Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
lange Adv.
1.1 allg.
1.2 in Verbindung mit (al)sô / als(e) als Korrelat zu folgendem Nebensatz
1.2.1 (al)sô ~ (...), daz ‘so lange (...), dass’
1.2.2 (al)sô ~ (...), unz (daz)/biz/ hintz/ wante ‘so lange (...), bis’
1.2.3 alsô / alse ~ (...), (al)sô / als ‘so lange (...), wie’
1.3 in Verbindung mit sô, als, unz / biz (daz) als Subjunktion: ‘solange’ (s.a. lanc 2.6 )
1.4 Komp. in Verbindung mit der mehrteiligen Subjunktion (sô) ie langer/ lenger (...), sô ie : ‘je länger (...), desto ...’
1.5 lange sîn/ wesen
1.5.1 ‘lange bei jmdm., wo bleiben; lange vorhanden sein’ , meist mit Negation und im Komp.
1.5.2 ‘lange fortbleiben, weg sein’ (vgl. Friedrich, PhrasWB, S. 260 mit weiteren Belegen)
1.6 ~ wërnde ‘lange dauernd, immerwährend’ ,
2 ‘schon lange, seit langer Zeit, vor langer Zeit’
1 ‘lange, lange Zeit’ 1.1 allg.: dô ich gnuoc lange dâ gesaz Iw 773; Parz 29,19; doch wertez niht vil lange: / der mortsame slange / der kam schiere dar an Tr 9037; unser lant, dâ ist wunne vil. / lange müeze ich leben dar inne! Walth 57,14; trîbet si [Brangäne] diz bettespil / iht ze lange und iht ze vil, / ich [Isolde] vürhtez ir sô wol behage, / daz si vil lîhte dâ betage Tr 12624; verstärkt durch Verdoppelung: daz er die herzen sere / lange und lange muͦz chlagen Rab 61,2; unser eltesten meister einen, der die wârheit ie vant lange und lange vor gotes geburt, [...] den dûhte [...] Eckh 2:189,7; dar nach vil lange vnd lange do sprach ich diz wise an, ich heiti ir niht vf gegeben UrkCorp (WMU) 2326,33; für ‘immer’ wær’ ich [Gunther] ze Burgonden mit dem lebene mîn, / si [Brünhild] müeste hie vil lange vrî vor mîner minne sîn NibB 442,4; mir [auf mich (den tödlich verwundeten Siegfried)] müezen warten lange mîn vater und mîne man ebd. 997,3; sölte ich nu sagen daz wêr ze lenge, / swaz genâden und sêlde bîhte brenge Renner 20619; warumbe sold ichz lange sagen [Umschweife machen] ? Ottok 833. – Komp.: er enlac niht langer dâ Er 6613; niht lenger man daz lie, / sich huoben gên der bürge manec man unde wîp NibA 556,2 (vgl. langer NibB 601,2 ); Baldewin nit langer beite, / zu der verte er sich bereite / kuͤncliche und vil shone Rennew 20893; jô hât si tugende, der ich volge unz an daz zil, / niht langer wan die wîle ich lebe [negative Umschreibung für ‘solange ich lebe’] MF:Reinm 8: 5,5 ähnl. 2: 2,2. – Superl.: swâ diu minne in der jugent begriffen wirt, diu wert aller langest Tit 48,2; wiste ich wie ez aller langest / wol verholn möhte sîn Flore (P) 5940; sô truoc er aller langest [sehr lange] / trûren unde sende klage KvWEngelh 1944; so er vol langest [lange genug] manich iar gebeitet daz er [der Baum] berehaft werde PrLpz (L) 126,28. 126,30; ich kume wider schiere / uber drî tage oder viere, / ze langest [spätestens] in sehs tagen En 5971; daz si dâ langer beliben, / ir vorsche unde ir vrâge triben / zem minnesten [La. lengesten ‘längstens, höchstens’ s. Tr (M) ] doch zwêne tage Tr 9697 1.2 in Verbindung mit (al)sô / als(e) als Korrelat zu folgendem Nebensatz 1.2.1 (al)sô ~ (...), daz ‘so lange (...), dass’ sô lange wert’ diu stille, daz sîn Etzeln verdrôz NibB 2227,4; lât mich alsô lange leben, / daz ich iu antwürte müge geben Tr 12795; vnd die aigenschaft vnd die rehte, wir [...] also lange gehaben hant, daz nîeman nv́t anders gedenken mag UrkCorp (WMU) N135,19. 949,8 1.2.2 (al)sô ~ (...), unz (daz)/biz/ hintz/ wante ‘so lange (...), bis’ daz sî daz alsô lange treip / unz in der bühsen niht beleip Iw 3479; Brangænen si bâten / alse lange und alsô vil, / biz si si brâhten ûf daz zil Tr 12455. 17892; inde suͦlen vns helpin inde bestain wieder die stad zuͦ vͦnseme rehte also lange, bis die buͦrgere die suͦne halden UrkCorp (WMU) 75,29; daz er div guet vnd ir nutz vnd ir dinst inn hab alz lang, hintz daz er gar gewert werd hundert phvnt Pazzawer ebd. 2584,19; bêide die clegere vnd iene vf deme man claget, die mvͦzen wol gespreche haben [...] also lange, wante sie der vronebote wider in lade ebd. 606,10. 1895,43 1.2.3 alsô / alse ~ (...), (al)sô / als ‘so lange (...), wie’ also lango so wir hie lebin, / got habit uns selbwala [freien Willen] gegibin MemMori 143; wir wellens gerne bîten / als lange als er gebiutet UvZLanz 8209; se beheldet och zuͦ irme dinste alse lange, also se leuit, Henriche de vohit van Haghenberg, Conzen van Briseke [...] UrkCorp (WMU) 59,33; swanne vns vnser herre von Salzburch den herzogen antwurt nach vnser vorderunge in den viͤr wochen, den sul wir als lange in inne haben, als er in inne gehabt hat ebd. 1603B,5. 99,25 1.3 in Verbindung mit sô, als, unz / biz (daz) als Subjunktion: ‘solange’ (s.a. → lanc 2.6): so láng ér so stárkîu díng dúrch mîh lêit, [...] wîe íh dánne scúle zuîuelan dehêiner sláhto árbêit dúrh sînen wíllon lîdan Will 79,8; wir wellen ovch vnd gebitten, daz vber ein closter oder vber ein gotshus nit dan ein vogit ist, als lange der lantfride wert UrkCorp (WMU) 879W,11. – unz (auch biz daz) ... langest: der tage sint zewene, ein tach des mennischn, der ander gôtis. der tach der mennischen wêrt also lange, unz si langest lebint Spec 42,19; er sprach, er muose entwîchen / durch des lîbes angest, / unz er mahte langest / die marter ûf schalten, / diu sîniu lit behalten Wernh 3268; wolte got [...], / daz wir wærn in dem paradys, / so lebten wir gar ane angest. / biz daz wir leben langest, / so tun wir nit wan sorgen Rennew 20922 1.4 Komp. in Verbindung mit der mehrteiligen Subjunktion (sô) ie langer/ lenger (...), sô ie: ‘je länger (...), desto ...’ ir scheiden tuot von hertzen wê, / viel wê, ie langer sô ie mê UvLFrd 511,26; daz ich si minne von herzen ie langer ie mêre KLD: UvL 12: 1,2; wie si hieze, des frâgt ich. / [...] si seite ‘sô ie lenger, sô / ie lieber.’ got ir lône, / alsô hât si mir genennet sich KLD: VdK 1:2,9. 1:3,7; ie langer er [der Vogel] vlúget, ie er wunnenklicher swebet Mechth 7: 61,5; sô daz tier ie grœzer ist, sô ez ie lenger geschickt wirt in der muoter leib BdN 165,33; diu [Blätter der Päonie] sint gar rôt, wenn si her für lauzent des êrsten, und dar nâch werdent si ie lenger ie grüener ebd. 414,28 1.5 lange sîn/ wesen 1.5.1 ‘lange bei jmdm., wo bleiben; lange vorhanden sein’, meist mit Negation und im Komp.: solte er lange [Laa. lenger, langer s. Tr (M) ] bî mir wesen, / sôn kunder niemer genesen Tr 18577. 14561; ichn tar niht langer bî iu wesen Iw 1254. 5955; Parz 10,16; sô sol ich hie niht langer sîn PleierMel 794; sendet ir wider ir vingerlîn: / daz ensol niht langer sîn / an einer ungetriuwen hant Iw 3194. – diu gemeinde under uns drîn / diun mac niht langer gesîn Tr 16608; nû wil aber der kleinen vogel singen [...] hie niht langer sîn KLD: VdK 1:1,3 1.5.2 ‘lange fortbleiben, weg sein’ (vgl. Friedrich, PhrasWB, S. 260 mit weiteren Belegen): sone sît et niht ze lange, [...] wir sîn iuwer helfe vil billîchen vrô NibB 481,1; ich solde zürnen, hulfe ez iet, / daz dû als lange wære MF: Eist 14:3,2; swie lange ich was, sô tet si doch daz ie MF: Reinm 6a: 2,5; du kanst ze lange sîn KLD: OvB 9:4; daz er ze lange wolde sîn Wig 1075; Georg 3704; VirgH 139,3; PrGeorg (Sch) 2,177; im Komp.: sî wære verlorn, / wær er iht langer gewesen Iw 5177; irn ruocht, wolt ich noch lenger sîn Parz 402,30; juncfrouwen nu niht langer sint ebd. 808,28 1.6 ~ wërnde ‘lange dauernd, immerwährend’, als Adj.-Attr.: daz wirt ein langer [La. lange ] wernder strît Walth 44,25; wér hầt gelêret / die lieben frouwen mîn / daz ir güete mêret mir lange wernden pîn? KLD: GvN 20: 3,20. 48: 4,5. SM:KvL 6: 5,5; SM:JvW 4: 2,4; SM:Te 2: 2,8; daz in der wandelweren zeit langewerentev [für lange Zeit gültige, langfristige] dinch iht mvgen bechrenchet werden vnd von gehvgenusse niht entweichen, so ist des duerft, daz si bewaret werden mit der vestigung gezeug vnd guͦeter brief UrkCorp (WMU) N 620,28 = 640,18 = N 672,7; er was den frouwen alsô holt [...], / daz er in sînen jâren / mit lange wernder stæte / in sô gedienet hæte, / daz alliu sældenhaften wîp / sînen wünneclichen lîp / lobten unde prîsten KvWWelt 39; mit lange wernder stætekeit KvWEngelh 722; sô sol man stegen / nâch langer [La. lange C] wernden êren Walth 105,11; an disen drin dingen leit aller wunne volchommenheit: an lvstlicher schoͤnheit, an voller genvhsam, an langewernder sicherheit. vnd div ziment alle dinem [Gottes] riche wol, wan an div mach nindert volliv vrevde sin DvAPatern 108 (vgl. ez wurde ein langer wernder hort, / swer got nu dienen kunde MF: Rugge Leich 2,3; wie mac mir baz gelingen / an langer, wernder sælecheit WernhSpr (Z) 75,5 ) – adv.: lieb, ich weiz dîns lobes mê / (vil lange wernd ez dir bestê!) / daz hât dîn lîb und ouch dîn muot SM:Te 13: 3,2 2 ‘schon lange, seit langer Zeit, vor langer Zeit’ Gunther unde Gêrnôt die sint mir lange bekant NibB 56,4; sît ir iht lange komn? Parz 554,23; al eine und sîn si lange tôt, / ir süezer name der lebet iedoch Tr 222; mîn vater der sî lange erslagen ebd. 4368; und wære zwâre lange zît [schon lange, längst an der Zeit] , / daz si der grôzen swacheit / mit wîge hæten widerseit ebd. 6288; daz der bâbst trüege unreht den stab / und solt sich vor hân langest [schon längst] gein im genicket Loheng 4510. – mit (al)her in Kontakt- oder Fernstellung: wie ir sô habet verkêret die vrœlîchen sit, / der ir mit uns nu lange habt alher gepflegen NibB 154,3; ich hân lange / vil anclîch und vil ange / mîne marschandîse / in armeclîcher wîse / durch dînen willen her getriben Tr 4353; [Morolt] ist von muote und ouch von craft / zernestlîcher ritterschaft / ein lange her bewæret man ebd. 6177; daz si an vnser stat mit minne oder mit rechte zervuͤren vnd zerbrechen scholten den chriech, der lange her gewert hat zwischen vnsern getrivwen dieneren UrkCorp (WMU) 597,4,17; sun, ich hân lange her vernomen, / [...] Winsb 41,1. – ~ sîn/ wesen ‘lange her sein’ die seiten ime ouch mære, / wenne und wie langes wære, / dazs einen knaben hæten gesehen Tr 3810
MWB 3,3 856,48; Bearbeiter: Tao