Eintrag · Etymologisches Wb. des Ahd. (EWA)
muoter
des 8. Jh.s in Gl. und in I, MF, PT, T, OT, WK,
B, GB, LSF, APs, O, LB, RB, Ps 138, BB, N,
Npg, Nps, WH, Ph: ‚leibliche Mutter, Stamm-
mutter, Ursprung, Schoß, Gebärmutter; anus [=
altiu muoter], auctrix, genetrix, mater, patri-
cida [= der fater slahit inti muoter], pro-
genetrix, tema, vulva [= quiti muoter]‘ <〈Var.:
-o(o)-, -ua-, -ů-, -ov-, -vͤ-, -u-; -th-, -d->〉. Die von
G. Eis, FuF 32 (1958), 27–29 vorgenommene
Verbesserung von hss. duoder in muoder im
ersten MZ bleibt schwierig, da sich eine nur
durch eine Emendation hergestellte Verbin-
dung mit dem Matronenkult methodisch kaum
rechtfertigen lässt (vgl. dazu Beck 2011: 46 f.).
– Mhd. muoter (md. mûter, mûder, môter,
môder) st.f. (anom. [im Sg. ohne Flexion, im
Pl. muoter, müeter [md. mûter]) ‚Mutter (von
Menschen/Tieren/Pflanzen), Urheberin, Anstif-
terin, Gebärmutter‘, nhd. Mutter f. ‚Frau, die
ein oder mehrere Kinder geboren hat, Frau,
die in der Rolle einer Mutter ein oder mehre-
re Kinder versorgt, erzieht, (bei bestimmten
Schwesternorden) Titel der Oberin, Vorsteherin
eines Klosters, eines geistlichen Stifts o. Ä.,
weibliches Tier, das (gerade) ein oder mehrere
Junge geworfen hat‘; der Kurzvokal -u-, der
sich in der mhd. (md.) Form mûter entwickelt,
ist seit dem 15. Jh. belegt und setzt sich im
Laufe des 16. Jh.s durch.