Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
engel stM.
1.1 Schutzengel des Menschen
1.2 gefallener, abtrünniger Engel, Lucifer
2 bildl. für Menschen von besonderer Schönheit, Makellosigkeit, Reinheit
1 überirdisches, gottnahes Wesen: dô hiez er [Gott] engil werden: / zehen chôre er bestifte, mit engelen er si al berihte Gen 6; ein ieglich engel schint also gestalter / als kint in jaren vieren in der jugende, / und me dann sehzic hundert ist ieglicher an den jaren mugende JTit 5974,2; kain ander crêatûr hât vernunft ân den engel und den menschen BdN 3,9; der himel und die engel haben ein wesen / [...] uß ewiglichen sachen Mügeln 9,2; VMos 3,23; Rol 7823. – als Gottesbote: uns chunten die engele die gotes urstende AvaLJ 172,3; [Gott] sazte einen engel mit eime viuwerintem swerte fur das tor des heren paradyses Konr 17,25; der heilige engel sprach: din kint, Maria, sol heizzen Iesvs, heilant Spec 16,24. 24,27; RvEBarl 2720 1.1 Schutzengel des Menschen: ein iegelich mennesse hât einen goͮten engel ze hoͮte uon gote Spec 109,28; vnz sagint die buoch, daz ein iegelich mensche habe einen guͦten engel, der sin huͤte Lucid 65,8; der guote sant Michahêl der ist fürste über die selben engele, die unser dâ hüetent PrBerth 1:94,8; Rol 7123; Eckh 5: 109,25. – auch sein böser Engel: einer iechelichen menscheit / zwene engele sint bescheiden / einen guten einen leiden / ein iechelich mensche bi im hat Pass I/II 337,47 1.2 gefallener, abtrünniger Engel, Lucifer: der tîufal herister engel was in den himilen JPhys 7a,4; do wart des nidis vatir Lucifer / ein eingil abitrunnigir SuTheol 54; Lucifer, de engel wis ind groz MarlbRh 113,33; die schacher, daz ist der tiufel und sein engel PrOberalt 154,18; RvEWchr 23995 2 bildl. für Menschen von besonderer Schönheit, Makellosigkeit, Reinheit: dô truoc der junge Parzivâl / âne flügel engels mâl Parz 308,2; er was engel, mensche niht, / des muotes, als daz mære giht RvEBarl 13647; ein wîp sô schœne und guote / [...] / an kiusche ein engel KLD:Suon 3:2,3; ir lîp engels schœne hât KLD:UvL 26: 3,3; UvZLanz 4430. – sprichwörtl. Verwendung (vgl. TPMA 2,478f.): swer ein engel welle sîn, / der tuoz ouch mit den werken schîn Freid 70,16; ez treit mang mensche eins engels schîn, / und hât doch tiuvellîchen sin Boner 43,95; Renner 883. 9552; von dem spricht der gemain spruch: junger engel, alter tiefel BdN 231,28
MWB 1 1632,57; Bearbeiter: Runow