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Schêlten

mhd. bis spez. · 16 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Adelung
Anchors
21 in 16 Wb.
Sprachstufen
6 von 16
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Eintrag · Adelung (1793–1801)

Schêlten

Bd. 3, Sp. 1412
Schêlten, verb. irreg. act. et neutr. welches im letztern Falle das Hülfswort haben erfordert; ich schelte, du schiltst, er schilt; Imperf. ich schalt, Conj. ich schälte, (ehedem scholt, schölte;) Mittelw. gescholten; Imper. schilt. Es ist ein vermittelst der intensiven Endung -ten gebildetes Intensivum von schallen und schellen, und bedeutet, 1. Eigentlich einen starken Schall, und in weiterer Bedeutung einen Schall von sich geben und hervor bringen. Diese Bedeutung ist zwar im Hochdeutschen längst veraltet, indessen kommen doch noch manche Spuren davon vor. Wenn das weibliche Geschlecht, des Noth- und Tannwildbretes seine Stimme hören läßt, so nennen die Jäger solches noch schelten und Schalten. Das Schwed. skälla, welches mit unserm schelten gleichbedeutend ist, heißt eigentlich bellen. 2. In engerer Bedeutung, nachdrückliche und laute Worte von sich hören lassen, mit starker lauter Stimme sprechen oder reden, besonders von einzelnen Arten der lauten Rede. 1) * Ernstlich befehlen; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung. Und er schalt das Schilfmeer, da ward es trocken, Ps. 106, 9. Siehe mit meinem Schelten mache ich das Meer trocken, Es. 50, 2. Der das Meer schilt und treuge macht, Nahum. 1, 4. 2) * Anklagen; eine gleichfalls veraltete Bedeutung, in welcher Schelte in den vorigen Jahrhunderten mehrmahls für Klage vorkommt. 3) * Rufen, nennen, welche Bedeutungen im Hochdeutschen auch nicht mehr üblich sind. Im gemeinen Leben einiger Gegenden sagt man noch, jemanden einen gnädigen Herrn schelten, d. i. tituliren; sich Excellenz schelten lassen, ohne daß man dabey an die folgende fünfte Bedeutung dächte. 4) * Fluchen; eine noch hin und wieder gangbare Bedeutung. 4 Mos. 23, 7, 8 heißt es noch: verfluche mir Jacob, komm schilt Israel. Wie soll ich fluchen, dem Gott nicht fluchet? Wie soll ich schelten, den der Herr nicht schilt? Wo fluchen und schelten gleichbedeutend zu seyn scheinen. 5) Seinen Unwillen durch heftige Worte an den Tag legen; so wohl absolute und als ein Neutrum. Den ganzen Tag schelten. Als auch thätiger Weise mit der vierten Endung der Sache. Jemanden schelten. Christus schalt nicht wieder, da er gescholten ward, 1 Petr. 2, 23. Jesus schalt ihren Unglauben, Marc. 16, 14. Jemanden einen Schelm schelten, ihn im Unwillen so nennen, wo zugleich die vorige dritte Bedeutung des Nennens mit eintritt. Statt der vierten Endung findet auch das Neutrum mit dem Vorworte auf Statt. Auf jemanden schelten, seinen Unwillen über ihn durch heftige Worte ausbrechen lassen. In weiterer Bedeutung für tadeln, in welchem Verstande es noch hin und wieder gehöret wird. Ich kann es weder loben noch schelten. Das ist nicht zu schelten. Ein unbescholtener Mann, dem man nichts Nachtheiliges nachsagen kann.[] Ehedem war ein Urtheil schelten von demselben appelliren; im mittlern Lat. blasphemare, Franz. blamer. 3. * Figürlich, erklären; eine veraltete Bedeutung. Ehedem sagte man, jemanden quit schelten, ihn für frey von seiner bisherigen Verbindlichkeit erklären. Jemanden unschuldig schelten, ihn für unschuldig erklären. Im Niedersächsischen ist diese Bedeutung noch gangbar. So auch das Schelten. Anm. In der vorigen fünften Bedeutung schon bey dem Ottfried und Notker schelten, im Nieders. schelden, schellen, im Angels. scyldan, im Engl. to scold, im Lotharing. chelté. Nach dem, was oben angeführet worden, bedarf Frischens und anderer Ableitung, welche dieses Wort von Schuld abstammen lassen und es durch beschuldigen erklären, wohl keiner weitern Widerlegung. Die Sylbe -ten ist ein sehr gewöhnliches Zeichen einer Intension, so daß schelten zunächst von schellen abstammet. Ohne diese Intension ist im Schwed. skälla so wohl bellen als schelten. Siehe auch Schalten, welches sich auf eine ähnliche Onomatopöie gründet.
3769 Zeichen · 68 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    SCHËLTEN

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +7 Parallelbelege

    SCHËLTEN s. ich SCHILTE .

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Schêlten

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Schêlten , verb. irreg. act. et neutr. welches im letztern Falle das Hülfswort haben erfordert; ich schelte, du schiltst…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    schelten

    Goethe-Wörterbuch

    schelten Imperativ Sg vereinzelt schwach flekt 1 (gegen, über, auf jdn/etw) schimpfen a jdn/etw lautstark schmähen, wute…

  4. modern
    Dialekt
    schëlten

    Elsässisches Wb. · +3 Parallelbelege

    schëlte n [áltə Roppenzw. ; altə fast allg.; æltə Str. ; èltə Dehli. ; Ind. Präs. elt elt elt Dü. U., ælt ælt…

  5. Sprichwörter
    Schelten

    Wander (Sprichwörter)

    Schelten 1. Die sich scholle (schelten), die sich wolle. ( Nassau. ) – Kehrein, VI, 29. In Ostpreussen: Dei söck schölle…

  6. Spezial
    Schelten

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    Schel|ten n. (-s) (polterndes Schelten auf Kinder) cospetamënt (-nc) m. , bruntoramënt (-nc) m.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit schelten

21 Bildungen · 2 Erstglied · 13 Zweitglied · 6 Ableitungen

Zerlegung von schelten 2 Komponenten

schel+ten

schelten setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

schelten‑ als Erstglied (2 von 2)

scheltenswert

DWB

schelten·swert

scheltenswert , adj. : schältenswärt vituperabilis Maaler 345 b ; lassen sie mich von hinnen gehen, damit ich nicht doppelt scheltenswerth s…

scheltenswürdig

DWB

schelten·s·wuerdig

scheltenswürdig , adj. würdig, gescholten zu werden, was tadel verdient: schellen- und scheltenswürdige thorheit bœotischer poeten in Deutsc…

schelten als Zweitglied (13 von 13)

ausschelten

DWB

aus·schelten

ausschelten , duriter increpare: die mutter schalt das kind aus; ich bin ausgescholten worden; ich fand unsern hofmeister, welcher seinen so…

beschelten

DWB

beschel·ten

beschelten , increpare, objurgare, infamare, ahd. pisceltan, mhd. beschelten, nnl. beschelden. mhd. wes lât ir iuch beschelten? Reinh. 143 ;…

entschelten

KöblerMhd

entschel·ten

entschelten , st. V. nhd. „entschelten“, eine Beschuldigung zurücknehmen Q.: DRW (1406) E.: s. ent, schelten W.: nhd. DW- L.: DRW

geschëlten

Lexer

ge-schëlten stv. I, 3. BMZ Krone , Berth. 174,1. Engelh. 555. Geo. 4550. Wolk. 69. 2,3.

gotschelten

KöblerMhd

got·schelten

gotschelten , st. N. nhd. „Gottschelten“, Gotteslästerung Q.: EvA (vor 1350) (FB gotschelten) E.: s. got (1), schelten W.: s. nhd. (ält.) go…

nider schëlten

Lexer

nider·schelten

nider schëlten BMZ durch vorwürfe zum schweigen bringen? wan im was an sîn herze kumen diu riwe alsô manicvalt, daʒ in daʒ leit nider schalt…

rechtschelten

DRW

recht·schelten

rechtschelten, v. übersetzt: appellare appelleren rechtschelden appellare um 1460 StralsVok. 145b Rechtschelten, n. Urteilsschelte des eyn e…

Schelmenschelten

DRW

schelmen·schelten

Schelmenschelten, n. (stark ehrverletzende) Bezichtigung als ¹Schelm (V); bei/auf Schelmenschelten unter Verpfändung der eigenen Ehre bdv.: …

verschëlten

Lexer

versch·elten

ver-schëlten stv. verschulten und verspuwen sêr wart er von dem judenschen her Germ. 18,55.

wi(e)derschelten

DWB

wieder·schelten

wi(e)derschelten , vb. , gegen-, zurückschelten. mhd. widerschelten, mnd. wedderschelden, mnl. wederschelden Verwijs-Verdam 9, 1958 . seit d…

Ableitungen von schelten (6 von 6)

beschelten

DWB

beschelten , increpare, objurgare, infamare, ahd. pisceltan, mhd. beschelten, nnl. beschelden. mhd. wes lât ir iuch beschelten? Reinh. 143 ;…

entschelten

KöblerMhd

entschelten , st. V. nhd. „entschelten“, eine Beschuldigung zurücknehmen Q.: DRW (1406) E.: s. ent, schelten W.: nhd. DW- L.: DRW

erschelten

DWB

erschelten , extorquere jurgiis et maledictis. Stieler 1726 .

geschëlten

Lexer

ge-schëlten stv. I, 3. BMZ Krone , Berth. 174,1. Engelh. 555. Geo. 4550. Wolk. 69. 2,3.

verschëlten

Lexer

ver-schëlten stv. verschulten und verspuwen sêr wart er von dem judenschen her Germ. 18,55.

zerschelten

DWB

zerschelten , verb. , über die maszen schelten: objurgitare Stieler 1726 ; wie hat er ... Babylon zuscholten Luther 19, 423 W.; s. auch unte…