BEHAUEN vb. ahd. bihouuuan,
mhd. mnd. mnl. behouwen.
zuerst vereinzelt ‘etwas mit dem meißel, grabstichel bearbeiten’,
dann allg., ‘etwas, ein rohmaterial durch hauen mit einem spitzen werkzeug bearbeiten u. dadurch formen’,
mit objektwechsel auch ‘
etwas hauend entfernen, abschlagen’ (zu hauen II 3
u. 4
1DWB): E8.jh.
celatam pihauuuam
ahd. gl. 1,67,16 S./S. ⟨n1190⟩ so mochte man in
(den verletzten kämpfer) schowē / als einē stoc behouwē Herbort
6416 F. ⟨u1210⟩ daz sie
(die guten dichter) ez
(das werk) mit meisterschefte / mir helfen volfüeren, / .. behouwen und besnîden Otte
133 G. 1289 daz cimmerholtz, daz man behowen hat mit der barten
(einem beil), corp. altdt. originalurk. 2,438b W. 1331
(bildl.:) wo behibe / durch rechter czucht in libe / ein vater sin sønil czart Tilo v. Kulm
5737 DTM. ⟨M14.jh.⟩ so behoͮwet er und besnidet sin buͮme Tauler
97 DTM. ⟨2.h14.jh.⟩ untz das ich cham an einen steg / new und schon behawen Suchenwirt
25,9 P. 1401 meister Nykel zymerman, daz he myt synen gesellen daz gevellte zymmer hot behouwyn
cod. dipl. Lusatiae superioris III 382 J. 1482 behawen
dolare oder behobeln, (Nürnb.) voc. theut. c 7a. 1537 dreyen zcimmerleuthen .., die das scharholcz behawen
urkb. Lübben 1,178 L. 1556 hawet den bawm vmb, vnd behawet jm die este Lauterbeck
regentenb. 20b. 1582 da ein grober rauher burgermeister newlich den schleiffstein also verderbt hat, daß man jhn wider behawen muß Fischart
geschichtklitterung 305 HND. 1608 bey einem jeden grab steht ein marckstein .., zum theil raw vnd vngearbeit, zum theil vierecket oder rund behauen Schweigger
reyssbeschr. 199 faks. ⟨v1638⟩
(bildl.:) diesen menschen muß man behawen, doch also, daß ihm der verstand bleibe Lehmann
florilegium (1662) 4,71. 1712 ein hack-messer, so gut und dienlich ist, allerley bäume und aeste damit zu behauen Marperger
natur-lex. 554. 1790 ein stück behauenes holz Kant
5,303 ak. 1830 die steine werden behauen, entweder in unregelmäßigen und polygonen formen .. oder rechtwinklig und regelmäßig K. O. Müller
hdb. 316. 1899 die einfuhr von rohem, einfach behauenem oder gesägtem steinmaterial
beschlüsse schles. landtag (1902)2,132b. 1946 als er älter wurde, sah er nun wirklich wie ein kleiner holzklotz aus, den man schnell und roh behauen hatte Wiechert
märchen 1,94. 1986 daß jenes haus .. aussah wie ein grob behauener klotz Brückner
fiedler 18. 2009 währenddessen wurde der kadaver in den tempel gebracht und auf ein lager aus kunstvoll behauenem travertin gebettet
nat. geographic Dtld. 11,48a. —
bergmannssprl. ‘die gesteinsbeschaffenheit durch hauen, (leichte) schläge, (über)prüfen, gestein abbauen’: 1499/1500 sollenn die geschwornen zuvor die orther besehen, den stein behawenn
in: frnhd. wb. 3,747. 1562 da feret er ein, bereumpt, bereytet vnnd behawet den
(erz)gang, wie bergkleut reden Mathesius
Sarepta 229b. 1693 behauen, mit schlägel und eisen versuchen, wie sichs uffn gestein und gängen arbeitet; item, von gängen etwas abstuffen Schönberg
berginformation 2,12. 1870 behauen .. von anstehendem gestein stücke losschlagen, um entweder dessen festigkeit oder den gehalt festzustellen Veith
bergwb. 1,60. —
vereinzelt sich behauen ‘
sich mit einem verhau sichern, verschanzen’: ⟨u1330/40⟩ nû hattin sich behouwin / dî Prûzin und vorheinit Nicolaus v. Jeroschin
kronike 12760 S.Götze/Arbeitsstelle