unstatthaft,
adj. adv. ,
gth. v. statthaft.
ahd. unstatahaft;
mhd. unstatehaft.
eigentlich nur noch in bed. 4
und 5
üblich. 11) unstatahaft
instabilis, inconstans, incessanter Graff 6, 647;
vgl.statthaft 1; zum andern hasset desgeleichen der weisz ein lügenhafften reichen, der wanckel ist in seynen worten, gantz unstathafft an allen orten H. Sachs 3, 373, 20
K. (
var. unstandhafft C);
vgl.statthaft 2 e;
nachklingend bei Herder: man ... greift das beständige oder unstatthafte ihres (
der ständischen typen) charakters, ihre versatilität und innere ehrlichkeit gleichsam mit händen (
mit bezug auf Lessings Emilia Galotti) 17, 184.
sonst veraltet. 22)
gth. v. statthaft 2 b/c;
vgl.übel statthaft;
inops, unbemittelt Schmeller 2, 796; Haltaus 1953; Unger-Khull 611
a: von denen (
klosterleuten) Paulus schreibt, gleich als sein sy armdürftig, die vil ander leut reich machen und die als unstathafft monich dannoch alle ding besitzen B. v. Chiemsee 668.
gth. v. 2 d: nemblich dasz so wol diejenige, so schöffel, als die, so nicht schöffel seind, und ... betrüglicher weisz banckerott machen, auff den zünfften zuruck ins büchlein under ein sondere rubric der unstatthafften geschrieben .. werden
d. stadt Straszburg policeyordnung (1628) 80; Frisch 2, 321
b. Göthe
kennt diese bed., erweitert sie aber: künstler und liebhaber sind gleich u. (
unvermögend, unfähig), der eine macht, der andere urtheilt ohne vernunft (
an Zelter) IV 38, 69
W. veraltet. 33)
synonym mit ungelegen,
incommodus Haltaus 1953: das den abbtessen, priorin
etc. ungelegen und unstathafft, so sy jhe zu zeitten in obbemelten landes rechten zu handlen haben, selbst persondlichen furzukhumen und zu erscheinen
mandat Karls V. aus der Kärnt. landr.-ordnung (1578) 27
bei Haltaus;
vgl.statthaft 2 a
u. 3.
veraltet. 44) statthaft 3 a
entsprechend, jedoch so, dasz in jüngeren belegen die rechtssprachliche bed. dem sprechenden kaum mehr zum bewusztsein kommt. a)
quod locum non invenit, non admittitur, rejicitur, eine unstatthaffte klage
accusatio illicita, ein unstatthaffter beweisz, der unzulänglich, unzureichend,
non sufficiens, quod non satis est ad aliquid Frisch (1741) 2, 321
b: ein unstatthafftes vorgeben S. Fr. Hahn
einl. z. d. t. staats-, reichs- u. kayserhistorie (1721) 3, 140; verjährung Zedler 49, 2071; dasz wir nicht einsehen, dasz ein staat, der bey mittelmäszigen gesetzen unveränderlich bleibt, besser daran sey, als der, so mit den besten, aber dabey unstathaften verordnungen versehen ist Heilmann
gesch. d. peloponn. kriegs (1760) 353;
M. Jacobi
übersetzt (1804)
dieselbe stelle: bey einer schönen verfassung, auf die man nicht achtet;
vgl. Herder
unter 1; ein unstatthaftes (
ungültiges, nicht rechtsbeständiges) verfahren Adelung, ansprüche Görres
ges. schr. 2, 32, verdacht Tieck 12, 309, vertrag, abmachung, clausel, auflage, bedingung
u. s. w.; einen unstatthaften eingriff in eine fremde münzberechtigung Luschin von Ebengreuth
münzkunde 125.
prädicativ: ist sie (
die bekreuzigung) u., so wird dem kläger der besitz der sache eingeräumt
nach alter quelle J. Grimm
rechtsalterth. 1
4, 239; der grund ... ist also auf alle weise ganz unstatthaft Nicolai
reise 7, 71,
anh. A; blutig und u. waren sehr viele gerichtliche urtheile J. v. Müller 1, 83; was in dieser richtung während der französischen kriegsunruhen versucht wurde, sei als nichtig und u. anzusehen L. Häusser
d. gesch. 1, 526; eine dienstliche handlung vorzunehmen, die er aus gründen des geistlichen rechts für u. erklärt hatte Jhering
geist d. r. rechts 1, 322; eine aufhebung des fideikommisses ... ist gemeinrechtlich u.
handwb. d. staatswiss. 3
2, 889;
gerichtsverfassungsges. 16;
handelsgesetzb. 65, 1. b)
auf andere gebiete ausgedehnt: eine lehre treiben, die nicht neutestamentisch und darum seit dem tode Jesu u. ist A. G. Spangenberg
leben Zinzendorfs (1775) 2181; ein nicht unstatthaftes kennzeichen der göttlichen wirkung
allg. d. bibl. 1, 1, 7; wenn zwei einander entgegengesetzte urtheile eine unstatthafte bedingung voraussetzen Kant 3, 345, 30
ak. ausg.; folgen
M. Mendelssohn 3, 260; ein kunstfreund zu seyn, nämlich der über kunstwerke zu gericht sitzt und nach recht und gesetz urtheil spricht, ist etwas ebenso unstatthaftes als unersprieszliches und unerfreuliches A. W. Schlegel
Athenäum 1, 147.
adv.: u. (
sündhaft) vermählt Müllner (1828) 4, 189. 55)
mit der für die n. spr. bezeichnenden anlehnung an gestatten '
was nicht eingeräumt, bewilliget oder gestattet werden kann' Adelung;
vgl.statthaft 3 b, c: unstatthafte melodien Gottsched
das neueste 5, 309, entschuldigung, verlangen Adelung; ich fodre sie auf, .. mir in schriften alter und neuer zeit eine unstatthaftere citation zu zeigen Herder 15, 67; hypothese
allg. d. bibl. 88, 115, beispiel A. W. Schlegel
Athenäum 1, 26, gebrauch Göthe II 3, 492
W.; und so war es mir denn auch ganz schrecklich, als ein akademischer lehrer (
bei optischen untersuchungen) ... den unstatthaftesten apparat auskramte 36, 122
W.; das unstatthafte herumjagen in der welt II 9, 392;
subst.: das unstatthafte seiner conjectur
allg. d. bibl. anh. 37/52, 91; Göthe II 2, 65
W.; das unstatthafteste war, gegen A. selbst zu ziehen Droysen
gesch. Alexanders d. gr. 57;
prädicativ: u. ist .. die hypothese Herder 19, 385; zu behaupten ... ist ganz u. Göthe II 3, 20
W.; es wird nicht u. sein daran zu erinnern Mommsen
röm. gesch. 1, 342.
adv.: u. construiren J. Grimm
kl. schr. 3, 5.
wohl auch statthaft 3 c
entsprechend von mode: ein unstatthafter anzug, hut; im gehrock zu erscheinen, ist u.
ein rest von nachdruck und schärfe unsres wortes stammt aus der rechtsspr. —