Eintrag · Etym. Wb. des Deutschen (Pfeifer)
Kerl m.
Kerl m.
Kerl m. ‘Mensch, Mann, Junge’. Die westgerm. Formen mhd. (md.) kerl(e) ‘Mann, Ehemann, Geliebter’ (mit verächtlicher Nebenbedeutung), mnd. kē̌rl(e) ‘freier, gewöhnlicher Mann, kräftiger Mann’, mnl. kērel, kerl, caerl, nl. kerel ‘Kerl, Mann’, aengl. ceorl ‘freier Mann (ohne Rang und Adel), Ehemann, Bauer’, engl. churl ‘Tölpel, Bauer’ gehen zurück auf germ. *kerlaz, das im Ablautverhältnis zu germ. *karlaz steht, dem ahd. karl (8. Jh.), mhd. karl(e) ‘(Ehe)mann, Geliebter, treuer Mann’, anord. karl ‘Mann, freier, gewöhnlicher, alter Mann’, schwed. karl ‘Mann, Kerl’ und der Personenname Karl folgen. Außergerm. verwandt sind aind. járan ‘alt, gebrechlich’, járati ‘macht alt, wird alt, verfällt’, griech. gérōn (γέρων) ‘Greis’, Plur. ‘die Ältesten, Angesehensten des Volkes’ (vgl. Gerontologie ‘Alternsforschung’). Sie alle sind (wie auch Kern und Korn, s. d.) an die Wurzel ie. *g̑er(ə)- ‘morsch, reif werden, altern’, wohl mit einer Ursprungsbedeutung ‘reiben’, auch ‘aufgerieben werden (von Alter oder Krankheit)’ anzuschließen. Als Grundbedeutung von Kerl ist daher ‘alter Mann’ anzunehmen. Im Nhd. hat sich die nd. md. Form Kerl (meist in abschätzigem Sinne) durchgesetzt, während ahd. mhd. karl nur im Namen Karl weiterlebt.