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Schmerz

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Meyers
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15 in 15 Wb.
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Eintrag · Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

Schmerz

Bd. 17, Sp. 889
Schmerz (Dolor), die abnorme Erregung oder gesteigerte Tätigkeit der Empfindungsnerven, das wichtigste subjektive Symptom zahlloser Krankheitszustände. Man nimmt jetzt meistens an, daß der S. durch eigne, keine weitere Leistung übernehmende Nerven vermittelt werde, und rechnet ihn zu den Sinnesempfindungen. Früher zählte man ihn zu den Gemeingefühlen, also zu denjenigen Empfindungen, die im Bewußtsein das ganz allgemeine Gefühl des körperlichen Wohl- und Unwohlbefindens hervorrufen. Dem Schmerzsinne der Haut dienen vielleicht die sogen. freien intraepithelialen Nervenendigungen als peripherische Endorgane. Es steht fest, daß die Fähigkeit zur Vermittelung der Schmerzempfindung nicht allen Teilen der Körperoberfläche zukommt, vielmehr auf die Schmerzpunkte beschränkt ist, ebenso wie die Druckempfindung auf die Druckpunkte der Haut angewiesen ist. Die Schmerzempfindung sowohl als die Schmerzensäußerung ist nach Intensität, Art etc. in hohem Grade abhängig von Alter, Geschlecht und von der Individualität. Niedern Tieren geht sie vermutlich völlig ab. Ihre Reaktionen auf schmerzhafte Eingriffe (Krümmen der verletzten Würmer etc.) sind als Reflexbewegungen zu deuten. Der S. ist ein Warnungs- und Schutzmittel, das erst auf den höhern Stufen der Tierwelt zur Geltung kommt und gewissermaßen eine Errungenschaft der fortgeschrittenen Entwickelung darstellt. Im allgemeinen kann der S. seinen Sitz in jedem Organ oder Gewebe haben, das sensible Nerven besitzt, und zwar ist er um so lebhafter, je nervenreicher dies ist. Der S. ist verschieden zunächst nach den schmerzmachenden Ursachen. Sehr schnelle Einwirkungen, z. B. Nervendurchschneidung, ebenso wie rein chronische Veränderungen der Nerven sind häufig fast schmerzlos. Der Grad der Schmerzen ist ferner verschieden nach der Erregbarkeit des Individuums: Gesunde ertragen S. besser als Rekonvaleszenten, Erwachsene besser als Kinder. Die Aufmerksamkeit steigert den S. Ein heftiger und kurz dauernder S. ist dem Kranken oft lieber als ein gleichmäßig und länger fortdauernder S. von geringem Grade. Der S. ist bei weitem am häufigsten eine wirklich lokale Erscheinung, d. h. die Stelle, an der er empfunden wird, ist auch diejenige, wo die abnorme Erregung der Nerven stattfindet. Dieser lokale S. nimmt auf Druck, Bewegung und örtliche Reize aller Art zu und bleibt an seiner Stelle, springt nicht herum. Seltener ist der S. eine exzentrische Erscheinung, d. h. er hat seine Ursache an einem andern Ort als da, wo er empfunden wird. Störungen, welche die Nervenzentralorgane oder irgend eine Stelle im Verlauf eines Nervs betreffen, verursachen S., der dem Bewußtsein als an den peripherischen Enden der betreffenden Nervenfasern erregt erscheint. Das Bewußtsein verlegt nämlich die Ursache einer an ungewohnter Stelle angreifenden Nervenerregung dahin, wo Reize der Nerven für gewöhnlich zu treffen pflegen, also in seine peripherische Ausbreitung in der Haut etc. Der exzentrische S. nimmt auf Druck, Bewegung und andre Reize des schmerzenden Organs nicht zu. Nicht selten zeigt er sich über eine größere oder viele zerstreute Stellen verbreitet und ist manchmal wandernd. Irradiiert ist der S., wenn sich die Erregung von einer sensibeln Faser auf andre nicht unmittelbar betroffene überträgt (Mit emp sin dung). Irradiierte Schmerzen können in großer Entfernung von der kranken Stelle vorkommen und heißen dann sympathische Schmerzen (z. B. Knieschmerz bei Hüftgelenksentzündung, Schulterschmerz bei Leberabszessen). Zu den irradiierten Schmerzen gehören besonders manche Formen des Kopf- und Zahnschmerzes. Die Schmerzempfindung kann zeitweise fehlen bei Abwendung der Aufmerksamkeit, bei örtlicher Einwirkung der Kälte (lokale Anästhesie durch Ätherdampf oder Äthylchlorid), nach Bepinselung der betreffenden Stelle mit Kokainlösung, nach Einspritzung von Kokain und ähnlichen Mitteln ins Rückenmark (Lumbalanästhesie), bei gehemmter Leitung durch die Nerven (z. B. nach Nerven- oder Rückenmarksverletzungen) und bei gehinderter Perzeption durch das Gehirn, z. B. im Rausch oder der Narkose. Auch im hypnotischen Zustand und in der Hysterie kann die Schmerzempfindung fehlen oder sehr abgestumpft sein. In den betreffenden Nerven hinterläßt der S. keine Folgen; nach dem Aufhören des Schmerzes ist der Nerv wieder normal erregbar. Im Gehirn werden Empfindungen andrer Art während und nach dem S. entweder gar nicht oder doch nur unvollständig wahrgenommen; es enstehen unter Umständen Schlaflosigkeit, Bewußtlosigkeit, Delirien; häufig finden Reflexbewegungen statt: Verziehen des Gesichts, Schreien, Zuckungen, veränderte Herz- und Atmungsbewegungen. Die gewöhnlichste Folge und Äußerung des Schmerzes besteht im Weinen. Veränderung der Ernährung findet nur bei sehr heftigen und bei langanhaltenden Schmerzen statt. Die Behandlung der Schmerzen sucht die Ursache des Schmerzes zu entfernen (Abwendung äußerer Schädlichkeiten, Anwendung der Kälte, der Blutentziehung), zumal bei peripherischen Schmerzen, oder die Leitung des abnorm erregten Nervs zu unterbrechen (Ausschneidung eines Stückes aus dem Verlauf des Nervs), oder die Perzeptionsfähigkeit des Gehirns herabzusetzen oder zeitweilig ganz aufzuheben (örtlicher und allgemeiner Gebrauch der Narkotika, Einatmen von Chloroform- und Ätherdämpfen). – Dem gewöhnlichen körperlichen, physischen S. steht gegenüber der Seelenschmerz, der psychische, ein bis zum Affekt gesteigertes Gefühl, das durch gewisse Vorgänge in der geistigen Sphäre, im Gebiete der Vorstellungen entsteht, seien diese mehr intellektueller oder mehr moralischer Natur, so bei großem Verlust, Reue, Trauer etc. Ist der Seelenschmerz dauernd und tief, so macht er allmähliche Übergänge zur Melancholie; ist er heftig und plötzlich, so kann er sich ebenso wie der körperliche zu Exaltationszuständen steigern. Vgl. L. Dumont, Vergnügen und S. (Leipz. 1876); Oppenheimer, S. und Temperaturempfindung (Berl. 1893); Goldscheider, Über den S. in physiologischer und klinischer Hinsicht (das. 1894); Martius, Der S. (Leipz. 1898).
6033 Zeichen · 76 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Schmêrz

    Adelung (1793–1801) · +5 Parallelbelege

    Der Schmêrz , des -ens, Dat. dem -en, Acc. den Schmerz, Plur. die -en. 1) Eigentlich, diejenige unangenehme Empfindung, …

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Schmerz

    Goethe-Wörterbuch

    Schmerz selten -tz, auch GenSg ‘S-en(s)’ u AkkSg ‘S-en’; selten mit Genitivus explicativus; vereinzelt mit positiver Kon…

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Schmerz

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Schmerz nennt man jede in höherem Grade unangenehme Empfindung des Körpers. Man unterscheidet mehre Arten des S.es, als …

  4. modern
    Dialekt
    Schmërz

    Elsässisches Wb. · +3 Parallelbelege

    Schmërz [ʿSmarts Co. ; meist Pl. –ə allg., ʿSmærtsə Str. ] m. Schmerz. ‘Hän See noch Schmärz?’ Co. Pfm. II 6. Er he t go…

  5. Sprichwörter
    Schmerz

    Wander (Sprichwörter)

    Schmerz 1. Auf die Schmerzen gibt Gott das Scherzen. – Parömiakon, 3122. 2. Bei neuem (frischem) Schmerz gibt's keinen T…

  6. Spezial
    Schmerz

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Schmerz m. (-es,-en) 1 me (mês) m. 2 (innerlich, seelisch) dolur (-s) m. 3 (Kummer, Leid) soferënza (-zes) f. , crüze (-…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit schmerz

171 Bildungen · 152 Erstglied · 12 Zweitglied · 7 Ableitungen

Zerlegung von schmerz 2 Komponenten

sch+merz

schmerz setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

schmerz‑ als Erstglied (30 von 152)

schmerzlos

SHW

schmerz-los Band 5, Spalte 521-522

schmerzasyl

DWB

schmerz·asyl

schmerzasyl , n. : was hab ich denn gethan, gerechte götter! dasz ihr mir nahmt, was ihr dem ärmsten gebt, ein schmerzasyl an seinem eignen …

schmerzbeladen

DWB

schmerz·beladen

schmerzbeladen , part. mit schmerz beladen: ein geheimnis, das ich nun so lange, wie Philoktet den alten schaden, als einen schmerzbeladnen …

schmerzbetäubt

DWB

schmerz·betaeubt

schmerzbetäubt , part. : dreimal fiel er zurück ins gras, und schmerzbetäubt am grunde sasz. A. v. Droste - Hülshoff ged. 421 .

schmerzdurchzittert

DWB

schmerzdurchzittert , part. : wenn über ihm, wie schmerzdurchzittert, die mitternächtge stimme klagt. A. v. Droste - Hülshoff ged. 304 .

schmerzen

DWB

schmer·zen

schmerzen , verb. schmerzen erregen, verursachen, empfinden lassen. 1 1) formelles. dem subst. schmerz steht nur im althochd. ein starkes ve…

Schmerzenbändiger

Campe

schmerzen·baendiger

◬ Der Schmerzenbändiger , — s, Mz . gl. eine Person oder Sache, welche die Schmerzen bändiget, d. h. vertreibt oder doch mildert. »Äskulap, …

schmerzenbrot

DWB

schmerzen·brot

schmerzenbrot , n. , im bilde: das heiszt recht, schmerzenbrod gegessen! J. M. Miller Siegw. 1, 184 .

schmerzendamm

DWB

schmerzen·damm

schmerzendamm , m. damm, durch schmerzen errichtet, in einem bilde: plötzlich schlug die flötenuhr éin uhr und spielte ein morgenlied des ew…

schmerzendulder

DWB

schmerzen·dulder

schmerzendulder , m. der schmerzen duldet; fem.: bin ich nicht schon die gröszte schmerzendulderin? Klinger theater 2, 182 .

schmerzenfall

DWB

schmerzen·fall

schmerzenfall , m. : jammer- oder schmerzenfall, accidens triste, casus dolorificus Stieler 419 .

schmerzenfroh

DWB

schmerzen·froh

schmerzenfroh , adj. : du schmerzenfroher! wie wollt er dich kränken, da ihm dein trotz so wehe thut? Fr. Müller 1, 70 .

Schmerzengebärerinn

Campe

schmerzen·gebaererinn

♁ Die Schmerzengebärerinn , Mz. — en , eine Person, welche in Schmerzen oder mit Schmerzen gebärt; die Schmerzgebärerinn . »Die Schmerzengeb…

schmerz als Zweitglied (12 von 12)

Weltschmerz

RDWB1

Weltschmerz m Weltschmerz in den Augen idiom. , scherzh. - мировая скорбь в глазах идиом. , шутл.

hauptschmerz

DWB

haupt·schmerz

hauptschmerz , m. 1 1) kopfweh, cephalalgia Stieler 1864 ; si ( die seewurz ) pringt slâf und benimpt den hauptsmerzen, der von kalter sach …

Hüftschmerz

Wander

hueft·schmerz

Hüftschmerz An fremdem Hüftschmerz hinkt man nicht. Die Russen: Wer an fremder Hüfte lahmt, dessen Fussübel ist leicht zu heilen. ( Altmann …

kopfschmerz

DWB

kopf·schmerz

kopfschmerz , m. cephalalgia. Stieler 1864 . gern im pl.: von jugend auf hatte er öfters heftige kopfschmerzen. Göthe 19, 310 . vgl. kopfweh…

leibschmerz

DWB

leib·schmerz

leibschmerz , m. schmerz im unterleibe; oft im plural: leibschmerzen haben, an leibschmelzen leiden.

liebesschmerz

DWB

liebes·schmerz

liebesschmerz , m. : ( ein mädchen ) durch liebesschmerz erhöht. Göthe 45, 181 ; dadurch ich bin entzündet in lieb und liebesschmerz. Hoffma…

ohrenschmerz

DWB

ohren·schmerz

ohrenschmerz , m. schmerz in den ohren, ohrenzwang. encyclop. wb. der medicin. wiss. 4, 250 ff., ohrschmerz Zedler 25, 1071 , mhd. ôrsmërze …

Peinschmerz

DRW

pein·schmerz

Peinschmerz, m. in der Tortur zugefügter Schmerz daß sie, wie man ihr vorgesaget, aus groͤßten peinschmertzen alles bejahen vnd bekennen muͤ…

zahnschmerz

DWB

zahn·schmerz

zahnschmerz , m. , odontalgia Frisch 2, 464 a , zanschmerz Stieler 1865 , schon mhd. zantsmerze, vereinzelt mit umlaut: vor diesem, da noch …

Ableitungen von schmerz (7 von 7)

beschmerzen

DWB

beschmerzen , dolere: deshalben wird der gefallen sonderlich gerechtfertigt, wenn er warhaftig sich beschmerzt und glaubt und vertrawt dem e…

entschmerzen

DWB

entschmerzen , dolore liberare: wan aber seine weise wort, der freundlichkeit und gnaden port, die herzenentschmerzen. Weckherlin 511 ; der …

unschmerz

DWB

unschmerz , m. : dorumb ist offenbar am tag, das der unschmertz all zeit im menschen gröszer ist dann der schmertz Veler vergisz mein nit (1…

Unschmerzlich

Campe

Unschmerzlich , — er, — ste , adj . u. adv . nicht schmerzlich. M. Kramer. Davon d. — keit .

urschmerz

DWB

urschmerz , m. ( desgl. ): warum sollte sie nicht den u. ihres lebens in der poesie verklären? Rosenkranz aus e. tageb. (1854) 164 ; wieders…

verschmerzen

DWB

verschmerzen , substant. infinitiv des vorigen: ein leidendes thier sowohl als der held Philoktet ... wird wimmern! wird ächzen! ... es ist …

verschmerzung

DWB

verschmerzung , f. unterdrückung des schmerzes: was aber durch inn geredt, wer durch verschmerczung aus hitzigem gemut und nit injuriando an…

Zitieren als…
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Cotta, M. (2026). „schmerz". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 19. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/schmerz/meyers
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Cotta, Marcel. „schmerz". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/schmerz/meyers. Abgerufen 19. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „schmerz". lautwandel.de. Zugegriffen 19. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/schmerz/meyers.
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