Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
gans stF.
2 typische Eigenschaften (häufig im Vergleich)
1 ‘(Haus- und Wild)Gans’ die sint gerne in dem wasser alse enten vnde gense Lucid 61,2; dâ wol tûsent gense lâgen. / dâ wart ein michel gâgen Parz 282,13. 295,19; ErzIII 40,31; HvBurg 5994; da wirt manger umbe bescholten / und angeschriet als die arn, / so man die gense wil bewarn Jüngl 1238; der fuhs [...] lâget auch allermaist haimleichem gefügel, sam hüenren und gensen BdN 163,28 u.ö.; Boner 79,19. 80,2; ime Riezze der wilden gense / ist des winters nit me Rennew 14844. – die gens airnt [legen Eier] oft ân den ganzen [Gänserich] BdN 168,29; den gensen ist vliegen alsô lustig, daz si selten nümmer ruoent ebd. 169,8. 169,3. – die gens meldent auch die dieb mit irm quiteln BdN 168,27. 168,32. – ein wilder wolf wirt dir ein hunt, / ein gans ein gouch Marner 11,46. – als Abgabe: diz scaph unde di zige unde die gans unde di boc virwirkin zueni phennigi an einwurti [Buße, vgl. Anm. z.St.] Mühlh 157,7; so sol man pfarrær gebn ein gans vnd zwei hvͤner UrkGeisf 426 (13. Jh.); UrbBayÄ 740,a. 123; UrkCorp (WMU) 445,29. 1836,9 u.ö. – als Teil der Zubereitung: ein gans er an dem spizze reiz / bî dem fiuwer umbe [drehte herum] EnikFb 1436; mich würget niht ein grôzziu gans, so ichs slinde SM:St 1: 5,7. 1:3,4; wirt, bisend dien gesten / gense, die da sîen blinde, / unde mache die stubun heiz SM:Had 18: 3,5; HvNstAp 4563; BdN 168,29; BvgSp 42 u.ö.; wil dû die besten salben machen zuo der wunden, [...] nim danne ein henne unde ein gans Barth 138,1. SalArz 81,40. 17,44 u.ö. 2 typische Eigenschaften (häufig im Vergleich): der strît begunde tokzen [schwanken] , / als ûf dem wâge tuot diu gans Wh 398,15; zallen zîten drôt er mir / als einer veizten gense Neidh WL 27:3,12; er [Ydrogant] hett praitte fuesse / mit flecken recht als ain gans HvNstAp 9095; GTroj 15958; wolt ich mit gensen leken, / ich wolt auch liegen also vil KvMSph 2,15. 2,19. 2,20. – ich bin der sinne niht ein gans Rennew 29365; verfluochter bœswiht, der ez tuo, / der sinn [Verstand] ein gans, der züht ein kuo Helbl 2,386. – im Sprichwort (TPMA 4,158): [sie] hânt gense wân, / swen sie den wolf / erkennet unde doch ûz ir ziunen gân Wartb Fl 19,14 – diz [ironisch für die Frauen] sint gense genant Gänslein 84; dô verjach er im zehant / reht der gense wârheit, / als ich iu ê hân geseit, / wie er die gans hin under lie / und sich die naht mit ir begie. ebd. 261 u.ö. – als Schimpfwort: ir [Parzival] sît ein gans Parz 247,27; west willekomn, ir [Gawan] gans. / nie man sô grôze tumpheit dans [besaß] ebd. 515,13. 599,2; ich wære immer mêr ein gans / an wizzenlîchen triuwen, / ob mich der [Tod Vivians] niht solde riuwen Wh 13,22
MWB 2 89,47; Bearbeiterin: Herbers