Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
huon stN.
1.1 allg.
1.2 bildl. (meist im Vergleich; vgl. Friedrich, PhrasWB, S. 230f. für weitere Belege)
2 ‘Vogeljunges, Küken’ (hier der Taube, vgl. tûbenhuon und hüenenlîn )
1 ‘Haushuhn’ (sowohl Hahn als auch Henne) 1.1 allg.: ez was dennoch sô spæte / daz ninder huon dâ kræte Parz 194,6. 419,24; er [der Fuchs] lâget auch allermaist haimleichem [domestiziertem] gefügel, sam hüenren und gensen BdN 163,27; natûre machet den man von dem kinde und daz huon von dem eie Eckh 5: 118,7; ReinFu K,23. – häufig als (diätische) Speise bzw. Zutat: ein guͦt spise von huͤnnern BvgSp 11 u.ö.; gip im [dem Kranken] iunge huner ab he si wil SalArz 44,45; se [die Schwangere] sal gute spyse eszen, dy gut blut geue, alzo honere OvBaierl 19,4; si [die richen und die edelen ] kunen nicht wan honre ezen HlReg 41,15; ein versoten hvn svl wir han / mit gvtem specke eberin ReinFu K,1936; Barth 152,18; Eckh 1:215,5; Parz 194,8; Eracl 3588. – als Naturalabgabe (vgl. gëlthuon u.ä.): drie meigerhove ze Spigelharn die geltint [...] sechs vnde drizzic hvnre UrbBayÄ 120. 123; funf vnd drissig schilinge guͦter haller vnd drissig hurre ewiges vnd jaͤrliches geltes UrkBebenh 21,403 (a. 1330); vnd gilt iglich hvbe ze vogtrecht zwelf phenning vnd ein hven, daz gilt drei phenning UrkCorp (WMU) N687,22 u.ö. 1.2 bildl. (meist im Vergleich; vgl. Friedrich, PhrasWB, S. 230f. für weitere Belege): ich truͤge in ofte gerne haz / vnd zuͤrnte gein in als ein huͦn TürlArabel *R 288,29; als vor dem wilden arn / daz huon der hüenel hüetet, / swenn ez si ûz gebrüetet, / als huot diu herzogin gedrût / der zweier kinde Ottok 2645; sinc an, guldîn huon! [ ‘du goldenes Huhn’, als Anrede an den Sänger] ich gibe dir weize Neidh WL 4:1,1. – für etwas Wertloses, Geringes: sie mocht mich geben umb ein hun, / wem sie wolt, fur eygen hin Minneb 1890; nît, vorhte, liebe und irdisch guot / verkêrent maniges rihters muot. / man würget einen armen üm ein huon Renner 8285; in ist ein kristen als ein huͦn TürlArabel *R 154,31. – toubeʒ oder blindeʒ huon für Verwirrtheit, Orientierungslosigkeit: er liez alsam ein toubez huon / daz mezzer vallen von der hant KvWEngelh 1978; und [wir] gont recht umbe als blinde huͤnr und erkennent unser selbes nút das in uns ist Tauler 332,30. – in Bezug auf Schwäche, Wehrlosigkeit: ich fürhte iuch alsô cleine / als der habich tuot daz huon KvWHvK 127; ane gotes loube mag / der tuvel, crenker wen ein hun, / den luten keinen schaden tun Hiob 757; der mensche ist kranc als ein huen / von angeburner geburt HeslApk 728. 14082; MF:Reinm 63: 4; – phras. jmdn. zerbrëchen als ein ~ ‘jmdn. ohne nennenswerten Widerstand besiegen’ möhte ich an dir dehein êre / begân oder deheinen ruom, / ich zebræche dich als ein huon Er 5483; swer ime ieht wolde don / wir zebrachin in alse ein hon Roth 4914; StrKarl (S) 4585; ähnl.: di zepriche ich sam daz hun Rol 3791 2 ‘Vogeljunges, Küken’ (hier der Taube, vgl. tûbenhuon und hüenenlîn ): diz [das Waschen der Füße] svnt ir [Jünger] och ein ander tuon / daz machit minneclichiv svon / demüetic als der tuben huon / niht haben vppeclichen ruon Martina 31,71
MWB 2 1801,27; Bearbeiter: Hansen