tauchen,
verb. mergere, tingere. II.
Formen und herkunft. I@11)
ahd. tûhhan tûchen
in intûhhan fertûchen
mit starken formen: intuhhun (3.
plur. prät. ind.), fertochen
partic. prät., daneben schwachformig ingidûht,
immersa Graff 5, 367
f.; mhd. tûchen touchen
und md. tûchen
nur schwachformig, betûchen (
s.betauchen)
auch mit starkem partic. betochen Lexer 1, 245;
mnd. dûken,
mit dem nachweisbaren starken prät. ûpdôk (Schiller-Lübben 5, 109
a);
nd. dûken,
nnl. duyken,
engl. to duck (
wovon duck
ente, ags. dûce),
schwed. dyka.
vergl. das frequentative ducken.
den oberdeutschen mundarten ist tauchen
nicht geläufig, sie haben dafür tunken. I@22)
die zu grunde liegende germanische wurzel duk
läszt sich mit andern sinnverwandten ausdrücken (
wie taufen, tunken)
kaum in zusammenhang bringen, s. gramm. 1
2, 1032. Diefenb.
vergl. wb. 2, 628. Schade
1 968. Kluge
4 351
b.
zweifelhaft bleibt auch das verhältnis von tauchen
zu ahd. dûhan (
aus dûhjan) dûhen,
mhd. diuhen tiuhen dûhen douhen (
md. diuwen,
mnd. duwen),
bair. dauhen
drücken, drängen, pressen, schieben u. s. w., s. Lexer 1, 442. Diefenb. 2, 617. 631. Schm.
2 1, 494.
das im mhd. wb. 1, 372
b aufgestellte starkformige diuhen, douch
beruht auf irrthum, denn douch
ist in der angeführten stelle verkürzter imperativ von douchen: dô schrei der starke Wolfhart 'nûtrâ, Bitrolfes zart, douch an in mit starken slegen!'
Dietrichs flucht 6751. IIII.
Bedeutung und gebrauch. tauchen
drückt eine rasche bewegung unter die oberfläche einer flüssigkeit aus und wird darnach im höhern und dichterischen stile auch in verallgemeinerter und figürlicher anwendung gebraucht. II@11)
intransitiv, sich ganz oder zum theil unter die oberfläche einer (
oder wie einer)
flüssigkeit bewegen, niederlassen. II@1@aa)
eigentlich, mhd. und md.: sie kunden weder swimmendâ noch touchen.
jüng. Titurel 2359; dô gesach er ûf dem snê tûsent Kriechen unde mê tôt tûchen unde sweben. Herbort
troj. krieg 4389;
nhd. sie fielen in die fluth, die fluth gab nach und nahm erfreut die tauchenden drei schönen mit ihren wellen auf. Pyra
u. Lange 159
neudruck; schwimmet, schwimmer! taucht ihr taucher! Göthe 40, 419; das element, in dem ich schwebe, hat alle ähnlichkeit mit dem wasser; es zieht jeden an und doch versagt dem, der auch nur an die brust hineinspringt, im anfange der athem; musz er nun gar gleich tauchen, da verschwinden ihm himmel und erde.
br. 729 (3, 237)
Weim.; wer tauchte unter speeren (
speerwürfen) wie ein wunder schwan? ... 'der könig verging im strom wie ein wunder schwan'. Freytag
ges. werke 8, 84; bei groszer ruhe liegen sie (
die lappentaucher) flach auf den wellen, bei einiger aufregung schon etwas tiefer unter der fläche, bei furcht tauchen sie. Brehm
thierl. 4, 936.
genauer tauchen in, zu:
mhd. (
dasz sie) alsam ein ent in waʒʒer touchent.
jüng. Titurel 531; er wær getûchet zuo dem meresgrunde. 5267;
nhd. (
Poseidon) ging und taucht' in die fluten. Voss
Il. 15, 219; wer wagt es, rittersmann oder knapp, zu tauchen in diesen schlund (
wasserstrudel)? Schiller 11, 220; der ritter sich entkleidet, er taucht ins meer. Uhland 2, 251. mit dem kopfe, mit der hand
u. s. w. (
transitiv den kopf, die hand) ins wasser
oder in eine flüssigkeit, in ein damit angefülltes gefäsz tauchen: der mit der hand mit mir in die schüssel tauchet (
var. tauchet hat), der wird mich verrhaten.
Matth. 26, 23 (der mit mir legt di hand in di schussel
cod. Tepl., eintunket
bibel vom jahre 1487,
lat. intingit manum). II@1@bb)
uneigentlich, tauchen auf, in, zu: oft bis über die knie tauchten (
sanken) wir in den schnee. Matthisson
schriften 5, 264; (
sie) tauchte aus zwang in die mauer. Voss
Il. 15, 345, sich bergend hinter der mauer. Stolberg; er tauchte in den tiefen schatten der bäume und tappte vorsichtig durch das nasse gebüsch. Freytag
ges. werke 7, 370; die späher gingen voran, auf die zeichen, welche sie zurückgaben, tauchte der ganze haufe in den busch. 9, 137;
auch ohne den nebenbegriff des bedeckenden, einschlieszenden, verbergenden: indesz von zeit zu zeit sein blick mit lüsternheit in jede schüssel tauchet. Wieland 18, 83; (
ihr blick) tauchte, weil er doch auf etwas tauchen muszte, auf Sinibald.
Klelia u. Sinibald 1, 121; Ivo war zu boden getaucht und hielt die schwertspitze über den hals des gegners. Freytag
ges. werke 10, 208. II@1@cc) tauchen aus,
aus oder wie aus einer flüssigkeit empor zur höhe sich bewegen, s. auf-, empor-, hervortauchen: aus einem finstern borne taucht die fei und wehklagt. C.
F. Meyer
novellen 2, 293; sprachs und taucht' (kroch 1781) aus dem dickicht hervor, der edle Odysseus. Voss
Od. 6, 127; wo nun tauchet die sonn' aus kurzer nacht. Rückert 5, 42; lust und lied ihm tauchen aus lenzgeweckten herzen. Lenau
neue ged. 231. tauchen an: der schwall verläuft, ... in wenig tagen taucht der boden wieder an das licht. Freytag
ges. werke 7, 429. II@22)
reflexiv wie intransitiv. II@2@aa)
eigentlich: mhd. (
ich musz) mich tûchen als ein ente sich, die snelle valken jagent in einem bache. Steinmar 10, 27
Bartsch. nhd. die enten tauchen sich. Stieler 2262; stolz wandelt der pfau ... und es taucht sich der schwan. Platen 4, 29; sich tauchen in: die sonne tauchte sich bereits ins meer. E. v. Kleist (1771) 1, 76. II@2@bb)
uneigentlich, sich tauchen in
mit dativ: ein brennend meer soll allen horizont umrauchen und sich der sterne zitternd heer im blute meiner flammen tauchen. Göthe 13, 273;
mit accusativ: beim ersten schritt aus diesem zimmer tauchen sich zwanzig degenspitzen euch ins herz. Schiller 13, 466 (
Turand. 4, 10); ihm ward in ihrem aug' ein himmel aufgethan, wo sich in eine see von liebe die seele taucht. Wieland
Oberon 3, 61; tauche dich ganz in gefühle hinein. Göthe
br. 623 (3, 167)
Weim.; sich in eine täuschung tauchen, um nicht vor dem anblick der wahrheit zu narren zu werden. Klinger 3, 299; vier tage tauchen sich ja schnell in nächte. Schlegel
sommernachtstr. 1, 1. II@33)
transitiv, ganz oder zum theil unter die oberfläche einer (
oder wie einer)
flüssigkeit kommen machen. II@3@aa)
eigentlich: so manche (
schiffe), durchbohrt von geschossen, tauchte der fluth einströmende last. Pyrker
Tunis. 4, 515; der ganze körper war (
vom schweisze) nasz, die haare waren wie getaucht. Seume
spazierg. 62. tauchen in: ain tuoch in waʒʒer, in eʒʒeich dauchen. Megenberg 105, 14. 423, 5; wenn einer mit der bloszen hand den andern geschlagen hat, ohne blut zu vergieszen, soll er (
zur strafe) dreimal ins wasser getaucht werden. Schultz
höf. leben2 2, 159 (
aus dem lat. heergesetze kaiser Friedrichs I. vom jahre 1158); das tauchen ins wasser (
bei der taufe). Luther 1, 333
b; wo ich mich in euer wasser tauchen (
taufen) liesz. Freytag
ges. werke 8, 229; dasz andre auch die hend drin (
ins waschwasser) tauchen. Scheidt
Grobian. 2725; (
möwe,) die häufig die fittige taucht in die salzfluth. Voss
Od. (1793) 5, 52, 1781: die sich oft die flüchtigen fittige netzet; ich tauch' ihn (
den stab) rasch in sud und gluth. Göthe 41, 51 (
Faust 5741
Weim.); der soll mein schwert und pike tauchen in geweihtes wasser. Schiller 12, 370 (
Wallensteins tod 5, 2). in (das) blut tauchen: sie tauchten den rock in das blut. 2, 75; auch er (
Pappenheim) tauchte bei Magdeburgs zerstörung seine hand in blut. 8, 295; wer sich über andere erheben will, musz ... auch wohl seine hände in das blut derer tauchen, die seinem unternehmenden geist durch ihr dasein fesseln sind. Klinger 3, 227. II@3@bb)
uneigentlich, tauchen in
mit dativ (
poetisch für taufen): regt ein neugeborner fromme hände, dasz man ihn sogleich zur sonne wende, tauche leib und geist im feuerbade. Göthe 5, 244 (
divan 240
Weim. u. anmerk. s. 440
f.);
mit accusativ: dort, wo der feind das schwerdt in feinde taucht. E. v. Kleist (1771) 1, 144; wo der Scythe, rauh gesinnt, den opferstahl ins herz der ankömmlinge tauchet? Gotter 2, 148; selbstlesen taucht den kopf in glut, die füsz' in eis. 1, 246; aber bestärken kannst du ihn wohl in seiner gesinnung, oder wär' er noch neu, in dieses ihn tauchen und jenes. Göthe 1, 337 (
episteln4 37
Weim.); das auge lieblich, aber getaucht in kummer. 39, 54; warum mich nicht in deinen armen halten und freundlich deinen blick in meinen tauchen? Bettine
tageb. 29; die luft, getaucht in der gewürze flut, trinkt von der heiszen wange mir die glut. Schiller 11, 209; und wie wir hier zusammenstehn in lust und leid getaucht, so wollen wir uns wiedersehn wenn's von den bergen raucht. Körner
leier u. schwert 31; er tauchte sein auge still in den glanz der grünen berge. J. Paul
flegelj. 1, 94; unter dem ins himmlische blau getauchten tannengrü
n. Hesp. 1, 165; als ich mich tiefer in den blauen himmel tauchte.
Titan 2, 59; die grose (
schauspiel-)kunst mit spott und schreken zu beleren, die in den strom des lichts den künen pinsel taucht. Schiller 3, 175; (
Apelles,) der in reiz den pinsel taucht. A. W. Schlegel
poet. werke 1, 181.