ABBILD n. zuerst im 14. jh., s. u. 3 a (
daher nicht zu abbilden,
das seit Luther
belegt ist, sondern zu bild);
allgemein geläufig erst seit dem späten 18. jh.; öfters als das sekundäre, abgeleitete dem urbild, vorbild
usw. gegenübergestellt. 1
einem urbild nachgestaltetes bild: 1515 so sy die
(wächsernen) abpilder ir voralter fleissigklichen beschäuten Pleningen
Salust N 6a. 1541
ducere similitudinem ex aliquo ein abbild von eim ding nemmen, abmachen, abconterfeyen Cholinus/
F. dict. 301a. ⟨1774⟩ Lessing
16,85 L./M. ⟨1793⟩ schliefen unter den abbildern
(reliefs auf grabplatten) die stummen urbilder selber Jean Paul
I 2,46 ak. 1830
(ein kupferstich als) abbild eines kunstproductes Goethe
IV 50,77 W. 1847 der könig läßt ein album des vereinigten landtags anfertigen, .. die ritter geben ihre wappen dazu, die standesherrn auch abbilder ihrer schlösser K. A. Varnhagen
tgb. (1861)4,95. ⟨1887⟩ die ‘sixtinische’ soll ihm’s angetan haben, ein abbild der echten, das in der wallfahrtskirche .. hing Rosegger
ges. w. 30(1922)116. 1898 einer ihrer größten triumphe steht dieser kunst
(photographie) .. noch in der herstellung farbiger abbilder bevor Büchner
sterbelager 53. 1955 aufgabe des porträtisten ist das wahrheitsgetreue abbild
bildende kunst 93b. 2
einem gegenstande faktisch gleichende bilderscheinung (insbesondere als spiegelbild oder ebenbild) 1797 fräulein, ihr seyd die grausamste die lebt/ wenn ihr zum grabe diese reize tragt/ und laßt der welt kein abbild
(im kinde) A. W. Schlegel
Shakespeare 2,189. 1808
(ein) erleuchtetes bild soll .. durch eine linse gehen, soll ein abbild hergeben Goethe
II 2,39 W. 1822
(ein robuster mann,) ganz treues abbild der köhler, wie sie in romanen vorzukommen pflegen E. T. A. Hoffmann
14,167 G. ⟨1878⟩ ihr abbild im spiegel Heyse
[1924] I 5,409. 1886 die seele, .. die zumeist als ein schatten oder als ein luftartiges abbild des menschen gedacht wird Wundt
ethik 55. ⟨1949⟩
(das) wasser, in dem das abbild der stadt zitterte Seghers
d. toten (1950)407. 1955 diese pulpa, die ein verkleinertes abbild der äußeren zahnform darstellt
wiss. annalen 193. 3
in freierer übertragung. a
schon spätmhd., frnhd. in der fügung abbild nehmen (
vgl. mhd. bilde nemen)
sich ein beispiel an etwas nehmen, ein muster nachahmen: ⟨1334⟩ daß wir die, an den wir treue und stete dienst haben funden .., genädiglichen fürziehen und ihnen helfen .. sollen .., darum daß andere leuthe dar abbilde nehmen und uns auff solche hoffnung desto gern ihr treu .. erzeigen
collectanea genealog.-hist. (
1705)
199 W. 1541
sumere simile sibi ein muster oder abbild nemmen Cholinus/
F. dict. 833b. 806b. 1654 ich bekenne, daß ich das abbild von dem unbild meiner mutter genommen, indeme allein unglückselig, daß sie mich an der mordthat übertroffen Abele
gerichtshändel 716. b
in sehr wandelbaren verwendungen als sinnbildliche vergegenwärtigung, verkörperung, wesensentsprechung, ausdruck: u1478 se makeden daer affbylden ere vnwerdicheyde
(imagines abominationum eorum, d. i. götzenbilder) kölner bibel (u)
Ezech. 7,20. 1647 reiner tugend reinster spiegel ../ abbild aller frömmigkeit
(Maria) Schottel
lustgarte 105. 1669 in den augen kan man so fort ein abbild einer freude ersehen
ders., sittenkunst 182. ⟨v1709⟩ das oelzweigel ein abbild des friedens Abraham a
s. Clara
kramer-laden (1710)1,462. ⟨1756/8⟩ war irgendwo ein schelm, .. so nahm man seinen namen, seine gestalt, .. seine sitten an, und brachte ihn so auf die bühne. dieß war .. ein ganz eigentliches abbild Ramler
schöne wissenschaften (1774)2,395. 1810
(Camponezo, dramenfigur,) dieses .. schwächere abbild von jenem
(Marinelli) Goethe
IV 21,282 W. 1811 ist .. die sprache das treueste und beste abbild der denkart
F. Schlegel
n. gesch. 138. ⟨1828⟩ jene himmlische liebe, von der alle irdische nur ein schwaches abbild ist Tieck
(1828)24,479. ⟨1835/42⟩ im Tristan zieht durch Gottfried’s kunst das getreueste abbild des gegenwärtigen lebens ein Gervinus
dt. dicht. (1853)1,387. ⟨1859⟩ kindern ist alles symbol, und alles – blumen, kiesel, blätter, grashalme, insekten –wird ihnen zu abbildern des lebens Raabe
s. w. (Berl. o. j.) II 2,106. ⟨1891⟩ konnte unser held das richtige abbild des arbeitsamen, bäurischen junggesellen gelten Kröger
nov. (1914)1,158. 1901 dort sind die himmlischen und wahrhaftigen dinge, die bilder (ideen), hier der schatten, die abbilder oder gleichnisse Wernle
anfänge 324. ⟨1911⟩ bietet dieser abschnitt
(der musik) ein charakteristisches abbild der niedergedrückten stimmung Bekker
Beethoven (1912)386. 1919
(er) verwechselt den wirtschaftlichen vorgang der produktion mit seinem abbild, nämlich der geldzirkulation Rathenau
br. (1926)2,171. 1947 wie einer auf dieser erde gelebt habe, so daß seine spur noch nach fast zweitausend jahren unvergänglich strahle, ewiges abbild dessen, daß die liebe stärker sei als der haß Fallada
jeder stirbt 466. 1960 urbild – abbild – sinnbild. studien zur symbolforschung Closs
(titel) in: forschungen u. fortschritte 301. —
entsprechend abbilden 3 c,
wahrnehmungsbild vorstellung: 1648 solche äusserliche vorstellung der menschlichen händel
(in schauspielen), .. darin die persönliche nachahmung vermittelst unseres gesichts, als der tühr zu unserem gemühte ein wahres abbild des wesens selbst uns vorzeiget Schottel
friedens sieg 11 HND. ⟨1878⟩ die dinge und ihre begrifflichen abbilder Engels
in: Marx/E.
w. (1956)20,22. 1898 daß die beziehung von abbild und gegenstand unser gesammtes erkenntnißleben .. durchwaltet
zs. f. immanente philos. 293. ⟨1913⟩ die wahrnehmung der welt ist bei uns nie ein totes mechanisches abbild der umgebung Jaspers
psychopathologie (1923)64. 1955 im prozeß der empfindungen und wahrnehmungen entsteht im gehirn des menschen ein abbild des gegenstandes
sowjetwiss. (gesellschaftswiss. abt.) 639.Dückert