tuch,
n. ,
in älterer sprache und mundartlich noch heute auch m., pannus, vestis, linteamen. frühnhd. und mundartl. begegnet auch die kollektivbildung getuch,
s. teil 4, 1, 3,
sp. 4568
f. herkunft und form. 11)
nur kontinentalwgerm., zunächst hd., got. stattdessen fana;
an. u. englisch erscheint das wort erst später als lehnwort (
s. u.)
; ahd. tuoch;
die alte monophthongische form noch in kelatoh
ahd. gl. 1, 211, 37
St.-S.; alts. nur in hullidôk
teristrum Wadstein 73 (10./11.
jh.)
; das von Gallée
vorstud. zu e. altnd. wb. 46
u. 416
angeführte simplex dôk
ist nur erschlossen. auffallend ist es, dasz der Helianddichter das wort meidet und statt dessen uuad
und lakan
gebraucht (
s. u. I A 1 a).
altfries. dôk,
mhd. tuoch (
mfränk. u. rheinfränk. doich, dūch);
mnd. dôk,
auch in hantdok
mappula ahd. gl. 3, 717, 7 (12.
jh.)
; mnl. doec;
aus dem nd. (
oder fries. nach Wadstein
fries. lehnw. i. nord. 8)
in die skandinav. sprachen und (
über diese?)
ins engl. übernommen: aisl. dúkr,
s. Fischer lehnw. d. altwestnord. (1909) 28;
isl. dukur,
norw. duk,
schwed. duk, dok,
dän. dug (Blöndal 145, Torp
nynorsk etym. ordbok 77
a, Hellquist
3 148. 161);
engl. duck,
s. Murray
lit. D, 700 (
seit dem 17.
jh.),
der für das engl. entlehnung aus dem holländischen annimmt; hierher auch über das langobardische ital. tocca
seidenstoff, schleier, kopftuch, vgl. Meyer-Lübke
nr. 8765
a; Gamillscheg
Rom. Germ. 2, 165
f. die etymologische anknüpfung an altind. dhvajá,
m. (
n.), '
fahne, erkennungszeichen',
die vielfach angenommen wird, ist zwar lautlich möglich, aber wegen der merkwürdig isolierten stellung beider wörter wenig glaubhaft, s. Walde-Pokorny 1, 869. 22)
im ahd. steht neben dem neutrum das masculinum, z. b. pannos tuocha
und tuoch
ahd. gl. 1, 633, 23/25; 4, 85, 20/23; 3, 618, 10
St.-S., bei Otfrid ther duach IV 25, 10
und V 6, 59; 61; 66.
in mhd. zeit fehlen auf obd. u. md. boden bereits die zeugnisse für das masculinum: ein plural tuoche,
dem ahd. tuocha
entsprechend, ist nicht belegt. auf nd. boden herrscht anfänglich das masculinum vor, vgl. umb iren tuoch Wizlav v. Rügen in:
minnesinger 3, 83
b v. d. Hagen; für das md. randgebiet vgl. den dûch
wilder mann 98
Köhn; erst allmählich dringt auch hier der hochdt. sprachgebrauch durch, doch ist das masculinum noch bis ins 18.
jh. nachweisbar: eröffnet er
den tuch Brockes
ird. vergn. (1728) 1, 555; in groben tuch gehüllt Dusch
verm. w. (1754) 167; decke den seidenen tuch dir
unter J. H. Voss
ged. 117
Sauer, s. auch 88.
niederdeutsche und vereinzelt auch mitteldt. maa. haben das masculinum bis in die gegenwart bewahrt und ihm zum teil eine sonderbedeutung gegeben (
s. u.),
vgl. Mensing
schlesw.-holst. 1, 765
ff., Kehrein
Nassau 1, 411, Meyer-Mauermann
der richtige Berliner 9179, Vilmar-Pfister
Hessen 301; Crecelius
Oberhessen 307; Hasenclever
Wermelskirchen 57
u. a. 33)
dem doppelten genus entspricht im ahd. ein doppelter plural, vgl. die oben angeführten belege aus den ahd. gl. und Otfrid.
das mhd. bewahrt nur tuoch.
im 12.
jh. tritt auf oberdt. boden erstmalig der -er-
plural auf (
Milstätter genesis 17, 15).
dieser beleg trägt mundartl. charakter und bleibt daher lange vereinzelt, denn die klassische mhd. dichtung meidet tüecher.
erst im spätmhd. mehren sich die zeugnisse für diese neue form, vgl. PBB 38, 213.
seit der angleichung der masculinen und neutralen pluralformen der -o-
stämme, die im spätmhd. einsetzt und mundartl. sowohl durch zufügung als auch durch fortlassung der endung erfolgen kann (
s. Paul
dt. gramm. 2, § 4),
stehen sich die plurale tuch(e)
und tücher
gegenüber. die bedeutungsmäszige scheidung beider formen gelangt nach jahrhundertelangem schwanken erst im 19.
jh. zum abschlusz. für das einzeltuch verwenden die frühesten mhd. belege (
s. PBB 37, 511)
unterschiedslos sowohl tuch(e)
wie tücher.
ebenso verfährt die vorlutherische bibel, vgl. 1.
dt. bibel 1, 417; 3, 305; 8, 63; 9, 295,
während Luther
und seine nachfolger, soweit sie nicht Niederdeutsche sind, an den gleichen stellen für das einzeltuch nur den plural tücher
kennen. für tuch
als '
stoff, material'
begegnet der plural tuch(e)
vornehmlich in der sprache der zünfte: daz die tuchmachere di tuch schullen schere (1322)
bischöfl. satzungen ... in Zeitz 1, 106
Bech; denhein wolleslaher kneht zu Strazburg sol ime selber ... denheine tuche machen (1381)
bei Schmoller
tucherzunft 11; die groszen wiszen tuche und die growen kemlin tuche (1433)
ebda 44; vier lange tuch von Gint
fastnachtsp. 1, 466
Keller; daneben steht in der gleichen umgebung der -er-
plural: mittel tucher (1399)
Marienb. treszlerb. 152; stücke sydiner tcher (1401)
bei Schmoller 21
a;
zuweilen werden beide pluralformen in gleicher bedeutung unmittelbar nebeneinander gebraucht: item was tücher in den dörfern gemacht werden, die soll man nit zusammen legen oder versigeln als die statt tüche (
Baden 1486)
bei Mone
zs. f. gesch. d. Oberrheins 9, 154; dasz sie (
die tuchmacher) und alle ihre nachkommen ... ihre tuech und gewand, was sie des ... arbeitten und bereitten, bey gantzen laken und tuechern oder bey halben oder bey vierteln oder bey ehelen ... verkeuffen (
Magdeburg 1496)
gesch.-qu. Sachsens 28, 594; ein yeder welcker ... soll die tchere also walcken oder bereyten, er soll an allen tchen ye an zehen eln ein eln lassen ingän (
Baden 1486)
bei Mone
zs. f. gesch. d. Oberrheins 9, 155; neben den Lundeschen und anderen frembden tuchern gulden und silbern tuch (1564)
kurmärk. ständeakten 2, 322
Friedensburg. die bedeutungsmäszige scheidung der beiden formen geht anscheinend so vor sich, dasz tuch(e)
als plural für das gebrauchsfertige einzeltuch schon früh schwindet, während die pluralform tücher
noch lange auch für tuch
als '
stoff, material'
gebraucht werden kann. die belege für diese verwendung reichen bis ins 19.
jh.: dasjenige walken, welches den zeugen oder solchen tüchern widerfährt Ludovici
kaufmannslex. (1756) 610; auch die Patanen und die Scyten kauffen gewaltig viel englische tücher Haller
briefw. m. Gemmingen 92
lit. ver.; mein vater war selbst um die besten tücher und zeuge bemüht Göthe I 27, 56
W.; I 25, 1, 125; (
es) wurden flandrische tücher in Frankreich und Deutschland getragen Schiller 7, 34
G.; ich mochte es (
das garn) roh verkaufen oder zu tüchern machen U.
bräker
s. schr. (1789) 1, 196; reine thone werden zum waschen, walken der tücher ... verwendet Oken
allg. naturgesch. 1 (1839) 209.
bedeutung und gebrauch. durch die geschichte des wortes zieht sich, wie aus dem vorausgehenden schon ersichtlich ist, eine doppelheit der bedeutung. 11) tuch (
pl. tücher),
abgegrenztes, meist viereckiges stück gewebe beliebiger grösze und aus beliebigem material, das für bestimmte zwecke zugerichtet ist. in dieser bedeutung seit frühester zeit (9.
jh.)
bis in die gegenwart am häufigsten bezeugt. obd. lachen,
das bei Otfrid
und im Tatian synonym mit tuch
gebraucht wird (
s. u. I A 1 a
u. b;
teil 6,
sp. 80),
stirbt früh aus. seither dominiert tuch
auf hd. gebiet unangefochten. 22) tuch (
pl. tuche,
im singular in der regel artikellos) '
stoff, der aus verschiedenem fadenmaterial, in erster linie aus wolle hergestellt und noch nicht für einen bestimmten zweck zugerichtet ist'.
anfänglich in dieser bedeutung nur in unsicheren spuren nachweisbar, erst in der sprache der zünfte (
später des handels und der industrie)
voll ausgeprägt und häufiger vorkommend. auf dem gesamten sprachgebiet durch jahrhunderte neben gewand
stehend, nur mit dem unterschied, dasz gewand
häufig den weiteren begriff bezeichnet, tuch
den engeren, so im sinne des besonders bearbeiteten wollstoffs oder auch des maszes (
s. II C 3 a),
s. die belege teil 4,
sp. 5240
und bes. 5242.
die parallelität reichte bis in die komposita, so dasz hier doppelreihigkeit entstand, vgl. tuch-
bzw. gewandmacher, -haus, -schneider
usw. mit dem zurücktreten von gewand
im 17.
jh. (
vgl. teil 4,
sp. 5261
u. 5262)
wird tuch
alleinherrschend, erleidet jedoch in moderner zeit eine einschränkung des gebrauchs. innerhalb der vielfalt von sonderbenennungen für die verschiedensten, vor allem aus kunstfasern hergestellten stoffe wird tuch
bezeichnung für reinwollene gewebe, nicht ohne den beisinn des besonderen wertes. das gewebe schlechthin jedoch wird mit dem im 17.
jh. über das niederländische aus dem italienischen in die deutsche handwerks- und kaufmannssprache entlehnte wort stoff benannt, das zunächst als ausdruck des textilgewerbes das seidengewebe bedeutet, bald aber auf gewebe aller art ausgedehnt wird, s. teil 10, 3,
sp. 140.
auf nd. boden war tuch (dok)
lange ein wenig verbreitetes wort. noch der Lübecker bibelübersetzer (1533)
weicht tuch,
das er bei Luther
vorfindet, häufig zugunsten von laken
aus, verwendet jedoch die komposita windeldOeke (
Hiob 38, 9)
und swethdOeck (
Joh. 20, 7).
in der bedeutung 1
begleitet lakan,
das obd. früh ausstirbt, dok
auf seinem weg und steht noch. in der gegenwart neben ihm, vor allem dann, wenn es sich um ein gröszeres gebrauchstuch (tisch-, bettlaken)
handelt, vgl. Adelung 4 (1780) 1096.
in der bedeutung 2
ist die stellung von lakan
und wand
bzw. gewand
so fest, dasz dok
in der sprache der zünfte nicht aufzukommen vermag. die älteren nd. zunftrollen und -urkunden kennen kein dok,
vgl. für das 15.
jh. C. Wehrmann
d. älteren lübeck. zunftrollen (1864),
für das 15./16.
jh. O. Rüdiger
d. ältesten hamburg. zunftrollen (1874),
auch nicht die nd. städtechroniken, vgl. die Lüneburger u. Braunschweiger chronik (15.
jh.),
sowie die Magdeburger schöppenchronik um 1360.
ein beleg aus Magdeburg (
gesch.-qu. Sachsens 27, 5)
vom jahre 1403
steht lange vereinzelt. die hansischen urkunden (
beginn des 14.
jhs. bis ca. 1500)
meiden gleichfalls das wort. noch Adelung
stellt fest: 'wand, gewand
ist in Niedersachsen für wollentuch völlig gangbar'.
in nd. und md. maa. ist das wort heute noch zweigeschlechtig, die bedeutung '
einzeltuch'
erscheint dann gewöhnlich als masculinum (
z. b. Mensing
schlesw.-holst. 1, 765; Meyer-Mauermann
d. richtige Berliner 179
b; Hasenclever
Wermelskirchen 57; Vilmar-Pfister
Hessen 301),
die bedeutung '
material, stoff'
dagegen als neutrum. ein doppelter gebrauch in Hessen erklärt sich aus dem unterschied des materials, s. Kehrein 1, 411
und Crecelius 307. II. tuch
als fertiger gebrauchsgegenstand, d. h. ein meist viereckig abgegrenztes stück gewebe, das in der regel bereits bei der anfertigung für einen speziellen verwendungszweck bestimmt ist. auch vertreter zahlreicher komposita wie bettuch, halstuch, kopftuch
usw., vgl. schon: sie sahun thar tho wuntar:thie duacha (
leichentücher) liggan suntar; ther selbo sweizduah, in war,lag gisuntorot thar, biwuntan thar zisamanefon themo selben sabane fon then duachon (
leichentüchern) funtan, mit then er lag biwuntan. bizeinot in giwissither duah (
schweisztuch) thaz gotnissi, thaz ist in giweltiana theheinig enti. ther duah (
schweisztuch), ther wirdit funtan zisamane biwuntan Otfrid V 6, 55—61. I@AA. tuch
als schmiegsame umhüllung. I@A@11)
die vorstellung des umwindens, einwickelns steht im vordergrund: I@A@1@aa)
sehr früh belegt als bezeichnung für '
windel'.
in der übersetzung von Luk. 2, 7: gibar ira sun êrist boranon inti biuuant inan mit tuochum inti gilegita inan in crippea (
et pannis eum involvit)
Tatian 5, 13 (
dagegen Heliand biuuand ina mid uuâdi 379; Otfrid mit lachonon I 11, 35); în want en mit tuocheren
Matth. v. Beheim evangelienb. 118
Bechstein; so auch erste dt. bibel 1, 203
Kurr. (
dagegen Luther: vnd wickelt jn in windeln).
in anlehnung an Luk. 2, 7: da wart geborn daz frone chint mit den tochen umbe hebet in die chrippe geleget (
um 1127) frau Ava 232, 20
Diemer. in auszerbiblischem gebrauch: von bosir materien bistu kommen, in arme tuchir gewundin Joh. Rothe
ritterspiegel 202
Neumann; wollte sehen das kindlein nackt und entband es von den tüchern Tieck
schr. (1828) 1, 115. I@A@1@bb) '
leichentuch, grabtuch',
zuerst im biblischen bericht von Christi grablegung; vgl. linenemo tvoche
ahd. gl. 5, 17, 62
St.-S. (
Matth. 27, 59:
Joseph involvit illud in sindone mundi): biwuntun sie tho sconothia selbun lih frono mit lininemo du chejoh sorglichemo ruache Otfrid IV 35, 32;
ähnlich IV 35, 34; (
aber mit lachanon biwuntan
ebda III 24, 102;
vgl. thie duacha Otfrid V 6, 55
gegen thiu lininun lachan
Tatian 220, 4); sy namen den leip Jhesus vnd bunden in mit lilachen (
linteis, var. mit leynin tüchern)
erste dt. bibel 1, 416
Kurr. (
Joh. 19, 40);
bei Luther: in leinen tücher,
so auch Zürcher bibel (1531) 2, 248
a.
in anlehnung an den evangelientext: das ist das tuech sicherleich, dar in gotes sun von himelreich in dem grab ward gewunden
altdt. passionsspiele aus Tirol 240
Wackernell; wir seine treuen hatten ihn hingelegt; tücher und binden reinlich umwanden wir ach! und wir finden Christ nicht mehr hier Göthe I 14, 42
W. (
Faust 753);
vgl. auch: ihr hochbetrübten frawen, was wolt ihr fürchten euch? das tuch ihr möget schawen, hier ist nicht mehr die leich (17.
jh.)
bei Fischer-Tümpel
evang. kirchenl. 3, 120.
in auszerbiblischem zusammenhang, vgl. sindon ein duch (1414
md.),
sindoum eyn duch
in quo corpora mortuorum voluuntur (15.
jh. nd.)
bei Diefenbach
gl. 536
b; vmbdann oder tuch, dorinne man die todten begrebt (
Nürnberg, voc. von 1482)
ebda: dez richen mannez lichame wart in siden doch bewunden
heilig. regel 41
Priebsch; ob man sie auch schon mit gulden tüchern unter den hohen altar begrub mit allem brangen, glocken und singen Luther 6, 65
W.; darauf ich dasselb (
kind) widerumb aus dem gräble lassen erheben, auch den uberthan und tücher aufschneiden (1611) Lori
Lechrain 458; eiszkalt, eiszkalt liegt er (
der gestorbene) hier im tuche Schiller 1, 107
G. als symbol irdischer vergänglichkeit: wib, liebiu kint, vriunt, al sine habe nimet im diu werlt: mit eime swachen tuoche, sich, sent sie in ze grabe
minnesinger 3, 41
b v. d. Hagen; alles, des div werlt hat, frivde, genucht vnt rat, des envolget in in die grube nicht ... der e vier bette phlac ... in ein unwerdez tuch want man den reichen
warnung 2967
Weber; (
der tod zum sterbenden) zer werlt du nacken bist geborn und scheidst och blos von ihr, ein linin tuch für dine scham und anders nit gibt si ze lone dir Moscherosch
gesichte 1 (1650) 183;
in sprichwörtlicher wendung: ... aber in dem tod wirt dem menschen von seiner hab nicht mehr, denn ein tuch in das grab Hans Sachs 1, 432
lit. ver.; ähnlich: Luther
tischreden 5, 108
W.; ein tuch ins grab damit schab ab Petri
d. Teutschen weiszh. (1605) 2, y 7
a;
bildlich: weitberühmt; das waren viele mehr als du, und starben dennoch eingehüllet in die tücher menschlicher vergessenheit Herder 28, 471
S. I@A@1@cc)
allgemeiner ein beliebiges tuch zum einwickeln oder einschlagen eines gegenstandes, oft als behälter zum tragen: und (
sie) haben die armen lut ermurdet ... vnd die kindes houpter in Elions stuben getragen, nemlich die kindshoupter in tuchern, vnd das hab er ... gesehen (16.
jh.)
Endinger judenspiel 94
ndr.; ein bawer gehet daher auff dem acker, hat sein tuch am halse, darinne tregt er weitzen, rocken, gersten
etc. Luther 49, 423
W.; der ackersmann, der sein schmutziges tuch löset, woraus er schmierigen speck und schwarzes brod hervorziehet Lessing 8, 12
L.-M.; am nächsten tage machte ich mich abermals auf den weg, nahm aber klüglich die in ein tuch gewickelten bilder mit, damit sie wenigstens angesehen wurden G. Keller
ges. w. (1854) 3, 53; Marleenken ... hahl all de beenkens un knakens ünner den disch heruut un bünd se in den syden dook un droog se vör de döhr un weend ere blödigen tranen
kinder- u. hausmärchen 1 (1888) 174; während die frauen ihre gaben sorgfältig in tücher einsackten Polenz
Grabenhäger (1898) 1, 297; ... einen schatz, etwas gestohlenes vielleicht, gewickelt in ein tuch H. Hesse
glasperlenspie l (1946) 2, 362.
bildlich: so bewinde ich (
die ewige weisheit) der sunnen glast in ein tuoch und gibe dir geistlichen sin in liplichen worten von mir und miner suozen minne Seuse
schr. 224, 1
Bihlm. im vergleich: tiefes dunkel ... wickelte das herrenhaus ... wie in ein dickes warmfeuchtes tuch Cl. Viebig
d. schlaf. heer (1904) 1, 45. Luther in der
übersetzung von apostelgesch. 10, 11: vnd (
Petrus) sahe den himel auffgethan, vnd ernidder faren zu jm ein gefesse (
vas quoddam) wie ein gros leinen tuch (
linteum) an vier zipffel gebunden, vnd ward nidder gelassen auff die erden, darinnen waren allerley vierfüssige thier der erden (leylache
erste dt. bibel 2, 323
Kurr.).
an die bibelstelle anschlieszend: da sach er (
Petrus) den himel offen und ein tuch alls ein leylach herab chomen (1346)
bei Röhricht
pilgerreisen (1880) 54; wie dem hohen apostel ein tuch voll thiere gezeigt ward, rein und unrein, zeigt, lieber, das büchlein sich dir Göthe I 1, 322
W. von der bezeichnung für ein gefülltes tragetuch her wird tuch
zum festen maszbegriff, vgl. 'tuach —
eine bürde heu, welche von einem manne in einem fuǎdartuach auf dem stall getragen werden mag' Bühler
Davos 4, 124; vier vierling habern, zway tuech hew, vier hüener (
Diessen 1476)
bei Schmeller-Fr. 1, 582. I@A@22) tuch
als lockere, schützende hülle zur bezeichnung eines kleidungsstückes, vorwiegend von der frauenkleidung, häufig komposita wie halstuch, kopftuch, umschlagtuch
vertretend: unde mit plauuemo tuoche behulter (
glauco quoque i. uiridi amicto tectus) Notker 1, 746
Piper; den mantel slan si (
frauen) umb iren tuoch Wizlav v. Rügen
in: minnesinger 3, 83
b v. d. Hagen; neyn vrowe eder junkvrowe scal draghen dǒke, de mit golde eder gruoner eder blawer eder roder siden ghestript sint (
um 1350)
urkundenb. d. st. Braunschw. 4, 581, 23
H. Mack; mulieres non debent ferre smyde ultra IV solidos neque preciosa doke, eciam si matrimonium intrassent (1430)
Wism. bürgerspr. 58, 25
bei Schiller-Lübben 1, 534
a; der jurist mit seinem buch, der jud mit seinem gesuch, die fraw mit jhrem weissen tuch. dieselben drey geschirre, machen die gantze welt jrre Petri
d. Teutschen weiszh. (1605) 2, 0 4
a; aber nun hat man nicht an handschuh und sonnenschirm und tuch gedacht Tieck
schr. (1828) 4, 61; Lene ... nahm ihr tuch und schickte sich an, einen arzt zu holen Fontane
ges. w. (1905) I 5, 263; hell leuchteten die weiszen hemdärmel (
der burschen) und die bunten tücher (
der mädchen) im grellen sonnenschein Polenz
Grabenhäger (1898) 1, 17.
in der mundart: dock op stötten ('
tuch auf stützen',
besonders gelegtes halstuch der frauen)
Frischbier pr. wb. 2, 414
b; moder, sitt mien dook noch good? morgen kümmt de freier
bei Mensing
schlesw.-holst. 1, 765.
im sprichwort: das tuch hängt ihr nach dem witwer '
von einem frauenzimmer, deren tuchzipfel schief hängt, was man als vorbedeutung betrachtet, dasz sie einen witwer heiraten werde'
bei Wander 4, 1355.
mit stärkerem nachdruck auf dem vorgang des umhüllens, häufig in verbalen verbindungen mit um: stunden sie beyde auff ausz dem bette, also nacket, wie sie denn gott ... geschaffen hatte, und namen beyde guldene thücher umb sich
buch d. liebe (1587) 171
d; sie hatte endlich die pelzkappe aufgesetzt und sämmtliche mäntel und tücher umgethan Storm
s. w. (1898) 1, 229.
mundartlich: se is recht sun piepensierken (
verweichlicht), hett ümmer gliek 'n groten wullen dook üm'n kopp
bei Mensing
schlesw.-holst. 1, 765.
das moment des schamhaften verhüllens klingt mit an, '
lendentuch': ich wære ê nacket âne tuoch, sô ich in dem bad sæz Wolfram v. Eschenbach
Parzival 116, 2
Joh. 13, 4: und do er (
Christus) hett enpfangen ein duoch, (
accepisset linteum) er fúrbegúrt sich
erste dt. bibel 1, 392
Kurr. (he hadde genomen einen doek
Halberstädter bibel [1522],
Barther bibel [1588] schOerte). '
busentuch': das weiche braune haar, das unter dem luftigen hütchen hervorquoll, sowie das licht des jungen busens, wenn das helle tuch sich einen augenblick lüftete G. Keller
ges. w. (1889) 3, 84.
als zeichen einer standes-oder nationaltracht, im allg. unter betonung bestimmter farbe oder art des tragens: ez ist noch der Kriechen site, daz si mit rîchen tuochen bewinden und beruochen ir houbet wellen gerne Konrad v. Würzburg
trojan. krieg 20271
Keller; es war auch ... eine grosze schar der wittwen ..., all mit weiszen leinen tüchern ... von dem haupt bisz auff die erdt bedeckt Dürer
tageb. 55
Leitschuh; darauf schlug ich ihm ein groszes seidenes tuch über den kopf, wie die Römerinnen im sommer tragen Göthe I 43, 79
W.; ein tuch um die schultern trugen die Tahitierinnen in ponchoart Ratzel
völkerkunde (1885) 2, 145;
für den nonnen- oder novizenschleier: wurt das eddele froychen van Mekelenborch froychen Ursula ... tho deme convente der suster unde sammelinghe ghesettet unde ghedüket myt dubbelden dukeren na uthwisinge der hilgen regulen (16.
jh.)
Mecklenb. gesch.-qu. 1, 132; wenn einer junckfrawen oder junger frawen ein schwarcz tuch, daz ir den weyel nent, auf das haupt gelegt werde Arigo
decamerone 165
Keller. seidenes tuch
in der marine, quadratisches mit schifferknoten auf der brust getragenes schwarzseidenes tuch der mannschaften Stenzel
dt. seem.-wb. (1904) 430
b. I@BB.
tuch, das verhüllend ein objekt den blicken entzieht oder dem auge die sicht nimmt. I@B@11)
als vorhang bzw. zum verhängen benutztes stück gewebe; möglicherweise bedeutet schon tuacha
im 9.
jh. als übersetzung von placula '
bett- oder senftenvorhang',
s. ahd. gl. 2, 742, 12
St.-S.; vgl. auch (11.
jh.) 2, 748, 16
St.-S.: was ein tuch gezogen vein umb und umb ain pett
liederb. d. Hätzlerin 125
Haltaus; allein den priestern zugelassen was hinein zugon, und das gesiecht der andern ward verhindert mit fürzognem tuch C. Hedio
chron. (1530) 285
a; von Nola ward er (
der tote kaiser) auf dem güldenen mit purpernen tüchern umhengten bette ... bisz nach Bacilla ... getragen Lohenstein
Arminius (1689) 2, 944
b; der schöne breite spiegel war verhängt, ich weisz selbst nicht, wie ich darauf kam, das tuch herabzuziehen E. T. A. Hoffmann
s. w. (1912) 1, 254
Ell. I@B@22) '
bahrtuch': indem tritt Amory hervor, hebt von der leiche das blutge tuch Wieland
s. w. (1796) 22, 26; da seht den unglücklichen (
toten) unter diesem tuche Klinger
w. (1809) 3, 112; die leiche des oheims hatte man auf einem bette ausgestreckt. als der prediger ihm ins gesicht blickte, fuhr er zurück und gebot, es mit einem tuche zuzudecken Immermann
w. 7, 211
Boxb. I@B@33)
speziell die augenbinde, die dem verurteilten bei der hinrichtung umgelegt wird: dem ein tuoch der ougen schîn het benommen Herrand v. Wildonie
poet. erz. 159
Kummer; wen ... syne hande vp den rugge bynt, unde enen swarten doeck auer syn oghen bynt, unde dat men ene to der galghen lede
bei Richthofen
fries. rechtsqu. 235; wan ein tuch wil ich dir geben, so dir verteilet wirt daz leben, zu einem bande fur die ougen
mhd. erz. 59
Rosenh.; vgl. Schiller-Lübben 1, 534; 'es ist nicht angst', lächelte er dem leutnant, der ihm das tuch um die augen legte Alverdes
nov. (1923) 72. I@B@44)
von der vorstellung der verhüllten augen her übertragen als name einer augenkrankheit, der hornhauttrübung: wann aber ein überzug ist in den augen genant das duch, so nim os sepie (
Frankf. 1535)
Alemannia 3, 71;
vielleicht schon: velamen, velarium tuch vor den augen
voc. incip. teut. ante lat. (
Speyer um 1485) gg 5
a. I@B@55)
die vorstellung des undurchsichtigen gewebes wird gern in vergleichen und bildern verwertet; im vergleich: der spiegel vnd das tunckle buch darinn sie vor, wie durch ein tuch, die himlisch güter müsten hoffn, stundt jhnen allenthalben offn B. Ringwaldt
christl. warnung (1588) c 3b.
bildlich und übertragen: es (
das ewige leben) ist aber verborgen, und noch eyn tuch für getzogen, das mans nit sihet (1523) Luther 12, 267
W.; was er bisher fein und treu dem tuche der verschweigung eingehüllet
Reinicke fuchs (1650) 161; die vorsicht deckt mit dunkeln tüchern die spuren ihrer fügung zu Gottsched
ged. (1751) 1, 214.
sinnlich-anschaulich: was bringstu kühle nacht das braune tuch herfür und deckst den erdkreis zu? Dan. Czepko
bei Drechsler
Wenzel Scherffer 183; in wenigen stunden verhüllte auch ein graues nebeltuch alles licht, und das tuch begann sich langsam in nasse fäden zu entfasern, bis ein gleichmäsziger starker regen weit und breit hernieder fuhr G. Keller
ges. w. (1889) 3, 130.
in der verbindung unter das tuch treten
für '
sich verbergen': es ist ein solcher geist, der einem nach dem schwert greifft vnd auch nimpt, wen vnser herr gott vntter das tuch tritt
bei Luther
tischr. 4, 497
W. I@CC.
weiches, meist gebauschtes tuch, um einen gegenstand abzureiben oder zu trocknen. I@C@11)
für '
schweisztuch',
vor allem in bibelsprachlichem zusammenhang, vgl. den oben unter I
sp. 1451
angeführten beleg aus Otfrid
vom schweisztuch Christi (
zu Joh. 20, 7,
wo Luther
und die erste dt. bibel das kompositum schweisztuch
setzen);
als schweisztuch der Veronika: sô lâzet mich den dûch sin dâ dat godis antlitze ane steit
wilder mann 98
Köhn; als die meess beschehenn was, liess man das heilige duch der Veronika sehenn (1491)
bei Röhricht
pilgerreisen 234; wie auf jenes tuch der tücher sich des herren bildnisz drückte Göthe I 6, 34
W.; bildlich: trage du das blutige bildnis Jesu im tuch deines gedechtnis
V. Herberger
hertzpostilla (1613) 2, 386. I@C@22)
meist als abkürzende bezeichnung für zweckbetonende komposita wie taschentuch, schnupftuch, handtuch, badetuch (
s. diese)
usw. (
vgl. I A 2): ein leinen thuoch, damit er den staub und schweisz von seinem antlitz wüscht Kirchhof
wendunmuth 1, 27
Ö.; keine als die selbst unflätig wären, brauchten unreine tücher zu wischung ihrer angesichter Lohenstein
Arminius (1689) 2, 586
b; reiszt das tuch heraus, trocknet die augen Iffland
theatr. w. (1827) 1, 28; die werkzeuge menschlicher reinlichkeit, also kämme, seife, tücher Göthe I 21, 88
W.; in ermangelung eines tuches wischte sie ihre augen mit der blauen schürze ab A. v. Arnim
s. w. 15 (1846) 41; o Genoveva, seht, mir fehlt ein tuch, und thränen stehen einem mann so schlecht; ich bitt euch, trocknet mir die thränen ab Hebbel
w. 1, 115
Werner; er suchte seine feuchte stirn zu trocknen, fand aber kein tuch in der rocktasche G. Keller
ges. w. (1889) 8, 279. I@C@33)
in der heilbehandlung: vnd so ich daz bruchen wolt, dunckt ich ein schwamen oder tuoch (
linteolum) daryn vnd ernert die eissen (
geschwür) mit weschen oder den eiter abzutrücknen Murner
bei Hutten
opera 5, 412
Böcking; nim boleywasser, rosenwasser, das weisz von einem ey, klopffs wol under einander ..., netze tücher darinn und schlags vber den kopff Gäbelkover
artzneyb. (1595) 1, 2.
hierher auch: sie läszt das schweiszig tuch fallen, mit dem sie das blut einer handwunde stillen wollte Gilhusius
gramm. (1587) 78.
mit zweckbestimmenden verben: er (
soll sich) ... umb die schultern ... mit warmen tüchern lassen riben (1467)
bei Steinhausen
privatbr. d. mittelalt. 1, 78; ei, lass er sich den kopf mit warmen tüchern reiben! vielleicht verzieht es sich Göthe I 9, 104
W. I@C@44) '
staubtuch', '
wischtuch': da ist der helm! — Susanne gieb ein tuch! der ist voll spinneweben Tieck
schr. (1828) 1, 262; denn eine magd im negligé mit fliegendem haar wischte gehörig den langen tisch ab, und nachher mit demselben tuche die irdenen teller Immermann
w. 1, 34
Boxb.; er wischte und glättete mit einem tuche den stuhl für seinen gast G. Freytag
ges. w. 5 (1887) 81. I@DD.
die bedeutung des wortes wird von dem begriff der flächenhaftigkeit bestimmt; bei Notker
in der demonstration geometrischer figuren: fald ouh taz tuoh in zuei, so durhkat ter uald in reizis uuis alla dia breiti des tuochis, unde ist gemeine marcha peidero dero teilo, diudar in eben sint. uuile du iz an dero stete in zuei scrotin, so sint sar uuortin zuei tuoh uzer einemo 1, 402, 1
Piper. I@D@11)
zur bezeichnung des flächig ausgebreiteten tuches, oft mit verben wie (aus)breiten, legen
usw. verbunden. I@D@1@aa)
ausgebreiteter, teppichartiger belag des bodens: (
auf dem wege) worn tuchere geleyt uff dy steyne; do gingen mit öm dy epte Stolle
thüring. chron. 207
lit. ver.; an den orten so man sitzt, ist ein deck oder teppich ... oder wullin tuoch unterpreyt Seb. Franck
chron. d. Turckey (1530) D 4
b. I@D@1@bb)
als '
tischtuch',
in älterer zeit häufig in der verbindung brot und tuch auflegen
usw., vgl. Edda: hón tók at þathleifa þunna, hvíta af hveitiok huli didúk
Rígsþula 31, 5—8
Neckel; do het die vrowe dargetragen kese und brot und ein tuch
mhd. erz. 209
a Rosenh.; nu wart ouch dâ gesûmit nicht: die tische wurden gericht, tuoch und brôt dar ûf geleit Heinrich v. Freiberg
Tristan 603
Bernt; dîn ezzen wirt wol bereit ... sie sprach: 'nû her tuoch und brôt!'.
Seifrit Helbling 1, 1027
Seem.; soll ich bald den tisch decken? (
Grasilla:) 'du must das tuch fein glatt auszbreiten'
engl. com. u. trag. (1624) Cc 6
a; und wir waren so veranlaszt, an dem weisz gedeckten tische sitzen zu bleiben, denn die wirtschafterin nahm blosz schüssel und teller mit und liesz das tuch liegen G. Keller
ges. w. (1889) 3, 227; er sprengt zu seinem vater: 'heut zahl ich alte schuld; ... nicht darf ich mit dir speisen auf einem tuch, du held' Uhland
ged. 1, 288
Schmidt-Hartm. mit einem adjektiv, das den begriff des einladenden und weiszen ausdrücklich betont: item es soll auch ein herr ... in den hof reiten und ... zehren und der hofmann soll ein weisz tuch aufn tisch legen (1494)
weisth. 6, 49; auch sach ich mit schneeweyssen reynen tüchern bedecket alle tisch, besetzet mit wildpret und visch Hans Sachs 1, 438
lit. ver.; dann sahen sie auch ein weiszes tuch am boden schimmern, das war die tafel und darauf standen erdbeeren Storm
s. w. (1898) 1, 12; als nun all' am rande des ufers ins gras sich gelägert, rund um das gastliche tuch des traulichen mahles genieszend Kosegarten
Jucunde (1808) 165.
in der redewendung das tuch zerschneiden, '
die gemeinschaft aufheben',
für die alte redensart '
das tischtuch zerschneiden' (
vgl. tischtuch
teil 11, 1, 1, 520): sie aber wollte das tuch zerschneiden zwischen sich und mir G. Freytag
ges. w. 8 (1887) 153;
vgl. hierzu auch Uhland
ged. 1, 287
Schmidt-Hartm. I@D@1@cc)
auch als '
bettuch', '
laken',
gleichfalls mit der vorstellung des weiszen, reinen verknüpft: darnach leget sie (
eine frau im spital) im schone weysse tucher unter und hiesse in sich dar ein legen Veit Warbeck
Magelone 64
Bolte; da (
in Italien) zeucht man im (
d. kranken) eynen weiszen kittel an, legt in in ein schon gemalet bette, reyne tucher Luther
tischr. 4, 17
W.; die tücher legt ich auf (
das bett), wie ihrs befahlt
Shakespeare 8 (1832) 261. I@D@1@dd)
mit dem plural oder dem sing. in kollektiver bedeutung werden allgemein groszflächige, im haushalt verwendete wäschestücke —
in erster linie tisch- und bettücher —
bezeichnet; vgl. getüech Schmeller-Fr. 1, 583
u. teil 4, 1, 3,
sp. 4568: ein büttin si har vür dô truog vol tuochen, diu si solte bûchen (
var. weschen) Ulrich Boner
edelstein 48, 61
Pfeiffer; den züber ûf ir houbt si nan und zogte zuo dem bach hin dan und spuolt ir tuoch
ebda 48, 71; swer über daz tuoch an der plaich get oder vieh treibet, der geit dem richter XII dn und der stat XXV dn (1340)
Münchner stadtr. 122
Auer; aber die hauszfraw war im kraut, so lag der knecht, vnd war sehr schwach, die magd wusch tücher bey der bach E. Alberus
fabeln 135
ndr.; die edelfrau sah ..., wie ... die (
wäsche-) haufen immer gröszer wurden, reine saubere tücher Alexis
hosen (1846) 1, 18. I@D@1@ee)
bildliche verwendungen, die zunächst von der vorstellung der fläche ausgehen: wer hat die weiszen tücher gebreitet über das land? die weiszen duftenden tücher mit ihrem grünen rand? W. Müller 265
Hatfield; ernst umgab mich und still die weite der öden Campagna, über das leichengefild dekten die wolken das tuch G. Kinkel
ged. (1857) 87; hier grünen junge saaten, dort die gelben, groszen tücher der nordischen ölpflanze Gutzkow
zauberer v. Rom (1858) 1, 56; (
die nacht hatte) über alle dächer sanft das grosze tuch des schlummers ausgebreitet Stifter
s. w. 1 (1904) 63; nebel steht um die füsze der pferde, und ihre körper sind riesengrosz über den weiszen tüchern Ernst Wiechert
hirtennovelle (1935) 47.
dann auch mit anderem vergleichspunkt: an ewerm angesicht, welches so blasz und bleich ist als ein tuch Dhuez
le vray guidon (1646) 299; (
er) sah so blasz aus wie ein tuch A. v. Droste-Hülshoff
w. 2 (1878) 296
Schücking; auch übertragen: das mädel ist rein wie ein weiszgewaschenes tuch Meisl
theatr. quodlibet (1820) 1, 91.
vom unreinen tuch als symbol der sündhaftigkeit: unsere gerechtigkait ist vor dem angesicht gotes als ain vnraines tuoch Keisersberg
predigen teütsch (1508) 82
c; mein sünden, welch sein wie blutt so roth, wie unrein tuch und lauter koth
bei Fischer-Tümpel 1, 407. I@D@22)
das ausgespannte tuch, dessen flächenhaftigkeit oft durch ein entsprechendes verb oder adjektiv hervorgehoben wird: item es ist auff sant Marxplatz (
Markusplatz in Venedig) allenthalben umb und umb, als weit der platz ist, überzogen gewesen mitt weyssen tiechern und dar under ist die process gangen (1495)
bei Röhricht
pilgerreisen 310; vnd Eulenspiegel hett vberal an die vngmalt getünchte wandt ein leinen thuch darfür gespant Fischart
w. 2, 139
Hauffen; der grosze marktplatz war zeltartig mit tüchern bedeckt J. Kerner
bilderb. (1849) 5; zum (
hinter-) grund (
des theaters) ein groszes tuch nehmen Göthe I 21, 35
W.; denn die theater und amphitheater wurden oft, um dem sonnenstrahl zu wehren, mit einem tuche überschattet Stolberg
ges. w. (1820) 7, 116.
vergleichend und bildlich: der roman des nebeneinander ... da ist die zeit wie ein ausgespanntes tuch Gutzkow
ritter v. geiste (1850) 1, 7.
der vorstellung nach hierher auch: den himmel obenhin, nur als ein blaues tuch ... anzusehn Brockes
ird. vergn. (1744) 2, 13. I@D@33)
als '
seihtuch'
für ein durchlässiges und engmaschiges stück gewebe: vrow Scham dez suezzen tawez tror straufte snelle von dem gras in ein tuech, daz seydein was, pis ez die fauchte durich gie Suchenwirt 30, 58
Primisser; colare syhen als milch durch ein tuch
gemma gemmarum (1510) e 4
b; treib es durch ein härin tuch oder härin sib Ryff
spiegel d. gesundh. (1544) 170
b; seihe es alleweg durch ein leinen tuch Thurneysser
magna alchymia (1583) 43. I@EE.
vom flatternden tuch, um grusz, botschaft oder befehl zu übermitteln. I@E@11)
meist in verbalverbindungen wie schwenken des tuches, winken mit dem tuch: die gouvernante schwenkt ein weiszes tuch Meiszner
skizzen (1780) 1, 96; die scheidenden umarmen thränend sich, und von den schiffen, von dem strande wehn die weiszen tücher noch den letzten grusz Göthe I 10, 348
W.; wenn sie ... den tönen . . freundlich lauschte und dann ihr tuch gewinkt den dank Gaudy
s. w. (1844) 4, 8; sie schwenkte ihr tuch aus dem offenen fenster unter abschiedsgrüszen und glückwünschen G. Keller
ges. w. (1889) 2, 210.
auch: bunt flatterten die bänder und tücher in der luft (
am kranze des richtfestes) Göthe I 20, 156
W.; in militärischer verwendung: eh er dies herz hier, das getreu ihn liebt, auf eines tuches wink, der kugel preis gibt, eh, sieh, eh öffnet er die eigne brust sich H. v. Kleist
w. 3, 75
Schm.; ein kurier mit einem wehenden tuche Fontane
ges. w. (1905) I 1, 183.
hierher auch die redensart ein tuch werfen (
zwischen kämpfer, ringer, boxer),
um die aufgabe des kampfes zu bewirken. I@E@22)
zuweilen auch in verbindung mit farben, die auf grund von vereinbarungen bestimmten nachrichtenwert besitzen: wann sie (
die Megapoliter als vereinbartes zeichen) ein purpurfarbs thuch bey dem könig sehen auffgereckt werden Xylander
Polybius (1574) 113; hievon aber hielt ihn zurücke, dasz er ... im läger durch aufgesteckte rothe tücher ... gewisse kriegszeichen geben sah Lohenstein
Arminius (1689) 1, 54
b; sie bieten mit allerlei zeichen und weiszen tüchern einen vertrag Göthe I 13, 1, 295
W. I@E@33)
von den stierkämpfen her stammt die redensartlich fest gewordene und übertragen gebrauchte verbindung rotes tuch: das rote tuch für den englischen seeherrn war die schlachtflotte Wilhelms des zweiten
qu. v. j. 1923; das ist ja schlechtes, bürgerliches neunzehntes jahrhundert! die epoche ist ihrer jämmerlich satt, bald wird sie das rote tuch für sie sein Th. Mann
Faustus (1948) 396.
in der wendung: wie das rote tuch wirken Borchardt-Wustmann (
61925) 480. I@E@44) tuch
für '
fahne' (
s. d.), '
kriegsfahne' (
zur ursprünglichen bedeutung von '
fahne' = '
tuch'
s. teil 3, 1241
u. oben unter '
herkunft u. form'
sp. 1448): gienge hindennach als ein baupst mit söllicher zierd mit dem tuoch vor im der patriarch Richental
Constanzer conzil 72
lit. ver.; als ein turnier angesetzt war und schon das tuch des kaisers dazu aushing Ranke
s. w. (1867) 1, 329; vor allem denkt man heut der ahnen, ... durch sie sei unser tuch geweint E.
M. Arndt
s. w. 5, 255
R.-M.; wollt ihr jenseit der grenze mit eigener faust das tuch von den standarten lösen, und wollen die entlassenen soldaten mit weib und kind als friedliche wanderer in mein land ziehen G. Freytag
ges. w. 12 (1887) 71. I@FF. tuch
in verschiedenen verwendungsmöglichkeiten (
s. o.),
zuweilen auch ohne jeden hinweis auf den gebrauch, doch stets mit ästhetisch oder gefühlsmäszig gebundenen momenten verknüpft, die durch hinzutretende nähere bestimmungen verstärkt sein können. I@F@11)
besonders in belegen älterer zeit wird der wert des gegenstandes und damit ein ästhetisches wohlgefallen hervorgehoben: wahero duachowerk wirkente dinrero garno,thaz deda siu io gerno Otfrid I 5, 11; diu ros beide waren gar wunneclich gezieret, rîchlich verlankenieret gar mit edelem baldekîn, mit schœnen tuochen sîdîn Heinrich v. Freiberg
Tristan 4452
v. d. Hagen; waz ye ward von geschmide, von golde oder siden, menig tüch so wunneklich da mitt frowen übend sich
Göttweiger Trojanerkrieg 15 085
Koppitz; von ediln tchin sidin brahter ouh groze richeit Rudolf v. Ems
weltchronik 29928
Ehrismann; also alle die ding (
die kleinen versuchungen) vil schedelicher sint, der man nút bekennt, wan die sint, die man bekennet, also ist dis geverte, do man nút uf wil achten, also gespilschaft oder die tüchere, die kleider, die kleinöte Tauler
pred. 52, 14
Vetter; das estreich, das gar kostenleich und loblich mit gülden gemolten tüchern, tebichen ... zubereit was (
um 1445)
bei Röhricht
pilgerreisen 90; das mann ihnn keiner stadt fiendett, da die bürgern gekleidett gehenn mitt ihrenn köstlichenn düchern undt alles lange kleider mitt ihrem köstlichenn futter (
um 1491)
ebda 171; du ehrenhold behenck den sal mit güldnen tüchern uberal Hans Sachs 8, 31
lit. ver.; man warf ihnen (
als ovation) bänder, blumensträusze und seidene tücher zu Göthe I 21, 164
W.; er war weihnachten hier, hat Linchen und mir gestickte kragen, Luisen ein seidnes tuch und den kindern schuhe geschenkt (1841) A. v. Droste-Hülshoff
br. 1, 476
Schulte-K.; in landschaftlich gebundenem brauchtum: ein tuch
für die braut, ein präsent für die künftigen schwäger und schwägerinnen (
bei der verlobung) Kehrein
Nassau 168.
daher auch als tausch- und zahlungsmittel: jedoch fertiget er (
der könig v. Portugal) ine (
den grafen v. Werdenberg) ehrlichen ab mit gelt, auch köstlichen tüchern von sament und von seiden
Zimmer. chron. (
21881) 3, 32
Bar.; ich hab mein conterfetten kaiser (
ein bild Maximilians I.) geben umb ein weisz englisch thuch Dürer
tageb. 90
Leitschuh. hierher auch: die Portugisen bezahlen den einheimischen sclavenhändlern ihre waare mit ... groben tüchern und leichten zeugen Ritter
erdkde (1822) 1, 156.
auch als preis bei wettrennen und dgl., vgl. schon: san Gregorius spricht in seinem puech: es laufen vil leut zue dem tuech, aber wer da harret in dem laufen sein, der selb zeucht das tuech hin Hans Vintler
pluemen der tugend 4739
Zingerle. redensartlich einen behandeln wie ein seidenes tuch,
d. h. sehr zart und schonend, vorsichtig und rücksichtsvoll (
behandeln) Spiesz
Henneberg 260. I@F@22)
als '
reliquie, liebespfand'.
der wert ist hier gefühlsmäszig bedingt: (
aus dem Ätna seien) feurige bäche hervor geflossen, welche nicht eher gestillet worden, als bisz aus der heil. Agathae ihrem grabe ein tuch genommen und dargegen gehalten Chr. Weise
polit. redner (1677) 667; nimm diss gestückte tuch als unsrer liebe zeichen Lohenstein
Ibrahim sultan (1680) 1, 23; auch dies seidene tuch verehr' ich dir, welches Luise sonntags trug um den hals, und dir schon lange bestimmte Voss
Luise (1795) 84; (
er) nahm das halstuch aus der ... tasche. das rauschen eines zettels ... zog ihm das tuch von den lippen Göthe I 21, 113
W.; mich freut, dasz ich das tuch (
Desdemonas) hier finde. diesz war des mohren erstes liebespfand
Shakespeare 8 (1832) 232; Agnes ... reichte ihr zum abschied ein schönes seidenes tuch, das sie sich warm vom hals losknüpfte Mörike
ges. schr. (1905) 3, 53. I@GG. tuch
als fachsprachlicher terminus. I@G@11)
in der sprache des duellwesens bedeutet schieszen über das tuch
eine besondere art des duells. dabei '
wird die mensur durch die gegenüberstehenden zipfel eines mantels oder tuches bestimmt. die barrieren beim schieszen über den mantel oder das tuch ... werden so gemacht, dasz, wenn jeder duellant an der seinigen steht, beide 5
schritt voneinander entfernt sind' Meyer
konvers. lex. (
61909) 20, 1038;
vgl. Franz v. Bolgár
regeln d. duells 70; Kufahl-Schmied-Kowarzik
duellbuch 235: wir schieszen überm tuche Müllner
dram. w. (1828) 5, 337;
vgl. auch: wenn sie nur nicht mein sohn wären, so würde ich sie ... zum zweikampf herausfordern — auf pistolen ... durch ein tuch K. Nötzel
brüder Karamasoff 1, 135. I@G@22)
in der seemannssprache für das segel bzw. auch sämtliche segel eines schiffes, vgl. dook
bei Mensing
schlesw.-holst. 1, 765: da sah ich drüben in nord-nordost eine schwere, mälig aufsteigende bank, und gerade vor ihr her kam mit allem tuch, das es tragen konnte, ein schiff E. Höfer
vergangene tage (1859) 209; neulich fuhr ein ... segler an uns vorbei ... obgleich er nicht mehr tuch hatte als wir, kam er weiter als wir Frenssen
Hilligenlei (1906) 141. I@G@33) tuch
als bestandteil der jagdausrüstung; 'jagdtuch, tuch,
lat. cassis, franz. toite, ist eigentlich nichts anders, als eine wand von starker leinwand, womit bey dem bestätigungsjagen ein revier im walde umstellet wird'
forst-, fisch- u. jagdlex. (1772) 2, 401;
vgl. Heppe wohlred. jäger (1779) 139; 370;
hdb. f. forst- u. jagdkde (1796) 2, 432; Behlen
forst- u. jagdkde (1840) 4, 48; 655; 6, 213; Kehrein
weidmannsspr. (1871) 296: ein jagdt-tuch, welches sowohl jägern, als jagd-leuten beym jagen zum stellen ... bequem seyn soll, musz nicht mehr oder weniger als 130 wald-schritte stellen, und zu einem solchen tuche nun werden erfordert 6 schock ellen leinwand Göchhausen
notab. venat. (1732) 257;
vgl. ebda 259; von den übrigen hilfsmitteln zur jagd fanden namentlich die netze und die tücher ... eine ausgedehnte verwendung. die tücher wurden unterschieden: in hohe, welche zum einschliessen des edelwildes dienten, ... und in halbtücher, die für sauen, wölfe, rege ... benutzt wurden Schwappach
hdb. d. forst- u. jagdgesch. (1886) 2, 631.
bildlich: mit hunden mögt ihr zu wald fahrn, ich gebe hund, tücher und garn (
nämlich um die buchstaben, litren, zu fangen) Gilhusius
gramm. (1597) 60;
vgl. auch 61; viel garen und viel tücher stellt man um Prag herum, ausreiszen war nicht sicher (1621)
bei Opel-Cohn
dreiszigj. krieg 82;
vgl. ebda 287. I@G@44) döker (
sg. dok, dōg, dauk,
m.)
nennt die nd. fischersprache einzelne lange stücke, aus denen das netz zusammengestellt wird, vgl. Mensing
schlesw.-holst. 1, 765. I@G@55) tuch
für malerleinwand, schon im 15.
jh.: von den gesellen mit gemaleten duchern in dem kruzegange zu steen (
hatte die kirche einnahmen) (1426) Bücher
Frankf. berufswb. 83
a; drauff zog er strack noch viel mehr thücher (
bilder) ausz dem sack, die hat er in Flandern gekaufft Fischart
w. 2, 137
Hauffen; sonsten und nichts anders mahlte er auff das tuch Äg. Albertinus
landstörtzer (1615) 2; weil du (
maler) leben auf todten tüchern heuchelst Schiller 3, 260
G.; eine neue manier, die farben zu reiben, das tuch zu gründen ... macht noch keinen mahler Hegner
ges. schr. (1828) 2, 88.
im vergleich: die alten wunderwerck ... zu malen, wie auff eine taffel odder tuch Luther 19, 427
W.; wie ein grau grundirtes tuch gespannet deckt er (
der nebel) alles in die breit' und höhe ... lieber freund, wie magst du starrend auf das leere tuch gelassen schauen? hast du denn zum mahlen und zum bilden alle lust auf ewig wohl verloren? Göthe I 2, 182
W. bildlich: wie die fabel dieser comödie nur das tuch ist, welches zubereitet war, eine menge wahrhafter züge, ... in einer gewissen ordnung anzunehmen Ramler
einl. i. d. schön. wissensch. (1756) 1, 137; wenn undeutlichkeit immer ein mangel ist, so wird die beste tendenzschrift durch diesen fehler vollends zu einem grundierten tuche, das jedem falschen pinselstrich freien raum gibt (1845) A. v. Droste-Hülshoff
br. 2, 399
Schulte-K. IIII. tuch
als materialbezeichnung, besonders für den stoff zur herstellung von kleidungsstücken. II@AA.
allgemein für gewebe jeder art, im sinne des jüngeren stoff,
das tuch
in dieser bedeutung ablöst (
s.stoff teil 10, 3, 143),
später für ein bestimmtes wollgewebe, vgl. etwa: die zweite (
brautjungfer) warf ihr den rock von schwarzem, feinem tuche über und liesz diesem stücke die jacke gleichen stoffes ... folgen Immermann
w. 3, 19
Boxb. II@A@11)
ohne zusätzliche adjektivische bestimmung, wohl schon: uuiz tuoh uuizera uuirdit tanne iz er uuare Notker 1, 393, 12
Piper. II@A@1@aa)
neben einer gröszenangabe: fetzen, lappen, stück tuch(es)
u. ä. früh schon in biblischem text: panni duoches (9.
jh.)
ahd. gl. 1, 711, 50/51
St.-S. (
Matth. 9, 16
nemo autem immittit commissuram panni rudis in vestimentum vetus)
; in der übersetzung von Mark. 2, 21: nioman blezza niuues duoches nauuit altemo giuuate (
nemo assumentum pannis rudis assuit vestimento veteri)
Tatian 56, 7; keiner leg das stuck des newen tuochs an daz alt gewant
erste dt. bibel 1, 33
Kurr. (
Matth. 9, 16)
; vgl. 1, 127; niemand flicket einen lappen von newem tuch an ein alt kleid Luther (
Mark. 2, 21
u. Matth. 9, 16).
im sprichwort: es gilt nicht flickens mit newem tuch auff einem alten rock Petri
d. Teutschen weiszh. (1605) 2, Z 8
a.
auszerbiblisch: etlich werdent auffgehalten die lefftzen der wundenn, unnd die werden von gûtem gerainigtem werck oder vonn stücklein tuchs ... inn die engen wunden gethon Braunschweig
chirurgia (1539) 30
c; geschihet solches (
das ablegen von prüfungen) in den gewerben, die etwan nur einen fleck thuch belangen (
bei den schneidern), warumb wolte solches nicht viel mehr geschehen in dieser edlen kunst der wundartzney Würtz
wundartzney (1624) 81; legt ihr ein stück tuch hin, stellt männer, stellt frauen ihr vors gesicht: ohne masz zu nehmen schneidet sie aus dem ganzen Göthe I 25, 1, 102
W. sprichwörtlich und im vergleich: was doch die gewohnheit thut! — sprach der schneider, und warf lappen vom eigenen tuch in die hölle
Binder sprichwörtersch. 75; (
die Heiterethei) strich ... den ganzen mann herab, scheinbar so unabsichtlich wie einen lappen tuch, den man wohl in gedanken vom tische streicht O. Ludwig
ges. schr. (1891) 2, 20.
im mhd. kann ein tuch
allein '
stück tuch'
bedeuten: als im die wunde geschah, von dem kleide er ein tuch brach, in drifalden er ez vielt, in die wunden er ez schielt Herbort v. Fritslar
liet v. Troye 5900
Fromm.; Polistrâtus reiz ein tuoch einsît ûz des gezeldes want ... und dacte im sîne wunden Ulrich v. Eschenbach
Alexander 16734
Toischer. II@A@1@bb)
als material zum malen und schreiben: blasphemiae sunt ein gemalter tod, ... bleibt ein bild auff tuch und holtz Luther 34, 1, 252
W.; das auge steht erstarrt, die geister sind entzückt, wenn starres tuch und holz, das nun bemahlt, sich reget Weichmann
poesie d. Niedersachsen (1725) 1, 73.
als schreibmaterial: tuch, holz erz, blei und stein must ihnen an der statt, was uns papir ist, sein Fleming
dt. ged. 1, 125
lit. ver.; wär es zu jener zeit, da man auf tuch und rinden ... und wachs und leder schrieb
bei Gottsched
krit. dichtkunst (1751) 301. II@A@1@cc)
übertragen vom geistigen stoff (
s. teil 10, 3, 149): mich dunckt woll könig Heynrich (
v. England) habe eyn elle grobs tuochs oder tzwo datzuo (
zu einer schrift gegen Luthers '
babylon. gefangensch.') geben Luther 10, 2, 228
W.; wann der gute mann nichts studieret, oder die postillen recht durchschritten und also nicht tuch genug zur predigt hat
alamod. technolog. interim (1675) 172. II@A@1@dd)
in der wendung tuch zum weibe kaufen: wenn man etwas zunehen will, dann da musz man vor allen dingen zween lappen tuch, die da sollen zusammen genehet werden, darnach musz man eine nadel haben, zum dritten auch einen faden, dasz findet sich auch beym heiligen ehstand, drumb sagt man von jungen freyers-leuten, sie kauffen tuch zum weib Creidius
nuptialia (1655) 1, 233; (
meine frau hat mich gelehrt) kein tuch mehr zu einem weib vor mich zu kauffen, wann gleich alle tag jahrmarckt wäre Grimmelshausen 2, 135
Keller. II@A@22)
adjektive bezeichnen das material des gewebes. II@A@2@aa)
sehr häufig wollenes tuch: zv koyffen viel und genoich, pellen syden wullen doich, aller slahter kunne
Morant und Galie 1026
Kaiisch; (
sie) weder arras noch kain wullin tuoch bi der kurtzen elen nit mer verkoufen sond (
Konstanz 1400) Mone
zs. f. d. gesch. d. Oberrheins 9, 183; derselbe wöber sol ouch ... nit wöben umb lone keinerley wüllin düch, aber sergen, stüllachen, lynin und halplynin düch mag der wöber wöben (1474)
bei Schmoller
Straszb. tucherzunft 80; und nit last uch (
das wams) mit wullem duch fuddern, is ist heyss und ist alless voll sweyss
bei Röhricht
pilgerreisen 124; nun hört, wir hand uns auch bedacht, vil narrenkappen mit uns bracht von zwilch, (von) wullen duch und seiden Wickram
w. 5, 133
Bolte; soll kain wullin tuech mit der eln im ausschnitt verkaufft werden, es sey dann zuvor genetzt und geschoren
tirol. polizeiordn. v. 1603
in: Frommann
zs. f. dt. maa. 4, 455. II@A@2@bb) leinenes tuch,
diese bedeutung noch heute in den komposita tischtuch, bettuch, handtuch (
s. d. u. kleid
teil 5, 1069): daz leinein tuoch, daz weppe brait sol sein, daz daz habe zwo eln an der breite, und daz halb tüche aine eln (13./14.
jh.)
Nürnb. polizeiordn. 166
lit. ver.; item alles tuch es sye wüllin, linyin, henffin oder wellerhand tuoch es sy (1401) Schmoller
Straszb. tucherzunft 21
a anm.; kein arras oder leynen tuch (15.
jh.)
Nürnb. polizeiordn. 133
lit. ver.; nehmlich anno Christi 1642 wurde ... ein schiff ... unter der erden ... gefunden, von holtz ... und segeln von leinen tuche Prätorius
anthrop. plut. (1666) 1, 59; von leinenem und hanfnem tuche
anmuth. gelehrsamk. (1751) 9, 656
Gottsched. in der verbindung leinene und wollene tuche: zum fünfften: ,du sey ein weber und wirck leynen und wüllen thuch' Hans Sachs 9, 357
lit. ver.; wullene und leinine tücher Sebiz
feldbau (1579) 44. II@A@2@cc) seidenes tuch
nur bis zur mitte des 15.
jhs. belegt, vgl. seidentuch teil 10, 1,
sp. 186,
später durch das einfache seide
ersetzt; vielleicht: wir, Friderich
etc. bekennen ... daz wir schuldik worden sein umb samyt, guldeine und seideine tucher den ... burgern zu Nüremberg (1375)
mon. Zollerana 4, 304; wer ein ganz stücke sydiner tücher kofet oder verkofet (1401)
bei Schmoller
Straszb. tucherzunft 21
a; ein lang gerühet siden tuoch (1424-42)
ebda 39. II@A@2@dd) baumwollenes tuch: ein handel mit bömwüllin duoche (1424 - 1442)
bei Schmoller
Straszb. tucherzunft 39; spinner, bleicher und mahler der feinsten baumwollnen tücher ... eines zeuges, den Koromandel an alle morgenländer sonst verkaufte Haller
Usong (1771) 139; die weberin feiner baumwollenen tücher Göthe I 25, 1, 125
W. II@A@2@ee) rupfenes tuch '
grobe leinwand',
vgl. teil 8, 1532: siben eine ze hemede unt ze bruoch rupfîn tuoch
kaiserchron. 14800
E. Schröder; dasz ain wöber ainem paurn würchen soll bei seinem brodt ain rupfes tuech umb 12 pfening (
vor 1483,
hs. von 1643)
österr. weist. 9, 818. II@A@2@ff) gewächstes tuch,
vgl.wachstuch teil 13, 155: dem schuster wöllest ... gewüxt thuch zu meinen stifeln geben (1591) Balth. Paumgartner
briefw. 119
lit. ver.; weil jr wagen, drauf sie fuhren, allenthalben mit gewächsten tuch bedeckt war
theatrum amoris (1626) 1, 99. II@A@33)
eingeengt auf die bedeutung eines bestimmten wollstoffes oder des leinens. II@A@3@aa) 'tuch
ein gewebe von wollenem garn, das von dem tuchmacher gewebt, gewalket, gerauhet, geschoren, gefärbet und nachher zubereitet wird' Jacobsson
technolog. wb. 4 (1784) 454 (
s. unter C),
ähnlich Adelung 4 (1780) 1095: etwas stärker mochte das tuch damals noch gearbeitet werden, das zeigten jetzt die mächtigen wohlgedrehten fäden, nachdem die wolle abgetragen war A. v. Arnim
s. w. (1853) 2, 196.
im gegensatz zu seide und anderen geweben: die guten maler aus der römischen schule ahmten ... keinen stoff, keine zeuge nach. man unterscheidet weder tuch noch seide; es sind falten, es ist draperie, und die ursache leuchtet ein Sturz
schr. (1779) 1, 53; ein stück tuch hält gemeiniglich 22 bis 32 ellen und wird an manchen orten auch ein tuch genannt. in der leinwand, dem kattune, den seidenen zeugen
etc. sind die stücke von verschiedener länge Krünitz
encycl. 176 (1841) 514.
bildlich: ich aber unterscheide der weiszheit grobes tuch von eines thoren seide Hagedorn
versuch 54
Sauer. im gegensatz zu stoff '
seidengewebe' (
vgl. teil 10, 3,
sp. 140): der eine gab ihm tuche, der andere stoffe, der dritte machte ihm schöne kleider
slg. v. schauspielen (1764) 3, 10 (
probe der zärtlichkeit). II@A@3@bb) tuch '
leinwand' —
bes. im obd. (
vgl. II A 2 b) —
auch in der literatursprache, vgl. 'tuch
eine art fest geschlagener leinwand ... am üblichsten ist es in dieser bedeutung von einem groben, starken fest geschlagenen gewebe, welches gemeine leute zu hemden tragen, und in Obersachsen nicht leinwand,
sondern tuch
genannt wird' Adelung 4 (1780) 1095: hier neben auf der haide ... hatte das Marannele das tuch gebleicht, von dem er das hemd anhatte Auerbach
ges. schr. (1857) 1, 24; gar manche jungfrau freundlich spricht 'mach mir gut tuch zu betten'. O. Schade
dt. handwerkslieder (1865) 98. II@A@3@cc)
mundartlich im allg. '
wollstoff',
vgl. Schambach
Göttingen 40; Danneil
altmärk. 36; Christa
Trier 73.
westmitteldt. und obd. sowohl woll- wie auch leinengewebe, vgl. Vilmar-Pfister
Hessen 301; Follmann
lothr. 110; Kehrein
Nassau 411;
bad. wb. 1, 583; Martin-Lienhart
els. 2, 648; Schmeller-Fr. 1, 582 (
vgl. zu tuch '
leinengewebe' das getüech Schmeller-Fr. 1, 583); Schöpf
Tirol 771;
auch bei Fischer
schwäb. 2, 437; Spiesz
Henneberg 260: wie
das tuch am hemd ist, wird
es verrisse
n bei Fischer
schwäb. 2, 437.
vgl.tuch bleichen '
leinwand bleichen' (C 1 p).
vereinzelt auch für jede art von gewebe, vgl. Fischer
schwäb. 2, 437; Spiesz
Henneberg 260; Lexer
Kärnten 74. II@A@3@dd)
vgl. in neuester fachsprache des textilgewerbes die komposita leinen-, halbleinen-, baumwolltuch Schradin
garne u. stoffe (1950) 141. II@BB.
als material menschlicher kleidung. II@B@11)
mit benennung des kleidungsstückes, 'kleid aus tuch', 'tuch zum kleid'.
vielleicht schon: unde mit kelesotemo tuoche (
contracta ueste) iro uuate uuista si miniu vuuoffenten ougen Notker 1, 17, 1
Piper. die entwicklung von der allgemeinen bedeutung (II A 1)
zu tuch
als bestimmtem wollstoff wird auch hier deutlich: ein failen tuoches von Sûrîn, gefurriert mit gelwem zindâl, die swanger über diu bluotes mâl Wolfram v. Eschenbach
Parzival 301, 28; ûz dem rîlichen tuoche ... truoc Helenâ diu schœne des mâles mantel unde roc Konrad v. Würzburg
trojan. krieg 20 130
Keller; und sprich daz er mir dch zum kleid von stund an schick um dises gelt
schausp. d. mittelalters 2, 386
Mone; wir senden uch lieve broeder, ewenich (
ein wenig) swarz doex zoe eyme wamboes (
um 1400)
bei Steinhausen
privatbr. d. ma. 1, 20; sich die hossen an, wie sie geteilt seint wie ein schachbret, wie von cleinen bletzlin sie zammen gestücket seint also dz sie me kosten zemachen, den das thuch wert ist Pauli
Keisersbergs narrensch. (1520) 286; ich (
Luther) hab tuch genug, mag mir aber kein hossen lassen machen Luther
tischr. 4, 32
W.; ein alter barfuoszermünch, der truog vil thuochs, ime und seinen brüdern zu kutten Frey
gartenges. 57
Bolte; und borge mir bey euch zu einem neuen (
mantel) tuch oder geld Lessing 3, 60
L.-M.; auch wohl: dasz er von gleichem tuch und schnitt gemacht die beiden hosen Rückert
ges. poet. w. (1867) 2, 39; du könntest auch von selbem tuche noch ein beinkleid nehmen Beethoven
s. br. 5, 141
Kal. im 16.
jh. auffallend häufig in der wendung tuch zur narrenkappe,
auch sprichwörtlich: nun hört, wir hand uns auch bedacht, vil narrenkappen mit uns bracht von zwilch (von) wullen duch und seiden Wickram
w. 5, 133
Bolte; wer jm (
dem mädchen) nicht recht zu sprechen kan, dem schneid sie bald ein kappen, kein tuch dar an nit wirt gespart Forster
fr. teutsche liedlein 98
ndr.; liebe macht lappen, des tuchs tregt mancher zu einer kappen Friedrich Wilhelm
sprichwörterreg. (1577) E 1
b;
vgl. Petri
d. Teutschen weiszh. (1605) 2, Mm 7
a.
seit dem 18.
jh. überwiegend in der engeren bedeutung des gewalkten und geschorenen wollstoffes, vgl. II A 3 a: ich möchte tuch zu einem frak aus Leipzig haben, weil ich es hoffentlich da beszer und wohlfeiler bekommen kann Schiller
br. 1, 283
Jonas; ein runder hut von tuch Bahrdt
gesch. s. lebens (1790) 1, 89; ein kurzes camisol von tuch J. G. Forster
s. schr. (1843) 1, 41; er zog eine neue joppe von dunkelblauem tuch an, steckte den reich mit silber beschlagenen Ulmer pfeifenkopf in den mund
M. Meyr
erz. a. d. Ries (1868) 1, 327; angekommen ist er in so einer art waffenrock aus tuch
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893) 4, 381. II@B@1@aa)
die adjektive als qualitätsbezeichnungen unterstreichen meist die bedeutung des bestimmten wollstoffes: (
die mönche) machen ... iczund ire röcke weyt schöne czwifach von dem feinsten tuch Arigo
decamerone 207
lit. ver.; rock und mantel des besten tuch (
um 1530)
Kunegund Hergotin ein neues lied v. e. bösen weib, str. 3; ein mantel er von schönem tuch schlug vmb sich, gürtet ein die schuch J. Spreng
Ilias (1610) 14
a; er ... erblickte einen mann, der in einen grauen rock von feinem tuche gekleidet war Nicolai
Seb. Nothanker (1773) 2, 3; Wilhelm umarmte ihn (
Laërtes) und fühlte ein vortrefflich feines tuch an seinem rocke Göthe I 23, 90
W.; das wams von feinem tuch mit seidenschlitzen ... zeichneten ihn ... vor seinen nachbarn aus Hauff
w. (1890) 1, 65. II@B@1@bb)
sprichwörtlich, vgl. unter II B 1: wer wenig tuch hat, der musz den rock desto kürtzer machen Lehman
floril. polit. (1662) 1, 288; (
ein groszer mensch) braucht mehr tuch oder zeug zum kleide Chr. Weise 3
klügsten leute (1675) 44; wer das tuch zum mantel stilt, dem schaft der teufel das unterfuter Eiselein
sprichw. u. sinnreden (1840) 606;
vgl. Binder
sprichwörterschatz 197; wat de gewohnheit ni deit, sä de snieder, do stöhl he vun sien egen dook
bei Mensing
schlesw.-holst. 1, 765; alle grauen mäntel haben grau tuch Rother
schles. sprichw. 78. II@B@1@cc) hosen eines tuches
in der bedeutung '
von derselben art',
vgl.hose teil 4, 2, 1839: wann hadern vnd zancken seind gar bei (
beinahe) zwo hoszen eins thuochsz Keisersberg
sünden d. munds (1518) 41
c; darüm sind sie beide, jüden und papisten, gottlose; es sind, wie man saget, zwo hosen eines tuchs Conr. Cordatus (1531)
bei Luther
tischr. 2, 278
W.; erstlich von dem maul-christen, darnach von romanisten und den religiosen; sind eines tuchs drey hosen Hans Sachs 1, 350
Keller; wir sind viel hosen eines tuchs, und bedürffen alle der gnaden und verzeihung Hayneccius
Hans Pfriem 8
ndr.; dat sint twei (pâr) hôsen enes daukes
d. h. der eine ist genau so (
schlecht),
wie der andere Schambach
Göttingen 40
b. II@B@22) tuch
kann auch metonymisch für kleidung selbst stehen, vgl. pannus in der bedeutung '
gewand'.
in neuerer zeit geht diese bezeichnung deutlich von dem material der kleidung aus, in den frühen belegen ist das nicht mit sicherheit zu erkennen: zeinot ouh thio dati thaz purpurin giuuati ther selbo duah (
mantel?) roto heidinero liuto Otfrid IV 25, 10;
s. aber auch I A 2
b. tuoch
für '
pallium'
: pallio tuohhe, tuoche (10.
jh.)
ahd. gl. 1, 403, 6
St.-S. (
1. Kön. 21, 9
gladius ... est involutus pallio post ephod; Luther: das schwert ... gewickelt in einem mantel hinder dem leibrock),
vgl. auch ahd. gl. 2, 444, 52 (
palliolum); 2, 748, 16 (
velamen)
St.-S.: dar zuo ist des streites recht, daz man den veinten send ein knecht in einem rosenvarwen tuoch mit swert und auch mit hantschuoch Heinrich Wittenweiler
der ring 7548
Wieszner; da wir nun Jesu treu und bleiben Abas magd, so wird uns ja von Chach nicht brodt nicht tuch versagt, das ieder sclav empfieng Gryphius
trauersp. 219
lit. ver.; der bauersmann und arbeitende leute sollten kein tuch tragen, wovon die ehle über einen halben gulden kostete
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen (1778) 4, 442. II@B@2@aa)
in adjektivischen verbindungen, die die art oder qualität des stoffes bezeichnen und häufig zugleich armut oder reichtum bzw. die soziale stellung des trägers unterstreichen (
vgl. II B 1 a): zuoletst kame in ein rew an, dasz er barfuosz, in eytel wuollin thuoch gekleydet ... für den keyser ... kame S. Franck
Germ. chron. (1538) 140
a; man findet weiber, denen auch ein grob, geringe thuch wol anstehet Joh. Barth
weiberspiegel (1565) 5, 1
a; weil i.
f. g. sonsten ihr gesindlein in grau tuch kleideten Schweinichen
denkw. 178
Ö.; die welt, die sich vor einem gerippe, das mit fleisch und haut überzogen ist und in theures tuch eingehüllet, furchtsam bücket
discourse d. mahlern (1721) 2, 13; grob war die welt der väter, und wild ging der barbar ... in groben tuch gehüllt, mit ungeheuren knöpfen, wie eine dicke faust, und mützen auf den köpfen Dusch
verm. w. (1754) 167; kehrt sich das glück, so ist ein einfach tuch dem der sich lebt, für andre gut genug; ihn macht sein geist, ein kleid die thoren munter
bei Herder 23, 98
S.; er ging in ein einfarbiges, aber sehr feines tuch ... gekleidet J. J. Engel
schr. (1801) 12, 3; (
der herzog) trug das gröbste tuch und sasz am liebsten mit verwaltern und bauern in wirthschaftsgesprächen zusammen Immermann
w. 7, 153
Boxb.; in grobes tuch müssen sie sich kleiden und schwarzes brot essen G. Keller
ges. w. (1889) 6, 285.
in bildlicher übertragung: swer der matêrjen kleit ê gap, von pfelle, samît, rîch gewant ... danc habe sîn herze und ouch sîn sin. kumt aber der matêrjen suoch, kleid ichs in ein getriuwez tuoch Frauenlob
str. 179
Ettm. (
vgl. aber I A 2); ire lerer sind nichts sunders hoch, sy haben vyl guots geschriben, auch vyl arges, man weist wol was ir tuch für faden hat Eberlin v. Günzburg
s. schr. 1, 64
ndr.; und siehe nicht auf den fürsten, sondern auf die einfältigen ... leute, welches tuchs auch der fürst sein wird Luther
tischr. 3, 455
W.; alle sind von einem tuch und einer wolle Düringsfeld
sprichw. (1875) 1, 436
b; gott schicket die kälte nach dem tuche Winckler 2000
gutte gedancken (1685) F 10
b. II@B@2@bb)
typische bezeichnungen für die kleidung eines standes: ich trüeg villicht grob tuoch und zwilchen (
als mönchskleid)
N. Manuel 36
Bächt.; i
ch hau
n no
ch kei
n zweierlei tuch
gekennt '
noch keine sträflingskleider tragen müssen'
bei Fischer
schwäb. 2, 438.
vom zweierlei tuch
der soldatenuniform: wenn krieg wär, thät ich sagen: Florian, lasz dir zweierlei tuch anmessen, du bringst's zu was B. Auerbach
dorfgesch. (1846) 2, 462; der offizier war natürlich für Risa Chan, schon um des zweierlei tuches willen Kurt Faber
m. d. rucksack nach Indien (1927) 151.
mundartlich: tweierlei dauk up'n lîwe hem
soldat sein Schambach
Göttingen 41;
vgl. Hönig
Köln 34.
dann auch auf den träger des tuches übertragen: die mad'ln gengan auf's zwavala tuach '
sie lieben die soldaten' Hügel
Wien 168;
vgl. Frischbier
sprichw. 185; Borchardt-Wustmann 481; der frack ist eine gewaltige macht, doch zweieriei tuch hats weiter gebracht Hoffmann v. Fallersleben
mein leben (1868) 6, 347; haben sie nur keine angst, meine liebe, meine beiden (
töchter) sind auf blaublindheit erzogen, die stürzen nicht ans fenster, wenn einer in zweierlei tuch vorübergeht Stinde
Buchholzens in Italien (
31884) 15.
ähnlich: (
die zechbrüder) entlieszen das bunte und schwarze tuch (
einen leutnant und einen kandidaten) mit einer knatternden abschiedssalve der fabulhaftesten bemerkungen Raabe
hungerpastor (1864) 2, 84. II@B@2@cc)
über die wendung der hat e
in leicht
es tuch am kittel '
ist ein leichtsinniger mensch' (Fischer
schwäb. 2, 438)
kommt es im obd. zu der bezeichnung a leichts tuach
leichtsinnige person Jakob
Wien 197;
vgl. Hunziker
Aargau 63; Seiler
Basel 89: ein leichtes tuch macht man nicht zum paten Peter Dörfler
d. kommende geschlecht (1932) 9.
so auch e liederlichs tuch
ein nichtsnutziger schlingel bei Martin-Lienhart
els. 2, 648;
vgl. id. Austriacum 65; Schöpf
Tirol 771; Castelli
Österreich 117; Hügel
Wien 168: meines mannes sohn, das liederliche tuch Gottlieb Stefanie
s. singsp. (1792) 35; aber du bist ein zu liederliches tuch Raimund
w. 1, 269
Gl.-S.; häd i was glernt und a guet than, hiesz i kain liedaligs tue Stelzhamer
ausgew. dichtungen (1884) 1, 29; ab und zu reite ich zu einem pfarrer in der nähe, ... einem Franzosen, und trinke mit ihm portwein. er ist ein liederliches tuch, aber das einzige amüsante in der gegend E. Strauss
Hans u. Grete (1919) 153.
auch: das isch es nüütnutzigs tuch Friedli
Bärndütsch 6, 531;
und: e lustigs tuech '
ein fröhlicher kerl, kauz'
bad. wb. 1, 583
a.
schon früher: also mus man dem lutherischen thuch thun (
mit den ketzern verfahren), es verleurt sonst des geschlachteten lämlins farb Fischart
binenkorb (1581) 60
a. II@CC. tuch
im fachsprachlichen bereich der zünfte bzw. der textilindustrie. II@C@11)
in verbindung mit verben, die arbeitsgänge der gewebe-, insbesondere der tuchherstellung betreffend. II@C@1@aa) tuch weben,
vgl. teil 13, 2623: er wîbet dûch (1355)
cod. dipl. Moenofrancof. 637
Böhmer; ander thuch wird da nicht geweben, wiewol grosze menge wollen da ist J. Kellner
beschr. d. königr. China (1589) 27; wie es scheint, glaubt sie durch diesen vorrat weiszen tuches, das sie jedes jahr weben läszt, ihr glück herbei zu locken G. Keller
ges. w. (1889) 3, 101.
übertragen: we euch, so jr wolt tuch weben, das ist: ein sach volenden, vnd nicht durch meinen geyst O. Clemen
reform.-flugschr. (1906) 2, 185. II@C@1@bb) tuch wirken,
vgl. teil 14, 2, 554.
hierher: wahero duachowerk wirkento diurero garnothaz deda siu io gerno (
Maria bei der verkündigung) Otfrid I 5, 11; die maister über daz tuoch die suln ireu tuoch, die si würken, niht zaichen vor e danne es der maister drei ze dem minsten gesehen habent (13./14.
jh.)
Nürnb. polizeiordn. 162
lit. ver.; ein weber solt werden ... solt tuch wuorcken zu hem vnd rOecken Hans Sachs
fastnachtsp. 5, 26
Götze. bildlich: was nennst du gut und böse in der welt? hast du das tuch der zeit nicht wirken sehn? der vortheil sucht, der zufall bringt den faden, und wollust schieszt als schiffchen mitten durch Immermann
w. 16, 76
Boxb. II@C@1@cc) tuch machen, '
herstellen': swer auch warf (=
wollengarn) machet und daz verkaufen wil, er welle denne selber tuoch daraus machen (13./14.
jh.)
Nürnb. polizeiordn. 162
lit. ver.; das menglich hie zu Spire, beide man und vrouwen von allen gezunften, duch und gewant machent, wie viel sie wollent (
Speier 1381) Mone
zs. f. gesch. d. Oberrh. 9, 166; alle fremde und heimisch, so tuoch machen und die hie walcken lassen werden (
Pforzheim 1497)
ebda 9, 162; (
sie) sasz mit erin dinstjungfreuwchin unde span wollen, unde lisz darusz duch machen Gerstenberg
chronik 168
Diemar; gut tuch macht man in dieser stadt (
Paris) Krämer
Parival (1691) 81; ich hatte garn ..., an dem ich verlieren muszte, ich mocht es nun wieder roh verkaufen oder zu tüchern machen U. Bräker
s. schr. (1789) 1, 196.
sprichwörtlich: er musz gut tuch machen (
als entschuldigung)
bei Rother
schles. sprichw. 258.
ursprünglich vielleicht vom vorgang des walkens (
vgl. teil 13, 1246
u. II C 1 e)
her übertragen: drum ich bald auf die kanzel sprang, fügt mich unter des priors kutten, ... und macht im krisaments gut thuch (
etwa: spielte ihm übel mit) Fischart
w. 1, 38
Hauffen. II@C@1@dd) tuch bereiten,
nach Loesch
zunfturkunden 1, 674 '
waschen, walken und auf dem rahmen trocknen'
; nach Bech
dagegen '
rauhen, scheren und pressen'
Germania 27, 165; 22, 46,
ähnlich Rüdiger
hamburg. zunfturk. 317: an wuwen und ouch an bereiteten tuochen (1433)
bei Schmoller
Straszb. tucherzunft 41; item ein yeder welcker, der den meystern oder andern lüten walcken will oder walcket, soll die tüchere also walcken oder bereyten, er soll an allen tüchen ye an zehen eln ein eln lassen ingän (
Baden 1486) Mone
zs. f. gesch. d. Oberrheins 9, 155; solche tüche sollen ... fürter gewalckt und bereyt werden (
Baden 1486)
ebda 153; wan der mülmaister einer im duech berait (
Lauterecken 1542)
ebda 172; 156. II@C@1@ee) tuch walken,
die oberfläche des wollgewebes durch mechanische und chemische einwirkung verfilzen, vgl. Lueger lex. 7, 73
u. teil 13,
sp. 1246: ez sol auch nieman dehain roh tuoch ungewalken verkaufen (13./14.
jh.)
Nürnb. polizeiordn. 162
lit. ver.; und hant gesworn meyster und knehte die welker der düch keins me zü walkende (1412) Schmoller
Straszb. tucherzunft 28; reine thone werden auch zum waschen, walken der tücher ... verwendet Oken
allg. naturgesch. 1 (1839) 1, 209;
vgl.: das beste tuch wird und bleibt schlecht, wenn es seine gehörige walke nicht erhalten hat Jacobsson
technolog. wb. 8 (1795) 132.
sprichwörtlich: erst das tuch wird gewalkt, nicht schon die wolle Eiselein
sprichw. (1840) 606. II@C@1@ff) tuch karten,
das gewalkte gewebe aufrauhen, vgl. teil 5, 209
u. 210: willicher eyn duch kartet (1355)
cod. dipl. Moenofrancof. 635; man sal auch keyn tuch zceichen ader vorsigeln, das ... gellicht gekart addir nicht eynen guten grund hat (1470)
Chemnitzer urk.-buch 170;
lappago, hippophaes ein distelkraut, das tuoch zuo karten, aber nit der gmein kartendistel Gesner
catal. plantarum (1542) 50; mit disteln wird das tuch gerauhet,
d. h. aufgekratzt, um es besser zu scheren
bei Jean Paul 15, 128
anm. Hempel. II@C@1@gg) tuch längen, breiten
usw., dem gewebe während des trocknens die richtige länge und breite geben: uf das er das tüch lengen und breyten möge darnach (
Baden 1486) Mone
zs. f. gesch. d. Oberrheins 9, 151.
hierher auch: man schol auch kain tuoch durch ziehen oder er gibt zwai pfunt haller ze buoze ie von dem tuch (13./14.
jh.)
Nürnb. polizeiordn. 163
lit. ver.; swer auch ain tuoch überzeyhet, sagent daz die maister, die darzuo gesetzent sint, der gibt ie von der eln ainen haller ze puoze (13./14.
jh.)
ebda 162.
das eingehen des tuches während oder auch nach seiner verarbeitung ist ausgangspunkt für vergleich und bild: von gedancken und gespannem tuche gehet viel ab (
oder ein)
bei Luther 28, 499
W.; vgl. ebda 16, 12; Petri
d. Teutschen weiszh. (1605) 2, J 4
a; an anschlägen und ungegangenem tuche giht vil ab Gryphius
lustsp. 286
lit. ver.; hierher auch: die stirn sr. hoheit war wie schlecht gekrumpenes tuch zusammengelaufen Gaudy
s. w. (1844) 2, 61. II@C@1@hh) tuch
netzen,
vor dem scheren anfeuchten, eingehen lassen, vgl. netzen teil 7, 640
u. 641;
auch eintauchen in die farbflüssigkeit Jacobsson
technolog. wb. 3 (1783) 138: ein yeglichs Ypers tüch ... soll behalten, genetzet und geschoren, zwo eln mynder ein halb viertel einer eln (
Baden 1486) Mone
zs. f. gesch. d. Oberrheins 9, 149; was aber ganze tuech wären, sollen ungereckt und gestreckt, aber doch genetzt verkauft werden (1603)
Tirol. polizeiordn. von 1603
in Frommann
zs. f. dt. maa. 4, 455; vorzeiten ... las man in den reichsabschieden noch wohl, dasz ... kein ungenetzt und ungeschornes tuch ausgeschnitten ... werden solle J. Möser
s. w. 1, 283
Abeken. II@C@1@ii) tuch scheren,
von dem aufgerauhten tuch die langen ungleichen wollfasern abschneiden: bring mir daz duch, las es nit scheren, so mag es mir dester lenger weren
schausp. d. mittelalters 2, 387
Mone; wi wollen ouch, daz dî tûchmachêre dî tûch schollen schere nâch deme mâze, daz in der rât gegeben het (
Naumburg 1322)
bei Bech
eidgeschosz 3;
vgl. den im voraufgehenden abschnitt h
angeführten beleg von J. Möser
s. w. 1, 283
Abeken. II@C@1@kk) tuch färben: ein geverwet tûch vor vier mark (
Naumburg 1322)
bei Bech
eidgeschosz 1; einich wüllein tuch ... es sey vor dem zaichen geverbt oder nit geverbt, nach anlegung desselben zeichens nit mer verben noch verben lassen sol, weder hie noch anndersswo (15.
jh.)
Nürnb. polizeiordn. 187
lit. ver.; in masz ain ungefarbt tuoch anfancklich mit ettlichen schlechten farben so lang gefärbt wirt, bis es kumbt zuo volkommener farb Berthold v. Chiemsee
teutsche theologey (1528) 654
Reithm.; an die vorstellung des gefärbten tuches bzw. vielleicht an den vorgang des wiederholten eintunkens in die farbflüssigkeit anknüpfend finden sich vergleiche, bilder und sprichwörtliche wendungen: was geltz, wir werden sie dan leren! man muosz das duoch wol also ferben, es möcht sunst an der varb verderben Murner
luth. narr 2009
Merker; auch: darmit (
mit zorn und schelten) hab ich gewenht mein man, also musz man dem tuche than, wann es möcht sunst sein farb verlirn Hans Sachs 14, 269
lit. ver.; ähnlich: es ist böses tuch, das keine farbe annimmt Wander
sprichw. 4, 1353; an der farb erkennt man das tuch Lehman
floril. polit. (1662) 2, 932.
in der wendung: dem grawen tuoch musz mann also tuon, es kemen sonst die schaben drein Seb. Franck
sprichw. (1541) 1, 121
b; 2, 177
b;
vgl. Wander
sprichw. 4, 1353. II@C@1@ll) tuch streichen,
messen, mit einer maszschnur über zum verkauf bestimmtes tuch hinfahren (
vgl. oben streichen): die gesvoren strigere suoelen sweren zu den heiligen, die doiche reicht zu strichen (1350-60)
acten zur verf. d. stadt Cöln 2, 25
Stein; und sal auch ire keiner die duche strichen, daran er underkeuffer gewest ist (1406)
Frankf. amtsurk. 212; nemlich so sollent die tuch, so in ganzen stucken verkauft werden, durch die underkeüfer mit der schnur gestrichen und sechs und dryssig elen für ein ganz tuch, achtzehen elen für ein halbtuch gelüfert werden ... und soll man sy strichen, wie die ordnung der welschen tuch usweist (1529)
bei Schmoller
Straszb. tucherzunft 139.
hierher auch tuch messen: der pöffel misset die freundschafft am nutz, wie tuch an einer ellen Petri
d. Teutschen weiszh. (1605) 2, O 7
b.
sprichwörtlich: tuch misset man mit der elen, vnd nicht die elen nach dem tuch, man musz sich nach dem rechten richten, vnd nicht das recht nach dem letzkopff Lehman
floril. polit. (1662) 2, 651. II@C@1@mm) tuch
anschlagen,
offenbar in der bedeutung '
zum verkauf ausstellen'
vgl.anschlagen teil 1, 442: dasz alle die, die daz antwerk hant, ... kein tuoch anslahen an kein lander (
tuchrahmen) an keim sunnendag ... wer ez öch daz ein welker eime weber ein tuoch anslüge, so sol der welker dieselbe besserunge tuon, als do vor geschriben stot, unserm antwerk (
zunftbeschlusz der tucher zw. 1400
u. 1434)
bei Schmoller
Straszb. tucherzunft 27;
vgl. auch ebda 60; esz sal nymande fremde tuch anslaen (1470)
Chemnitzer urk.-buch 170. II@C@1@nn) tuch
versiegeln,
die fertigen tuche nach der prüfung auf ihre güte mit siegeln und zeichen versehen, vgl. versiegeln
teil 12, 1, 1319: das sich nymand mit unserme ingesigel, da man die duch mydde besigilt, behelffen ensal (1355)
cod. dipl. Moenofrancof. 635
Böhme; die schauwer sollen die tüch versigeln alle wochen (
Baden 1486) Mone
zs. f. gesch. d. Oberrheins 9, 156; und was von tuchen zu schawen und zu besigeln, ... davon gepurt meim gnedigsten herrn, der statt und dem handwerk jedem sein geordneter teil (
Bretten 1529)
ebda 9, 165. II@C@1@oo) tuch (aus)
schneiden,
vom ganzen stück eine bestimmte menge abschneiden, verkaufen, vgl. schneiden
teil 9, 1257: undir yn selbs, die tuch schneyden
Chemnitzer urk.-buch (1470) 168; weder geferbet, noch ungeferbet tuch schneyden (1489)
bei Lorenz
Rochlitzer tuchmacherhandw. 65; soll unser richter ... unsern burgern, so tuech ausschneiden, ... ir eelen ... abmessen (1533)
österr. weist. 8, 230.
bildlich übertragen: wie lang wir noch ... ze leben haben, wann uns der weber das tuch abschneidt, das ist, wann got unser leben abschneidet, das wissen wir nit Keisersberg
baum d. seligkeit (1518) 32
b. II@C@1@pp) tuch bleichen,
allgemein '
curare, biancare tele ò drappi, panni de tela' Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1157
c,
obd. speziell 'leinwand bleichen',
vgl. Schöpf
Tirol 771: da erschin sein antlüt als die sunn, vnd seine claider wurden weisser dann kain blaicher kain tuch blaychen kan Keisersberg
pred. (1508) 3
a; zimbliche anzahlen tuech zum plaichen an- und einnemen (
Tirol 1668)
österr. weist. 5, 509, 3. II@C@22) tuch
in adjektivischen verbindungen. II@C@2@aa)
mit fachsprachlichen wertbezeichnungen: macht aber er (
der tuchmacher) ein bôse valsch tuoch, sô shol er aber als vil geben vnd shol daz tûch verbürne (
Naumburg 1322)
bei Bech
eidgeschosz 3; (
die meister sollen die tuche beschauen) swelhes tuch dann gereht ist, daz süln si zaichen, welhes aber ungerecht ist, daz sol man vj ellen lank absneiden und derzu des selbendes auch vj (ellen) lank abreizzen (13./14.
jh.)
Nürnb. polizeiordn. 164
lit. ver. 'grätet tuch
unredliches tuch, welches zur warnung der käufer von den schauherren geschrenzt (
entzweigerissen)
woraen' Spreng
id. Rauracum in Alemannia 15, 203. II@C@2@bb)
mit bezeichnungen der stoffart, vgl. zvilichez tǒch
biplex pannis ahd. gl. 4, 239, 6
St.-S. (12.
jh.),
s. auch zwillich
teil 16, 1198. II@C@2@b@aα) graues tuch
ungefärbter und daher nicht so wertvoller wollener stoff: die grawen tüch, die nicht enhant die breite zweier ellen, und eines vierteiles einer ellen, die sol man burnen (1270)
bei Schmoller
Straszb. tucherzunft 3; dasselbige graw tucht (1470)
Chemnitzer urk.-buch 175, 28; frw kam der dewffel in (
einen mönch) zw quellen, pracht grabes tuechs auf zwainzig elen und schnit miten darein ein loch, hing ims an hals Hans Sachs 22, 408
lit. ver. in der redewendung: an waren und grauen tuch geht viel ein Schottel
haubtspr. (1663) 1113;
ähnlich Seb. Franck
sprichw. (1541) 1, 88
a; an worten und an grauem tuch geht vil ein Eiselein
sprichw. 650. II@C@2@b@bβ) grosze, kleine, mittlere tuche,
vgl.es sollent ouch die cleynen tuoch von der besten landwollen gespunnen und gemacht werden, die mitteltuoch von der anderen, donoch die beste und das gross tuoch von der groben, wie dann sollichs vormals auch gewesen ist (1514)
bei Schmoller
Straszb. tucherzunft 112:
vgl. beleg aus d. cod. dipl. Moenofrancof. unter γ; wer ein mitteler tuoch kfet oder verkofet (1401)
bei Schmoller
a. a. o. 20; man sol ouch ein ieclich klein tuch werken in zehen gebunt unt nit mynner ... ein mitteltuch in nun gebunde ... ein gross tuch acht gebunde (1433)
ebda 43. II@C@2@b@gγ) grobes tuch,
offenbar sowohl für wollstoff wie für leinwand, vgl. Hulsius (1616) 417
b,
ferner grob
teil 4, 1, 6,
sp. 394: von grobin duchen adir von mytteln duchen adir von namelosen duchen (1355)
cod. dipl. Moenofrancof. 637
Böhmer; so sall derselve (
tuchscherer) kneicht ... sess elen guetz doichs und sess elen groifs (
groben) doichs scheren (1440)
bei Loesch
Kölner zunfturk. 1, 193; ein ehle des grobsten duechs, daran 4 gebund sind ... ein elen duech, das nit so grob ist und 5 gebund hat, ... 1 ehln des reinesten duech, daran 9 gebund sind, ... reiner duech machen die leineweber in diser gegend lands nicht (
Lauterecken 1571) Mone
zs. f. gesch. d. Oberrheins 9, 180.
sprichwörtlich: auf ein grobes tuch gehört ein grober knopf
bei Wander 4, 1352. II@C@2@b@dδ)
allgemeine sprichwörtliche wendungen: wie das garn, so ist das tuch Eyering
proverb. 3 (1604) 554;
so auch Henisch (1616) 1358; er kann fast gute wort spinnen, wirt aber nit gut tuch darausz Luther
br. 1, 120
W.; schönem tuch thun die schaben am meisten schaden Lehman
floril. polit. (1662) 2, 726;
ähnlich Butschky
Pathmos (1677) 6. II@C@33) tuch
als längenmasz für gewebe, in erster linie für wollstoff. II@C@3@aa) ein tuch,
vgl.tuch ...
so viel eines solchen gewebes (
tuches),
als auf ein mahl verfertiget wird. in diesem verstande ist es nur in einigen gegenden üblich, indem im hochdeutschen dafür stück
üblicher ist Adelung 4 (1801) 713;
vgl. Frisch (1741) 2, 393
b;
bis in neuere zeit auch für leinengewebe, vgl. tuch ist ein linnenmaasz und hält 14
ellen kauflinnen Jacobsson
technol. wb. 4 (1784) 455.
die länge des tuches ist in den einzelnen orten verschieden, vgl. ein stück tuch hält gemeiniglich 22-32 ellen und wird an manchen orten auch ein tuch genannt Krünitz
encycl. (1841) 176, 514;
vgl. Voigt
hdwb. f. d. geschäftsführ. (1807) 2, 518; in Nürnberg hält ein tuch 32 ellen Adelung 4 (1801) 713: man sol auch zu iedem tuch niht minner nemen dann VIII gepunt garns (13./14.
jh.)
Nürnb. polizeiordn. 164
lit. ver.; den dok ghentisch scal he eme gheuen vor verdehalue mark lodich (1326)
Mecklenb. urk.-b. 7, 379; dit is, wey lanc eyn eygklich duoch sin sal (1344) Loesch
Kölner zunfturk. 1, 64, 34; bey pene von einem yeden tuch XX pfund newer haller und von einer yeden eln besunder ein pfundt newer haller (15.
jh.)
Nürnb. polizeiordn. 133
lit. ver.; item a domino Jacobo ... ein thuech Bresler (1533)
qu. z. gesch. d. st. Kronstadt 2, 319; so auch ein maister ... in solchen vier jahren krank würde, also das er die gesetzte zahl der tücher leibs halber nicht machen ... könte (1630)
bei Schmoller
Straszb. tucherzunft 264.
α)
zum unterschied von anderen mengen auch deutlicher' ganzes tuch: ein gancz tuoch (
Erfurt 1289)
bei Bech
eidgeschosz 12; die do ganze tuoch kfent oder verkofent (1401)
bei Schmoller
Straszb. tucherzunft 21
b; weder mit gantzen tuchen, stuck oder elnweiss, bey peenen von einem yeden ganntzen tuch XX pfund newer haller, und von einer yeden eln ein pfund newer haller (15
jh.)
Nürnb. polizeiordn. 133
lit. ver.; all andere leynwat soll funfftzig eln an leng habenn, will es anders ein gantz tuoch genandt seyn
teutscher nation nodtdurfft (1523) D 2
b.
β)
ein halbes tuch (
vgl. dagegen halbtuch
teil 4, 2, 216): das leinin tuoch, daz weppe brait sol sein, daz daz habe zwo eln an der breite, und daz halp tuoche aine eln (13./14.
jh.)
Nürnb. polizeiordn. 166
lit. ver.; das alle gewantsnider ... an eins eydes stat geben söllent, was ganzer duoche oder halben duoche sü samenthaft verkfent (
zw. 1424
u. 1442) Schmoller
Straszb. tucherzunft 38; das ganze duech, es sei grob oder rein, ist in gemain, wenn es im geschir noch ist, zehen viertel breit, das halbe duech aber ist im geschir nur 5 viertel brait, kosten den gebunden nach an macherlohn so vil als das ganze duech (
Lauterecken 1571) Mone
zs. f. gesch. d. Oberrheins 9, 180.
seit dem 16.
jh. wird als grösztes mengenmasz für gewebe ein ballen tuch
üblich, vgl. ballen teil 1, 1092. II@C@3@bb)
es kann auch tuch
als maszbegriff neben tuch
als materialbezeichnung stehen: sal man kouffen zwelf tuch grawes tuches, die sal man teilen (1379)
urk.-b. d. st. Erfurt 2, 611; van eyme doike sairdoikes des gelix 1 d(enarium). van eyme doike bursis 1 d(enarium) (
Unna 1427)
westf. stadtrechte 1, 3, 54;
so auch neben gewand (
s. o. unter bed. u. gebr. 2;
hierher wohl die meisten belege teil 4, 1, 3,
sp. 5241): vort so en sal man gein vremde gewand an gantzen doichen of an stucken doichen in die zwei huis Orsburch und Kriechmart of in einich ander huis ... setzen (1341-60)
acten z. verf. d. st. Cöln 1, 64
Stein; 22 tuch ist ain sam gwantz, 24 elen machen ain tuoch, 45 parchant ist ain fardal, 18 elen ist ain parchant
qu. d. 15.
jhs. bei Schmeller-Fr. 1, 582; item einer kaufft 1 saum gewantz zuo Köllen ie ein tuoch für 9 fl.
rechenb. a. d. anf. d. 16.
jhs. 64
a in teil 4, 1, 3, 5241.
neben laken: dat voder holtes mach men losen mit ses penninghen um den dok lakenes mid achte penninghen unn dat scap vor eynen schillinc (
Herford 1372)
cod. trad. Westf. 4, 95. tuch
und laken
als maszbegriffe gleichbedeutend nebeneinander: dasz sie (
die tuchmacher) und alle ihre nachkommen ... ihre tuech und gewand, was sie des ... arbeitten und bereitten, bey gantzen laken und tuechern oder bey halben oder bey vierteln oder bey ehelen und halben ellen ... verkeuffen, schneiden, verhandeln (
Magdeb. 1496)
gesch.-qu. v. Sachsen 28, 594; bi gantzen lakenen vnd doken scholen se de verkopen (1353)
urk.-buch Lübeck 3, 187; 15000 und mehr laken oder tucher jerlichs gemacht, vorkauft (1563/9)
kurmärk. städteakten 2, 567
Friedensburg. II@DD. tuch
als handelsobjekt: ich hân voller secke drî, die sint swære als ein blî. der eine ist vol unversniten klein lînîn tuoch in den siten, swer sîn ze koufe gert, diu elle ist fünfzehen kriuzer wert
Meier Helmbrecht 1332
Panzer; ein ieder gast, der kaufmanschaft herpringt, als eisen, stachel, waxs, wein, tuech und ander ding desgeleichen, der ... mag das wol verkaufen ... wein ürnweis und tuch stuckweise (15.
jh.)
österr. weist. 5, 479; alle kaufmansware als: gulden stugk, silbern tucher, samatt und alles seidengewant, auch unczen golt, auslendische tucher H. v.
d. Planitz
berichte (1521) 49
Wülcker. II@D@11)
sehr häufig mit herkunftsbezeichnungen, an denen sich —
besonders in neuerer zeit —
die hauptzentren der tuch-
herstellung ablesen lassen: sî truogen beide röcke nâch dem hovesite Ôsterrîches tuoches Neidhart 60, 13
Wiessner; den dok ghentisch scal he eme gheuen vor verdehalue mark lodich, den Ordenborgiscen vor dre mark lodich (1326)
Mecklenburg. urk.-buch 7, 379; item Brabensch, Triersch, Lützelburgsch, Spirsch oder ander derglich düch (1477)
bei Schmoller
Straszb. tucherzunft 92; solten ... schlecht kleyder tragen, aber nun ist es doch zuo kommen, dasz sie lündisch und mechelsch tuoch tragen Keisersberg
christl. bilgersch. (1512) 42
a; (
wir) öffneten ... von ballen und fassen ... worinnen es viel seyden wahr und englisch tuch setzte Grimmelshausen 2, 91
Keller; s. auch 2, 32; und schon in der mitte des zwölften jahrhunderts wurden flandrische tücher in Frankreich und Deutschland getragen Schiller 7, 34
G. auch mit wertbezeichnendem epitheton: wenn es sie (
Göschen) nicht incommodirt, so haben sie die güte, mir 3 und ½ elle sehr feines französisches oder feines englisches tuch zu einem frack nebst guten knöpfen nach der neuesten mode auszusuchen oder aussuchen zu lassen Schiller
br. 3, 343
Jonas. in scherzhafter wendung: wenn lügen lönsch tuch wäre, wäre es nicht ein wunder, dasz er schöne kleider hätte
bei Kirchhofer
schweiz. sprüchw. (1824) 162. II@D@22)
in verbalverbindungen. II@D@2@aa) tuch
verschneiden '
im kleinen verkaufen',
vgl. verschneiden
teil 12, 1, 1131: die swesteran sont aber des selben tuochs nieman andern lúten versniden noch ze koffen geben (
Konstanz 1382) Mone
zs. f. gesch. d. Oberrheins 9, 174; git er aber sin truwe an eydes stat, das er die duoche versniden wil ... so sol er nuwent slehten zoll geben (1424-42)
bei Schmoller
Straszb. tucherzunft 38. II@D@2@bb) tuch
ausnehmen '
im laden kaufen',
vgl.ausnehmen teil 1,
sp. 921: dan soltten sy erst in laden gohn, tueg auff borg auszunemen thon
Regensb. fastn.-sp. in Bayerns maa. 2, 3; hab also ... allerley tuchs ... etlich vil eln auszgenomen J. Nas
warnungsengel (1588)
vorr. A 3
a; der schneidern, welche mir tuch ausnimmt, sind sie so gütig und zahlen den rest von 25 thalern aus Schiller
br. 7, 249
Jonas. IIIIII.
als bestimmungswort zahlreicher komposita steht tuch
nur vereinzelt in der bedeutung von tuch I (
z. b. tuchecke,
s. u.),
vorwiegend als materialbezeichnung (
zu II),
und zwar meist in engerem sinne als speziell bearbeiteter wollstoff (
zu II A 3 a,
z. b. tuchartig, tuchrock,
s. u.),
vereinzelt in der bedeutung '
leinwand' (
zu II A 3 b,
z. b. tuchbleiche,
s. u.).