaget, wie es umb in steh, obs ihm wol oder ubel geh Hans Sachs 1, 103, 33
ff. Keller; es gfall in übell oder woll
Endinger judenspiel 59
neudr.; variiert: da kanst du was du wilst, gut oder übel sprechen H. v. Hoffmannswaldau
u. and. deutsch. gedichte 2, 218
Neukirch; auf den kaminen erscheinen statt chinesischer fratzen ... dreifüsze, wohl oder übel unseren vergoldeten bronzen nachgebildet Justi
Winckelmann 2, 1, 381; der dichter ... flicht wohl oder übel eine liebesepisode ein Freytag 14, 34 (
technik d. dramas).
zur bezeichnung des äuszeren oder inneren zwanges: '
nolens volens': wollte er wohl oder übel, so musste er seine taschen umkehren J. P. Hebel 2, 33
Behaghel; vom verb. abgelöst: auf beide verträge musste Metternich wohl oder übel eingehen Treitschke
deutsche geschichte im 19.
jahrh. 3, 166; so muszte ich denn wohl oder übel den alten staub weiter schleppen Gaudy 2, 96; du hast dich, gut oder übel, zu einer vierfachen abfindung entschlieszen müssen Droste-Hülshoff 2, 367. 1313)
als interjection: übel uns betagten sündern P. Fleming 340; wol euch! übel mir! 391; 1414) übel
als compositionsglied. die zahl der übel-
composita ist erst vom 16.
jahrhundert an gröszer. die wenigen composita, die sich über das 15.
jahrhundert zurück aus dem ahd. und mhd. nachweisen lassen, zeigen übel
in der bedeutung '
böse, sündhaft, feindselig',
s. o. 6), 7), 8).
vom ausgang des mittelalters an, insbesonders im 16.
und 17.
jahrhundert setzt sich übel
als gegensatz von wohl
im sprachgebrauch fest und hält mit der compositionskraft von wohl
nahezu gleichen schritt, zunächst in der bedeutung '
krank, physische unlust erregend',
s. o. 1)
und 2),
bald aber auch den weiten anwendungskreis von '
unglücklich, unzweckmäszig, unpassend'
ausschöpfend, s. o. 3)
und 4).
vom ausgang des 18.
jahrhunderts an nimmt der gebrauch —
insbesonders in den uneigentlichen compositis, den syntaktischen zusammenrückungen —
rasch ab, durch schlecht (
als gegensatz von gut)
verdrängt.