Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
gart stM.
1.1 eigentl.;
1.2 bildl.
1.3 wider dem garte spürnen, wider den gart streben u.ä. vom Ochsen und bildl. i.S.v. ‘aufbegehren, starrköpfig sein’ (TPMA 11,95; vgl. contra stimulum calcitrare Act 9,5. 26,14)
2 ‘Stachel’ des Skorpions
3 ‘Gerte, Rute’
1 ‘Stachel, Treibstecken’ 1.1 eigentl.; zum Antreiben von Zugtieren, bes. Ochsen: aculeus. stimulus: gart Gl 4:212,49; si begunden sæn, dar nâch egen, / ir gart ob starken ohsen wegen Parz 124,30; die fürsten hânt der esele art, / si tuont durch niemen âne gart Freid 73,1; als ein vihe mit garten / wurd dû [der das Kreuz tragende Christus] von in gement Ottok 49886; Wh 352,9; Helmbr 818; Frl 5:27,14. – als Zeichen der Standeszugehörigkeit des Bauern: an dem sunnentage sol er ze kirchen gân, / den gart in der hant tragen Kchr 14806; aber wil er hofsit / an sich nemen fuͤr den gart, / so belibt er nit an siner art Teichn 491,25; Greg 2805. – anders: man bedorft nvͥt dez gartes, / der si ze ritterschefte tribe TürlArabel F 833 1.2 bildl.: diu minne manic herze mennet / mit ir vil sharpfen garte Rennew 28007. 19194; RuprvWü 56; in [Paulus] stach doch seines leibes gart [ stimulus carnis II Cor 12,7] HvBurg 2736; der girden gart HeslApk 5941 u.ö.; jâmer ist ein schärpher gart Parz 90,11; nu sage, tôt, wâ ist dîn sige? / war ist nu komen dîn gart? [I Cor 15,55] LBarl 3361; HeslApk 18165; der bittern helle gart Tund 2140. – unmâze ist der untugende schar / gart WälGa 9918. – Christ bôt sîner rede garten / gegen den gevursten êwarten JvFrst 4187 1.3 wider dem garte spürnen, wider den gart streben u.ä. vom Ochsen und bildl. i.S.v. ‘aufbegehren, starrköpfig sein’ (TPMA 11,95; vgl. contra stimulum calcitrare Act 9,5. 26,14): der ohse kumberlîche lebt, / dâ er wider dem garte strebt Freid 139,16; TrudHL 59,14. – ein man vil wisliche tuͦt / der gein dem garte nit spuͤrnet Rennew 18715; siv wen [= wellen ] steteclichen streben / wider dem gotlichem garte Martina 262,109; wizze daz dir ist zu hart / vf zv leckene in den gart PassI/II 181,85; Wernh D 1919; PrStPaul 6,10.19 2 ‘Stachel’ des Skorpions: der lewe fürht den spitzigen gart des schorpen BdN 143,14 3 ‘Gerte, Rute’ er [Joseph] hub uf die rute; / do wisete got der gute / ein zeichen an der selben gart, / wande si von bladen grune wart PassI/II 12,77; so wettet [verbüßt] er des chuniges malter, daz sint zwene vnd dreizzich [Schläge] mit einem gruͤnen æicheinen garte der dreier oder zwaier daumellen lanch sei SpdtL(E) Ldr 115; SchwSp 85a
MWB 2 106,1; Bearbeiter: Bohnert