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Schauen

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Adelung
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Eintrag · Adelung (1793–1801)

Schauen

Bd. 3, Sp. 1380
Schauen, verb. reg. act. et neutr. welches das Hülfswort haben erfordert, und mit sehen einerley Abstammung und Bedeutung hat, nur daß es der Oberdeutschen Mundart, in welcher es eigentlich einheimisch ist, mehr angemessen ist, als den übrigen, welches so wohl aus dem stärkern Zischer, als auch aus dem hohen Doppellaute an erhellet. 1) Mit scharfer Aufmerksamkeit sehen, genau sehen, ingleichen besichtigen; in welcher Bedeutung es eigentlich ein Intensivum von sehen ist, welche Intension von dem stärkern Zischlaute sch herrühret. In dieser Bedeutung ist es besonders in einigen Fällen im Oberdeutschen üblich. Das Fleisch schauen, es besichtigen. Das Brot schauen, besichtigen. In den Niederdeutschen Marschländern hält man ein Schauen, wenn die Deiche von der dazu gesetzten Obrigkeit besichtiget werden. S. auch Schau. 2) In weiterer Bedeutung wird es im Oberdeutschen durchgehends für das Zeitwort sehen gebraucht, es sey nun ein Neutrum oder ein Activum. Ich habe es geschauet, gesehen. Schau, siehe. Abraham wandte sein Angesicht gegen Sodom und schauete, und siehe, da ging ein Rauch auf, 1. Mos. 19, 28. Schaue gen Himmel, und siehe, und schaue an die Wolken, Hiob 35, 5. Schaut, daß ihr sie bewegt, Opitz; sehet zu. Die Alten wollten nicht verstehn Die Wunder im Ägyptenlande, So sie geschaut durch dich ergehn, Opitz. Ps. 106. In der gemeinen Sprechart der Hochdeutschen ist es in keiner von beyden Bedeutungen üblich, wohl aber in der höhern, besonders poetischen, wo es sehr häufig für sehen gebraucht wird. Auf seinen Wangen ist zu schaun Anstatt der Jugend Milch, ein lebhaft männlich Braun, Haged. Eine bloß biblische, vermuthlich auf eine Morgenländische Figur gegründete Bedeutung ist es, wenn dieses Wort für vorher sehen und vorher verkündigen, weißagen, gebraucht wird. Ihr sollt uns nicht schauen die rechte Lehre, Es. 30, 10. Schauet uns Täuscherey, ebend. Daher Luther auch die Propheten so wohl Schauer als Seher nennet, weil sie gleichsam in die Zukunft schauen oder sehen. Daher das Schauen, und die Schauung, welches letztere doch nur in Zusammensetzungen üblich ist. Anm. Schon bey dem Kero, Ottfried u. s. f. scouuon, bey dem Willeram skouuen, im Nieders. doch nur in einigen aus dem Oberdeutschen entlehnten Fällen, schauen, im Schwed. mit einem intensiven Endlaute skåda, im Hebr. שעה, im Griech. mit dem gleichbedeutenden th, θεαειν. Kero gebraucht es noch in der ersten intensiven Bedeutung, denn bey ihm ist scauuon forschen. Im Angels. ist sceavian, und im Engl. to shew, factitive, sehen machen, d. i. zeigen. Die Bedeutung des Sehens ist nur eine von den vielen, welche diesem Zeitworte, wenn es in seiner ursprünglichen Bedeutung und in seinem ganzen Umfange betrachtet wird, zukommt. Der stärkere und schwächere Sibilus s und sch sind in der Natur gegründete Ausdrücke eines zischenden Lautes und der damit verbundenen, gemeiniglich schnellen und gelinden Bewegung, und vermittelst der Endung -en, entstehen daraus die Zeitwörter schaen, scheen, schauen, saen, seen u. s. f. welche ursprünglich gewisse mit diesem Laute verbundene Bewegungen bedeuten und in allen Sprachen noch eine große Menge Nachkommen hinterlassen haben. Davon stammen denn See, Schau, eine Flagge, so, schehen in geschehen u. a. m. her. Mit den gewöhnlichen intensiven und frequentativen Endungen bezeichnen schauern, schaudern, scheuern, schütten, schütteln u. s. f. allerley Abänderungen dieser Bewegung. Die Bedeutung des Lichtes ist in allen Sprachen eine Figur der schnellen Bewegung, daher kommt bey den Schwäbischen Dichtern noch schowe für Gestalt, Aussehen, eigentlich Schein vor, welches letztere selbst hierher gehöret, indem es so mit Sonne, Sol, Schemen, Schatten, schier u. s. f. sich nur im Endlaute unterscheidet. Die Bedeutung des Scheines, Leuchtens, gehet sehr leicht in die Bedeutung des Sehens über, welches doch nichts anders ist, als das Scheinen empfinden, und so bekommen wir unser sehen und dessen Oberdeutsches Intensivum schauen, nebst dem Engl. Factitivo to shew, zeigen. Alle Zeitwörter, welche eine schnelle Bewegung bedeuten, bezeichnen sie auch in engerm Verstande nach verschiedenen Richtungen. So fern schauen auch diese Bewegung in die Tiefe, oder in einem hohlen Raume bedeutet, stammet daher die Bedeutung eines Behältnisses, Gefäßes, einer Bedeckung u. s. f. Daher das veraltete Schauer, ein Becher, Schauer, ein bedeckter Ort, unser Scheuer oder Scheure, und mit verschiedenen Endlauten Schaube, Schutz, Schaff, Schaufel u. s. f.
4485 Zeichen · 72 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    schauensw. V.

    Köbler Mnd. Wörterbuch

    schauen , sw. V. Vw.: s. schouwen (1)

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Schauen

    Adelung (1793–1801) · +5 Parallelbelege

    Schauen , verb. reg. act. et neutr. welches das Hülfswort haben erfordert, und mit sehen einerley Abstammung und Bedeutu…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    schauen

    Goethe-Wörterbuch

    schauen gelegentl (bes im Vers) ‘schaun’; ca 670 Belege, davon fast 500 im literar u allein 100 im lyrischen Werk sowie …

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Schauen

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Schauen ( Schönen ), s. Färberei , S. 322.

  5. modern
    Dialekt
    schauen

    Elsässisches Wb. · +2 Parallelbelege

    schaue n [àyə Mü. ; aùə Str. ; œyə K. Z. ] (selten) wie hochd., meist nur in der Rda. ‘Schau-trau-wemm’ Mü. Mat. 4, 6…

  6. Sprichwörter
    Schauen

    Wander (Sprichwörter)

    Schauen 1. Er schaut drei Meilen über die Schöpfung hinaus. Der Ueberkluge. 2. Erst geschaut, dann getraut. – Sprichwört…

  7. Spezial
    schauen

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    schau|en I vb.tinr. 1 (sehen) ciaré (-ra) 2 (heimlich) cuché (cuca), ciutié (ciütia), ciaré adascusc 3 (trachten) ciaré …

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit schauen

41 Bildungen · 11 Erstglied · 27 Zweitglied · 3 Ableitungen

schauen‑ als Erstglied (11 von 11)

schauende

DWB

schau·ende

schauende , n. das vordere ende eines stückes tuch, das nach auszen gelegt wird und gewöhnlich das beste ist ( vgl. schaufalt): das einzige …

schauen III

RhWB

schauen III sjǫuə Emmerich schw.: wühlend arbeiten.

schauenlichkeit

DWB

schauenlichkeit , f. contemplation, beschauliches leben: nit minder vorhalt mich vor disen gesellen, die allein der schawenlicheit gleben we…

Schauensdrang

GWB

schauen·s·drang

Schauensdrang eine Bitte..die aus dem mir unwiderstehlich inwohnenden S. hervorgeht, nämlich irgend ein Bildchen oder Zeichnung, deren Lando…

Schauenstein

Meyers

schauen·stein

Schauenstein , Stadt im bayr. Regbez. Oberfranken, Bezirksamt Naila, in hoher Lage am rechten Ufer der Selbitz, 607 m ü. M., hat eine evang.…

Schauenstein-Buol

Herder

Schauenstein-Buol , altadeliges Geschlecht aus Graubünden stammend, besteht in einer gräfl. (seit 1742) u. freiherrl. Linie. Karl Ferdinand …

schauenswerth

DWB

schauen·s·werth

schauenswerth , schauenswürdig , adj. spectabilis, contemplatione dignus: ja solt' er auch in solcher frist manch werck, das schauenswürdig …

schauen als Zweitglied (27 von 27)

abschauen

DWB

abschauen , deorsum spectare, herab schauen: sobald im vollsten glanze als ein gediegenes rund auf die erd abschauete Luna. Voss; meistenthe…

anschauen

DWB

anschauen , n. aspectus: ich war ganz in ihrem anschauen ( anblick ) versunken; raum und zeit, ich empfind es, sind blosze formen des anscha…

Arbeitschauen

DRW

arbeit·schauen

Arbeitschauen bericht der örtenmaister ... von wegen deß arbeitschauens 1575 Nürnberg/Wissell,Hdw. II 163

aufschauen

DWB

auf·schauen

aufschauen , contemplari, suspicere: wenn wir nur die augen recht aufthun und unsern schaden recht aufschawen und beherzigen wolten. V. Diet…

ausschauen

DWB

aus·schauen

ausschauen , prospicere, aussehen, ausblicken: mit starrendem blicke schauet er in die finsternis aus. Klopstock Mess. 4, 1208 ; mein hin ge…

beschauen

DWB

beschauen , inspicere, visere, besehen, besichtigen, ahd. piscawôn, biscouwôn, mhd. beschouwen, nnl. beschouwen. anschauen ist innerlicher: …

Brautschauen

Adelung

braut·schauen

Das Brautschauen , des -s, plur. inus. in einigen Gegenden, z. B. in Meißen, auf dem Lande, die feyerliche Besichtigung, welche die Eltern o…

Dreinschauen

Wander

drein·schauen

Dreinschauen 1. Der schaugt drein wiera Feld voll Unglück. ( Innsbruck. ) – Frommann, VI, 37, 81. 2. Der schaut drein wie a Eierhändler, wen…

durchschauen

DWB

durch·schauen

durchschauen , perspicere, transpicere, ahd. duruhscauwôn Graff 6, 555 , mhd. durchschouwen. 1 1. untrennbar. 1@a a. völlig, im einzelnen, b…

Herausschauen

Wander

heraus·schauen

Herausschauen Da schaut etwas (oder nichts) heraus. ( Steiermark. ) Dabei ist etwas (nichts) zu gewinnen.

herschauen

DWB

her·schauen

herschauen , verb. : horet ir tauben, und schawet her, ir blinden, das ir sehet. Jes. 42, 18 ; doch nicht konnt herschauen die königin, noch…

Hineinschauen

Wander

hinein·schauen

Hineinschauen Was 'nei schaut, schaut 'raus. ( Franken. ) Der Ertrag entspricht der aufgewandten Mühe.

hinschauen

DWB

hin·schauen

hinschauen , verb. : man schaute von westen nach osten an dem felslager hin, auf welchem die lückenhaften stadtmauern .. zu sehen waren. Göt…

Hintenumschauen

Wander

hintenum·schauen

Hintenumschauen Er hat sie hintumi schaun lassen. ( Rott-Thal bei Passau. ) Er hat ihr die Ehe in Aussicht gestellt und sie nicht geheirathe…

Mühlschauen

DRW

Mühlschauen, subst. inf. wie Mühlbeschau und weil wier die gerechtsame des müleschawens ... haben, so gebieten ... wier, das jeder müller ..…

nachschauen

DWB

nach·schauen

nachschauen , verb. 1 1) intransitiv, mit den blicken folgen Stieler 1743 : ich will dir nachschauen, meine weisze gestalt soll dir geisterb…

Pfattenschauen

DRW

pfatte·n·schauen

Pfattenschauen, n. wie Pfattenschau wa einer dem andern ... die pfatten vnd zaͤun oͤffnete vnnd hinweg truͤge, daß dieselbige, es geschehe z…

Rebschauen

DRW

reb·schauen

Rebschauen, n. amtliche Besichtigung von Weingärten vgl. Rebbauschauer ordnung des rebschowens 1520/22 KonstanzWirtschR. 46

Silberschauen

DRW

silber·schauen

Silberschauen, n. Tätigkeit, Vorgang der Silbergeschau, Silberprobe (I) herrn L.S. ... entricht für 2 streicheisen vndt ettliche steckhnadl …

überschauen

DWB

ueber·schauen

überschauen , v. 1 1) untrennb. verbindung: überblicken, mit dem blick erfassen; in eigentlichem und bildlichen sinne in der neueren sprache…

umschauen

DWB

umschauen , vb. A A. trennbar. A@1 1) intransitiv. A@1@a a) ' herumschauen, die augen herumgehen lassen ', ohne nähere angabe eines zieles: …

vorschauen

DWB

vor·schauen

vorschauen , verb. , vgl. fürschauen th. 4, 1, 1, sp. 794. 1 1) in eigentlichem sinne, intr., aus etwas heraus, vorwärts, nach vorn schauen:…

wahrschauen

DWB

wahr·schauen

wahrschauen , verb. ein wort von beschränkter verbreitung, das wenig eingang in die schriftsprache gefunden hat. 1 1) warnen, auf etwas aufm…

Warschauen

Wander

war·schauen

Warschauen De mi vöör wârschût't 1 , is min fründ, de der nâst kümt, het mî 't günt. ( Lübeck. ) – Deecke, 4. 1 ) Warnen. Warschauung = Warn…

wegschauen

DWB

weg·schauen

wegschauen , zur seite sehen, den blick abwenden. nach Adelung ein obd., aber in der höheren schreibart zulässiges wort. auf, über etwas: fr…

zurückschauen

DWB

zurueck·schauen

-schauen , v. , früher auch erwägen: wie thöricht handeln dann, die ihnen lassen grauen für dem was menschlich ist, die nicht zurücke schaue…

zuschauen

DWB

zuschauen , v. 1) hinblicken, den blick auf einen punkt richten: aber schaw zuo: eben zuo diser rechten zeit sich ich mir begegnen den Chr. …

Ableitungen von schauen (3 von 3)

beschauen

DWB

beschauen , inspicere, visere, besehen, besichtigen, ahd. piscawôn, biscouwôn, mhd. beschouwen, nnl. beschouwen. anschauen ist innerlicher: …

erschauen

DWB

erschauen , aspicere, ersehen, ahd. arscouwôn rimari. Graff 6, 555 : oben herumb ich auch erschaut uralt heidnische arma hangen. H. Sachs I,…

geschauen

DWB

geschauen , verb. wie das einfache schauen. 1 1) geschauwen, contemplari, einen von fuosz auff geschauwen, ferre visus per membra alicujus M…

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „schauen". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 12. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/schauen/adelung
MLA
Cotta, Marcel. „schauen". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/schauen/adelung. Abgerufen 12. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „schauen". lautwandel.de. Zugegriffen 12. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/schauen/adelung.
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