taufen,
verb. baptizare. goth. daupjan,
ahd. toufan (
aus toufjan) toufen doufen,
mhd. toufen
und töufen,
nhd. taufen
[] und früher auch umgelautet täufen teufen (
alem. toifen Weinhold § 69,
schlesisch in Nordböhmen têfen Knothe 173);
alts. dôpjan,
mnd. dôpen,
nd. döpen;
ags. wird für die christliche bedeutung fulwian fullian (
voll machen, erfüllen)
gebraucht in beziehung auf die seligmachende, helfende kraft der taufe Leo 529, 2. taufen
ist factitivum zu tief (
s. dasselbe)
und bedeutet eigentlich, wie noch bei 1,
ein-, untertauchen, entsprechend dem griech. βαπτίζειν,
das die christianisierten Goten durch daupjan
wiedergaben, das vielleicht schon in altgermanisch-heidnischer zeit für die '
wasserweihe'
gebraucht wurde (
s.taufe 2).
vgl.tauchen. 11)
in das, unter das wasser bringen, ein-, untertauchen (
das ags. deôpjan, dŷppan
hat nur diese bedeutung, s. Leo 376, 34):
mhd. swie ir an der stunt mich habt getouft (
in den flusz gesenkt).
Eracl. 1093,
vgl. 1050
ff.; teuf eʒ in den brunnen.
altd. wälder 2, 55, 171;
nhd. deuffen,
mergere Dief. 388
a; einen taufen das er ertrinkt Maaler 399
a; wie in (
Pharao) im roten meer teuffen wird. Luther 5, 273
b (
s.tauf 1);
reflexiv: nach verbrachtem ebruch ist die störchin ins feld zu ainem brun geflogen, hat sich alda tauft und abgewaschen. Aventin. 5, 89, 26. taufen in,
immergere Dief. 299
b; kessel, das feuerwerk darein zu tauffen. Fronsperger 14
a. 15
a (Frisch 2, 364
b),
vgl. Schm.
2 1, 588;
alem. wo's immli sini stiefel chauft, im blueme-schosz si chöpfli tauft. Hebel (1843) 2, 81. 22)
alttestamentlich nach taufe 1,
a und b. 2@aa)
goth. jah af maþla niba daupjand, ni matjand (inti fon strâʒn noba sih githwahân ni eʒʒant.
Tatian 84, 4; wan so si komen von dem markt, si asen nit, neur si wurden gewaschen.
cod. Tepl., sie waschen sich denn. Luther).
Marc. 7, 4; jenes euszerlich waschen und teuffen (
der juden). Luther 6, 284
b. 2@bb) ik (
Johannes) daupja izvis in vatin (ih toufu iwih in waʒʒare.
Tatian 13, 23, ich teuffe euch mit wasser Luther).
Marc. 1, 8; er (
Johannes) fuar bredigôntijoh doufta thio liuti. Otfrid 1, 23, 15; Johannes aber teuffet auch noch zu Enon, ... denn es was viel wassers daselbs.
Joh. 3, 23; und lieszen sich teuffen von im im Jordan, und bekanten ire sü
nd. Matth. 3, 6; ich teuffe euch mit wasser zur busze. 3, 11; und da Jhesus getauft war, steig er bald herauf aus dem wasser. Luther 6, 277
a. 33)
christlich nach taufe 2,
baptizare Dief. 67
c: ik daupida auk jaþ þans Staifanaus gadaukans (ich habe aber auch getauft Stephana hausgesinde. Luther).
1 Cor. 1, 16; þai daupjandans,
die welche die taufe an sich vornehmen (die sich teuffen lassen. Luther). 15, 29; toufet sie inti bredigôt,thaʒ sie gilouben in
got. Otfrid 16, 28; sô der man wirt getouffetsô sint im abe gestrouffet die sunde.
Milstätter genesis 16, 33; den îlte man dô toufenund gap im einen namen.
Nibel. 660, 1; man sol niht toufen, wan ein lebendeʒ mensche. Berth. v. Regensburg 2, 87, 2; manige wurden getouft in dem waʒʒere. Schönbach
altd. pred. 1, 265; kint, das getauft wirdet.
Nürnb. polizeiordn. 70 (15.
jahrh.); darumb gehet hin, und leret alle völker, und teufft sie im namen des vaters und des sons und des heiligen geists.
Matth. 28, 19 (
vgl. Luther 6, 282
b. 286
b); wer da gleubet und getauft wird, der wird selig werden.
Marc. 16, 16; kinder sol man teuffen. Luther
tischr. 155
b; darumb sol man nur diejenigen täuffen so da glauben. 12
a; man solt alle die, so schon von den ketzern getauft wären, wider teufen. Aventin. 4, 949, 37; er ward geteuft im tauff.
Eulensp. 5
neudruck; die künder taufen ausz lawtrem wasser. Baumann
quellen 1, 177; getauft sein auf den namen gottes. Wicel
hom. orthod. 51
a; (
ich) lasz mich tauffen auf ihren gott. Ayrer 694, 21; und willig lassen sich in Christus namen tauffen. Opitz
Hugo Grotius 346.
reflexiv, sich taufen lassen, christ (
christin)
werden: frouwe, wiltu toufen dich, du maht ouch noch erwerben mich.
Parz. 56, 26; die rauhe Elsz thut tauffen sich. Ayrer 1059, 17; getauft
christlich, substantivisch der christ, die christin: den getouften wîben sint gesniten ab die brüste, gemartert sint ir kint. Wolfram
Willeh. 297, 14;
[] des al getouftiu diet mit prîse sich von laster schiet.
Parz. 329, 5; ich heisze der reichste mann in der getauften welt. Schiller 5, 2, 186 (
don Carlos 1, 6); der, die getaufte: der heidn und der getoufte wârn mir strîtes al gelîch.
Parz. 495, 38; ob getouften noch getwergen der bêder künic wart ich nie.
Biterolf 4154; wær er hie niden, ich wæne, in die getouften noch verkouften sumelîche. Reinmar v. Zweter 134, 8
Roethe. 44)
bei der taufe einen namen geben, dann allgemeiner einen namen beilegen, nennen, heiszen. 4@aa) (
das kind ward) Tristan getoufet al zehant.
Trist. 2000; man doufet si Elizabet.
Elisab. 284; wie der gouch getoufet sî (
welchen namen er in der taufe bekommen hat, wie er heiszt), der gewiʒʒen bin ich vrî. Neidhart 77, 11. 4@bb) darnach ist das zwölft laster listikeit, wie toift man dis? sie wurt geheiszen vernünftikeit, fürsichtikeit, klugheit. Keisersberg
seelenparad. vorr. 3
b; daher sie ir buch selbs nennen concordantia discordantiarum, fürwar recht getauft und genennet. Luther 6, 166
a; ich teuffe sie (
die stadt Constanz) nach irem rechten namen. 319
a; den text sie alzit töufen (
auslegen) basz, das nie des textes meinung was. Murner
narrenbeschw. 29, 38; disz getichte (
sonett) vielleicht von wegen seiner hin und wieder geschrenkten reime, die fast einen andern laut als die gemeinen von sich geben, als sei getauffet worden. Opitz
poet. 44
neudruck; wers will gar zierlich taufen (
das wasser der flüsse), der nenns geschmolzen glas. Spee
trutzn. 83
B.; von denen, welche die alten köpfe zu kennen und zu taufen behaupten, wird dieser kopf Ptolomäus genannt. Winckelmann 5, 428
anm.; eilf figuren, welche der ehemalige besitzer eine familie des Lycomedes getauft hat. 2, 405; so kann ich ihre hochgepriesene fräulein tochter nicht anders taufen, als eine gans. Gotter 3, 296; da manche nationen mit ihrem namen krankheiten getauft (
z. b. die Franzosen). J. Paul
dämmerungen 4; am ende, wenn Genua .. frei wird, läszt sich Sacco vater des vaterlands taufen. Schiller 3, 15 (
Fiesko 1, 3); 's (
das carcer) war just ein neugebautes nest, der erste bewohner sollt' es taufen. 12, 33 (
Wallensteins lager 7); du tauftest deine rachgier gerechtigkeit. Grabbe 1, 139;
reflexiv: weine, die sich nach so berühmten flüssen wie Rhein, Neckar und Mosel taufen. J. Paul
komet 3, 143. 55)
sonst nach taufe 5
in übertragener bedeutung. 5@aa) etteliche wurden getouft in dem bluote der matere (
s.taufe 5,
d). Schönbach
altd. pred. 1, 264, 30; könnet ir ... euch teuffen lassen mit der tauff, da ich mit getauft werde?
Matth. 20, 22 (
Tatian 112, 2). 5@bb) eine glocke, ein schiff
u. s. w. taufen (
s.taufe 5,
e) Rädlein 869
a; wenn ein fladenweiher eine glocken teuffete. Luther 6, 84
a. 5@cc) einen hippenjungen taufen (
s. hippenjunge) Rädlein 869
a;
das vornehmen der matrosentaufe (
s.taufe 5,
f) Bobrik 687
a: unsere matrosen vergaszen bei dieser gelegenheit die wunderlichen gebräuche wegen des tauffens nicht, sondern machten bei einer lächerlichen masquerade mit denenjenigen, so die linie zum ersten mahle passirten, und sich nicht mit geld lösen wolten, eine verzweiffelte wäsche.
Felsenb. 1, 88;
überhaupt tüchtig begieszen, durchnässen: er war geteuft .. in der lachen und im kessel mit warmem wasser.
Eulenspiegel 5
neudruck, nasz sein wie eine getaufte maus,
s.maus 3,
a (H. Sachs 9, 266, 1. 299, 34. Wickram
rollw. 95, 7
Kurz); wir mögten woll ein wenig getauft werden; den die wolken ziehen sich und es geht ein starker windt. Elis. Charl. (1867) 405. (1871) 592; die bauren sollen ihre mägde, wenn sie das erste grasz im jahre bringen, taufen, oder mit wasser begieszen, so schlafen sie hernach das jahr nicht beim grasen.
rockenphil. 646 (4, 71); der unmuth thut nicht eher gut, bis ihr ihn tauft mit wein. W. Müller
verm. schriften 2, 99. 5@dd) wein, bier taufen,
wässern Rädlein 869
a: und er wolt lieber trinken ein jüdischen (
ungewässerten) wein weder ein
[] getauften (
baptisatum). Bebel
facet. (1589) 81
a; sie thun wasser in wein .. das dann sie auf ihre weisz nennen den wein tauffen, damit es ein christlicher wein werd. Weidner
apophth. 373; ich taufte den wein mit wasser, warum man mir jetzo (
in der hölle) zusaget.
Simpl. (1684) 3, 321; denk derweil darüber nach, dasz du (
der wirt) das taufen vergiszst. Auerbach
ges. schriften 3, 34.