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Böse

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Adelung
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30 in 18 Wb.
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Eintrag · Adelung (1793–1801)

Böse

Bd. 1, Sp. 1132
Böse, -r, -ste, adj. et adv. welches in allen seinen Bedeutungen den Gegensatz von gut ausdrucket, und überhaupt alles dasjenige bedeutet, was den Absichten eines vernünftigen Wesens zuwider ist. Besonders wird es gebraucht,[] 1. Von dem physischen Zustande einer Sache, für schadhaft, verdorben, verfälscht. Böse Augen haben, kranke, ungesunde. Eine böse (verdorbene) Waare. Böses (verfälschtes, geringhaltiges) Geld. Eine böse (taube) Nuß. Ein böser Weg. Einen bösen Hals haben. In dieser Bedeutung, in welcher schon Notker bos für krank, ungesund gebraucht, kommt dieses Wort nur noch hin und wieder im gemeinen Leben, besonders Oberdeutschlandes vor. Ingleichen, was im Gebrauche Beschwerlichkeiten verursacht, unangenehme Empfindungen macht, größten Theils auch nur im gemeinen Leben. Es ist hier böse gehen. Böses muß man mit Bösem vertreiben. 2. Von der sittlichen Beschaffenheit. 1) Überhaupt, unsern Absichten, unserm Verlangen, unserer Empfindung zuwider. Er hat jetzt eine sehr böse Sache, seine Sache gehet seinen Absichten ganz zuwider. Böse Zeiten, in Ansehung des Nahrungsstandes. Ein böser Bezahler, der schwer zur Bezahlung zu bringen ist. Ein böser Nachbar, dessen Nachbarschaft uns beschwerlich und unangenehm ist. Aus Bösem kommt oft Gutes. Nichts ist so böse, es ist zu etwas gut. Ich habe es nicht so böse gemeinet. Besonders, 2) zum Zorne geneigt. Ein böses Weib. Ein böses Thier. Ein böser Hund, der gerne beißt. Noch mehr aber, 3) Wirklich zornig, doch nur in einem geringen Grade zornig, obgleich die zusammen gesetzten boshaft, Bosheit und erboßen einen hohen Grad des Zornes ausdrucken. In dieser Bedeutung ist es nur als ein Adverbium in der vertraulichen Sprache des Umganges üblich. Er ist sehr böse. Mache mich nicht böse. Auf jemanden böse seyn; über etwas böse seyn. Wenn ich werde böse werden. Er that sehr böse, stellte sich böse. 4) Schädlich, gefährlich. Böse Gesellschaft. Einem Böses (Schaden) thun. Einem Böses wünschen. Ein böses Maul, eine böse Zunge, im gemeinen Leben, die Schaden anrichtet. Das böse Wesen, eine gemeine Benennung der Epilepsie, in der Schweiz das Bösweh, in Niedersachsen die Kränkt, d. i. die Krankheit κατ εξοχην. In dieser Bedeutung des Nachtheiligen sagt schon der Verfasser des alten Gedichtes auf den König Ludwig, bey dem Schilter, V. 6. Wart er vaterlos Thess wart ime ser boss; das war ihm sehr nachtheilig. 5) Schändlich. Ein böser Nahme. Eine böse Krankheit, die ihren Ursprung aus schändlichen Vergehungen hat. 6) Den Gesetzen zuwider, besonders den göttlichen Gesetzen zuwider laufend, in welcher Bedeutung dieses Wort so wohl als ein Bey- und Nebenwort, als auch, als ein Hauptwort sehr häufig in der Deutschen Bibel, und der biblischen Schreibart vorkommt. Böses thun, wider das göttliche Gesetz handeln. Ein böser Mensch. Er hat ein böses Herz. Die böse Lust. Böse Begierden. Ein böser Bube. Das Böse bleibt nicht ungestraft. Er weiß was gut und böse ist. Der böse Feind, bey dem großen Haufen der Böse, der Teufel, so wohl in dieser Bedeutung, als auch wegen seiner Neigung Schaden zu thun. 7) Was diese böse Beschaffenheit entdeckt, vornehmlich in der Benennung des bösen Gewissens, weil es den Verbrecher an seinen gesetzwidrigen Zustand erinnert. Anm. 1. Man hat das e am Ende dieses Wortes getadelt, wenn es die Gestalt eines Nebenwortes hat, und verlangt, daß es in diesem Falle bös heißen müsse, so wie man gut, groß, arm u. s. f. sagt. Allein man hat nicht bedacht, daß wir im Hochdeutschen ein e euphonicum haben, welches sich an einige gelinde Mitlauter, besonders an das einfache gelinde s, und an das d, wenn sie am Ende stehen, anhängt, und ohne welches diese Mitlauter ihre eigenthümliche und gelinde Aussprache verlieren würden. So sagt man behende, blöde, spröde, leise, weise, böse,[] obgleich die härtere Oberdeutsche Mundart, nach dem Muster aller übrigen Beywörter behend, blöd, spröd, leis, weis, bös spricht und schreibt. Anm. 2. Böse lautet im Holländ. boos, und im Engl. bad, welches mit dem alten Gothischen baud, baut, zum Gebrauche untüchtig, verdorben, überein kommt. Die meisten Niedersachsen kennen dieses Wort so wenig, als die Dänen und Schweden. Die erstern gebrauchen statt dessen ihr quaad, leeg, meen u. s. f. Wachter behauptet, es sey ein fremdes Wort, welches sich in den alten Deutschen Denkmählern gar nicht finde. Allein Ottfried gebraucht Bosa einige Mahl für Bosheit, und daß das Beywort böse auch dem Notker nicht unbekannt gewesen, erhellet aus den bereits oben angeführten Stellen. Indessen ist doch wahr, daß es in den ältern und mittlern Zeiten im Oberdeutschen nur sparsam vorkommt, weil man in den meisten Fällen wirs und bal an dessen Statt findet. Bey dem allen scheinet es doch ein sehr altes Wort zu seyn, welches nicht nur mit dem Hebr. bosch, sondern auch mit dem alten Latein. peus, wovon peior und pessimus abstammen, überein kommt. In den alten Französischen und Spanischen Lehensrechten bedeutet Baudia, Baucia, Bausia, Butia, denjenigen Lehensfehler, welchen man die Felonie zu nennen pflegt, im Alt-Französischen Boisdie, Boidie, und bausiare, Franz. boiser, sich dieses Fehlers schuldig machen; welche Wörter, von welchen des du Fresne Glossar. nachzusehen ist, man gemeiniglich von böse ableitet. Dürfte man in Ansehung der Abstammung dieses dunkeln Wortes eine Muthmaßung wagen, so könnte man es von dem eben so alten bas, abhängig, niedrig, ableiten, welches ursprünglich krumm, im Gegensatze dessen, was gerade ist, bedeutet haben mag, weil mehrere Wörter, die den sittlich verderbten Zustand ausdrücken, von der physischen Krümme entlehnet worden, wie das Hochdeutsche schlimm, und das Niedersächsische leeg; S. Schlimm und Donlege. Im Slavonischen bedeutet Biess den Teufel. Ehedem hatte man von Böse auch die Verba verbosen, bösern, verbösern, böse, oder böser machen, von welchen das erstere schon bey dem Notker vorkommt. Wer sagt mir ob wir selbst so grundverböste Zeiten Verbösern, oder ob die Zeiten uns verleiten? Logau. Allein heut zu Tage sind sie, wenigstens im Hochdeutschen, größten Theils veraltet, indem verschlimmern dafür üblich ist. Das Nieders. und Holländ. verbistern, in Unordnung gerathen, unsinnig werden, eigentlich, sich verirren, welches Frisch anführet, gehöret nicht hierher, sondern zu dem Nieders. bister, dunkel, fürchterlich, irre; S. dasselbe. Einen hohen Grad des Bösen in allen Bedeutungen auszudrucken, gebraucht man im gemeinen Leben die zusammen gesetzten bitterböse, erzböse, grundböse.
6487 Zeichen · 99 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    BŒSEadj.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +9 Parallelbelege

    BŒSE ( ahd. bôsi Graff 3,216. Diefenb. g. wb. 1,281 ) adj. die nicht umlautende form bôse scheint sich, wie die handschr…

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    bö̑s(e)adj.

    Mittelniederdeutsches Wb.

    bö̑s(e) , adj. , adv. , böse, schlimm, übel, krank, krankhaft; arg, schlecht, argwillig; beschwerlich, ungünstig, schädl…

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Böse

    Adelung (1793–1801) · +8 Parallelbelege

    Böse , -r, -ste, adj. et adv. welches in allen seinen Bedeutungen den Gegensatz von gut ausdrucket, und überhaupt alles …

  4. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    böse

    Goethe-Wörterbuch

    böse bei neutr Subst u präd in früher Zeit gelegentl ‘bös’ (‘böß’ B1,147,23 Behrisch [21.]11.67 ) superl überwiegend kon…

  5. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Böse

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Böse , das , Gegensatz des sittlich Guten, also verschieden vom Übel als dem physisch Schlechten und Schädlichen (s. Gut…

  6. modern
    Dialekt
    Böse

    Elsässisches Wb. · +3 Parallelbelege

    Bös e m. der Teufel Mittl. Ndhsn. D e r B., Gott bhüet mi ch d e rvor, red et us i h m Mittl. s. auch behüete n Seite 39…

  7. Spezial
    Böse1

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +3 Parallelbelege

    Bö|se 1 n. (-n) mal (mai) m. ▬ Böse s mit Gutem erwidern paié le mal cun le bun; jdm. Böse s tun ti fá dl mal a valgügn.…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit boese

40 Bildungen · 31 Erstglied · 8 Zweitglied · 1 Ableitungen

boese‑ als Erstglied (30 von 31)

Böse (Adj.)

Wander

Böse (Adj.) Böse (Adj.). 1. Bös muss man mit Gutem überwinden. – Lehmann, II, 48, 52. Dän. : Ingen giver ondt for ondt, uden han er selv ond…

Böse (das)

Wander

boese·das

Böse (das) 1. Alles böss kompt vom guten her, auss Engeln Teuffel, auss Jungfrawen Huren. – Lehmann, 100, 58; Eiselein, 89. 2. Bezahl' das B…

Böse (der)

Wander

boes·eder

Böse (der) 1. Bei Bösen wird man böse. – Seybold, 78. 2. Böse stecken an wie eine böse Seuche. – Schulze, 30. Frz. : Le remède contre le méc…

bösemund

DWB

boese·mund

bösemund , m. Aristarchus, sonst Bösemund genant. Butschky kanzl. 720 .

Bösendorfer

Meyers

Bösendorfer , Ignaz , Pianofortebauer, geb. 28. Juli 1796 in Wien, gründete daselbst 1828 eine Fabrik, die sich in der Folge zur bedeutendst…

Bösensell

WWB

boesen·sell

Bösensell ON Kreis Münster. In Ortneckereien: „ In Beisensell, in Beisensell, dao knappt se de Lüüs un friätt’t dat Fell “ Glockenspruch auf…

Böser Blick

Meyers

boser·blick

Böser Blick ( böses Auge ), die gewissen Personen angeblich innewohnende Zauberkraft, durch neidische oder übelwollende Blicke (oder auch du…

Böseres

Wander

boes·eres

Böseres 1. Es is nüt bösers dann ablan. – Von der Messkrankheit, Satire wider Th. Murner. 2. Es ist nichts Böseres als nachlassen. – Simrock…

bösern

DWB

boes·ern

bösern , deteriorem reddere, in pejus ruere, mhd. bœsern ( Ben. 1, 226 b ), der gegensatz zu bessern. swer bœsert sîn antlütze, swenner gît,…

bösern

FWB

1. ›jn./etw. schlechter machen, etw. verschlechtern‹; 2. ›jn./sich ärgern‹.

böserung

DWB

boese·rung

böserung , f. depravatio, pejor conditio, mhd. bœserunge: der krankheiten böserung. Paracelsus chir. schr. 229 c .

böserung

FWB

1. ›Verschlechterung‹; 2. ›Ärgernis‹

bœserunge

Lexer

boese·runge

bœserunge stf. BMZ verschlechterung Barl. ärgernis. nie mensche wort vernemen kunde, dâ von bœserunge iemen næme Bph. 660.

Bösester

Wander

boese·ster

Bösester Der bösest, der best in der Welt. – Henisch, 326; Lehmann, 98, 12.

Bösestes

Wander

Bösestes Des Bös'ten soll man sich getrösten. – Simrock, 1219.

böseswirker

DWB

boese·s·wirker

böseswirker , m. maleficus, malum operans, übelthäter, keine rechte zusammensetzung, sondern blosze aneinanderstellung, die sich Opitz gesta…

bö̂se/valsche/quâde/

MNWB

bö̂se/valsche/quâde/ unêrlĩke/unvö̂chlĩke t. falsche Beschuldigung, nicht rechtmäßige Anklage, „ To em quam en valscher man Unde tech em val…

bösewicht

DWB

boese·wicht

bösewicht , m. nequam et improbus ( mythol. 409. 410): er ist ein rechter pöswicht. fastn. sp. 438, 10 ; du pist ein rechter pöswicht. 476, …

bösewichtin

DWB

bösewichtin , f. malefica: du alte böswichtin! Wirsung Cal. K 4 a ; die alt verräters böswichtin. H. Sachs IV. 3, 19 d .

bösewichtisch

DWB

boesewicht·isch

bösewichtisch , facinorosus, scelestus: sind das nicht feurige bösewichtische spiesze, so weisz ich nicht, was feur, bosheit und spiesze sin…

bösewichtlich

DWB

boesewicht·lich

bösewichtlich , adv. facinorose: bis sie in ( Joh. Hus ) verrheterlich und böswichtlich verbrandten. Luther 6, 497 b ; damit land und leut s…

bœsewiht

Lexer

boese·wiht

bœse-wiht stm. BMZ verachteter u. verächtlicher mensch Lieht. Mai , Troj. Wg. 6994. 8026. Helbl. 2,385. 7,1050. Rab. 420. Albr. 16,149. Pass…

boese als Zweitglied (8 von 8)

bitterböse

DWB

bitter·boese

bitterböse , pessimus: so ein bitterböser teufel ists. Luther 3, 394 b ; das wird eine bitterböse geschichte; ist ein sehr bitterböses weib.…

grundböse

DWB

grund·boese

grundböse , adj. , durch intensivierendes grund- ( vgl. compos.-typ. 1 a) gesteigertes böse, vgl. erz- sive grundbös Stieler 208 ; sehr bös,…

Schönböse

Wander

schoen·boese

Schönböse Es ist nicht schönböse. »Es ist nicht schönböse, wie man sagt im Sprichwort.« ( Luther's Werke, II, 73 a . )

schö̂n(e)bö̂se

MNWB

schoene·boese

schö̂n(e)bö̂se „ schoͤnbose vel schongut, hypocrita”; vgl. „ valsch beschyt schoͤne boͤze vor ogen ” (NS. K. 102 V. 99).

splitterböse

DWB

splitter·boese

splitterböse , adj. , verstärkung zu böse, vgl. bitterböse ( theil 2, 55) und splitternackt: ergetz dich nicht so sehr du mögtest sonst gewi…

sûrbö̂se

MNWB

sur·boese

° sûrbö̂se , adj. , bitterböse (Nic. Gryse Laienbibel 1, P 2 v).

Ableitungen von boese (1 von 1)

urböse

DWB

urböse , adj. (ur- C 4 a, c): ein urböses princip Jean Paul 33, 29 H.; substantiviert: das urböse, ein urböses M. Claudius 8, 118 ; Löben lo…

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „boese". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 18. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/boese/adelung?formid=B03602
MLA
Cotta, Marcel. „boese". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/boese/adelung?formid=B03602. Abgerufen 18. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „boese". lautwandel.de. Zugegriffen 18. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/boese/adelung?formid=B03602.
BibTeX
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