Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
gras stN.
1.1 als wildwachsende Pflanze
1.2 als Nahrung
1.3 als Ware
1.4 zur Angabe der Jahreszeit ‘Zeit der Grasfütterung’
1.5 in Vergleichen zur Bez. eines (frischen, leuchtenden) Grüns
1.6 im Bild des Mähens zur Darstellung einer großen Zahl besiegter Gegner
2 grasbedeckter Boden ‘Grasfläche, Wiese, Weide’
2.1 als Nutzfläche
2.2 als besondere Bodenart oder Landschaftsform
2.3 als Bereich der Minnebegegnung
2.4 als Platz für Turnier und Kampf
2.4.1 jmdn. ûf daz gras stëchen/ setzen ‘jmdn. mit der Lanze vom Pferd stechen’
2.4.2 jmdn. ûf/ ane daz gras vellen/ slagen ‘jmdn. im Kampf töten’
1 die Pflanze mit ihrem Wachsen und Vergehen und ihrer Nutzung (nicht immer sicher von 2 abzugrenzen) 1.1 als wildwachsende Pflanze: owe burg reine, / daz da wassen sol daz gras, / da die schone Troyge was Herb 1739; dâ vander von geschihte / einen waltstîc âne slihte / mit grase verwahsen unde smal Tr 2573 (vgl. grasic ; graswëc ); von grase wirdet halm ze strô Walth 17,35. – in Paar- und Reihenbildungen: niuwe bluomen, grüenez gras / was ie töuwigez drîn gestreut Wig 10613; hie wus [l. wuohs ] wilen heide, / gras vnde buschee Herb 10577; wurze, crût unde gras Tr 12765; boum’ ind bluͦmen, krut ind gras MarlbRh 98,14 1.2 als Nahrung: nim eins swînes mist, daz gras ezze Barth 141,9; StatDtOrd 113,26; nâch grase wolde er [der arme Mann] ûz gân Wig 5319 (vgl. grasen ). – er [der guot einsidel] az dâ krût unde gras, / unz er den lîp in grôze nôt / durch die gotes minne bôt RvEBarl 292. 4511 1.3 als Ware: ez sol auch nieman habern, heu und gras fuͤrkauffen WüP 30,2; daz wir [...] hant geben zvͦ kovfenne daz gras, daz vffe der almenden [...] gewehset UrkCorp (WMU) N713,6 u.ö. 1.4 zur Angabe der Jahreszeit ‘Zeit der Grasfütterung’ drev ehaftigev taidinch [...], der einez sei bei dem gras vnd zwei bei dem hævwe UrkCorp (WMU) 3305,3. 711,19; er wolt niht lenger beiten, / unz zuo dem næhsten gras Ottok 8558 1.5 in Vergleichen zur Bez. eines (frischen, leuchtenden) Grüns: der strich [längs über das Pferd] grüene was / unde lieht sam ein gras Er 7315; di einleve [elf Gerten] durre waren / [...] / div zvelfte div Aarones was / di sach man grune sam ein gras / lovben bluͦmen schire VMos 80,9; von samît grüene als ein gras Parz 605,10; ein vil liehter jaspes, grüener danne ein gras NibB 1783,3 1.6 im Bild des Mähens zur Darstellung einer großen Zahl besiegter Gegner: daz [Heer] slûch er nider als ein gras. / di menige was vil grôz SAlex 1822; VAlex 1312; Herb 5500; KvWTurn 913 2 grasbedeckter Boden ‘Grasfläche, Wiese, Weide’ 2.1 als Nutzfläche: eins mannesmat in der graven gras UrkCorp (WMU) 13,40; [der Esel] gie den liuten in ir gras. / do chom der, des diu wise was StrKD 70,25 2.2 als besondere Bodenart oder Landschaftsform: er stach daz sper in daz gras / und leinde sînen schilt dran UvZLanz 2382; vil ritter Britûne, / den wâren pavelûne / und hüten ûf daz gras geslagen Tr 5347; die herren riten dannen. sich leiten in daz gras / über al die knehte; si heten guot gemach NibB 1661,2. – in Paar- und Reihenbildungen: loub, gras, bluomen, ouwe, walt und heide SM: Te 12: 3,3; durch sant, durch griez, / durch felt, durch gras Herb 5871; erde unde gras Parz 247,10; mies unde gras Wig 5919; gras und der melm Wh 24,28. – auch mit unbest. Artikel (vgl. 2 5Mhd. Gr. § S 134,3a): daz ot zu wafin tochte / [...], / daz bereitte sich gare / und quam gemeinlichin dare / vur die stat an ein gras, / da ir saminunge was / uf einir wisin vor ein holz Athis A* 83; der [ vrume hêre ] was gegangen an ein gras / durch sîne kurzewîle Rittertreue 104; SAlex 5604; Parz 668,18; Lanc 143,23. – in der Wendung: ûf/ an das ~ erbeizen ‘(vom Pferd) absteigen, absitzen’ aldâ der helt erbeizet was / von dem orse ûf daz gras Parz 611,18; NibB 1310,1; UvZLanz 4270; Tr 16037; Wig 556. – in der Geste des sich auf den Boden Werfens (Trauer, leidenschaftliches Gebet): ich wane iemir mere werde / so groz iamer so da was: / si uielen uf daz gras, / si wainten alle sere Rol 7494. ReinFu K,482; do gi su [Judith] vallin an diz gras, / su betti als ir was ÄJud 193; Ägidius 406. – im übertr. Bild: so kumt die goͤtliche vorhte und geiselet mich, so krúche ich hin als ein cleines wúrmelin in der erden und huͤte mich under dem grase miner manigvaltiger versumnisse alle mine tage Mechth 7: 6,11; semliche ruͦweten in dem grase der manigvaltigen wollust und in dem bluͦmen der italkeit ebd. 7: 62,8 2.3 als Bereich der Minnebegegnung: si enwolten niht erwinden, / ê si gesâzen ûf daz gras. / swes ê von in gegert was, / des wart dô begunnen, / [...] / si wurden gesellen, / als in diu minne geriet UvZLanz 4667; Tannh 3,74; – auch phras.: ob man mîn wünschet ûf daz gras Winsbeckin 14,10 2.4 als Platz für Turnier und Kampf: man fuorte vor im ûf daz gras / gar einen tiurlichen schilt KvWTurn 306. 506; dô Bêne daz gehôrte / [...], / daz ir hêrre [...] dâ solde strîten ûfme gras, / dô zugen jâmers ruoder / in ir herzen wol ein fuoder Parz 694,12 2.4.1 jmdn. ûf daz gras stëchen/ setzen ‘jmdn. mit der Lanze vom Pferd stechen’ dô liez aber schînen / der grüene ritter, wer er was. / er stach ouch disen ûf daz gras UvZLanz 2962; Wig 457; dâ mite wart ouch er / gesetzet ûf daz gras Iw 4699. – vgl. 2.4.2: er stach ir zweinzic dernider / von den rossen ûf daz gras, / daz etslîcher nie genas: / zehen ir dâ tôt beliben UvZLanz 1429 2.4.2 jmdn. ûf/ ane daz gras vellen/ slagen ‘jmdn. im Kampf töten’ er falte ir fil vf daz gras Herb 5912. 12734; Wh 27,26; dô slûch doh Alexandren / Mennes nider an daz gras SAlex 1739
MWB 2 897,62; Bearbeiterin: Baumgarte