stopfen,
verb. ,
obturare, stipare, sarcire; farcire, refercire. form und geschichte. aa)
ahd. stopfôn, stophôn Graff 6, 658.
daneben in den zusammensetzungen bi-, far-, furistopfô
n. mhd. stopfen.
md. und vereinzelt auch oberdeutsch in unverschobener form, so schon ahd. furistoppot, furiworfan
obturatus Steinmeyer-Sievers 1, 286
a (Rd.;
dabei die möglichkeit, dasz hier die wanderung eines handwerkerausdrucks von norden her sich wiederspiegelt, so noch elsäss. stoppen
neben stopfen Martin-Lienhart 2, 608
b)
und bistoppê
n. auf der anderen seite über stopfôn
hinaus verschobenes stoffôn
in dem imperat. farstoffo (Graff 6, 659).
später dann das unverschobene stoppen
besonders charakteristisch im mittelfränkischen Karlmeinet (Zarncke-Müller 2, 2, 658
b)
ganz entsprechend mndd. mndl. stoppen (
engl. stop);
obs. erzgeb. stoppen
neben stopfen Müller-Fraureuth 2, 568
a.
am nächsten steht dem unter c
freigelegten ausgangspunkt altniederfränk. stuppon (
vgl. noch elsäss. stuppen Martin-Lienhart 2, 608
a),
obs. stuppen Müller-Fraureuth
a. o. bb)
als bemerkenswerth daneben eine umgelautete form stöpfen,
eine bildung mit -j-
suffix (
entsprechend ags. forstoppian),
so bei Luther
und Dannhawer,
dazu im reim auf schöpfen
bei Burkh. Waldis (
s. die belege unten).
vgl. noch: ich ... ward anstat desz kürisses mit einem gestöpfften seidenen pantzer angethan
Simplic. 451
neudr. cc)
unser wort ist entlehnt aus mlat. stuppare '
mit werg verstopfen'
zu lat. stuppa, stupa '
werg, hede' (
als ital. stoppa,
span. estopa,
franz. étouppe '
werg',
dazu deutlich wiedergespiegelt in mndd. stoppe '
werg',
s. unter stopfe,
f., 1).
hierher gehört noch ital. stoppino '
docht' (
s. unten stoppine,
f.)
und franz. étouppin '
stöpsel'. —
zu unterscheiden ist ein einheimisches stopfen (
s. unten 2stopfen,
verb.),
welches aber (
besonders in der bedeutungsentwicklung der gruppe III)
unser wort mannigfach beeinfluszt hat. —
über die sphäre, in welcher die entlehnung stattfand, läszt sich nichts bestimmtes aussagen: vermuthungsweise nur mag an die küferei gedacht werden (
im zusammenhang mit dem frühen weinbau an Mosel und Rhein).
bedeutung. II)
in dem sinne von verstopfen (
th. 12, 1
sp. 1765): stopffen
stipare Diefenbach
gloss. 553
a (
anf. 16.
jh.). I@11)
etwas undurchlässig, dicht machen. I@1@aa) ein loch stopfen
u. ä.: in solche beinlein wird in der mitten ein loch gemacht, mit gelbem wachs gestopft Aitinger
jagd- und weidbüchlein (1681) 55;
in sprichwörtlicher redensart: wer alle löcher wil stopfen, der stopft so bald die zu, so nutzen
als die schaden Lehmann
florilegium 1, 81; bläst aus
dem loch der wind! das wollen wir stopfen, Alexis
Roland von Berlin 2, 43. — mit moos waren die rizen gestopft A. v. Haller
Alfred (1773) 234; wie der weisze schleim, womit der wurm in der perlmuschel die öffnungen seiner schale stopfet, nach und nach zur perle reift Jean Paul 5, 10 (
grönländ. prozesse 1); fest stemmten die burgleute holzschilde und leiter, den risz (
in der mauer) zu stopfen Freytag 8, 196.
beim schiff ein (einen) leck stopfen (
bildlich): sind sie auch auf ihren schiffen sogar nach jenen südlichen ländern gekommen, wo die sonne blühender und der mond romantischer leuchtet, so können doch alle blumen dort nicht den leck ihres herzens stopfen Heine 3, 91
Elster; —
von sprichwörtlichem inhalt: und wenn man hier stopft eine lücke, macht dort sich eine andre Rückert
werke 2, 475;
als allgemeiner bildlicher ausdruck für einen schaden bessern: wo aber ein ordnung were, das sie (
die knechte) musten ym gehorsam gehn, und sie niemandt aufnehm an andern orten, het man dissem ubel ein grosz loch gestopft Luther 6, 262
Weim.; sie hetten gehoffet, ein ander loch damit zu stopfen Schütz
beschreibung der lande Preuszen 5, C 4
b; er mag selbst zusehen, wie er das loch stopfen will! Wieland
Lucian 1, 71; ein loch stopfen
von einem schuldner, der bis an den hals drin sitzt, aber eine schuld bezahlt (
freilich indem er neue schulden machen musz) Campe; aber ein familienstatut, ein majorat existirt nicht. was thun, um diese löcher all zu stopfen? Gutzkow
ritter vom geiste 3, 112; in Deutschland leimen wir hier, leimen wir
da, flicken diese spalte, stopfen jenen risz
werke 10, 226 (
vgl. Laube 15, 286)
s. die weitere entwicklung des bildes unter 6 a; (
neben verstopfen
und von geringerem erfolge): ehre darf nicht groszen ries, so bekümt sie so ein loch, das man, wann man immer stopft, nimmer kan verstopfen doch Logau
sinnged. 388 (1866). umsonst rief er (
Heinrich IV.) seine frühen feinde, jesuiten und jacobiner zurück, um den groszen risz des hasses zu stopfen Laube 5, 80; (
du) machst zur närrin deine tochter, und die löcher deiner seele willst
du mit der ihren stopfen! Brentano 3, 336; mit seinen nachtmützen und schlafrockfetzen stopft er (
der deutsche professor) die lücken des weltenbaus Heine 1, 121
Elster. I@1@bb)
als eine begriffliche erweiterung ein rinnendes fasz oder
schiff stopfen
stoppare, ristoppare una botte che cola (
trapela),
calfattare una nave che fà acqua Kramer
dict. 2 (1702), 983
c;
vgl. der die schiff stopft, der das werck zubereyt, damit man das schiff stopft
stipator Alberus (1540) Z 3
a;
schon 6 D cupario die fasz zuo stopfen
quelle von 1418
bei Schmidt
elsäss. wb. 341
b; aus ewren Danaischen fasz, welchs euch heut gar ausrinnen wil, wie sehr man auch stopf oder füll Fischart
S. Dominici leben 124;
hierher (?) eine (
hölzerne?) brunnenröhre stopfen
turare una doccia Kramer
dict. 2 (1702), 984
a. —
ähnlich auch ein Dach stopfen: durchs dach der regen het nein tropft, war hie und da mit stro gestopft Waldis
Esopus 1, 400;
entsprechend ndd. twen leydeckere de kerke to stoppen, gegewen 7 sch. Fahne
Dortmund 4, 300;
hierher auch zum irsten 7
m. 3 den. dem muwerer vor 49 000 minus 100 dachsteyns zu stoppen, 3½ scot vor 1000
Marienburger treszlerbuch 503,
als ein technischer ausdruck niederdeutscher handwerker; lymen o. pflasteren o. mit erden stoppen
linere Diefenbach
gloss. 331
a.
im folgenden unter dem einflusz des niederdeutschen handels, welcher der eigentliche salzabnehmer Halles seit hansischen zeiten war: (
die wagen) zu laden und zu stoppen (
mit stroh und decken bedecken und verstopfen) Hondorff
saltzwerk zu Halle (1670) 88 (
vgl. unten stopfer 1 b, stopferknecht, stopfermeister, stopfrute). — eine wand stopfen
ihre lücken und risse ausfüllen: (
bildlich:) von liebesbriefen sind die stolzen wänd erbaut, die man von fern sehr fest, doch nah sehr löchricht schaut; und die man, wenn die zeit den schlechten grund verrücket, mit memoiren stopft, und mit romanen flicket Zachariä
poet. schr. 1, 263. I@1@cc)
im gebiete weiblicher handarbeit ein loch in einem zeuge, gewirke oder gestricke stopfen
das loch mit kreuzweis über und durch einander gelegten fäden ausfüllen; ein loch oder risz in kleidern stopfen
turare, ricucire una rottura ne' vestiti Kramer
dict. 2 (1702), 983
c; ein grober hanfener faden, womit sie, denk ich, die löcher in ihrem hemde hatte stopfen wollen Wieland 12, 25. —
in der begriffserweiterung (
entsprechend oben 1 b)
die strümpfe stopfen (
vgl. schwed. stoppa strumpor): das mädchen stopft sich selbst die strümpfe (
jahrb. der Grillparzerges. 5, 227); einen fortschritt gemacht nach langer pause. zum ersten mal selbst strümpfe gestopft Hebbel
tagebücher 2, 211; (
als liebeszauber:) sie stopfte ihm seine strümpfe mit wolle, die sie aus ihren eigenen strümpfen gerewwelt hatte Löns
dahinten in der haide 83; (
in weiblicher klage:) wir sind ihnen (
den männern) gut zur unterhaltung und ihre strümpfe zu stopfen Freytag 6, 342; und wenn man dann alt ist, ist man blosz noch
dazu da, sich schimpfen und schelten zu lassen und strümpfe zu stopfen und einen knopf anzunähen Fontane I 6, 30. — spitzen stopfen
riempire dentelli ò merli di Fiandra Kramer
dict. 2, 984
a; kanten stopfen Krünitz 174, 495. zeug, kleider stopfen
ebenda; weiszzeug stopfen
ebenda; säcke stopfen. —
als weibliches werthurtheil hüpsch stopfen können
saper l'arte di ricucire aggratiatamente Kramer
dict. 2, 983
c. —
bei den tuchmachern stopfen
die webfehler in den tuchen, nachdem sie genoppt sind, ausbessern. I@22)
etwas verstopfen (
s. th. 12, 1
sp. 1766)
und so eine flieszende bewegung u. dgl. hindern. I@2@aa)
eine wunde stopfen,
so dasz sie nicht mehr flieszt: (
Mignon) habe seine eigenen haare, die um den kopf geflogen, genommen, um die wunde zu stopfen, habe aber bald von dem vergeblichen unternehmen abstehen müssen Göthe 22, 40
Weim.; (
bildlich:) Usong machte ... die wunden ausfündig, wodurch Persien seinen lebenssaft verlohr, und wurde gewarnt, sie zu stopfen A. v. Haller
Usong (1771) 116; sehen wir lieber auf unser maul, da haben wir wunde genug, auf welche uns mutter natur gewissermaszen mit der nase gestoszen, dasz wir sie stopfen sollen Brentano 5, 334; der garten ist ja noch so reich, ein edles blümchen darzustellen, zu stopfen ihres (
der wunde) schweiszes qwellen Schwieger
geharn. Venus 48
neudr. der vorgang verändert: darnach soll man ... den (
gebrochenen) schenckel in ein lindine lad legen, und darinn rhuen lassen, aber umb die wunden alle tag zwey oder drey mal mit reinen leinin tüchlin stopfen, dasz der eyter nicht under das beinbruchpflaster komme Gäbelkover
artzneibuch (2) 295. I@2@bb)
das blut stopfen,
es stillen: (
bildlich:) das nicht müglich ist, ein rein hertz zu uberkomen durch unser eigen ausfegen, blut und fleisch quillt an unterlas, yhe mehr man stöpfen und weren wil Luther 17, 1, 111
Weim.; sonsten aber stillet oder stopfet das taubenblut auch das nasenbluten
viehbüchlein (1667) 115; und alsofort gosz ich in den verletzten ort des söllmanns, um sein blut zu stopfen, schnell heilende, balsamsche tropfen Löwen
schr. 3, 116; mit einem: (
der jude,) als ein rechter christenfeind, über den schenckel herwischte, den fusz darvon unverzüglich ablösete, das blut mit einer aufgelegten salben stopfte, den guten Faustum aber halb tod, seiner meinung nach, hinter sich verliesze Widmann
Fausts leben 263. I@2@cc) eine quelle stopfen,
dasz sie nicht mehr läuft (
zugleich ein beliebtes bild): und wollt die bornquell nicht stopfen, da ist mühe und erbeyt verloren Luther 15, 304
Weim.; man müss die quell des grewels stopfen, sonst werden die flüss und beche nit ausztrucken 19, 444
Weim.; du trachtest vergebens zu stopfen die qwellen Harsdörffer
frauenzimmergesprechspiele 5, 7
b; damit ... die brunnquellenden adern der reinen hochteutschen sprache ... nicht wieder gestopfet und zugescharret werden mögen Neumark
neuspr. teutscher palmbaum (1668) 86; die ursprünge und quellen aber lassen sich vielleicht ... mit gottes hülfe gründlich stopfen Leibniz
deutsche schriften 1, 153; doch triffst du die reine quelle unverfälschter wahrheit an, die dir weder tod, noch hölle, trüben oder stopfen kann Triller
poetische betrachtungen 3, 507; (
sprichwörtlich:) wer den flüssen wehren will, der musz die brunquell stopfen Lehmann
florilegium politicum 1, 25, —
allgemeiner: dem rechtlosen wurde das wasser gestopft, das feuer gelöscht (
aqua et igni interdictio) Jac. Grimm
rechtsaltert. 1, 268.
sonst: nun wollet ihr aber meine bach stopfen, und inzwischen die quelle frey loszbrechen lassen Buchholtz
Herkuliskus 493; noch vielmehr aber ward Marbod verlachet, dasz er grosze kasten ... ins meer sänken liesz, in meinung damit den hafen zu stopfen Lohenstein
Arminius 2, 847
b; die mündung der Darsena wird gestopft. alle hoffnung zur flucht verriegelt Schiller 3, 97 (
Fiesco 3, 5); hier wirst du einst siegen, und den benachbarten strom mit blutenden legionen stopfen Wieland I 1, 140; o ihr thoren, haltet die wolken, die der ost dort in ganzen gebürgen daherführt! stopft ihre schlünde, dasz sie sich nicht auf euer dürres heu herabgieszen!
der arme mann im Tockenburg 2, 151; (
Falstaff:) o gott, herrn! bringt mein bang gemahl hinaus, denn thränen stopfen ihrer augen schleusen
Shakespeare 6, 83 (
Heinrich IV. 1, 2, 4);
so auch (
wie von einem dammbruch): hundert ritter (
senden), selbigen einbruch zu stopfen Lohenstein
Arminius 2, 1098
a. I@2@dd)
eine strasze stopfen, so dasz der verkehr darin gehindert wird: da dort der schmauchenden verzehrten häuser graus die wüsten straszen stopft Pietsch
geb. schr. (1740) 15; da man übrigens die armee des general Melas auf hundert tausend mann rechnete, so war er allerdings hinlänglich stark, die Franzosen im genuesischen zu erdrücken, und zugleich auch den übergang der Alpen zu stopfen A. H. v. Bülow
der feldzug von 1800 (1801) 43; sie (
die straszen) waren sämmtlich mit geputzten fuszgängern und nur langsam vorwärts rückenden wagen gestopft Gaudy 5, 67; wagen und karren wurden umgeworfen und stopften die wege Freytag 12, 16. I@33)
in anlehnung an den gebrauch unter 2,
von der wir kung einer speise, eines medicaments u. s. w. I@3@aa)
mit beziehung auf die weibliche monatserscheinung und als erfolg eines medizinischen mittels: es (
das pulver vom blutstein mit wegerichsaft) stoppet den weyszen und rotten flusz der frawen Tollat v. Vachenberg
margarita medic. (1516) 16
b; (
ein mittel,) die ungebräuchlich überflüssig reynigung der weiber zu stopfen Ryff
confectbuch (1548) 15
b; die weissen blumen und den blutgang der weiber zu stopfen Sebiz
feldbau (1579) 442.
neben stillen: dieses wassers zwey oder dreymal ... getruncken stopfet frauwenzeit, stillet die rote ruhr und andere stulgäng Lonicerus
kreuterbuch 28
b;
s. das folgende. I@3@bb)
den stuhlgang stopfen u. ä.: der bintzensamen gebraten, ... stopft den stuolgang Heyden
Plinius (1565) 159; (
guitten) stopfen allerley bauchrur Sebiz
feldbau (1579) 349; dasz die brühe von diesem kraut (
elatine) getruncken, die rothe ruhr stopfe Hohberg
georgica 3, 414
a; wann er (
der käufer) erweisen will, dasz der gaul den geklagten hauptmangel tempore contractus schon an sich gehabt, und demselben z. e. der rotz gestopft worden
landgräfl. hess. verordn. v. 17.
märz 1767 (
ordnung zu verbesserung des justizwesens, Cassel 1767
s. 25). I@3@cc)
in der begrifflichen erweiterung: (
endivien) stopfen den bauch Bock
kreutterbuch 98; derhalben dise milch den stuolgang dester mer macht, ... da sunst die käsig milch den leyb hart stopft Gesner
thierbuch 43
b; spatzenfleisch stopfet den bauch, denn es ist hitziger truckener natur Heyden
Plinius (1565) 464; gerstenmeel wol in butter geröschet und mit gestählter milch zu einem breilein gesotten, stopfet den flussigen bauch Tabernämontan 622; (
muskatnusz) stopft den fleiszigen bauch Hohberg
georgica 1, 207. I@3@dd)
ohne object. etwas stopft, hat stopfende wirkung: ist aber der mensch kranck, so magst du im wol geben von eim gestossenen huon, von einer keszbrü, und ein müszlin von mandelmilch. das mach also, dasz es nit stopf Gersdorff
wundarzney (1517) 20
a; die frucht des cornelbaums ist gut zu allerley bauchflüssen, dann sie sehr, gleich wie nespeln und schlehen, stopfet Lonicerus (1577) 28
b; desgleichen sie auch ganz fein informirt, was kalt sei, was hitzig, was trucken, was feucht, was purgir, was laxir, was öffne, was stopf Fischart
podagr. trostbüchlein 93
Hauffen; so aber einer zu viel flüssig oder durchläufig were, sol man den wermuth allein oder aber mit andern stücken, die da stopfen, vermischt brauchen Tabernämontan (1588) 3; die limonien, die granatäpfel stopfen und machen hartleibich
stipant, adstringunt Comenius (1644) 30; diese speisen, diese früchte stopfen Kramer
dict. 2 (1702), 984
a; welche speise bläh und stopfe, wuszt er auf ein härchen auch Boie 347
Weinhold. I@44)
einem den mund stopfen, eines hunger stillen und so seinen klagen ein ende machen: madame! wenn in ihrer speiszkammer etwas übrig wäre, so könnte es dem lumpenvolck (
den soldaten) das maul zu stopfen dienen Stranitzky
ollapatrida 279
Wien. neudr.; das beste und einzige mittel, ... dem hungrigen den mund zu stopfen Archenholz
England und Italien 1, 2, 299; laszt sie ... nicht zur seite blicken mit leerem munde, während ihr den eurigen stopft Gutzkow
werke 5, 90; der iederman wol dienen kan und iedem stopfen wolt den mundt: der wiszt me, den gott selber kundt Murner
schelmenzunft 73
neudr vgl. im sprichwort: he behovet vel brodes, de malk wil den munt stoppen Tunnicius 324; man muste viel mehels haben alle mewler zw stopfen (
als erläuterung zu : si semel vel bis responderis publice, sufficit, non est omnibus respondendum) Luther 29, 110
Weim.: der musz viel brey haben, der alle mäuler stopfen (
oder zustopfen) will
deve haver del bollito ò della polenta assai, chi vuol turare la bocca ad ogni uno Kramer
dict. 2 (1702), 984
c;
hier gewisz schon, wie im folgenden, in der sphäre des kindes: das sudelweib, das ein (
kind) strelt, wischt und wescht, dem andern schreiling mit musz wie den rappen das maul stopft und mest
Gargantua (3) 66; ich kann nit yeder muotter kindt ziehen wol, und yeden windt blasen, stopfen allen mundt Murner
narrenbeschwörung 2, 123
neudr. in der sphäre des mythus, des wunders: (
der gebrauch der alten,) dasz man bey der leiche anderer viele leichen machte, um dem gott des todes den mund zu stopfen Hippel
lebensläufe 3, 1, 62; der glaube stopft der grimmen löwen rachen Lohenstein
geistl. gedancken (1680) 111.
doch auch im gebiet des gewaltsamen: ihm mit einem tuch, mit der faust u. s. w. den mund verschlieszen, so dasz er keinen laut mehr von sich geben kann: die juden stopften ihm (
dem kinde) den mund, dasz es nicht schreien konnte brüder Grimm
deutsche sagen 1, 234;
und so als drastische symbolische handlung: (
die leute) fanden ihn noch, da er den (
toten) Nicolo zwischen den knieen hielt, und ihm das dekret in den mund stopfte H. v. Kleist 3, 375.
diese letztere vorstellung wird auch im folgenden zumeist zu grunde liegen, s. auch unter mund (
th. 6
sp. 2678
unter 9 i)
und maul (
sp. 1792
unter 7 l). I@4@aa)
bildlich einem den mund (
und gröblicher gemalt das maul) stopfen,
ihn durch wort und that zum schweigen bringen (
vgl. als hier sich vordrängende begriffliche steigerung verstopfen
th. 12, 1
sp. 1767
unter A 2),
so besonders in der kampfsprache der reformationszeit: denn dem teufel ist nicht müglich das maul zu stopfen, er ist gleich wie der wind, der findet gar enge löcher (wie man sagt) Luther 26, 287
Weim.; denn wer kan eym narren das maul stopfen, weyl das hertz voll narheyt stickt und der mund ubergehen mus, wes das hertze vol ist 18, 385
Weim.; si hic auderent, szo stupten sie myr das maul (
obturarent mihi os) 34, 2, 160
Weim.; Moses hat das maul gestopfet allen philosophis 4, 7
a;
vgl.da aber die Phariseer höreten, das er den Saduceern das maul gestopft hatte (
Vulg. quod silentium imposuisset Sadducœis), versamleten sie sich
Matth. 22, 34; denn es sind viel frechen, und unnütze schwetzer und verfürer, sonderlich die aus der beschneitung, welchen man mus das maul stopfen
Titus 1, 11; den ketzern das maul stopfen Mathesius
Sarepta 198
b: de wyle nu godts wordt ewich blifft, welln wy ydt bewysen mit der schrifft, dat den gestoppet werde de mundt, de godts wordt lestern tho aller stundt Waldis
der verlorene sohn 11
neudr. und sonst: dem widersacher nach Pauli lehr und befelch das maul stopfen Feyerabend
bei Kirchhof
wendunmuth vorr. (Arnold
kirchen- und ketzerhistorie 40
a); dem logener kan nummant den munt stoppen Tunnicius 61; dem pfaffen ... das maul stopfen Schupp
freund in der not 30
neudr.; meinen feinden und lästerern das maul stopfen Thomasius
ernsth. gedancken 2, 35; den unverschämten freygeistern das maul stopfen
neuestes aus der anmuthigen gelehrsamkeit 4, 346 (
vgl. 7, 367); den kunstrichtern (2, 224), solchen schurken das maul stopfen
theater der Deutschen 13, 524; so würde denjenigen der mund gestopft werden, die beständig etwas an dem römischen hof zu tadeln finden Schmidt
gesch. der Deutschen 4, 181; ist nur gut, dasz ich das protokoll auf stempelpapier habe, um der argen bösen welt das maul zu stopfen Hippel
lebensläufe 3, 2, 291; stopfe ihnen den mund, wenn sie den redlichen lästern! Knigge
umgang 3, 74; doch aber wollt ihr grob an meine thüre klopfen, so will ich euch das maul, wie bald Verandern, stopfen Henric
ernst. und scherzh. gedichte 1, 515;
als aufforderung: (
Venus:) ich bitt euch, halts mich zurück, oder stopft der verläumderin den mund! (
Minerva:) sie haben mich aufgefordert, und so thu ichs halt ein mahl kund Meisl
theatral. quodlibet 3, 7. stopf ihm das maul! Göthe 17, 293 (
bürgergeneral 10)
Weim.; stopfen sie ihm nur das maul! Gottl. Stephanie
d. j.
lustsp. 325. I@4@a@aα)
im besonderen eine frage stopft einem den mund (
discourse von den mahlern 2, 96)
u. ä. schwätzern stopft der wein den mund Hippel
lebensläufe 1, 497; die erklärung stopfte mir auf einmal den mund Thümmel
reise 8, 59; diese zuvorkommende güte stopft mir den mund Lenz 1, 232; jedoch kein wort nit darzu sprach; dann ir das leidt stopfet den mundt Wickram 7, 291; o auserkornes buch, der Welschen mund zu stopfen, so uns bishero sich beflissen aufzuropfen mit falschem grund und fug, den unglimpf, spott und schand, als ob wir unser witz nur hätten in der hand Jacob Creutz
bei Zinkgref
apophthegm. vorr. sie kommen vor das volck getreten und machen dich in Salem kund, man dreuet ihnen strick und ketten, nichts aber stopfet ihren mund S. Dach 379
Österley. I@4@a@bβ)
entsprechend auch: und aller bosheit wird das maul gestopft werden
psalm 107, 42; im kriege würde ... denen rechten der natur der mund gestopft Lohenstein
Arminius 2, 416
a; wenn man so vielen vorwürfen, als sie mir machen, ... das maul stopfen will Klopstock
an Ebert (
briefe 217
Lappenberg); alles dies stopfte jedem zweifel den mund Wieland 7, 207; dieses ... würde ihrer frechheit bald das maul stopfen Petrasch
lustsp. 2, 484; diese urkunde und das rühmliche abschiedszeugnisz der priorin ... waren hinreichend, der tausendzüngigen verläumdung den mund zu stopfen Pfeffel
prosaische versuche 7, 156; von der stund an war dem schicksal 's maul g'stopft Nestroy 12, 37. I@4@a@gγ)
die allmähliche erstarrung des bildes erklärt die seltenheit des plurals: darumb du heiliger gott, ... beware fort an dein haus, welches wir newlich gereinigt haben, das es nicht wider verunreinigt werde, und stopfe die bösen meuler 2.
Makk. 14, 36 (
vgl. Dannhawer
unter ε); den pfaffen die mäuler stopfen Elisabeth Charlotte 5, 292; jenen ziemlich ungeschliffenen gesellen die mäuler zu stopfen Neumark
neuspr. teutscher palmbaum 37; ach, warum willst du nicht den heyden mäuler stopfen? Hoffmannswaldau
auserles. ged. 6, 296. I@4@a@dδ)
mit adverb. bestimmung: bald (Luther 6, 458
a; Petrasch
lustsp. 2, 484), geradezu (Lichtenberg
nachl. 42), ein- für allemal (einmal für allemal Liscow
sat. und ernsth. schr. 23
vorr.) das maul stopfen; damit wir unserm raschen critico den mund auf einmahl stopfen, wollen wir ihm nur zu betrachten geben ... Bodmer
von dem wunderbaren 190 (Thümmel
reise 8, 59). — womit er denen miszgünstigen, grundbösen leuten ... das maul thätlich zu stopfen verhoffete Chemnitz
schwed. krieg 1, 164; (
er) stopfet den lästern der wissenschaften so völlig, als lebhaft den mund
neuestes aus der anmuthigen gelehrsamkeit 8, 225. I@4@a@eε)
das object noch weiter bestimmt durch ein adject.: alle böse mäuler stopfen Dannhawer
catechismusmilch 3, 92 (
vgl. Luther
oben unter γ); dasz ich Lehnen dafür beim kopf kriegte und ihr auf ihr böses maul einen herzlichen kusz gab, um es zu stopfen Bettine
briefe 2, 10. — das freche maul stopfen (
vgl. Gottsched
deutsche schaubühne 4, 224); das unnütze, boshafte, ungewaschene maul stopfen; mit warheit kunde ich das gebrechen und gesagen den rechten grunt, an zwifel gestoppen den valschen munt, usz dem das springet die bose vorgift Liliencron
volkslieder 1, 324 (Jacob Stoszelin
auf die Mainzer unruhen 1428—30); ich will hiemit dem losen tropfn das ungehalten maul wol stopfn Hollonius
somnium vitae humanae 561; ach! stopfe ihren schnöden mund P. Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 426;
und der ausgangssphäre am nächsten: du schweigst! und um dein gierig maul zu stopfen, geb ich dir noch die zwanzig obenein, die du gefordert, doch kein wort nun mehr! Tieck 3, 146.
durch die composition: (
einen) vertheidiger der unschuld bestellen, der diese lästermäuler gewisz auf ewig stopfen soll Lichtenberg
verm. schr. 3, 588 (Knigge
umgang 1, 213; Kotzebue
dram. w. 18, 239; Stelzhamer
dicht. 4, 176); (
trompeter zur rede des kapuziners:) stopft ihm keiner sein lästermaul? Schiller 12, 38 (
Wallensteins lager 8). einem das freche lügenmaul stopfen
vgl. Görres
briefe 3, 488. I@4@a@zζ)
in der beziehung zu schweigen,
verb.: dennoch werden sie nicht konnen weichen noch schweigen, denn wer kan dem teufel das maul stopfen? Luther 26, 400
Weim.; schweig, wortverdreher, eh ich dir den mund stopfe! Meissner
skizzen 2, 184. I@4@a@hη)
neben entsprechenden begriffen (
im parallelismus oder in gegensätzlichkeit): so ist doch das grosze geschrei mit dieser einigen antwort bald gestillet, und ist jnen das maul bald gestopfet Justus Jonas
in der Augsb. confession bei Luther 6, 458
a; also kanstu yhenen das maul stopfen und schlissen 15, 493
Weim.; denn ob sie gleich yhr sache aller dinge gewunnen hetten und uns das maul gestopft, so hetten sie doch nicht mehr ausgericht und yhre sache nicht weiter bracht 26, 266
Weim.; wenn ich ... mich hette solcher wort lassen hören gegen meyne papisten, wie sollten sie gewunnen schreyen und myr das maul stopfen
drei flugschriften aus dem kampf der schwärmer gegen Luther 7; da ist dann von nöten, das die pastoren und prediger der sachen helfen, den irthumb aufdecken, den widersprecheren das maul stopfen erzbischhof Hermann von Köln
reformation (1545) 6
b; darüber wurden die andern mönch also bösz, dasz sie ... bei der herrschaft zu Venedig zuwegen brachten, dasz sie den kreutzbrüdern das maul stopften, das handwerck niderlegten, und solches hinfort zu predigen verbotten Fischart
bienenkorb (1588) 199
b; warlich alle gefangene werden dir das maul stopfen können, oder lügen strafen Prätorius
winterflucht (1678) 111; der wahren vernunft amt ist, die wortspalterin dialektik zu zähmen, einer schwätzerin den mund zu stopfen Herder 21, 209; man musz ihnen kurz und nachdrücklich den text lesen, man musz ihnen das maul stopfen, man musz sich bey ihnen in der ehrfurcht zu erhalten wissen, die sie uns schuldig sind Nicolai
Sebaldus Nothanker 2, 79; wer kann oder mag aber den leuten das maul stopfen, die hand binden oder die presse rauben? Jacob Grimm
an Dahlmann (
briefw. 1, 403); wir schrecken manche brust, und stopfen manchen mund Hoffmannswaldau
auserles. ged. 1, 211 (
vgl. Schmelzl
verlorner sohn 9
b). I@4@a@thθ)
sich den mund stopfen lassen, durch bitten, bestechung (
oder gewalt)
sich zum schweigen bringen lassen: ich wil predigen die gerechtigkeit in der groszen gemeine, sihe, ich wil mir meinen mund nicht stopfen lassen (
Vulg. ecce labia mea non prohibebo)
ps. 40, 10; der teufel lesset sich das maul nicht stopfen Luther 20, 687
Weim.; das mögen diejenigen prediger wol mercken, welche die gelbe und weisze beichtpfennige sich die augen blenden und das maul stopfen lassen und deszwegen der groszen Hansen fein zu schonen wissen
der gewissenhafte priester (1694) 111. I@4@bb)
mit der angabe des mittels: I@4@b@aα)
durch (
im eigentlichen sinne): so stopfte er ihm den mund durch ein stück brot Schubart
briefe 2, 126. — (
bildlich, entsprechend a): dasz durch disz einig wort man jm das maul stopfte Fischart
discours (1589) G 3
a; noch weniger (
will er) dem urtheil des kenners gebieten, und durch ein postulat 'so soll es seyn!' ihm den mund stopfen Herder 22, 105; ich wünsche der sache eclat, um den schreiern durch ein gründliches événement das maul zu stopfen Pückler
briefw. 3, 237; und will auch meinen mund dermassen durch kein gefahr nie stopfen lassen Hans Sachs 18, 172
Keller-Götze. I@4@b@bβ)
mit (
eigentlich): meine felder tragen so viel korn, dasz ich mit dem daraus gebackenen brote alle bösen mäuler in Teschulumbo stopfen kann Gutzkow
werke 6, 318 (Raupach
dram. w. ernster gattung 11, 194); es war gut, dasz die glocke zum abendessen rief, da wurden die losen mäuler mit klöszen gestopft Rosegger
schr. 12, 61; so muszt ich dem bellenden hund ja stopfen mit seim prei den mund, und jne zalen mit der münz, mit der er andern zalt die zins Fischart
glückh. schiff 58
neudr.; stopfe den schendlichen lesterrachen mit einem kuchen, von mancherley kreutern ... zugericht Agricola
musica instrumentalis 282; ein churfürst sagt, ich heisz Daniel, sitze in der löwengruben, wann ich den löwen das maul stopfe mit jhrer gebühr, brüllt keiner gegen mich Lehmann
florilegium politic. 1, 85. —
entsprechend a: sihe, mit diszem spruch gottis stopfet man das maul allen, die uber die ehe klagen und schelten Luther 10, 2, 294
Weim.; da er aber solches zu jnen saget, fiengen an die schriftgelerten und phariseer hart auf jn zu dringen, und jm mit mancherley fragen den mund zu stopfen (
Vulg. os eius opprimere de multis)
Luc. 11, 53; solten die abgöttischen heyden dieser jungfrauschaft Maria in zweifel ziehen, so stopfen wir ihnen das maul mit ihren hirnsüchtigen fabeln Treuer
Dädalus 1, 289; einer unzeitigen kunstkritik möchte ich mit den worten, welche Shakespear dem Theseus in den mund legt, das maul stopfen Stolberg 6, 136; wenn ich (
der meister Grünebaum) im rothen bock (
einem wirthshaus) den mund aufthue, so klappt das weiteste maul zu, ohne dasz ich es mit latein stopfe Raabe
hungerpastor 1, 104; o, Eulenspiegel, hettst disz gethon nur zu Parisz in der Sorbon, sie hetten dir gemacht sehr bang, nit geben audientz so lang, sonder mit zischen und mit klopfen hetten sie dirs maul können stopfen Fischart
Eulenspiegel 150
Hauffen. auch: drum stopf ich ihme gern mit höflichkeit das maul Lindenborn
Diogenes 2, 322; mit spot solt du mein mund nit stopfen Hans Sachs 4, 10
Keller. zur bestechung: diesem menschen ist das maul mit etlichen ducaten gestopfet Micraelius
altes Pommerland 3, 394; ich will mich mit meinem geheimnisse so furchtbar machen, dasz ich das maul ... offen halten will, wenn mir es
M. nicht mit gelde stopft
theater der Deutschen 8, 178; ist ihnen mit geld der mund zu stopfen, mein letztes geb ich her Göthe 13, 2, 39
Weim.; dem siegreichen feinde stopfe ich mit einer provinz den mund Häusser
deutsche geschichte 2, 105;
vgl.deshalb halten es jene vornehmen diebe, die England plündern, nicht einmal für nötig, dem knurrenden Cobbett einen brocken zuzuwerfen und ihm damit das maul zu stopfen Heine 3, 471
Elster. —
mit gewalt: Delphina ... einen stock ergreift, ihr mit schlägen das maul zu stopfen Harsdörffer
frauenzimmergesprechspiele 8, 238; wenn Thraso ungescheut von seinen thaten redt, ... wie er mit schlägen dem das maul gestopft, und diesen gezwungen, vor der faust das leben zu erbitten Chr. Warnecke
poet. versuch (1704) 77; dem armen mann ... das maul mit fewer und schwerdt stopfen Moscherosch
insomnis cura parentum 38
neudr.; wie oft waren solche Luthers früher aufgestanden und — untergegangen: der mund ihnen mit rauch und flammen gestopft Herder 5, 532; auf das jm (
dem verleumder) mit des richters schwerd sein unnütz maul gestopfet werd Ringwald
lauter warheit 135. I@4@b@gγ)
besonders herauszuheben ist noch die wendung einem das maul mit erde stopfen (
der arme mann im Tockenburg 1, 99),
ihn für immer schweigen machen, ihn unter die erde bringen, zum sterben: der sich verheuraten soll, wird des weibergeschwätzes noch gar genug und zu viel hören müssen, bis ihr oder ihm der tod das maul mit erden stopfet Harsdörffer
teutscher secretarius 2, 557; freilich ja, wenn ich selbige (
ärztliche hilfe) versucht hätte, so wäre mir jetzt das maul mit erde gestopfet Lindenborn
Diogenes 1, 14; krancken führen über ärtzte leichtlich nicht beschwerden; jenen können diese stopfen fein das maul mit erden Logau 435 (182); wem er was zu leide thut, dem stopft er (
der arzt) auch das maul mit erde Stoppe
Parnasz (1735) 265; also fragen wir beständig, bis man uns mit einer handvoll erde endlich stopft die mäuler Heine 2, 92
Elster. I@4@cc)
seltener einem die kehle stopfen: meint ihr, dasz ihnen das die kehlen stopfen wird? Alexis
Roland von Berlin 1, 114; der grosze Nimrod gibt befehl: Actäon, das ist der von Oppen, soll Niclas Peuckern seine kehl mit einem wilden schweine stoppen Friedrich Wilhelm,
der grosze kurfürst, in einem gereimten decret an den kämmerer Peucker zu Potsdam (
vgl. tägl. rundschau, unterhaltungsbeilage 25. juli 1914).
den rachen: hund, jetzt, verfluchter, schweig, soll hier die faust den rachen dir nicht stopfen! H. v. Kleist 1, 367 (
zerbr. krug 7)
Schmidt. den kropf: dem solcher zott (
das ins gesicht husten) nicht wol gefellt, und sich darüber zornig stellt, dem stopf das maul und seinen kropf Scheidt
Grobianus 329.
die stimme (
und neben verhindern): do Demetrius dise wort redet, begundten jm die threne den athem und die stymm stopfen und verhindern Carbach
Livius 428. I@55)
ein sinnesorgan stopfen,
es gegen wirkungen der auszenwelt verschlieszen. I@5@aa)
die (
seine)
ohren stopfen, zunächst um sie gegen zugluft, staub u. s. w. zu schützen; vgl. dy ern (
aures) czu stuppen
obturare Diefenbach
gloss. 391
a.
dann aber besonders, um nicht hören zu müssen; den bitten, vorstellungen, rathschlägen eines sich verschlieszen: konnen sie nicht mehr (
uns verfolgen), so stopfen sie die ohren und segnen sich dafur (
vor den evangelien) als fur den ergsten teufel Luther 28, 133
Weim.; aber ich bedinge, dasz man andere ohren, die vielleicht von andern zeserlein gemacht sind, hinwiederum gönne sich zu stopfen, wenn ein solcher thon in sie fällt
discourse der mahlern 2, 52; das (
empfangen von weissagungen) hat ir alle woil erfaren; doch stoppet er uwer oren und wollet em nit bi bestan
Alsfelder passionsspiel 153; (
das land,) wo baumwoll an den bäumen wächst, zu stopfen in die ohren Rückert
werke 3, 52; viel reichen stopfen ir ohren, sie geben nit ein guot wordt Ph. Wackernagel
kirchenlied 5, 688; allein der kühne Wulff liesz keine bothen vor, und stopfte freventlich sein und der bürger ohr Besser
schr. 1 (1732), 55.
auch sonst auszerhalb der eigenen activität, '
einem andern': nun welt ist welt, hett ich jr gelt, so liesz ich solches unvermeldt, dann es blendt und stopft mund und ohren Fischart
Eulenspiegel 455
Hauffen; vgl.dat en yslik synes perdes hovet vordeckede unde sine oren stoppede Korner
bei Schiller-Lübben 4, 414
b; einem
gegenüber einem: aber was hilft es, das ohr den ermüdenden klagen zu stopfen, und der täuschungen flor sich um das auge zu ziehn? Knebel
literar. nachlasz 1, 31; ich stopfte ihren bitten nicht mein ohr, schob die gesuche nicht bey seit mit zögern
Shakespeare 8, 322 (
Heinrich VI. 3, 4, 8).
gewöhnlich und sinnfälliger vor einem,
wie man thor und thür vor ihm verschlieszt: wer syn or vor dem armen stopft, den hört got nit, so er ouch klopft S. Brant
narrenschiff 20; weil sie (
Klytämnestra) denselben (
den spielmann) hett verloren der jhr vor bösem stopft die ohren, fült die mit reinem klang und gsang, das arg red kein zuogang erlang Fischart
lob der lauten 368
Hauffen; sie stopfen furchtsam ihre breiten ohren vor jedem ruf des lebens aus der tiefe Keller 9, 138 (
lebendig begraben 5).
wie die schlange vor der zaubermusik des beschwörers (
s.schlange th. 9
sp. 443
unter 2): wer kan darfür, dasz jr es hassen, und vor der warheit stopft die ohren gleich wie ein schlang, so wirdt beschworen? Fischart
nachtrab 17
Kurz; vgl. du natterzucht stopfst dein grausames ohr vor diesem flehn, als zauberischen worten Weichmann
poesie der Niedersachsen 1, 370; warum doch, Exabol, spricht man den tauben zu? die schlange stopft ihr ohr A. Gryphius
trauersp. 28
Palm; —
neben dem herzen
als einem mehr innerlichen: was geb ich an? was wend ich vor, ich, der vor ihm (
gott) stopft hertz und ohr? 500. I@5@bb)
die nase, um ekles nicht riechen zu müssen: denn Christus nicht eytel beyn, sondern auch fleysch ist, ja er hat auch blattern und geschwere und sunde, des schemet er sich nichts, ob gleich die groszen heiligen die nasen dafur stopfen Luther 17, 1, 436
Weim. I@66)
bildlich als ausdruck für den begriff '
hemmen, hindern, ein ende bereiten'
u. ä. in deutlicher anlehnung an oben 1
und besonders 2: I@6@aa)
besonders von der abstellung seelischer, körperlicher, wirthschaftlicher u. ä. nöthe: mit 1100 reichsthalern kann ich alle die unkosten stopfen, die mein unterhalt erfordert Heynatz
bei Campe;
etwa mit zugrundelegung des bildes von einer wassersnoth, welche durch einen deich immer wieder ihren weg ins angebaute land sucht (
mit deutlichem ausgangspunkt von dem gebrauch unter 1 a
und vgl. dazu westf. dàmet kann hä wîer en lok stoppen
eine alte schuld bezahlen Woeste 256
b); es were wol wert eins malder hoppen, der solich not ane schaden hete konnen alle gestoppen Liliencron
histor. volkslieder 1, 217 (
bruchstück um 1400); dem (
sohn) het sein vatter gelt gesandt, wol hundert gülden auf ein mol, damit sein schult bezalen sol, und stopfen sonst sein not damit B. Waldis
Esopus 2, 80. kummer: mit dem selven gelde stoppete he sinen kummer
deutsche städtechron. 13, 577; hett ich desselben (
wassers) einen tropfen, so wolt ich all mein kummer stopfen B. Waldis
Esopus 2, 104, verleszt also die lebend quellen, das wasser und den brun des lebens ... daraus er alzeit trost solt schöpfen, damit er möcht sein kommer stöpfen
streitgedichte gegen herzog Heinrich d. j. 27
neudr.; das von sinen (
Luthers) predigen ... sülche und derglichen ergernüssen, ungaistlichkaiten und scandala gestopft und aus der menschen hertzen ja zum tail gerissen werden H. Schurf 9.
märz 1522 (
in der Weimar. Lutherausgabe 10, 3
vorr. li); nein! sprach Amyntas, mit den tropfen habt ihr noch nicht genung gethan, und meine schmertzen gantz zu stopfen, so müssen wir noch besser dran Henrici
ernst-scherzh. und sat. gedichte 4, 284.
mit anderm ausgangspunkt: gleich als solten wir uns kegen ihm nicht verantwort haben, unsere munder und die warheit gottis stoppen lassen
der rath von Orla münde
an herzog Johann von Sachsen (12.
sept. 1524). I@6@bb)
auch sonst; so die vernunft stopfen,
gegen gute rathschläge unzugänglich machen (
und so die eigne überlegung hindern, vgl. dazu besonders das ohr stopfen
oben 5 a): aber hie regirt der teufel selbs und stopfet die vernunft Luther 34, 2, 395
Weim.; denn, wenn ihm hitz und angst vernunft und sinne stopfen, prest jene kalten schweisz, und diese thränen tropfen Hoffmannswaldau
auserl. ged. 1, 271; man (
die obrigkeit) muste ja den pracht eynzihen und das ausgeben stopfen, das eyn arm man auch was behalten kunde Luther 18, 299
Weim.; so gewis die warheit Christi in mir ist, so sol mir dieser rhum in den lendern Achaia nicht gestopft werden (
Vulg.: quoniam haec gloriatio non infringetur)
2. Korinth. 11, 10; unsre gesellschaftliche artigkeit (
mag) die volle äuszerung der leidenschaften so sehr gestopft haben, als man will: so wird noch immer der heftigste augenblick der empfindung ... durch unmittelbare accente der fühlbarkeit reden Herder 5, 150; um die erinnerungen zu stopfen und sich gleichsam über die versorgung seiner kinder zu freuen, trinkt er wol heute einen schoppen mehr Gutzkow
zauberer von Rom 1, 11. I@6@cc)
neben entsprechendem begriff: den verdrach stoppen edder hindern Renner
brem. chron. 2, 184; (
der teufel) leget sich ... wider das liebe euangelium, wil es aufhalten und stopfen Luther 16, 9
Weim.; lasz dir deinen glauben, bekenntnisz und christlich leben nicht nehmen noch stopfen 12, 1634
Walch; vgl. noch und off dair enboeven iemantz durch bevell eyns raitz verwanten syn recht gestopt, gestolt oder van synen angefangen rechten gedrongen ... dat derselbe ... sulcher syner gaffell gesellschafft ... kundt doin mach
Kölner stadtr. (15.
jh.)
bei Diefenbach-Wülcker 866. — (
neben stillen
verb.:) nur damit er seine lust und begierde stopfen und stillen muoge
Reinicke Fuchs (1650) 126. I@77)
als fester technischer begriff (
eine verwendung, die besonders an niederdeutsches und so auch in entsprechender form von der schriftsprache aufgenommenes stoppen
anknüpft, s. daselbst unten). I@7@aa)
als jägerischer ausdruck die hunde
oder die meute stopfen
besonders bei der parforcejagd, die hunde (
im lauf)
anhalten, wenn sie z. b. auf falscher fährte jagen Hartig 503,
vgl. Behlen 6, 206,
und zwar durch zuruf oder mit der peitsche Krünitz 174, 496.
auch '
in währendem jagen werden die hunde mit zurufen angefrischet und so sie nun eine ecke wieder so fort gejaget, so stopfet
man selbige, damit der schwantz (
der meute)
auch nach kommet' Chomel 7, 429,
vgl. Döbel
jägerpract. 6, 101;
begrifflich liegt hier wie im folgenden voraus den lauf stopfen
vgl. der du allgnädig sunst, sey doch auch gnädig mir! stopf meines lebens lauf ja nu nit in der mitten! Weckherlin
ged. 2, 146. I@7@bb) ein rad stopfen,
es in seiner bewegung anhalten, zum stillstand bringen; eine winde stopfen Helfft
landbaukunst 349;
auch das davon ablaufende tau stopfen,
sein ablaufen aufhalten Campe, Krünitz 174, 497. —
in Altona ein schiff stopfen
es wegen eines streitfalles an der abfahrt hindern Campe;
s. im übrigen hier besonders stoppen,
verb. (
unter 1 a). I@7@cc)
militärisch stopfen,
das schützenfeuer unterbrechen oder überhaupt einstellen; als kommando stopfen! '
das schieszen wird sofort eingestellt, jede ladebewegung hört auf, der im anschlag befindliche mann setzt ab'
exercierreglement für die infantrie 50;
die bei solcher unterbrechung des feuers eingetretene erstarrung der schützenlinie wird durch kommandos wie weiter feuern! (
oder durchladen!)
wieder gelöst 197.
substant.: doch unser capitain liesz sogleich zum stopfen das signal geben, wir hätten unsere munition nur unnütz vergeudet W. von Rahden
wanderungen 1, 102;
zur entwicklung vgl. noch weil noch der aschen 's füncklein deckt, da löschts ein wassertropfen, fleugts aus, es manches mensch erschreckt, niembts dempfen kan noch stopfen Hock
schönes blumenfeld 82
neudr., wo ein besonderer grund dafür klargelegt wird: ein im hausinnern beginnendes schadenfeuer durch verstopfen aller luftzugänge zum erlöschen bringen. IIII.
farcire, refercire: fullen o. stopffen
opplere Diefenbach
gloss. 338
a (
gemma gemmarum),
ndd. villen o. stoppen
ebenda (
anf. 16.
jh.),
besonders in voll stopfen;
eine entwicklung, die unter I
besonders in der wendung in den mund stopfen (4)
vorbereitet liegt. II@11) etwas voll stopfen,
es durch stopfen (I)
füllen: zwackte ich hier und dar beydes gebratens und gebackens von dem tisch hinweg und stopfte meinen magen als den rantzen so voll darvon, dasz ...
Simpl. 2, 397
Keller (
vgl. anm.); der kapellan lehrte ihn ein wenig lesen, stopfte ihm das gehirn voll legenden und zaubergeschichten Klinger
werke 3, 153; wenn das falsche glück dir den bauch voll der schönsten blumen stopft Bettine
die Günderode 1, 37; (
einem) die backen voll kuchen stopfen (
vgl. O. Ludwig 2, 415); dein nasen vol strohälmer stopf Hans Sachs 17, 323
Keller-Götze; dann diese (
die bratwürste) sind voll grütze gestopfet Prätorius
Blockesberges verrichtung (1668) 457; alle käfige (
waren) dicht voll stroh gestopft Holtei
erz. schr. 10, 255. —
mit der versteinerten form voller: diese stopften insgemein ihre sachen auf gut Lohensteinisch, ja noch weit ärger, voller gelehrsamkeit Gottsched
crit. dichtkunst (1751) 138. — mit einem: völliger an wuchs bist du (
buch); das sieht man dir an, zumal in den zwei ersten bänden: so voll gestopft bist du mit nahrung aus Ägypten, Indien, Persien, Syrien ... Voss
antisymbolik 22; stopft ihr das lästermaul mit trocknen schwämmen voll Lohenstein
Ibrahim Sultan 69.
vgl. ich bin so satt gestopft mit politik Caroline 2, 63 (10.
april 1801); nachdem das haus durch die erbschaft der gräfin mit geräth so dicht vollgestopft war Arnim
kronenwächter 1, 180. — das schiff war sehr voll geladen, und alle winckel voll gestopfet Olearius
reisebeschr. (1696) 102; um sechs uhr ins schauspielhaus; ... das haus voll gestopft Varnhagen
tagebücher 2, 60. —
gestopft voll ganz voll (
vgl.gestoppte voll Müller-Fraureuth 2, 568
a): die kirche war gestopft voll Bahrdt
geschichte seines lebens 1, 248; er fand die kirche wider vermuthen so gestopft voll Nicolai
Seb. Nothanker 2, 31 (
sogar adverb. gestopftvoll füllen
stipare, stuare Kramer
dict. 2, 984
a)
als elipse von: das ganze kirschenwäldchen war gestopft voll zuhörer Bettine
dies buch gehört dem könig 1, 139; die lieb ist das gesetz ... so spricht der liebe herr. und ist doch selber wohl von grimm und bittren hasz gestopft, gepfropfet voll Rachel
satyr. ged. 103
neudr. daneben besonders norddeutsch und md. stopfend voll: der sack stopfend voll mehl
u. s. w. (
ndd. stoppende vull). II@22)
hauswirthschaftlich; vgl. neben schopfen (
th. 9
sp. 1565
ff.): schüttelt den sack, so steht er strack, stopft und schopft, plotzt und klopft, nemt die ballenhöltzer, die wollsackstangen, die windbengel, und was zu austhänung helfen mag
Gargantua 59 (3)
neudr. II@2@aa)
einen gegenstand mit stroh, heu, federn u. a. gänzlich füllen: einen sack stopfen; ein sack mit stroh gestopft, war das bett und die bettstatt zusammen Moscherosch
gesichte 2, 62; seine (
des wirthes) madrazzen sind alle mit stroh gestopft Stranitzky
ollapatrida 77
Wien. neudr.; mit geschlossenen augen lag er auf dem von maisstroh gestopften pfühl Gaudy 13, 16; wenn ich dich schon sehe todt da hencken, dein haut und har gar abgeropft, dein fell mit heu und stroh gestopft B. Waldis
Esopus 1, 345 (
mäuslein zur sich totstellenden katze); dann wann wir (
mönche) im chor sitzen, unsere metten und jarbegegenussen fortzuhudeln, so mach ich darzwischen armbrostwinden, ... flecht körblin, nähe und stopf ballen (
fangbälle für kinder)
Gargantua (43) 392
neudr.; sie stellten ihm, um auszuruhn, den stuhl, gestopft mit heu Kind
ged. 2, 122; der hund hatte nemlich ein ganz halb dutzend neue grüne tuchstühle inzwey gescharret, und die haare, womit sie gestopft gewesen, herausgekratzet
Leipziger avanturieur 1, 116; das lager war eine harte matraze, mit pferdehaaren gestopft J. J. Engel
schr. 1, 361; ein nadelkissen mit sägespähnen gestopft, gab keinen klang (
beim fall auf die erde) Gutzkow
ritter vom geiste 5, 198; mit dem flaum der groszen gänseherden wurden weiche pfühle gestopft Freytag 17, 67; weiszt du denn, dasz sie jetzt betten damit (
mit weidenkätzchen) stopfen, ganz wie mit federn? und sie nennen es waldwolle Fontane I 5, 174; die betten müszten wieder mal gestopft werden, aber womit? sind nicht die letzten federn längst verstopft? Sohnrey im
grünen klee 86; (
er) schlug mit der peitsche ... auf das deckbett, dasz die hühnerfedern, mit denen es gestopft war, aus dem verlumpten überzug herausflogen Viebig
das schlafende heer 1, 186. II@2@a@aα)
von hieraus verwendet, um den begriff auszerordentlicher fülle auszudrücken: der habersack, mit brodt und andrer fourage gestopft
der arme mann im Tockenburg 1, 141; als das weib alle räume gestopft, für die küche weit hinaus gesorgt und neben dem stadel überdies einen gewaltigen thurm von habergarben sah, ...
M. Meyr
erz. aus dem Ries 3, 143; und wär der weg gestopft von wölfen, so frommen kindern thun sie nichts Thümmel
reise 2, 29. (
so in der ausgabe von 1791,
anstatt des späteren: und wimmelte der weg von wölfen, so wackern jungfern thun sie nichts);
vgl. lobsingt, ihr steppen, menschenblutgerötet! ihr, die gedrängte feindesleichen stopfen Rückert
gedichte 1, 28. II@2@a@bβ)
auch ein kleidungsstück füttern, auspolstern: man ... seidin gewandt bereyt, mit weiszer baumwollen stopf oder füttere Ryff
spiegel der gesundtheyt (1544) 11
b; und wann er auf den arsz ful, so schads im nichts am kopf. das macht die kinderpauschen waren wol gestopft
Gargantua (11) 183
neudr.;
vgl. ich zwar ward anstat des kürisses mit einem gestöpften seidenen pantzer angethan, welcher einen jeden pfeil aufhielt
Simplic. 451
neudr. und bedeutungsvermischungen oben unter steppen
verb. II@2@bb)
wurst stopfen, därme mit gehacktem fleisch u. a. füllen: bratwurst stopfen Krünitz 174, 495;
als aufforderung an den schlachter stopfen sie mir eine wurst!
ebenda; im pastorat war ein schwein geschlachtet, es wurde wurst gestopft Moltke
ges. schr. 6, 170; da begab sichs, dasz man wirkte, hackte, kochte, stopfte wurst Tieck 5, 591. II@2@cc)
ein stück federvieh mit mehlnudeln, welche ihm gewaltsam und unter vielen qualen in den schlund geschoben werden, mästen: sonst nudeln (
s. th. 7
sp. 977
unter 2)
und mehr landschaftlich (
obd.) schoppen, schopfen (
th. 9
sp. 1567
unter 3); mit welgern aus meel gemacht, oder mit nudeln stoppen und füllen, wie man die gänse und kaphähne mit stoppt
farcire, farre implere Corvinus (1646) 324; gänse stopfen,
damit sie grosze lebern bekommen (Martin-Lienhart 2, 608
a; Müller-Fraureuth 2, 568
a); auch stopft man gänse mit nudeln Fichte
zurückforderung der denkfreiheit 42; er mag auch ... die alten gänse nudeln und stopfen Tieck 17, 261; doch gänse kann man stopfen im ställchen auf feuchtem stroh Grillparzer 2, 175; kapaune, truthühner stopfen Krünitz 174, 496;
vgl. 'ja geselle, werde munter!' spricht zum hohne dann Apone, 'beug den schnabel zu dem futter; wartest du, dasz ich dich stopfe?' Brentano 3, 110. II@2@c@aα) ein junges stopfen,
ihm künstlich nahrung in den schnabel bringen: am besten gelang die zähmung (
der hohltaube) mit solchen jungen, die man aus dem neste nahm und so lange stopfte, bis sie selbst fressen lernten Naumann
vögel 6, 225; von früh bis spät sind die alten (
meisen) tätig, um die zehn kleinen nimmersatte zu stopfen Löns
aus forst und flur 226;
ähnlich auch von kindern: kindern den vorher wohl zerkäuten brei in den mund drücken, nennt man in den provinzen, wo es noch geschieht, stopfen Fichte
zurückforderung der denkfreiheit 42.
in anlehnung daran II@2@c@bβ)
übertragen überhaupt auf menschen '
zu übermäszigem speisegenusz veranlassen': ach, da schrien wieder alle eilf (
kinder); wenn ich nicht immer die bälge stopfe und nudle, so haben sie keine ruhe
schaubühne 1, 23;
als ein ausdruck für die übertriebene pflege des leiblichen wohls: Venus war zwar von ziemlicher grösze, gemästet, gestopfet, die garstige humml vergleichte sich einer gespanneten trumml Harsdörfer
frauenzimmergesprechsp. 5, 7
b; es glaube keiner nicht, dasz sie so wenig essen; ich wolte mich fürwar recht hoch und tief vermessen, sie sind zuvor gestopft, sie nehmen so viel ein, und will das erste nicht das letzte lassen ein Rachel
satyr. ged. 137
neudr.; mein weibchen machte nicht viel wesen, sie stopft ihn nicht bis an das kinn Gökingk
ged. 1, 275.
vgl. mit ausgelassenem object vom esser selbst stopfen, '
tüchtig essen': der knecht stoppt feste Müller-Fraureuth 2, 568
a; er stoppt wie ne häuselskuh,
ebenda; als mahnung an einen schnellesser stopf nicht so!
zur objectergänzung füll den wanst und stopf den magen! Wickram 4, 54;
vgl. auch entsprechende ergänzungen unter III 2.
mit angabe des mittels: das geliebte söhnchen seiner mutter, die sorge trug, dasz er täglich wohl mit speisen gestopfet würde Nicolai
Seb. Nothanker 2, 223; schöne junge mädchen, die mich mit süszigkeiten stopften Kügelgen
jugenderinnerungen 27; ist es aber unter dessen recht und wol von euch gethan, dasz ihr euch mit früchten stopfet, derer stamm ihr nie gepropfet Rist
poet. lustgarte E 1; seinen gefräszigen leib mit bettelbrote zu stopfen Voss
Odyssee (316) 227; und dann der richter, in rundem bauche, mit kapaun gestopft (
with good capon lined), mit strengem blick und regelrechtem bart
Shakespeare 4, 215 (
wie es euch gefällt 2, 7).
bildlich: ich esse luft, ich werde mit versprechungen gestopft: man kann kapaunen nicht besser mästen 3, 245 (
Hamlet 3, 2). II@2@c@gγ)
in der küche einen braten stopfen,
ihm verschiedenartiges füllsel von teig; äpfeln, rosinen, zucker u. dergl. geben: puter und fette gänse mit äpfeln gestopft Eichendorf 3, 34;
beim taubenbraten insbesondere den kropf stopfen Krünitz 174, 496;
vgl. daneben als älteren, schon mhd. zu belegenden küchenausdruck für diese verrichtung füllen (
th. 4, 1, 1
sp. 501
unter 1,
d). II@33)
eine pfeife mit tabak stopfen zum genusz des rauchens (
s. auch pfeife [
th. 7
sp. 1644
unter 3
c]
und tabakpfeife [
th. 11
sp. 4];
schwed. stoppa en pipa;
dän. stoppe en pibe): eine tabackpfeife stopfen Kramer
dict. 2 (1702), 984
a. —