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teufel

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Meyers
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6 von 16

Eintrag · Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

Teufel

Bd. 19, Sp. 444
Teufel (griech. Diabolos, »Verleumder«; hebr. Satan, soviel wie Widersacher), das personifizierte Prinzip des Bösen. Die bereits in den niedern Religionen begegnende Unterscheidung wohltätiger und unheilvoller göttlicher Wesen, wie sie durch die Erfahrung sei es freundlicher und förderlicher, sei es beängstigender und schädigender Wirkungen der Geister und Naturkräfte nahegelegt war, gestaltete sich mit zunehmender Versittlichung der Religion einerseits zu einer Überordnung der als Vertreter des Guten aufgefaßten Götter über die Dämonen, anderseits zu einer dualistischen Gegenüberstellung der Macht des Guten und der Macht des Bösen und des Übels. Am ausgebildetsten trat ein solcher Dualismus im alten Persien auf. Von da drang die Lehre von einem persönlichen Haupte des Reiches des Bösen in das Judentum ein, und erst jetzt wurde der Satan, der im Buch Hiob noch als ein übelwollender, aber Gott untergeordneter und in seinem Dienst handelnder Unglücksengel erscheint, zum eigentlichen T., neben dem und unter dem in der spätjüdischen Literatur noch andre Dämonen als Plagegeister der Menschen erscheinen. Dieselbe dämonologische Vorstellungswelt ist in voller Stärke dann auch in die neutestamentlichen Schriften übergegangen, wie schon die große Rolle beweist, welche die »Besessenen« (s. d.) in den Evangelien spielen. Wenn dann auch noch in den spätern Lehrschriften des Neuen Testaments Christus als Sieger erscheint über den »Fürsten dieser Welt«, d. h. den mit landesüblichen Ausdrücken auch Beelzebub (s. d.) oder Beelzebul, eine Form des Baal, und Belial oder Beliar (ursprünglich wohl ein Gott der Unterwelt) genannten Satan, so tritt damit die mit Hölle und T. sich befassende Vorstellung vor allem in den Dienst der Vertiefung der religiösen Ideen und Motive. Der Glaube an die Überwindung des Teufels durch Christus trug wesentlich dazu bei, der Lehre vom Messias einen sittlichen Gehalt zu geben und alle Energie der sittlichen Kräfte in den Gläubigen zum Kampfe wider die Gewalt des Argen ins Feld zu rufen. Aber auch, als die sittliche Begeisterung abgekühlt war, erhielt sich die Vorstellung vom T., der seither in der christlichen Dogmatik den persönlichen Repräsentanten der Sünde bildet, den Widersacher des göttlichen Reiches, den Urheber des Sündenfalls, den allzeit geschäftigen Veranlasser böser Lüfte und unfrommer Gedanken in den Gläubigen. Im Gegensatz zu den Schutzengeln und guten Geistern galten in der alten Kirche die Dämonen oder bösen Engel als geschaffene, aber freiwillig abgefallene Geister, welche die Heidenwelt beherrschen, Gegenstand des heidnischen Kultus sind, Christenverfolgungen veranlassen und die Ausbreitung der Kirche hindern. Ihr Haupt Lucifer (s. d.) hat sich gleich nach der Schöpfung aus Neid oder Hochmut von Gott losgesagt; seine endliche Bekehrung, die einzelne Lehrer in Aussicht stellten (s. Apokatastase), wurde schon von Irenäus und seit Augustin von der ganzen Rechtgläubigkeit geleugnet. Dagegen war man der Ansicht, daß infolge des Sieges Christi über Tod und Hölle die Sakramente und das Gebet, ebenso Weihwasser, Kreuzeszeichen u. dgl. erfolgreiche Mittel seien, den Versuchungen des Teufels zu begegnen. Das Volk gab dem T. eine schreckhafte Gestalt, und besonders im germanischen Volksglauben spielte er von jeher eine große Rolle, teils allerdings auch humoristisch im Märchen, meistens aber schauerlich im Glauben an Hexerei und Zauberei. Die Theologen und Juristen, die seit dem 15. Jahrh. die Theorie und Praxis der Hexenprozesse kultivierten, haben auch die genauere Naturgeschichte des Teufels festgestellt. Selbst die Reformation hat den Teufelsglauben als unentbehrlichen Artikel mit in den Kauf genommen, Luther voran, der sein lebelang wider den »alt' bösen Feind« zu Felde lag. Erschüttert wurde die Lehre erst im Zusammenhang mit den Hexenprozessen, und infolge der kritischen Richtung, die in der zweiten Hälfte des 18. Jahrh. die protestantische Theologie erfaßte, singen selbst die offenbarungsgläubigen Theologen an, die Lehre vom Satan zu mildern, während die Rationalisten ihn ganz aus dem christlichen Glauben verwiesen, indem sie die biblischen Äußerungen auf Akkommodation zurückführten. Ebenso ersetzt die moderne Theologie die Satansvorstellung durch den Gedanken einer über den Einzelnen stehenden Macht der menschlichen Gesamtsünde. Die neuere Orthodoxie dagegen hat sich des Teufels wieder mit Vorliebe angenommen, und im Volksglauben spielt er noch immer eine große Rolle; selbst die Meinung, daß man durch Zaubersprüche den T. und seine Geister herbeirufen und unter gewissen Bedingungen sich dienstbar machen könne (Teufelsbeschwörung), steht noch vielfach in Blüte. Vorgestellt wird er nach altväterlicher Weise schwarz und behaart, mit Bocks- oder Pferdefüßen, Krallen, Hörnern, einem Kuhschwanz, häßlichem Gesicht und langer Habichtsnase und bei seinem Verschwinden einen argen Gestank hinterlassend. Überdies hat er im Volksglauben noch viel von dem Wesen, den Gestalten und den Namen der alten Gottheiten beibehalten, und die meisten Sagen, die vom T. handeln, sind auf die ehemaligen Götter zu beziehen. Daher spukt der T. hauptsächlich an Stätten, die im Heidentum heilig waren, heischt dieselben Opfer, die einst die Götter empfingen, erscheint häufig als grüner Jäger oder in Tiergestalt. Mitunter sind auch Züge von den Riesen auf ihn übergegangen, und deshalb werden nicht nur uralte Bauten, Fußspuren in Felsen und Pflanzen nach ihm benannt, sondern auch viele Sagen von ihm erzählt, in denen er, wie einst die Riesen von Helden, von Menschen überlistet wird. Die Kunst pflegt den T. allegorisch, namentlich unter den biblischen Bildern einer Schlange oder eines Drachen, darzustellen. Vgl. Roskoff, Geschichte des Teufels (Leipz. 1869, 2 Bde.); Wessely, Die Gestalten des Todes und des Teufels in der darstellenden Kunst (Leipz. 1875); Längin, Die biblischen Vorstellungen vom T. (das. 1890); Osborn, Die Teufelliteratur des 16. Jahrhunderts (Berl. 1893); Carus, The history of the devil (Chicago u. Lond. 1900); Lancelin, Histoire mythique de Shatan (Par. 1903); Wünsche, Der Sagenkreis vom geprellten T. (Wien 1905).
6171 Zeichen · 60 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Teufel

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Der Teufel , des -s, plur. ut nom. sing. Diminut. das Teufelchen, in der Theologie, ein übelthätiges Wesen höherer Art, …

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Teufel

    Goethe-Wörterbuch

    Teufel [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Teufel

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +2 Parallelbelege

    Teufel , vielleicht vom griech.-latein. diabolus (Verläumder), woher offenbar das ital. diavolo , frz. diable und engl. …

  4. modern
    Dialekt
    Teufel

    Bayerisches Wörterbuch · +4 Parallelbelege

    Teufel Band 3, Spalte 3,1605–1620

  5. Sprichwörter
    Teufel

    Wander (Sprichwörter)

    Teufel Teufel (s. Teixel). 1. A mol muess ma'm Teuffel uff de Wedel treta. – Birlinger, 1036. 2. All, wat de Düwel nich …

  6. Spezial
    Teufel

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Teu|fel m. (-s,-) 1 malan (-s) m. , ‹pop› diau m. 2 (Dämon) demon (-s) m. 3 (Kinderschreck) corneta (-tes) m. , terdifl …

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit teufel

968 Bildungen · 653 Erstglied · 311 Zweitglied · 4 Ableitungen

Zerlegung von teufel 2 Komponenten

teu+fel

teufel setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

teufel‑ als Erstglied (30 von 653)

teufelbännig

DWB

teufel·baennig

teufelbännig , adj. vom teufel besessen: teufelbennige leute. Mathesius Syr. 104 b ; in unserm heillosen, ... teufelbennigen hertzen. tröstl…

Teufelbannen

DRW

teufel·bannen

Teufelbannen, n. wie Teufelsbeschwörung sollen die prediger mit hohem fleiss und ernst wider solche sünde und laster, der zeuberei, weidlere…

teufelbanner

DWB

teufel·banner

teufelbanner , m. der den teufel bannt (II, 11), vergl. DWB teufelsbanner : er war auch ein teufelbanner und zauberer. Aventin. 1, 328, 4 , …

teufelbeschwörer

DWB

teufel·beschwoerer

teufelbeschwörer , m. nigromanticus, teufelbeswerer voc. opt. 33, 4, magus, teufelbeschweerer Maaler 400 a , vergl. DWB teufelsbeschwörer : …

teufelbuch

DWB

teufel·buch

teufelbuch , n. ein buch der teufellitteratur: die teufelbücher des Andr. Musculus (hosenteufel, schulteufel u. s. w. ). Gödeke grundr. 2 2,…

teufelchen

DWB

teufel·chen

teufelchen , n. , demin. zu teufel Stieler 428 , vgl. teufelein: sie welte gern ainmal ain kleins deufelche sehen. Zimm. chron. 2 1, 365, 3;…

teufelei

DWB

teufe·lei

teufelei , f. , mnd. duvelie ( Schiller-Lübben 1, 606 a ), das wesen, thun und treiben eines teufels oder wie eines teufels, schlechtigkeit,…

teufelein

DWB

teufe·lein

teufelein , n. , demin. zu teufel Stieler 428 , vergl. teufelchen: er ( satan ) machet jung teufelein; so msten clagen al die teufel di da …

Teufelentzücken

Campe

teufel·entzuecken

◬ Das Teufelentzücken , — s , o. Mz . ein teuflisches Entzücken, z. B. über etwas Böses, Abscheuliches. Mit dem schwärzesten Teufelentzücken…

Teufeler

PfWB

teufe·ler

Teufeler m. : ' Plagegeist ', Deiweleʳ [ KU-Schmittw/O ]; vgl. PfWB teufeln 2 b.

Teufelerei

PfWB

teufel·e·rei

Teufelerei f. : = PfWB Teufelei ; Deiwlerei treiwe [ ZW-Rieschw ], Deiwelereie (Pl.) [ HB-Mimb ]. Der is voll mit Deiwlerei [ Don-Werb ]. Sa…

Teufeley

Adelung

teufe·ley

Die Teufeley , plur. die -en, eine unmittelbare Wirkung des Teufels, und was dafür gehalten wird. Ingleichen figürlich, boshafte, lose, verw…

teufelfrager

DWB

teufel·frager

teufelfrager , m. der den teufel ruft und fragt: wie könig Saul alle warsager, zeichendeuter und teuffel-frager hat auszgerottet in dem land…

teufelgehetzt

DWB

teufelgehetzt , part. , vom teufel gehetzt: giftige, neidische, teufelgehetzte leute. Fischart ehz. 550 .

teufelhaft

DWB

teufel·haft

teufelhaft , adj. , mhd. tiuvelhaft, md. tûvelhaft, mit dem teufel behaftet, vom teufel besessen, daher teuflisch, teufelmäszig ( Lexer 2, 1…

teufelhaftig

DWB

teufel·haftig

teufelhaftig , adj. , mhd. tiuvelhaftic, -heftic dasselbe ( Lexer a. a. o. ): teufelhaftiger oder besesner voc. 1482 gg 4 b ; deine freund z…

teufel als Zweitglied (30 von 311)

Ɉagdteufel

Campe

† Der Ɉagdteufel , des — s , d. Mz . w. d. Ez. in der Schifffahrt, der Name eines kleinen Segels am Flaggenstocke. — Nach der Sprachähnlichk…

Ɉageteufel

Campe

† Der Ɉageteufel , des — s , d. Mz . ungew. der Name einer Pflanze. S. Johannskraut .

Putzteufel

RDWB1

Putzteufel m помешан на чистоте, чистюля разг.

abceteufel

DWB

abc·e·teufel

abceteufel , m. , gleichviel mit abceschütz, wahrscheinlich aus einem scherz alter schulfeste zu deuten. ah, das ist entweder ein junger abc…

Abcteufel

Wander

abc·teufel

Abcteufel Er ist (nur) ein junger Abcteufel, der noch nicht buchstabiren kann. – Luther, Grimm, I, 18. Von unbedeutenden, nicht durch gelehr…

Aergerteufel

Wander

aerger·teufel

Aergerteufel 1. Den muss der Aergerteufel reiten. ( Nordböhmen. ) 2. Er ist ein Aergerteufel. ( Nordböhmen. )

Armenteufel

DRW

armen·teufel

Armenteufel "hieß im 17. Jahrhundert, nach einem Ausdrucke des täglichen Lebens, selbst in der amtlichen Sprache Rigas, der Bettelvogt ... d…

Beissteufel

RhWB

beiss·teufel

Beiss-teufel Kemp-UWeiden m.: in der RA.: He kik wie ne Bitdüvel sehr böse dreinsehn.

Büschteufel

RhWB

buesch·teufel

Büsch-teufel Klev , Rees m.: Mensch mit struppigem, wildem Haar . Den sieht ut as en Bossdüwel.

dickteufel

DWB

dick·teufel

dickteufel , m. Mephistopheles spricht zu den dickteufeln vom kurzen graden horne nun wanstige schuften mit den feuerbacken, ihr glüht so re…

Diebsteufel

Wander

dieb·s·teufel

Diebsteufel Der Diebsteufel ist ein arger Schelm. – Kirchhofer, 144.

Diefkater (Teufel)

Wander

Diefkater (Teufel) Diefkater (Teufel). De Diefkater schall die holn.

dorfteufel

DWB

dorf·teufel

dorfteufel , m. 1 1. wie dummer teufel. du hölzener dorfteubel bauernbengel Ch. Weise Jephtha 3, 15 . so ist wol war das es ( ihr ) tume dor…

dreiteufel

DWB2

drei·teufel

dreiteufel m. : 1888 ins dreiteuffels namen Jowiris studententeuffel 65. 1963 Grass hundejahre 21 576.

Ableitungen von teufel (4 von 4)

unteufel

DWB

unteufel , m. , schweizerisch ' roher mensch ' Staub-Tobler 1, 298 ; teufel 19 d mit un IV D 2. oft bei Gotthelf : der u., der er ist! für w…

urteufel

DWB

urteufel , m. , teufel mit ur- C 4 a. vgl. erz-, DWB oberteufel . von Campe als neubildung verzeichnet, doch schon Notker gebraucht urtiefel…

Verteufel

RhWBN

Ver-teufel -dø˙y.f- Köln-Stommeln m.: -zorniger.

verteufelung

DWB

verteufelung , f. , zu verteufeln 3, ' verwandlung in teufel '. diese verteuflung der götter habe ich im ... 'salon' ... besprochen Heine 6,…