glück,
n. herkunft. das wort tritt erst spät auf: mhd. gelücke
n., selten lück
n., mnl. ghelucke, geluc
n., lucke, luc
n., mnd. gelucke, lucke
n., daraus entlehnt afries. luck
n., mittelengl. lukke, luk (15.
jh.),
engl. luck,
spätanord. lukke, lykka
f. (14.
jh.),
ädän. lykkæ, lukkæ
f., dän. lykke
f., mittelschwed. lykka, löcka
f., schwed. lycka
f. obwohl für das nl. frühe belege fehlen, scheint man ein altndfrk. *galukki
voraussetzen zu können. nichts zu tun hat mit glück
entgegen vielfachen versuchen (
zuletzt Trübners dt. wb. 3, 1939)
die ahd. glosse viridante giluchemo
ahd. glossen 2, 444, 60
St.-S. —
die herkunft des wortes ist unsicher. von allen ableitungen ist keine überzeugend; am ehesten sprechen noch die unten bei b
und f
vorgetragenen an. alle ableitungen lassen jedoch das späte und beschränkte auftreten des wortes unerklärt. es stehen sich in der hauptsache gegenüber aa)
die seit dem 17.
jh. (
z. b. Henisch 1654, Stieler 674)
vielfach vertretene ableitung von gelingen (
z. b. Walter in:
zs. f. vergl. sprachforsch. 12, 383
anm. 2, Paul
in Paul-Braunes beitr. 7, 133
anm., woordenboek d. ndl. taal 4, 1290, E. Schröder im
anz. f. dtsch. altert. 23, 157
f., Franck-van Wijck
2 184, Murray 6, 486,
erwägend Walde-Pokorny 2, 426);
so lockend sie sich darbietet, ist sie doch besonders im hinblick auf die nordwestl. herkunft des wortes abzulehnen; denn gelingen
ist gerade dem ndfrk. fremd (
im mnl. nur im osten unter deutschem einflusz).
die als parallele genannten ruck (
angeblich zu ringen), druck (
angeblich zu dringen)
gehören in andere zusammenhänge, s. Walde-Pokorny 1, 731; 735; 759; 2, 361; 1, 273;
das von Murray
genannte schluck
zu schlingen (
ganz jung < slinden)
ist unhaltbar, ebensowenig halten die andern in Paul-Braunes beitr. 7, 133
anm. angeführten parallelen stich. bb)
zusammenhang mit der idg. wurzel leug- '
biegen',
aus der sich über die bedeutung '
zubiegen, zuziehen'
die germ. sippe '
schlieszen, öffnen'
entwickelt hat: got. galūkan '
schlieszen, einschlieszen', uslūkan '
aufschlieszen',
ahd. lūhhan '
schlieszen', antlūhhan '
aufschlieszen',
as. bilūkan '
verschlieszen', antlūkan '
erschlieszen, öffnen',
mnl. lūken '
schlieszen, decken, aufschlieszen, sich schlieszen',
ags. lūcan '
schlieszen, beenden, öffnen',
anord. lūka '
schlieszen, aufschlieszen, beendigen'
; dazu mit ablaut got. usluks '
öffnung',
ahd. loh, loch '
verschlusz, höhle, öffnung',
ags. loc '
verschlusz, riegel, gefängnis',
anord. lok '
schlusz, deckel, ende', loka '
türschlosz',
ahd. lucka,
mhd. lucke, lücke '
lücke, loch'
; daneben germ. *lukjan,
anord. lykja,
schwed. lykja,
dän. lukke '
schlieszen, verschlieszen'
; die bedeutung '
biegen, krümmen'
liegt zugrunde ahd. loc,
as. afries. lok,
ags. loce,
anord. lokkr '
locke'
und anord. lykkja '
biegung, krümmung, schlinge eines taus', lykna '
die knie beugen, sich krümmen' (
weiteres s. Walde-Pokorny 2, 413
f., Falk-Torp 681
unter løkke).
die von Heyne (
dtsch. wb.2 1, 1209)
angesetzte bedeutung '
flechten, knüpfen, verknüpfen' (glück
dann '
schicksalsknüpfung und gewebe des schicksals seitens der göttlichen mächte')
gibt es im germ. nicht. glück
hätte sich nach Falk-Torp 669, Torp
nynorsk etym. wb. 394
und Walde-Pokorny 2, 414
aus dem verbalbegriff '
sich zusammenbiegen, zusammenneigen' = '
sich gut treffen'
entwickelt, was auf die grundbedeutung '
glücklicher zufall'
führen würde; doch ist diese günstige bedeutung erst abgeleitet, vgl. unten I.
die ursprünglich neutrale bedeutung von glück
würde sich in einklang bringen lassen mit '
art, wie sich etwas biegt, d. h. ausläuft' (Hellquist
etym. ordb. 431)
oder noch besser '
art, wie sich etwas schlieszt, endigt' (
vgl. die übertragene bedeutung von ags. lūcan,
anord. lūka).
für die bedeutungsentwicklung wäre zu vergleichen altbulg. pri-ključiti sę '
sich ereignen'
zu ključiti '
schlieszen', ključь '
schlüssel',
vgl. H. Petersen
ark. f. nord. filol. 24 (1908) 300.
[] cc)
ableitung von derselben wurzel leug- '
biegen',
aber mit ganz anderem ausgangspunkt vertritt H. Güntert in:
wörter u. sachen 11, 135;
grundlage wäre *lukian '
krummes gebilde, glücksamulett',
wozu als bedeutungsparallelen lett. kūtas '
schicksal, ereignis',
lit. nekliūtas '
unheil, schlechtigkeit'
zu kliúti '
anhaken, hängen bleiben',
ir. cló '
nagel',
russ. kl'uká '
krücke, krummstab'
u. ä. sowie aisl. kapp '
glück'
zu lit. kabti '
hangen'
ohne überzeugungskraft verglichen werden. dd)
gleichfalls von derselben wurzel, aber mit besonderer anknüpfung an griech. λύγος '
weidenrute, biegsame gerte',
λύγινος '
geflochten'
leitet O. Heinertz (
etymol. studien z. ahd. [1927] 27) glück
her und setzt als grundbedeutung an '
umzäunte ackerstücke, die zu bestimmten zeiten durch das los verteilt wurden',
dann '
los, günstiges los',
während die konkrete grundbedeutung in altnorweg. lyk(k)ja,
schwed. lycka '
kleines eingezäuntes grundstück',
norweg. lykkja '
umzäuntes ackerstück, kleiner hof mit garten und acker',
dän. lykke '
eingezäuntes feld'
erhalten ist. aber wann und wo wurden umzäunte ackerstücke verlost? ee)
zusammenhang mit der sippe '
locken',
ahd. lockōn, lucchen,
mhd. locken, lücken (lucken),
mnl. locken (
mnd. nur locke
f. '
lockung'),
ags. loccian,
anord. lokka,
als deren grundbedeutung '
sich (
durch worte, gebärden)
freundlich gegen jem. erweisen (
um ihn zu gewinnen)'
anzusetzen ist, vgl. lit. lūgoti,
lett. lùgt '
bitten, flehen' (-kk-
lautsymbolische dehnung, s. Endzelin in:
zs. f. vergl. sprachforsch. 52, 115; Wissmann
nomina postverbalia 1, 176).
als grundbedeutung von glück
ergäbe sich dann '
günstiges geschick',
was mit der doppelseitigkeit der frühen belege schwer in einklang zu bringen ist. ff) van Wijk in:
tijdschr. v. nederl. taal- en letterk. 35 (1916) 39
ff. (
so auch v. Haeringen
suppl. zu Franck-v. Wijk [1936] 55)
stellt glück
zu einer idg. wurzel leug (
als [i]ja-
bildung zu einer partizipialform idg. *luqnó),
die in slav. lučiti '
treffen, erlangen'
vorliegt, vgl. altbulg. lučiti sę '
τυγχάνειν,
contingere', prilučiti sę '
λαγχάνειν,
τυγχάνειν,
γίγνεσθαι', sъ-lučajь, pri-lučajь '
zufall, gelegenheit', po-lučajь '
los',
russ. u-lučьe,
kleinruss. po-łuka '
erfolg, gelingen',
bulg. s-po-luka
dass.; altbulg. po-lučiti,
serb. po-lučiti,
russ. po-lučit '
bekommen'
; dazu Berneker
slav. etymol. wb. 1, 742;
die wurzel ist wahrscheinlich identisch mit *leug '
leuchten, glänzen, sehen' (
vgl. licht).
doch spricht gegen diese etymologie, dasz es die angenommene assimilation von n
an vorhergehenden verschluszlaut nicht gibt, s. Trautmann
germ. lautgesetze 1906, 63
ff., Wissmann
nomina postverbalia 1, 160
ff.; man könnte diesem einwand entgehen, wenn man glück
als *galukja-
auf eine neben leuq
stehende wurzelvariante leug,
die vielleicht durchs keltische bezeugt wird (
s. Walde-Pokorny 2, 410),
zurückführt oder als *galukkja-
mit lautsymbolischer dehnung bei gleichzeitiger verschärfung erklärt. verbreitung und auftreten. ins deutsche dringt glück
vom Rhein aus: um 1160 (sol is gelucke walden
Straszb. Alexander 6292
Kinzel als selbständiger zusatz gegenüber der quelle)
bereits in Rheinfranken bzw. der rhein. lit.-sprache heimisch, wird es mit der von nordwesten kommenden welle höfisch-ritterlicher kultur weitergetragen; besonders wirkt Heinrich v. Veldeke
fördernd; bei Hartmann
noch selten, wird es bei Gottfried v. Straszburg
und besonders bei Wolfram
häufiger. so tritt es in konkurrenz zu den beiden hauptvertretern des begriffsfeldes sælde (
westgerm. bildung zu urgerm. sēl-)
und heil (
gemeingerm.); sælde,
das mit der höfisch-ritterlichen weltanschauung eine enge verbindung eingeht, herrscht während der blütezeit stark vor, wird dann aber mit dem niedergang der höfischen kultur immer mehr zurückgedrängt, vgl. Regina Strümpell
gebrauch und bedeutung von sælde, sælic
und verwandten bei mhd. dichtern (1917)
und Th. Scharmann
studien über die sœlde in d. ritterl. dichtung d. 12.
u. 13.
jh. (1934).
wenn sælde
auch noch im 15.
und 16.
jh. belegt ist (
s. teil 10, 1,
sp. 501
f.),
so wird es doch schon im 15.
jh. in hss. und drucken gern durch glück
ersetzt (
z. b. Stricker
Daniel [] 3374, 3993
R.; Hugo v. Trimberg
renner 13644
E., vgl. P. Warlies
d. Frankf. druck d. renner 69
a).
während sich heil
fast unangetastet hält (
s. teil 4, 2,
sp. 817
f.),
erfährt das jüngere sælekeit
starke inhaltliche einschränkung (
s. teil 10, 1,
sp. 528
ff.).
von den in spezieller bedeutung synonymen mhd. worten linge, gelinc, gelinge, aventiurgelinge, wolgelinge, gevelle, aventiure, fortûne, spuot (
besonders nrhein., vgl. das nl.), framspuot, framspuoticheit
kann sich schriftsprachlich auf die dauer in verwandter bedeutung nur gelingen
und das gelehrt immer wieder aufgefrischte meist personifizierte fortuna
behaupten, während anderseits fall, zufall, glücksfall, geschick, schicksal, los,
zeitweise auch schanze, segen
raum gewinnen und z. t. ältere bedeutungen von glück
übernehmen; jünger ist für teilbedeutungen die konkurrenz von erfolg (
seit dem 17.
jh.), stern, wohlfahrt, wohlstand
und von vulgärworten wie schwein, sau, dusel, torkel.
das späte auftreten von gelücke
läszt sich nicht mit sicherheit erklären. die besonders von Heyne
vertretene auffassung (
dtsch. wb2 1, 1209),
es habe '
sich zu einem heidnisch-religiösen begriff entfaltet gehabt, schicksalsknüpfung und gewebe des geschicks seitens der göttlichen mächte bezeichnend'
und sei '
darum von den christlichen missionaren zurückgedrängt und im gebrauche erst wieder hervorgetreten, als der heidnische sinn des wortes gänzlich verschwunden war',
ist angesichts der christlichen umfärbung verwandter heidnischer begriffe (
vgl. besonders as. metod
und wurd
für '
schicksal, tod')
nicht erweisbar und findet im etymologischen wie im religionsgeschichtlichen keine ausreichende stütze. auch eine anknüpfung an den begriff der hamingja
oder der fylgia
über die allgemeine bedeutungsberührung hinaus (Jac. Grimm
dt. mythologie3 2, 828
f.; Rocholz
dt. glaube u. brauch [1869] 1, 92
ff.; P. Herrmann
nord. mythologie [1903] 80)
ist kaum statthaft (
vgl. de Vries
altgerm. religionsgesch. 2, 349; Ninck
Wotan u. d. germ. schicksalsglaube [1931] 202; W. Gehl
d. germ. schicksalsglaube [1939] 64
ff., 121
ff.). glück
hatte wohl eher von anfang an örtlich beschränkte geltung; wenn es ein ursprünglich ndfrk. wort war, ist angesichts des geringfügigen materials die späte bezeugung nicht so sehr verwunderlich; von interesse ist zum vergleich, dasz belege für den begriff '
glück'
in der älteren nord. dichtung bis auf Einarr skálaglamm
wie in allen eddaliedern, die anspruch auf ein höheres alter machen können, gänzlich fehlen (Gehl
schicksalsglaube 78).
den mundarten ist glück
heute wohl überall, wenn auch nicht mit gleicher stärke, geläufig. doch kennzeichnet es sich in den obd. mundarten als entlehnung, da es überall umlaut hat, auch dort, wo sonst vor ck
der umlaut unterblieben ist, vgl. v. Bahder
grundlagen d. nhd. lautsystems (1890) 202
ff., Strümpell
a. a. o. 17 (
mit lit.), Fischer
schwäb. wb. 3, 712, Wiget
Toggenburg 40.
dasz es sich aber auch im obd. um ziemlich frühe aufnahme handelt, davon zeugt der vielfache wandel des vokals in übereinstimmung mit altem ü,
weniger die entrundung, wobei lautsubstitution nahe läge (
z. b. Claus
Uri 52, Brun
Obersaxen 118, Hotzenköcherle
Mutten 119, Jutz
alem. maa. 217 [
im norden]),
als die entwicklung zu ö (
z. b. Tobler
Appenzell 225, Vetsch
Appenzell 148, 158, Enderlin
Thurgau 172).
allerdings konkurrieren mit glück
im hochalem. und südl. schwäb. noch heute, zum mindesten in der bedeutung '
äuszeres glück, glücksfall',
stark mhd. gevelle (
vgl. schweiz. g'fell Staub-Tobler 1, 745
f., daneben auch fortune 1, 1043),
im elsäss. die teilsynonyma schick
und massel (Martin-Lienhart 2, 404
u. 1, 717).
die nichterwähnung in einigen älteren md. wbb. (
z. b. Kehrein
Nassau, Vilmar-Pfister
hess., Crecelius
oberhess. [
dagegen Hofmann
niederhess. 108 glegə], Hertel
Thüring.)
darf schwerlich als fehlen in der mundart gedeutet werden, wenn auch für ein teilgebiet des begriffes in einigen landstrichen dusel
volksläufiger ist (
z. b. Hertel
Thüring. 87, Gerbet
Vogtland 216
u. 356);
der herkunft von nordwesten entsprechend scheint glück
allerdings in den westlichen mundarten früher heimisch geworden zu sein und daher bodenständigere formen aufzuweisen (
z. b. Rovenhagen
Aachen 42, 45 jelöcke, jlöck Leihener
Cronenberg 46 gløke, Hoenig
Köln 66 glöck,
[] am Niederrhein (
Krefeld) jlöck, Christa
Trier 5 glögk, Follmann
lothring. 208 glick, glek,
luxemburg. wb. 148 glek, Kisch
vergleichend. wb. d. Nösner u. moselfränk. ma. 93 gläck, gleck);
doch weist auch im osten etwa die sprachinsel Schönwald in Oberschlesien mit ihrer altertümlichen form g'ẹlek'ẹ (Gusinde 69)
auf frühe verwurzelung des wortes. im nd. findet sich entsprechend dem mnd. nebeneinander von gelucke, lucke
teilweise noch die durch abwurf des präfixes entstandene form lukk, lükk, lükke,
z. b. Berghaus
Sassen 2, 434
u. 449,
brem. wb. 3, 96, Schambach
Gött.-Grubenh. 127;
doch ist die form glück(e)
stark im vorrücken (
s. Schambach
a. a. o.)
oder hat sich bereits als einzige durchgesetzt, s. z. b. Woeste
westfäl. 81, Berghaus 1, 580, Bauer-Collitz
Waldeck 40, Mensing 2, 401 (
ohne g
nur noch das verbum lücken 2, 403
u. 3, 545), Frederking
Hahlen 12, Böger
Schwalenberg 151, Dähnert
pomm.-rüg. 154, Frischbier
preusz. 1, 238, Fischer
Samland 53;
wie im hochalem. g'fell,
so tritt im nd. für die bedeutung '
glücksfall, blindes glück'
z. t. slump
in konkurrenz mit glück,
vgl. Mensing 4, 572, Mi
Mecklenburg.-Vorpomm. 81, Richey
Hamburg 265, Damköhler
Nordharz 169, Danneil
Altmark 196.
form. glück
ist auf deutschem boden stets starkes neutrum; die scheinbar schwache form in nd. taum glücken (
z. b. Reuter
stromtid 2, 158, 237, 274
Seelmann)
ist urspr. wohl der subst. inf. gelücken,
wenn sie heute auch auf das subst. bezogen wird, vgl. Mensing 2, 402. —
ein plural ist dem mhd. im gegensatz zu andern abstrakten und insbesondere zu dem synonym sælde,
aber in übereinstimmung mit heil
fremd, während er im mnl. gelegentlich begegnet: want in sinen ghelucken een man sinen vrient niet kinnen can
rose 4775
bei Kausler
denkm. 2, 162.
in der sprache der gegenwart ist glück
plurallos; als ersatz tritt z. t. der plural glücksfälle
ein. doch begegnet seit dem 17.
jh., auf mehr oder weniger konkrete einzelfälle von glück
bezogen, ein plural auf -e
bzw. ohne endung: für ein glück wirstu haben drei Zinkgref
auserles. ged. 48
ndr.; ach leider! musz ich nun erfahren, dasz sich zwey glücke selten paaren Triller
poet. betracht. (1750) 6, 553; sechs glück
ebda 2, 223; man denke hiebei nur an glücke wie der Rasumowski, Orlow, Potemkin ... usw. E.
M. Arndt
s. w. 1, 155
R.-M., vgl. ztschr. f. dtsch. wortforsch. 6, 217;
beliebt bei Rilke: kindheiten von eltern und voreltern, ängste von sterbestunden, kleine glücke
tagebücher 1899-1902 (1931) 388; zufälle sind die menschen, stimmen, stücke, alltage, ängste, viele kleine glücke
stundenbuch (
51912) 57; erlenzweige, die vom pulsschlag der tragenden hand zusammenschwingen mit menschlichen glücken K. Friedrich-Kossat
hymn. jahr (1937) 8.
für die mundarten wird in der regel kein plural angegeben, gelegentlich sein fehlen ausdrücklich betont (
z. b. Baumgartner
Berner Seeland 143);
ganz vereinzelt begegnet ein plural auf -er,
s. Fischer
schwäb. wb. 3, 710 (
anders dagegen bei unglück,
s. Staub-Tobler
schweiz. id. 2, 622
und teil 11, 3, 992).
kein plural liegt vor in der wendung tausend glück,
wo tausend
allein verstärkende kraft hat: dasz ich dir in gedanken tausend glück zu deiner veränderung gewünscht Lessing 18, 220
M., vgl. tusendglück Staub-Tobler 2, 623.
das e
des präfixes, das bereits mhd. häufig schwindet, wird besonders aus rhythmischen gründen im 16.
und 17.
jh. noch häufig bewahrt; bei Luther
überwiegt die synkopierte form, s. Dietz 2, 139
f.; gelück
s. z. b. Ringwaldt
christl. warnung (1588) k 3
b; Spreng
Äneis (1610) 6
a;
Ilias 68
b; 89
b; Rachel
satyr. ged. 32
ndr.; gelücke Chr. Günther 1, 8
lit. ver.; J. v. Besser
schr. (1732) 1, 22;
weitere belege s. Paul-Braunes beitr. 31, 315;
für Maaler
ist 1561
bereits glück
die gültige normalform (
nur ein beleg mit verweis unter gelück 166
a); Stieler (1691)
kennt nur noch synkopierte [] formen. wie bei glied (
o. sp. 5)
ist in den obd. mundarten die synkope so früh eingetreten, dasz gl-
als stammhaft empfunden wurde und die schärfung des anlauts daher unterblieb, s. Enderlin
Kesswil 117, Vetsch
Appenzell 158, Henzen
Freiburg 155
anm. 1, Wiget
Toggenburg 113, Stucki
Jaun 174, Jutz
alem. mundarten 219;
andererseits haben auszengebiete wie das lusernische und das cimbrische den präfixvokal festgehalten: galücke Schmeller
cimbr. 144, gelükh Bacher
Lusern 256.
infolge der häufigen bzw. durchgehenden synkope des präfixvokales verlor das auslautende e
die stütze, die es an der mit ge-
abgeleiteten ja-
gruppe hatte; es unterlag daher dem gleichen geschick wie das der einfachen ja-
stämme, d. h. es wurde nicht nur obd., sondern auch md. weitgehend apokopiert. bereits bei Luther
überwiegen die apokopierten formen, vgl. Dietz 2, 139
f., v. Bahder
idg. forsch. 4, 363;
auf obd. boden kennen Maaler (1561) 186
b, c und Henisch (1616) 1654
f. nur glück.
dagegen hält sich auf md. und nordd. boden die zweisilbige form neben der apokopierten; für Bellin
hochd. rechtschr. (1657) 124
ist glücke
noch die normalform, für Gueintz
dt. rechtschr. (1666) 75
dagegen glück.
besonders bleibt hier glücke
neben häufigerem glück
in der dichtung lebendig und wirkt mit der dichtersprache des 17.
jh. auch auf das obd. zurück, so dasz seitdem die zweisilbige form zu den freiheiten der poetischen sprache gehört; sie hat sich auch in der nordd. vulgärsprache erhalten (Paul
dt. gramm. 2, 21; 1, 236),
während Adelung
wb. 2, 724
und Campe 2, 407
nur die einsilbige form anerkennen. belege für glücke
bei Opitz
und Fleming
s. idg. forsch. 4, 363; Logau
sinnged. 386
lit. ver.; Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel
kirchenl. 3, 316; Lohenstein
Arminius (1689) 1, 429; Chr. Weise
erznarren 20
ndr.; ollapatrida 36, 15
Wiener ndr.; Henrici
ernst-, scherzh. u. sat. ged. (1727) 3, 309; Gottsched
ged. (1751) 4 (
bei ihm glücke
fast ebenso häufig wie glück);
nach Paul-Braunes beitr. 31, 323
vermeidet A. v. Haller
die apokope, während (
s. 320) Lessing
die zweisilbige form nur ganz vereinzelt braucht; glücke
ferner bei E. v. Kleist (1760) 1, 44; Schubart
ged. 308
Hauff; vgl. 309; ein künftig glücke Göthe I 4, 199
W.; vgl. I 16, 191;
dazu Fischer
Goethewb. 302; ein beszres glücke Hölderlin 1, 37
Litzmann; das glücke (
nom.) Tieck
Genovefa (1820) 46.
der stammsilbenvokal wird obd. im allgemeinen mit ü
wiedergegeben, s. Bahder
grundlagen d. nhd. lautsystems 202
ff. (
doch z. b. gluckes Seb. Brant
narrenschiff 39
Z.);
im md. wird besonders bis zur mitte des 16.
jh. der umlaut sehr häufig nicht bezeichnet, vgl. z. b. gluck Luther 19, 136; 299; 381; 556
W.; glucke
ders. 9, 518
W. formen mit mundartlicher entrundung finden sich besonders auf österreichischem boden und bei volkstümlicher haltung bis ins 18.
jh.: glickh J. A. frhr. v. Brandis
landeshauptleute v. Tirol 14; von dem missginstigen glik Abr. a
s. Clara
neue predigten 103, 20
lit. ver. ganz vereinzelt auftretende schreibungen mit einfachem k (
z. b. glük Göthe IV 4, 142; 143
W.; glüke Grob
dicht. versuchgabe [1678] 39; 58; 68; 93)
sind rein orthographisch zu verstehen. die form glückt
geht auf mhd. gelückede
zurück, s. unten glückde.
bedeutung und gebrauch. II. glück
ist ursprünglich '
schicksal, geschick, ausgang einer sache'. I@AA.
verlauf, ausgang eines geschehens oder einer angelegenheit, sei er nun günstig oder ungünstig; das ergehen, bzw. erleben einer person, dann abstrakter das geschick, das los eines menschen oder spezieller das eintreten eines unerwarteten ereignisses, geradezu der zufall (
besonders ein ungünstiger).
vgl. sors gluck, luck, geluck, gelucke Diefenbach
gl. 543
c. I@A@11)
ohne kennzeichnendes epitheton: wirt mîn gelücke alsô guot sô mîn herze und der muot, ich weiz wol, sô verdiene ich daz daz ir mich erkennet baz Hartmann von Aue
Iwein 5517
L. [] gelücke, daz dâ heizet sors
gesamtabenteuer 1, 473; von gelücke (
zufällig) daz geschach daz der künec zuo im sprach
Laubacher Barlaam 6201
Perdisch; vnd leget dorein das kint vnd leget es in dem veslin auff das gestatt des flosz. sein schwester stuont von verr vnd merckt daz gelúcke (
eventum) des dings
erste dt. bibel 3, 223
Kurrelm.; der were ein al under die claider kommen und het ir zu allem glück (
zufällig, unglücklicherweise) die scham antroffen
zimmer. chron.2 3, 423
Barack; und geschah also, das der junge marschalck dem alten nicht folgen wolte, darumb sie denn auch solch glück gehabt haben (
sie wurden besiegt) Hennenberger
preusz. landtaffel (1595) 15. '
dauernd innewohnendes schicksal': ey wie gar arme und unglücksalig ist das gelücke der frawen Arigo
decamerone 198
Keller; damit ist nu die art und gluck des evangelii angezeigt, wie es yhm ynn der welt gehe Luther 19, 136
W.; sondern dafür solle man es halten ..., dasz dieses des euangelij altes glück seye, dasz allweg wenig, vnd darzu die nachgültigsten menschen daran glauben Gretter
erklärung d. ep. Pauli a. d. Römer (1566) 661; dasjenige, was das schicksal über das glück der menschen vorherbeschlossen hat, ist ... unveränderlich J. Bodmer
abhdl. v. d. wunderbaren (1740) 122; wie enggebunden ist des weibes glück Göthe I 10, 4
W. mehr äuszerlich '
vom geschick zugewiesene lebensstellung': vregete si wi si hîzen und wannen si wêren und waz ir glucke were. dâ sageten si iz ime: wir sint erzte Hermann von Fritzlar in:
myst. 1, 206
Pf. dann vom eintreten eines unerwarteten ereignisses: glück
zufall, aventur, glückfall, fors, fortuna, casus, eventus inexspectatus, μέσον enim est vocabulum Henisch (1616) 1654; glück
ist ein zufall in guten oder bösen Gueintz
dt. rechtschreib. (1666) 75; glück
ist der zusammenflusz vieler erwünschten oder verdrüszlichen umstände, die einen mit ehren und gütern überhäufen oder sie einem auch rauben Gottsched
beobacht. (1758) 429; de fatis atque usu studii juris feudalis. vom glück und gebrauch des lehenrechts in Deutschland (
buchtitel) E. J. Westphal (1724);
auch mit ausgesprochen ungünstigem sinn: (
wer etwas unternehmen will, soll sich prüfen, ob er es vermag) do mit im nit eyn gluck zuo fall vnd werd zuo spot den menschen all S. Brant
narrensch. 18, 27
Z. I@A@22)
je mehr sich glück
zu der heutigen bedeutung '
gutes geschick'
verengt (
s. II),
um so nötiger wird es, dem worte in seiner weiterlebenden neutralen bedeutung kennzeichnende epitheta beizufügen: Petrarche Francisci zwei trostbücher, von artznei und rath, beide im guten und widerwertigen glück (1559) (
titel); welche sich vnderstehen, andern leuten ihre natiuiteten zustellen, vnd ihnen ihr gutes vnd böses glück vnnd endt zu propheceyen Äg. Albertinus
Lucifers königreich 88
L.; beydes das gute und wiederliche glück Butschky
Pathmos (1677) 25.
daraus die im 16.
und 17.
jh. beliebte abkürzende wendung beides glück, bei der vielleicht Petrarcas
bekanntes werk de remediis utriusque fortunae (
schon 1532: von der arznei beides glücks)
mitgewirkt hat: ein trewes weib pfleget sich in des mannes beiders glücks fleissig zu schicken Friedrich Wilhelm
sprichw.-reg. (1577) o 2
b; standhaffter muth; der nicht fällt zu rücke, sondern krieget stets den preisz, dasz er zu begegnen weisz beydem glücke Simon Dach
in: Königsberger dichterkreis 204
ndr.; zu prüffen wer ihn liebt und wer ihm hertz und sinn in beydem glücke giebt Opitz
opera (1690) 1, 65; beydes glück durch unüberwindlichen muth ertragen
ebda, psalmen Davids, vorr. 2;
verwandt: bedenk, auf ungetreuen wellen ... schwimmt deiner flotte zweifelnd glück Schiller 11, 231
G. [] verbreiteter sind wendungen einseitig charakterisierender art, besonders böses, widerwertiges glück für '
unglück, miszgeschick',
offenbar gefördert durch lat. fortuna adversa: da aber Esopus ... erkennet, das alle rät wider in gemacht wurden, klaget er sein ungevel und böses glück Steinhöwel
Esop (1555) 25
b; das ein warer fraind inn widerwertigem glügke erkandt würdt J. v. Schwarzenberg
t. Cicero (1535) 75; bös glück, böser glaube Friedrich Wilhelm
sprichwörter-reg. (1577) s 2
b; in ansehung meines grossen vnfalls vnd widerwertigen glücks
Amadis 52
lit. ver.; da begab sich ein böses glück, welchs sich nit jedermals so schickt Fischart
Eulenspiegel v. 87
Hauffen; alsdann klagte er mit beweglichen worten an sein widersinniges glükk S. v. Birken
forts. d. Pegnitzschäferey (1645) 7; trau auff gott im bösen glücke J. Sieber
bei Fischer-Tümpel
ev. kirchenl. 4, 189; in welchen (
kurzen augenblicken) viel verdrusz, vermischt mit schlechtem glücke, und lauter unbestand sich zu erkennen gab Canitz
ged. (1727) 3; wir sind es schon gewohnt, unseren helden niemals gröszer zu sehen als im widrigen glücke Wieland
Agathon (1766) 2, 257; 's gáhh glück
der zufall Schmeller-Fr. 1, 970. I@BB.
schicksalsmacht, die günstiges oder ungünstiges schickt, den verlauf einer sache oder das ergehen einer person glücklich oder unglücklich gestaltet, zufall als von auszen einwirkende macht. I@B@11)
ohne kennzeichnende epitheta: der hêre ende sîn here fûren dô uber mere dar si gelucke sande Heinrich von Veldeke
Eneide 110, 33
E.; besonders seit dem humanismus macht sich hier stark der einflusz von lat. fortuna geltend; dabei ist die grenze zwischen der auffassung als schicksal, das günstiges und ungünstiges schickt, und der als glückspendende macht, die zwar nur günstiges verleiht, aber deren abkehr für den betroffenen unglück bedeutet, nicht immer scharf zu ziehen; die ausgesprochenen personifizierungen als Fortuna '
glücksgöttin',
bei denen beide auffassungen eng verquickt sind, sind daher unter II C 2
zusammengefaszt: also macht das gelukch aus einem ratman einen gevangen und aus einem gevangen einen ratman Heinrich v. Mügeln (1369)
in: mitt. d. hist. ver. f. Steiermark 46, 16; das gelücke (
la fortuna) ir schnell zuo bereyt neüe traurikeit Arigo
decamerone 111
Keller; als ... ich also aussgezogen und gebunden in den wald geführt und dem glück übergeben worden, gieng ich ... in grossem zitteren ... lang hin und wider J. Wetzel
reise d. söhne Giaffers 170
lit. ver.; dann was kan doch ... ainem menschen auff erden vom glück widerwertigs zuosteen, des sich nit ... (
Ulysses) ... genietet hatt Schaidenreiszer
Odyssea (1537) 3; das glück kan kein mittel, es ist eitel glück oder unglück
sprichw. sch. w. klugreden (1548) 160
b (
sprichw. Henrici Bebelij); wenn das glück wütet, verzage nicht J. B. Schupp
schr. (1663) 552; so bisz du auch getrost, mein hertz, und ubersteh des glückes schertz
M. Opitz
bei Fischer-Tümpel
dt. ev. kirchenlied 1, 237; das glück will mir verschlissen was andern offen steht Simon Dach
in: Königsb. dichterkreis 18
ndr.; ich musz mich geben drein ... disz weisz ich mehr als wol, und gleichwol führ ich klagen, als ob ich mich der not des glückes könt entschlagen P. Fleming 177
Lappenberg; das glücke (
unglück) greift mich allenthalben und zwar mit allen pfeilen an J. Chr. Günther 2, 44
lit. ver.; aus argwohn vor dem glücke
ders., ged. (1739) 2, 32; leute, welche glück und auferziehung an die niedrigste stelle gesetzt hat Lessing 4, 183
M.; [] denn beide, hatte gleich das elend ihre blüthe halb abgestreift, verriethen durch gestalt und sinnesart, wo nicht ein königlich geblüte, doch sichrer einen werth, dem selbst die allgewalt des glücks nichts rauben kann vom reinen vollgehalt der innern angebornen güte Wieland (1796) 23, 90; wohl mir, dasz mir ward vergönnt, den zu sehen, dem zu danken, der mir meine letzten tage, mir mein sterbebett verschönt, mit dem glücke mich versöhnt Grillparzer
s. w. 4, 35
Sauer; das glück schien endlich wieder gut machen zu wollen, was es bisher an ihm gesündigt Justi
Winckelmann (1866) 1, 443.
besonders hält sich diese bedeutung in der festen formel wenn das glück gut ist '
wenn das schicksal gewogen ist, wenn die umstände günstig sind, wenn keine hindernisse eintreten',
meist als blosze einschränkungsformel aus höflichkeit: sie sehen ... heute abend, wenns glück gut ist, einen erfreulichen abschlusz Göthe I 25, 232
W. I@B@22)
die schicksalsmacht wird gern durch entsprechende epitheta als ungünstig gekennzeichnet; doch ist das negative epitheton an sich nicht immer beweis, dasz dem subst. die neutrale vorstellung zugrunde liegt, da auch die göttin des günstigen glücks als zurückhaltend, nicht jedem bzw. nicht immer ihre freundschaft und ihre gaben gewährend gedacht wird, vgl. z. b. mit welchen gaben sich die natur viel freygebiger gegen ihr erzeigt hatte, dann das missgünstige glück mit den seinigen Grimmelshausen 2, 336
Keller. entsprechende wendungen, die meist stark personifizierenden charakter haben, s. unter II C 2;
hier also nur beispiele, wo dem subst. eindeutig die allgemeine bedeutung '
schicksal'
zugrunde liegt: wie das nicht sein schulde, sunder des bösen gelückes gewesen seye Arigo
decamerone 587
Keller; du hessigs glück, magst noch dein tück zu hinderen mich nit lassen. wie ich mich duck, vor dir verschmuck, noch irstu mich in allen strassen
bergreihen 116
ndr.; als mich das schnöde glück von ihrer hand gerissen, hat es zugleiche mich gerissen auch von mir
M. Opitz
teutsche poemata (1624) 28; was mir ... wie obgemeldet, unterthänig zu verrichten, von meinem wiederwertigen glük vor dismal nicht gegönnet werden wollen G. Neumark
neuspross. t. palmb. (1668) 258; ein unerbittlich glück verfolgt uns bis hierher Joh. E. Schlegel
w. (1761) 1, 15; allen zufällen des widrigen glücks ... ausgesezt Wieland
Agathon (1766) 1, 4. I@CC.
an A
schlieszt sich an die bedeutung '
vorzeichen, vorbedeutung für den günstigen oder ungünstigen verlauf einer sache'
; da sie nur in glossaren und übersetzungen begegnet, ist sie wohl gelehrten ursprungs (
im gegensatz zu der verbindung von '
glück'
und '
vorbedeutung, vorzeichen'
in gemeingerm. heil,
vgl. Gehl
germ. schicksalsglaube 48).
bezeugt ist sie nur vom 13.
bis zum 16.
jh.: auspicium gelucke (14.
jh.) Diefenbach 63
a;
omen geluke (
Kaadner vocab., anf. d. 15.
jh.)
Prager dtsche stud. 8, 452; geluck
omen vel augurium, vogelgesanck vocabul. v. 1482 k 7
b;
omen gelucke, geluckh, gluck (15.
und 16.
jh.) Diefenbach
gl. 395
c;
augurium glück der vögel, glück ausz der vögel flug und geschrei Nicl. Heiden
Valerius Maximus (1565) 10; Lucius Tarquinius könig wolte die drei geschwader der reisigen, welche Romulus durch glück der vögel verschriben hat, mehren
ebda 11;
vgl. bonis aevibus (
lies avibus) mit gutem glück oder wind Spanutius (1720) 510. IIII.
bereits im mhd. überwiegt für gelücke
die einengung der bedeutung nach der günstigen seite; es bezeichnet eindeutig den günstigen verlauf oder ausgang eines geschehens, das günstige geschick, woraus sich weitere bedeutungen entwickeln. die daneben weiterlebende neutrale bedeutung schwingt aber oft noch mit. vgl. dazu die hiervon rührende beliebte verbindung gutes glück, in der nicht [] erst gut
dem subst. günstige bedeutung gibt. zur bedeutungsentwicklung ist zu vergleichen lat. successus,
ursprünglich '
der verlauf',
aber schon im klassischen latein gern '
der gute verlauf, der glückliche erfolg'
; franz. succès '
erfolg'
; ähnlich fortuna '
zufälligkeit',
dann '
glück, glücksgut'
; zweifellos hat die bildung unglück
an dem erstarken der günstigen bedeutung von glück
entscheidenden anteil, vgl. Kr. Sandfeld
sprogvidenskaben (
21923) 99. II@AA.
günstiger verlauf oder ausgang eines unternehmens, eines zweckbestimmten geschehens, gelingen, erfolg, und zwar zumeist als ergebnis oder im verfolg einer mehr oder weniger zielstrebigen handlung oder wirksamkeit. II@A@11)
allgemein: dô ez also was komen ... daz Erecke sô wol gelanc daz er Idêrs betwanc ... sîns gelückes wâren dô vil herzenlîche vrô arme unde rîche Hartmann von Aue
Erek 1294
Haupt; nu liez in Tristan sâ zestunt die tôten hant des risen sehen und seite im, alse ez was geschehen, sîn gelücke und sîne linge an allem disem dinge Gottfried von Straszburg
Tristan 16 190
Ranke; das gut geluck hat mich selig gemacht
prosper eventus felicem me fecit modus latinitatis (1498) 10
a; (
der übergang über den tief verschneiten Thüringer wald) ging als wol zu gutem glucke usz, das vnszer keiner krangk noch sich wart K. Stolle
thür.-erfurt. chron. 126
lit. ver.; und sein herr sahe, das der herr mit im war, denn alles was er thet, da gab der herr glück zu durch in
1. Mose 39, 3; ach gebe mir gott das glück, dass ich ihn auff sein pferdt brächte
buch d. liebe (1587) 90
a; bey arger list ist nit allzeit gut glück Petri
d. Teutschen weiszh. (1604) 2, k 8
a; arbeit ohn glück hilfft nichts
ebda 2, j 2
b; in der reichsstadt nun, dem stillen sitze der musen ... hoffte Faust bessres glück Klinger
w. (1809) 3, 12; ungeachtet seines glücks bei hofe Göthe I 45, 68
W.; das glück, das gelingen verbindet: das unglück zersetzt und zerstreut Ranke (1867) 1, 121. II@A@22)
in festen verbindungen (
vgl. auch unter 3). II@A@2@aa)
sehr beliebt sind paarungen und sonstige substantivische verbindungen mit verwandten begriffen: da gebe gott, das sie keyn glück noch gelingen haben müssen Luther 18, 361
W.; es ist nicht alles recht vnd gott gefällig, was glück vnd fortgang hat Lehman
flor. polit. 1 (1662) 371; ich habe glück und gedeihen bei meiner administration Göthe
an Knebel 1, 44
Guhrauer. hier nimmt wohl auch die verbindung glück und heil ihren ausgang; doch ist sie früh besonders unter dem einflusz von wünschen und segensformeln zu der bedeutung '
inbegriff aller günstigen umstände'
erweitert worden, so dasz die beziehung auf den günstigen ausgang einer bestimmten sache nur noch da ersichtlich ist, wo ein ausdrücklicher hinweis vorliegt: darzuo wöl dir gott glück, heyl vnd wolfarn verleyhen Hutten 1, 449
Böcking; so mögend wir mit glück vnd heil einander dapffer bystand thuon
schweiz. schauspiele d. 16. jh. 3, 22
Bächtold; wann künfftig vns mit glück vnd heyl die reich statt Troja wirdt zu theil J. Spreng
Ilias (1610) 4
a; wolan das ist das ander stück, gott geb uns darzu heyl und glück L. Sandrub
hist. u. poet. kurzweil 31
ndr.; ähnliches gilt von der verbindung glück und stern, weder glück noch stern,
wobei der erste begriff wohl das gelingen, der zweite das an die konstellation gebundene günstige schicksal meinte; auch sie erweitert sich zu '
inbegriff aller glücklichen umstände' (
vgl. u. II D,
bes. 1);
hierher darum nur vereinzelte fälle: dabey ist weder glück noch stern W. Spangenberg
bei Dähnhardt
griech. dramen 2, 28; Josua ... hat ... in seinem krieg nichts als glück und stern erfahren Abr. a
s. Clara
etwas für alle 2 (1711) 520; lauter
[] römische käyser haben weder glück noch stern gehabt, alle elendiglich umbs leben, umb cron und thron kommen
ders., auf auf ihr christen 54
Wiener ndr.; messet und rechnet. ohne das ist kein stern, kein glück! Gottsched
anmuth. gelehrsamkeit (1751) 4, 453; lern mägdlein lern, so hast du glück und stern Mittler
dt. volkslieder (1865) 585. —
gelegentlich hierher auch glück und segen: glück vnd segen (
ist) darbey (
beim krieg) gewesen Reutter v. Speir
kriegsordnung (1594) a 3
a. II@A@2@bb)
verbale verbindungen: glück gelingt s. teil 4, 1, 2,
sp. 3034.
am geläufigsten ist glück haben, das aber starke übergänge zu anderen bedeutungen von glück
aufweist, vgl. besonders II A 3, II B 3 b, D 2;
mhd. noch verhältnismäszig selten: ich hân von iuwern sculdenscaden vil genomen: der wirt mir nu vergolten,ob ich gelücke hân
Nibelungenlied 249, 2
Bartsch; swer gelücke hiute hât ... der vert morgen swache
Laubacher Barlaam 5543
Perdisch; sie meinen wol, glück wider ihn zu haben Luther
tischreden 1, 456
W.; es hetten auch die von Bamberg nit so vil glúcks, das inen die statt Nurmberg sunst zwei oder dreitausend gulden gelihen hette
chron. d. stadt Bamberg 2, 65
Chroust; manicher hat vil erfahren, waiszt auch vil vnd hat dannocht kain glück Mayr
sprüchw. (1567) d 7
a; ich habe seit kurzem enormes glück mit kaufen und schenken gehabt A. v. Droste- Hülshoff
br. (1893) 77; dasz andre leute kein glück haben, finden wir sehr leicht natürlich
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893) 1, 63; i, wenn mir herr Krieger erst a so kommt, mit holz bezahlen und solchen sachen, da hat er bei mir kee glicke nich G. Hauptmann
biberpelz (1893) 55; dasz ich so ein fürchtigs glück ghabt hätt (
auf der jagd) Ganghofer
almer u. jägerleut4 216. — glück tun '
gelingen geben': ob mir got gelúck tuo, so wil ich nit enberen, gen der statt hin keren
Friedrich von Schwaben 4042
Jellinek. glück machen '
günstigen verlauf seiner angelegenheiten finden, erfolg haben' (
vgl. teil 6, 1375, 10),
seit anfang des 18.
jh. wohl nicht ohne einwirkung von franz. faire fortune
geläufig; die wendung wird aber früh, besonders in verbindung mit dem possessivum (sein glück machen),
auf die mehr materielle bedeutung von glück '
glückliche äuszere lebensumstände, lebensstellung, ansehen' (
s. II D 4 f)
bezogen. hier also nur beispiele, in denen die betonung des materiellen noch nicht hervortritt (
vgl. auch II A 3 d): wir (
die kritischen jungen lebemänner) zerreiszen wie tiger alles, was glück macht Göthe I 54, 82
W.; doctor Gall macht in Berlin groszes glück und nimmt viel geld ein
ders. IV 17, 277
W.; freund, ich verzweifle, dasz du bei hofe glück machst Zach. Werner
söhne d. thals (1803) 2, 313; unterstützt von einer sehr edlen gestalt, ... hätte er in der welt groszes glück machen müssen Gutzkow
ritter v. geiste (1850) 2, 263; aber es schien, als sollte er bei den groszwürdenträgern des protestantismus kein glück machen Justi
Winckelmann (1866) 1, 182.
mit pronomen: es wird aber auch aus solchen (
untüchtigen) leuten nachgehends nichts rechts, und tugendhaffte und verständige avanciren und machen ihr glück v. Fleming
d. vollk. t. soldat (1726) 124; ich stehe ihnen dafür, dasz er bey uns sein glück nicht machen werde Gerstenberg
schlesw. lit.-br. 113
lit.-denkm. auch von sachlichem subjekt, '
erfolg haben, anklang finden' (
vgl. II A 3 d): noch weniger glück konnte das ältere papier aus rinde von allerley bäumen ... machen, da es zu dick, steif und zerbrechlich war
F. Th. v. Schubert
verm. schr. (1823) 3, 257. glück machen
aber auch '
erfolg bewirken, verursachen' (
vgl. teil 6, 1373),
s. u. sp. 239. II@A@2@cc)
adverbielle wendungen. mit (gutem, besserm, gleichem)
glück '
mit (
gutem u. s. w.)
erfolg',
wobei zumeist [] die vorstellung der fähigkeit, des könnens der handelnden person im hintergrund steht: hab auch sein hauszhaltung biszher mit glück erhalten ohn beschwär W. Spangenberg
bei Dähnhardt
griech. dramen 1, 71; un wenn ehre selige mama ... ok vel dornah stangelt hadd, sei en beten vörnemer tau maken, hir, bi sinen leiwling, hadd de kammerrat mit glück dat gegenpart hollen Fritz Reuter
w. 2, 147
Seelmann; habt ihr mit glück geschäften vorgestanden Grillparzer 8, 225
Sauer; wenn er sein verrähtrisch stük hett verbracht mit gutem glük
Reinicke fuchs (1650) 182; die mode kam ietzo und siegt mit besserm glück Zachariä
poet. schr. (1763) 1, 97; ein zweiter bote geht und kehrt zurück, doch nicht mit besserm glück Grillparzer 8, 224
Sauer; beide widmeten sich früh den bürgerlichen geschäften; aber nicht mit gleichem glück A. G. Meissner
skizzen (1778) 1, 2; 'niemand soll mich bestechen' — ich glaub es, die häszlichen weiber drohen mit gleichem glück ihren verführern mit schmach Göthe I 5, 298
W.; einen gegenpapst, der sich mit vielem glücke behauptete Ranke (1867) 1, 20;
Melitta: ich suchte blumen.
Sappho: und nicht ohne glück Grillparzer 4, 167
Sauer. da in dem seit dem 17.
jh. aufkommenden wort erfolg
die vorstellung von dem eigenen verdienst des handelnden stärker in den vordergrund tritt, dienen besonders die negativen wendungen mit schlechtem glück u. s. w. '
mit geringem erfolg, ohne erfolg'
der milderen bzw. höflicheren ausdrucksweise, indem die nebenvorstellung des waltens einer willkürlichen schicksalsmacht hervorgerufen wird (
vgl. II B
und C): er ... begab sich nach Merseburg, wo er advocirte, aber mit so schlechtem glücke, dasz ... Liscow
samml. sat. u. ernsth. schr. (1739)
vorr. 16; oft kehrt ich noch mit immer schlechterm glücke auf die fatale flur zurück, bis mir zuletzt das günstige geschicke noch einen tag, den ich nicht hoffte, gab Göthe I 5, 61
W.; (
gegen etwas) mit wenigem glücke ankämpfen A. v. Humbold
ansichten d. natur (1808) 1, 191.
zu(m) glück belangen, schlagen, ausschlagen, einschlagen, geraten: es belangt ihnen nicht zum glück Fischart
Garg. 36
ndr.; capram caelestem orientem conspexit es schlegt ihm alles zu glücke
nomencl. lat.-germ. (1634) 172; die gute that zog unaussprechliches weh auf mein haupt, und ich hoffe, die bösen allein sind zum glück ausgeschlagen Klinger
w. (1809) 3, 272; ich wäre dem tode nahe, wenn mir einmal etwas auf der welt zum glücke einschlüge Castelli
s. w. (1844) 10, 168; aber ihr war es zum glück geraten Ganghofer
almer u. jägerleut4 129.
hierher wäre eine reihe von wunschformeln zu stellen; da dabei aber die bedeutung von glück
meist erweitert wird, sind die gesamten wunschformeln unter II D 1
zusammengefaszt. II@A@33)
in besonderer verwendung. II@A@3@aa)
glück bei frauen '
fähigkeit, die neigung von frauen sowie die erlangung ihrer gunst zu gewinnen'
; anscheinend erst anfang des 18.
jh. aufgekommen, vielleicht im anschlusz an frz. bonne fortune, homme de bonnes fortunes;
zunächst noch nicht allgemein gebräuchlich, Adelung
und Campe
verzeichnen die wendung noch nicht: sein glück bey einem frauenzimmer machen
ihre völlige gunst besitzen, die höchste (
letzte)
gunst von einer genieszen, bekommen, erhalten Rädlein (1711) 396
a; Göthe
ist die wendung durchaus geläufig: er schien des guten glücks bei frauen gewohnt zu sein I 22, 103
W.; das glück bey frauen, das
[] ihnen niemals gefehlt hat, wird sie auch in Holland nicht verlassen I 8, 314
W.; sprach von seinen heldenthaten, seinem glücke bei den weibern Grillparzer 8, 127
Sauer; genug, sie sah ihn — und er machte glück Gaudy
s. w. (1844) 2, 13; wie weit es mit seinem sagenhaften glücke bei weibern ging, habe ich nie erfahren können Stifter
s. w. 3, 194; nor recht schlecht zeik geschwätzt, des is e hauptsach, wann mer bei de weibsleit glick mache will Niebergall
dram. w. 257
Fuchs; er war lebemann, jagdreiter, sah gut aus, hatte glück bei damen und wuszte sich auf dem hofparket geschickt zu benehmen Bismarck
ged. u. erinn. (1898) 1, 112. II@A@3@bb)
glück im spiel '
erfolg, gewinn im glücksspiel, kartenspiel'
u. ä.; daneben ist gerade für das spiel auch die vorstellung einer aktiven, erfolgverleihenden macht lebendig, s. unter II C 1 a;
mehr auf letztere bezüglich ist wohl: nicht allein seynd die könige nur erd und staub, sondern seyndt auch gleichsamb wie das glück in spiel Äg. Albertinus
hirnschleiffer (1664) 101;
dagegen: im anfang hatte ich lauter glück, aber darnach machten sie mich auf tertia major labeth Chr. Weise
erznarren 34
ndr.; des spiels ich gar kein glück nit han Erlach
volksl. d. Deutschen 1, 55; du gönnst mir doch mein glück? (
fast konkret für den im spiel gewonnenen einsatz von 1000
dinaren) Lessing 3, 45
M.; sie spielten kaum eine halbe stunde, so war er schon oft labet geworden, und Hildegard hatte glück Heinse
w. 5, 274
Sch.; darum haben auch glücklich liebende kein glück im spiele A. v. Arnim
Hollins liebesl. 56
Minor; rabensteine und leichen bedeuten glück im spiele Alexis
hosen d. herrn v. Bredow (1846) 1, 152; denn er spielte zwar klug und fein, aber er war ohne glück wie in allem Alverdes
pfeiferstube (1929) 79. II@A@3@cc)
glück im kampfe, im kriege '
erfolg, sieg'
; doch ist gerade in dieser sphäre auch die vorstellung des glücks
als einer siegverleihenden macht (
s. II C)
und als des günstigen zufalles, des unerwartet eintretenden glücklichen ereignisses (
s. II B 1)
besonders wirksam; mhd. ist dieser gebrauch mehr durch wünsche vor dem kampfe als durch epische wendungen bezeugt: ich weiz wol, friwent, daz dîn vart gein strîtes reise ist ungespart. dâ geb dir got gelücke zuo Wolfram von Eschenbach
Parzival 331, 27
L.; Hilde diu schœnewünschen dô began gelückes Herwîgeund allen sînen man, daz in nach ir êrenmüeste wol gelingen
Kudrun 727, 1
B.; die Celter ... haben sich vnderstanden das letzte glück zu erfaren (
das kriegsglück zu versuchen) Xylander
Polybius (1574) 92; da ... nicht gros glück bey den Römern war, denn die Schwaben wehrten sich hefftig Christoph Entzelt
altmärk. chron. v. j. 1579, 79
Bohm; ein grosser streyt ... darinn die stett nit guot glück hatten Stumpf
Schweizerchron. (1606) 109
b; im rücken der armee ..., wo für ihn (
einen jungen offizier) wenig glück zu erhoffen war Göthe I 33, 8
W.; empfehlt mich euerm herrn. ich nehme theil an seinem guten glück (
seinem sieg), und wenn ihr so viele freude nicht bezeugen seht, mich als diese siegespost verdienen mag, so glaubt, es ist nicht mangel guten willens, denn unser glück (
schicksal) ist nunmehr eins Schiller 12, 372
G.; er focht mit glück gegen die Salyer Mommsen
röm. gesch. (1874) 2, 161.
besonders beliebt glück der waffen: und die Griechen wurden geschlagen, bis der erzürnte held (
Achill) ... bewogen ward, das glück der waffen wieder herzustellen Ramler
einl. in d. sch. wissensch. (1758) 2, 134; auch die stellung, welche der könig ... angenommen, beruhte auf dem glücke seiner waffen in dem bairischen kriege Ranke
s. w. (1867) 1, 121; das glück der waffen
[] anrufen Bruno Brehm
zu früh u. zu spät (1936) 511.
mehr dichterisch glück der schlacht(en): das glück der schlachten ist das urtheil gottes Schiller 13, 186
G.; als er von da eine reise durch Libyen machte, kostete er auch das glück der schlachten Stifter
s. w. 3, 20; sie (
die landsknechte im himmel) lauschen und spähn, ihnen zittern die hände, wie sich das glück der feldschlacht wende B. frhr. v. Münchhausen
balladen u. ritt. lieder (1908) 28.
mit betonung der wandelbarkeit des glücks, wobei sich glück
also der neutralen bedeutung (I A 2)
nähert: es waren grosze schlachten vorgefallen, es waren wunder des wechselnden glückes geschehen Stifter
s. w. 3, 169; im ersten feldzuge wurde mit sehr abwechselndem glück gestritten Mommsen
röm. gesch. (1894) 5, 37. II@A@3@dd)
in bezeug auf künstlerische und geistige leistungen wird glück
sowohl vom künstler bzw. geistigen urheber als vom künstlerischen bzw. geistigen erzeugnis gebraucht im sinne von erfolg, beifall'. II@A@3@d@aα)
vom dichter, künstler, gelehrten u. s. w.: um so mehr verdientes glück hatte Goethe mit einer dichtung ... 12 jahre vorher gehabt D. Fr. Strausz
ges. schr. (1876) 6, 214;
besonders (sein) glück machen '
erfolg haben, beifall finden': solche komponisten werden ... bei verständigen ihr glück machen Göthe I 45, 183
W.; ich hoffe, auch mit meinen übrigen wissenschaftlichen arbeiten glück zu machen
ders. IV 9, 261
W.; es kann nicht fehlen, sie werden glück machen und befriedigung an ihrem werke finden Müllenhoff
an Scherer, briefw. 31
L.; Campe, der besser das
über setzen als das über
setzen (
von fremdwörtern) versteht, doch in beiden kein glück macht Fr. L. Jahn
w. 2, 612
Euler; dem hrn. C. ... der ... als erster tänzer der oper angestellt war, und bei dem publiko auszerordentliches glück machte H. v. Kleist 4, 133
E. Schm.; Anfossi hatte in Rom mit seiner incognita perseguitata ... 1773 auszerordentliches glück gemacht O. Jahn
Mozart (1856) 1, 359
anm. 1.
besonders in der verbindung mit glück nähert sich glück
stark der bedeutung '
fähigkeit, können, geschick, begabung': nachdem Cervantes die ungeheuern ritterbücher durch seinen don Quichote mit vielem glück lächerlich gemacht hatte Lessing 5, 201
M.; Bach hat sich in allen arten des musikalischen styls fast mit gleichem glück gezeigt Schubart
ästh. d. tonkunst (1806) 202; Wieland ... hat den Shakespear mit glük übersetzt
ders. br. 1, 4
Strausz; er hat (
auf der zeichnung einer kolonnade) eine carawane, die eben quer durchzieht, mit vielem glück angebracht Göthe IV 8, 259
W.; er hat bey uns mit vielem glück einige porträte gefertigt IV 31, 166
W.; mit mehr oder weniger fähigkeit und glück II 2, 133
W.; mit glück hat unser sprachgewandte Schlegel dem fremden canal das einheimische wort sund vorgezogen Fr. L. Jahn
w. 1, 107
Euler; dieser letzten art der einheit bedient sich der dichter oft mit vorzüglichem glücke W. v. Humboldt
Pindar 53
lit.-denkm.; mit geschicklichkeit und glück
ders., ges. schr. 4, 19
akad.-ausg.; die alte chinesisch-japanische karte, ... die von Klaproth mit so vieler gelehrsamkeit und glück lehrreich erläutert ist Ritter
erdkunde (1822) 2, 192; diese zeitgemäsze wiederbelebung und umgestaltung (
der tanzmusik) haben Franz Lachner, J. Raff und Rubinstein mit glück und geschick versucht Böhme
gesch. d. tanzes (1886) 263.
seltener und nur in älterer sprache in der wendung glück haben zu etwas: zu oden, antwortete ich, habe ich besser glücke als zu anderer art versen P. Fleming 93
L. II@A@3@d@bβ)
vom kunstwerk, der geistigen oder artistischen leistung: der lehren kraft und glück beruht nur auf der kunst, sie vorzutragen Eschenburg
beispielsamml. z. theorie (1788) 1, 98; da nun ... von der wahl des gegenstandes ... das glück eines kunstwerks abhängt Göthe I 48, 49
W.; auf dem glück der fabel beruht freylich alles
ebda IV 12, 83
W.; sie (
die singbühne) soll mit anfangs october eröffnet werden. ich meinestheils verspreche ihr nicht viel glück Mozart
bei O. Jahn
Mozart (1856) 4, 150; das glück des ausdruckes (
stilistische gewandtheit) O. Ludwig
ges. schr. 5, 499
E. Schm. [] besonders in der wendung (
sein)
glück machen meist mit der betonten bedeutung '
publikumserfolg haben'.
von literarischen werken: ein lustspiel wider den selbstmord konnte in Paris kein groszes glück machen Lessing 9, 252
M.; weil wir nicht wissen können, ob diese lyrischen versarten ihr glück unter uns machen werden: so sind hier noch einige exempel von strophen Ramler
einl. in d. sch. wissensch. (1758) 1, 182; die fabeln des La-Fontaine haben ihr glück sehr gut gemacht
ebda 1, 292; wie konnte ein stück von der art ein so ungewöhnliches glück machen? Gerstenberg
rezensionen 55
lit.-denkm.; ... ihnen zu sagen, dasz ihre sachen hier kein groszes glück gemacht haben Göthe IV 5, 136
W.; besonders die bereitung des kaffees (
parodie Röllers auf die '
glocke'), scherzhaft dem glockengusz Schillers folgend, machte in damaliger zeit groszes glück Laube
ges. schr. (1875) 1, 37; das alte lateinische stück (
die brüder des Terenz) ... machte beim publicum glück Hebbel
br. 4, 388
Werner. von musikalischen u. ä. werken: im osnabrückischen machen auf dem lande die englischen countrytäntze ihr glück und die menuette werden vergessen Lichtenberg
aphorismen 2, 21
lit.-denkm.; unsere operetten haben das glück, das sie auf der bühne gemacht, blosz den veredelten gefühlen und ausdrücken der natur zu danken Lenz
ges. schr. 2, 324
Tieck; auch diese sonate ... des hr.
M. wird wegen ihrer gefälligen manier bei den liebhabern der kunst ihr glück machen
mus. realzeitung 1788
bei O. Jahn
Mozart 4, 30
anm.; er schrieb den Soliman von Migliavacca, der auszerordentliches glück machte
ebda 1, 226.
von geistigem, gelehrtem, politischer meinung u. dgl.: solcherley ... vorurtheile pflegen eben kein glük zu machen Klopstock
gelehrtenrepubl. (1774) 15; in universitätskreisen macht das buch groszes glück Müllenhoff
an Scherer, briefw. 33
L.; (
ich) bin endlich mit meiner ansicht (
in der judensache) durchgedrungen und werde dann ja sehen, wie viel glück sie in der kammer macht Dahlmann
an J. Grimm, briefw. 1, 40
Ippel; daneben auch glück machen '
erfolg bewirken': allein der vortrag macht des redners glück Göthe I 14, 34
W.; in unsern tagen macht politik des autors glück Blumauer
ged. (1782) 72; im Hamlet macht das geistig überlegene des charakters hauptsächlich sein und des stückes glück O. Ludwig
ges. schr. 5, 201
E. Schm. II@BB.
günstiges geschehen, das der einwirkung der beteiligten person entzogen ist, günstiger zufall, günstige fügung, günstiger umstand. II@B@11)
unter betonung des einmaligen geschehens: daz Gînover und die frouwen her abe mohten schouwen ir ieglîcher tücke (
beim turnier), daz was des gelücke dem daz bescherte sælekeit, sô daz er ritterlîchen reit Heinrich von Türlin
krone 710; und hyesz im das wunder sagen; der nam im das zu einem grossen glück für ... und meynt ... das wer von dem almächtigen gott ein zeichen Schiltberger
reisebuch 15
lit. ver.; der eltern todt ist offt der kinder glück Petri
d. Teutschen weiszh. (1604) 2, n 6
b; das glück hat hier an deiner ehre, erhöhter Hommel, keinen theil Gottsched
ged. (1751) 1, 179; es ist ihr glück, dasz sie in meine hände verfallen sind Hafner
ges. lustsp. (1812) 1, 16; vor allem ... wird das glück der niederländischen künstler gepriesen, dasz ein so günstiger gegenstand (
wie die anbetung der hl. drei könige) ... ihnen als nationalgegenstand aufgenöthigt wurde Göthe I 49, 15
W.; er ... pflegte zu versichern, 'dasz ihm sein lotterieglück ... teuer zu stehen gekommen sei', hinzusetzend, 'dasz es vielleicht mit jedem glücke dasselbe sei' Fontane I 5, 152; dasz der kleine disput ein glück für den verlauf des festes gewesen war
ebda 4, 13; erst in meinem 66. lebensjahre ist mir das glück geboten worden, thätigen antheil an einem feldzuge zu nehmen Moltke
ges. schr. u. denkw. (1892) 1, 27; zum teufel auch, wenn
[] man von hunderten der überlebende ist, das musz man wohl glück heiszen P. Dörfler
abenteuer d. Peter Farde (1929) 3. —