Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
bitter Adj.
1.1 ‘bitter schmeckend, übelriechend’
1.2 ‘scharf, schneidend, spitz’
2 übertr.
2.1 ‘qualvoll, schmerzlich’
2.2 ‘heftig, groß; erbittert’
2.3 ‘Verderben bringend, böse, furchtbar’
2.4 bezogen auf eine Person (oder Personifikation): ‘böse; zornig, wütend; Furcht einflößend’
1 sinnlich, konkret 1.1 ‘bitter schmeckend, übelriechend’ diu mirre ist bitter, da mit pflogen die alten loͤut ir toten mit bestrichen PrOberalt 32,5; MarlbRh 45,34; der boum der do truk butir vrucht Pelzb 124,1; ich sihe die bittern gallen mitten in dem honige sweben Walth 124,36; zeineme wazzer si chomen, / daz was pitter [Ex 15,23] VMos 51,5; biz der win bitter wirt uon der wermute SalArz 39,50; Eckh 5:52,12; Ipocr 141; die liute [...] entvunchent ir arômatâ, / daz dirre süeze smac deme [dem Leichnam] / sîn bitter smecken beneme KvHeimHinv 568. – subst.: swelch man in sinem munde / kein bitter nie nicht hat geliden, / wie wil er smiden / der süze kraft? Frl 6:4,2. – in Vergleichen: daz keiner slahte nezzelcrût / nie wart sô bitter noch sô sûr / alse der sûre nâchgebûr Tr 15049; ich bin verdorben als ein mist, / sam bitter als ein galle KvWKlage 16,2. – bildl.: diu bitter nîtgalle, / der truhsæze Marjodô Tr 15686 1.2 ‘scharf, schneidend, spitz’ ir wâpencleider [...], / diu sich von slegen rizzen / und von den swerten bitter KvWTurn 809; auch sach die minnen riche / sin hende unde sine fuze / durchslagen gar unsuze / mit nageln bitter unde scharp Elis 1915 (zu 2.1?). – von ätzendem Gift: daz dehein eiter sî sô bittir / daz ez ime scade oder wider ime chraft habe Gen 102; wan dû bist bitters eiters vol Iw 156 2 übertr. 2.1 ‘qualvoll, schmerzlich’ [Maria] erloste in uon der bitteren helle Spec 99,8. 129,6; duͦ din sun dat bitter krüze leit MarlbRh 35,36; bitter smerze / lêret mich daz ich von sender nôt / gelige an hôher wunne tôt KvWLd 15,48; an dem vierzehenten tage so wirt diu biterste chlage AvaJG 16,1. 1311; mit bitteren trehenen Ägidius 203. 664. – der bittere tôt (lat. mors etymologisierend zu amarus): dô dû sâhe wîb scôniste, wîb liebeste / den bitteren tôt chiesen Gen 1688; an deme galgen suln sie kiesen / den vil bitteren tot GrRud Cb 30; SAlex 1170; Herb 16505; si wâren aber in dem herzen / mit dem heiligen geiste erliuhtet, / [...] daz si deheiner slahte nôt / noch den bittern tôt / nimmer mêr gevorhten KvHeimUrst 1196; weinet bit mir al sin not, / weint bit mir sin bittern dot MarlbRh 35,4; si [ die valscheit der welte ] lonete mir mit dem bitteren tode Mechth 4: 28,8 2.2 ‘heftig, groß; erbittert’ dâ hûb sich der bitteriste strît, / dâ ich noch ie abe hôrte gesagen VAlex 920; Lanc 65,7; dem wart mit slegen bitter / sô nôt und alsô wê getân KvWTurn 898; do hetten die sinen genomen / vil bittern schaden, leit groz Herb 5124; 751; der unser angest bitter / beriuwen lâze sîniu lit KvWSchwanr 828. 1522; nû wil ich iu bescheiden daz, / wie herzeminne und bitter haz / ein vil engez vaz besaz Iw 7042; alse die guͦten ein suͦze frúntschaft samenent, also martilet die úbelen ein biter vigenschaft Lucid 160,2 2.3 ‘Verderben bringend, böse, furchtbar’ mít bítteremo flûoche Will 136,17; dat bitter mer [lat. mare etymologisierend zu amarus ] der sünden MarlbRh 16,36; Mechth 7:3,56; Konr 11,88; dâ von ze jungest bitter / wart ir ende leider KvWHerzm 36; SM:JvR 1:8,3; diz merke ein ritter, dem ze bitter / al sîn fröude werden mac, / ob er langer ûf den tac / wil spulgen hinne süezer minne KvWLd 15,17; SM:HvF 1:2,10 2.4 bezogen auf eine Person (oder Personifikation): ‘böse; zornig, wütend; Furcht einflößend’ waz hât der bitter tôt getân / an dem clâren süezen kiuschen vrebel! Wh 253,28; des bittern viandes nit Wernh D 2845; ez wirt ofte ein übel hût / eines rîchen mannes brût, / diu bitter ist und sûre; / und nimt ein armer gebûre / vil lîhte dâ wider eine, / diu lûter ist und reine Eracl 2623; vil herren sint nu bitter; / er si knecht oder ritter, / swer ir willen begat, / der muz verdienen, swaz er hat, / ane lop und ane danch StrKD 4,115; er was ein man vierschrœtec / mit einer wîten brüste, / er hæte zuo verlüste / gefrumet mangen ritter. / er dûhte sich gar bitter, / und wart iedoch bestanden KvWTurn 166; rôt under sînen ougen / wart er von zorne bitter KvWTroj 19129; kein löuwe noch kein serpant / nie wurden alsô bitter, / sô der kürlîche ritter / in sîner grimmekeite was ebd. 35251; er sach vil swarzer pferde, / uf den mit unwerde / pech swartze lute riten, / die mit archlichen siten / alle waren bittere Vät 26579
MWB 1 831,31; Bearbeiter: Tao