brust,
f. pectus, goth. brusts,
ahd. prust (Graff 3, 276),
mhd. brust (Ben. 1, 272),
nnl. borst,
hingegen alts. briost,
ags. breost,
engl. breast,
altn. briost
n. schw. bröst,
dän. bryst
n., die friesischen denkmäler schwanken zwischen brust, briast, brast, burst.
dasz diesem uralten wort unsere wurzel bresten,
ahd. prëstan,
goth. also bristan,
dem nl. borst bersten
unterliegt, ist schon 1, 1527
gesagt. es steht folglich dem ahd. prust
scissura (Graff 3, 275),
mhd. brust (Ben. 1, 256
b)
gleich, und brust
ist die keimende, vordringende, schwellende, knospende, wachsende, sich wölbende; die papilla entspricht der blumenknospe. ist die dirne langgezopft und hat im busen wol geknopft.
fastn. sp. 748, 28.
alts. lautet ein weiter abgeleitetes verbum brustian,
keimen: (gi mugun) bî thesun bômun bilidi antkennien, than sie brustiad endi blôiad endi bladu tôgead, lôb antlukid.
Hel. 132, 15.
diese lebendige etymologie anzuerkennen wird Graff
durch den diphthong io
gehindert, der sich doch entweder aus einem nachentsprossenen briosta braust (
wie liosta laust),
oder noch lieber aus briota,
der nebenform von brikan
verständigt. dem brust
gliche die form des lat. frustum.
die malb. gl. 56, 5
und 193 si quis mamillam mulieri strinxerit aut sciderit, quod sanguis egressus fuerit de bructe
scheint bruct
für brust
zu gewähren, mit ht, ct
für st,
wie lioht =
altn. lios
aus liost,
darf aber auch unmittelbar an brikan, brechen
mahnen, vgl. hernach unter 7. 9.
Unverkennbar sind die anklänge des sl. pr'si,
poln. piérś,
böhm. prs,
welche brust, und des sl. pr'st'',
böhm. prst,
russ. slov. perst,
litt. pirsztas,
welche finger aussagen, in diesen sprachen aber wurzellos stehn. pr'si, prs
und gar unser brust
wird doch keiner aus litt. pryszirdis
herführen wollen, das dem lat. praecordia,
wie ahd. furiherza
nachgebildet scheint. hienge aber prs
mit der vorstellung brust
und bresten
zusammen, so wäre nicht allzukühn, auch prst
daher zu deuten, dasz er bricht (
wie unser finger
daher, dasz er fängt),
oder die finger wie zweige aus der hand vorbrechen zu lassen. Sollte nicht auch das lat. pectus,
it. petto.
sp. pecho (
wie derecho,
it. dritto),
franz. poitrine
unserm brust
begegnen? die herleitung aus skr. vakas
scheint weit gezwungner, denn in pectus
mag von frühster zeit an R
ausgefallen, prectus, practus, perctus
aber mit fractus
von frango
vergleichbar sein, zumal gerade skr. bhanǵ
für bhranǵ = frangere
vorkommt; die anlaute P
und F
in pectus
und fractus
dürfen sich verhalten wie in pario
und fero.
die armor. sprache, unter den keltischen allein, liefert ebenfalls bruched
für pectus, was sich an jenes malbergische bruct
schlieszt und vielleicht gar von den Franken entlehnt wäre? diese gewagten auslegungen mögen suchen sich geltung zu verschaffen, halten wir uns an die gesicherte unseres brust
aus bresten.
Bedeutungen von brust. 11)
mamma, uber, θηλή (
goth. dadda?
ahd. tutto,
und falsch verschoben ags. tit,
engl. teat,
nhd. zitze,
vgl. bietz),
μαζός,
[] μαστός. die brust knospt, bricht hervor, wächst (
daher skr. vakas
von vak,
augeri, wachsen), hebt, wölbt, dreht sich,
mhd. dô sich ir brüstel dræten unde ir reit val hâr begunde brûnen.
Tit. 36, 2; die brust steigt,
wie die milch steigt.
im gegensatz, die brust vergeht,
wie die milch vergeht, die brust versiegt, schwindet, sinkt, wird flach, platt.
da aber oft beide brüste, die rechte und linke, nebeneinander gedacht werden, so folgt häufige anwendung des pl., oder im höheren alterthum noch passender des dl., welchen auch unter den Slaven die Böhmen bis heute in gewissen redensarten schön setzen: u prsau, při prsau mateřskych,
wo prsau
locativ des dl. von prs
ist. unsere sprachen vermögen dualform im subst. nirgends, und kaum hängt damit die goth. anomalie zusammen, welche dem nom. acc. pl. brusts,
dem dat. brustam (
ahd. nom. acc. pl. prust,
dat. prustum)
gibt, vgl. Haupt 7, 455. 456.
im alten test. würde Ulfilas
lehrreiche beispiele darbieten, mhd. stellen gewähren nichts unregelmäsziges: daʒ kint sie dicke kuste, eʒ lag ir an der bruste.
Mar. 196, 38; diu bî den ammen slâfen solten an ir brusten. 209, 15; als ob sin selbe hæte under ir brüsten getragen.
Trist. 50, 25; diu frouwe enruochte wer daʒ sach, ir hemde von der brust si brach.
Parz. 110, 24; du hâst mîn brüste gesogen, des erman ich dich, mîn liebeʒ kint.
Diocl. 3712.
nhd. warumb bin ich mit brüsten geseuget?
Hiob 3, 12; sie reiszen das kind von den brüsten. 24, 9; du warest meine zuversicht, da ich noch an meiner mutter brüsten war.
ps. 22, 10; deine brüste sind lieblicher denn wein.
hohelied 1, 2; mein freund ist mir ein büschel myrrhen, das zwischen meinen brüsten hanget. 1, 13; deine zwo brüste sind wie zwei junge rehezwillinge, die unter den rosen weiden. 4, 5,
wo schon die LXX den dl. mit δύο μαστοί,
δύο νεβροί umschreiben; lasz deine brüste sein wie drauben am weinstock. 7, 8; da will ich dir meine brüste geben. 7, 12; mein bruder, der du meiner mutter brüste saugest. 8, 1; den entwehneten von der milch, denen die von brüsten abgesetzt sind.
Es. 28, 2; deine brüste waren gewachsen.
Ez. 16, 7; daselbst lieszen sie ihre brüste begreifen. 23, 3. 21; gib inen unfruchtbare leibe und versiegene brüste.
Hos. 9, 14; selig ist der leib, der dich getragen hat und die brüste, die du gesogen hast.
Luc. 11, 27; selig sind die leibe, die nicht geboren und die brüste, die nicht gesäuget haben. 23, 9; meine anziehende, harte brüste.
Simpl. 2, 125.
Die heutige sprache meidet das wort, auszer wo sie es nicht umgehen kann, setzt es aber lieber im sg. als im pl., um ihm dadurch etwas allgemeineres zu verleihen: die amme hat eine gesunde, starke, volle, gedrungene, ausgetriebene brust; ihre brust strotzt von milch; läuft; die frau hat eine kranke, schlimme, böse brust; den krebs an der brust; in der schwangerschaft schwollen ihre brüste an und schmerzten; der jüngling liegt an seiner mutter brust; an diesen brüsten nährt ich beide gleich. Schiller 489
b; ihre brust hat milch genug; grosze brüste verheiszen viel und geben wenig. Simrock
no 1366; sie gibt, reicht dem kinde jede nacht zweimal die brust; das kind nimmt die brust nicht,
will nicht trinken; es hat die brust bekommen,
hat getrunken; es wird von der brust genommen,
wird entwöhnt; es hat die brust verloren, vergessen,
ist entwöhnt. man sagt, etwas so schnell vergessen, als das kind die brust der amme; Armatim ward so bald vergessen, als die brust der ammen, wenn sie kinder (ab) gewöhnen.
pol. stockf. 336. von der brust an,
böhm. od prsu,
von kindesbeinen an; eh mich die mutter noch an ihre brüste drückte. Günther 768. sie liebte das stiefkind, als hätte sie es unter der brust getragen; die éine brust muste ihr abgenommen werden; die Amazonen wurden an der rechten brust verstümmelt; die schwörende soll die hand auf ihre brust, auf ihre brüste legen; ein mädchen soll die brust sittsam verhüllen und bedecken.
Bei schilderungen weiblicher schönheit zieht man den ausdruck busen
vor, fast nur freiere dichter gestatten sich noch brust
oder gar brüste: mägdgen schöner brust. Günther 486; die feuerreichen brüste wallen. 178; gute nacht, ihr schönsten brüste, macht nun andre hände voll! 276;
[] und deine brust, mein kind, gehört vor mich. 973; es reizt ihn der aufruhr der blühenden lüste, der jauchzenden hügel, der hüpfenden brüste. 926; nun schaut sie rückwärts, doch gestrecket, bis sich die volle brust empört und halb entwischt und unverdecket auch eines Cato ruhe stört. Uz (1768) 1, 20; vor bräutlichem entzücken hüpft ihr die brust. Bürger 77
b; wir gleiteten zur vollern brust. Göthe 1, 49.
eher ist, wo das häszliche ausgedrückt werden soll, brüste
zulässig. 22) brust,
papilla viri, altn. geirvarta,
wie auch gr. μαζός Il. 4, 528. 8, 121
und so bei mhd. dichtern. Hartmann im
ersten büchlein, sein herz anredend, sagt zeile 64
und 448: du bist under mînen brüsten vil vaste besloʒʒen; daʒ dû von schulden sanfte lebest und under mînen brüsten swebest als der kerne under der schalen.
der pl. hätte hier sonst keinen sinn. seltner bei neueren dichtern, doch läszt Gryphius 1, 28
den Michael Balbus sagen: fragt meine wunden denn, die diese brüste tragen.
man darf wol annehmen, dasz auch in gothischen stellen, wo der pl. brusts
verwendet wird, die redensart von den männlichen brüsten ausgegangen sein könne, z. b. Luc. 18, 13 slôh in brusts seinôs,
ἔτυπτεν εἰς τὸ στῆθος αὐτοῦ,
vulg. percutiebat pectus suum,
was auch στῆθος zuläszt. wäre der ausdruck den Gothen hier nicht hergebracht gewesen, so hätte Ulfilas
den sg. des urtextes beibehalten. heute sagt niemand an die brüste schlagen. 33) brust,
pectus, στῆθος,
brusthöle, sitz des lebens und empfindens, kammer, wohnung des herzens, ags. breostloca, hrêðerloca, ferhðloca,
lat. praecordia,
gr. περικαρδία,
litt. pryszirdis,
ahd. furiherzâ,
übergehend in die vorstellung von κόλπος,
sinus, barm (1, 1134),
welche sich tiefer herab erstrecken und eigentlich ausdrücken was niederwärts der brust
liegt, den schosz, gremium: unter der brust, unter dem herzen tragen
ist oft gleichviel mit im schosz tragen.
wie die brust,
mamma wird auch die brust
pectus als schwellend und sich hebend gedacht: si wart wol innen, daʒ zeswal von der stimme des kindes brust.
Parz. 118, 27; die brust, das herz, der mut schwillt mir; die brust, das herz schlägt mir; Göthe
sagt 26, 158: jedes einzeln wäre schon hinreichend gewesen, das herz zu schwellen und die brust zu beklemmen. einem an der brust liegen
heiszt auch am busen, am barm, am herzen liegen, ἀνακείμενος ἐν τῷ κόλπω.
Joh. 13, 23
verdeutscht Luther sasz an der brust, Ulfilas anakumbjands in barma;
ἀναπεσὼν ἐπὶ τὸ στῆθος Joh. 13, 25 Luther lag an der brust, Ulfilas anakumbida ana barma,
man sieht, dasz hier brust
und barm,
στῆθος und κόλπος zusammenfallen. ob man auch dieser bedeutung von brust
bei Ulf.
den pl. zuschreiben darf? er setzt ihn, wo der text σπλάγχνα,
lat. viscera,
Philem. 12. 20.
2 Cor. 7, 15.
Col. 3, 12,
unsere fragmente liefern das goth. wort nirgends im sg. Es heiszt: er war von breiter, hoher brust; stark von brust und gliedern; man soll sich die brust warm halten; er hat sich die brust erkältet; leidet schon lange an der brust, hat eine schwache brust; hat es auf der brust; ich schlosz den ankommenden an meine brust, drückte ihn an die brust; er stöszt mich von seiner brust, wendet die brust von mir ab; er schlug an seine brust und betheuerte; er setzte ihm ein knie auf die brust; sie kämpften brust an brust; der kopf sank ihm auf die brust; aus seiner brust stiegen seufzer auf; der dampf ist mir auf die brust geschlagen; seine brust ist eingenommen, bedeckt, belegt, er kann nicht aus freier brust reden; freund Seneca, du wirst vergönnen, ich rede von der brust (
frisch von der leber weg). Wieland 9, 226; und dann von der brust weg (
frei heraus zu sagen), herr vetter, ich bin halt ein plumper, gerader, deutscher kerl. Schiller 183
a; für dergleichen naturscenen hatte Tischbein stets reinen sinn und offene, freie brust. Göthe 39, 189; er singt voll aus der brust; nicht recht von grund und brust aus, sondern nach einer schon vorhandenen melodie gesungen. 33, 193; der schwimmer streckte seine brust empor; das wasser spülte ihm um die brust; mit seiner brust schützte der krieger die des königs; der gute chirurgus erschrack und gosz dem vater das seifenbecken in die brust. 24, 126; der
[] kessel mit siedendem wasser fiel um und verbrannte dem kind die ganze brust; er empfieng eine wunde mitten in die brust; seine brust war von mehr als einer kugel durchbohrt; sich in die brust werfen =
sich brüsten; ich stand bald recht schmuck da und warf mich in die brust. Göthe 25, 352; sie warfen mit brust sich zu brüsten, und herzten und küsten nach lüsten. 1, 222.
Häufig wird nun aber auch durch brust
die innere empfindung, das gemüt, das herz bezeichnet: o all ihr musen, deren brust nur an der wahrheit ihren lust. Weckherlin 340; sie theilte das verlangen, das meine brust empfand. Gotter 1, 28; wer wird es diesen rosenwangen glauben, dasz leidenschaft in dieser brust gewühlt? Schiller 261
a; frau, welchen sturm gefährlicher gedanken weckst du mir in der stillen brust? 519
b; noch durchschauert kaltes grauen, da ichs denke, mir die brust. 498
b; doch ungebessert in der tiefen brust liesz er den hasz. 489
b; mit freier brust genieszen. Göthe 9, 281; und keine neigung wuchs in meiner brust. 9, 345; mit wenig worten höre meine noth. dem gottbegabten greise leg ich sie mit schmerzlichem vertrauen an die brust. 9, 373; nur ein unbestimmt verlangen fühl ich, das die brust durchglüht. 1, 64; erlaubt ihr mir triumph aus voller brust. 12, 25; darum an dem langen tage merke dir es, liebe brust, jeder tag hat seine plage und die nacht hat ihre lust. 19, 197; aber täglich mit schelten und tadeln hemmst du dem armen allen mut in der brust. 40, 261; so hat in der brust mir doch ein herz sich gebildet, das unrecht hasset und unbill. 40, 270; dem ein kluger sinn in der brust lebt. 40, 282; rauben? rauben den letzten nothpfennig einem bettler? wie, hab ich auch brust für das? Schiller 209
b; das ist mir ganz aus der brust gehoben (
aus der seele entnommen, zusagend). J. P.
Tit. 2, 48; das bewahre ich in der brust (in petto); dein geheimnis soll in meiner brust verschlossen sein. 44) brust,
pectorale, bekleidung der brust, zumal der weiblichen, wie auch wamms
unmittelbar aus wambe
gebildet wurde, leib, leibchen
ein gewand des oberleibs ausdrückt. brust
oder brüstchen
heiszt in manchen gegenden, was schnürbrust, schnürleib
in andern, die aufgesteifte, ermellose, mit schnüren versehene bekleidung der brust, zuweilen ein kurzes, feines oberhemd, das über sie gezogen wird: sie hatte weder brust noch wams
an. Simpl. 2, 21.
böhm. prsnjk, prsnjček,
poln. napiérśnik.
vgl.brüstchen, brüstlein, brustfleck, brustlatz, schnürbrust. 55) brust,
im sinne von mamma, wird nicht von allen säugethieren, sondern nur von solchen gesagt, deren brüste die vordere stelle der menschlichen haben. die äffin, bärin säugt an brüsten,
die stute hingegen, die kuh, eselin, ziege am euter, auter.
der wölfin, hündin, katze werden zitzen
beigelegt, doch heiszt es auch von der löwin, wölfin, hündin, dasz sie ihren jungen die brüste
reiche. bei andern thieren kann brust
nur den vordertheil unter dem hals ausdrücken, was es auch bei den säugethieren, ohne bezug auf die brüste, bezeichnet; so namentlich von vögeln: der pelikan pickt in seine brust, um die jungen mit seinem blute zu nähren; der schwan wirft sich in die brust und zischt; schwäne spiegeln im wasser ihre schneeweisze brust; tauben baden ihre brust: sie fliegt ans waschfasz hin, thut was sie sonst gethan, fängt hals und brust zu baden
an. Gellert 1, 50;
das rothbrüstchen
oder rothkehlchen
führt von seiner rothen brust
den namen. auch käfern wird eine brust
zugeschrieben. Von allen eszbaren, opferbaren thieren heiszt das vordertheil unterhalb des halses die brust,
στηθύνιον: und solt die brust nemen vom wider der fülle Aarons und solts fur dem herrn weben, das sol dein teil sein, und solt also heiligen die webebrust und die hebeschulter.
2 Mos. 29, 26; das fett an der brust sol er bringen samt der brust.
3 Mos. 7, 30; und Mose nam die brust und webt ein webe fur dem herrn von dem widder des fülleopfers. 8, 29.
in solchem sinn sagen wir die brust des ochsen, kalbs, der gans, eine gefüllte brust
u. s. w. vgl. brustkern.
[] 66)
auch an todten sachen drückt brust
den vorragenden, vorderen theil aus, was sonst stirne: dis ist gleich die brust oder das fördertheil des deutschen lands. Micylls
Tacitus 450
b; aber ein gevierten thurm magstu wol vornen bei der brust angreifen. Fronsperg 2, 175
b,
vgl. brustwehr; der gipfeln brust, des thals fruchtbare schosz. Weckherlin 224; handlos und schrof ansteigend starren ihm die felsen, die unwirtlichen, entgegen und weisen ihm nur ihre steinern schroffe brust. Schiller 539
b.
in den schmelzhütten führt die wand über dem herde des ofens, so wie abdachung von asche in der scharte des abtreibeherds den namen brust;
im grubenbau heiszt das vorragende gestein brust.
an den orgeln und am wagen der vordere theil, am degengefäsz der mittlere theil zwischen grif und stichblatt. 77) brust,
gemma floris, knospe, eine für den ursprung unseres worts besonders wichtige bedeutung: blumen öfnen ihre brust. Gotter 1, 73; die knospe spaltet die volle brust. Bürger 10
a;
in einer abhandlung über die frauennamen aus blumen habe ich ausgeführt, dasz blume
und knospe
in den sprachen überhaupt die aufbrechenden, sich entfaltenden heiszen. das it. bottone,
sp. boton,
franz. bouton
haben auf ähnliche weise wie das lat. pectus,
ein R
ausgestoszen, brottone, brouton
stimmen aber zum ahd. prioʒan,
unserm sprieszen
und dem altn. briota,
goth. vermutlich briutan,
brechen, woher sich bristen, bersten, brust, briost,
wahrscheinlich auch pectus
leiteten. man sagt die knospe ist geborsten,
aufgegangen, erblüht. 88)
figürlichen ausdrücken liegt die erste oder dritte bedeutung unter: dafür solt ir saugen und sat werden von den brüsten ires trostes.
Es. 66, 11; aber von groszer überflüssiger liebe bezwungen, an alles hohes wirdig ende die brüst meines gemüts zu setzen.
Bocc. 2, 194
b,
wie auch noch andere ältere ausgaben lesen, doch die Ulmer älteste 'die brunst',
ohne zweifel richtiger, weil im urtext 10, 7 l'ardore dell animo
steht; so nimmt ein kind der mutter brust nicht gleich im anfang willig an, doch bald ernährt es sich mit lust. so wirds euch an der weisheit brüsten mit jedem tage mehr gelüsten. Göthe 12, 94; wo fass ich dich, unendliche natur? euch brüste wo? ihr quellen alles lebens. 12, 33. 99) brust,
scissura, fractura, bruch, mangel darf, nach den vorangehenden erörterungen die reihe der bedeutungen schlieszen als die ursprünglichste von allen. wie ahd. (Graff 3, 275),
mhd. (Ben. 1, 257
a)
ist es auch nhd. f., zuweilen m., vgl. Schm. 1, 267,
erscheint jedoch selten und zumeist in den zusammensetzungen erdbrust
und wolkenbrust: an gelt solt du nit haben brust, lasz dir einkaufen was dich lust. Wickram
bilg. 39 (34); das wär der gröste brust (
mangel, schade). Uhland 913.