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Teufel

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Herder
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Eintrag · Herder (Konv.-Lex., 1854–57)

Teufel

Bd. 5, Sp. 441
Teufel, vielleicht vom griech.-latein. diabolus (Verläumder), woher offenbar das ital. diavolo, frz. diable und engl. devil stammt, auch Satan (Widersacher), Lucifer (Lichtbringer, Morgenstern), Belzebub, Belial, Fürst dieser Welt, Höllenfürst, Versucher u. dergl. genannt, der oberste der gefallenen Engel, von welchem man gewöhnlich so redet, als ob er allein vorhanden sei. Die Kirche lehrt aber, daß es viele T. (Asmodi, Azazel u.s.f.), ein ganzes satanisches Reich gibt, welches dem Reiche Gottes todesfeindlich obwohl an sich machtlos gegenübersteht, daß dieselben ursprünglich heilige Geister waren, von Gott abfielen, auf ewig verworfen und unselig wurden u. darnach streben, die ganze Schöpfung Gott zu entfremden und allen andern Creaturen ihr eigenes unglückseliges Loos in der Hölle (s. d.) zu bereiten. Beim Menschen suchen sie dies zu erreichen durch Verderbniß dessen, wessen er sich bedient z.B. der Nahrung, durch Versuchungen und Verführungen, endlich durch Verwirrung u. Zerstörung seines Selbstbewußtseins (vgl. Besessene), wogegen die Kirche durch Benedictionen, Exorcismen und Gebet zu schützen sucht. Durch die in Christo dem Menschen gewordene Gnade ist es ihm möglich, den Versucher zu überwinden u. das Böse, womit er droht, das er aber nicht schafft und worüber er nur in Folge von Gottes Zulassung verfügen kann, fern zu halten. Bereits das A. T. weist den T.n oder Dämonen die Wüste als Wohnsitz an, läßt sie gegen den Menschen kämpfen durch Verleitung zur Sünde (1. Chron. 21,1; 2. Kön. 19,22), Verkleinerung, Verläumdung und Denunciation (Job 1 und 2; Zach. 3,1) und Zufügung natürlicher Uebel (Job 3,8; Tob. 6,14. 17) und bezeichnet namentlich die Götzen der Heiden als T. (Dämonen). Von den Zeiten der Kirchenväter bis tief ins Mittelalter hinein beschäftigte man sich viel 1) mit der Gestalt, 2) ersten Sünde und 3) dem Aufenthalte der T. in der Zeit zwischen ihrem Falle u. dem jüngsten Gerichte. Hinsichtlich der Gestalt wurde in der lat. Kirche die Meinung herrschend, die T. wie die Engel überhaupt seien rein geistige, körperlose Substanzen, die griech. dagegen blieb dabei, wenn auch nicht die guten Engel so seien doch die T. materieller Natur; das Volk hielt es in diesem Punkte mit den Griechen, seine Einbildungskraft machte den T. zu einem möglichst grauenhaften u. häßlichen Wesen (Hörner, Klauen, Schweif, schwarze Farbe, während sich die Neger den T. weiß vorstellen) und ließ ihn in zahllosen Sagen und Ausgeburten des Aberglaubens wie des Lasters (T.sverschreibungen, Faustsage) Rollen übernehmen. Hinsichtlich der Ursünde der T. bezeichneten die einen als solche den unzüchtigen Umgang eines Theiles der Engel mit menschlichen Weibern, andere Neid, eine dritte Partei Hochmuth. Die Wahrheit möchte darin liegen, daß Hochmuth einen Theil der Engel noch vor der Schöpfung des Menschen zum Falle brachte, und daß der begonnene Widerspruch gegen Gott zu immer schwerern Sünden aller Art führte. Als Aufenthaltsort der T. ist die Hölle bekannt, doch haben die T. so lange mit dieser Welt zu schaffen als dieselbe bestehen wird, und erst nach dem Tage des Gerichts werden sie ausschließlich in der Hölle leben und ihre volle Strafe antreten. — Der prot. Rationalismus hat sich sehr bemüht, den T. und seine Legionen aus der Welt hinaus zu disputiren und zur persönlich gedachten Idee des absolut Bösen zu verdünnen. Schleiermacher stellte die Einwendungen gegen die Existenz des T.s zusammen, allein die Stellen der hl. Schrift lassen sich nicht gut drehen und deuteln u. noch weniger auslöschen. — Daß die T. nicht nur in der jüdischen, christlichen und mohammed. Religion eine Hauptrolle spielen, sondern fast in allen Religionen, daran erinnern die Namen Ahriman, Siwa, Loki u.a.m. sowie die mitunter sehr abergläubischen und seltsamen Vorstellungen der sog. Naturvölker. — Ueber die T. schrieben besondere Werke der griech. Mönch Psellus (zuerst herausgegeben 1615, zuletzt 1838), die Katholiken Miaskowsky (1730), Platina (Bologna 1740), der Abt Gerbert von St. Blasien (1776), Sambuga (1810); der Kantianer Erhard lieferte eine „Apologie des Tu” (1795), der Schellingianer Daub seinen „Judas Ischarioth” (1816—17). — Verteufelung, das Aehnlichwerden des Menschen mit dem T.; möglich, weil der Mensch einen freien Willen und die Sünde ihren Fortschritt hat.
4311 Zeichen · 73 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Teufel

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Der Teufel , des -s, plur. ut nom. sing. Diminut. das Teufelchen, in der Theologie, ein übelthätiges Wesen höherer Art, …

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Teufel

    Goethe-Wörterbuch

    Teufel [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Teufel

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +2 Parallelbelege

    Teufel , vielleicht vom griech.-latein. diabolus (Verläumder), woher offenbar das ital. diavolo , frz. diable und engl. …

  4. modern
    Dialekt
    Teufel

    Bayerisches Wörterbuch · +4 Parallelbelege

    Teufel Band 3, Spalte 3,1605–1620

  5. Sprichwörter
    Teufel

    Wander (Sprichwörter)

    Teufel Teufel (s. Teixel). 1. A mol muess ma'm Teuffel uff de Wedel treta. – Birlinger, 1036. 2. All, wat de Düwel nich …

  6. Spezial
    Teufel

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Teu|fel m. (-s,-) 1 malan (-s) m. , ‹pop› diau m. 2 (Dämon) demon (-s) m. 3 (Kinderschreck) corneta (-tes) m. , terdifl …

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit teufel

734 Bildungen · 653 Erstglied · 77 Zweitglied · 4 Ableitungen

Zerlegung von teufel 2 Komponenten

teu+fel

teufel setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

teufel‑ als Erstglied (30 von 653)

Teufelstadt

SHW

Teufel-stadt Band 1, Spalte 1491-1492

teufelbännig

DWB

teufel·baennig

teufelbännig , adj. vom teufel besessen: teufelbennige leute. Mathesius Syr. 104 b ; in unserm heillosen, ... teufelbennigen hertzen. tröstl…

Teufelbannen

DRW

teufel·bannen

Teufelbannen, n. wie Teufelsbeschwörung sollen die prediger mit hohem fleiss und ernst wider solche sünde und laster, der zeuberei, weidlere…

teufelbanner

DWB

teufel·banner

teufelbanner , m. der den teufel bannt (II, 11), vergl. teufelsbanner : er war auch ein teufelbanner und zauberer. Aventin. 1, 328, 4 , teuf…

teufelbeschwörer

DWB

teufel·beschwoerer

teufelbeschwörer , m. nigromanticus, teufelbeswerer voc. opt. 33, 4, magus, teufelbeschweerer Maaler 400 a , vergl. teufelsbeschwörer : die …

teufelbuch

DWB

teufel·buch

teufelbuch , n. ein buch der teufellitteratur: die teufelbücher des Andr. Musculus (hosenteufel, schulteufel u. s. w. ). Gödeke grundr. 2 2,…

teufelchen

DWB

teufel·chen

teufelchen , n. , demin. zu teufel Stieler 428 , vgl. teufelein: sie welte gern ainmal ain kleins deufelche sehen. Zimm. chron. 2 1, 365, 3;…

teufelei

DWB

teufe·lei

teufelei , f. , mnd. duvelie ( Schiller-Lübben 1, 606 a ), das wesen, thun und treiben eines teufels oder wie eines teufels, schlechtigkeit,…

teufelein

DWB

teufe·lein

teufelein , n. , demin. zu teufel Stieler 428 , vergl. teufelchen: er ( satan ) machet jung teufelein; so muosten clagen al die teufel di da…

Teufelentzücken

Campe

teufel·entzuecken

◬ Das Teufelentzücken , — s , o. Mz . ein teuflisches Entzücken, z. B. über etwas Böses, Abscheuliches. Mit dem schwärzesten Teufelentzücken…

Teufeler

PfWB

teufe·ler

Teufeler m. : ' Plagegeist ', Deiweleʳ [ KU-Schmittw/O ]; vgl. teufeln 2 b.

Teufelerei

PfWB

teufel·e·rei

Teufelerei f. : = Teufelei ; Deiwlerei treiwe [ ZW-Rieschw ], Deiwelereie (Pl.) [ HB-Mimb ]. Der is voll mit Deiwlerei [ Don-Werb ]. Saarbr.…

Teufeley

Adelung

teufe·ley

Die Teufeley , plur. die -en, eine unmittelbare Wirkung des Teufels, und was dafür gehalten wird. Ingleichen figürlich, boshafte, lose, verw…

teufelfrager

DWB

teufel·frager

teufelfrager , m. der den teufel ruft und fragt: wie könig Saul alle warsager, zeichendeuter und teuffel-frager hat auszgerottet in dem land…

teufelgehetzt

DWB

teufelgehetzt , part. , vom teufel gehetzt: giftige, neidische, teufelgehetzte leute. Fischart ehz. 550 .

teufelhaft

DWB

teufel·haft

teufelhaft , adj. , mhd. tiuvelhaft, md. tûvelhaft, mit dem teufel behaftet, vom teufel besessen, daher teuflisch, teufelmäszig ( Lexer 2, 1…

teufelhaftig

DWB

teufel·haftig

teufelhaftig , adj. , mhd. tiuvelhaftic, -heftic dasselbe ( Lexer a. a. o. ): teufelhaftiger oder besesner voc. 1482 gg 4 b ; deine freund z…

teufel als Zweitglied (30 von 77)

Putzteufel

RDWB1

Putzteufel m помешан на чистоте, чистюля разг.

Abcteufel

Wander

abc·teufel

Abcteufel Er ist (nur) ein junger Abcteufel, der noch nicht buchstabiren kann. – Luther, Grimm, I, 18. Von unbedeutenden, nicht durch gelehr…

Aergerteufel

Wander

aerger·teufel

Aergerteufel 1. Den muss der Aergerteufel reiten. ( Nordböhmen. ) 2. Er ist ein Aergerteufel. ( Nordböhmen. )

Armenteufel

DRW

armen·teufel

Armenteufel "hieß im 17. Jahrhundert, nach einem Ausdrucke des täglichen Lebens, selbst in der amtlichen Sprache Rigas, der Bettelvogt ... d…

Diebsteufel

Wander

dieb·s·teufel

Diebsteufel Der Diebsteufel ist ein arger Schelm. – Kirchhofer, 144.

Diefkater (Teufel)

Wander

Diefkater (Teufel) Diefkater (Teufel). De Diefkater schall die holn.

dorfteufel

DWB

dorf·teufel

dorfteufel , m. 1 1. wie dummer teufel. du hölzener dorfteubel bauernbengel Ch. Weise Jephtha 3, 15 . so ist wol war das es ( ihr ) tume dor…

eheteufel

DWB

ehe·teufel

eheteufel , m. motor discordiae inter conjuges, dann auch mala conjux.

fegteufel

DWB

feg·teufel

fegteufel , m. entweder gleichviel mit fegenteufel, einen gewaltsamen mann bezeichnend, der selbst den teufel nicht fürchtet, oder davon zu …

feldteufel

DWB

feld·teufel

feldteufel , m. daemon ruralis: und mit nicht ire opfer hinfort den feldteufeln opfern, mit den sie huren ( vulg. et nequaquam ultra immolab…

feuerteufel

DWB

feuer·teufel

feuerteufel , m. kegelförmiger pulverteig, lauffeuer zum abbrennen, petermännchen, schweiz. fürtüfel.

Flußteufel

Adelung

fluss·teufel

Der Flußteufel , des -s, plur. ut nom. sing. Diminut. das Flußteufelchen, des -s, plur. ut nom. sing. eine Art der Wasserhühner, welche größ…

geizteufel

DWB

geiz·teufel

geizteufel , m. 1 1) teufel des geizes der unter den menschen wirkt, einen menschen besessen hat u. ä. ( vgl. geist der geitigkeit unter gei…

Geldteufel

Wander

geld·teufel

Geldteufel Der Geldteufel hat ihn gepackt. Holl. : De geldduivel heeft hem beet. ( Harrebomée, I, 217. )

grasteufel

DWB

gras·teufel

grasteufel , m. , ein als häszlich und schrecklich vorgestelltes zwerghaftes wesen der niederen mythologie. 1 1) in eigentlicher anwendung: …

hausteufel

DWB

haus·teufel

hausteufel , m. 1 1) böser geist in einem hause: da unzüchtige Priapus-diener ihren sahmen dem teufel aufopfern, aus welchem hernach dieser …

Ableitungen von teufel (4 von 4)

unteufel

DWB

unteufel , m. , schweizerisch ' roher mensch ' Staub-Tobler 1, 298 ; teufel 19 d mit un IV D 2. oft bei Gotthelf : der u., der er ist! für w…

urteufel

DWB

urteufel , m. , teufel mit ur- C 4 a. vgl. erz-, oberteufel . von Campe als neubildung verzeichnet, doch schon Notker gebraucht urtiefel: su…

Verteufel

RhWBN

Ver-teufel -dø˙y.f- Köln-Stommeln m.: -zorniger.

verteufelung

DWB

verteufelung , f. , zu verteufeln 3, ' verwandlung in teufel '. diese verteuflung der götter habe ich im ... 'salon' ... besprochen Heine 6,…

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APA
Cotta, M. (2026). „teufel". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 8. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/teufel/herder?formid=T00516
MLA
Cotta, Marcel. „teufel". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/teufel/herder?formid=T00516. Abgerufen 8. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „teufel". lautwandel.de. Zugegriffen 8. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/teufel/herder?formid=T00516.
BibTeX
@misc{lautwandel_teufel_2026,
  author       = {Cotta, Marcel},
  title        = {„teufel"},
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