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tauchen

nhd. bis spez. · 12 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

tauchen verb.

Bd. 21, Sp. 181
tauchen, verb. mergere, tingere. II. Formen und herkunft. I@11) ahd. tûhhan tûchen in intûhhan fertûchen mit starken formen: intuhhun (3. plur. prät. ind.), fertochen partic. prät., daneben schwachformig ingidûht, immersa Graff 5, 367 f.; mhd. tûchen touchen und md. tûchen nur schwachformig, betûchen (s.betauchen) auch mit starkem partic. betochen Lexer 1, 245; mnd. dûken, mit dem nachweisbaren starken prät. ûpdôk (Schiller-Lübben 5, 109a); nd. dûken, nnl. duyken, engl. to duck (wovon duck ente, ags. dûce), schwed. dyka. vergl. das frequentative ducken. den oberdeutschen mundarten ist tauchen nicht geläufig, sie haben dafür tunken. I@22) die zu grunde liegende germanische wurzel duk läszt sich mit andern sinnverwandten ausdrücken (wie taufen, tunken) kaum in zusammenhang bringen, s. gramm. 12, 1032. Diefenb. vergl. wb. 2, 628. Schade1 968. Kluge4 351b. zweifelhaft bleibt auch das verhältnis von tauchen zu ahd. dûhan (aus dûhjan) dûhen, mhd. diuhen tiuhen dûhen douhen (md. diuwen, mnd. duwen), bair. dauhen drücken, drängen, pressen, schieben u. s. w., s. Lexer 1, 442. Diefenb. 2, 617. 631. Schm.2 1, 494. das im mhd. wb. 1, 372b aufgestellte starkformige diuhen, douch beruht auf irrthum, denn douch ist in der angeführten stelle verkürzter imperativ von douchen: dô schrei der starke Wolfhart 'nûtrâ, Bitrolfes zart, douch an in mit starken slegen!' Dietrichs flucht 6751. IIII. Bedeutung und gebrauch. tauchen drückt eine rasche bewegung unter die oberfläche einer flüssigkeit aus und wird darnach im höhern und dichterischen stile auch in verallgemeinerter und figürlicher anwendung gebraucht. II@11) intransitiv, sich ganz oder zum theil unter die oberfläche einer (oder wie einer) flüssigkeit bewegen, niederlassen. II@1@aa) eigentlich, mhd. und md.: sie kunden weder swimmendâ noch touchen. jüng. Titurel 2359; dô gesach er ûf dem snê tûsent Kriechen unde mê tôt tûchen unde sweben. Herbort troj. krieg 4389; nhd. sie fielen in die fluth, die fluth gab nach und nahm erfreut die tauchenden drei schönen mit ihren wellen auf. Pyra u. Lange 159 neudruck; schwimmet, schwimmer! taucht ihr taucher! Göthe 40, 419; das element, in dem ich schwebe, hat alle ähnlichkeit mit dem wasser; es zieht jeden an und doch versagt dem, der auch nur an die brust hineinspringt, im anfange der athem; musz er nun gar gleich tauchen, da verschwinden ihm himmel und erde. br. 729 (3, 237) Weim.; wer tauchte unter speeren (speerwürfen) wie ein wunder schwan? ... 'der könig verging im strom wie ein wunder schwan'. Freytag ges. werke 8, 84; bei groszer ruhe liegen sie (die lappentaucher) flach auf den wellen, bei einiger aufregung schon etwas tiefer unter der fläche, bei furcht tauchen sie. Brehm thierl. 4, 936. genauer tauchen in, zu: mhd. (dasz sie) alsam ein ent in waʒʒer touchent. jüng. Titurel 531; er wær getûchet zuo dem meresgrunde. 5267; nhd. (Poseidon) ging und taucht' in die fluten. Voss Il. 15, 219; wer wagt es, rittersmann oder knapp, zu tauchen in diesen schlund (wasserstrudel)? Schiller 11, 220; der ritter sich entkleidet, er taucht ins meer. Uhland 2, 251. mit dem kopfe, mit der hand u. s. w. (transitiv den kopf, die hand) ins wasser oder in eine flüssigkeit, in ein damit angefülltes gefäsz tauchen: der mit der hand mit mir in die schüssel tauchet (var. tauchet hat), der wird mich verrhaten. Matth. 26, 23 (der mit mir legt di hand in di schussel cod. Tepl., eintunket bibel vom jahre 1487, lat. intingit manum). II@1@bb) uneigentlich, tauchen auf, in, zu: oft bis über die knie tauchten (sanken) wir in den schnee. Matthisson schriften 5, 264; (sie) tauchte aus zwang in die mauer. Voss Il. 15, 345, sich bergend hinter der mauer. Stolberg; er tauchte in den tiefen schatten der bäume und tappte vorsichtig durch das nasse gebüsch. Freytag ges. werke 7, 370; die späher gingen voran, auf die zeichen, welche sie zurückgaben, tauchte der ganze haufe in den busch. 9, 137; auch ohne den nebenbegriff des bedeckenden, einschlieszenden, verbergenden: indesz von zeit zu zeit sein blick mit lüsternheit in jede schüssel tauchet. Wieland 18, 83; (ihr blick) tauchte, weil er doch auf etwas tauchen muszte, auf Sinibald. Klelia u. Sinibald 1, 121; Ivo war zu boden getaucht und hielt die schwertspitze über den hals des gegners. Freytag ges. werke 10, 208. II@1@cc) tauchen aus, aus oder wie aus einer flüssigkeit empor zur höhe sich bewegen, s. auf-, empor-, hervortauchen: aus einem finstern borne taucht die fei und wehklagt. C. F. Meyer novellen 2, 293; sprachs und taucht' (kroch 1781) aus dem dickicht hervor, der edle Odysseus. Voss Od. 6, 127; wo nun tauchet die sonn' aus kurzer nacht. Rückert 5, 42; lust und lied ihm tauchen aus lenzgeweckten herzen. Lenau neue ged. 231. tauchen an: der schwall verläuft, ... in wenig tagen taucht der boden wieder an das licht. Freytag ges. werke 7, 429. II@22) reflexiv wie intransitiv. II@2@aa) eigentlich: mhd. (ich musz) mich tûchen als ein ente sich, die snelle valken jagent in einem bache. Steinmar 10, 27 Bartsch. nhd. die enten tauchen sich. Stieler 2262; stolz wandelt der pfau ... und es taucht sich der schwan. Platen 4, 29; sich tauchen in: die sonne tauchte sich bereits ins meer. E. v. Kleist (1771) 1, 76. II@2@bb) uneigentlich, sich tauchen in mit dativ: ein brennend meer soll allen horizont umrauchen und sich der sterne zitternd heer im blute meiner flammen tauchen. Göthe 13, 273; mit accusativ: beim ersten schritt aus diesem zimmer tauchen sich zwanzig degenspitzen euch ins herz. Schiller 13, 466 (Turand. 4, 10); ihm ward in ihrem aug' ein himmel aufgethan, wo sich in eine see von liebe die seele taucht. Wieland Oberon 3, 61; tauche dich ganz in gefühle hinein. Göthe br. 623 (3, 167) Weim.; sich in eine täuschung tauchen, um nicht vor dem anblick der wahrheit zu narren zu werden. Klinger 3, 299; vier tage tauchen sich ja schnell in nächte. Schlegel sommernachtstr. 1, 1. II@33) transitiv, ganz oder zum theil unter die oberfläche einer (oder wie einer) flüssigkeit kommen machen. II@3@aa) eigentlich: so manche (schiffe), durchbohrt von geschossen, tauchte der fluth einströmende last. Pyrker Tunis. 4, 515; der ganze körper war (vom schweisze) nasz, die haare waren wie getaucht. Seume spazierg. 62. tauchen in: ain tuoch in waʒʒer, in eʒʒeich dauchen. Megenberg 105, 14. 423, 5; wenn einer mit der bloszen hand den andern geschlagen hat, ohne blut zu vergieszen, soll er (zur strafe) dreimal ins wasser getaucht werden. Schultz f. leben2 2, 159 (aus dem lat. heergesetze kaiser Friedrichs I. vom jahre 1158); das tauchen ins wasser (bei der taufe). Luther 1, 333b; wo ich mich in euer wasser tauchen (taufen) liesz. Freytag ges. werke 8, 229; dasz andre auch die hend drin (ins waschwasser) tauchen. Scheidt Grobian. 2725; (möwe,) die häufig die fittige taucht in die salzfluth. Voss Od. (1793) 5, 52, 1781: die sich oft die flüchtigen fittige netzet; ich tauch' ihn (den stab) rasch in sud und gluth. Göthe 41, 51 (Faust 5741 Weim.); der soll mein schwert und pike tauchen in geweihtes wasser. Schiller 12, 370 (Wallensteins tod 5, 2). in (das) blut tauchen: sie tauchten den rock in das blut. 2, 75; auch er (Pappenheim) tauchte bei Magdeburgs zerstörung seine hand in blut. 8, 295; wer sich über andere erheben will, musz ... auch wohl seine hände in das blut derer tauchen, die seinem unternehmenden geist durch ihr dasein fesseln sind. Klinger 3, 227. II@3@bb) uneigentlich, tauchen in mit dativ (poetisch für taufen): regt ein neugeborner fromme hände, dasz man ihn sogleich zur sonne wende, tauche leib und geist im feuerbade. Göthe 5, 244 (divan 240 Weim. u. anmerk. s. 440 f.); mit accusativ: dort, wo der feind das schwerdt in feinde taucht. E. v. Kleist (1771) 1, 144; wo der Scythe, rauh gesinnt, den opferstahl ins herz der ankömmlinge tauchet? Gotter 2, 148; selbstlesen taucht den kopf in glut, die füsz' in eis. 1, 246; aber bestärken kannst du ihn wohl in seiner gesinnung, oder wär' er noch neu, in dieses ihn tauchen und jenes. Göthe 1, 337 (episteln4 37 Weim.); das auge lieblich, aber getaucht in kummer. 39, 54; warum mich nicht in deinen armen halten und freundlich deinen blick in meinen tauchen? Bettine tageb. 29; die luft, getaucht in der gewürze flut, trinkt von der heiszen wange mir die glut. Schiller 11, 209; und wie wir hier zusammenstehn in lust und leid getaucht, so wollen wir uns wiedersehn wenn's von den bergen raucht. Körner leier u. schwert 31; er tauchte sein auge still in den glanz der grünen berge. J. Paul flegelj. 1, 94; unter dem ins himmlische blau getauchten tannengrün. Hesp. 1, 165; als ich mich tiefer in den blauen himmel tauchte. Titan 2, 59; die grose (schauspiel-)kunst mit spott und schreken zu beleren, die in den strom des lichts den künen pinsel taucht. Schiller 3, 175; (Apelles,) der in reiz den pinsel taucht. A. W. Schlegel poet. werke 1, 181.
8958 Zeichen · 210 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Tauchen

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Tauchen , verb. regul. act. 1. Mit vorn nieder gebeugtem Kopfe sich in und unter einem flüssigen Körper begeben, am häuf…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    tauchen

    Goethe-Wörterbuch

    tauchen [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. modern
    Dialekt
    tauchen

    Bayerisches Wörterbuch · +4 Parallelbelege

    tauchen Band 3, Spalte 3,1354f.

  4. Sprichwörter
    Tauchen

    Wander (Sprichwörter)

    Tauchen He kann nich dûken of (noch) swemmen. ( Ostfries. ) – Bueren, 543; Eichwald, 375; Frommann, V, 525, 634; Kern, 1…

  5. Spezial
    tauchen

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    tau|chen vb.intr. jí sot ega, afunsé (-sëia).

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit tauchen

17 Bildungen · 1 Erstglied · 13 Zweitglied · 3 Ableitungen

Ableitung von tauchen

tau + -chen

tauchen leitet sich vom Lemma tau ab mit Suffix -chen.

tauchen‑ als Erstglied (1 von 1)

tauchente

DWB

tauch·ente

tauchente , f. anas fuligula, mergus Stieler 382 . Nemnich 3, 591 , schweiz. tuchent Maaler 411 d . schweiz. idiot. 1, 356: die tauchenten (…

tauchen als Zweitglied (13 von 13)

anstauchen

DWB

ans·tauchen

anstauchen , leviter obstruere, inhibere: ein wasser durch rasen und schlamm anstauchen; der flusz wird durch diesen engpasz angestaucht und…

aufstauchen

DWB

auf·stauchen

aufstauchen , obstruere, den wasserstrom aufhalten, zurückdrängen, dasz es anschwillt. bei den schmieden, eisen aufstauchen, kürzer und dick…

auftauchen

DWB

auf·tauchen

auftauchen , emergere, emportauchen, nnl. opduiken: kaum hatt ich mich in die welt gespielt und fieng an aufzutauchen. Göthe 2, 252 ; o glüc…

Austauchen

Campe

aus·tauchen

Austauchen , v. intrs. wie das gewöhnlichere auftauchen, nach dem Untertauchen wieder herauskommen, zum Vorschein kommen. Das Austauchen. Di…

eintauchen

DWB

ein·tauchen

eintauchen , intingere, immergere, nnl. induiken, 1 1) semmel in wein, brot in bier eintauchen; der ists, dem ich den bissen eintauche und g…

untertauchen

DWB

unter·tauchen

untertauchen , v.; mhd. undertûchen; mnd. underduken; nnd. neben underduken bei Fr. Reuter auch ein iteratives unnerdükern; mnl. onderduken,…

verstauchen

DWB

vers·tauchen

verstauchen , verb. , mit der seltenen nebenform verstaufen , die form verstauen wird irrthümlich damit verwechselt. so bucht Stieler : stau…

Ableitungen von tauchen (3 von 3)

betauchen

DWB

betauchen , mergi, untertauchen: nim ein gans, stecke sie in einen irdinen hafen, der enge sî, giuʒ daʒ waʒʒer ûf, daʒ sie betûche ( darin u…

enttauchen

DWB

enttauchen , emergere, emergendo elabi, auftauchen, nnl. ontduiken: sinnend stand sie am fenster im dämmerstrahle des morgens, sahe die sonn…

vertauchen

DWB

vertauchen , verb. , ahd. fertûchen Graff 5, 368 ; in ( eum ) unmari fertochenen duot, recondit obscuritas Notker Boëthius ebd.; vgl. auch f…

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „tauchen". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 9. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/tauchen/dwb
MLA
Cotta, Marcel. „tauchen". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/tauchen/dwb. Abgerufen 9. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „tauchen". lautwandel.de. Zugegriffen 9. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/tauchen/dwb.
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