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Schelten

mhd. bis spez. · 16 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Campe
Anchors
21 in 16 Wb.
Sprachstufen
6 von 16
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175
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109

Eintrag · Campe (1807–1813)

Schelten v., intrs, trs

Bd. 4, Sp. 108b
Schelten, v. intrs. u. trs. unregelm. ich schelte, du schiltst, er schilt; unl. verg. Z. ich schalt (scholt), geb. F. ich schälte (schölte); Mittelw. d. verg. Z. gescholten; Befehlw. schilt. 1) Eigentlich, einen starken Schall, und überhaupt, einen Schall von sich geben. So nennen die Jäger es noch schelten und schalten, wenn das Weibchen des Roth= und Tannwildbrets seine Stimme hören läßt. 2) I engerer Bedeutung, mit lauter, starker Stimme sprechen; in einzelnen Fällen, besonders in Leidenschaft. So gebraucht man schelten in Osnabrück für aussprechen, bekannt machen. Einen unschuldig schelten, ihn öffentlich für unschuldig erklären. Auf eine sonderbare und ungewöhnliche Art findet man auch einen quitt schelten, ihn von aller Verantwortung freisprechen. »— daß ihr den Mann, der an allem Unheile Schuld ist, dennoch los ließet und quitt schaltet.« Reiske. So sagt man in manchen Gegenden im gemeinen Leben, jemand einen gnädigen Herrn schelten, ihn so nennen, betiteln; wo es doch, wenigstens zuweilen, den Begriff des Mißbilligens, Tadelns mit einschließt und auch in der guten Schreibart vorkömmt. Ih aber will dich drum nicht fühllos schelten, Schiller. Zuweilen schließt es auch den Begriff ein, daß das Benannte den gegebenen Namen nicht verdiene. »— der einseitigen, dogmatisch naselnden Lehre sauer Heu, das mit Kommentarienspülich eingebrühet, und dann genießbar gescholten und auf= und eingeschüttet wird.« Benzel=Sternau. So gebrauchte man es ehemahls für anklagen. I der Bibel steht es mehrmahls für nachdrücklich sprechen, befehlen. »Siehe, mit meinem Schelten mache ich das Meer trocken.« Es. 50, 2. Wo es auch mit dem vierten Falle verbunden wird. »Und er schalt das Schilfmeer, da ward es trokken.« Ps. 106, 9. Für fluchen, wobei man laut und stark spricht, kömmt es in der Bibel ebenfalls vor und wird es in Baiern noch gebraucht. »Verfluche mir Jakob, komm, schilt Irael.« 4 Mos. 23, 7. Am häufigsten und gewöhnlichsten gebraucht man es in noch engerer Bedeutung für, seinen Unwillen durch laute Worte, starke Ausdrücke an den Tag legen. Den ganzen Tag lärmen und schelten. Einen schelten, ihm seinen Unwillen durch heftige Worte äußern. »Kristus schalt nicht wieder, da er gescholten ward.« 1 Petr. 2, 23. Auf jemand schelten. Er wird darüber schelten. Jemand einen Dieb schelten, ihn im Unwillen so nennen, ihn damit des Diebstahles beschuldigen. Keifen ist von Schelten dadurch unterschieden, daß es nur von einem Vorgesetzten gegen seinen anwesenden Untergebenen und oft aus böser Laune geschieht, auch von längerer Dauer ist und leicht wieder angefangen wird; da das Schelten nur im Zorne Statt findet, und in lauten heftigen Worten geschieht, durch welchen letzten Umstand es sich von Schmälen, seinen Zorn und Unwillen auch ohne laute Worte durch seine Mienen, durch sein Betragen äußern, unterscheidet. Zuweilen auch für tadeln. Man kann es weder loben noch schelten. S. Unbescholten. Diesen Begriff der Unzufriedenheit und des Tadels hatte es auch in dem Ausdrucke, ein Urtheil schelten; der ehemahls bedeutete, mit einem Urtheile nicht zufrieden sein und sich an ein höheres Gericht wenden. 3) Scheltend, d. h. im Unwillen sich starker Ausdrücke bedienend sagen. Doch Agamemnon sprang herbei, und schalt: So, Zärtling du, so kümmert sich dein Herz Um deinen Feind? — — Bürger. (R.) D. Schelten. D. — ung.
3365 Zeichen · 66 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    SCHËLTEN

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +7 Parallelbelege

    SCHËLTEN s. ich SCHILTE .

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Schêlten

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Schêlten , verb. irreg. act. et neutr. welches im letztern Falle das Hülfswort haben erfordert; ich schelte, du schiltst…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    schelten

    Goethe-Wörterbuch

    schelten Imperativ Sg vereinzelt schwach flekt 1 (gegen, über, auf jdn/etw) schimpfen a jdn/etw lautstark schmähen, wute…

  4. modern
    Dialekt
    schëlten

    Elsässisches Wb. · +3 Parallelbelege

    schëlte n [áltə Roppenzw. ; altə fast allg.; æltə Str. ; èltə Dehli. ; Ind. Präs. elt elt elt Dü. U., ælt ælt…

  5. Sprichwörter
    Schelten

    Wander (Sprichwörter)

    Schelten 1. Die sich scholle (schelten), die sich wolle. ( Nassau. ) – Kehrein, VI, 29. In Ostpreussen: Dei söck schölle…

  6. Spezial
    Schelten

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    Schel|ten n. (-s) (polterndes Schelten auf Kinder) cospetamënt (-nc) m. , bruntoramënt (-nc) m.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit schelten

21 Bildungen · 2 Erstglied · 13 Zweitglied · 6 Ableitungen

Zerlegung von schelten 2 Komponenten

schel+ten

schelten setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

schelten‑ als Erstglied (2 von 2)

scheltenswert

DWB

schelten·swert

scheltenswert , adj. : schältenswärt vituperabilis Maaler 345 b ; lassen sie mich von hinnen gehen, damit ich nicht doppelt scheltenswerth s…

scheltenswürdig

DWB

schelten·s·wuerdig

scheltenswürdig , adj. würdig, gescholten zu werden, was tadel verdient: schellen- und scheltenswürdige thorheit bœotischer poeten in Deutsc…

schelten als Zweitglied (13 von 13)

ausschelten

DWB

aus·schelten

ausschelten , duriter increpare: die mutter schalt das kind aus; ich bin ausgescholten worden; ich fand unsern hofmeister, welcher seinen so…

beschelten

DWB

beschel·ten

beschelten , increpare, objurgare, infamare, ahd. pisceltan, mhd. beschelten, nnl. beschelden. mhd. wes lât ir iuch beschelten? Reinh. 143 ;…

entschelten

KöblerMhd

entschel·ten

entschelten , st. V. nhd. „entschelten“, eine Beschuldigung zurücknehmen Q.: DRW (1406) E.: s. ent, schelten W.: nhd. DW- L.: DRW

geschëlten

Lexer

ge-schëlten stv. I, 3. BMZ Krone , Berth. 174,1. Engelh. 555. Geo. 4550. Wolk. 69. 2,3.

gotschelten

KöblerMhd

got·schelten

gotschelten , st. N. nhd. „Gottschelten“, Gotteslästerung Q.: EvA (vor 1350) (FB gotschelten) E.: s. got (1), schelten W.: s. nhd. (ält.) go…

nider schëlten

Lexer

nider·schelten

nider schëlten BMZ durch vorwürfe zum schweigen bringen? wan im was an sîn herze kumen diu riwe alsô manicvalt, daʒ in daʒ leit nider schalt…

rechtschelten

DRW

recht·schelten

rechtschelten, v. übersetzt: appellare appelleren rechtschelden appellare um 1460 StralsVok. 145b Rechtschelten, n. Urteilsschelte des eyn e…

Schelmenschelten

DRW

schelmen·schelten

Schelmenschelten, n. (stark ehrverletzende) Bezichtigung als ¹Schelm (V); bei/auf Schelmenschelten unter Verpfändung der eigenen Ehre bdv.: …

verschëlten

Lexer

versch·elten

ver-schëlten stv. verschulten und verspuwen sêr wart er von dem judenschen her Germ. 18,55.

wi(e)derschelten

DWB

wieder·schelten

wi(e)derschelten , vb. , gegen-, zurückschelten. mhd. widerschelten, mnd. wedderschelden, mnl. wederschelden Verwijs-Verdam 9, 1958 . seit d…

Ableitungen von schelten (6 von 6)

beschelten

DWB

beschelten , increpare, objurgare, infamare, ahd. pisceltan, mhd. beschelten, nnl. beschelden. mhd. wes lât ir iuch beschelten? Reinh. 143 ;…

entschelten

KöblerMhd

entschelten , st. V. nhd. „entschelten“, eine Beschuldigung zurücknehmen Q.: DRW (1406) E.: s. ent, schelten W.: nhd. DW- L.: DRW

erschelten

DWB

erschelten , extorquere jurgiis et maledictis. Stieler 1726 .

geschëlten

Lexer

ge-schëlten stv. I, 3. BMZ Krone , Berth. 174,1. Engelh. 555. Geo. 4550. Wolk. 69. 2,3.

verschëlten

Lexer

ver-schëlten stv. verschulten und verspuwen sêr wart er von dem judenschen her Germ. 18,55.

zerschelten

DWB

zerschelten , verb. , über die maszen schelten: objurgitare Stieler 1726 ; wie hat er ... Babylon zuscholten Luther 19, 423 W.; s. auch unte…