Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
angel stM.
1.1 konkret
1.2 übertr.
1.3 im Sprichwort und daraus abgeleiteten Wendungen (TPMA 6,181f.)
2 ‘Angelhaken, Angel’
3 ‘Türangel (Dreh-, Wendepunkt, Gelenk)’ (vgl. ange swM)
4 Verlängerung einer Klinge zur Befestigung des Griffes, Heftes
5 Teil der männlichen Bekleidung oder Frisur (?) (oder zu 2)
1 ‘Stachel, Dorn’ 1.1 konkret: ez sprechent auch etleich, daz der peinn [Bienen] kaiser kainen angel hab, dâ mit er stech BdN 288,30. 282,23 u.ö.; daz honec in dem munde, / daz eiter, dâ der angel lît Tr 15059; die dorn und die hagendorn die bezaichent die stunge und diu angele von den unser herre sprach zuͦ dem ersten menschen PrOberalt 140,8. – auch ‘Nagel’ owe, da ist der angel nút vast in geslagen, er ist in nút vernietet Seuse 454,4 1.2 übertr.: welch her nicht angels hat / und wib, kint, knecht an forchte lat Mügeln 262,1; diu sorge ir angel / in mîn herze hât geschoben Wh 174,22; dy mynne hett an im verspard / iren scharffen angel HvNstAp 1932; der armütte angel: GTroj 13812; der muͦs haben mangel / der da vergiften angel, / weltlichen trost und suessekait, / für Gottes trost ze hertzen lait SHort 2336; des todes angel: GTroj 10054; DvAPatern 298; schanden angel: Renner 10646 1.3 im Sprichwort und daraus abgeleiteten Wendungen (TPMA 6,181f.): nû seht daz honec, swie süeze ez sî, / da ist doch lîhte ein angel bî Freid 55,15; werlt [...] dîn lôn ist kranc, dû gîst den angel iemer nâch der süeze WernhSpr 29,2; manec zunge sprichet süeziu wort, dâ doch der angel stichet dar ebd. 6,4; iz solte kunige riwen, ob si [...] nach honige scharfen angel bieten JTit 2449,3; sô müezet ir den angel tiuhen [schlucken] , als ir daz hünic dâ sûget PrBerth 1:216,35 2 ‘Angelhaken, Angel’ ginch zu dem mer und wirf dinen angel dar in und den vische den du ze dem ersten vahest, dem tuͦ den munt auf PrOberalt 170,28; swer âne wazzer vischet / mit netzen, riusen und mit angeln, / der mac wol vische mangeln Renner 22485; ain regenwurm, dâ mit man die ängel äzt, sô man die visch wil vâhen BdN 310,5; dô hâte ich von sender klage / einen brief, daran ein angil [Haken, oder zu 1.1: Nadel?] was, / den hieng ich an sî, daz was vor tage SM:Had 1: 1,10. – übertr.: diu gotheit was der angel, den verslant der alt slange AvaLJ 154,5; / daz was der angil unde der list, / daz geborn wart Christ Hochz 893; der angel was diu gotes chraft, / da der tot wart ane irworgen MarldM 32 3 ‘Türangel (Dreh-, Wendepunkt, Gelenk)’ (vgl. ange swM): ein tür gât in einem angel ûf und zuo Eckh 5: 422,8 u.ö.; die haizzen auch die angelzaichen [Kardinalzeichen, mit den Sonnenwenden] , daruͤmb, wanne als deu tuͤr in dem angel aufget und zuget, also verandert sich deu sunne und daz jar vorderleich in den vier zaichen KvMSph 48,12 4 Verlängerung einer Klinge zur Befestigung des Griffes, Heftes: daz si [Zeugschmiede und Messermacher] ireu messer machen suln, daz di engel durch und durch di hefte und pinwerf gen NüP 137; daz daz selbe swert / in dem angel ab bræste Ottok 77078 5 Teil der männlichen Bekleidung oder Frisur (?) (oder zu 2): daz die man gend als die frawen / mit dem har und mit den klaiden, / [...] daz die fraw ein angel trait / und der man ein mantel raid, / daz e waz der frawen klaid Teichn 540,22
MWB 1 314,21; Bearbeiterin: Baumgarte