weg,
adv. von einem ort entfernt oder sich entfernend. eine abzweigung von dem vorhergehenden subst. II.
herkunft und form. I@11) weg
geht auf das mhd., seit der mitte des 12.
jahrh. vorkommende enwec (
vom rechte 344
Waag enwech)
zurück, d. i. in wec '
auf den weg' (
mit abschwächung des in
zu en
wie in enlant, enzwei, enzîte
usw.),
das zunächst in verbindung mit verben der bewegung steht; ähnlich ags. onweg faran
usw. Bosworth - Toller 761,
engl. away,
Muspilli 2: sô sich diu sêla in den sind arhevit '
auf den weg macht', an den sint varn, rîten, sich heven
in dichtungen des 12.
jahrh. mhd. wb. 3, 294
b; in weg
hat sich daneben erhalten: sie woldin alle in wech gâ
n. könig Rother 3274;
später besonders in md. und nd. quellen: M. v. Beheim,
Matth. 9, 7 ginc in wec in sîn hûs (
vgl. 8, 32), 11, 7 dô jene in wec quâmen, Diefenbach
gl. 3
a abigere, in weg leyden, 178
a devehere, in weg furen;
noch im 16.
jahrh.: das ims hirn in weg spritzte Boltz
Terenz deutsch 92
b, in weg lauffen Mathesius
Sarepta 107
b, stürtzen 223
b. enweg (
neben dem seit dem 14.
jahrh. weg
steht)
kommt bis zum beginn der nhd. zeit vor: städtechr. 5, 377, 29 (1438). 12, 367, 27 (1442).
Huge Scheppel 6
a. Stolle
thür. chr. 441
Thiele (enwegk). U. Füeterer
Lanzelot 5. Keisersberg
bilg. 32
a. Luther
hat 2. Thessal. 2, 7 mus enweg gethan werden
in den ausgaben des N. T. bis 1525 (
eine ausg. von 1524 eynweg,
später hinweg).
in den frühnhd. glossaren steht noch enweg
in verbindung mit verben, so häufig im voc. theut. von 1482. einweck-, einwech-
bei Diefenbach
gl. 456
b recedere, 523
a secedere (
auch im voc. theut. nn 4
b)
soll wahrscheinlich auch gesprochenes enweg
wiedergeben (
vgl. mnd. eyn wege Schiller-Lübben 1, 710).
die einsilbige form könnte sich durch einmischung des adverbialen acc. von weg (
s. d. subst. B 2
a und A 2
f)
nach verben der bewegung (
z. b. sînen wec gân)
erklären, doch wird eher an lautliche entstehung zu denken sein. da n
von enweg
konnte zunächst in der unbetonten silbe vor w (
wie in der 1.
pl., lebe wir
aus leben wir)
verloren gehen, diese mittelform eweg
ist im 15.
jahrh. mehrfach belegt: eweich
städtechr. 12, 363, 16 (
Köln 1415), ewech
Kölner zunfturkunden 2, 574, 13 (1487), eweg
d. volksbücher 340, 35
Bachmann - Singer, eweck furen Diefenbach
gl. 178
a defluere, ewech gan 523
a secedere, ewech legen 528
a seponere; auch aweg 178
a und 486
b in einem glossar aus der Moselgegend, was wol auf anweg
führt, das auch im mnd. vorkommt (we an wegh vloghe
quelle von 1362 bei Schiller-Lübben 1, 710).
noch jetzt steht im obd., sowie im rhein- und mittelfränk., eweg
neben weg Martin - Lienhart 2, 801
b. Stalder 1, 347. Seiler 307. Hunziker 290. Fischer 2, 745. Schmeller 2, 875. Frommann 5, 509, iii, 5 (
Niederösterreich). 6, 108, ii, 11 (
Siebenbürgen). Meisinger 21. Autenrieth 42. Crecelius 898. Follmann 533. Hönig
2 45. Leihener 31
b;
auch im Vogtland und im Erzgebirge Müller-Fraureuth 1, 307.
das e
im unbetonten anlaut konnte dann wegfallen, wie in neben
aus eneben.
auch im nd. entstand wech (
daneben wege,
s. 3)
aus älterem enwech Schiller-Lübben 5, 620.
dies wech
ist als lehnwort auch ins nfries. gedrungen Möller 294
a. Schmidt-Petersen 158.
wfries. wei (
auch häufig in comp.) Dijkstra 3, 418
b scheint unter einflusz des ndl. zu stehen, das wie das deutsche weg (
mndl. enwech, ewech)
entwickelt hat. I@22)
von dem subst. unterscheidet sich das adv. weg
durch die erhaltung der kürze und (
nach der vorherrschenden aussprache)
das bleiben der mhd. auslautverhärtung, was sich aus der begrifflichen trennung der worte erklärt. dehnung tritt mundartlich nur selten ein, z. b. in Glarus ewǣg
neben ewæk Streiff 93,
in Österreich und Siebenbürgen ewēg,
s. o. Frommann,
im Egerland wēg Schiepek 457.
vereinzelte reime (
bis ins 18.
jahrh.)
wie weg: steg Waldis
Esopus i, 267. Harsdörffer
sonntagsandachten 1, 151. P. Gerhardt
bei Fischer - Tümpel 3, 400
a. Haller
ged.8 32. Brockes 7, 204
sind kaum für die dehnung beweisend; die meisten dichter, die weg
im reime haben (
viele vermeiden es hier),
binden es mit kürze. der auslaut. consonant ist im obd. meist die fortis (
z. th. mit aspiration Bohnenberger
mda. der deutschen Walliser 184),
seltener ist die lenis eingeführt; im md. kommt wĕk
und wĕch
vor. letztere form ist mehr der städtischen aussprache eigen, doch ist bemerkenswert, dasz vielfach da, wo sonst ausl. g (
mit angleichung an den inlaut)
als spirant gesprochen wird, gerade im adv. weg
sich der verschluszlaut erhält, z. b. in Nürnberg Gebhardt § 121, 4,
im Egerland Schiepek 458,
in Zwickau Philipp 24.
der ältere schreib- und reimgebrauch weist ganz überwiegend auf wĕk.
im 15.
jahrh. wird oft wegk
und weck
geschrieben, in den glossaren auch nicht selten wech,
doch meist in nd. quellen. Luther
hat in seinen älteren schriften häufig wegk
und weck,
führt aber in der bibel weg
durch, was dann die gewöhnliche form wird. doch kommen die älteren schreibungen bis ins 17.
jahrh. vor, wegk
z. b. H. Sachs 4, 65, 37.
sprichw. (1548) 114
a. Lindener
Katzipori 79. Mathesius
Sarepta 192
a. Fischart
flöhhaz 176
u. ö. Hayneccius
Hans Pfriem 2357.
Froschmeuseler N 1
b u. ö. Ayrer 2001
u. ö. Eyering 3, 154. Opitz
poem. 116
neudr. Spee
trutznacht. 65. Micraelius
Pommern 1, 53. P. Gerhardt
bei Fischer - Tümpel 3, 299; weck H. Sachs 14, 270, 4
u. ö. Franck
chron. Germ. 177
a. Aventin 4, 183, 31. Rebhun
Susanna 5, 149. Krüger
Clawerts werckl. hist. 67. Balde
Agathyrsus 105, 1. Abr. a. S. Clara
Judas 2, 11
u. ö. österr. weisth. 5, 123, 43
u. ö. cod. austr. 1, 672 (1656). wegg
ist selten: Angelus Silesius
cher. wandersmann 2, 43
neudr. Beier
handlungslex. (1722) 471
b.
die reime weisen im 16.
und 17.
jahrh. bei Ober- und Mitteldeutschen sehr häufig auf wĕk (
auf wĕch
nur ganz vereinzelt: bäch': weg Harsdörffer
sonntagsandachten 1, 275).
so steht weck : speck H. Sachs 14, 223, 14. keck : hinweg Waldis
Esopus 1, 96. wegk: geck Fischart
Eulenspiegel 7789. schleck : wegck
flöhhaz 276. wegk : dreck
Froschmeuseler Bb 2
b. schneck: wegk Eyering 3, 154. wegk : keck Ayrer 1536. Spee
trutznacht. 65. zweck : hinweg Fleming 52
Lappenberg. zweck : wek Harsdörffer
gesprechsp. 3, 466. weg : fleck Lohenstein
Sophonisbe 67. Weise
d. grün. jugend überfl. ged. 33
neudr. geck : weg Morhof
ged. 374.
im 18.
und 19.
jahrh. werden die reime seltener: geck : hinweg Gleim
lieder (1749) 37. weg : dreck Blumauer
Aeneis 79. weg : keck Schiller 11, 221. 12, 58. säck : weg J. Paul
leben Fibels 244. geck : weg Heine 1, 307. geneck : weg Kopisch 1, 131. weg : speck Strachwitz
neue ged. 158.
diese reime stehen im einklang mit Adelung,
nach dem in weg '
ein gelindes k'
gesprochen wird. viele, z. b. Wieland, Göthe. Uhland, Rückert
vermeiden aber weg
im reim, da sie wol wěk
nicht als der schriftsprache gemäsz ansehen. Brentano 2, 24
läszt einen Tiroler singen: französische nägel sind weich wie a dreck. kaum trifft sie der schlegel, so ist der kopf wegk.
hier ist schon durch die schreibung angedeutet, dasz die aussprache mit verschluszlaut dem dichter nicht eigen war. doch ist wĕk
nicht nur im süden, sondern auch im norden (
vgl. z. b. bei W. Busch
Max u. Moritz 19
den reim meck : weg),
die gewöhnliche form und auch die bühnensprache hat sich dafür entschieden Siebs
bühnenaussprache 77. Vietor
aussprache des schriftd. 109
b. I@33)
im mhd. kommt in wege sîn '
auf der fahrt sein'
vor, s. o. sp. 2883.
später steht auch in verbindung mit sein, bleiben
und andern verben der ruhe enwec, wec;
vereinzeltes wege
in hd. quellen (
Decamerone 46
u. ö.)
zeigt eine willkürliche erweiterung. dagegen bewahrt das mnd. den unterschied, wo es enwege (
auch enwegen)
oder wege wesen, bliven
usw. heiszt Schiller-Lübben 1, 710. 5, 648,
dagegen enwech
oder wech gan
usw. im mndl. steht wey (
aus wege, enwege)
neben wech Verdam 686
b.
noch in späteren mundarten wird zwischen wege
bei verben der ruhe und weg
bei verben der bewegung unterschieden brem. wb. 6, 401;
sprichwörtlich heiszt es: warumme slst du den stal, als de page (
pferd) is enwege? Tunnicius
sprichw. 1328
Hoffmann; wer nich komen wil, der blift wege Schambach 291.
doch kommt auch wege
bei verben der bewegung vor (wege-, wegengân Schambach
a. a. o.).
bei Mathesius
erscheint in wege
in verbindung mit laufen: was hierinn gut ist (
in der fabel), das halt aus, das böse laufft in wege, und hütet euch darfür
Sarepta 26
b; solche taube schlacken pfleget man in wege zu lauffen, wie die taube halle 107
b.
da bei weg sein
kaum an lautlichen abfall des e,
z. b. im dialekt Luthers,
zu denken ist, hat es sich wol unter einflusz von weg gegangen, gekommen
usw. sein
entwickelt (
vgl. auch mnd. do was Reynke al wech syne strate
Reynke Vos 1162). IIII.
bedeutung und gebrauch. es müssen auch die zusammensetzungen von weg
mit verben und nominibus mitherangezogen werden, in denen sich die bedeutung besonders reich entwickelt hat. die nomina schlieszen sich dabei durchweg an die verba an und treten später als diese auf. bei den verben geht nur im eingeleiteten abhängigen satz und überall beim inf. und part. weg
voraus und es ist dann zusammenschreibung mit dem folg. wort üblich, doch schwankt der gebrauch bis in die neueste zeit sehr und wird weg
auch oft getrennt geschrieben. es können sogar andre wörter zwischen dem adv. und verbum stehen, was aber (
abgesehen von dem zu
beim inf.)
nur in der poetischen sprache vorkommt: wenn du mich vom plan weg wolst heiszen. Ayrer 1397; da man ihn nit bald weg wird streichen.
geschichtl. lieder u. sprüche Württembergs 109, 77; nicht die, die kummen sollen, nur die, die weg sich funden. Logau 3, 7, 13; lasz nicht ... dich verführen, weg vom ufer zu gehn. Klopstock
oden 1, 174, 54; und die troischen weiber ... weg in schiffen zu führen zum lieben lande der väter. Voss
Ilias 16, 830; und durften sie nicht knicken, und weg sie jucken nicht. Göthe 14, i, 111; dasz uns keine gewalt noch list von dem Friedländer weg soll treiben. Schiller 12, 56; der die ochsen mir ... weg wollte treiben auf des vogts geheisz. 14, 294. enwec, weg
ist eigentlich '
auf den weg, auf die fahrt'.
es bezeichnet so die entfernung von einem ort durch die thätigkeit, zugleich aber auch die erstreckung der thätigkeit in einer bestimmten richtung. es ist dann in seiner anwendung nach verschiedenen seiten hin weiter ausgebildet worden. es berührt sich dabei mit andern adverbien, die auch mit verben der bewegung verbunden werden. ganz wie weg
wird früher dannen
gebraucht, das bis zur mitte des 12.
jahrh. weg
vertritt, im mhd. neben diesem steht und in fester verbindung mit verben im 16.
jahrh. erlischt (
s. th. 2, 746),
doch erhält sich von dannen.
vielfach steht ab.
neben weg,
das aber zunächst nicht die entfernung von etwas, sondern die trennung oder loslösung von etwas bezeichnet (
vgl.abfahren,
ablegen,
im verhältnis zu wegfahren, weglegen),
daher sich in seiner anwendung zwar mit weg
berührt, aber gewisse gebrauchsweisen nicht entwickelt und nicht für die erstreckung der thätigkeit in einer bestimmten richtung steht. diese drückt hin
aus, das aber auch die erreichung eines zieles bezeichnen kann und jetzt vorwiegend bezeichnet. seit dem 14.
jahrh. (
s. th. 4, ii, 1535)
verbindet sich —
zunächst im md. — hin
mit weg
und zusammensetzungen mit hinweg
stehen dann neben solchen mit weg,
doch tritt bei hinweg
die örtliche grundvorstellung noch deutlicher hervor. am meisten macht das aus dem nd. und md. vordringende fort (
für älteres fürbasz)
dem weg
concurrenz, es bezeichnet zwar zunächst das fortschreiten der thätigkeit, schon bei Luther
aber auch das ausgehen von einem orte, so dasz jetzt vielfach zusammensetzungen mit fort
gleichbedeutend neben solchen mit weg
stehen; doch drückt fort
nicht in dem grade wie weg
die beseitigung aus, sowie nicht das zuendebringen. II@11)
in verbindung mit verben haben sich bei weg
folgende bedeutungen entwickelt. II@1@aa)
bei transitiven verben bezeichnet es vor allem die entfernung von einem orte durch die thätigkeit (
darum pflegen sich bestimmungen mit von, aus
anzuschlieszen),
so in wegblasen, wegdrängen, wegdrücken, wegführen, wegheben, wegräumen, wegreiszen, wegrücken, wegscharren, wegschleppen, wegschleudern, wegschnellen, wegstoszen, wegtragen, wegtreiben, wegwälzen, wegzucken.
die zusammensetzung kann zugleich die bewegung nach einem andern orte hin durch die thätigkeit bezeichnen. bisweilen handelt es sich nicht um eine entfernung, sondern nur um eine wendung zur seite, so in wegbiegen, wegdrehen, wegkrümmen, wegstrecken.
liegt kein verbum der bewegung zu grunde, so drückt die zusammensetzung aus, dasz der durch die thätigkeit betroffene sich entfernt oder vertrieben wird, so in wegbannen, wegbeiszen, weglocken, wegprügeln, wegrufen, wegschelten, wegschmeicheln, wegschrecken, wegstechen, wegwinken, wegzaubern.
hie und da findet die entfernung vom subjecte statt, so in wegbrechen '
vomere', weglegen '
von sich legen', wegwerfen '
von sich werfen', wegschwitzen,
namentlich bei mittheilung an andere, wie in weggeben, wegleihen, wegschenken.
zuweilen wird ausgedrückt, dasz ein gegenstand nicht durch die thätigkeit selbst entfernt, sondern anders wohin gethan und dann durch die thätigkeit betroffen wird, so in wegbinden '
anderswo anbinden', wegpacken, wegschlieszen, wegstecken,
auch '
ins gefängnis stecken'.
intransitive verba drücken aus, dasz man sich durch die thätigkeit von einem orte entfernt (
dann auch einem andern zuwendet),
so in wegeilen, wegfahren, wegfallen, wegfliegen, weglaufen, wegreisen, wegschleichen, wegschwimmen, wegspringen, wegstürzen, wegtreten, wegwandern, wegziehen.
die neuere sprache hat das auch bei verben, die an sich keine bewegung nach vorwärts ausdrücken, so wegbrausen '
sich brausend entfernen', weghinken, wegrauschen, wegstolpern, wegtropfen, wegzittern.
eine wendung zur seite bezeichnen wegblicken, wegsehen, wegstarren.
eine besondere gruppe bilden wegbleiben '
fern bleiben', wegliegen, wegstehen, weghaben '
entfernt haben'
; ferner weggedenken '
an den weggang denken', wegfinden '
sich zum weggang anschicken', weghelfen '
zum weggang verhelfen', wegverlangen '
verlangen wegzugehen', wegsehnen, wegwünschen; wegmüssen '
weggehen müssen', wegdürfen, wegkönnen, wegsollen. II@1@bb)
mit dem begriff der entfernung berührt sich der der entziehung. weg
bei transitiven verben kann ausdrücken, dasz von einem gegenstand etwas abgelöst oder weggenommen wird, so bei wegbrechen, wegbrühen, weghauen, wegnehmen, wegscheren, wegschlagen, wegschneiden.
besonders zeigt sich der begriff der entziehung bei verben mit einem persönlichen dativ: einem etwas wegangeln, wegessen, wegfangen, wegkapern, wegkaufen, wegreiszen, wegschnappen, wegstehlen, wegtragen, wegzwacken.
wer einem andern etwas entzieht, pflegt aber selbst den gewinn davon zu haben, weg
kann daher auch einen erwerb oder vortheil für den, der die thätigkeit ausübt, bezeichnen. so steht neben einem etwas wegangeln
auch blosz wegangeln '
listig für sich gewinnen',
neben einem etwas wegkaufen
auch blosz wegkaufen '
für sich ankaufen'
; so drückt noch aus, dasz die thätigkeit dem subject zu gut kommt wegbekommen, wegbringen '
davon bringen', wegholen, wegkriegen, wegpflücken, wegtragen '
davon tragen', wegtreiben,
auch weghaben '
erlangt, verstanden haben', wegbehalten. II@1@cc)
weiter kann der begriff der entfernung in den der beseitigung übergehen. weg
bei transitiven verben bringt vielfach zum ausdruck, dasz der durch die thätigkeit betroffene gegenstand nicht nur von seiner stelle gerückt, sondern ganz vernichtet wird, verschwindet (
was neben der ursprünglichen bedeutung hervortreten kann).
so bei wegbrennen, wegbringen (einen flecken), wegfeilen, weghängen '
an den galgen hängen', wegputzen '
aufessen', wegraffen, wegräumen (einen menschen), wegreiszen (ein haus), wegrichten '
hinrichten', wegschaffen, wegschieszen, wegschmelzen, wegstreichen, wegwischen, wegzehren.
auch beseitigung durch rein geistige thätigkeit kann ausgedrückt werden, wie bei wegdeuten, wegerklären, wegstudiren.
die neuere sprache verbindet in dieser weise auch verba mit weg,
die sonst kein äuszeres object bei sich haben, so wegarbeiten (die not), wegfluchen (die schmerzen), weglachen, wegplaudern, wegspotten, wegstreiten, wegtändeln, wegvernünfteln, wegwitzeln.
bei zeitbegriffen als object ist es '
mit der thätigkeit hinbringen',
so weggaukeln, wegscherzen, wegträumen, wegweinen.
mit persönlichem object kann es sein '
einen in der thätigkeit übertreffen, zu schanden machen',
so einen wegarbeiten, wegsaufen, wegstechen, wegwiegen.
bei intransitiven verben kann sich die bedeutung '
vernichtet, beseitigt werden' (
z. th. in allmählicher entwicklung wie bei hin-)
einstellen, so in wegdorren, wegdunsten, wegfallen, wegfaulen, wegschmelzen, wegschrumpfen, wegtrocknen, wegwelken,
z. th. erst in neueren bildungen. nur verstärkend ist dies weg
in wegscheiden, wegschwinden, wegsterben. II@1@dd)
endlich finden sich bildungen mit weg
bei verben, die ein inneres object bei sich haben, wo wol auch von dem begriff der beseitigung auszugehen ist. sie treten erst in der neueren zeit auf und gehören mehr der umgangssprache an (Campe
hat sie zuerst eingehender behandelt).
die verba drücken zunächst aus, dasz die thätigkeit in beziehung auf das object ganz zu ende gebracht wird, so dasz dieses erledigt oder aufgearbeitet ist, z. b. eine aufgabe wegarbeiten, getreide wegbinden, ein buch weglesen, den flachs wegspinnen.
häufiger wird aber nur bezeichnet, dasz die thätigkeit ihren anfang nimmt und ungehindert oder ununterbrochen weitergeht, so ein stück wegblasen '
darauf los'
oder '
herunterblasen', ein lied wegpfeifen, ein gemälde wegpinseln;
die verba werden dann auch oft absolut gebraucht. so noch wegessen, weggenieszen, weghauen, weghudeln, wegleben, wegliegen, wegmachen, wegmalen, wegplappern, wegpredigen, wegschaffen, wegschlafen, wegschnarchen, wegschreiben, wegsingen, wegsprechen, wegthun, wegtrinken, wegwaschen. II@1@ee)
in wendungen wie er springt über den stuhl weg,
drückt das verbum meist nicht die entfernung aus (
er entfernt sich, indem er über den stuhl springt),
sondern die richtung, die die thätigkeit nimmt (
er macht einen sprung über den stuhl hin),
s. d. folg. abschnitt. II@22) weg
kann sich auch als adv. in näherem anschlusz an nominale wendungen zeigen; die nähere abgrenzung dieses adv. von dem verbalpräfix ist nicht immer leicht. II@2@aa)
wenn auszer weg
noch eine andere locale bestimmung neben dem verbum steht, so kann sich auch hier weg
näher an das verbum anschlieszen (
was namentlich bei bestimmungen mit von
oder aus
das gewöhnliche ist),
es trägt dann, wenn ein subst. mit präp. vorhergeht, den ton: schreck ihn durch list aus diesen mauern wég. Schiller 13, 404; mit jedem schlag in seine üpp'gen wellen wäscht sich ein makel mir vom busen wég. H. v. Kleist 2, 100; wenn du dein labsal mir zeuchst für dem munde wég. v. Lohenstein
Agrippina 44; wenn ich kopf fand, sah ich über die sitten wég Schubart
leben 1, 98; zieht ihm doch inmittelst die leiter unter den füszen wég Winckler 2000
gutte gedancken D 8
b.
es kann aber auch weg
mit der vorausgehenden präpositionellen wendung enger verbunden werden, es ordnet sich dann im ton dem vorausgehenden subst. unter: als wir noch eine meile von der stadt waren, fuhren wir ganz sachte an den úfer weg Ch. Reuter
Schelmuffsky 37; nach dem heutigen weltlauf drückt sich das nützliche immer an den waenden weg Musäus
moral. kinderklapper 13; nun ging es an den féldern weg Göthe 24, 145
Weim. ausg.; die wasserleitung geht nahe am theáter weg Seume 129; es (
das kind) stieg auf den geländern der gaenge weg Göthe 21, 171; das mädchen flog mit leichten füszen über die blúmen weg S. Geszner 1, 126; sie ... risz den dolch blitzgeschwind heraus, und fuhr mit spitze und schneide ihm rasch über die hánd weg Göthe 22, 132; (
das genie) läuft glücklich wie ein nachtwandler über die scharfen gípfelrücken weg, von denen die wache mittelmäszigkeit ... herunterplumpst 45, 188; der ausflusz der Pegnitz lauft unter einem schwibbogen der stádt weg Nicolai
Seb. Nothanker 1, 204. (
geht ein pron. mit präp. voraus, so erhält weg
auch in diesem fall den ton: Fink sprach über ihn wég, als wenn ein stück luft auf dem stuhle des hausherrn sitze Freytag 4, 286).
tritt weg
im anschlusz an eine vorausgehende präpositionelle wendung aber vor das verbum, so pflegt es mit diesem zusammengeschrieben zu werden und auch einen hauptton zu erhalten: (
den jagdzug) sah ich noch vor wenig stunden übern markt wégführen. Schiller 12, 306; als der sohn, der sich unter dem fenster wéggeduckt und an die ... thür nicht angeklopft hatte, plötzlich eingetreten war J. Paul
Q. Fixlein 69 (
andere fälle der art sind unter den verben angeführt).
nimmt man die verba als zusammengesetzt (
was meistens geschieht),
so musz man ihnen eine von der gewöhnlichen abweichende bedeutung anerkennen; sie bezeichnen die richtung, die etwas in seiner thätigkeit nimmt (
ähnlich: über den markt hin, unter dem fenster hin). II@2@bb)
in folgenden festen verbindungen schlieszt sich weg
enger an die präpositionelle wendung an, der es sich im ton unterordnet, und wird für gewöhnlich nicht mit einem folgenden verbum zusammengeschrieben (
die zusammenschreibung der texte ist im folg. beibehalten worden; als zusammensetzung würde die bildung mit weg
zu 1
d gehören; etwas vom herzen wegsagen
u. dgl. kann auch als '
sich durch rede vom herzen schaffen'
genommen werden). II@2@b@aα) von der hand, von (
auch vor) der faust, von der zunge, von der brust, vom herzen, von der leber weg: die currentsachen ..., die sich von der hand wegarbeiten und wobey es nur auf eine deutliche vorlegung der umstände ankommt
F. C. v. Moser
der herr u. der diener 179 (
s. auch wegschaffen 2); wenigstens ist die gelehrsamkeit, als ein gewerbe, unter uns in noch ganz leidlichem gange ... und unsere übersetzer arbeiten noch frisch von der faust weg Lessing 6, 3; meine freunde ... heiratheten vor der faust weg, brockten sich eine suppe ein, und haben nun was auszuessen Hermes
Sophiens reise 2, 14; aber thorheit ist es, von der faust weg über sachen abzusprechen, welche so vielerley seiten haben Bode
Montaigne 4, 420; indem der arzt die sehr kranken, die nicht selbst kommen können, nie sieht und vor der faust weg verordnet Niebuhr
nachgel. schriften 133; seyd so gut und haltet die rede, wie ich sie euch vorsagte, leicht von der zunge weg
Shakespeare 3, 239 (
Hamlet 3, 2); der Teutsche hat die üble gewohnheit seine meinung von der brust wegzusagen Schiller 2, 383 (
nur: von der brust weg '
frei heraus' 3, 364
kab. u. liebe 1, 2); so schwatzt man doch wenigstens seinen unsinn und aberwitz frei vom herzen weg Herder 5, 373
Suphan; ein gewaltiger jäger, ders so frey vom herzen weg gesteht, dasz er keine viertelstunde sitzen könne Lavater
physiogn. fragmente 1, 232; wir bemerkten einige greise, welche ... lustig und guter dinge zu sein schienen, bis wir sie offenherzig genug machten, ihr elend vom herzen wegzusagen G. Forster 2, 428; gerade vor der wichtigsten entscheidung meines lebens musz ich ihnen wieder begegnen, der einzigen, die mich wirklich kennt und der ich ... recht vom herzen weg beichten durfte Heyse
nov. 1, 39; rede nur jovial vom herzen weg O. Ludwig 1, 215; o! ich mus mit dir von der leber wegreden Hermes
Sophiens reise 2, 346; ich achte es für ein wahres glück, mit ihnen frei und, wie man zu sagen pflegt, von der leber weg, über alles sprechen zu können Solger
nachgel. schr. 1, 292; schreiben sie also nur frisch von der leber weg v. Droste-Hülshoff
briefe an L. Schücking 292; und komme ich einmal in Berlin mit ihm zusammen, so sag' ich's ihm frei von der leber weg v. Gaudy 2, 157; wie that es ihm wohl, dasz der frische zug der wahrhaftigkeit wieder durch das deutsche leben ging und jeder tapfer von der leber weg sprach Treitschke
d. gesch.3 1, 453;
vgl. auch th. 6, 461. vom blatt weg: (
dasz) er ... alles ohne unterschied vom blatte weg spielen soll Ph. E. Bach
art das clavier zu spielen 1,
vorr. 2
b; er singt mit unnachahmlicher fertigkeit alles vom blatt weg Schubart
ästhetik d. tonkunst 136; aber sagt: könnt ihr alles vom blatt weglesen?
Shakespeare 1, 24 (
Romeo u. Julia 1, 2); dieses verdienst gehört in eine klasse mit der fertigkeit eines tonkünstlers, die noten frisch und rein vom blatte wegzuspielen G. Forster 3, 57. vom fleck weg: ich sah heut nacht im traum eines, stöszt mir das irgend wo auf, so nehm ichs vom fleck weg Stephanie
d. j.
singspiele 76. auf dem nägele weg (
s. nägelein
th. 7, 264): medicis, welche den Hippocrates, Galenus ... und andere, auff den nägele weg und auszwendig her sagen ... könten Philander 1, 197,
vgl. 1, 591. in einem atem weg: ein pferd von solcher art geht hurtig viele meilen in einem athem weg, und hasset das verweilen. König
ged. 228; alles das frage ich sie so in einem odem weg, um ihnen stoff genug zu geben, mir bald und recht viel zu antworten Rabener 6, 114. II@2@b@bβ) vor sich weg (
vgl. vor sich hin): sihe an die andern thier, haben der füsz nicht mehr denn vier und lauffen dennoch vor sich weg. Waldis
Esopus 1, 133 (1, 88, 5)
Kurz; in dem sich nichten saumpt die schneck, in einem gang kroch für sich wegk. Eyering 3, 154; und lag also für sich weg als ruhet er B. Quinos
sterbekunst (1586) 81; welche ... mit den händen vor sich weggriff und ihren allerliebsten suchte
junker Harnisch 169; seine hände ... hielt er mehrentheils gerade vor sich weg Nicolai
Seb. Nothanker 1, 44; in solchen krummen gängen und pfaden, dasz ein ehrlicher kerl kaum eine spanne vor sich wegsehen kann Sturz 1, 265; er nahm also seine zuflucht zu dem buch, schlug die augen nicht weiter auf, und las andächtig vor sich weg 1, 268. II@2@cc)
eine selbständigere stellung dem verbum gegenüber nimmt weg
mit der präpositionellen bestimmung namentlich auch dann ein, wenn dies noch mit einer anderen localen bestimmung verbunden ist: und aus den reihen verlieret sich Psyche zwischen felsen und sträuchen weg. Göthe 4, 188
Weim. ausg., wir gingen neulich durch den wald und an dem berge weg. 11, 299; der überm abgrund weg das freie gras abmähet von den schroffen felsenwänden. Schiller 14, 397 (
Tell 4, 3); er führete uns die treppe wieder hinunter, über den schönen saal weg, und in eine grosze stube Ch. Reuter
Schelmuffsky (
vollst. ausg.) 17
neudr.; drängt euch durch die schlucht über die hügel weg, so entkommt ihr Göthe 13, i, 342; er (
der kutscher) fuhr nun seitwärts durch einen wald und über lange triften weg 23, 36; man führte uns drüber (
über den weg) weg und in's graue hinein 33, 67; strichregen gingen an mir vorüber und über mich weg 41, i, 261; um ihr schrecken zu vergröszern und von unserer gewalt eine probe zu geben, ward eine kanonenkugel über sie weg und zwischen die bäume nach dem lande hin gefeuert G. Forster 2, 164; ein kreis von platanen, wo man über das felsige gestade weg ins meer hinaussah Hölderlin 2, 39
Litzmann; oft sah ich mich erschrocken um, wenn der wind über mir weg durch die bäume fuhr Tieck 4, 148; es fuhr ein licht durch die stube an der decke weg, als wenn jemand mit einer laterne nachts über den hof geht Brentano 5, 92. II@2@dd)
auch in anderen fällen steht weg
im anschlusz an präpositionelle wendungen selbstständiger im satze da: ward er auffgehaben zusehens, und eine wolcke nam in auff fur iren augen weg
ap.-gesch. 1, 9; und hättest du ... die schwere strasz entdeckt an den chinenser port, bey Nova-Zembla weg. S.
Dach 129
Österley; sorglos über die fläche weg, wo vom kühnsten wager die bahn dir nicht vorgegraben du siehst, mache dir selber bahn! Göthe 1, 67
Weim. ausg.; wenn die räder rasselten rad an rad rasch um's ziel weg. 2, 70; und du hobest mich auf, und trugst mich herüber, durch deinen hof weg. 50, 203 (
Herm. u. Dor. 2, 143); hier am teich weg und linker hand in den wald, so kommen wir ihnen in rücken 8, 92 (
Götz 3); so sende dir ehestens ein paar bogen noch ganz nasz unter der presse weg
briefe 33, 63; da schrie die dirne, dasz man's über zehn häuser weg vernahm Goekingk 3, 87; wie er die obersten stufen übersprang und über den kurzen flur weg fast gleichzeitig die klinke der stubenthür ergriff G. Keller 4, 22; der ... alte baron wurde rot über den ganzen kahlen kopf weg Fontane I, 5, 160.
namentlich erscheint von — weg
häufig als eine selbständige bestimmung '
von etwas entfernt oder sich entfernend': nun wende dich, und wirf den blick, von norden weg, zurück gen süden. Gottsched
neueste ged. 23; ach, der sturm! verschlagen weg vom glücke! Göthe 2, 73; wann er (
der hund) Tamiro von ferne sahe, alsbald von seinem herrn weg auf diesen zulief
polit. maulaffe 5; sie solten ihre stadt abbrechen, und vom meere weg eine andere bauen v. Lohenstein
Arminius 1, 885
b; das auge nicht abwendend von der wolke, die vom Geierstein weg höher und höher heraufzog E. Th. A. Hoffmann 10, 27; auf geheisz der Römer siedelten sie von der küste weg im binnenland ... sich an Mommsen
röm. gesch. 2, 169; in der sache ändert sich insofern nichts, als nun der vorwurf vom präsidenten weg auf Stüve fällt J. Grimm
an Dahlmann briefw. 1, 173. '
direct woher kommend': und was der best rock ist und von der nadel weg O. Ludwig 2, 373; könnt ihr euch denken, wie der thurm dort auf dem Staufenberg einmal neu war, frisch von kelle und hammer weg? Auerbach 17, 183. II@33) weg
findet sich auch in näherem anschlusz an ein vorausgehendes adv. (
der ton ruht dann überwiegend auf weg,
doch kommt auch betonung des adv. vor).
es wird dann theils mit diesem adv. zusammengeschrieben, theils auch getrennt gelassen, auch kommt verbindung und zusammenschreibung des weg
mit einem folg. verbum vor. (
in den belegen ist die schreibung der texte beibehalten.) II@3@aa) weg
mit ortsadv.: beyweg, nebenweg,
juxta, secundum Stieler 2456; der schusz gehet beyweg,
ictus non tangit ebenda (
jetzt veraltet); sie haben sehr weit neben weggegriffen Bode
gesch. des Thomas Jones 3, 277; durchweg,
ursprünglich local: er ... stach den Türken, der so auff ine drengte, durch wegk und sties ine über bort ins wasser Kantzow
chronik v. Pommern (letzte bearb.) 352
Gäbel; mitten durch weg auf einem wagen mit vier pferden fahren,
per medium aliquid quadrigis vehi Hederich 2568;
dann wie durchaus,
s. th. 2, 1710; oben weg, unden weg Stieler 2456: für geld und gute worte finden sich überall leute, die das (
die übersetzung) schon so grob oben weg zu machen wissen; musz es doch hernach erst poliren Fr. Müller 2, 40; ob er (
der trunk) mir gleich die beine ein paar mal unten weg zog
Shakespeare, Macbeth 2, 2; hinten weg, vornen weg: das müssen ihm selbst seine feinde ... nachsagen, dasz er das maul immer vorn weg hat Tieck 5, 378; nu sieh ock die lange latte, die da vorne weg geht! G. Hauptmann
die weber 107 (
akt 5); drunter weg, drüber weg: ich kenne dich doch auch schon an die dreiszig jahre und drüber weg E. Höfer
erz. schriften 1, 6; an, nach, hinter, über einander weg: unsere familie ... streicht an einander weg wie gespenster Göthe 12, 52 (
Lila 1)
Weim. ausg.; acht nächte nach einander weg 18, 17 (
die aufgeregten 1, 6); auch wird man sie (
die elegien) hinter einander wegdrucken müssen, wie es eben trifft
briefe 10, 256; ein büffet, ein sofa und ein piano, die hintereinander weg die ... längswand ... einnahmen Fontane I, 5, 19 (
s. auch wegarbeiten 2, wegmachen 1); da die fäden durchaus kreuzweis übereinander wegliefen G. Forster 2, 166.
zeitlich ist vorweg,
praeveniens, anticipans Stieler 2456; er hat seinen lohn vorweg
ebenda; vornewäk,
voraus, zuvor Jecht 120. immer weg: mach nicht viel wort, gib dich gefangen. nur fort und immer weg gehangen. Krüger
bäur. richter 491;
s. th. 4, ii, 2078
den beleg aus Möser. in einem weg
s. sp. 2870;
vgl. noch: darauf haben sie über drei jahrhunderte in einem weg losgearbeitet Jahn
merke 63;
das mundartliche in eins weg
kommt auch im Berliner roman vor: einen blonden jüngling mit piepsender stimme, der mich mit seinen blaszblauen augen in eins weg anschmachtet E. Georgy
die Berliner range 4, 87. II@3@bb) weg
mit adjectiv-adv., zunächst neben einem verbum, dann auch für sich stehend. die bildungen gehören im ganzen mehr der umgangssprache an und erscheinen (
abgesehen von schlechtweg)
erst seit der mitte des 18.
jahrh. auch litterarisch (Schiller
liebt sie in seinen jugendwerken): deutschweg, dreistweg, flüchtigweg, freiweg, frischweg (
s. auch wegspielen), geradeweg (
s. th. 4, i, 3557), glattweg, gleichweg, kurzweg (
s. th. 5, 2855), leichtweg (
s.weglesen 2, wegspielen), lustigweg, raschweg (
s.wegthun 2), reinweg (
nach th. 8, 700
bes. nd.), rundweg (
th. 8, 1516
aus Schiller), sachteweg, schlechtweg (
s. th. 9, 546), schlichtweg, schnellweg, stillweg, trockenweg, voreiligweg (
s. wegverachten), warmweg (
in den quellen ist überwiegend weg
vom adv. getrennt geschrieben; auch anschlusz an das verbum kommt vor, das als zusammensetzung genommen zu 1
d gehört): halten sie mirs zu gnaden, dasz ich so deutsch weg rede Rabener 3 (1752) 415; die meisten von der gesellschaft behaupteten dreist weg, dasz alle diese geheimen künste auf eine taschenspielerei hinausliefen Schiller 4, 208; ja, ja, das sing er nur recht dreist weg, rief darauf sogleich die dame wieder v. Eichendorff 3, 11; wer etwas, das mit fleisze gemacht werden sollte, nur flüchtig weg machet, der machet es obenhin Gottsched
beobacht. 216; in Italien sey warm ... in den dreyszig sey er da gewesen, erzählte er so ganz flüchtig weg Göthe
briefe 3, 7
Weim. ausg.; eben deswegen müssen wir unsere meinung frey und deutsch wegsagen
litteraturbriefe 15, 39; es mag wohl nicht recht gewesen sein, gleich so frei weg zu sprechen Fontane I, 5, 132; frei — weg! (
commando, wenn vorwärts marschirt werden soll, nachdem auf der stelle getreten ist); die Gretel liest ihren brief frisch weg Rabener 6 (1777) 18; ich glaube, sie hätte ihren vater so frisch weg geheirathet wie den sohn Göthe 24, 147; wie ich ... immer geneigt war, was die gegenwart heiteres anbot, frisch weg zu genieszen Steffens
was ich erlebte 4, 248; indessen waren die herren von Abdera gewohnt, so glattweg und bona fide bey ihrer staatswirthschaft zu werke zu gehen Wieland 19, 277; der kerle ... begehrte gleich weg seinen abschied Ch. Weise
erznarren 31
neudr.; aber lustig weg landsmann. lasz uns ausfahren, wie listige erben, die heulend hinter der bahre gehen, und desto lauter ins schnupftuch lachen Schiller 3, 23 (
Fiesko 1, 7); so musz man mit mühe das lachen halten über die schrecklichen geberden, mit denen sie (
in der vorlesung) alles rein weg zu papier zu bringen suchen, was von seinem (
des professors) munde ausgeht Rebmann
der Leipziger student 46
neudr.; und was hatte ich gethan? nichts, reinweg gar nichts Stinde
familie Buchholz10 19; da fragt man erst recht sachte weg, und der gefangene ist stolz auf seine unschuld Göthe 8, 250 (
Egmont 4); so schlicht weg (
gespielt) alles, so schlank hin, gar nicht einmal wie auswendig gelernt, — was ist denn darin für kunst? Tieck
novellen (1854) 12, 251; zehn töne nach einander schnell weg sind leichter zu singen, als ein einziger von gewicht Heinse 5, 45
Schüddekopf; hier seht ihr, ist die königliche vollmacht, eigenhändig unterschrieben, Gottlieb (
der name des königs) simpel weg Tieck 10, 102; laszt euch still weg in lieb' und güte hängen, und zwingt uns nicht zu harten prozeduren. 3, 152 (
Fortunat I, 3, 3); sie lebten still und finster weg; nur mit dem schulzen ... verkehrten sie zuweilen E. Höfer
erzähl. schriften 5, 231; ich habe erfahren, dasz sie still weg leben Freytag
verl. handschr. 1, 262; er hat es ernsthaft gesagt ... das wars eben. so trocken weg, und so weinerlich Schiller 3, 23 (
Fiesko 1, 7); gearbeitet habe ich noch nichts, aber sobald ihr wieder hier seid, geht das rasch und warm weg
briefe 1, 296
Jonas. die wendungen kommen auch adjectivisch vor: der mensch ist schlecht weg,
non nimis exquisitus est hic homo, sine dolo, simplicis ingenii Stieler 2456; Leo hätte geantwortet, aber so frei weg er sonst war, er genierte sich doch einigermaszen Fontane
die Poggenpuhls 65; es ist dumm, dasz die besten pastoraltheologien über diesen punkt so hurtig weg sind wie schnupftabak J. Paul
Hesp. 3, 54 (
s. th. 9, 1391). II@3@cc)
auch so weg '
ohne weiteres'
begegnet (
doch kann in den folg. belegen auch weg
mit dem verbum verbunden werden): die jenseitigen Deutschen rupfen den teig wieder aus einander und braten ihn in butter auf. der wälsche Tyroler iszt ihn so weg Göthe 30, 55; kleine diebe hängt man so weg (
nd. de kleynen deve hengetmen wech), es haben die groszen starken vorsprung, mögen das land und die schlösser verwalten 50, 108 (
Rein. Fuchs 8, 134); auch die bessere seele, die sich im lesen erhohlen will, naht gefahren, wenn sie so weg lieset, was der zufall in die hände spielet Jahn
volksthum 261; es geht noch immer so weg (
erträglich). II@44) weg
als adv. '
entfernt'
kann durch weit
verstärkt werden; diese verstärkung kommt auch in fällen vor, wo weg
näher an das verbum angeschlossen wird (
s. auch wegwerfen 6): gott wolle ... kranckheit und ander unglück weit davon weg verbannen Ch. Weise
polit. redner 261; nicht nah vor der stadt, sondern gantz weit weg Lichtenberg
briefe 1, 305; sie ist weit weg verheirathet Göthe 23, 73; diese (
wahrsagerinnen) wollte er (
der Gotenkönig) nicht länger dulden, sondern verjagte sie weit weg in die wildnisz Grimm
d. sagen 2, 16; beschlosz also, zu reisen, so weitweg, wie möglich Immermann
Münchh.2 1, 10; nachdem aber später die Franzosen ... ihre würfe höher richteten, und die kugeln weit von uns weg fielen Grillparzer
5 19, 46.
sprichwörtlich: es blitzt und schlägt mit pulver und blei, weit weg ist besser denn dabei. Opel
u. Cohn
30jähr. krieg 435; weit weg ist gut vorm schusz Arnim 16, 136.
auch fern weg (
s. 5
a): wie wir noch offtmals zu thun pflegen dem so uberfeld oder ferne wegwandert, das wir eins teils weges mit im gehen Edelman
hochzeitpredigten (1583) F 7
a; Schilrick scheidet von seiner geliebten Vinvela: fern weg, fern weg in Fingals kriege: er verläszt sie Herder 3, 27
Suphan. auch mit maszangaben verbunden: der pfaff ist uber ain myl weg bei dem wyn Eberlin v. Günzburg 1, 187
neudr. II@55)
prädicativer gebrauch von weg
kommt schon im mhd. vor; bei Luther
ist er sehr gewöhnlich (
in der älteren bibel wird an den betr. stellen wegsein
noch nicht verwendet). weg
pflegt mit sein
und gewesen
zusammengeschrieben zu werden, nicht aber mit den formen des verbum finitum. II@5@aa) weg
kann '
entfernt, in der ferne'
sein: die wile der bobest enweg was, do zwischen schluog Dietrich von Bern Boetio und Simacho ... die houbter abe Closener
städtechr. 8, 31, 21; doch kommen, die Adramelech verehren, sklavische heuchler, dahin, und beten sein luftiges unding, wenn er da ist, gebückt, und wenn er weg ist, mit hohn
an. Klopstock
Messias 2, 349;
Schnürtzgen. ach! ihr kinder! was soll denn das bedeuten, dasz du schon wieder hier bist.
Lorentz. was solls bedeuten, dasz ich nicht mehr weg bin Ch. Reuter
Schlampampe 106
neudr.; Theophan, soll ich sagen, dasz sie nicht lange weg seyn werden? Lessing 1, 445 (
der freygeist 4, 8); schon fünf tag und nächte, dasz er weg ist Göthe 8, 20 (
Götz 1)
Weim. ausg.; wer sich nähert, den stoszt nicht zurück und wer sich entfernt, den haltet nicht fest, und wer wiederkommt, den nehmt auf, als wenn er nicht weg gewesen wäre
briefe 21, 275; wenn ich bei dir bin, zerschmilzt meine vernunft in einen blick — in einen traum von dir, wenn ich weg bin Schiller 3, 371 (
kab. u. l. 1, 4); meine nachbarn wissen allemal, wenn ich weg bin O. Ludwig 2, 59. weg von, aus etwas: von hause weg seyn,
domo abesse Steinbach 2, 984; er ... will daran denken, wie lang er schon von den seinigen weg ist Hebel 2, 2
Behaghel; fern! weg von mir sei eure treu, und eure herrlichkeit! Göthe 17, 49; doch weg sey stets von mir dies mittel zu gefallen.
Z. Werner
ged. (1789) 7; wie es einem so einsam ist, da alles aus dem hause weg ist Ch. Reuter
Schlampampe 104 (1, 9)
neudr.; weil das bild der treffligkeiten (
die geliebte), deiner fakkel wehrter zwekk, nu ist ausz dem leben weg.
geharnschte Venus 107
neudr. verstärkt weit weg: er ist schon weit weg von uns Stieler 2456; wan ich vermein, weit weg zu sein. Spee
trutznacht. 31; hast du nicht gesehen, wie er alles anstarret ... und wie einer antwortet, dessen seele weit weg ist Leisewitz
Julius v. Tarent 29 (1, 6)
neudr. fern weg: du darffest im nicht nachlauffen, er ist zu fern weg
Sir. 27, 22.
mit maszangaben: dann wann die leute uber land reisen wolten, ..., und das pferd sich nur umbwendet, so waren sie vierzehen meilen weck Krüger
Clawerts werckl. hist. 67
neudr.; reiszaus! zerrissen die haufen! davon! sechzig schritte weg werf ich die kleider ab, stürze mich in den flusz Schiller 2, 92 (
räuber 2, 3
schausp.). II@5@bb)
viel häufiger ist die auch schon seit dem mhd. vorkommende bedeutung '
weggegangen'. II@5@b@aα) die feint hetten sich ein weil enthalten in dem wald und waren nit weck
städtechr. 2, 193, 16 (
Nürnberg 1450); do man innen ward, das sy eweg was
d. volksbücher 341, 32
Bachmann-Singer; das der engel Gabriel wer weg, zuo dem fenster ausz geflogen
Decamerone 263
Keller; da sie (
die verfolger) weg waren, stiegen sie aus dem brunnen
2. Sam. 17, 21; wenn der verleumbder weg ist, so höret der hadder auff
spr. Sal. 26, 20; da ich meim freund auffgethan hatte, war er weg und hin gegangen
hohel. 5, 6; der Mertin bericht, ich wär weg, wüszten aber nicht wohin v. Schweinichen
denkw. 140; bistu dann noch nicht weg?
schausp. engl. comöd. 97, 19
Creizenach; wie froh bin ich, dasz ich weg bin! Göthe 19, 5
Weim. ausg.; gott weisz, wo er ist kommen hin. weg ist er nicht, das weisz ich wol. Krüger
bäur. richter 304; sie ist fort, ich bin hier, ich bin weg, bin bei ihr. Göthe, 3, 36; geht, geht mit gott madame. wir fürchten uns vor keinem teufel mehr, sobald ihr weg seid. Schiller (
jungfr. v. Orl. 2, 2). wegsein von etwas: ob aber ainer oder mer zuvor, ehe die dorfmaister, wie gemelt, urlaub geben, von der arbait wech waren und des urlaubs nit erwarten
österr. weisth. 3, 145, 37 (
Oberinnthal 1598); ganz Wien weisz, dasz ich vom erzbischof weg bin, weisz warum Mozart
bei Jahn
Mozart 3, 28.
besonders ist weg '
plötzlich verschwunden',
gern mit voranstellung: weg ist er,
abiit, excessit, evasit, erupit Nieremberger; warte doch! — dasz er mich hörte! — he Al-Hafi! hier! — weg ist er. Lessing 2, 212 (
Nathan 1, 3); er war kaum von dir weg, als ich ihm nachging, ich hatt' ihn noch zu sprechen, — doch — weg war er. Schiller 12, 245 (
Wallenst. tod 2, 3); während ich die grösze des ankers ausmasz, weg waret ihr, ohne dasz ich wuszte, wo ihr hingekommen Wieland
Lucian 1, 294; als ich von einem kleinen spaziergange einst heimkehrte, weg warst du samt deinem geschwister E. Th. A. Hoffmann 10, 45.
ohne verbum: alsz disz die bruder horten, sie auf und wegk Grunau
preusz. chron. 2, 237. er ist weg
kann auch sein '
dahin, gestorben': sie ist dahin, mein frideschilt vur ungemach; enweg ist mein warsagende wunschelrute
Ackermann aus Böhmen 10 (5, 3)
Bernt u. Burdach; es ist noch umb ein kleines, so ist der gottlose nimer, und wenn du nach seiner stete sehen wirst, wird er weg sein
ps. 37, 10; unser zeit ist, wie ein schatte dahin feret, und wenn wir weg sind, ist kein widerkeren
weish. Sal. 2, 5; meine hütten ist zerstört ..., meine kinder sind weg, und nicht mehr fürhanden
Jer. 10, 20; er ful im (
um) un war weg Müller-Fraureuth 2, 645
b; ich werde mal weg sein wie ne mütze '
plötzlich sterben'
ebenda, vgl. Wander 4, 1857. II@5@b@bβ)
übertragung auf unbelebtes. II@5@b@b@11))
von zeiträumen '
vergangen': wegk, einwegk,
transactus oder vergangen
voc. theut. (1482) nn 4
b; wenn auch die zway jaur enweg und vergangen sind
städtechr. 5, 377, 39 (
Augsburg 1438); so der winter noch nit gantz en weg ist Keisersberg
bilgersch. 32
a; der winter ist vergangen, der regen ist weg und da hin
hohel. 2, 11; der tag ist schon weg,
the day wasts Ludwig 2406; betrachte denn (
beim jahreswechsel), mit aufmerksamen sinn, dasjenige, was weg, vergangen, und dahin. Brockes 4, 438.
sprichwörtlich: zeit so weg, komt nicht wieder Schottel 1136.
in der Oberlausitz sagt man: neune is weg '
ist vorüber' Müller-Fraureuth 2, 645
b. II@5@b@b@22))
auch sonst '
vergangen, vorüber, nicht mehr vorhanden': wir suln in gote dan ruwen ... alle leit sint danne weck. H. v. Hesler
apokalypse 22295
Helm; alʒo der koning in der fursten gheinwertigkeit ist und in irem gerichte, so ist die sache weg, do er andere richtere umb gesazt hatte, und so richtet er denn billich selber
weichbildrecht 217 (
glosse art. 7)
v. Daniels; als der taw weg war, siehe, da lags ... wie der reiffe auff dem lande
2. Mos. 16, 14; freude und wonne ist aus dem felde weg
Jer. 48, 33; und wenn der tzorn (
gottes) weg ist, szo sind die sund vergeben Luther 8, 519, 13
Weim. ausg.; weil der winter ist vergangen, schnee und eysz ist weg. Voigtländer
oden u. lieder 96: in wenig stunden ist alles schöne weg, ist alle pracht verschwunden. Brockes 2, 16; was ich mir ferner auch erstreben mag, das schöne ist doch weg, das kommt nicht wieder. Schiller 12, 375 (
Wallenst. tod 5, 3); das wort ist weg, und der ton der empfindung tönet Herder 5, 17
Suphan; und wenn mir auch einmal so ein gedanke durch den kopf fuhr, war er gleich wieder weg Göthe 9, 128; der damm ist weg, und der strom seiner lüste kann izt freyer dahin brausen Schiller 2, 21 (
räuber 1, 1
schausp.); dann war es (
das land) plötzlich unter ihm weg Storm 1, 32. II@5@b@b@33))
von eigenschaften und besitz '
verloren': dâ morne sô stirbet er ... dâ ist diu geistlîche kraft enweg
mystiker 1, 265, 20 (Nic. v. Straszburg); hab ich doch nirgend kein hülffe, und mein vermügen ist weg
Hiob 6, 13; böse, böse, spricht man, wenn mans hat, aber wens weg ist, so rhümet man es denn
spr. Sal. 20, 14; alle seine (
des reichs) herrlichkeit ist weg. es war eine königin, nu ists eine magd 1.
Macc. 2, 11; wenn aber hertz und mut weg ist, so ist die manheit weg, und der man wird feyg und verzagt Luther 19, 411, 11
Weim. ausg.; es ist alles weg, was wir zuvor gehabt
M. Neander
sylloge locutionum 223
a; das gelt ist weg,
devorata pecunia est; sein guht ist weg Stieler 2456; nun ist alle hoffnung weg,
now all hopes is gone Ludwig 2406; geschütz erfunden: und siehe! die alte tapferkeit der Theseus, Spartaner, Römer, ritter und riesen weg Herder 5, 533
Suphan; bauren, wann die messer weg, stecken holtz in scheiden ein. Logau 2, 9, 32 (
s. 383
Eitner); dasz deine freiheit weg, und dieses land ... umb allen seinen schmuck und herrlichkeit gekommen. Rist
d. friedewünsch. Teutschland 34; weg ist mein thun, weg stand und ehr, weg alle meine gaben. S. Dach 182
Österley; allein er kam zu spät. ihr herz war weg, weg mit dem ersten blicke. Wieland 21, 206 (
Klelia u. Sin. 2, 141); weg ist alles, was du liebtest, weg, warum du dich betrübtest, weg dein fleisz und deine ruh. Göthe 1, 70; die furcht ist weg, der respect, die scheu. Schiller 12, 46 (
Wallenst. lager 11).
von körperlichem: meine kräfte sind weg,
my strength is gone Ludwig 2406; das fleisch ist ihm alles vom leibe weg,
totum corpus ad extremam tabem venit Stieler 2456; o weh, mein nasen ist schon weg! Krüger
aktion v. d. anfang u. ende der welt F 5
a; der athem ist mir weg ... o schweres ungelück! Gottsched
ged. 681; war ein gekos' und ein geschleck'; da ist denn auch das blümchen weg! Göthe 14, 180 (
Faust 1, 3561); während zwei ... den ganzen feurigen schusz in's antlitz bekommen hatten. das auge müsse wenigstens weg sein, sagte die person Immermann
epigonen2 1, 218.
auch von krankheiten '
beseitigt': mein husten ist weg Lichtenberg
briefe 1, 142. II@5@b@b@44))
von concreten entwickelt sich weg
zur bed. '
verschwunden, nicht mehr zu sehen': mein seckel mit dem golde ist gleichwol weg
englische comedien u. tragedien J 6
b; abends liegt es noch im kasten, und des morgens ist es weg. Heine 1, 155
Elster. II@5@b@b@55))
um das plötzliche verloren-, verschwundensein zu bezeichnen, pflegt weg
vorangestellt zu werden: weg war der (
auf einmal verschwundene) schatz! Gellert (1769) 1, 214; ein halstuch öffnet sich, ein ärmel fällt zurücke, und weg ist euer herz! Wieland 9, 16 (
Musarion 1); sie kommt. auf einmal weg ist die erlog'ne ruh! Göthe 9, 97 (
mitschuld. 3, 7); auf einmal musz eine arme Bruneschi, Emilia heiszen: — weg ist meine ruhe, und alles! Lessing 2, 115 (
Emilia Galotti 1, 1); als ich erwachte, stand Adolph an meiner seite, und weg war der traum Pfeffel
pros. versuche 1, 112; raunte mir mein dämon ins ohr: gestehe nur, dasz du nicht glaubst, was du singst! und weg war alle fromme andacht Heyse
nov. 1, 137. II@5@b@b@66))
sprichwörtlich: was weg ist, das lasz fahren hin Henisch 976, 62; was weg ist, beiszt (brummt) nicht mehr Wander 4, 1856; weg ist weg, fort ist fort, hin ist hin 1857. II@5@b@gγ) er ist weg (
verstärkt ganz weg)
kommt in der umgangssprache (
bes. Norddeutschlands)
in übertragenen bedeutungen vor Follmann 533. Albrecht 234. Müller-Fraureuth 2, 645
b. Bauer-Collitz 113
b. Stürenburg 328
a. Danneil 245. Brendicke 192.
zeitschr. f. d. mda. 1910, 39 (
Neumark). Frischbier 2, 460.
es kann sein: eingeschlafen; besinnungslos, bewusztlos, ohnmächtig; kraftlos nach langen schreien und wüten; betrunken (Lichtenberg 3, 74. 75,
neben er ist fertig, ist hin);
auszer sich vor aufregung, staunen, aus dem seelischen gleichgewicht. litterarisch nicht häufig: der zorn der himmlischen verweigert uns die winde. gleich bist du (
Agamemnon) weg. der streich schlägt dich zu boden. Schiller 6, 167 (
Iphig. in Aulis 376); ich bin zuweilen so weg, dasz ich mich selbst kaum mehr kenne v. Hippel
briefe 14, 91; wir haben gewonnen; sobald er sich in beweisen und vernünfteln einläszt, ist er weg Klinger 1, 97 (
falsche spieler 1, 1).
hingerissen, entzückt: gott, wie schön (
war die landschaft)! ... auf seele — ich war weg, ganz wie der burgermeister von Krähwinkel Spindler
n. f. 19, 39.
in Sachsen '
ganz ohr, sehr aufmerksam' Müller-Fraureuth.
namentlich auch '
verliebt, verschossen': das hexen-mädel! bin ganz weg, ganz caput, alle meine wünsche und gedanken laufen ihr nach Fr. Müller 2, 148; bald floh sie vor dem tänzer, ... wiegte das gesichtchen hin und her — ich war ganz weg v. Gaudy 2, 108; ich bin über ihren anblick ganz weg Nestroy 3, 183; ich kann mich nicht entsinnen, einen menschen gesehen zu haben, der, verzeih' den ausdruck, durch einen ganzen abend hin so 'total weg' gewesen wäre wie dieser Leopold Fontane
frau Jenny Treibel 83; in jemand: Emmi war wieder ganz weg in dies lange reff von sänger Stinde
familie Buchholz10 84. II@5@b@dδ) über etwas wegsein (
s. 3
b J. Paul) '
darüber hinausgekommen sein, etwas überwunden haben': euer gnaden sind zwar noch nicht ganz über die jugend weg, aber sie haben doch schon einen kleinen beyschmack vom alter
Shakespeare 9, 206 (
Heinrich IV. 2.
th. 1, 2); daher dachte der erste schon über alle schwierigkeiten weg zu seyn
d. neueste a. d. anmuth. gelehrsamkeit 4, 32; nunmehr bin ich über diese besorgnisz weg Rabener 3 (1777) 151; nun werden sie wohl über ihre geschäfte, die so angewachsen waren, weg seyn Leisewitz
briefe 278; von turnspielen sollen alle schwache ... ausgeschlossen bleiben, auch die, so noch nicht über die vorübungen weg sind Jahn
turnkunst 244.
über etwas erhaben sein, nicht mehr dadurch beeinfluszt werden: über die ehrlichkeit ist man weg Gottsched
d. schaubühne 3, 120; wer darf sich rühmen, jetzt den scheitel der wahrheit erreicht zu haben, der über alle dünste weg ist? Herder 9, 499
Suphan; dasz viele nicht mehr gelesen werden, kommt daher, dasz wir über viele der albern vorurtheile selbst weg sind, gegen die er kämpfte 23, 87; du lebst ... wie ein ächter philosoph, der viel entbehren kann und über alles weg ist Wieland
Lucian 1, 135; kein kampf mehr zwischen tugend und laster ... über das alles sind die eisernen seelen weit weg! was kümmert sie diesz? Lavater
physiogn. fragmente 1, 90; wenn die aufmerksamkeit auf die zeit nicht aufmersamkeit auf einen schmerz, über den wir wegzusein uns bestreben, sondern auf ein vergnügen wäre Kant 10, 253; das ist die gemeine façon, über die der marquis weg ist Klinger 1, 115 (
falsche spieler 1, 6); wirklich aufgeklärte menschen sind darüber weg Sintenis
Flemmings geschichte (1792) 3, 71; weg ist er (
Max) über wunsch und furcht, gehört nicht mehr den trüglich wankenden planeten. Schiller 12, 374 (
Wallenst. tod 5, 3). II@66)
ein elliptisches weg
als ausruf kommt seit dem mhd. vor: weg!
via! Krämer 1215; weg! weg! aus dem wege,
cede, da locum Stieler 2456; im anheben des regens hat man gesehen feurige kaulen auf dem Hagelisberg laufen und man stimmen horte: weck, immer weck, es kompt unser helle daher Grunau
preusz. chron. 2, 358. II@6@aa)
dasjenige, das weichen soll, kann angeredet werden (
es ist dann gehe
zu ergänzen): du tuost mînen ougen wê; nû balde enwec, vil tumber man! R. v. Ems
Barlaam 11, 31; disz ist die rechte freuden-zeit. weg, trauren, weg, weg, alles leid. P. Gerhardt
Fischer-Tümpels kirchenlied 3, 438; weg, weg, du dienstbarkeit, bey der nichts ist zu finden als gut da mangel ist.
Königsberger dichterkreis 90
neudr.; weg! wie blikst du, auge, ganz durch mich ein! Klopstock
oden 1, 207, 25
Muncker; weg, du traum! so gold du bist. Göthe 1, 48
Weim. ausg. II@6@bb)
dasjenige, das weggethan werden soll, wird im acc. angeschlossen (
es ist dann thu
zu ergänzen): kopf weg,
gare la tête Rädlein 1036;
Marcellus. Ihr dürft nicht gehn, mein prinz.
Hamlet. die hände weg!
Shakespeare, Hamlet 1, 4; was sie befehlen, herr, wie sie belieben — nur die pistolen weg Schiller 3, 452 (
kab. u. l. 4, 3); die alte leyer weg! die pfeiffen weg hiervon! König
ged. 65; weg tändeley und puppenspiel, da ich kein kind mehr bin. Ch.
F. Weisze
lieder für kinder 25; weg den thracischen tollen brauch! Herder 26, 240
Suphan; von dieser unzahl weg den blick! zurück, mein geist, in dich zurück. Bürger 12
b; weg den versuch, mit schmeicheley zu blenden! Göthe 2, 14; weg, weg die traurigkeit, die euch mit wahn umsponnen! Arndt
ged. (1860) 494; weg die sorg' um erdennoth! Rückert
ges. ged. 6, 365.
ungewöhnlich ist hier ein nom.: von dem auge weg der schleyer! Schiller 1, 217. II@6@cc)
üblicher ist es, dasjenige, was weggethan werden soll, durch mit
anzureihen (
wo wieder gehe
zu ergänzen ist). II@6@c@aα) sie schrien aber, weg, weg mit dem, creutzige in
Joh. 19, 15; da wurden sie zornig, und dachten, weg mit solchem Messia, der wird unglück anrichten Luther 8 (1580) 129
a Jen. ausg.; da euer fürstlich gnad ihn nit abschaffen, werden wür müeszen entlaufen. nun weck mit ihm aus disem land!
geschichtl. lieder u. sprüche Württembergs nr. 109, 57 (1608)
Mehring; weg mit dem kerle,
apage te cum homuncione Steinbach 2, 955; weg mit dem Teutschen! er ist zu rechtlich Klinger 3, 37. II@6@c@bβ) weg weg mit aller gunst der drey mahl drey göttinnen. Zinkgref
auserlesene ged. 19
neudr.; von ripp und bain sing ich allain, weck mit der faisten wamppen! Balde
Agathyrsus 105, 1; wegk, mein hertz, mit dem gedancken, als ob du verstoszen wärst! P. Gerhardt
Fischer-Tümpels kirchenlied 3, 299; weg mit dem allen, was unmuth bringt! S. Dach 712
Österley; weg mit ehre, weg mit geld! wenn ich selig werde. Neukirch
ged. 63; drum weg mit diesem weichlichen mitleiden, das einer königsbrust nicht ziemt. Schiller 13, 206 (
jungf. v. Orl. 1, 5); weg mit verstellung! handelt öffentlich! 12, 480 (
M. Stuart 2, 8); weg! weg damit! ich kann es nicht gestatten. 13, 358 (
Turandot 1, 3); weg mit den grillen und sorgen! färbt doch Aurora den morgen, blüht uns das leben doch schön! Mahlmann
schriften 1, 46; wenn mir aber was nicht lieb, weg damit ist mein princip. W. Busch
Plisch und Plum 1. II@6@dd) weg von jemand
oder etwas (
sc. gehe),
weiche davon, entferne dich davon: pakke dich feindin! weg von mir Dione! Neumark
fortgepfl. musik.-poet. lustw. 1, 420; ich weisz nichts. weg von mir! Klinger 1, 79 (
zwillinge 4, 4); weg von ihm! wag es keiner ihn anzurühren! Schiller 2, 102 (
räuber 2, 3
schausp.); weg von dem widrigen menschen! E. Th. A. Hoffmann 14, 162; weg von dem schwankenden aste! Klopstock
oden 2, 5, 14
Muncker; doch hinweg aus dieser gegend mein vater ... weg, weg, weit weg von dem ort, wo mich so viele spuren der verlorenen seligkeit anreden! Schiller 3, 480 (
kab. u. l. 5, 1); nur weg von hier! Müllner
dram. werke 4, 80 (
die Albaneserin 3, 1); am end ists besser für dich und das kind, weg von der welt, wo einen die leut durchaus schlecht wollen haben! O. Ludwig 2, 258; doch — weg von diesen unangenehmen betrachtungen! Wieland
suppl. 5, 242; so bald etwas ganz genossen ist, weg davon! diesz ist das allgemeinste gesetz der natur Heinse 4, 235
Schüddekopf; doch weg von dieser grämlichkeit, und laszt zurück uns zu den blumen kehren! Platen 197 (
schatz d. Rhamps. 1). weg aus etwas: weg aus meinen augen, um gotteswillen — Schiller 5, 240 (
Don Karlos 2, 8). IIIIII.
zusammensetzungen mit verben und daran sich anschlieszende nominalzusammensetzungen. wenn die verba wie gewöhnlich die entfernung oder (
bei transitiven)
die beseitigung durch die thätigkeit ausdrücken, konnte die bedeutungsangabe unterlassen werden.