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Schelten

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Wander
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Eintrag · Wander (Sprichwörter)

Schelten

Bd. 3, Sp. 136
Schelten 1. Die sich scholle (schelten), die sich wolle. (Nassau.) – Kehrein, VI, 29. In Ostpreussen: Dei söck schölle, dei söck wölle. (Frischbier2, 3280.) 2. Die sich selber schelten, werden auch bei andern nicht viel gelten. Mhd.: Wolde ich mich selber schelden, mich sulde ieman loben selden. (Morolf.) (Zingerle, 121.) 3. Ein wenig Schelten ist viel besser als viel Herzeleid. – Eiselein, 547; Simrock, 8944. 4. Einer, der schilt, wirfft viel Koth vmb sich, vnd es hinckt doch niemand davon. – Lehmann, 700, 34. Mhd.: Swer schiltet wider schelten, der wil mit schelten gelten. (Freidank.) 5. Es ist leichter gescholten als vergolten. – Körte, 5287; Lohrengel, I, 262. Engl.: A man is not so soon healed as hurt. 6. Es kann mich niemand weniger schelten, als ich bin. – Simrock, 8939a. 7. Es steht übel schelten, so man soll helffen. – Franck, I, 67a; Lehmann, II, 139, 116; Simrock, 8941; Körte, 5286. Lat.: Dominari est obiurgare, cum auxilio est opus. (Franck, I, 67a.) 8. Gescholten ist leichter als vergolten. – Eiselein, 547; Simrock, 8943. 9. Jeder schilt's und jeder thut's. Wie etwa J. Gruterus von Machiavell zu sagen pflegte: »Jedermann schilt ihn und jedermann prakticirt ihn.« (Einfälle, 189.) 10. Man muss einen schelten, dass man ihn wieder rühmen, und rühmen, dass man ihn wieder schelten kann. 11. Man schilt vns, so benedeyen (segnen) wir. – Henisch, 278, 14. 12. Mancher schilt sich selber, indem er einen andern lobt. – Lehmann, 489, 15. »Als so ein vngelehrter einen gelehrten, ein Fauler einen Arbeitsamen lobt.« 13. Mit schelten gehets wie mit schlägen, die rey ist kurtz vnnd kompt bald wieder an dich. – Lehmann, 703, 67. 14. Schellen, schellen deit nêt sehr (wehe); slagen, slagen betert wer. – Kern, 1524. Damit tröstet sich die muthwillige Jugend in jeglicher Bedrängniss. 15. Schelten gehöret bösen Weibern zu. – Petri, II, 528. 16. Schelten hat kein Recht. – Pistor., 641. 17. Schelten in not ist en grewel vnd spot. – Franck, I, 66b; Eiselein, 547; Simrock, 8942; Lohrengel, I, 579; Körte, 5285. Lat.: Crudelis in re aduersa est obiurgatio. (Franck, I, 66b.) 18. Schelten ist erlogen. – Lehmann, 699, 11; Simrock, 8938. 19. Schelten ist leichter als vergelten. Darum wählt der Undankbare das Leichtere. 20. Schelten ist nicht Ablass. – Wicelius, Vertedigsrede. 21. Schelten können alle alten Weiber. (Wolfenbüttel.) 22. Schelten macht keine Flecken. 23. Schelten schreckt mehr an den verstendigen, denn hundert Schlege an den Narren. – Petri, II, 528; Sprichwort, 7, 10; Schulze, 72; Zehner, 101. 24. Schelten und fluchen ist bey den Soldaten die beste Eloquenz. – Chaos, 583. 25. Schelten und Keifen ist Frauenart, nicht darauf zu achten – Mannesart. – Hertz, 59. 26. Schelten und Schlagen ist (hat) kein Recht. – Simrock, 8940; Körte, 5289; Graf, 351, 400. 27. Schelten zieret keinen Mann, da's auch ein altes Weib, ein Gassenbube kann. Mhd.: Lat schelten ungezogeniu wîp; dien mugen niht gevehten. (Iwein.) – Wie zimt daz helede lîp, daz si suln schelten, sam diu alten wîp. (Nibelungen.) (Zingerle, 132.) 28. Schilt, aber nicht ernstlich; schlage, aber nicht todt; verfolge, aber hole nicht ein, so wirst du ein guter Landwirth sein. (Lit.) 29. Schilt, dass du noch loben kannst (oder: dass noch zu loben Platz ist). – Sailer, 129; Simrock, 8945. 30. Schilt keinen und lobe die Geschickten. – Eiselein, 547; Simrock, 8947; Schottel, 1227a. Lat.: Nee tua laudabis studia aut aliena reprendes. (Eiselein, 547.) 31. Schilt nicht mich und die Meinen, sieh erst auf dich und die Deinen; findest du nichts bei dir und den Deinen, dann komm zu mir und den Meinen. n.: Last ei mig og mine, gak først til dig og dine, findes der eilast hos dig og dine, kom saa til mig og mine. (Prov. dan., 377.) 32. Schilt vnd lob nyemandt bald (vorschnell, zu geschwinde). – Franck, I, 72a; Körte, 5288; Simrock, 8946. Frz.: De fou juge briève sentence. Ung.: Lemmi itéletben nem jó a' harmarság. 33. Schiltst du mich, so sag' mir nur nicht Götz. – Eiselein, 255. »Sag' mir alles, sag' mir nur nicht Bertsche«, hörte Eiselein einst einen Bauer zu seinem Gegner, der Bertsche hiess, sprechen. 34. Sich selber schelten ist Thorheit. – Petri, II, 525. n.: Hvo sig selv laster, hannem lover ingen mand. (Prov. dan., 377.) 35. Vom Schelten wird keine Beule. Kein Schwär, sagen die Neger in Surinam. 36. Was man mit schelten nicht kan gut machen, dass muss man mit loben verbessern. – Lehmann, 489, 23. 37. Wenn einer einen nicht will schelten, so schelt er nur seinen Hut. – Lehmann, 703, 71. 38. Wenn man iemand schelten will, so ists besser, man Pfeiff es, als das mans sag. – Lehmann, 649, 104. 39. Wer einen andern schelten will, geh' erst mit sich zu Rathe still. Lat.: Qui alterum incusat probri, ipsum se intueri oportet. (Plautus.) (Philippi, II, 125.) 40. Wer einen schilt, der es verdient hat, bleibt ungestraft. – Graf, 352, 411; Henisch, 698, 7. Beleidigungen und Verleumdungen sind strafbar; was man aber von andern Schlimmes sagt, das wirklich begründet ist, verleumdet nicht, und kann daher auch nicht bestraft werden. Lat.: Cum qui nocentem infamat, lex non iudicat (non punit). (Henisch, 698, 8.) 41. Wer heftig schilt, vergibt bald. Span.: A quel que dice injurias cerca está de perdonar. (Cervantes, Don Quixote.) 42. Wer mich schelten will, thu' es einen Tag vor meinem (seinem) Tode. Frz.: Il ne fait pas bon battre en homme la vieille de sa mort. (Cahier, 199.) 43. Wer nicht gescholten sein will, muss aus der Welt gehen. Mhd.: Nieman mac sich lüge erwern, noch vor schelten wol ernern. – Swer sich scheltens wil begân, der muoz der nasen angest hân und der zungen diu ez sprichet; an den beiden man ez richet. (Freidank.) (Zingerle, 132.) 44. Wer scheltet wider Schelten, der will mit Schanden gelten. – Eiselein, 547; Körte, 5290; Körte2, 6619. 45. Wer schilt, was er begehrt, der ist nicht eine Bohne werth. – Eiselein, 547; Simrock, 8984. 46. Wer schilt, wird wieder gescholten. Mhd.: Der ander leut tadel offen wil, der wirt der sein auch hören vil. (Vintler.) – Swes leben ich schilte, der schilt daz mîn. (Freidank.) (Zingerle, 28 u. 132.) 47. Wer zu schelten anfängt, hat unrecht. Holl.: Die het eerst begint te schelden, heeft het onregt aan zijne zijde. (Harrebomée, II, 502.) 48. Dass sie mich schelten, mag schon gahn, aber sie sollen mich ungelobet lan. »Als die Athener den Worten des Phokion Beifall geklatscht hatten, fragte er erschrocken seine Freunde, ob er eine Dummheit gesagt habe.« (Riehl, Land und Leute, 356.) 49. Einen schelten, als wenn er mit ihm Säue gehütet hätte. – Schöpf, 590. 50. Er ist so gescholten worden, dass kein Hund ein Stück Brot von ihm nimmt. 51. Er schilt wie Kerchelziehers Fraw, die den Ars verrenckt. – Fischart, Gesch., in Kloster, VIII, 171. 52. He schelt as en Appelhöker. 53. He schelt as en Kröpel. (Hamburg.) – Schütze, II, 354. Er schilt, schimpft wie ein Krüppel, ungesunder, verwachsener Mensch, der oft von rohen Buben und Leuten arg gepeinigt wird. 55. Mag er schelten, wenn er nur zahlt. Böhm.: At' si hubuje, jen když daruje. (Čelakovsky, 45.) Poln.: Ten niech łaje który daje. (Čelakovsky, 45.) 56. Schelten, dass er stinkt wie ein fauler Rabe. 57. Schelten wie die Bürstenstelerin. – Mathesy, 142a. 58. Schenten wie ein Rohrspatz. – Schmeller, II, 16a; Schöpf, 590. 59. Se schellen sik as de Ketelflicker. – Dähnert, 225a; Eichwald, 1004. 60. Sich einander schellen wie die Bederbuben. – Mathesy, 143a. 61. Sich schelten, wie die Huren auffm Treudelmarckt. – Pauli, Postilla, I, 206a. 62 Lichter, nit besser, ist etwass zu schelten, dan zu bessern. – Weinsberg, 5.
7676 Zeichen · 253 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    SCHËLTEN

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +7 Parallelbelege

    SCHËLTEN s. ich SCHILTE .

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Schêlten

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Schêlten , verb. irreg. act. et neutr. welches im letztern Falle das Hülfswort haben erfordert; ich schelte, du schiltst…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    schelten

    Goethe-Wörterbuch

    schelten Imperativ Sg vereinzelt schwach flekt 1 (gegen, über, auf jdn/etw) schimpfen a jdn/etw lautstark schmähen, wute…

  4. modern
    Dialekt
    schëlten

    Elsässisches Wb. · +3 Parallelbelege

    schëlte n [áltə Roppenzw. ; altə fast allg.; æltə Str. ; èltə Dehli. ; Ind. Präs. elt elt elt Dü. U., ælt ælt…

  5. Sprichwörter
    Schelten

    Wander (Sprichwörter)

    Schelten 1. Die sich scholle (schelten), die sich wolle. ( Nassau. ) – Kehrein, VI, 29. In Ostpreussen: Dei söck schölle…

  6. Spezial
    Schelten

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    Schel|ten n. (-s) (polterndes Schelten auf Kinder) cospetamënt (-nc) m. , bruntoramënt (-nc) m.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit schelten

21 Bildungen · 2 Erstglied · 13 Zweitglied · 6 Ableitungen

Zerlegung von schelten 2 Komponenten

schel+ten

schelten setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

schelten‑ als Erstglied (2 von 2)

scheltenswert

DWB

schelten·swert

scheltenswert , adj. : schältenswärt vituperabilis Maaler 345 b ; lassen sie mich von hinnen gehen, damit ich nicht doppelt scheltenswerth s…

scheltenswürdig

DWB

schelten·s·wuerdig

scheltenswürdig , adj. würdig, gescholten zu werden, was tadel verdient: schellen- und scheltenswürdige thorheit bœotischer poeten in Deutsc…

schelten als Zweitglied (13 von 13)

ausschelten

DWB

aus·schelten

ausschelten , duriter increpare: die mutter schalt das kind aus; ich bin ausgescholten worden; ich fand unsern hofmeister, welcher seinen so…

beschelten

DWB

beschel·ten

beschelten , increpare, objurgare, infamare, ahd. pisceltan, mhd. beschelten, nnl. beschelden. mhd. wes lât ir iuch beschelten? Reinh. 143 ;…

entschelten

KöblerMhd

entschel·ten

entschelten , st. V. nhd. „entschelten“, eine Beschuldigung zurücknehmen Q.: DRW (1406) E.: s. ent, schelten W.: nhd. DW- L.: DRW

geschëlten

Lexer

ge-schëlten stv. I, 3. BMZ Krone , Berth. 174,1. Engelh. 555. Geo. 4550. Wolk. 69. 2,3.

gotschelten

KöblerMhd

got·schelten

gotschelten , st. N. nhd. „Gottschelten“, Gotteslästerung Q.: EvA (vor 1350) (FB gotschelten) E.: s. got (1), schelten W.: s. nhd. (ält.) go…

nider schëlten

Lexer

nider·schelten

nider schëlten BMZ durch vorwürfe zum schweigen bringen? wan im was an sîn herze kumen diu riwe alsô manicvalt, daʒ in daʒ leit nider schalt…

rechtschelten

DRW

recht·schelten

rechtschelten, v. übersetzt: appellare appelleren rechtschelden appellare um 1460 StralsVok. 145b Rechtschelten, n. Urteilsschelte des eyn e…

Schelmenschelten

DRW

schelmen·schelten

Schelmenschelten, n. (stark ehrverletzende) Bezichtigung als ¹Schelm (V); bei/auf Schelmenschelten unter Verpfändung der eigenen Ehre bdv.: …

verschëlten

Lexer

versch·elten

ver-schëlten stv. verschulten und verspuwen sêr wart er von dem judenschen her Germ. 18,55.

wi(e)derschelten

DWB

wieder·schelten

wi(e)derschelten , vb. , gegen-, zurückschelten. mhd. widerschelten, mnd. wedderschelden, mnl. wederschelden Verwijs-Verdam 9, 1958 . seit d…

Ableitungen von schelten (6 von 6)

beschelten

DWB

beschelten , increpare, objurgare, infamare, ahd. pisceltan, mhd. beschelten, nnl. beschelden. mhd. wes lât ir iuch beschelten? Reinh. 143 ;…

entschelten

KöblerMhd

entschelten , st. V. nhd. „entschelten“, eine Beschuldigung zurücknehmen Q.: DRW (1406) E.: s. ent, schelten W.: nhd. DW- L.: DRW

erschelten

DWB

erschelten , extorquere jurgiis et maledictis. Stieler 1726 .

geschëlten

Lexer

ge-schëlten stv. I, 3. BMZ Krone , Berth. 174,1. Engelh. 555. Geo. 4550. Wolk. 69. 2,3.

verschëlten

Lexer

ver-schëlten stv. verschulten und verspuwen sêr wart er von dem judenschen her Germ. 18,55.

zerschelten

DWB

zerschelten , verb. , über die maszen schelten: objurgitare Stieler 1726 ; wie hat er ... Babylon zuscholten Luther 19, 423 W.; s. auch unte…