tropfen,
m. ,
auch tropfe, tropf gutta, apoplexia. tropfe,
f., s. an alphab. stelle. herkunft und form. hinsichtlich des labials stehen ahd. tropfo,
mhd. tropfe
sowie mnl. droppe (druppe)
einer form mit einfacher consonanz in den andern germ. sprachen gegenüber: an. dropi,
aschw. adän. drupi, dropi,
schw. droppe (
gemination im zweiten compositionsglied erwachsen Noreen
aschw. gr. § 298),
dän. draabe,
ags. dropa,
andfrk. dropa,
mnd. drope, drape (
nordfries. drope
ist zweideutig).
danach wird die deutsche geminata eine neuerung darstellen, die sich leicht durch den einflusz des verbums tropfen
erklärt, s. d. u. Wissmann
nom. postverb. 1, 182.
germ. drupan-
ist nomen agentis zu driupan '
triefen',
s. Sütterlin
nom. agentis 46, Wilmanns 2, 199.
im hd. sind die formen mit affricata seit alters die herrschenden. doch findet sich auch den auszerdeutschen formen entsprechende spirans: nahtroffo Williram 77, 4
Seem.; ni drof, noh trof,
die ahd. negationsverstärkung, s. Schatz ahd. gramm. 102; Wilmanns 2, 623;
ripuar. droffe,
s. Paul
u. Braunes
beitr. 9, 380; troff
stilla Apherdianus
tyrocin. (1581) 206;
in troffnasz
G. d'Emiliane merkwürdige beschr. (
Rotterdam 1693) 748; drəfən Hasenclever
Wermelskirchen (bei Solingen) 79;
die alem. belege können aus pf
entwickeltes ff
haben: alem. troffo
ahd. gl. 3, 14, 38;
aus alem. vorlage 4, 161, 34; mit einem troffen Arigo
dec. 92
Keller; der troff Braunschweig
distillierb. (1500) 98
b; ein troffen Keisersberg
postilla (1517) 104
a;
vereinzelt steht der trofen (1545)
bei Unger-Khull
steir. 175
b.
spuren mundartlicher lautungen in literar. denkmälern und vocabularen sind sonst selten; anl. media: dropffen (
Straszburg 15.
jh.)
chr. d. dt. städte 9, 651; H. Sachs 18, 282, 14
lit. ver.; F. Platter
tageb. 216; Bock
kreuterb. (1587) 3;
unverschobene geminata bei md. und nd. schriftstellern: mit zerlichen troppin Heinrich
litanei bei C. v. Kraus
übungsb. (1912) 51
in der frk. umschrift der hs. S; in md. voc. d. 15.
jh. bei Diefenbach
gl. 271
c; 364
b; 552
c; Grunau
preusz. chron. 1, 552
Perlbach; Rist
Parnasz 603;
senkung des o
zu a
findet sich häufiger im nd. bei tondehnung, vgl. Sarauw
nd. forsch. 1, 81
ff.; bereits mnd., s. Schiller-Lübben 1, 583
a.
der nom. sg. des wortes lautet in ahd. und mhd. zeit vorwiegend tropfo, tropfe:
gutta tropfo
voc. s. Galli (8.
jh.)
in ahd. gl. 3, 4, 36; tropfe Walther v.
d. Vogelweide 20, 36
L.; tropffe Murner
dt. schr. 4, 37
Bebermeyer; Herberger
trawerbinden (1612) 2, 227; Grimmelshausen 2, 345
Keller; seit dem 18.
jh. immer mehr auf poetische verwendung beschränkt: Warnecke
poet. vers. (1704) 90; Wieland
Lucian 1 (1788) 57;
sehr häufig bei Herder 3, 47
S.; 12, 180; 17, 357
u. ö.; öfter auch bei Schiller 1, 295
G.; 3, 237
u. ö.; Göthe I 6, 227
W.; Jean Paul 3, 201
akad.; 4, 169
u. ö.; Mörike 1, 165
Göschen; öfter wieder bei Hebbel
w. 4, 38
Werner; 6, 210; 7, 141;
tageb. 1, 50.
als krankheitsbezeichnung ist das wort in dieser form vom 12.-15.
jh. bezeugt: tropho (12.
u. 13.
jh.)
in Germania 18, 46; 234; trophe
in 2.
dt. arzneib. aus dem 12.
u. 13.
jh. 31
Pfeiffer; tropfe (15.
jh.)
bei Diefenbach
gl. 41
a;
mnd. de drope
in mnd. arzneib. in jb. f. nd. sprachf. 15, 114.
die heute gängige form tropfen
entstand durch eindringen der endung der obliquen casus in den nom. sg.; bezeugt ist dieser vorgang für tropfen
seit dem 15.
jh.: stilla droppen (15.
jh. md.) Diefenbach
gl. 552
c; tropfen
voc. primo ponens dict. theut. (1515) c 4
a; ein tropffen threhen (
una guttula) Keisersberg
brösamlin (1517) 1, 55
b; ein tropffen pluts Braunschweig
chir. (1539) 62
a;
auch für den '
schlag': der tropfen oder slag
apoplexia (
voc. 1445)
bei Schmeller-Fr.
bair. 1, 673; tropfen (15.
jh.) Diefenbach
gl. 41
a; trofen (1545)
bei Unger-Khull 175
b; tropffen
M. Bapst v. Rochlitz
wacholdergarten (1605) 198.
die kurzform tropf
begegnet seit dem 12.
jh. für stilla: troph
ahd. gl. 3, 114, 40; troph
Georg. prediger 73
Rieder; Mone
schausp. d. mittelalters 2, 193; 2, 348;
fastnachtsp. 208, 4; 563, 8
Keller; ein tropf des bluotes
N. v. Wyle
translat. 77
Keller; tropff Luther 12, 461, 16
W.; 28, 285, 21
W.; Gersdorf
wundarznei (1517) 37
a; H. Sachs 10, 47
lit. ver.; ein tropff (
träne)
Amadis 1, 110
Keller; Fischart 2, 430
Hauffen; im 17.
jh. geht die bezeugung dieser form merklich zurück: tropff Spreng
Ilias (1610) 154
b; Dannhawer
catech.-milch (1657) 1, 74; H. Müller
thränen- u. trostquelle (1675) 239; Lohenstein
Epichar. 111; Adelung 4, 695
kennt die kurzform nur als mundartlich, Campe 4, 2, 893
b nur als obd.; seit dem 18.
jh. vorwiegend in poetischer verwendung, doch seltener als tropfe: tropf Brockes
ird. vergnügen (1744) 1, 131; Hagedorn
poet. w. (1769) 1, 11; Hölty
ged. 190
Halm; Wieland I 1, 212
akad.; aber vereinzelt auch noch prosaisch: der obere tropf von einem tropfstein Gaudy
s. w. 10, 43;
im mnd. herrscht drope, drape,
s. Schiller-Lübben 1, 583
a,
nur einmal nesedrop Gallée
vorstud. 225.
für die krankheitsbezeichnung ist seit dem 15.
jh tropf
der eigentliche terminus gegenüber seltnerem tropfen (
s. o.): tropf
stadtr. v. Hof (1436)
in zs. f. rechtsgesch. 32, 158; tropff (15.
jh.)
chr. d. dt. städte 3, 280, 18; Diefenbach
gl. 41
a;
n. gl. 280
a; der troff H. Braunschweig
distillierb. (1500) 98
b; der tropf Keisersberg
evang. (1517) 150
a; Frisius (1556) 945
a; Uffenbach
neuw roszb. (1603) 2, 47; Aler (1727) 2, 1921
b; tropf
neben tropfen Adelung 4, 1693.
unterschiede in der verwendung der kürzeren und der zweisilbigen form sind sonst nicht greifbar; öfter begegnen beide bei dem gleichen schriftsteller oder in der gleichen quelle für die bedeutung '
gutta': ain tropff Tauler
sermones (1508) 37
und ein troppfe
pred. 52
Vetter; tropff Hulsius (1618) 250
b und tropffe
ebda 178
a; tropf Keisersberg
brösamlin (1517) 2, 54
a und tropfen
ebda 1, 55
b; tropf ...
wohl auch tropfen Stieler 2329; tropf ...
oder ein tropfen Frisch (1741) 2, 389
c.
in den mundarten hat die form auf -en
die weiteste verbreitung gefunden. die form auf -e
ist bezeugt in nd. drape Berghaus 1, 356
a; Doornkaat-Koolman 1, 372
b; drope (
flectiert dropen) Bauer-Collitz
Waldeck 23;
in andern fällen kann es sich aber auch um verlust des auslautenden -n
handeln: trobbe Autenrieth
pfälz. 142; Crecelius
oberhess. 1, 301; truoppa Knothe
schles. ma. in Nordböhmen 189;
in teilen des elsäss. tropfe Martin-Lienhart 2, 763
b; tropf
e Fischer
schwäb. 2, 402; tropfe Hunziker
Aargau 60.
die kurzform ist gesichert für das nd.; in andern fällen ist apokope des ursprünglich im auslaut stehenden -e
in rechnung zu stellen: dropp
rhein. wb. 1, 1505; Crecelius
oberhess. 1, 301; tropf Drechsler
W. Scherffer u. d. sprache der Schlesier (1895) 57; dropf Fischer
schwäb. 2, 402; Seiler
Basler ma. 85; Friedli
Bärndütsch 2, 19; Unger-Khull
steir. 174
b.
die flexion schwankt. ursprünglich ist die schwache, auch für tropfen
als krankheitsbezeichnung: vur den tropfen (12.
jh.)
Münch. sitzungsber. (1867) 2, 17;
acc. sg. troffun (13.
jh.)
ahd. gl. 4, 414, 25; fürn tropfen Lonicerus (1604) 122
b;
mit dem eindringen des flexivischen -n
in den nom. sg. vollzog sich auch der übergang zur starken flexion, s. H. Paul
dt. gramm. 2, 38:
gen. sg. tropfens J. Paul 1, 174, 8
akad.; Caroline
briefe 1, 119
Waitz. die kurzform zeigt in der bedeutung '
gutta'
selten starke flexion: die tröpff von dem kolben herab tropfend Bech
Agricolas bergwerckb. (1621) 365; Haller
änderte tröpfe
versuch2 (1734) 119
in tropfen (1753) 142; den lezten tropf J. H. Voss
sämtl. ged. (1802) 2, 92; mit dem tropf Herder 29, 250
S.; in dialekten: tröpfe
guttae Hunziker
Aarg. 60; trepf Meisinger
Rappenau 207
b.
älter und verhältnismäszig häufiger belegt ist die starke flexion bei tropf
als krankheitsnamen: den tropf J. Brenz
pred. Salomo (1528) 17
a; dem tropff Forer
Gesners fischb. (1575) 89
a; des tropffes Comenius
janua IV ling. (1644) 88.
neben dem mundartlich allgemein verbreiteten wort steht im nd. und nl. eine nebenform mit u
oder ü
als stammvocal, die auf den einflusz des verbs nd. ndl. druppen, drüppen
zurückzuführen ist, s. unter tropfen,
vb. bezeugt seit dem mnd.: nasedruppo (
nicht vor dem 13.
jh.)
ahd. gl. 3, 722, 13; drup Richthofen
altfries. rechtsqu. 268;
stilla druppe (
nd. 15.
jh.) Diefenbach
n. gl. 348
b; de dachlyke drüppe Petri
weiszheit (1604) 2, p 1
b;
so noch allgemein in den modernen nd. mundarten; im ndrhein., s. rhein. wb. 1, 1527;
verdumpft Rovenhagen
Aachener ma. 25.
vereinzelt auch in einem md. voc. des 15.
jh.: gutta drupe Diefenbach
gl. 271
c.
deminutivbildung mit -l-
suffix ist seit dem mhd. bezeugt: tröpfelîn Rudolf v. Ems
Barlaam 120, 20
Pf.; tropflin
guttula vocab. primo pon. dict. theut. (1515) c 4
a;
auch die aus tropfilî(n)
entstandene form tröpfel
findet sich seit dem mhd. als mundartliche nebenform: tröpfel alse kleinez Marner 109
Ph. Strauch; rôteu tröpfel Konrad von Megenberg
buch der natur 449
Pf.; tröpffel Abr. a
s. Clara
etwas für alle (1699) 1, 17; tröpfel Holtei
erzähl. schr. 22, 45; Anzengruber
ges. w.3 2, 222; Rosegger
schr. II 13, 55; tröpfl, tröpferl Jacob
Wiener dial. 196.
jünger erscheint tröpfchen S.
Dach 363
Oesterley; v. Fleming
d. vollk. teutsche soldat (1726) 322.
eine doppelte verkleinerung begegnet in tröpfelchen,
s. gramm. 3, 682: mit dem kleinsten tröpfelchen Fr. v. Heyden
briefe eines flüchtlings (1838) 1, 2; Baggesen
poet. w. (1836) 2, 344.
bedeutungsmäszig stimmt bis auf das deminutive element tröpfchen, tröpflein
zu tropfen '
gutta'.
vereinzelt auch für '
apoplexia': les gouttes das tröpfflein Moscherosch
gesichte (1650) 2, 480.
gelegentliche für tropfen
nicht bezeugte bedeutungen begegnen in tröpfchen
als pflanzennamen für adonis, s. Graszmann
pflanzennamen 25;
für tröpfflein
als gewichtsbezeichnung: ein guttula ist ein tröpfflein, dieser machen 60 ein quintlein v. Hohberg
georg. curios. 3 (1715) 171
a.
bedeutung und gebrauch. AA. tropfen
bezeichnet die gestalt, unter der eine flüssigkeit in ihrer kleinsten natürlichen ausdehnung auftritt. A@11)
eigentlich. der name der flüssigkeit steht im ahd. und mhd. im partitiven genitiv: tropfo bluotes
Tatian 182, 3
Sievers; ein tropfe wassers Tauler
pred. 30, 110
Vetter; seit dem frühnhd. tritt daneben die flüssigkeitsbezeichnung in den nom. sg.: der tropff wasser Keisersberg
schiff d. pönit. (1514) 44
d; ein tropf regen S. Franck
chron. Germ. (
Augsb. 1538) 211
b; kein tropfen blut Forster
fr. teutsche liedlein 68
ndr.; im 16.
jh. halten sich beide gebrauchsweisen die wage, mit dem 17.
jh. setzt sich aber die jüngere als die bis heute gängige durch. in gewählter sprache hält sich der partitive genitiv jedoch auch in dem folgenden zeitraum: einen tropfen wassers Göthe I 17, 42
W.; tropfen thaus
Shakespeare 1, 197;
häufiger vom blutstropfen
bei meist übertragener bedeutung: kein tropfen blutes J. Chr. Günther
ged. (1735) 6; Marstalier
ged. (1774) 45; Bauernfeld
ges. schr. 5, 119; Geibel
w. (1888) 2, 37.
steht neben der flüssigkeitsbezeichnung ein einfaches adjectivisches attribut, dann hält sich der partitive genitiv schriftsprachlich noch bis heute; dabei steht das adjectiv zunächst in starker flexion: einen tropfen teutsches bluts
in einer gleichzeitigen übersetzung aus U. v. Hutten
op. 1, 401
Böcking; zwen tropfen guts trancks Caspar Hedio
chron. Germ. (1530) 286
b;
gelegentlich auch jünger: tropfen helles thaus Götz
verm. ged. (1785) 1, 173;
seit dem 17.
jh. aber allgemein in schwacher flexion: zwei tropffen bösen geblütes Lohenstein
Arminius 1, 281
a; ein tropfen anderen weines Fontane
ges. w. I 1, 177; den letzten tropfen kühlen wassers W. Raabe
hungerpastor (1864) 171; tropfen heiszen siegellacks G. Hauptmann
bahnw. Thiel (1892) 56;
der nom. sg. für die bezeichnung der flüssigkeit ist neben adjectivischem attribut erst seit dem 17.
jh. bezeugt: ein tropffen römisch blutt Lohenstein
Sophonisbe (1680) 16; einen tropfen patriotisches blut Rabener 4, 69; kein tropfen milder thau R.
Z. Becker
mild. liederb. (1799) 27; ein tropfen kalt wasser fürst Pückler
briefw. u. tageb. 3, 134; drei tropfen süszes gift Mörike
w. 3, 110
Göschen. über die stellung des attributiven adjectivs bei der bildlich gebrauchten wendung ein tropfen blut
sieh unter A 3 d
β. A@1@aa)
anwendungsbereich nach den arten der flüssigkeit. vom wasser schlechthin: ich chom gegangen eine zu einem holen steine, dar uz vloz ein brunne kalt. ich hete die trophen wol gezalt alle wol besunder
kl. mhd. erzähl. 98
a Rosenhagen; rechte alse ein troppfe wassers in eime grossen vasse wines Tauler
pred. 33, 24
V.; lege nachmals die fürlage darfür, ... damit du sehen kanst, wie das wasser gehet und die tropffen fallen Ercker
beschr. aller mineral. ertzt (1580) 65
b; aber so viel tropfen als ich auff ihn spritzete, so viel mahl schrye er à l'ayde Moscherosch
gesichte 2 (1650) 236.
vom regen: ez regent bêdenthalben mîn daz mir des alles niht enwirt ein tropfe Walther v.
d. Vogelweide 20, 36; und wie die dropfen auf das lant pefewchten, das es fruchtpar wirt H. Sachs 18, 282, 14
K.-G.; wie ein gemacher regen mit kleinen tropffen viel besser und fruchtbarer die erden besprenget, als wann eine gähe güsse oder wolkenbruch herabfället v. Hohberg
georg. curiosa (1682) 1, 52;
häufig ist hierbei die verbalverbindung mit fallen: ein regen kam gerunnen, das oben auf mich vil mancher tropf
fastnachtsp. 563, 8
Keller; als die dicken tropfen des nächtlichen sturmregens von noch leise schwankenden pappeln auf unsere häupter fielen Klinger
w. (1809) 8, 85; durch die schwüle luft fielen die ersten tropfen schwer und hörbar auf das laub der waldbäume Frenssen
Hilligenlei 473;
andere verbindungen sind seltener wie: so bald aber ein wetter sich ereignet, ... es ... liechte tropfen zu werfen anfängt Abr. a
s. Clara
etwas f. alle 2 (1711) 75; das wimmelnde gehüpfe der tropfen, die ... auf die fläche des sees niederrieselten H. Seidel
Leberecht Hühnchen (1899) 236;
gemäsz der subjectiven empfindung des vom regen betroffenen stellt sich für stärkere tropfen
in neuerer zeit als epitheton schwer
ein: schwere tropfen des regens Biernatzki
weltgesch. (1856) 5, 8; es regnete, die schweren tropfen fielen in sein haar Storm
s. w. 1, 310; schwere regentropfen G. Keller,
s. teil 8, 525.
vom tropfen
aus der traufe oder vom dach: ûz der schanden traufe viel im nie tropfe an sînen lîp
Frauenlob spr. 129, 4
Ettmüller; daz ich etliche jar in einem hausz gelegen bin, do ein traf (
traufe) in meine oren gegangen ist so lang, das er meine adern hat abgefeulet und die bein des kopfes, auch das hirn, also das der tropff iecz zu dem andern or ausz geet Steinhöwel
Äsop (1487) 59; wie ein immer durchtrieffendes tach. bey einen solchen gibt nichts als lauter tropffen Abr. a
s. Clara
Judas d. ertzschelm (1686) 1, 39.
vom tau, fast immer in dichterisch gehobener sprache, häufiger seit dem empfindsamen 18.
jh.: wer hat die tropffen des tawes gezeugt
Hiob 38, 28; es ist vor dir (
gott) der welten bau so wie ein tropf vom morgenthau Hagedorn
poet. w. (1769) 1, 11; einen kühlen tropfen thau schlürft sie (
die meise) noch daneben Hebbel
w. 7, 145
W. von den tränen: (
die menschen, die an die tür göttlichen erbarmens) vil emcichlichen clophin mit zæherlichen trophen Heinrich
litanei (
hs. G)
bei C. v. Kraus
übungsb. (1912) 51; man sach sîn ougen rêren heizer trehen trophen
Reinfried von Braunschweig 5281
Bartsch; wo sie nun ein tropfen zeher vernäme
buch der liebe (1587) 157
d; ihr nassen zeugen der empfindsamkeit ... ach! so meldet ihr das leid durch die schärfe eurer tropfen Stoppe
Parnasz (1735) 448;
in einem glossar von 1421
wird '
trähne'
durch bloszes tropfen
wiedergegeben: trena (
i. e. lacrima) trenne, trappe Diefenbach
n. gl. 370
b.
die epitheta stimmen hier mit den für träne
geläufigen grosz, dick, hell, bitter, heisz
überein, ebenso die verbalverbindungen: seine streitrosse ... weinen grosze tropfen Ramler
einl. in d. sch. wiss. 2, 175; (
er) weinte helle tropfen U. Bräker
s. schr. 2, 167; dicke tropfen fielen aus seinen augen maler Müller
w. 1, 54; O. Ludwig 3, 694; grosze tropfen rollten über ihre blassen wangen herab U. Bräker
s. schr. 1, 247; sie wischte die bitteren tropfen weg O. Ludwig
ges. schr. 2, 331; die augen, aus denen jetzt die heiszen tropfen hervorbrechen Zahn
helden des alltags 173.
vom schweisz: wer in dise badstub sitzt und nur ein wenig drin erhitzt, das er nur kleine tropffen schwitzt Murner
dt. schr. 1, 2, 43
Michels; mit den gleichen epitheta wie schweisz
selbst: (
er) war müd, ohnmächtig, schwitzet sehr, das ihme mancher heisser tropff ablauffen thet von seinem kopff Spreng
Ilias (1610) 154
b; jeder tropfen vom schweisz, der blutig die wangen herabrollt Lenz
ged. 1
Weinhold; redensartlich: dem alten Lindenberg standen die tropfen auf der stirn A. v. Arnim
s. w. 10, 293;
ähnlich Z. Werner
Martin Luther 232; E. T. A. Hoffmann
s. w. 1, 13
Gr.; dasz sie ... hand an knechtische arbeit legte, dasz ihr die tropfen auf der stirne standen A. Stifter
s. w. 3, 226.
vom blut: samaso tropfo bluotes rinnenti in erda (
sicut guttae sanguinis decurrentis in terram)
Tatian 182, 3
Sievers; ähnlich erste dt. bibel 1, 315, 36; hilf uns durch die süezen tropfen, die Krist lie (
am kreuze)
Mariengrüsze 699
in zs. f. dt. altert. 8, 295
Pfeiffer; da ward die ader verstelt, das ain tropffen pluts nit darausz lieff H. Braunschweig
chir. (1539) 62
a; Mary das blut zur stirn usz ran, mit hellen tropffen thet es uszher brächen Pamphil. Gengenbach 41
Gödeke; und zähl, wie viel der feinde du getödtet, an deiner weiszen kleider rothen tropfen Rückert
w. (1867) 1, 28;
von getränken, vor allem von wein und bier: all wyl ich dise fleschen hon, hat ich kein tropffen wyns gethon in essig krug Murner
dt. schr. 2, 18
Spanier; davon ... auszgan ... nit zwen tropfen guts trancks C. Hedio
chron. Germ. (1530) 286
b; wan du einen tropffen malvasier in ein geschirr voll essig schüttest Grimmelshausen
Simpliciss. 33
Kögel; einige tropfen wein Göthe I 24, 139
W. von gift: also sagt er, und spritzt von seinem verderbendem gifte, ein paar tropfen ins futter der sonst gehorsamen hengste Zachariä
poet. schr. 1, 309; hier ist ein fläschgen, und drey tropfen nur in ihren tranck umhüllen in tiefen schlaf gefällig die natur Göthe I 39, 295
W.; ein tropfen gift Fr. Meinecke
Boyen 1, 248.
häufiger vom öl: die pflegerin sols auf ihr schos legen ... und im ein tropfen oder zwen guts baumöls in die naszlöcher treiffen J. Ruoff
hebammenbuch (1580) 215; weil sie der tropfen öl im lämplein dauert, läszt sie die mägde bei mondschein spinnen Mörike
vier erzähl. (1856) 33; diese nachricht wirkte bei den alten wie ein tropfen öl auf erregte wogen W. v. Polenz
Büttnerbauer 1, 111;
vom salbungsöl: es wird kein haupt über Deutschland leuchten, das nicht mit einem vollen tropfen demokratischen öls gesalbt ist Uhland
in stenogr. ber. über d. verh. d. dt. nationalvers. 7, 4819
Wigand. auch von dickflüssigen, zäheren flüssigkeiten: storax tropf eins paums
voc. theut. (1482
Nürnberg)
nach Lexer 2, 1525; tropff von dem baum (1515) Diefenbach
gl. 554
c; so hand ir hie ein völligs pfund (
salbe) das sy uch in der warheit kund, ein tropf schmeckt durch ein gantzes hus
schausp. d. ma. 2, 193
Mone; nempt ainen tropfen balsams in die handt und halt in gegen der sunnen Schiltberger
reisebuch 79
Langmantel; welches (
schreiben) er ... mit einem tropffen wax zugemacht hat Abele v. Lilienberg
unordn. 2, 61; tropfen heiszen siegellacks G. Hauptmann
bahnw. Thiel (1892) 56; zwei tropfen vogelleim Holtei
erz. schr. 5, 121; er weisz nicht, dasz die bienen viel tausend tropfen honig von einer linde sammlen Chr. Weise
polit. redner (1677) 69.
häufig wird der name einer flüssigkeit mit tropfen
als zweitem bestandteil componiert, bereits mhd. regentropfe, bluottropfe, honectropfe
u. ä., s. mhd. wb. 3, 103
a,
heute bes. regentropfen, tautropfen,
wassertropfen, blutstropfen, schweisztropfen. A@1@bb)
wo das tropfenmäszige auftreten in flusz befindlicher substanzen hervorgehoben werden soll, geschieht es häufig durch präpositionale verbindungen, wie durch in tropfen: ihr (
wolken), die ihr ... ... gottes winke gehorsam, aus euren höhlen in tropfen nur stürzt J. A. Schlegel
verm. ged. (1787) 1, 39; vom gewölbe in hellen tropfen fallendes wasser S. Geszner
schr. (1777) 1, 147; Justin seinerseits gedenkt ... des in tropfen niederfallenden schweiszes in Gethsemane D. Fr. Strausz
ges. schr. 3, 74;
vgl. älteres in tropfen weise: bei regen vellet daz wazzer dar umb her ab in tropfen weise Konrad von Megenberg
natur 81, 31
Pf.; veraltet ist bei tropfen: im beysein der alten verstellt sich die jugend: sie trinckt nur bey tropfen Hagedorn
poet. w. (1769) 3, 96; ach tränk ich dich nicht bey tropfen! leert ich mit einem zuge dich aus! Klopstock
oden 2, 26
M.-P.; die gleiche vorstellung wird durch wiederholung des wortes tropfen
nach einer anschlieszenden präposition ausgedrückt wie bei noch gängigem tropfen für tropfen: willst du, dasz ich dein gift tropfen für tropfen einschlürfen soll Klinger
w. (1809) 3, 284;
ungebräuchlich in andern wendungen: bis tropf um tropfen hell darin zerging Mörike
w. 1, 165
Göschen; in älterem sprachgebrauch in ähnlicher wendung von anhaltendem tränenflusz: ir hertzen waren alle wunt mit jamer und mit rieszen. augen überflieszen mit tropfen uber tropfen Heinrich von Neustadt
gottes zukunft 2763
Singer; begunde Amadis zu weinen, dermaszen dasz ihm ein tropff über den andern die backen abflosse
Amadis 1, 110
Keller; da fieng der liebe, gute alte mann an zu weinen, dasz ein tropffe den andern schlug
V. Herberger
trauerbinden 2, 227. A@1@cc)
das aussehen des tropfens A@1@c@aα)
seiner form nach seltener näher bestimmt, so durch rund, langgezogen
u. ähnl.: von stauden sah ich auch die runden tropfen rollen, die durch des himmels nasz beschwert und aufgeschwollen Triller
poet. betr. (1750) 1, 245; auf einer lilie zittern zwei tropfen rein und rund, zerflieszen in eins und rollen hinab in des kelches grund Hebbel
w. 6, 214
Werner; in dem ersten (
bilde) fällt der goldne regen in langgezogenen tropfen nieder Welcker
alte denkm. (1849) 5, 276;
vgl. unter A 2 a: ein länglich zugespitzter tropfen (
blei) Scheffel
ges. w. 1, 230;
daneben finden sich die gröszenbezeichnungen grosz, klein, dick,
s. unter A 1 a;
gewöhnlich werden die tropfen,
wenigstens einer flüssigkeitsgattung, gleichförmig vorgestellt, wie redensartliche vergleiche zeigen: weil es unmöglich ist, dasz zwei tropfen wasser einander ähnlicher sein sollten, als ich und meine schwester einander sind Lessing 2, 75
M.; und diese bachanalien sehen der langeweile so ähnlich, wie ein tropfen wasser dem andern
schr. d. Göthegesellsch. 4, 228. A@1@c@bβ)
gegenüber den seltenen hinweisen auf die gestalt des tropfens
wird gern sein glanz hervorgehoben: Mary das bluot zur stirn uszran mit hellen tropffen thet es uszher brächen Pamphil. Gengenbach 41
Gödeke; aus Edens ungetrübter quelle schöpfe den lichten, krystallenen tropfen! Klopstock
oden 1, 112
M.-P.; ein breiter quell ... springt donnernd über jähe spitzen, und diamantne tropfen blitzen Gerstenberg
ged. e. skalden (1766) 12; ein stiller wind ... lustwandelte durch die blumen des ufers und beschenkte die blauen kinder des frühlings mit hellen kristallenen tropfen Tieck
schr. (1828) 8, 82; die funkelnden tropfen, die gleich diamanten an allen blättchen hingen Chph. v. Schmid
ges. schr. (1858) 1, 45. A@1@dd) tropfen
wird als mengenbegriff verwendet, um das kleinste masz einer flüssigkeit auszudrücken. A@1@d@aα) ein tropfen
im sinne von '
etwas',
bildlich schon seit dem mhd. belegt, s. A 3: do was nyemant der die edeln frawen mit einem tropffen wassers gelabt oder getröst het Arigo
dec. 92
Keller; anno 1344 war ein so truckner haysser sommer, daz das koren gesäet, gschnitten und gebacken ward, ehe ein tropf regen darauf kam S. Franck
chron. Germ. (1538) 211
b;
in gleichem sinne dienen wendungen wie einige tropfen, ein paar tropfen
zur bezeichnung eines schwachen regens: von zeit zu zeit fielen einige tropfen, und die sonne schien immer dazu Göthe III 1, 189
W.; was wär ich für ein landmann, ... wenn ich die paar tropfen wasser fürchtete Holtei
erz. schr. 8, 172; s hot när e poor troppen higeworfen '
es regnete einige stärkere tropfen' Wenisch
Nordböhm. 163
a; ein tropfen blut: ich ... will ... thun, als ein ehrlicher mann, weil ich das leben oder einen tropffen bluot im leibe habe Reutter von Speir
kriegsordnung 29;
gern gebraucht, wo die vorstellung einer leichten blutmischung zugrundeliegt: hat ymant einen tropfen teutschen bluts in im, und läst sich dise unbillikeyt nit erweychen U. v. Hutten
op. 1, 401
B.; wo uns in adern steckt ein tropfen römisch bluth, vertilg ihn und mein hertz die ärgste schwefelgluth Lohenstein
Sophonisbe (1680) 505; J. J. Schwabe
belustigungen 1, 355; Schiller 2, 40
G.; einen tropfen blut einer welschen ader E.
M. Arndt
s. w. (1892) 1, 158;
vgl. den hieran anknüpfenden bildlichen gebrauch unter A 3
d. ein tropf im eimer
dient im vergleich nach biblischem vorbild zur bezeichnung einer nichtigkeit: die heiden sint geacht wie ein tropff so im eimer bleibt (
quasi stilla situlae) und wie ein scherfflin so in der wage bleibet
Jes. 40, 15; der schepffer ... himels und erden, gegen welcher person alle menschen auff erden ... geachtet sind wie ein tropff so im eymer bleibt Luther 28, 225
W.; diesem sprachbrauch schlieszt sich jüngeres tropfen am eimer
an: nur um den tropfen am eimer, um die erde nur, will ich schweben und anbeten Klopstock
oden 1, 133
M.-P.; die flüsse, die er (
der walfisch) jetzt aus seiner nase dränget, sind gegen ihn (
den ozean) ein tropf, der noch am eimer hänget Wieland I 1, 69
akad.; vgl. noch Hebbel
w. 6, 280
W. A@1@d@bβ)
die vorliegende verwendungsart ist besonders in der negation ausgeprägt, vor allem bei nicht ein tropfen, kein tropfen
im sinne von '
nichts': ez regent bêdenthalben mîn, daz mir des alles niht enwirt ein tropfe Walther v.
d. Vogelweide 20, 36; wenn grosz genug weren die zuber, so belieb des mers nit ein tropf uber
fastnachtsp. 208, 7
Keller; der unglaubig mensch ... hat nit gwalt auch ain bissen brots zu essen, nit ain tropfen wasser zu trincken Eberlin von Günzburg
s. schr. 2, 14
ndr.; dann mumia ist der mensch selbst. mumia ist der balsam, der die wunden heilt: der mastix, die gummi, die glett,
etc. vermögen nicht ein tropfen fleisch zu geben Paracelsus (1616) 1, 42
a Huser; (
es) fiel in der stadt ... viel regen, indess nur 3 geogr. meilen ostwärts nicht ein tropfen herabkam Ritter
erdkde (1822) 5, 710. der müller findt man warlich vil, die alle wasser uf ir müll richten, das es rusch do here, ob sunst niendert kein tropffe were Murner
dt. schr. 4, 37
Bebermeyer; o lieber sohn, die flasch ist lär. kein tropff wassers ist darinn mehr H. Sachs 10, 47
K.; an einem see, da sich kein tropff bewegt, kan man in stillen chören die schwächsten stimmen hören Zinzendorf
kl. schr. (1740) 3; ich habe keinen tropfen rahm im hause Fontane
ges. w. I 4, 29; sie drängten sich zu ihm, als dürften sie keinen tropfen einer versiegenden heilquelle verloren gehen lassen Kolbenheyer
Paracelsus 3, 389; (
man soll) inen (
den säuen) den ... tag vorhin keynen tropffen zu trincken geben Sebiz
feldbau (1575) 134; ich hab heut noch nicht einen tropfen getruncken Kramer
teutschital. 2 (1702) 1149
a; ich hab heut noch keinen tropfen gekostet Gellert
s. schr. (1839) 4, 262; 'basta! und keinen tropfen mehr!' war und blieb (
bei den nötigungen des gastgebers) mein letzter trumpf Nettelbeck
lebensbeschr. 2 (1821) 170;
anders: füll mir noch einmal diesz glas, noch ein einzigmahl; und um die welt keinen tropfen mehr maler Müller
w. 1, 171. A@1@d@gγ)
das redensartlich verwendete der letzte tropfen, bis auf den letzten tropfen
geht gleicherweise von der vorstellung des tropfens
als kleinstem übrig bleibendem teil einer flüssigkeit aus: wie die destillierkolben, welche aus denen blumen den letzten tropfen heraussaugen Abr. a
s. Clara
etwas f. alle (1711) 2, 29; er liebt dich, als sein bestes gut, und opfert, um dich zu vergnügen, dir auch den letzten tropfen blut J. J. Schwabe
belustig. 3, 158; des sonntags auf der kegelbahn setzt alles auf dein wohlsein an, und schlürft den letzten tropf J. H. Voss
s. ged. (1802) 2, 92; das war der letzte tropfen wasser, welcher das gefäsz überflieszen liesz L. Häuszer
dt. gesch. (1854) 2, 276;
auf nd. boden sprichwörtlich: wär den lesten droppen wil hebben ut der kannen, däm fellt de deckel up de näse
bei Wander 4, 1336;
vgl. auch den bildlichen gebrauch unter A 3 b. bis auf den letzten tropfen: sie trinckts hertzhaft bisz auf den letzsten tropffen herausz
theatr. amoris (1626) 209;
ähnlich C.
F. Meyer
Jürg Jenatsch 72; fliesz dann, treuloses blut, bisz auf den letzten tropffen Hoffmannswaldau
ged. (1697) 2, 28
Neukirch; tausend bösartige insekten ... setzen ihr gift ... bis auf den letzten tropfen ab Gentz
schr. 2, 29
Schlesier; bis auf den letzten tropfen hab ich ihn geleert — den kelch des schmerzes und der wonne
Z. Werner
söhne d. thales 2, 350;
vgl.: bis zum letzten blutstropfen
teil 2, 193. A@1@d@dδ)
sprichwörtliche und redensartliche verwendung von tropfen
geht gern von der mengenvorstellung aus, einerseits zum ausdruck eines kleinen, unbedeutenden umstandes: (
die klagen sind) tropfen auf einem glühenden stein Fr. L. Jahn
w. 2, 605
E.; dergleichen versuche sind bei mir gemacht worden, ohne mehr zu wirken als ein tropfen kalt wasser auf einen stein Pückler
briefw. u. tageb. 3, 134; Traugotts kleine ersparnisse ... waren in Splendheims grandiose bedürfnisse geworfen, eben nur flüchtige tropfen auf einen heiszen stein Holtei
erz. schr. 25, 24; die nachricht wirkte bei den alten wie ein tropfen öl auf erregte wogen W. v. Polenz
Büttnerbauer 1, 115; Arndts wiedereinsetzung freut mich, ... aber es ist ein tropfen wasser in der wüste Dahlmann
an Jac. Grimm, briefw. 1, 395;
heute noch redensartlich. auf der andern seite führt der gedanke, dasz aus einer menge kleiner einheiten schlieszlich ein groszes ganzes erwachsen kann, zu sprichworten, wie: aus vielen tropfen entsteht ein regen (
minutula pluvia imbrem parit);
ähnlich: aus tropfen wird ein groszer flusz, aus flüssen ein see Wander 4, 1335;
ferner: ein tropfen nach dem andern macht den kübel voll (
guttatim etiam impletur vas)
ebda; ähnlich ist die vorstellung von der endlichen wirkung kleiner ursachen in dem geläufigsten sprichwort steter tropfen höhlt den stein,
wohl einer umdeutschung des Ovidischen gutta cavat lapidem und des mittellat. gutta cavat lapidem non vi sed saepe cadendo, s. Büchmann (1926) 438;
schon mhd.: den stein der tropfe dürkel macht dicke vallent, niht mit kraft Thomasin von Zirclaria
w. gast 1921
Rückert; swie kleine kraft ein tropfe hât, er machet durch den stein ein loch. lîp, daz kumet iedoch von des trophen krefte niht: von der emzekeit ez geschiht daz er dicke vellet dar
erstes büchlein des Hartmann von Aue 1620
Haupt; ein weycher tropff hölet auch die stein ausz Seb. Franck
sprichw. (1541) 1, 130
a; stets tropffen hölern die steyn ausz
sprichw. schöne weise klugreden (1548) 138
a;
ähnlich in fast allen sprichwörtersammlungen bis in die neuzeit. A@1@d@eε)
die vorstellung, dasz eine flüssigkeit in eine unzahl von tropfen
als kleinster einheiten zerfällt, führt im hyperbolischen vergleich zur veranschaulichung des unzählbaren, der überaus groszen menge, vor allem vom regen, nach biblischem vorbild: arenam maris et pluviae guttas et dies saeculi quis dinumeravit ecclesiasticus 1, 2: keines menschen sin ... ... zelet ouch den stoup der sunnen, die regens tropfen der Meiszner
bei v.
d. Hagen
minnesinger 3, 86
a; griez unde stoup, gras unde loup, regens tropfen unde steine (
könnten in ihrer gesamtzahl Mariae lob nicht vollends verkünden) Herman Damen
ebda 3, 160
b;
vgl. Frauenlob
spr. 265, 5
Ettmüller; wer hat zuvor gedacht, wie viel sand im meer, wie viel tropffen im regen, und wie viel tage der welt werden solten
Jesus Sirach 1, 2;
ähnlich H. Sachs 19, 4
lit. ver.; so wenig ... alle tropffen des regens gezehlt werden mögen
volksb. v. dr. Faust 39
Braune; geb euch gott viel tausent seegen als in meyen tropffen regen
Königsb. dichterkreis 202
ndr. in der formel tropfen im meer: so vil tropffen in dem meer so vil höfflichkeit und lachenlieblich machen deinen teuren purpurmundt Zinkgref
auserl. ged. 43
ndr.; du, Christian, der viert, an dem ein jeder zählet mehr edler tugenden, als troppen sind im meer Rist
Parnasz 603.
in ähnlicher vorstellung: (
sag) von wunsch ir dar zu liebes me denn trophen hab der Bodemse Laszberg
liedersaal 1, 96, 58; viel mehr sind ahrten meiner pein, als tropfen in den seen sein Neumark
musik.-poet. lustw. (1657) 1, 375; teiche, in welchen sich mehr menschen ersäuft haben, als tropfen wasser darinne sind Lessing 2, 150
M.; welche der himmel mit so vielen vergnügungen, als die Donau tropffen führt, ... erwiedern wolle S. v. Birken
verm. Donaustrand (1684)
vorr. 4. A@1@d@zζ)
des weiteren dient die vergleichende gegenüberstellung eines einzelnen tropfens
und einer flüssigkeitsmenge gern zum ausdruck eines überaus groszen abstandes, der den mit dem tropfen
verglichenen gegenstand als winzig oder auch geringwertig erscheinen läszt, vgl. auch den bildlichen gebrauch unter A 3 c.
wiederum in dem gegenüber von tropfen
und meer,
vielleicht an biblischen brauch anschlieszend, vgl. ecclesiasticus 18, 8
quasi gutta aquae maris: und dar umb sol man got zuo kainen hailgen zellen, wan sin tugend sint reht als daz mer wider ain trophen
st. Georgener prediger 28, 24
Rieder; Salomon sprichet: alle dinc sint also cleine wider gode alse ein trophe wider dem wildin mere
parad. anime intell. 126, 29
Strauch; der beyfall der primaner und zeitungsschreiber ist ... in absicht des ruhms eines werks, was ein tropfen im weltmeer ist Lichtenberg
verm. schr. 1, 320.
als variation dazu das in der klassik beliebte gegenüber von tropfen
und ozean: ozean der welten, sterne sind tropfen des ozeans Klopstock
oden 1, 153
M.-P.; namentlich bei Herder: wir finden uns ... ganz umringt von ... macht und übermacht der schöpfung, dasz wir in ihr nur wie tropfen im ocean zu schwimmen scheinen
w. 16, 256
S.; ähnlich 3, 248; 6, 478.
weiterhin: bei der neuen ausgabe des grafen Rudolf denken sie vielleicht, wie man so viel mühe ... an ein paar bruchstücke wenden könne, die in ihrem werk wie ein tropfen in dem breiten strome vorüber eilen W. Grimm
in briefw. zw. J. u. W. Grimm, Dahlmann u. Gervinus 2, 64. A@1@d@hη)
das gleiche bild umschreibt auch ein verhältnis innigster verschmelzung, durch die ein einzelnes in der höheren einheit völlig aufgeht; wurzelnd im gebrauch der mystik: er (
der geist des menschen) wart also ein mit der suossekeit der gotheit ... daz er sich verluret, rehte alse ein troppfe wassers in eime grossen vasse wines Tauler
pred. 33, 24
V.; er (
Jesus) ist der brunn und wir (
sind) seine tropfen in ihme Jac. Böhme
v. d. menschwerdung Jesu Christi (1682) 80. A@22)
uneigentlich. A@2@aa)
auf feste stoffe angewandt. A@2@a@aα)
von gefrorenen wassertropfen: stiria eyn tropff Diefenbach
gl. 553
c;
vgl.: stiria droppel
in dem nd. nahestehenden glossaren ebda; die gefrornen tropffen Schaiden-Reisser
Odyssea (1537) 61
b; ein hangender tropff
stiria Aler (1727) 2, 1922
a; selbst wenn die pracht Pomonens längst vergangen, an Äols bart gefrorne tropfen hangen J. Fr. Löwen
schr. (1765) 1, 100.
von glühendem flüssigem wachs: nun schleuderten die ... wachskerzen glühende tropfen E. T. A. Hoffmann
s. w. 10, 23
Gr. beim glasflusz wird als glastropfen '
ein plötzlich erkalteter tropfen
flüssigen glases'
bezeichnet, s. Heyne 1 (1890) 1190; diese gläsern helle und gläsern zarte und auf einmal — wie ein tropfen geschmolzenen glases hängt — von leidenschaft gefüllte stimme Wilh. Schäfer
erz. schr. (1918) 2, 180.
ähnlich von metallen in flüssigem oder erstarrtem zustande: da wir (
bergleute) die schönen stüflein, gediegen ertz, glaszertz tropffen heiszen, die wunderbarlicher weise mitten in dem gelligen stein, in den gengen auffeinander getroffen sein, wie das wachsz von dem angezündten liechte über einander treuffet und gestehet Mathesius
Sarepta (1578)
vorr. 2
a; (
im wasser) war das blei zusammenhängend geblieben, ein länglich zugespitzter tropfen Scheffel
ges. w. 1, 230;
vgl. bleitropfen
teil 2, 103;
in frühem dichterischem vergleich unmittelbarer vom vorgang des träufelns her: in einem blâwen plîât diu schœne was gesloufet, dâ wâren în getroufet von golde tropfen cleine Konrad von Würzburg
Troj. 7467. A@2@a@bβ)
auf tropfenförmige gegenstände aus an sich fester substanz übertragen findet tropfen
als fachausdruck in der architektur nach lateinischem vorbilde verwendung; es wird dadurch bezeichnet '
ein cylindrischer oder konischer körper unter einer platte, wie er an einer platte unter den triglyphen sich in gruppen als zierath findet' Schönermark-Stüber
hochbaulex. (1902) 849; die höhe des epistiliums oder architrab (
bei der dorischen baukunst) sol die höch eines models halten mit der tenia oder leisten, und den guttis oder tropffen, die leist oder tenia sol ein sieben theil des models breit sein, die leng der gutten oder tropffen gegen dem trygliphen sampt der leisten, den sechsten theil eines moduli herabhangen Rivius
Vitruv (1575) 300; darnach die gantze breite desz archatrabs geteilt in sechs teil, ist ein teil die tropffen oder schällen H. v. Blum v
columnae (1596) 2; siehet man von einem dorischen architrave den untern balken übrig, an welchem die sogenannten tropfen hängen Winckelmann 1, 358. tropfen
wird ferner zur bezeichnung einer perle oder eines brillanten oder anderer schmuckstücke in tropfenform verwendet: tropfen '
werden diejenigen perlen genannt, so zwar länglich, aber doch fast rund sind' Jacobsson
techn. wb. 8 (1795) 21
b; tropfen '
werden auch die ganz runden perlen genannt' Brosenius
technol. (1819) 1, 237; '
gefaszte perle' Birlinger
schwäb.-augsb. wb. 125; hättest immerhin tropfperlen kaufen können, hast ja ohnehin nichts hübsches in den ohren. wie ich mein Juck (
seine frau) kenne, wird sie schon noch ein paarmal zum Swoboda hatscherln und am ende die tropfen doch heimbringen Benedek
nachgel. papiere 158
Friedjung. vgl. auch perlentropfen = perlenauge
teil 7, 1558. tropfen '
ein groszer brillant' Birlinger
schwäb.-augsb. wb. 125; ein brillanter tropfen
ohrgehänge (
Wien) Schmeller-Fr. 1, 673;
längliches ohrgehänge: mei frau had von ihrn vater schöne tropfn ins ohr kriaget Hügel
Wiener dialekt 167
b; Nicolai
österr. id. 137.
dichterische übertragung auf tropfenförmige dinge ist ganz vereinzelt: drei reihen von ... weizenähren übereinander, ... umzittert von den ... schlanken tropfen des hafers Cl. Viebig
schlaf. heer (1904) 1, 93. A@2@bb)
übertragen auf flecken und male von tropfenmäszigem aussehen, nach lat. vorbild vornehmlich in der naturkunde, so schon tröpfel
an edelsteinen bei Konrad v. Megenberg 439; 449
Pf. (
s. u. sp. 886); vornen an der angesicht sind (
beim schwarzfalken) die tropffen und die falckenmäler fast schwartz umbgeben mit ainer dunckeln plaich (
in facie autem guttas falconarias habet nigras) Mynsinger
v. den falken 13
Haszler; intertinctus guttis aureis (
Plinius) gefärbt, gezeichnet oder gesprengt hin und här mit maasen oder fläcken gleich wie guldin tropffen Frisius
dict. (1556) 724
b;
s. auch tropfenfleck, tropffarren, tropfkraut, tropfpunkt, tropfwurz
und träufen A 2 b
β,
teil 11, 1, 1, 1418. A@2@cc)
die übertragung von tropfen
auf den lichtschein, der häufig in vergleich mit einer flüssigkeit gesetzt wird, erscheint dichterisch gern zur bezeichnung von lichtflecken: es schlürft der goldne sonnenschein in tropfen an mir nieder Mörike 1, 53
Göschen; da plötzlich flammte es blendend auf, wie wenn tropfen überirdischen lichtes in die dunkle erdatmosphäre herabsänken G. Hauptmann
bahnwärter Thiel (1892) 31;
wiederholt vom mondlicht: nur einzelne tropfen des mondlichts sickerten durch zerstreuete ... bergöffnungen durch Jean Paul 15-18, 261
Hempel; am fenster, mit bleichen tropfen des hereinscheinenden mondes betupft, das schreibgerüste Stifter
s. w. 2, 137;
vgl. auch: das mondlicht ... hing sich wie tropfen an die dunklen blätter Storm
w. (1899) 1, 109. A@2@dd)
gelegentlich mehr oder weniger bildlich von groszen funken, vgl. auch triefen
unter A 1 a
β und B 1 a
α: das kind brannte über und über, und es fielen feurige tropfen von ihm herab Göthe I 23, 11
W.; vgl. seit dem 16.
jh. belegtes feuertropfen '
scintilla'
teil 3, 1606. A@33)
die verwendung des wortes tropfen
in bildlichem verstande geht gewöhnlich von der vorstellung des mengenbegriffs aus und gilt wie im eigentlichen gebrauch (A 1 d)
zum ausdruck des kleinsten maszes einer substanz; sonst finden sich in bildl. übertragung noch wendungen wie bei tropfen, tropfen für tropfen
u. ä. gemäsz ihrer unter A 1 b
bezeichneten anwendung: was die erde gibt, ist kein vollwerck, sondern stückwerck, sie gibt nur bey tropffen, dem einen disz, dem andern das H. Müller
geistl. erquickstd. 714) 517; man schlingt die lüge, die uns schmeichelt, in vollen zügen hinab, und kostet tropfen für tropfen die wahrheit, die uns bitter ist Göthe I 45, 80
W.; es wird ihnen recht schlimm gewesen sein in der gebundenheit dieser krankheit, die bei vollkommener besinnung läszt, um das ganze übel von tropfen zu tropfen zu schmecken Görres
briefe (1858) 3, 628;
im sinne von A 1 d: A@3@aa)
in der form ein tropfen, der einzige tropfen, einige, ein paar tropfen
u. ä. (
vgl.A 1 d
α),
zunächst in geistlicher literatur: A@3@a@aα)
von göttlichem wesen, von vernunft, geist u. ä. zuerst in einer übersetzung: sumeliche trophen gotes tougeni Notker 2, 245
zu: quaedam stillicidia de sacramentis psalm 64, 11;
öfter in mystischer literatur: daz ein einig troppfe sinre gotheit der krancker durchlidender menscheit nie einen ougenblig zu helffe enkam Tauler
pred. 62
Vetter; nu neme wir in der sele, die einen trophin hait fornuftikeit, ein funkelin, einen zvic
paradisus anime intell. 75, 17
Strauch; wo die armen blinden lewte ein einigen troppen verstands hetten, sollten sie billich greyffen, das es eyttel tewffelsch und erlogen wer H. Emser
sendbrieve M. Luthers (1527) a 2
a; so lange ein tropfen geist in mir ist, wird er voll verlangen nach ihrem glücke seyn Gleim
briefw. 1, 227
Körte; auch in bildlicher anlehnung an ein tropfen wein
u. ä. (
s.A 1 a): in den späteren zeiten, da man ... aus ihr (
der homerischen mythologie) ein paar tropfen metaphysischen geist abzog Herder 3, 114
S.; traurig ist es, wenn ein phlegmatisches geschöpf zu jedem geistreichen tropfen, den uns die süsze phantasie einschenkt, wasser gieszt Knigge
umgang (1796) 2, 71. A@3@a@bβ)
von angenehmen empfindungen, mhd. namentlich geistlich: wan dû hâst der wâren minne einigen tropfen niht Berthold v. Regensburg
pred. 1, 545
Pf.; wen nimand mag himelische freude, so lang er auff diszer erden ist, volkomlich emphan sunder als ein tropff der sam nichts ist gegen der warheit
buch gaistl. gnaden (1503) 17
b; sah er, wie jämmerlich ich mich winden und zerren muszte, um wieder einmal einen tropfen freude an ihrem herzen zu fühlen Lenz
ges. schr. 3, 148
Tieck; ähnlich Hölderlin 1, 98
L.; E.
M. Arndt
w. 5, 78; die tropfen der liebe flogen in alle empfindlichen theile unserer seelen Heinse
s. w. 3, 79
Schüddekopf; ähnlich Hayneccius
H. Pfriem 73
ndr.; Hölderlin 2, 155
L.; Geibel
nachl. 78;
in diesen bereich gehört auch, triefen
in bildlichem gebrauch entsprechend: nur einen kleinen tropfen linderung! gib mir, gott, den kleinen tropfen Lenz
ges. schr. 1, 174
Tieck; könntest du meiner heiszen leidenschaft einen tropfen linderung geben Göthe I 8, 74
W.; ebenso I 19, 47; keinen tropfen linderung in der fieberhitze Bettine
dies buch gehört d. könig 2, 459;
ferner: ein tropfe schwachen trosts Ayrenhoff
w. 2, 45. A@3@a@gγ)
von schmerzlichen empfindungen: disz ist eyn tropffe odder vorschmack der hellischen peyn Luther 18, 481, 24
W.; vielleicht sind nur noch wenige tropfen todesangst übrig Hippel
lebensläufe (1778) 1, 152; dies war der einzige tropfen bitternisz in seiner seeligkeit H. Seidel
vorstadtgesch. 151. A@3@a@dδ)
von der zeit, beeinfluszt von der vorstellung der dahinrinnenden zeit, des zeitstroms, wie der vergleich dartut: so wie ein tropfen in dem bach folgt in der zeit ein augenblick dem andern nach ins meer der ewigkeit Chr.
F. Weisze
lieder f. kinder 25; du siehst die dinge schwarz, gebrochen und verstellet, nach deinem raupenstand und einem tropfen zeit Haller
ged. 181
Hirzel; Schubart
briefe 1, 59
Strausz; Matthison
schr. 1, 35; jeder tropfe zeit ist eine sterbeminute der freuden, jeder wehende staub der leichenstein einer begrabenen wonne Schiller 2, 353
G. A@3@a@eε)
seltener von sonstigen abstractis: bis hieher reicht die wut des ungeheuers nicht, ein tropfen freiheit ist genug, sie auf immer zu lähmen Novalis 4, 17
M.; s. auch unter A 3 c. A@3@bb)
in anlehnung an A 1 d
γ wird auch der letzte tropfen
bildlich gebraucht: sie wollen mit gewalt poeten sein, ... sie erpressen auch die lezte trübe tropfen ihres verstandes Bodmer
sammlung crit. schr. (1741) 1, 79; in der sittlichen entrüstung ... ging der letzte tropfen abschiedswehmut ohne residuum auf W. Raabe
hungerpastor (1864) 1, 194. A@3@cc)
gern findet sich die gegenüberstellung des einzelnen tropfens
und einer gröszeren menge flüssigkeit im sinne von A 1 d
ζ;
entsprechend A 3 a
α: der ich nicht ein tropffen weisheit hab und der feind hat ein gantzes meer vol Luther 32, 121, 17
W.; entspr. A 3 a
β: ich hatte eine unausprechliche sehnsucht, nur einen tropfen von freude zu empfangen, es schien ein ganzes meer davon ... ausgegossen, nur ich allein ging leer aus H. v. Kleist 5, 219
E. Schm.; ein tropfe schwachen trosts, und nun ein meer von qualen Ayrenhoff
w. 2, 45;
entspr. A 3 c
γ: ein tropfe hasz, der in dem freudenbecher zurückbleibt, macht den segenstrank zum gift Schiller 13, 260
G.; so muszte Dietrich, ... erfahren, dasz ein tropfen hasz zäher leimt als ein fasz voll liebe W. Schäfer
die 13
bücher (1925) 51;
entspr. A 3 c
δ: ... ein tropfen freiheit kann ein ganzes maasz voll gram versüszen Gökingk
gedichte (1780) 1, 134. A@3@dd)
in besonderer weise wird ein tropfen blut, ein ... tropfen im blut
im sinne von A 1 d
α zur kennzeichnung der gesinnung verwendet. A@3@d@aα) ein tropfen blut: kein tropfen blut ist in meim leib, zart werdes weib, der dir args gund G. Forster
t. liedlein 68
ndr.; wer noch ein redliches herz und einen tropfen patriotisches blut in adern hat Rabener
s. w. 4, 69.
das attributive adjectiv steht oft neben tropfen
statt neben blut,
da ein tropfen blut
in dieser bildlichen verwendung einen einheitlichen, festen begriff ausmacht: der hat keinen ehrlichn tropffen bluth Rollenhagen
froschmeuseler (1595) j 2
a;
in gleicher wendung bei Opel-Cohn
dreiszigjähr. krieg (1862) 222; wer nur einen ehrliebenden tropfen bluts im leibe hat Gottsched
dt. schaubühne (1741) 1, 245; einen redlichen tropfen bluts Lessing
w. 2, 84
M.; koan frischen tropfa bluat
bei Hartmann
volksschausp. in Bayern u. Österreich (1880) 261; kä gude drobbe blut meh han '
körperlich heruntergekommen sein' Follmann
lothr. 106.
vgl. auch ein christlicher blutstropfen, ein redlicher, rechtschaffener blutstropfen
seit dem 17.
jh. bezeugt, s. teil 2, 193. A@3@d@bβ) tropfen im blut: (
die sorglichkeit) ist ein fremder tropfen in meinem blute Göthe I 8, 230
W.; vornehmlich in Niebuhrs blute flossen einige tropfen kerniger demokratischer gesinnung Treitschke
hist. u. polit. aufsätze (1886) 1, 395. A@44) tropfen
als negationsverstärkung in der verbindung nicht ein(en) tropfen
wird auf zunächst sinnliche vorstellungen zurückgehen, wie sie im sinne von A 1 d
β gerade neben der negation häufiger sind; über den anfang des 16.
jh. hinaus ist diese verwendung von tropfen
nicht mehr bezeugt: do setzet er sine wise für und kert sich daran nüt einen tropfen Tauler
predigten 73
V.; es ist eine lieblingswendung von Geiler v. Keisersberg: man sagt nichtz meer von got, von den tugenden nichtz meer oder von der conscientz. nain, nit ainen tropfen
geistl. spinnerin (1510) f 3
c; aber du laufst nit zu got; ja wol, nit ainen tropfen; du gedenckst unsers herrgots nymer
has im pfeffer (1510) B b 1
d; so voller sterck, tugend und manheit bin ich, das ich nicht ein tropfen noch des weibs und kinder bitten ... und heulen fragt Er. Alberus
widder Jörg Witzeln (1539) k 5
a;
gelegentlich auch um kein(en) tropfen: hastu uns etlich knecht gelezt, das soldu dich um kain tropfen frewen (1504) Liliencron
volkslieder 1, 512
a.
zu diesem befunde stimmt das ahd.: semergot elfe, ne haben ne trophen
i. si me deus adiuvet, non abeo nihil altdt. gespr. 48
in ahd. gl. 5, 518, 31.
hierher gehört auch die ahd. negationsverstärkung ni drof, noh drof,
die gramm. 3, 730
und Müllenhoff-Scherer
denkmäler 2
3, 87
analog dem mhd. ni blat, ni wiht
erklären. A@55) tropfen
gilt, pluralisch gebraucht, seit dem ausgang des 17.
jh. auch als bezeichnung für eine medizin, die in tropfenform genommen wird, vgl. engl. drop '
arzenei in tropfen': ich bilde mir ein, dasz die tropffen, so euch so woll bekommen ..., von den englischen dropffen sein Elis.-Charl. v. Orleans
br. 3, 284
Holland; ich darf dabey zu keinem artzte lauffen, noch trinckbar gold und bittre tropfen kauffen
vernünft. tadlerinnen 1, 378; ihr tragischen ärzte, die ihr uns statt dieser ausführenden oder stillenden tropfen tollwurzel ... reichet Herder
w. 23, 356
S.; wird aber sein magen ... durch stärkende pillen und erfrischende tropfen warm Fr. L. Schröder
dram. w. 1, 12; auf veranlassung des arztes verschluckte sie starke dosen temperierender pulver und tropfen Musäus
volksm. (1805) 2, 176; herzstärkende tropfen Eichendorff
sämtl. w. (1864) 2, 515;
eine bestimmte medizin: ich will meine braunen tropfen nehmen und mich ins bett legen Geibel
ges. w. (1893) 7, 118; Hoffmanns tropfen Fischer
schwäb. 2, 402,
von dem Halleschen prof. Friedrich Hoffmann (
gest. 1742)
und nach ihm benannt, vgl. P. Diepgen
gesch. d. med. 3 (1919) 72.
bes. für die als altes hausmittel weit verbreitete Hing-fongessenz: gib mir von den grünen tropfen ... ein biszchen hilft es doch immer Fontane
ges. w. I 5, 260;
vgl. auch die zusammensetzungen: eisen-, stahl-, augen-, brust-, magen-, krampftropfen
u. ä. A@66)
seit ende des 18.
jh. ist tropfen
ohne bestimmendes substantiv für wein bezeugt, pro toto, gewöhnlich mit einem auszeichnenden epitheton: es lebe freund Bacchus, der heut uns ergötzt, der unsere tafel mit flaschen besetzt veredelt zu himmlischen tropfen Kretschmann
s. w. 6, 270; sprach der bischof: 'heil dem lande, das solch edle tropfen sendet' Fr. W. Weber
Dreizehnlinden (1907) 90; langsam schlürfte er den säuerlichen wein, der nach den tropfen des Kastnerschen hauses ein wenig leer schmeckte Kolbenheyer
Paracelsus (1926) 3, 188;
insbes. singul.: ein guter tropfen: (
im wirtshaus,) wo man ... seinen durst mit einem guten tropfen stillen konnte Auerbach
auf d. höhe (1871) 1, 21; bringt Bacharacher von dem bewuszten jahrgang, den besten tropfen, der im keller liegt W. H. Riehl
culturgesch. nov. 261; war das der dank für den guten tropfen, auf den man ihretwegen verzichtete W. Raabe
Horacker (1876) 88.
auch mundartlich, sieh z. b. Friedli
Bärndütsch 5, 276; J. Jakob
wb. d. Wiener dialekts 196
a; Hönig
Köln 38
a; Meyer
der richtige Berliner (1925) 55. BB. tropf, tropfen
als krankheitsbezeichnung für den schlagflusz, den hitzschlag, die gicht und rheumatische erkrankungen. es übersetzt lat. gutta,
das im sinne der humoralpathologie medizinischer terminus für eine ganze reihe von krankheiten war, s. Höfler
dt. krankheitsnamenb. 752
b; Lessiak
in zs. f. d. altert. 53, 112
ff.; vgl. noch ital. gotta,
frz. goutte '
gicht'.
vql. auch triefte
teil 11, 1, 2, 481, tripfe
ebenda 637
sowie gutt
teil 4, 1, 6, 1477. tropf, tropfen
ist in dieser bedeutung innerhalb des germ. bereits im ags. als dropa '
paralysis, colera' Bosworth-Toller 215
a;
suppl. 158
b und im frühmhd. belegt, ferner im mnl. als drope '
gicht, hautausschlag, wassersucht' Verwijs-Verdam 2, 439.
es findet sich im deutschen bis ins 17.
jh. hinein in geläufiger verwendung bezeugt, lexikalisch noch bis ins 18.
jh., nach Adelung 4, 693
jedoch nur noch fürs obd. die benennung tropf(en)
wird sich, wie Lessiak
a. a. o. 113
meint, zunächst an gutta
in der bedeutung '
tropfenförmiger punkt oder fleck, farbiger fleck überhaupt'
anlehnen, womit verschiedene arten von ausschlag, dann auch die gichtknoten bezeichnet werden konnten. '
vermutlich auf volkstümlicher umdeutung der alten säftelehre'
beruht dann der glaube an die drei verhängnisvollen blutstropfen, die im kopfe hangen, eine vorstellung, '
die namentlich die auffassung von tropfen
als '
schlag'
gefördert zu haben scheint'
ebda 114.
danach wird ein eigentümlicher saft im blute des menschen tropfenweise in die organe ausgeschieden. der erste tropfen fällt durch den tropfgang in die glieder als gicht (
gutta arthretica, podagra);
der zweite ins gehirn oder rückenmark als schlagflusz (
apoplexia);
der dritte ins herz und bleibt dort hängen, erstickt das herz und führt den tod herbei, s. Höfler
krankheitsnamenb. 753
a ; M. Heyne
dt. hausaltert. 3, 122.
dieser glaube ist auch ins volk gedrungen, vgl. Keisersberg
evang. (1517) 151
a; Agricola
sprichw. n 1
b; Rosegger
als ich noch jung war 110; Rochholz
dt. glaube (1867) 1, 41.
da sich die bedeutungen von gutta bei Ducange 4, 143
fast ganz mit denen von tropfen B
decken, und da auch im heutigen glauben der Romanen ähnliche vorstellungen herrschen, darf man den dt. volksglauben wohl auf spätantike und frühmittelalterliche volksmedizin zurückführen. B@11)
schlagflusz. am häufigsten wird tropf(en)
im sinne von schlag 5 a (
s. teil 9, 320
f.)
gebraucht und begegnet oft synonym in verbindung mit diesem wort. B@1@aa)
wie schlag
bezeichnet tropf(en)
die oft kaum unterschiedenen arten von apoplexia, paralysis und hemiplexia: der tropfen oder schlag
apoplexia (1445)
bei Schmeller-Frommann
bair. 1, 673;
apoplexia tropff, tropfe, tropfen (15.
jh.) Diefenbach
gloss. 41
a;
apoplexia der schlag, tropff oder das gut Frisius (1556) 104
a;
tandem tropf
est lethalis ille percussus nomine apoplexia der schlag Stieler 2330; tropff, der schlag
apoplexia Aler
dict. (1727) 2, 1921
b.
paralysis tropff (15.
jh. obd.) Diefenbach
nov. gloss. 280
a;
paralysis der schlag
vel tropff
vel lämme des leibs Dasypodius (1536) 165
a;
paralysis verlust oder beraubung der empfindtligkeit und bewegnusz eines teils am leyb, der tropff Frisius (1556) 945
a; paralysis, welches eine solche krankheit ist, die das frei hurtig bewegen eines glieds am menschlichen leib vil oder wenig verletzet. das nennen wir den tropf, schlag, gottes gewalt oder gottes hand Wirsung
arzneibuch (1584) 117; Lonicerus (1604) 122
b.
hemiplexia tropff zu einer seiten
bei Scherz-Oberlin 2, 1665; der schlag oder tropff uf eyner seiten, so nur der halbteyl des leibs lam ist Dasypodius (1537) 292
c; die handt gottes hat in gerürt, daz ein halb syt im lamm waz. ir nennens den schlagk oder den tropffen Keisersberg
post. 3, 93
b; kalte gebresten des hirns, als da ist der schwindel, gantze und halbe schlag oder tropff H. Bock
kräuterb. (1587)
register ggg 2
a. —
auch von tieren: der tropff oder schlag ... macht das pferd nicht allein fallen, sondern benumpt ime auch alle bewegung Uffenbach
n. roszbuch (1603) 2, 47. B@1@bb) tropf(en)
hat die gleichen typischen verbalverbindungen wie schlag 5 a (
s. teil 9, 321): der tropf(en) rührt, schlägt, trifft einen menschen, rührt ein glied: umb ein tötlichen hieb ... am haubt painschrötig bis hinein ufs hirnfele, von demselben in der tropf gerurt, geburt 30 lb. newer heller
stadtr. von Hof (1436)
in zs. f. rechtsgesch. 32, 158; da bracht man einen dar uff eim bette, het der schlack geschlagen oder der tropff ... het in gerürt Keisersberg
evang. (1577) 150
d; (
die päpstlichen) haben ein starcke schwindsucht kriegt, vieleicht wird sie der tropf und sterbedrüs (
pest) auch bald rüren Luther 6, 359
a Jen.; vom tropff gerührt werden
estre frappé de l'apoplexie Hulsius (1616) 330
a. schlagen: rosen wasser ... ist gut so ein mensch der troff geschlagen hat und nit reden kan H. Braunschweig
distilierb. (1500) 98
b; Lucium den ainen kaiser traf der gewalt gotts, schlueg in der tropf und das sälig und starb Aventin
s. w. 4, 876
Lexer; do schlug ihn der tropf Eck 199
a (1.
Macc. 9, 55); Dietenberger 428
d;
Züricher bibel (1531) 316
c; wider den tropff oder das gut reibet das lam oder geschlagen glid oder ort mit fuchszöl Sebiz
feldb. (1592) 90. treffen: wenne der trofen oder schlag getroffen hat (1545)
bei Unger-Khull
steir. 175
b; bringet wider zu rechte die lahmen glieder, so der schlag oder tropffen getroffen hat
M. Bapst v. Rochlitz
wacholdergarten (1605) 198.
wie bei schlag
werden diese verbindungen auch vergleichsförmig gebraucht: etlich so si in den tempel kamen ... fielen si ernider, als het si der tropff und donder erschlagen S. Franck
chron., zeytb. (1531) 225
a; denn geht er btrüb und hengt den kopff, als ob in gschlagen hett der tropff B. Waldis
Esopus 1, 81
Kurz; bald traf Helrufn ein pfeil am kopf, das er stürzt als schlüg ihn der tropf Rollenhagen
froschmeuseler 260
G. in fluch- und verwünschungsformeln: er hat wöllen seinem feind ... ein gros übel ... wünschen oder fluchen, als wenn wir einem die pestilentz oder den tropff fluchen J. Brenz
pred. Salomo (1528) 17
a; wiwol die alchimisten ausgeben, das goldöl mach sprachlose reden, das mag vileicht von der lugensprach gemaint sein, die der tropf mus treffen Fischart
werke 3, 99
Hauffen; lasz dich der tropff nicht lenger leben J. Episcopius
aulularia (1570) c 2
b; der tropff erschlag die kupplerin Fröreisen
griech. dramen 2, 170
Dähnhardt. vor allem in der form dasz dich der tropf schlage: sihe mein gesell, dasz dich der tropff schlag, dasz du must rasend und unsinnig werden J. Agricola
sprichw. (1534) n 4
a; schenck ein, schenck, das dich der tropff schlag Fischart
Garg. 153
ndr.; ey, dasz dich dann erschlag der tropff Fischart
werke 2, 62
H.; hier bauer, bengel, grober knopff, hörst nicht? dasz dich besteh der tropff Gilhusius
gram. (1597) 3, 5, 73;
hierher wohl auch: botz tropff, er schleicht gleich selbs daher H. Sachs 9, 72
lit. ver. B@22)
hitzschlag bei gewächsen, seltenere, im anschlusz an 1
erwachsene bedeutung: sideratio mehlthau, der schlag
vel tropff (1517) Diefenbach
gl. 533
a;
sideratio der schlag
vel tropff Junius
nomenclator (1577) 167
a;
sideratio der schlag, der tropff, da die bäume von verderben Corvinus
fons lat. (1646) 785; der rebenschlag oder tropf
articulatio Schönsleder
prompt. (1647) S s 1
b. B@33)
gicht als arthritis ... glidsucht, gesücht, heiszt auch
gutta der tropff Alberus (1540) 39
b; (
eine heilige nonne) die was sere gemuet und erschlagen mit einem tropfen in dem knu
heil. leben summerteil (1472) 24
b;
gutta der tropff, schulterwee, als do einer den arm on schmertzen nit uffgeheben mag Gersdorf
wundarznei (1528) 99; es seind mancherlei schmertzen der gleich, welche im gmein alle genant werden gutta artetica, zu teutsch ... ein tropff Fries
spiegel d. artznei (1532) 122
a; für das podagram und güldin tropffen (
mach eine salbe) Gäbelkower
artzneybuch (
Tüb. 1594) 405;
vom tier: vom zipperle oder podagra des habichs. den habich rhüret auch unterweilen die gutta, das ist der tropff, in den flügeln oder hüften Sebiz
feldb. (1592) 731; das strangeln und den tropff pflegt man den hunden gleicher weis wie den schafen zu heylen Sebiz
feldb. (1579) 147;
so noch wörtlich übernommen bei v. Hohberg
georg. cur. (1715) 3, 250
b;
ähnlich auch noch Döbel
jägerpract. (1754) 2, 115. B@44)
in einer reihe meist früherer mhd. belege bezeichnet tropfe, troffe
wie das ags. dropa
durch flüssigkeit des körpers erzeugte geschwulsterscheinungen und gelenkkrankheiten, also wohl im wesentlichen rheumatische oder gichtische erkrankungen (
ähnlich 3): qui superfluum sanguinem id est uoberbluothdich habent, isti scarifationem accipiant et propter noxium livorem, id est troffun, cum wolfesmiliche pustulas faciant (13.
jh.)
ahd. gl. 4, 414, 15;
vgl. ebda 4, 414, 35; Ebom ist vur den tropfen, ob er das soc (
den saft) trinchot (12.
jh.)
clm. 536
Münchener sitz.-ber. (1867) 2, 17; swem der trophe wirret, oder der sêr ist an der haute 2.
dt. arzneib. aus d. 12.
u. 13.
jh. 31
Pfeiffer; so we en sunt lif hebben wil, he scal dicke laten (
zur ader lassen), eme wert de drope tvisschen vel unde vleysch
mnd. arzneib. in jb. f. nd. sprachf. 15, 114;
vgl. hierzu insbesondere mnl.. drope '
hautkrankheit' Verwijs-Verdam 2, 438;
hierher wohl auch: da wahset edelr wurzen raut und meniger hande fruht, die tropfen und gesuht gar hailent und swainent
der sœlden hort 122
a Adrian. wie viele andere unerklärliche krankheiten glaubte man auch den tropfen
durch zauberei hervorgebracht und personifizierte ihn (
so wird in Flandern ein sonst unbekannter st. Gotte [goutte]
als gichtpatron angerufen, s. Höfler
a. a. o.): in nomine domini ... tres angeli ambulaverunt in montem Sinay quibus obviavit Nescia, Nagedo, Stechedo, Troppho, Crampho, Gigihte, Paralisis. ... qui dixerunt: nos imus ad familium dei
N. caput eius vexare, venas eius enervare, medullam evacuare, ossa eius conterere et totam compaginem membrorum eius dissolvere (12.
jh.)
in Germania 18, 46;
ähnlich in zs. f. dt. a. 17, 560;
auch in den beschwörungsformeln blickt personifizierte auffassung durch: sicut cervus thebeus viperam naribus producit, sic ego te nessia, tropho, crampho, herdo, nagado (12./13.
jh.)
in Germania 18, 234; sprich also 3mal: ich segne dich bey der crafft gottes tropf und knopf (
geschwulst) ..., desz dich der heilig athem dehr! Mone
anz. 6, 468.
vgl. auch die composita nöschtropff, marcksdropff
bei Mone
anz. 6, 463; 470,
nach Rochholz
zs. f. dt. myth. 4, 110 '
die laufende gicht'
bzw. '
der hexenschusz im rückgrat'.