getüch,
getüche,
getuch,
n. ,
sammelwort zu tuch
in der bedeutung von leinwand.
das wort nimmt eine eigenartige stellung zwischen mundart und schriftsprache ein. die ersten beispiele flieszen aus denkmälern mittelrheinischer und oberrheinischer herkunft, daneben ist es in der umgangs- und geschäftssprache Baierns bezeugt. um die wende des 17.
jahrh. dringt es in die allgemeinen wörterbücher, schränkt sich aber in unserm jahrhundert wieder auf mundartliche geltung und auf den gebrauch bei oberrheinischen schriftstellern ein. unter den drei angeführten formen ist die erste (
umlaut mit apokope)
die gebräuchlichste. der umlaut ist nur in den ältesten beispielen unbezeichnet, der klingende ausgang steht ganz vereinzelt in wörterbüchern. der dental erscheint in oberdeutschen quellen anfangs als media. vgl. oben geduch sp. 2041. 11)
die frühneuhochdeutsche periode. 1@aa) und so er desshalben angeredt, hat er gesprochen: 'ich muesz wol spinnen, dann wer wolt mir sonst geduchs genug geben'?
Zimmerische chronik 2, 473; der kilwart sol geloben .. alles dasgenige, so im überantwurtt, truwlich zu versorgen, esz sieg kelch, meszgewand, alterdücher oder ander geduch.
weisthum von Wasserburg, Grimm 1, 409; sie verwahrt ihr kastengeräht vor motten, henckt järlichs ir kleider in die mertzensonn, saltzt das gethüch ein, lavandelierts unnd einspicknardisierts. Fischart
Garg. 109
neudruck; wer het je gemeint, dasz man von allerhand farb wollen, gespunst, nähetsfaden und seiden, sollt ein solch getüch, plag, teck, sergen, wandthuch, umbhang, lacken oder täppich, sticken, stricken
u. s. w. Fischart
vorbericht zu emblematum tyrocinia (
kloster 10, 941
Scheible); den schaben, so nur die köstlichsten getüch oder kleider angreiffen. H. Beat Grasz
gen. Vey, cyripaedia nova. deutsch (
Freiburg 1596).
vgl. Birlinger
Alemannia 18, 25; keine waar, weder von gold, silber, edelgesteinen, geschweige des zinns, kupffers, getüchs, der kleidung und was es sonst sein mö
gen. Grimmelshausen
simplicianische schriften (
landstörtzerin Courage 18) 3, 90
Kurz. 1@bb) (
wir) bringen mit uns von seidnem und anderm gedüche, ein grosze whare.
Fierrabras (1533) G
5; des meyers schlaffkammer lasset auff die ander seiten der kuchin ordenen, und gleich ein andere daran, für seine kinder und dienstmägd, und widerum eine hart dabei, für ein gerätskammer, für allerlei leinen und sonst getüch.
M. Sebiz
feldbau (1580) 29; weinraute in die trugen zwischen die kleider und das getüch gelegt, verhütet, dasz sie nicht von den motten gefressen werden. Tabernaemont.
kräuterb. 400.
ebenso getuch
bei Reinhard
wohlgegründeter gegenbericht in sachen Wertheims (
Wertheim 1618) 2, 182. 185. 1@cc)
für die bairische sprache: das getüech,
leinwandzeug, weiszzeug, die getüechkammer,
bei hofe in München. Schmeller 1
2, 583. 22)
schriftsprachliche belege des 17.
und 18.
jahrhunderts: nicht aber gehört zum hausgeräht: silbergeschirr, kleinodien .. kleider, bücher, getüch, hemder
u. s. w. Schottel 491
a; schmutzige tischtücher, ungewaschenes getüch. Kramer
ital.-teutsches wb. (1693) 1128
b; schwartz getüche,
panni-lini sporchi. deutsch-ital. dict. (1702) 2, 1159
a; getüche,
die tücher, das zeug, the clothes Ludwig (1765) 711; getüche,
le linge, la toilerie Schwan (1811) 439. 33)
für die neuere zeit: 3@aa) un bettwerk, un gedüch, hausrath un küchegeschirr. Arnold
pfingstmontag 51; gebt mir den tuchzipfel, sprach er, dasz wir das zeltdach spannen. er stieg zum ahorn auf und befestigte die enden im geäst. gegenüber waren hohe stangen eingeschlagen, von blauer bohnenblüthe umrankt, dahin trug Praxedis das getüch an seinen andern enden; in kurzem hing die schattige decke über den luftigen raum. Scheffel
Ekkehard 319; zu füszen stand Praxedis und hielt die enden eines schweren, langen zeltgetüchs. 316. 3@bb) getüch, getüchs (
rheinisch)
sammelwort von tuch Kehrein
volkssprache und volkssitte von Nassau 1, 162; getüch
in Pfalz-Zweibrücken Schmeller 1
2, 583.