trost,
m. ,
solatium, consolatio, (
con)
solamen; levatio, levamen, levamentum, firmamentum; in älteren sprachstufen auch fiducia, confidentia, securitas; spes, exspectatio; praesidium, tutela, defensio, refugium; auxilium, subsidium, fides facta de auxilio, bei personifizierung adiutor; gelegentlich sogar fortitudo. verbreitung und ursprung. im nordischen und westgermanischen belegtes wort, doch in den verschiedenen dialekten zeitweise nicht gleichmäszig vertreten. im got. dafür die neutr. ja-
bildung trausti,
διαθήκη (
nur einmalig überliefert, Eph. 2, 12: gasteis gahaite trausteis
ξένοι τῶν διαθηκῶν τῆς ἐπαγγελίας),
zur form vgl. Jellinek
gesch. d. got. spr. 104,
zur bedeutung unten sp. 903. —
altnord. traust,
n., '
sicherheit, zuversicht, mut',
auch '
hilfe, schutz',
schwed. tröst '
trost, vertrauen',
dän. trøst '
trost',
nur im älteren dänischen noch mit der ursprünglichen bedeutung, dann zunehmend vom deutschen beeinfluszt, s. Falk-Torp 2, 1295; Hellquist 1022;
aus dem nordischen entlehnt mittelengl. trust (Stratman trûst),
vgl. PBbeitr. 43, 385
anm. 1,
neuengl. trust,
das die alte bedeutung '
vertrauen'
festhält; altwestfries. traest, (= trāst),
n., s. Richthofen 1093 (
auch für das altostfries. aus trāstelic van Helten
z. lexikol. d. altostfries. 336
zu entnehmen);
nordfries. trast Outzen 364, trãrst Jensen
Wiedingh. 638,
föhrisch træst Schmidt-Petersen 138
a;
westfries. treast Dijkstra 3, 310;
altniederfränk. éin beleg in der Düsseldorfer hs. der sog. Essener glossen zu Gregors homilien: in consolatione the(
m) te trosta (Wadstein 64).
mittelniederl. und holländ. troest (= trōst)
und troost.
ahd. trôst, drôst,
einmal im Keronischen glossar die ältere form traost (
ahd. gl. 1, 4, 17
St.-S.),
vgl. dazu Kögel
Keron. gloss. 23.
dem Heliand fehlt das wort ebenso wie dem angelsächs., wo es in der christlichen bedeutung von consolatio durch frôBra, frôfra
bzw. frôfor
ersetzt ist. auch der ahd. Tatian folgt hier mit fluobra, fluobara
dem nördlichen gebrauch, während das Keron. gloss. nach ausweis des verbums beide wörter kennt, wenn auch für das subst. nur trost, traost
belegt ist (
danach Frings
Germ. Rom. s. 18,
z. 6
zu präzisieren).
vgl. hierzu Gutmacher
PBbeitr. 39, 232
f., dann kulturgeographisch ausweitend Braune ebda 43, 383
ff. und auf ihm fuszend (
mit umsetzung in die fachsprache der modernen mundartenforschung) Frings
Germ. Rom. bes. s. 16
ff.; nach ihm ist trost '
eine ausstrahlung der festländischen missionssprache'.
dasz das wort dem niederdeutschen und anglofriesischen gleichwohl ursprünglich, also in der nichtchristl. bedeutung, auch bekannt war, musz man —
von dem sekundär aus der oberdeutschen kirchensprache zugewanderten niederrheinischen beleg abgesehen —
aus den altsächsischen kollektivbildungen gitrôst '
schar, gefolge'
und helmgitrôsteo '
gefolgsmann'
erschlieszen; sodann begegnet eine wohl westsächsisch infizierte friesische (?)
form treast (
bei Verwijs-Verdam 8, 715),
ferner auch mittelenglische nebenformen trîst
und trêst (
Flore a. Blanch., s. Stratman
3 576),
die lautgesetzlich auf ags. *treast
zurückgehen müssen; auch ist im altenglischen (
d. h. frühneuenglisch?)
für das adj. die form trest
zu finden (Ed. Müller
etym. engl. wb.2 2, 581).
das mittelniederdeutsche hat schon beide bedeutungen, da frôBra
ausstirbt; der früheste beleg im christlichen sinne dürfte das compositum getrostunge
in den Wiggert
schen Magdeburger psalmenfragmenten (12.
jh.) 3
b, 12
sein; vgl. Löwe
PBbeitr. 16, 402
u. 423. trost <
*trau-st-
gehört zur idg. wurzel der
oder dre
bzw. ablautend dor
oder dro
mit der bedeutung '
kernholz', '
festigkeit' (
got. triu '
baum', triggws '
treu');
die form dro
bildet die grundlage. eine auswahl der dazugehörigen germanischen wörter ist oben sp. 244
unter treu
gegeben, mit dem trost
also in engstem etymologischem zusammenhang steht. in dem st-
suffix dürfte der rest der wurzel stā-
liegen, in der allg. bedeutung '
stationem habere',
vgl. W. Schulze
kl. schr. s. 79,
freilich ist '
die bedeutung des standorts ins gebiet des abstrakten entrückt' (Osthoff
etym. parerga s. 131),
anders Skeat
s. 670;
schon damit entfällt die notwendigkeit einer analogie, wie sie Kögel
PBbeitr. 7, 191
anm. 1
erwägt. das mittellateinische rechtswort trustis (
oder trūstis? Osthoff
s. 131
f.) '
schutz, hilfe, königliche gefolgschaft, bande, polizeischar'
hält van Helten
PBbeitr. 25, 498
f. nach vorgang von Jac. Grimm
rechtsalt.4 1, 383
als aus (
sal-)
fränkischer wurzel tru-
erwachsen zu unserer sippe gehörig, mit anderer ablautstufe, ebenso mhd. getrüste '
schar'.
vgl. oben sp. 244.
form. da das wort seinem eigentlichen wesen nach mehr ein wort der literatur als der umgangssprache und der mundarten ist, sind die dialektischen abweichungen in der lautform verhältnismäszig gering. im niederrheinischen begegnen die üblichen längebezeichnungen troist
Rheinauer Paulus 21
Kraus, Rotmann
restitution 95
u. 97
ndr. (
aus Münster)
und Husemann
spruchsamml. 111
Weinkauff; das mhd. minnereden 1,
v. 692
begegnende tröst
ist nach dem schreibgebrauch der hs. (Matthaei
s. 9)
nicht umlautbezeichnung; Phil. Zesen
schreibt trohst,
z. b. adriat. Rosemund 13
ndr. im ripuarischen und moselfränkischen begegnen ū-
formen: trūst Hasenclever
Wermelskirchen 97, trus Hönig
Köln 183
a; druúst,
f., Christa
Trierer ma. 73,
siebenbürgisch trûst Kisch
vergl. wb. 226
b,
vgl. im luxemb. tro
uscht
wb. d. lux. ma. 444
a.
mit gleitvokal truësz Rovenhagen
Aachen 148, trūúe.st Leihener
Cronenberger wb. 125, truast Leithäuser
Barmer ma. 161; triȗst
siebenbürg.-sächs. volksl. in Frommanns
zs. 5, 96; trüst
mittellat.-hd.-böhm. 75 (
hs. v. j. 1470);
im bairischen begegnen diphthongierte formen: troust, traost Schmeller-Fr. 1, 676, treast Lindermayr
dicht. (1822) 160, 133
bei Schmeller-Fr. 1, 677; troast Lexer
kärnt. 72.
vereinzelt steht die diphthongierte form traust
bei Böger
schwalenberg. ma. 166 (
Lippe),
die auch sonst noch im niederdeutschen begegnen müszte, wenn eben nicht überall mit der entlehnung der schriftdeutschen form, gleichsam als eines fremdwortes, in die mundarten zu rechnen wäre. im anlaut begegnet bei Otfried
die übliche analogieform mit der lenis d,
ebenso später im rheinischen: druúst Christa
Trier 73,
sodann drost
bei Diefenbach 144
b,
auch der Elsässer Wickram
hat diese form z. b. 1, 6
Bolte; vgl. Castelli
wb. d. ma. i. Öst. u. d. Enns (1847) 116.
die schwäbische palatalisierung des s
zu sch
ist auch bei Lambert
Pennsylv. Germ. dict. 45
belegt, sowie im wb. d. luxemb. ma. 444.
verlust des t
im auslaut zeigt sich im rheinischen trüësz Rovenhagen
Aachen 148, trus Hönig
Köln 183
a.
die gelegentliche anlautschreibung mit th (
z. b. comedia v. d. geb. Christi [1589] 303
Bolte)
ist ohne lautliche bedeutung. sehr selten ist der plural, z. b. Otfried 5, 10, 10: thiu (
d. i. wort) in thar warun meista thes sines todes drosta; lobe und troste Arigo
decam. 1
Keller; er scheint nicht eigentlich sprachgemäsz, sondern entspringt entweder stilistischen absichten: o trost ob allen trösten
d. ew. wisheit betbüchl. (1518) 108
a (
vgl. auch Stefan George
sp. 935)
oder, in der neuzeit, meint er '
trostäuszerungen',
vgl. unten sp. 930
und 939.
im frühnhd. begegnet gelegentlich eine zweisilbige singularform: aller sein troste (1509)
Fortunatus 146
ndr.; dein troste Forster
fr. teutsche liedlein 15
ndr.; on allen troste Arigo
decam. 148
Keller; vgl. ebda 3, dein trOeste Th. Höck 30
ndr. zuweilen dürften metrische gründe dabei eine rolle spielen: dies ist der troste mein
bei Fischer-Tümpel 3, 294.
bedeutung und gebrauch. das wort tritt uns in den deutschen sprachdenkmälern schon mit ausgebreiteter bedeutungsentfaltung entgegen. die bedeutung des got. trausti
steht ziemlich vereinzelt und berührt sich mit der von triggwa
διαθήκη '
vertrag, bündnis',
d. h. zwischen gott und menschen. (
Ulfilas weicht hier, wohl unter einflusz des Ambrosiustextes, von der septuaginta- wie der vulgatafassung ab; vgl. app. bei Bernhardt
und Streitberg.)
dagegen spricht sich die etymologische verwandtschaft mit trauen
auch in engstem bedeutungszusammenhang aus: als '
festigkeit, aus welcher sicherheit und weiterhin, als subjektives gefühl sich äuszernd, zuversicht und vertrauen entspringt',
das ist nach Osthoff
etym. parerga s. 128
die bedeutungsentwicklung von trost.
vgl. auch sp. 941
zur wendung (nicht) bei troste sein.
verbindet man die verschiedenen bedeutungen mit der etymologischen grundbedeutung, so erhält man für die älteren sprachstufen folgende beiden nur zu einem teil noch in die neuhochdeutsche zeit hinabreichenden bedeutungsgruppen: einmal drückt trost
passivisch die empfindung der festigkeit aus ('
vertrauen, hoffnung, zuversicht'),
dann die gewährung (
bzw. das empfangen)
von festigkeit durch die tat ('
hilfe, schutz, rettung, hilfeversprechen').
in mhd. zeit überwiegt diese konkrete bedeutung, die sich deutlich unter dem einflusz des denominativen verbums trösten '
jemanden zuversichtlich machen'
entwickelt, vgl. Braune
PBbeitr. 43, 386.
die in der neueren zeit allmählich mehr und mehr. vordringende bedeutung kann man umschreiben mit '
festigkeit, die durch zuspruch als seelische stärkung gegeben oder erhalten wird' (
eben '
trost').
diese neuere bedeutung, die trost
weniger als sichtbare hilfe denn als seelische stärkung zeigt, erwächst aus der religiösen verwendung des wortes, wie sie uns gleich in der ahd. christlichen literatur entgegentritt und das ganze mittelalter durchzieht, in der die alten bedeutungen gleichsam mit aufgesogen sind. im laufe der neuhochdeutschen zeit zeigt sich oft gleichzeitig verflachung der bedeutung und verbreiterung der anwendungsbereiche, vor allem auch erstarrung in inhaltsleere syntaktische formen. II.
ältere bedeutungen und bedeutungsgruppen. I@11) trost '
vertrauen, zuversicht, mut'
u. ä.; zur konstruktion vgl. Wieszner
PBbeiträge 27, 26
f.: I@1@aa) ich hân trôst daz mir noch fröude bringe der ich mînen kumber hân geklaget Walther v.
d. Vogelweide 63, 10; er (
Orilus) hete kunst unde kraft: des wart er dicke sigehaft an maneger stat, swiez dâ ergienc. durch den trôst (
im vertrauen darauf) zuo zim er vienc den jungen starken Parzivâl Wolfram
Parzival 265, 10; ir habt doch ungemach erliten ... iuch solten ritter grüezen baz ... nu lât den trôst an mir geschehen daz ich iuch diens müeze wern (
schenkt mir das vertrauen, gebt mir die genugtuung)
Willehalm 130, 26; habent des endelichen trost (
sicheres vertrauen) daz ir nu genesen sit Rudolf von Ems
weltchron. 15917; er gap den Persiânen trôst (
flöszte vertrauen ein) Ulrich v. Eschenbach
Alexander 6271; das lant soll haben zu im trost Heinrich von Neustadt
Apollonius 9722
Singer; wann wir keinen bessern mittler nicht wissen, dann euch, zu dem wir dann einen besondern trost haben
bayr. landtagshandlungen 4, 14
Krenner; der keyser erkant, das ime hertzog Naymas getrewen rath gab, darumb fasset er trost
hertzog Aymont (1535) c 4
b; und auch dieweil sie wenig trost zu dem unbefestigten ort hatten ... begaben sie sich in groszer anzal gen Malomocu H. Kellner
chronica (1574) 4
b; wie dan auch viel leute waren, die wenig trostes hatten, das ichs also solte ins werch bringen Hennenberger
ercler. d. preusz. landtaffel (1595) 4; so wirdt mein hertz vor groszem schmertz in leid gros vergan doch trost ich han du werdest mich nit also verlan Forster
frische teutsche liedlein 36
ndr.; wöllest nit minder vertrewen und drost dann allwegen zuo mir setzen Wickram
werke 1, 6
Bolte; ich habe den trost, dasz morgen gut wetter ist
bei Schöpf
tirol. 759
und Höfer
österr. 239. I@1@bb) auf den trost '
im vertrauen auf': hêrre ûf iwern trôst (
im vertrauen auf euch) geschach, daz ich hêrn Gâwân ... gap vride her in iwer lant
Parzival 415, 10; daz ich unverzagt geben umb iuwer heil wolt mîn leben durch iuch und ûf trôst der gote (
im vertrauen auf die götter) Ulrich von Eschenbach
Alexander 21395;
vgl. noch Heinrich v. Hesler
apokalypse 19727; wir haben herzog Jorgen zwen (
windhunde) versprochen uff euern trost: wir sein aber durch euch und unsern swager ... nicht uff das beste versorgt (
v. j. 1480) Steinhausen
privatbriefe d. ma. 1, 216; aber niemant sol sünden auf den trost, das der recht schacher ward erlost, wann ungewarnet chumpt der tod
fastnachtspiele 476
Keller; alsdann wolten sie fleiszig erfarung haben, ob iemand under ihnen oder etwa andere leut auf iren trost und in ihrem titel solchs geton hetten (
v. j. 1525)
chroniken d. stadt Bamberg 2, 69
Chroust; von anfang hat der Jupiter eim jedern thier nach seinem bger ... alles nach wunsch und nutz gegeben. auff solchen trost bat in die schnecken, das sie möcht all ir tag bestecken da bleiben in irm eignen hausz Burkard Waldis
Esopus 1, 288
Kurz. I@1@cc)
mhd. gern in unmittelbarem gegensatz zu zwîvel (
vgl. Leitzmann
der kleine Benecke 110
f.): für den trôst sîn zwîvel wac
Wigalois 6459
Benecke; ... do wart der wise man von zwifellichem muot erlost: er hat unzwifellichen trost er wurde mit gotes craft an dem strite sigehaft Rudolf von Ems
weltchron. 18427. I@1@dd) trost '
zuversicht oder zutrauen': ouch hete mîn her Iwein grôzen trôst ze den zwein
Iwein 5168; zudem merk ich, dasz man uf die deutschen knechte nit so vil trosts setzt, als man etwo gethan (
v. j. 1543)
polit. korrespondenz des Moritz v. Sachsen 1, 566; als ob sie allen ihren trost auff gold und silber und allerley uberflusz hetten
grillenvertreiber (1605) 3.
buch 96; wann aber nu die eidgnossen an dem strit warend, zu denen man me trostes hett ('
fiduz') denne zu anderen C. Justinger
Berner chronik 360
Studer; der wolt die stat bekriegen und hat trost an die herschaft von Österich (
stützte, verliesz sich auf ...)
ebda 339; etlichen herren wirdt vorgehalten, dasz sie in kriegesleufften mehr trostes auff frembd, als im krieg geübte, kriegszleute setzen sollen, dann auff ihr eigen volck R. Lorichius
paedagogia principum (1595) 370; so haben wir den kompthur von Schonszee ken dutschen landen gesand, den gebittiger und alle seyne mytgebittiger doselbest von unser wegen anczulegen, das sie die beczalunge uff mittefaste czu Frankenford teten, die do lauffet uff 12500 schog, dorczu wir doch wenigen trost haben (
v. j. 1412)
akten der ständetage Preuszens 1, 210
Töppen. gern in verbindung guten trost haben '
gute zuversicht haben': ouch hân ich guoten trôst dar an Gottfried von Straszburg
Tristan 13318; auch ob das kriegsvolck einen guten trost, die besatzung zu gewinnen haben, oder ob sie daran zweiffelhafftig seyen L. Fronsperger
kriegsbuch (1578) 1, v 2
a; jedoch so gibt mir solches widerumb einen guten trost, dasz gleichwol ausz unsern nachbarn sich noch finden, welche mir alles gutes gönnen
grillenvertreiber (1670) 232.
bis heute dialektisch: ih hab an guadn drosd Castelli
Österr. u. d. Enns (1847) 116.
in fester verbindung sehr häufig trost und zuversicht (
dieselbe verbindung vgl. trost II 7
sp. 921): nu finden wir unsern herren den künig also laz in den sachen, daz wir dheinen trost noch zuversicht zu im künnen noch mügen gehaben Ulman Stromer (
v. j. 1401)
in chron. d. dt. städte 1, 201; darumb konnen wyr auff keynen menschen unszern trost und tzuversicht setzen Luther 10, 3, 204
Weim.; so wyr ettwas bitten nach seynem willen so erhoret er uns, solchen trost und zuversicht zu bitten kundt ihr (
die aufständischen bauern) nicht haben
ebda 18, 317, 16; man wolt ... haben ... keinen trost noch zuversicht, dann in sein satisfaction und vollthung Fischart
binenkorb (1588) a 5
a; das sind alles winke von oben ... die uns irrenden menschenkindern zuversicht und trost ... gewähren müssen W. Alexis
hosen des herrn v. Bredow (1846) 1, 42; die vorhersagung der mutter gottes über die grosze zukünftige ausdehnung des ordens (
der Bernhardiner) ist sein (
Bernhards) trost und zuversicht Nitzsch
deutsche studien (1879) 8. I@1@ee) trost '
mut': Alexander was ze vorderôst unde gab sînen heleden trôst (
machte ihnen mut)
Straszburger Alexander 2358
Kinzel; sô müezest einen trôst doch habn (
möge es dich anspornen), daz die clâren süezen knabn sus fruo niht verweiset sîn (
sein dürfen)
Parzival 743, 15; diz was sînes (
gottes) gewaltes spil daz er disem küenen man sînen trôst an gewan (
mut raubte)
Wigalois 6478
Benecke; hab fürt zu streyten stargken trost Joh. v. Schwartzenberg
der teutsch Cicero (1535) 153
b; neuer trost (
lebensmut) kam in sein herz, als er die worte las: der in der luft die vögel nährt ... wird jedem das, was er begehrt ... geben S.
Brunner erzähl. u. schr. (1864) 1, 63;
im älteren bairisch: 'einen trost halten wie man sagte: einen gueten muet halten, haben' Schmeller-Fr. 1, 676.
in der verbindung trost und mut: (
die seele spricht:) wer in die helle komen ist, der habe mt noch den trost daz er iemer werde erlost Heinrich von Neustadt
visio Philiberti 445
Singer; wir (
denen das evangelium gegeben ist) haben eynen frölichen trost und guten mut, und fechten widder schwermtige, blOede, verzagte, betrbte geyster Luther 18, 134, 17
Weim.; daher last uns nu auch trost schepffen, frOelich und guts muts sein und mit festem glauben schlieszen
ebda 28, 129, 13; des geistes trost und muth, ist mein schatz und erbgut
bei Petri
d. Teutschen weiszheit (1604) 1, b 4
a;
noch bis in die neuzeit ziemlich synonym: trost und muth einsprechen Bürger 254
Bohtz; aus ihrem auge strahlt ein reines, unverdorbenes gefühl, diesz gibt mir trost und muth, den kampf mit allem zu wagen Deinhardstein
ges. dram. w. (1848) 1, 29; ihre mutter ... suchte beistand zu leisten und trost und muth einzusprechen Melchior Meyr
erzählungen a. d. Ries (1868) 3, 187. I@1@ff) trost '
gewiszheit, sicherheit'
u. ä.: so gît der touf mir einen trôst (
die feste gewiszheit) der mich zwîvels hât erlôst: ich hân gelouphaften sin, daz ich dîn genanne bin Wolfram
Willehalm 1, 23; si ist des muoter, der von helle uns lôste: daz ist uns ein trôst vor allem trôste, daz man dâ ze himel ir willen tuot Walther v.
d. Vogelweide 78, 35; mîn liep, mîn vrouwe, mîner ougen wünne, gar der hôhste trôst gegen vröuden, der mir ie wart kunt (
höchste gewähr der freude) Konrad Schenk von Landegge
minnesinger 1, 351; das alle ordenunge und straff nicht bestentlich können bleiben ohn bevestigung der statt Bamberg zu trost (
sicherheit) und fride geistlichen und werntlichen, lande und leuten (15.
jh.)
chroniken d. stadt Bamberg 1, 8
Chroust; was trosts und sicherheyt, sie sich zu dem iren hyrtten Christo ... zuovorhoffen haben Güttel
von evangelischer warheyt (1523) a 1
b.
das wort nähert sich wieder der konkreten bedeutung: allmuosen syg ein trost vor gott (
sicherheit, pfand, hilfe) denen, die es habend gethon
schweiz. spiele d. 16. jh. 1, 48
Bächtold; dardurch sie, so sie von den emptern kommen, herberg und trost haben mögen (
sicherung, sichere stellung) R. Lorichius
paedagogia principum (1595) 231. I@1@gg) trost '
glauben' (
nicht geistlich): iedoch het si deheinen trôst (
glaubte sie nicht) daz ir frouwe wurde erlôst Wirnt v. Grafenberg
Wigalois 3266
Benecke; minne ist aller tugende ein hort: âne minne wirdet niemer herze rehte frô. sît ich den gelouben hân, frouwe minne, fröit ouch mir die sinne. mich müet, sol mîn trôst zergân Walther v.
d. Vogelweide 14, 13; du hast ymmer den trost, gott hab dir begegnet Agricola 750
teutscher sprichw. (1534) b 6
b. I@22) trost '
hoffnung',
vgl. auch trost II 7
sp. 921 trost
spes fidissima securitatis Scherz (1781) 1666;
spes s. Schmeller-Fr. 1, 676. I@2@aa) diu junge muose ir spotten doln: si sprach 'er mac si's wol erholn: ich gib im noch gein ellen trôst, daz er dîns spottes wirt erlôst'
Parzival 358, 9; ouch begunde si virjehin wie schone der bote were der ir so hohu mere mit szem troste tet irchant (
frohe kunde süszer hoffnung) Rudolf von Ems
weltchronik 20440; doch hân ich lônes trôst ze in (
hoffnung auf erhörung bei den frauen) Ulrich von Eschenbach
Alexander 10848; in guotem trôst er mich liez
ebda 5184; swen si (
die welt) nû habe verleit, der schouwe sînen trôst (
sei guter hoffnung), er wirt mit swacher buoze grôzer sünde erlôst Walther v.
d. Vogelweide 124, 39; ich hân noch trôst, swie kleine er sî Reinmar der alte
in minnesangs frühling 164, 1; er gab damit seinem vatter ein bösen trost eines guoten zukünfftigen kaysers (
die schlimme aussicht in bezug auf die güte des künftigen kaisers) Seb. Franck
Germ. chron. (1538) 27; damit du (
ein gefangener) dein verlornen trost und stercke wider empfahest Montanus
schwankb. 249
Bolte; der weiber gröste zier und trost ist ein frommer fürnehmer mann Lehman
florileg. polit. (1662) 2, 888; entzoch ihnen damit allen trost des fliehens Stumpf
Schweizerchron. (1606) 299
b; als Pius der II. auf dem totenbette die ärzte fragte, gaben sie ihme guten trost, und sagten, sie spurten keine gefährligkeit Lehman
floril. polit. (1662) 1, 424; bedrängtes wittwenhertz! wir ruffen: nicht zu viel! dir dient noch mancher quell, gewissen trost zu schöpffen. denn das verfolgungsschwerd kan zwar der wünsche ziel und das verlangen offt, die hoffnung niemals köpffen J. Chr. Günther
ged. (1735) 617.
in der neuzeit ist diese bedeutung sehr selten und klingt dann auch etwas eigenartig: ich freute mich, ihr endlich ein beispiel rühmlichen gelingens als einen trost für meine eigene zukunft vorführen zu können G. Keller
ges. w. 2, 21.
sehr häufig in negierter form, hier in der bedeutung der hoffnungslosigkeit bis in die neuzeit; vgl. unten sp. 936: diu rede ist leider âne trôst (
darauf ist nicht zu hoffen)
Iwein 6372; sy (
die ärzte) wolten aber ym kainen trost geben, yn gesund zumachen
Fortunatus 94
ndr.; bleibst ohne trost (
hoffnungslos) im unverstand, liegst bisz an den ohren im dreck, und bald frist ein ander dein speck Rollenhagen
froschmeuseler (1595) e 3
b; er (
Arkesilaos) fragte den Apollo, und der gab ihm ... nur einen sehr eingeschränkten trost (
machte ihm nur bedingte hoffnung) und dabei desto schärfere anmahnungen Herder 3, 447
Suphan; weshalb ziehst du keinen arzt zu rathe? ... ich that es ... und er hat dir keinen trost gegeben? Storm
w. (1899) 7, 125; ausgeweinte trauer ohne trost ... theilnehmung, hoffnung schweben auf dem gesicht der nächsten (
dienerin) hinter Iphigenien (
auf einem bild) Lavater
physiognom. fragmente (1775) 1, 110. auf den trost '
auf die hoffnung hin': alsus was im der trôst benomen ûf den er dar was komen Hartmann von Aue
armer Heinrich 237;
ähnlich Gregor 3775; uppe den sulven trost
Lübecker urkb. 8, 634; was doch auf solchen trost mein grösztes wünschen sei Joh. Grob
epigr. 106, 61
lit. ver.; diese elende narren wurden auff diesen trost so sehr erfreuet J. Prätorius
glückstopf (1669) 122. I@2@bb)
mit abhängiger präpositionaler verbindung: I@2@b@aα)
in älterer zeit gern zuo
oder in (
vgl. Wieszner
PB. beitr. 27, 26
f.): sô ist ze fröiden mîn trôst niht so guot, mîn sanc ensüle des winters wâpen tragen Hartmann von Aue
in minnesangs frühling 205, 2; ein niuwer sumer, ein niuwe zît ein guot gedinge, ein lieber wân, die liebent mir en widerstrît daz ich noch trôst ze fröiden hân Walther v.
d. Vogelweide 92, 12; nun wes düncket dich diser pösen falschen frawen zuo der ich grossen troste (
hoffnung im sinne von verlangen) und hoffnung hette Arigo
decam. 347, 26
Keller; ich jederzeit nach gott dem herrn mein sinn, gemüt, hertz, trost und zuflucht zu deiner mayestät setze H. Guarinonius
grewel der verwüstung (1610)
dedicatio 2
a; und setzen iren trost in opera Luther 34, 2, 41
Weim.; aber itzunder setzen wir unsern trost, unser seligkeit alleyn in vil geschrey, gepleppern, geplerrn und gesenge
ebda 9, 126, 22. I@2@b@bβ)
frühnhd. überwiegt dann die präposition auf,
entsprechend der heutigen verbindung hoffnung auf: sie gaben auch einander groszen trost (
machten sich hoffnung) auf die zwen burggrafen
chr. d. dt. städte 3, 135 (
Nürnberg); die leute, auff die du deinen trost setzest, werden dich betriegen Luther
Obadja 7; dein trost auff ablas J. v. Schwarzenberg
der teutsch Cicero (1535) 139
b; als nun der bapst sahe, das er von seinem eygen volck, auff das er all sein trost hett gesetzt, verlassen ward, entwich ehr inn die Engelburg Seb. Franck
Germ. chron. (1538) 126; darumb stund ihr trost allein auff ernannten (
eben genannten) Cincinnato Kirchhof
wendunmuth 1, 27
lit. ver.; hie hab ich schand und dort die hOell, auff flaischlich lust mein trost ich stOell (
geht mein verlangen) J. v. Schwarzenberg
der teutsch Cicero (1535) 140
a. I@2@cc)
mit abhängigem nebensatz: mîn sanc wil genâde suochen an dich, güetlich wîp ... lâz mich von dir nemen den trôst (
die hoffnung mitnehmen) daz ich ûz mînen langen klagen werde erlôst Wolfram
lieder 7, 27; we mir! ich han deheinen trost, daz ich iemer werde erlost
von dem jungesten tage v. 283
Willoughby; der sein trost nicht darauff setzet, das er nur hie gute tage habe und im sause lebe Luther 32, 312, 32
Weim.; Rudolph hat groszen trost, die Bassler sölten in behalten und entledigt haben Stumpf
Schweizerchron. (1606) 449
b; es fügt sich Carolus ... zum künig (
der gefangen war) und gab dem künig guoten trost ... daz er bald ledig würd S. Münster
cosmographia (1550) 206. I@2@dd)
feste verbindungen. I@2@d@aα) furcht und trost =
furcht und hoffnung, mit vorliebe von Opitz
gebraucht: (
der landmann) steht nicht in forcht und trost, helt für der reichen thür sein hütlein in der handt, und kompt doch selten für
teutsche poemata 26, 23
ndr.; wir sollen hier noch ringen, und zwischen furcht und trost die rawe zeit vollbringen
ebda 67; (
ein weiser mannesmuth) ... er kan mit groszem hertzen vernichten furcht und trost, zertreten noth und schmertzen
opera (1690) 65 (
viel guet);
ähnlich: mehr wohl dem, der frey lebet wie du, du leichte schar, in trost und angst nicht schwebet (
hoffnung und furcht) ist auszer der gefahr Opitz (1625) 4, 186; I@2@d@bβ) trost und hoffnung;
mehr oder minder synonym. diese verbindung hat sich bis in die neuzeit erhalten: (
der wundarzt) soll sich keines underston zuo dem weder trost noch hoffnung ist Gersdorff
wundarzney (1517) 19
b; doch söllen wir nit zuo vil hoffen, ... sonst hieten wir ainen unrechten glawb oder unzeitigen trost und übermetige hoffnung, dardurch wir ee verdambt, dann sAelig würden Berthold v. Chiemsee
tewtsche theologey 16
Reithmeyer; trost und hoffnung im leben (
überschrift) maler Müller
w. (1811) 1, 33; das zeichen sieht er prächtig aufgerichtet, das aller welt zu trost und hoffnung steht Göthe I 16, 173
W.; wohl, ich könnte mir einen trost und eine hoffnung daraus nehmen Fontane
ges. w. I 5 68;
gern negierl. ohne trost und hoffnung maler Müller
w. (1811) 1, 307; in dem lande, wo keine hoffnung,
kein trost und kein schlaf wohnen Klinger (1809) 3, 296. I@2@ee)
in spezieller personifizierung für den stammhalter: nu hette unser gefrau dem lant einen trost geborn (1510)
hess. landtagsakten 1, 111; (
der churprinz) er ist der Sachsen trost König
gedichte (1745) 83; neben Luisa, die uns des kummers einzigen trost gab (
einen thronfolger schenkte) Klopstock
oden I 177, 11
Muncker-Pawel; hierher auch: und (
gott) verleihe ewr. kayserl. und cathol. majestät dem feinde zum schrecken, dem vaterlande zum trost einen durchlauchtigsten männlichen erben H. v. Fleming
d. vollk. teutsche soldat (1726)
widmung. I@2@ff)
sprichwörtlich: wat bathet (
hilft) hopen sunder troist (1575) Husemann
spruchsammlung 111
Weinkauff; hoffnung ist in der noth der höheste trost Petri
der Teutschen weiszheit (1604) 1, d 4
b; wer hoffen kan ausz gutem grund, der find sein trost zu aller stund
ebda g 4
b; I@33) trost
in konkreter bedeutung '
hilfe, schutz, rettung, nutzen'
u. ä.; in historischen denkmälern speziell '
hilfe im kriege', '
bundesgenossenschaft'
; die anwendung beschränkt sich überwiegend auf die mittelhochdeutsche und frühneuhochdeutsche zeit. lateinische entsprechungen: auxilium, subsidium, defensio, tutela Haltaus 1808. I@3@aa) vrouwe, hilft iuch iemens trôst? (
kann irgend jemandes hilfe euch nützen?) Wolfram
Parzival 195, 13; dô sprach diu blôze herzogîn 'er (
Orilus) hât hie niemen denne mî
n. der trôst ist kranc gein strîtes sige' (
der beistand ist schwach im kampf)
ebda 260, 5; guoten trôst ich vor mir hân ... manec fürste ... durch mich rîtent in diz lant
Willehalm 95, 16; wir sîn erwahsen ûzer klage: wan iwer künfteclîcher trôst (
helfende ankunft, hilfe) hât uns vîntlîcher nôt erlôst
ebda 247, 19; si heten trôst unde kraft, man vant die helde werhaft: dâ von behabten si daz wal
Parzival 207, 9; unde die von Erfforte wusten yren trost (
unterstützung des landgrafen) unde stunden veste Joh. Rothe
thür. chron. 578
Liliencron; also die (
der hauptmann der belagerten) nenen trost van der stad en vornam, do gaff hie dat slot
geschichtsqu. d. erzst. Bremen 150
Lappenberg; ... ôk schryf dârby (
Satanas zum Th.), dat nein trôst mêr an dy en sy (
dasz dir nicht mehr zu helfen sei)
Theophilus v. 631
Hoffmann von Fallersleben (
Trierer hs.); ritten wider von dannen on freund und one alle trost
städtechron. 5, 2 (
Augsburg).
verbale verbindungen: mittat tibi auxilium de sancto er sende dir an iro trost fone spiritu sancto Notker 2, 61
Piper; trost geben, trost tun
u. ähnl. '
helfen': nu welt der zweier einez (der gît uns trôst deheinez) (
beides hilft uns nichts) daz wir kêren wider in den tôt, oder wir fliehen ûz der nôt Wolfram
Willehalm 52, 14; in ir buntgnoszen geholfen hetten mit halben, damit sie in trost teten
städtechron. 2, 128 (
Nürnberg); pawes unde keyser seden em groten troest jegen den Turken to donde (
d. i. sie gaben ein hilfeversprechen). men dat vorblef
Lüb. chron. 2, 419
Grautoff; vil mer sol ich zuo hilff komen: dem, der mich dieselb kunst, damit ich eim andern trost bewysen mag, gelert hat Fr. Riederer
spiegel d. waren rhetoric (1493) a 7
b; wie er aber in das stettlin kom, liez er acht burgern ire heuser niderbrechen, der ursach, dasz si die grafen ... mit etwas trost freidig gemacht hatten J. v. Watt
chron. der äbte v. St. Gallen 1, 307; (
pflichtig und schuldig) irem vaterland, und allen einwohnern, heylsam trost und vätterlich wolthat zuerzeigen R. Lorichius
paedagogia principum (1595) 214. zu trost kommen '
zu hilfe kommen': do der heiden sturm sô worhte Gyburge nôt mit rôste, wer dem unt dem ze trôste kœm mit poynders huorte Wolfram
Willehalm 239, 22;
ähnl. 17, 18; mank werde vrouwe kom gegân al dar ze trôst dem wunden man
frauentreue v. 170
gesamtabent. 1, 267;
in synonymer verbindung: hertoge J. toch over in Sweden ... konink Alberte to troste unde to helpe
Lüb. chron. 1, 351
Grautoff; ähnlich urkdb. z. gesch. d. landes Dithmarschen 108; des bapsts galeen ... solten da im mör den christen zuo trost halten (
militärische unterstützung, rückhalt, '
deckung')
dt. städtechron. 22, 92 (
Augsburg).
etwas speziell: und ist ein grosser trost in diser artzney (
diese arznei hilft sehr) Murner
bei Ulrich v. Hutten
opera 5, 474
Böcking; von mitteln und artzneien, welche eine meyerin zu hilff und trost ires krancken gesinds wissen solle Sebiz
feldbau (1579) 64; heidnisch wundkraut, der verwundeten trost Neumark
neuspr. t. palmb. (1668) 383. I@3@bb)
im mhd. und frühnhd. begegnet die verbindung rât und trôst
noch ziemlich synonym im (
teils ganz konkreten)
sinne von '
hilfe'. ez gît dem vremden manne trôst unde rât (
es hilft ihm), daz man im sich mit worten machet heimelich Konrad von Würzburg
Trojanerkrieg 8055; kein ding so grosz beschwerung hat, das nicht macht leichter trost und rat (
dasz es nicht durch helfen leichter würde) Hans Sachs 2, 36
Keller; zuweilen tritt als drittes synonymon hilfe
selbst hinzu: wenn ich denn kenn, und wolt ihrer hülff gebrauchen, rath und trost holen, so würden sie andern zur abschew sich meiner nicht annemen A. Pape
bettel- und garteteuffel (1586) h 1
a; ... so wissent sú nút wo sú hin louffent, und sú louffent alles us und suchent helffe und rat und trost Tauler
predigten 49, 15
Vetter; ich kom zu dir hertzlich beschwert, hülff, trost und raht bey dir zu suchn Gilhusius
grammatica (1597) 71.
in neuerer zeit verliert sich allmählich die konkrete bedeutung; die beiden begriffe zeigen nicht mehr synonymen charakter, sondern ergänzen sich eher: ich bedarf itzt trost und rath D. W. Triller
poet. betrachtungen (1750) 3, 217; jetzt ging ihr das wasser an die seele und sie wuszte weder rath noch trost zu finden Jung-Stilling
s. schr. (1835) 6, 414; ein gottgeliebter mann, bei dem das herz rath fand und trost in jeder irdschen noth Schiller 14, 65
Gödeke; so auch bei der dreigliedrigkeit: o wie manch, sonst ehrliches weib ist ... ausz mangel rahts, hülffe, trosts ... zu schanden worden Moscherosch
insomnis cura parentum 18
ndr.; überhaupt ist ein gemeinschaftliches leben das mark der wahren freundschaft: aufschlusz und theilung der herzen, rath, trost, ... hülfe für einander sind ihre kennzeichen Herder 15, 312
S. kein trost, — kein rath, — nicht hülfe, — Tieck
schr. (1828) 1, 72.
auch in freierer verbindung treten die begriffe rat
und trost
in älterer zeit gern nebeneinander: helfft rahten und gebt guten trost, wie der mensch werd vom todt erlost B. Krüger
aktion v. d. anfang u. ende d. welt (1580) 104; aber der würtzkrämer gab guten trost, sprechende: dessen will ich wol raht schaffen
grillenvertr. (1605) 2, 266. I@3@cc)
auszerordentlich häufig findet sich die verbindung trost und hilfe: er sprach 'ir herrn wolgeporen, gott hat ew alle auszerkoren mir zu hilff und zu trost' Heinrich von Neustadt
Apollonius 3549
Singer; dar schop he sin ding unde orlogede wider den vader mit der herren troste unde erer helpe
Sächs. weltchron. 183
Weiland; trost unde hulffe suchten die von Kyndelbrucken an den lantgraven zu Doryngen Joh. Rothe
thür. chron. 605
Liliencron; und wissen sunst pey nimands hilf und trost zu suchen, den allein pey euern genaden Steinhausen
privatbr. d. ma. 1, 108 (
v. j. 1473); wenn ich euch in eynicherley weisz hülff und trost erzeygen und beweisen kan
Amadis 73
lit. ver.; haben wir die von Ruach ... umb hilf angerufft, aber nach vilfaltigem ansuchen weder hilf noch trost von inen empfangen (
v. j. 1525)
der deutsche bauernkrieg, aktenband 225
Franz; zu hilff und trost kumen H. Braunschweig
chirurgia (1539) 83
b; bey nahen freunden hat man hülff und trost Lehman
florileg. polit. (1662) 2, 545.
auch hier geht in der neuzeit allmählich die gleichheit der bedeutung verloren: ach! welchen trost, welche hülfe kan ich von euch erwarten, von euch, die ihr selbst ihrer liebe dient K. W. Ramler
einleitung in die schönen wissenschaften (1758) 1, 395; nur ein elender wagts nicht, unglücklichen durch drohende gefahren hindurch trost und hülfe zu bringen Sal. Gessner
schr. (1777/8) 1, 168; in einer solchen erschröcklichen beraubung alles trostes und aller hülfe von auszen fahre ich in mich zurück Schubart
briefe 1, 103; wie er mir damals trost und hülfe war Göthe I 44, 76
W. ähnliche verbindungen: alsus gienc der grille hin sunder trôst und âne gewin Hugo v. Trimberg
renner 5618; trost, hulpe unde bystand don
Lüb. urkdb. 11, 414; ob ihr der landschaft solchen trost, hilf, rath und zusagen gethan oder nicht (
v. j. 1447)
bayr. landtagshandlg. 3, 168; wel dein keiserliche maiestat und genad, mitsampt den durchlüchtigen churfürsten nach gelegenheit der sachen zuo hilff kummen, trost, stür, und hilff beweisen Murner
an den adel 6
ndr.; und sagten auch Virginio hülff, trost und sicherheyt zuo, und versprachen im, das übel an im begangen, solt nit ungerochen bleiben Carbach
Livius (1551) 48
a; der beste freund, von dem du hast warhafft alls guts, wolfart, trost, hilff, ehr, freud und schutz Hans Sachs 21, 222
G.-K.; ich bitt eüch durch gott, hand ir yetz, so mir und meinem armen convent zu steür und trost kummen mag, wollendt mir das geben Wickram 1, 164, 38
Bolte; hülf, trost oder rettung
Wilwolt v. Schaumburg 195
lit. ver.; trost, schutz und hilfe
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen (1778) 1, 37;
auch noch konkret: sie tragen trost und gesundheit in die hütten der armen und ich baue das brod, das wir mit ihnen theilen Pfeffel
pros. versuche (1810) 5, 75. I@3@dd) trost
speziell =
fürsorge: daz almuosen wirt ein michler trost vor dem hOechsten got
erste dt. bibel 7, 12, 57
Kurrelmeyer; der was eyn troist der wytwen unde weyszen Wigand Gerstenberg
chronik 40
Diemar; din hend hastu muotwilliglich miszbraucht ..., ietz streck sie guotwilliglich uss zuo trost den armen durch almusen geben Geiler v. Keisersberg
bilgerschiff (1512) b 3
a; wie ein unchristlich ding aber ist es, die weil so vil glider Christi hungers sterben, das man doch dasselbigt ehe die schaben fressen, die dieb hintragen oder zur boszheyt verschwenden laszt, so den armen wol zu trost käme (
eine hilfe wäre) Joh. Herold
christ. ee institution (1542) 142
a; und dann sey du ... dem armen trost R.
Z. Becker
mildheimisch. liederbuch (1799) 1; mütterlicher trost Wagenseil
de civit. Norimbergensi 230;
gelegentlich dieser soziale sinn bis in die neuere sprache: sie geht manchmal hin, den kindern unterricht und den ältern trost zu geben Sophie v. Laroche
gesch. d. frl. v. Sternheim (1771) 1, 250; mit einem vollen korbe geht sie ... zu jener hütte; ... dort reichet sie der armuth trost und jedes tages nahrung; ... zwey unschuldvolle kinder würden hungernd an ihrem (
der kranken mutter) bette weinen, wäre Daphne nicht ihr trost Salomon Gessner
w. (1778) 2, 21; das talent ... zum trost und unterstützung notleidender personen anzuwenden Lichtenberg
nachlasz 72
Leitzmann-Schüddekopf; und wenn ihm (
J. N. Hermann) neben seiner jugend noch etwas am herzen liegt, so sind es die bergleute in seiner vaterstadt. weil diese so oft trosts bedürfen, vor andern, dieweil sie eine so ungewisse ... nahrung haben Gervinus
gesch. d. dt. dichtung (1853) 3, 32.
minder concret: wie wir liebs und leids zusammen trugen, einander alles waren ... war das nicht all mein trost, wie .. du mein pflegtest, und mehr als bruder für mich sorgtest Göthe I 8, 30
W.; I@3@ee) trost '
schutz': genuoge jehent daz grôziu stætesî der besten frouwen trôst Dietmar v. Eist
in minnesangs frühling 32, 5; si sprach 'vil wênc mich des bevilt. ich pin iur scherm und iwer schilt und iwer herze und iwer trôst
Parzival 371, 3; do sy sich alleine one alle mans trost sache Arigo
decam. 107
Keller; des münches trost gar nichtes schafft (
sein schutz half nichts) er (
der sterbende kranke) muszte auch mit ins teuffels hausz Barth. Krüger
spiel v. d. bäur. richtern 15
ndr.; der alsolhir manheit pflag das ir trost an im einim lag fúr die andirn alle (
von einem, der im kampf gefallen) Rudolf v. Ems
weltchronik 30676; aber die göttin Venus mildt ist Paridis gewisser schildt, sein trost und auffenthalt gewesen Spreng
Ilias (1610) 39
b; so ich ... üwren kinden ... dienen möcht, ouch üch und üwerm land ze schirm und trost erschieszlich (
nützlich) sin Äg. Tschudi
chron. Helvet. (1734) 1, 40. I@3@ff)
sehr verbreitet ist in der bedeutung '
schutz, halt, stütze'
die personifizierte verwendung: er (
Hagen) was den Niblungenein helflîcher trôst
Nibelungen 1466, 2
L.; trôst der Niblunge (
Gunther),dâ vor behüete duo dich
ebda 1664, 4; alles mînes trôstesdes bin ich eine bestân (
Dietrich nach Rüdigers tod)
ebda 2266, 4; sô wêren di Kriechin sigelôs, ne wêre Alexander ir trôst mit den bileden niwit comen
Straszburger Alexander 4505
Kinzel; unser trôst (
Gawan) hât im erkorn sîner ougen senfte, sherzen dorn
Parzival 600, 9; hin wider kom gegangen, dâ sîn ors was gevangen, der burgære kampfes trôst
ebda 199, 17; sie hant uns gevangin den trost von Iherusalem
Makkabäer 13
Kraus; da bei zuo prüffen ist, was trosts (
wieviel halt) eyn eyniger so teüer unerschrockner man eyner gantzen statt geben mag, wan in abwesen Camilli, in den Römern alle mannheyt erloschen was Carbach
Livius (1551) 57
v; Acheus, der Byzantiner gröster trost Xylander
Polybius (1574) 231; er (
Ajax) war der Griechen hauptman theur ihr felsz, ihr trost, ihr burg und sterck Spreng
Ilias (1610) 71
a; sanct Niclaus an Neptunus stat das wasserampt versehen hat. so war sanct Jorg der reuter trost, dem han sie offt ein mesz gelost Erasmus Alberus
fabeln 108
ndr. hierher gehört auch trost
cavens, d. i. substantiviert '
hüter' (
a. d. j. 1502,
obd.) Diefenbach
nov. gl. 81
a und trost
columen, also wohl übertragen '
stütze' Dentzler
clavis ling. lat. (1716) 291
a.
bis in die neuzeit sehr lebendig ist die bezeichnung der kinder als trost
ihrer eltern besonders im alter: I@3@f@aα) ... hat gottes engel auch in einer trüben nacht all des lands erstgeburth, der jugent kraft und pracht der eltern trost, geschlachtet Weckherlin
ged. 2, 160
Fischer; ach, ich habe gedacht, dasz ich an meinen kindern in meinem alter möchte einen trost haben ... so musz ich nun sie zum grabe begleiten helffen Joh. Quirsfeld
geistlicher myrrhengarten (1717) 767; aber ihnen fehlen kinder, der trost und die freude des alters H. P. Sturz
schr. (1779) 1, 19. I@3@f@bβ)
umschreibung für sohn und tochter: zi alaware findist then liobon drôst sus thâre Otfried 3, 2, 34; dort kombt meins hertzen trost und wun heil sey mit dir, hertzlieber suhn! Hans Sachs 12, 453
Keller; ähnlich: du warest unser augen liecht und unser stab und zuversicht ... weyl unser trost nun lag an dir, so solten alle beyde wir dich nit haben geschickt von uns (
Tobias und Hanna klagen über den verlust ihres sohnes)
ebda 1, 155. damit ihn alda seh mein mutter Eribæa und Telamon mein vatter frey, den er ein trost im alter sey W. Spangenberg
bei Dähnhardt
griech. dramen 2, 91; er wer nun alt und schwach, so sey der Pamphilus sein einiger sun, darumb beger er seinem alter ein schirm und trost zusuchen Boltz
Terenz (1539) 113
b;
vgl. noch Schaidenraisser
Odyssee (1537) 18
b; Schoch
comödie vom studentenleben (1657) m 5
a; Chr. Reuter
Schlamp. krankh. u. tod 103
ndr.; es giebt zeitpuncte ... da die stütze eines alten vaters zur hülfe des vaterlandes herbey gerufen, und einer betagten mutter der trost ihres alters ... entrissen wird Th. Abbt
verm. w. (1768) 2, 8; o wie wird der vater mit tränenbetröpfelten schritten seines alters trost verzweifelnd suchen und finden in eines wüterichs arm Lenz
ged. 22
Weinhold; der dürftige (
verarmte) greis hatte einen sohn, welcher noch der einzige trost und die stütze seines alters war Musäus
volksmährchen 3, 37
Wieland; das gefühl der bevorstehenden schande ... hatte auch seine tochter, einst sein einziger trost, von ihm entfernt Klinger
w. (1809) 3, 133; nur die jüngste tochter lebt als treue gehilfin der mutter im hause, schlosz der senior seinen bericht, unsere Henriette ist trost und freude unseres alters G. Freytag
ges. w. (1886) 13, 23; sie zog ihn auf mit mutterschmerzen als ihres alters trost und stern, nun gibt sie weinend ihn vom herzen zum dienst und opfer ihrem herrn K. Gerok
pfingstrosen8 (1886) 177;
etwas anders, etwa '
halt': du solltest ... dir trost schöpfen aus dem anblick deiner kinder
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893) 2, 21;
merkwürdig selten begegnet das umgekehrte: ... vor jammernden kindern sterben ältern, ihr trost und die stütze der wankenden jahre Klopstock
Messias 5, 228 (
Göschen 1798
ff.); ihr kinder, deren trost und hoffen (
mutter) nun in der dunkeln grube ruht Drollinger
gedichte (1743) 265; I@3@f@gγ)
gelegentlich umschreibung für gatte und gattin: (
Kätha) ich hab euch gnad erworben von meinem heil und trost (
d. h. v. Luther) Vogelgesang-Cochläus
gespr. v. d. trag. Joh. Husz 34
ndr.; gleichwohl schien es, als müste sie ein theil vom hertzen absondern lassen, wofern sie etliche tage solte von ihrem eintzigem troste (
gatten) entfernet leben Chr. Weise
die drei klügsten leute (1675) 8; geliebtes weib, ein trost mein leben! Hans Sachs 1, 29
Keller; nimm mich mit dir, mein süszer trost, das ich zugleich auch werd erlost Caspar Scheit
die fröhlich heimfart (1552) k 2
a; wen gott lieb hat dem geb er so eine frau, und dann lasst den teufel in eine herd unglück fahren, ihm alles nehmen, er bleibt mit dem trost vermählt Göthe I 39, 109
W. I@3@f@dδ)
der herrscher ist der trost
seines volkes, vgl. auch sp. 912: 'ez zæme' sô sprach Hagene (
zu Etzel)'vil wol, volkes trôst, daz die hêrren væhtenze aller vorderôst'
Nibelungen 1957, 1
L.; vil tiure si got baten, als si von rehte tâten, ... umbe ir herrn und umbe ir trôst
Iwein 6861; so wird an dir gewisz ein glücklicher August, ein trefflicher Trajan, zum kaiserthron erzogen, mit einem wort, ein Carl, der menschen trost und lust
bei Weichmann
poesie d. Niedersachsen (1721) 2, 18; denn es hat ja gott ew. majestät zu vieler millionen menschen glück und trost ... geboren werden lassen Hahn
einl. z. teutsch. staats-, reichs- u. kayserhist. (1721) 1,
vorw. 2, 14; so gesunken ist dein volk, dasz du (
der könig) ... aufhörst ihr trost zu seyn Klinger
neues theater (1790) 1, 3;
hierher gehört auch: auch der attische Herakles Theseus ward noch als ein trost (
schutzgott) der sklaven ... gedacht Fr. Creuzer
symbolik und mythologie (1810) 2, 245;
nachklingend noch in fällen wie: der himmel hat es jedoch anders beschlossen! er wird zum troste der wehklagenden christen einen mann auf den apostolischen stuhl erheben nach seinem herzen Raumer
gesch. d. Hohenstaufen (1823) 4, 105. I@3@f@eε)
mit sächlichem subjekt: der stuol was mîn bester trôst (
schutz vor den schlägen der frau)
daz übele wîp v. 639; und dein vest mauren und die hochen in allem deim land in den du hast trost die werden verwúst
erste dt. bibel 4, 223, 44
Kurr.; unser leib ist der auffenthalter der seel gottes: allein sie sey leiblich bedeckt, sonst ist der seel kein trost ('
schutzdach') Paracelsus (1616) 1, 110
Huser; Els von Nürmberg so haist man mich, also so ward gemacht ich ... zu trost dem edelen herren mein macht mich Hermann Widerstein H. Ziegler
geschützinschriften (1886) 36; mein kopff ist wie ein dürrer kühfladen, darinnen kein goldkäfer einiges trostes herberge hat Chr. Weise
der grünenden jugend überfl. gedanken 224
ndr.; überhaupt erkannte er (
Themistokles) den vortheil, vermittelst einer seemacht auch den entlegensten küsten anzugränzen ... diese seemacht war sein trost Joh. v. Müller
s. w. (1810) 1, 136. trost
in dieser bedeutung begegnet auch als hundename, vgl. das Königsberger jagdgedicht, s. zs. f. dtsch. altert. 24, 254
ff. I@3@f@zζ) trost '
rettung',
vgl. salus trost
gemma gemmarum (
Köln 1495) v 4
a: (
verwundeter zu dem pferd, auf dem er fliehen will) ich enhân hie trôstes mêr wan dich: dîn snelheit müeze trœsten mich Wolfram
Willehalm 59, 7; er west noch nicht zu troste der kayserlichen magdt (
wuszte nicht, wie er sie erlösen, befreien, retten könne)
lied vom hürnen Seyfried 14
ndr.; drumb ich nit weisz kein trost nit mee dann das ich kumm drumb über see unbsinnter wysz von Brunnen har, damit mir nützid widerfar
schweiz. schauspiele d. 16. jh. 3, 73
Bächtold; wir ... sind bedacht ... fürstehende weite reise, den armen unterdruckten christen in Morgenlande zu trost und rettung auff uns zu nemen Binhardus
thüring. chronica (1613) 170; männer, die für sie zu sterben wünschen; aber unerhört nur mit schweren wunden kehren aus dem sturme finstrer schlacht, danken ihrer huld trost und heil Denis
lieder Sineds des barden (1772) 135; für das ganze unmenschliche verhältnisz gab es aber keinen trost und keine heilung als im christenthum Dahlmann
geschichte von Dännemark 1, 163. I@3@f@hη)
konkret empfunden im sinne von unterkunft, zufluchtsort: er ist in die wüste gangen, do er kein menschlichen trost het, nun mit den türen (
tieren) wont Stephan Fridolin
deutsche predigten 105, 5
Schmidt; dieser ort ist unbewohnet und von allem menschlichen trost verlassen Dannhawer
catechismusmilch (1657
ff.) 6, 496. I@3@f@thθ) trost '
nutzen, vorteil'
; fast ausschlieszlich auf die ältere zeit beschränkt; zu troste
u. ä. verbindungen '
zu nutz und frommen'; zu troste kommen '
zu gute kommen, zu statten kommen': wander hête vernomn, Meljanz wære gevangen. daz was im liebe ergangen: ez kom im sît ze trôste
Parzival 390, 19; ze glicher wis sont gaischlich lút sin: si sont verworfen sin und versmAehet und doch fruhbar und nútze sin, wan ir gebet und ir guot bilde sol allen lúten ze troste komen
St. Georgener prediger 37, 37
Rieder; sint si joch gehorsam, daz ist als kurtzeliche und mit als úblem willen daz in dú gehorsami nit vil ze troste kumet und die lút nit gebessert werdent
ebda 45, 30; im virden (
teil) werden gesacz naheit gleiche ding czu nutz und troszt der menschen dienende
buch geistl. gnaden (1503) 2
a; das holz wellent wir in bann haben uns und inen ze nutz und zuo trost (1513)
der dt. bauernkrieg, aktenband 55
Franz; (
damit gottes wille wirke) zu nutz und trost allen menschen H. v. Cronberg
schr. 40
ndr.; weiter zu trost den weibern, musz ich das alt gemein flöhen lied hieher setzen Joh. Fischart
flöhhatz 62
ndr.; hingegen wuorden die generale ... ihre vorhabende kriegsconsilien ... dem allgemeinen evangelischen wesen zu gut trost und rettung dirigiren v. Chemnitz
schwed. krieg 2 (1653) 172; du (
Lohenstein) hast Italien und Engelland gezähmt ... zu aller Deutschen trost, durch deine schrift beschämt Chr. Gryphius
ehrengetichte bei Lohenstein
Arm. 1, f 1
a; über eine wichtige angelegenheit des menschen möchte ich nachdenken; über der einsamkeit schaden und trost Zimmermann
über die einsamkeit 1, 2; gestern die ersten streifregen, zum trost des landmannes Göthe IV 33, 2
W. IIII.
religiöser trost. II@11)
gottes trost. II@1@aa)
allgemein: thaz ih iamer, druhtin min,mit themo droste megi sin Otfried I 2, 55; wand ich muoz kumber lîden, unz ich hân bezzeren trôst erkorn (
als essen und trinken, nämlich göttlichen trost) Wolfram
Willehalm 135, 7; kumet her, enphahet trost, wan ir von leide sit erlost
von dem jungesten tage v. 591
Willoughby; er (
gott) will ouch nit, dasz der mensch jenan trost suoche dann by im Zwingli
dtsche schr. 1, 62; die aber sich auff gott verlan, die werden trost genugsam han Ringwaldt
handbüchlin (1586) a 7
a; und eh die sonn erwacht, so denk ich schon an ihn und warte mit verlangen auf ihn und seinen trost P. Fleming
dtsche ged. 1, 12
lit. ver.; als aber dein gesichte, ach gott, sich von mir wandt, da war mein trost zu nichte Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 350
a; doch, dessen allmachtshand gerecht und heilig handelt, der weis, wie er auch diesz in trost und heil verwandelt
bei Gottsched
d. neueste a. d. anm. gelehrsamkeit (1751) 2, 778; preis dir, unendlicher! für deine weise führung, für jeden trost von dir Schubart
sämtl. ged. (1825) 1, 9; wie freundlich ist sein wille, des trostes hat er fülle für jede menschenbrust Schenkendorf
ged. (1815) 145;
mundartlich: hê söcht bî god sîn trôst Doornkaat-Koolman 3, 437; II@1@bb)
in der mystik erhält die bedeutung des wortes oft eine besondere vertiefung, etwa im sinne von '
kraft': also nu etteliche lúte diser grossen ungewonlichen troste unde diser wunnen in in bewindent Tauler
pred. 98, 25
V.; wanne sú (
die heiligen) hattent gottes trost so gross von innen (
spürten gottes kraft) daz sú ... frOelichen sturbent mit wunnen
ebda 108, 20;
sehr häufig in der verbindung göttlicher trost: dise craft sal alle wege ufgerichtit und ufgeton werdin gegin godelichime troiste, und waz sy inphehit fon gode, daz sal si gizin in di nidirsten crefte
parad. anim. intellig. 104, 35;
vgl. auch 7, 12
und 139, 5; rechte also sol dirre mensche tuon den got also sterket und spiset mit sime gOettelichen troste ... Tauler
pred. 99, 29
V.; der mensche sol krîgen nâch gotlîchen trôsten und nâch gotlîchen wollusten, wanne di vorderen in ume alle lîplîche wolluste und lîplîche trôste Hermann v. Fritzlar
heiligenleben, in dt. myst. 1, 73; sant Bernhart sprach: 'gOetlicher trost sol sin also zart das er in keine wise gestot do man andern trost enphohet' Tauler 392, 39
V.; du si von menslichime troiste lizin, du fuondin si gotlichin troist
parad. anim. intellig. 30, 24;
vgl. noch Tauler 105, 2
und 174, 9
V.; ähnlich geistlicher trost: soltent sú (
die heiligen jünger) zuo dem woren geistlichen indewendigen troste komen
ders. 100, 32.
diese bedeutung wirkt auch bei Luther: n sehet, wilch eyn reicher hohmuotiger trost euch darauss erwechst ('
freudige kraft') 15, 71, 1
Weim. noch lexikalisch nebeneinander trost
und sterckung
bei Frisius (1556) 311
a. II@1@cc)
auch etwas konkreter im sinne von '
hilfe'
; ganz selten bis in die neuzeit reichend: ob got unser herre mîner manegen missetât durch sînen trôst (
in seiner barmherzigkeit) vergezzen hât Hartmann v. Aue
Gregorius 3614
Paul; waz mugen die kristen liute tuon, sine weren sich al die wîl si lebn? got selbe mac in trôst wol gebn Wolfram
Willehalm 392, 22; und gingen aller tegelich zuo dem mer und frovten sih der gotes helfe und das sin trost si von ir vienden hat irlost ... Rudolf v. Ems
weltchron. 11000;
ähnl. 18068; (
gott) help nns mechtig uth aller nodt sy by uns mit trost im bittern dodt (1575) Husemann
spruchsammlung b, 108
Weinkauff; er wird zwar eine weile mit seinem trost verziehn (
sichtbare hilfe) Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 373
b; gott, der väterlich leitende, ... sey ihr trost in ihrem leiden Lavater
verm. schr. (1774) 2, 77. blickt verzweifelnd halb auf seine knaben, halb um trost empor zu gottes licht Seume
ged. (1804) 143;
geradezu in synonymer verbindung mit hilfe: wider die manigvaltige hindernisse so het uns der minnecliche got gegeben grosse helffe und trost Tauler
pred. 49, 30
V.; aus gnad wir gnad in im erlangen, schtz, salbung, hlff und trost bekomen Ringwaldt
evangelia (1581) c 7
a; wir aber kennen keinen andern gott, on in allein, und wollen mit demut von im hlffe und trost warten Luther
bib. 5, 10, 16
Bindseil-Niemeyer (
Judith 8, 16);
sprichwörtlich: nie keine angst war so gros, gott kan geben hlff und trost Fr. Wilhelm
sprichw.-reg. (1577) e 2
a;
in jüngerer zeit deutlich von hilfe
abgehoben: und das thut gott den seinigen öffters, entweder durch einflösung eines trosts, oder wann er würcklich läszt einige hülffe erscheinen J. D. Frisch
neuklingende harpfe Davids (1719) 12; wen sich der mensch selber bekennet und ansicht und findet sich selber alszo pöss und unwirdig alles des guttes und trostes, das ym von got ... geschehen mag
theologia deutsch 25
Mandel. II@1@dd)
gern personifiziert: god de ewige trôst
Lüb. dodendantz (1496)
v. 907
bei Schiller-Lübben 4, 617; herre got, veterlicher trost, erlose mich von dem ewigen tote an dem vorchsamen tage des lesten urteiles
altdtsche pred. 1, 32, 40
Schönbach, ähnlich 1, 60, 34; uns leret got unser trost
kl. mhd. erz. 54
b Rosenhagen; er (
gott) ist ir schutz, hilff, trost und heyl Hans Sachs 1, 230
Keller; ich danke dir, gott, zu dieser frist, das du mein hlff, schutz und trost bist Thym
Thedel v. Wallmoden v. 1454
ndr.; gott ist mein trost in meiner letzten noht ... Ph. Zesen
vermehrter Helikon (1656) 1, 153; denn du bist in allen zeiten, nur mein gott, mein trost und hort D. W. Triller
poet. betrachtungen (1750) 5, 77;
häufig erscheint die heute unverständlich gewordene verbindung trost und teil (teil '
anteil, besitz') (
vgl. bd. 11, 1, 1,
sp. 353): bistu doch allezeit mein macht, mein theil und trost meins hertzen Dannhawer
catech.-milch (1657
ff.) 4, 479; doch herr ... wenn mir gleich sel und leib verschmachtet, so bist du doch mein trost und theil
bei Weichmann
poesie der Niedersachsen (1721
ff.) 5, 311; der herr, die quelle aller freude, verbleibe stets ihr trost und theil Schiller 1, 4
G.; II@1@ee)
bildhafter gebrauch, zumal im zeitalter des barock: berait empfind ich seinen (
gottes) schutz, und meinem feind zu trutz sein trost in meinem hertzen blühet Weckherlin
ged. 1, 346
Fischer; o wie scheinbar trost von oben endtlich durch die wolcken bricht Fr. v. Spee
trutznachtigall (1649) 100; schaut des himmels wollust an!hier ist nichts denn trost und wonne Andreas Gryphius
trauerspiele 152
Palm; (
du) erleuchtest uns in leyden mit deines trostes liecht Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 343
b; dort nur aus dem urquell quillt trost, der meine sehnsucht stillt grafen Stolberg
ges. w. (1820-25) 2, 242;
formelhaft, vgl. trost von oben Kramer
teutsch-ital. 2 (1702) 1150
c: gott alles trostes
erste deutsche bibel 2, 109; B. Rotmann
restitution 114
ndr.; gott des frides und des trostes
erste deutsche bibel 2, 54; gott, o lieber vatter aller getigkait und trostes
erzherzog Ferdinand II. v. Tirol
speculum vitae humanae 52
ndr.; veterliche warnungh und trost Egranus
predigten 54
Buchwald; II@22) trost
des glaubens, der religion u. ä.: daraus wir lehr, trost, sterckung des glaubens ... nemen können Fr. Dedekind
papista conversus (1596)
vorr. 4
a; wenigstens kann der trost der religion ... nicht anders als höchst unkräftig seyn Lenz
ges. schr. 3, 138
Tieck; sowie Katte erkannte, dasz er keine begnadigung hoffen dürfe, hatte er sein ganzes gemüth demtroste derreligion geöffnet Ranke
s. w. 27, 120; das gefühl des überschwankens der menschheit in die gottheit (was doch die summe alles menschlichen fühlens und alles irdischen trostes ist) W. v. Humboldt
briefe an Welcker 102; ... als der trost des glaubens und der frömmigkeit allen der nächste war Schleiermacher
s. w. (1834) I 5, 238;
ähnlich: das ... wollen wir uns darstellen zu unserm trost und unsrer erwekkung, die verklärung des christen im angesicht des todes
ders. II 4, 16.
hierher gehört auch der für mittelalterliche andachtsbücher verwandte titel der seele(n) trôst (
später auch seelentrost
u. ä.);
vgl. Ehrismann
gesch. d. dtsch. lit. schluszbd. 601
f.; die bedeutung entspricht etwa der von der seele rât,
also eine art hilfsbuch. II@33)
Jesus ist trost oder trostbringer. II@3@aa)
in älterer zeit oft noch mit dem konkreten sinn von hilfe: 'druhtin', quad si, 'hilf mir!then drost weiz ih in thir' Otfried III 10, 29; oba thu armen wihtinduest drost mit eregrehtin joh thir wolles ana ruamelemosyna giduan Otfried II 20, 1;
ähnl. IV 15, 55; von ainer magede wart er uns ze trôste geborn
kaiserchron. 9379
Schröder; ähnlich altdtsch. passionsp. aus Tirol 147
Wackernell; er (
Christus) wart der nature trost Heinrich v. Neustadt
gottes zukunft 1421
Singer; er sprach: 'uf erde ich vierzig tage belibe, trost mit lere ich sage minen jungern trostlich, die och vor laid hettent umb mich.' schweizer Wernher
Marienleben 6568; unde als nu de Christenen op den marckede legen, umbher myt den vianden betzyngelt, wuosten ock geine hůlpe noch trost, dan alleine by eren geswaren heren Christo B. Rotmann
restitution 108
ndr.; kein besser trost auff erden ist, denn suchen hülff bey Jesu Christ
bei Petri
d. Teutschen weiszheit (1604) 1, d 8
b;
in jüngerer zeit mehr geistig-seelisch empfunden: in dir (
Jesus) pin ich aber wunsam, und hyer gegen deines milden trostes gantz vol gesettigt
kampf der schwärmer gegen Luther 20
ndr.; Jesus Christus ... spricht ... trost ... in ire betrbte ... hertzen Joh. Mathesius
Sarepta (1571) 3
b; nichts kan als Jesus mich erfreuen. o reicher trost: mein freund ist mein W. Chr. Deszler
bei Fischer-Tümpel 5, 350; Jesus soll mein trost allein noch in meinem grabe sein B. Schmolck
sämtl. trost- u. geistr. schr. (1740) 1, 92; hat er nicht den trost dasz Christus für die sünden der welt gestorben ist? Bettine
dies buch gehört dem könig (1843) 2, 469; an der seite einer mutter, deren geheimster trost die liebe des heilands war H. Steffens
was ich erlebte 1 (1840) 159. II@3@bb)
natürlich sehr oft personifiziert: sehen ouh thar then drostthero engilo thionost Otfried V 23, 293; ni zuivolo muat thinazsus findist thu iz gidanaz; findist zi alawarethen liobon drost sus thare
ders. III 2, 34; zartliche si in nante alle zit unde alle frist ir szen heiler Jhesum Crist ir drost, ir zarten herren
heil. Elisabeth 771;
ähnl. 4855; Christ unser trost ez truoc Heinrich v. Freiberg
kreuzholzleg. v. 869; des bluomen (
d. i. Marias) fruht ist ein untOetlich got, und ein tOetlich mensche und ein lebende trost des ewigen liebes Mechthild v. Magdeburg 11
Morel; (
Maria klagt) mein ainiger sun und trost ist gefangen Geiler v. Keisersberg
schiff der penitentz (1514) 84
b; so er (
Jesus) doch ... syg ... ein heilmacher, trost und schatz der seel Zwingli
dt. schr. 1, 298; nicht hOeren gern das gOettlich wort dass Christus unser trost und hort hat bracht auff erden von dem vatter
theatrum diabolorum (1569) 46
b;
in einigen festen verbindungen in der bedeutung '
schützer, erlöser, helfer' (
vgl. oben sp. 912): pistu der juden künig und ir trost, von dem sy süllen werden erlost?
altdtsche passionssp. aus Tirol 87
Wackernell; Simeon ... wartet auff den trost Israel
Zürcher bibel (1531) 220
a; Jhesus minneclicher Crist, der selen trost, der sünder vrist!
schausp. d. mittelalters 1, 210
Mone; bald wird der heiland aller welt, der heiden trost, erscheinen! J. A. Cramer
s. ged. (1781) 1, 251;
besonders häufig, bis in die neuzeit, trost der welt: Jhesum, al der werlde trost
Daniel 2299
Hübner; daz kriuze huoben sî dô ûf und saztens in eins steines kluft, an dem hienc der werlde trôst bruder Philipp
Marienleben 7248; sey willkommen, trost der welt, schlangentreter, sieger, held Ehrenfried Liebich
geistl. lieder u. oden (1768)
in: anhang z. allgem. dtsch. bibl. bd. 45; wo bleibst du, trost der ganzen welt? herberg ist dir schon längst bestellt Novalis
schr. 1, 81
Minor. II@3@cc)
charakteristische verbindungen: dat se geistlick yn krafft des gelovens mith frouden und troiste sulcke beloffte hebenn besetten B. Rotmann
restitution 95
ndr.; vgl. aller Christen herten frOelickste troist
ebda 97; der herr hatt selbest den tag gemacht, throst, freudt undt heil euch widerbracht (1589)
comedie v. d. geburt Christi 303
Bolte: aller trost und alle freude ruht in dir, herr Jesu Christ! Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 325
b; erquicke mein gebein, geusz trost und labsal eyn
ders. ebda 3, 301;
dazu stimmt, dasz für solacium lexikalisch auch lustung, lustig frawung
erscheinen, für solacia wollust,
für solatiari irgeczen, lustien Diefenbach
nov. gloss. 342
b.
vgl. sp. 930 trost
als erquickung. II@44)
im engeren sinne impliciert trost
den begriff der erlösung: und loben in, des gewalt unde des vil süezer trôst uns von dem tievel hât erlôst
Wigalois 5548
Benecke; dîn erbarme müeze senden mir sô trôstlîchen trôst, des diu sêle ûz banden werde erlôst Wolfram
Willehalm 454, 29; ich hân sô sêre missetân, welt ir michs engelten lân, so scheide ich von dem trôste unt bin der unerlôste immer mêr von riuwe
Parzival 488, 11; mit warheit und an allen wan heiligeten si gote den tag da in das heil inne gelag das er mit sime troste si von vancnússe loste Rudolf v. Ems
weltchron. 10680
Ehrismann; sint ich disse redde hon vornummen, dasz disser trost (=
himmlische erlösung, hoffnung auf die ewige seligkeit) en (
den menschen) wirt gegeben, abe sie woln in busze leben, so soln sie zu himmeln faren
Alsfelder passionssp. v. 658
Grein; dar umme (
um unserer sünden willen) iss uns alle trost benomen
von dem jungesten tage s. 110
Willoughby; vgl. auch Heinrich v. Neustadt
vis. Phil. 83/86
Singer; so mag her inphan den heilgen licham vns hern Jhesu Christi czu troste vnd czu eyner ewige selekeit siner sele Dietrich v. Gotha
pred. 63
b; durch Christum werdenn wir erston mit leyb und seel am jüngsten tag, der frumm inn trost, der bösz inn klag (
die guten in zuversicht auf die erlösung, die bösen in heulen und zähneklappen) J. v. Schwarzenberg
der teutsch Cicero (1535) 151
b; nachdem der ritter ist erschreckt von Mose, der im sein sünd auffdeckt, und für gehalten gottes gricht, weis er nun trost zu finden nicht, so kömpt er wider für die thür ... (
dann begegnet ihm Paulus und) gibt im den trost, da er durch Christum sy erlost Fr. Dedekind
der christliche ritter (1590) e 2
a; merckstu nit des Satan list? er wil durch sein kämpffen deinen trost, den Jesus Christ dir erworben, dämpfen Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 384
a; nichts bin ich und weiss gar kein trost nur das mich Christus hat erlOest
bei Petri
d. Teutschen weiszheit (1604) 1, e 4
a; drum schlieszt er (
gott) einen bunde mit Abraham seinem knecht dasz einmal kommt die stunde zum trost des menschengschlecht
bei A. Hartmann
volksschausp. in Bayern u. Österreich 164. daher last uns nu auch trost schepffen frOelich und guts muts sein und mit festem glauben schliessen, das fur welche der herr Christus bittet, die werden freilich genesen Luther 28, 129, 12
W.; der erste, der Luther in seinem verzweiflungsvollen zustande ... trost gab, ... war ein alter Augustinerbruder, der ihn ... auf die einfachste erste wahrheit des christentums hinwies: auf die vergebung der sünden durch den glauben an den erlöser Ranke
sämtl. w. (1867) 1, 198.
hierher die synonyme verbindung trost und gnade: vil armer sünder, ganc von mir (
sagt gott), trost und gnade versage ich dir
von dem jungesten tage v. 356
Willoughby; vgl. ebda v. 252
und spiel von den zehn jungfrauen v. 351. II@55)
gelegentlich von Maria und den heiligen: si (
Maria) hat uns von dem seile unser viende irlost — si ist uns allir dinge trost Pilatus
v. 88
Massmann; trôst aller cristenheite
Kolmarer handschrift 446
Bartsch; Maria mit allen hilligen de sîn mîn trôst
Lübecker dodendantz (1496)
v. 1323; hilff und trost der himelkunigin ... seyē mit uns allē zeitē
manuale curatorum (1516) 61
a; es syend wenig menschen, die nit durch fürbitt der heiligen trost empfindind Zwingli
dtsche schr. 1, 131. II@66)
trost der heiligen schrift, des sakraments u. ä.: II@6@aa) nv waz trostes mge wir vngelerten layen haben von der heiligen schrift, ab si vns nicht bedetet wirt? Heinrich v. Mügeln
bei Klapper
im kampf um die deutsche bibel 11; wann die ding die do seind geschriben die seint geschriben zuo vnser lere: daz wir durch die gefridsam vnd durch den trost der geschrift haben die zuouersicht
erste deutsche bibel 2, 54; niemant sol sich unterwinden eynigen trost zu schepffen und finden denn yn dem wort gottis Luther 12, 413
Weim.; das ist Habacucs gebet und gesang, zu trost den Jden gemacht Luther 19, 435
Weim. trost
als '
zuflucht',
öfter in synonymer verbindung: so wellend wir uns selbs beschirmen mit trost und zuoflucht der gschrift Zwingli
deutsche schr. 1, 50; die schrifft ist auch voller trost wider die forcht und not des todts Seb. Franck
sprüchw. (1541) 1, 149
a; und neben dem ... bringen sie (
die propheten) auch disen nutz mit sich, das sie uns in widerwertigkeit einen mercklichen trost geben J. Sleidanus
reden 30
lit. ver.; ich lasse mir ... angelegen seyn, ... allen trost, der im evangelio enthalten ist, euch recht nah ans herz zu legen und gleichsam einzugieszen J.
M. Miller
predigten fürs landvolk (1778) 1, 35; äuszerte er (
Carlstadt) sich auf eine sehr besondere weise über die h. schrift ... sie ... gewähre nicht den wahren trost, dessen die seele bedürfe Ranke
s. w. 2, 14; (
das evangelium) ist der gröszest trost uff erdtrich in allen widerwertigkeyten Judas Nazarei 58, 22
Kück; strömt dir aus dem buch der bücher kraft und trost im kampfgewühle Fr. W. Weber
Dreizehnlinden (1878) 15; er (
Luther) hatte ... in seiner zelle um gott gerungen, bis sein gewissen den trost der schrift ... fand W. Schäfer
die dreizehn bücher der dtsch. seele (1925) 226;
auch von anderen lehrhaften schriften: sih, disz mein buch heist veritas, ... ich weis gar ebn es wird ihm trost und lehre gebn Ringwaldt
lauter wahrheit (1597) a 1
a; als habe ich ... allen gott seligen christen zum trost ... eine feine geistliche parabell vom getrewen Eckart geschrieben Ringwaldt
christl. warnung (1588) a 7
a. II@6@bb) das sacrament nicht anders ansehen, denn das darynn eytel süsse gnade, trost und leben sey Luther 15, 496
W.; die mesz, die uns Christus ... hat mögen hie auff erden zu trost lassen Joh. Diettemberger
wider Mart. Luthers miszbr. der mess (1526) c; sagt, daz die Oelung und die weihung dem pfaffen bringt ein heiligung, so mOeg die Oelung solch bOesz leben erstatten und ein trost im geben Fischart
nachtrab 54
Kurz; nach empfangenen trost, ... gienge sie ihres weges Happel
akadem. roman (1690) 268; ich habe das vertrauen, er (
der priester) wird mich mit vollem troste von dir scheiden lassen. so gehe dann hin und bringe mir den letzten trost Brentano
ausgew. w. 3, 35; (
der geistliche erwartete die aufforderung,) irgend einem sterbenden mit geistlichem trost beizustehen Steffens
nov. (1837) 1, 293; ..., hörte man auf, den sonntag zu feiern: die einwohner starben ohne den trost der sacramente Ranke
sämtl. werke 4, 117; da naht im ernsten zuge der kaplan mit kreuz und kerzen beim gesang der lieder, der kranke soll den letzten trost empfahn Geibel
ges. w. 2, 72; II@6@cc)
allgemeiner von geistlicher seelsorge und geistlichem zuspruch: sprach: herr, sprecht einen trost mir zu, dasz ich mich mit erquicken thu (
ein zum tode verurteilter zum geistlichen) L. Sandrub
hist. u. poet. kurzweil 92
ndr.; vch Zinzius (
Vinzenz), der nunnen trost, wie habt ir mich so gar entbloszt! (
Vincentius v. S. Paul, stifter der Vincentinerinnen) Th. Murner
narrenbeschwörung 92
ndr.; darauff nach etlichen tagen, nach beschehenen vielfältigen unterricht und trost, ... starb er in hoffnung auff die unendliche barmhertzigkeit gottes Joh. Prätorius
Blockesberges verrichtung (1668) 354; da wolte kein zusprechen der verwandten bey mir hafften, kein trost der geistlichen mehr helffen Grimmelshausen 2, 515
Keller; um den von dem unterirdischen getöse ... aufs äuszerste beunruhigten bewohnern ... geistlichen trost zu geben A. v. Humboldt
kosmos (1845) 4, 335;
von der kirche: sah in der kirche zugleich einen vornehmen bundesgenossen ... der ihr selbst stütze, trost und letzter halt wurde G. Freytag
ges. w. 17, 147; heyl und trost vom heyligen stuol J. Sleidanus
reden 42
lit. ver. II@77)
entsprechend den bedeutungen vertrauen, hoffnung, zuflucht (
s. sp. 903
f., 906
f., 914)
kann gott auch das objekt des trostes
sein; den neueren sprachstufen ist dieser gebrauch fremd geworden: ih habeta is trost an dir (
spes mea) Notker 3, 59
Piper; iro trost sezzo ih an minen haltare
ders. 2, 34; thir sprichet sente Peter abe daz man trost zu gotes gnaden habe (
glauben an, vertrauen zu) Heinrich v. Hesler
apokal. 4118;
vgl. 13714, 15632
u. 19670); so spricht si (
die seele zu gott) herre, du bist min trost, min gerunge, min vliessender brunne, min sunne, und ich bin din spiegel Mechthild v. Magdeburg 7
Morel; ich sol mein zuversicht und trost auff Christum setzen Luther 34, 1, 159
Weim.; ähnl. 306; sihe, das ist der trost, so wir auff jenes leben haben, das gott selbs sol unser und alles ynn uns sein 36, 599, 13
Weim.; so wirt der trost in den einigen gott wol wachsen Zwingli
dtsche schr. 1, 269; setz all din trost in den herren Christum Jesum
ebda 1, 75;
vgl. auch ders. v. freih. d. speisen 8
ndr.; erste deutsche bibel 4, 239; derhalben ist aller getrau, trost und hoffnung uff ihn zcusetzen (1519) Egranus
predigten 17
Buchwald; (
David) der sein trost setzt allein auff gott Hans Sachs 18, 34
K.-G.; du wilt dein trost auff gott nur steln
ders 6, 42; doch soltu nitt zuovil trost haben auff die barmhertzigkait gotes Geiler v. Keisersberg
v. d. anhebenden menschen in: granatapfel (1510) 6
a; lehr mich, die dir zu füszen nicht wuszte, was sie that, mit trost das auge grüszen, das mir mein heil erbat (
mit vertrauen, zuversicht oder demut aufblickend) Cl. Brentano
ges. schr. 1, 184; II@88)
bei Luther
findet sich auszerordentlich häufig, und zwar in spezifisch religiöser verwendung, die feste verbindung trost und trotz,
etwa in der bedeutung von '
zuversicht und stärke'
oder '
schirm und schutz', '
schutz und trutz', '
vertrauen und kraft': ich weysz wol, wo mein trost und trotz stehet, der mir wol sicher stehet für menschen und teuffeln 6, 617
Weim.; unser trotz und trost auff die zukunfft Christi und unser erlösung ist auch nicht fern 30, 2, 162; da stehet nu unser trost und trotz widder alle unsere feinde, das wir, so an Christum gleuben und an seinem wort hangen, eben die sind, die jhm sind zu eigen gegeben von gott dem vater, und er sich unser annemen, schtzen und erhalten wil 28, 88, 15; nu, dieser vers ist ein mechtiger trost und trotz für die fromen und ein schrecklich urteyl widder die tyrannen und ketzer, wer es gleubt 19, 591; sihe, das ist jhe eine theur verheissung zu trefflichem trost und trotz der Christen wider jhre verfolger (nos autem habemus hoc solatium) 28, 150, 27; auff das ... die armen trost und trotz haben, aber die groszen und gewaltigen sich furchten und demtigen 24, 437, 26; das er seine zuversicht, trost und trotz nicht setze auff zeitliche guter 32, 307, 32,
vgl. noch 16, 114, 25; 19, 371, 27; 23, 686, 4; 24, 81, 20; 30, 1, 203; 32, 307, 32.
ein beleg bei Joh. Agricola
geht wahrscheinlich auch auf Luther zurück: diss ist ein trotz und trost wider die, so uns mit trawwortten anlauffen, und wollen uns mit hohen wortten uberpochen 750
teutsche sprichw. (1534) m 4
a;
mit leiser abweichung in der bedeutung: das grosse gut wird dich nicht retten an dem tag desz zorns ... weil du deinen trotz und trost darauff gesetzt Harsdörffer
schauplatz lust- und lehrr. geschichte (1650) 1, 280. IIIIII. trost
in der heute noch üblichen anwendung und bedeutung, wobei der begriff der handlung mehr durch den einer empfindung oder der äuszerung eines empfindens ersetzt wird; überwiegend nhd. gebrauch. III@11)
in bestimmten bereichen des menschlichen lebens. III@1@aa)
bei gram, jammer, kummer, leid, qual, schmerz, trauer, trübsal u. ä.: durch iwer güete gebt uns trôst (
tröstende auskunft), op der von jâmer sî erlôst
Parzival 433, 27; es ist kein trost nit der den kumber möge ringeren oder leychteren Frisius (1556) 311
b; (
Judas glaubt sich von gottes gnade ausgeschlossen): nimmermehr ein trost ich fündt
bei A. Hartmann
volksschausp. in Bayern u. Österr. 140; wenn er das letzte kind, mein werthes ehgemahl, als balsam herber wund, als trost erhitzter quahl mit nassen wangen küsst Andreas Gryphius
trauerspiele 158
Palm; die letzte staffel, die benachbarten ihme (
dem hauswirt) zu verbinden, ist ... wann man ihnen in freuden mit glückwünschen, in traurichkeit mit trost, ... an die hand stehet Hohberg
georgica curiosa (1682) 1, 143; soll ich nun vor kummer schweigen? oder soll ich dir noch zeigen, wo des trostes wasser quillt, das dergleichen jammer stillt? Gottsched
ged. (1751) 1, 136; hab ich dich nicht im leide, mit quellen süszes trosts getränkt
ebda 1, 332; denke nicht, dasz auf dein grämen sich das schicksal anders wälzt; sey bereit, es anzunehmen, ob dir gleich der trost zerschmelzt D. W. Triller
poet. betrachtungen (1750) 1, 916; mein kind und ich, wir wollen leben; in trübsal wird es trost mir geben — mein kind und ich, voll seligkeit, vergessen männergrausamkeit Herder 25, 166
S.; die ihr felsen und bäume bewohnt, o heilsame nymphen, gebet jeglichem gern, was er im stillen begehrt! schaffet dem traurigen trost, dem zweifelhaften belehrung, und dem liebenden gönnt, dasz ihm begegne sein glück Göthe I 2, 126
W.; blutige thränen hätt ich dir geweinet ach! und thränen der seele, wenn mein auge starrte gleich dem grame, den nie des trostes kühlung umwehte grafen Stolberg
ges. w. (1820) 1, 25;
beim abschied: mag auch heisz das scheiden brennen treuer muth hat trost und licht. mag auch hand von hand sich trennen, liebe läszt von liebe nicht Geibel 2, 22; trost in thränen (
überschrift) Göthe I 1, 86
W.; III@1@bb)
specieller bei armut, in krankheit, unglück und widerwärtigkeit. III@1@b@aα) der armen trost ist, das gott selbst auff erden auch arm gewesen ist
bei Petri
d. Teutschen weiszheit (1604) 1, a 7
b; der mann (
ein arm gewordener bauer) aber gürtete frühe seine lenden, und indem er weib und kinder verliesz, sprach er ihnen trost ein: weinet nicht! Musäus
volksmärchen 1, 35
Hempel; ir mih ouh ni wattut,in siuchi drost ni datut Otfried V 20, 106; das ist der trost den fast kräncklichen, der viel schmertzen gehabt hat, der hats verschmertzet (
der empfindet keine mehr) Comenius
janua aurea (1638)
nr. 295; die böse nachricht (
v. d. krankheit d. herrschers) wächst, der guten traut man nicht, aus forcht, man habe sie zu unserm trost erdicht König
ged. (1745) 111; ich musz ihnen zum troste sagen, dasz das letzte gerücht von meiner kranckheit, eben nicht so ganz gegründet war Göthe IV 1, 214
W.; darf ich der süszen hoffnung gehör geben, die mir auf einer seite winkt und mir trost und geduld einspricht (
krankheit der mutter), oder musz ich die schrecklichen träume glauben, die mich nächtlich quälen und ängstigen? G. Forster
sämtl. schr. (1843) 7, 94; III@1@b@bβ) wis ouh drost seres,sar thu thih bikeres, bruadoron thinen,thaz scadon sie firmiden (
Luc. 22, 32
confirma fratres tuos) Otfried IV 13, 19; auff solche oder auch ein bessere weisz solt ihr allzeyt ewerm unglück mit trost wissen zubegegnen, dasz noch morgen taler könten regnen Fischart
Gargantua 37
ndr.; so wirst du freud in schwerem leid und trost im creutze haben Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 334
a; in allen anderen ubeln dieser welt, kan der mensch einen trost finden ... aber in währendem ubel des gewissens kan kein trost gefunden werden Abraham a
s. Clara
etwas für alle 2 (1711) 12. III@1@cc)
besonders häufig beim schmerz um einen verstorbenen: das ich in der grösten kümmernuss (
tod der frau) E. E. nie hab mit einigem trost oder sonderlicher vermanung ergetzen oder trösten können Caspar Scheit
die frölich heimfart (1552) a 2
a; der (
mann) on yemands trost auch anhub zu weinen unnd klagen umb sein Silvestram, sein gemahel Montanus
schwankbücher 101
Bolte; den jammer find ich in meim hausz (
die frau ist gestorben), wenn ich aber nun geh herausz und will trost suchen bey den leuten, so wird mans auch zum ärgsten deuter W. Spangenberg
griech. dramen 1, 144
Dähnhardt; andern hab ich bisz anher die sich fanden in beschwer können trost ertheilen; wer wird mir in dieser noht, da mein liebster freund mir todt, meine wunden heilen? Simon Dach
ged. 734
lit. ver.; (
klage um eine verstorbene) trost und trauren sey vereinet: dort sie lebt in seeligkeit A. U. v. Braunschweig
Octavia (1677) 2, 1041; sie wuszten wohl, dasz (
nach dem tode der tochter) aller gewöhnliche trost verlohren sey für mich, dasz ich die gesellschaft der menschen fliehen, und mich ganz absondern werde von der welt Zimmermann
über die einsamkeit 1, xii; aber Klarisse (
eine kammerjungfer, deren königin ertrunken ist) verschmähte allen trost A. v. Arnim
sämtl. w. 2, 295; die nacht ist finster, schwül und bang, der wind im walde tost; ich wandre fort die nacht entlang und finde keinen trost (
tod der braut) Lenau
s. w. 8
Barthel; und doch glaubte ich der verstorbenen frau das zu liebe thun zu müssen, dasz ich ihm alles sagte, was ihm trost und heilung sein könne Pückler
briefw. u. tageb. (1873) 1, 183; wie erhebend und schön ist ihr hinscheiden (
Marie Droysens) gewesen, und wie erhebend deine fassung und trost Ed. Bendemann 15. 3. 1847
an J. G. Droysen bei G. Droysen
J. G. Dr. 335. III@1@dd) trost
der liebe, hier schon im mittelalter auch die neuere bedeutung. III@1@d@aα)
im höfischen minnedienst neben genâde =
erhörung: ich hân gedienet mîniu jâr nâch lône disem wîbe, diu hât mîme lîbe erboten trôst (
hat mich erhört) Wolfram
Parzival 202, 9; 'frouwe, ich wil beidiu hân, sît ich in iwerm gebote lebe, iwer minne und iwers trôstes gebe (
liebe und erhörung)
ebda 371, 20; ich grüeze die ich grüezen sol ... frouwelîn, ich meine dich, sît du mit trôste trœstes mich ... dîn trôst für ander trôste wigt (
deine liebe überwiegt alle sît dîn herze gein mir triwen pfligt
andern freuden)
ebda 715, 4
und 7; 'süeziu Gyburc, lâ mich în und gib mir trôst den du wol kanst. nâch schaden du mich freuden manst ich hân mich doch ze vil gesent'
Willehalm 90, 3,
vgl. ebda 166, 30; daz si mir ze trôste kome (
dasz sie mich noch einmal erhöre) ê daz ich verscheide Heinrich v. Morungen
in minnesangs frühling 129, 31; dirre zwîvel hât mir vröude vil benomen: hat ich iender trôst nâch wâne derst verlorn (
fand je mein ungewisses verlangen erfüllung, so ist das vorbei) Leuthold v. Seven
in minnesinger 1, 306
v. d. Hagen; ob ir trôst mir gunde daz ein kus die nôt enbunde, die dîn herze, liebiu, mir gebot Gotfried v. Neifen
in minnesinger 1, 52
a v. d. Hagen; daz (
meine freude) kumt von dem trôste, den ich hân zir wîplicher güete (
liebe, die ich bei der gütigen frau finde)
minnesinger 2, 336
b v. d. Hagen. III@1@d@bβ)
fortlebend in späterer dichtung mit gewisser nüancierung: komm mir mit trost zu steür (
erhöre mich), bedenkh des scheydens end
volks- u. gesellschaftslied. d. 15. u. 16. jh. 151
Kopp; jetzt steh ich vor ihr thür, voll getrühr, macht dar ein grosz turnier, kan ich dann kein trost erwerben (
wenn sie mich nicht mag), so musz ich, so musz ich von trawren sterben
Venusgärtlein 11, 6
ndr.; trost über trost ich allzeyt han von dir meinsz hertzen auffenthalt Forster
frische teutsche liedlein 120
ndr.; bleibest du ... on weybe, so wirt dich bekumern und peinigen, allein on weyblich lieb und troste zuleben Albrecht v. Eyb
dtsche schr. 1, 5
Herrm.; noch etwas unter dem einflusz des älteren gebrauchs: willst du mir trost verleihen, lasz mich aus deinen augen der liebe schwärmereien minutenwahrheit saugen Cl. Brentano
ges. schr. (1852) 2, 113; wie wenig sie mir trost gewähre: ich wünsche, dasz sie glück und ehre begleiten an der freuden ziel G. Keller
ges. w. 6, 44; III@1@d@gγ)
zuweilen auch konkreter oder gröber: flaischlichen trost und ewig lon kain mensch auff erd erlangen kan J. v. Schwarzenberg
der teutsch Cicero (1535) 134
b; dieweil ich aber wol erachten mocht, das nit müglich wer, ich trost von der frawen zu empfahen, hab ich mirs so schwärlich an mein hertz geleyt, das ich eyner solchen schwären kranckheit niderkummen bin Wickram
w. 1, 8, 8
Bolte; es sein die frawen zum männertrost gebohren Gabr. Voigtländer
oden und lieder (1642) 17, 1; ich wende mich nicht leicht an ein mädchen (
mit liebeserklärungen) ohne einigen trost zu erhalten Fr. L. Schröder
dram. w. (1831) 1, 22. III@1@d@dδ)
allgemeiner; (
liebes)
glück und liebesfreude: wan si ze trost ist mir geborn
minnesinger 2, 168
v. d. Hagen; bei einer andern zu stehn, bringt mir auch keinen trost — drum ade mein allerschönster schatz, jetzund geh ich fort Fr. L. Mittler
dtsche volkslieder (1865) 567; Agalanta (
zu ihrem geliebten Silvius:) bittend, du wollest mit meinen schmertzen, die ich deinetwegen trage, doch ein hertzlich mitleiden haben und mir deine reden zu einem künftigen trost gedeyen lassen
schausp. engl. comödianten 114, 5
Creizenach; mein Caesar bist du hier? kan ich mit neuen freuden an deiner küsse trost itzt mund und seele weiden Hagedorn
vers. einiger gedichte 74
lit.-denkm.; dir nur leb ich annoch mein einziges herzensfräulein! lächele du mir trost und heiterkeit! J. H. Voss
s. ged. (1802) 2, 134; es freut mich sehr und giebt mir in meinem herzen trost, dasz ich die allerliebste mein soll sehn mit lust A. v. Arnim
w. 21, 47; unnennbar traurig die seele ist, der sonnigen tage sie nicht vergiszt. nun findet sie nirgends der liebe trost
bei Arent-Conradi-Henckell
moderne dichtercharaktere (1895) 9;
liebeslohn, dank: wan dîn helfe unde ir trôst (
liebeslohn), ich wære immer unrelôst vor jâmers gebende Wolfram
Willehalm 456, 19; swer was an gemüete starc und dâ bî kranc an lîbe, ... dem zimt niht rât von man noch trôst von wîbe (
lohn, liebeslohn)
Lohengrin 4430
Rückert; was? jungfraw, antwort er, ist das der trost (
dank) und besoldung meiner ehr, und meines lebens, so ich für euch gewaget, und in die schantz geschlagen hab?
Amadis 151
Keller; wo ihr ihr nicht zusendt ein trost (
erhörungszeichen, liebes- darinn sie ewer liebe spür,
zeichen), ihr junges leben sie verlür Hans Sachs 17, 67
K.-G.; III@1@d@eε)
früher und später sehr häufig in personifiziertem gebrauch, auch direkt als anrede für die geliebte oder den geliebten: ich sprach: 'gnad, frow edle und werde, ich tain als ainer der erschrickt so er sinen trost anblickt
mhd. minnereden 1, 692
Matthäi; petz (
zu metz): lieber trost, besorge dich nit, es sol nichts übels in unser lieb kommen Albrecht v. Eyb
spiegel der sitten (1511) a a 2
b; ir alleine seyt mein trost und hoffnung do von mir allein mein heyle komen mag Arigo
decam. 191, 4
Keller; got pfleg din. ja din min hertzigs gemüt und ainiger troste und hilff mines lebens Niclas v. Wyle
translationen 34, 2
Keller; sich an mein trost, begnad mich gantz ellenden, mein hertz das ficht, hilffstu im nicht, vor leid es bricht, du kanstes hertzlieb wol wenden
Helmstorfer liederhs., Berl. germ. quart 402, 3, 19. da nun Sigismunda ... ihren allerliebsten freundt, trost und hoffnung im gefencknus sein vername Montanus
schwankbücher 226
Bolte; o du mein auszerwelter trost und hoffnung, was groszer trübsal und traurigkeit ist dir jetzt jähling zugestanden
buch der liebe (1587) 132
d; (
schlusz eines tageliedes) du bist meines herzens edler trost
bei Erlach
volkslieder d. Deutschen 1, 261; Rosemund wahr sein einiger trohst Ph. Zesen
adriat. Rosemund 13; ach mein liecht, mein süszer trost und leben!
Königsberger dichterkreis 52
ndr.; hab ich, trost (
freundin), dich nicht lieb, so bin ich mir selbst feind P. Fleming
dtsche ged. 500
L.; ähnlich 528;
auch hier gelegentlich ins concret-erotische hinübergreifend: der rostige ritter ist mein trost, auch alsbald ich mit ihm zu reden kommen kan, so musz er mein bule werden
buch der liebe (1587) 16
b; o du mein trost, geh bald herein! (
anrede an d. ich hab nechten gewartet dein
geliebten) mit so gar hertzlichem verlangen Hans Sachs 7, 100
Keller. III@1@ee) trost
der ehe, der familie u. ä.: (
der wundervolle ehestand) ... voller hulde gnad und gunst, voller labsal, trost und saft, voller wunder, sag ich noch ist der keuschen liebe joch Paul Gerhardt
ged. 304
Goedeke; der frawen trost nechst gott ist ein frommer hauszwirt
bei Petri
der Teutschen weiszheit (1604) 2, n 7
b; der man acht nit des weibes frumb, das weib des mans auch widerumb, dieweil sie noch das leben han, wenn man sie aber tregt darvon, wollen sie sich zu todt drum grein, dencken erst, wer sie gewesen sein, was sie verlorn für trost und heil (
etwa: was sie eins am andern besessen haben) E. Eyering
proverb. copia (1601) 1, 15; du hast ihm auch zum trost der einsamkeit ... das erste weib erschaffen Gottsched
ged. (1751) 1, 350; habe ich doch mein weib hier zum troste! Schubart
sämtl. ged. (1825) 2, 270; ausdrücklich hatte er auf den trost verzichtet, ein eheliches weib ... zu haben Ranke
sämtl. w. 1, 46; und vollends die klage über das frauenschicksal (
in Goethes Iphigenie), der finstere blick auf den leidigen trost der ehe, ... liegt in dieser selbstbewusztheit auszerhalb der sphäre des altertums Gervinus
geschichte der dtsch. dichtung (1853) 5, 89; die landläufige anschauung ... will einem weiszmachen, dasz man, wenn einem die ganze welt ... keinen trost mehr giebt, denselbigen immer noch am busen seines treuen weibes finde W. Raabe
Horacker (1876) 56;
von hierher versteht sich auch die sprichwörtliche redensart: nordost ist der Lübschen frawen trost (
weil er die männer in den hafen bringt)
bei Petri
der Teutschen weiszheit (1604) 2, Q q 5
b; west is de Hamborger er best, ost is de Lübecker er trost
bei W. Lüpkes
seemannsspr. (1900) 10
nr. 121; nordost is de schipperfron er trost
ebda 24
nr. 306. ein süszer trost ist ihm geblieben, er zählt die häupter seiner
lieben und sieh! ihm fehlt kein theures haupt Schiller 11, 312
Goedeke; der einzige trost über die abwesenheit ihres gemahls, die einzige freude in ihrer stillen einsamkeit war ihr geliebter, kleiner Heinrich (
ihr kind) Christoph v. Schmid
ges. schr. (1858) 1, 15; es ist wahr, gott hat mir noch eine mutter gelassen, deren beystand mir sehr zum troste gereicht Gottschedin
briefe (1771) 1, 11; auch wenn ich die strafe redlich verdient hatte, fand ich ... bei der mutter trost Holtei
vierzig jahre (1843) 1, 36; Klara war wieder allein, ihr herz verlangte ... nach den eltern, nach dem auch ohne aussprache wirkenden trost der liebe, dessen sie von klein auf gewohnt war Emil Strausz
kreuzungen (1925) 239. III@1@ff) trost
der freundschaft: und sît ich sîn âne komen bin (
des freundes Gawein), so ist aller mîn trôst hin
Iwein 4736; got lône iu, frouwe, daz ir hie mir gebt sô güetlîchen trôst (
freundlichkeit erweist)
Parzival 329, 17; rechte freund, so in nöten dein stütz und trost sein ...
schöne weise klugreden (1548) 162
a; der frunde trost ist mannigfold bäter wan eddele steine edder gold
bei Carl Schulze
bibl. sprichwörter 102; aus klagen, traulich mit freunden gekost, entblühet der trost Salis
ged. (1793) 19; (
hymne an die freundschaft): dank o milde segensrechte ... für des trostes melodien ... Hölderlin
ges. dicht. 1, 119
Litzmann; der schöne trost, in einer seele meine welt zu finden ... auch der gebrach mir
ebda 2, 81.
auszerordentlich häufig in personifiziertem gebrauch: ein treuwer freund ist ein trost desz lebens R. Lorichius
paedagogia principum (1595) 219;
s. a. Reinicke fuchs (1650) 38; diesze liebe churfürstin
s. war all mein trost in allen widerwertigkeitten, so mir hir so heüffig zugestoszen sein Elisabeth Charlotte
briefe 2, 402
Holland; (
ich) hoffete du würdest dereinst mein trost seyn, (
der alte Phönix zu Achilleus bei Homer) J. Breitinger
crit. dichtkunst (1740) 1, 95; Orestes war mein trost Joh. El. Schlegel
w. (1761) 1, 10; indem sie mich einer freundin übergab, von der sie selbst so manchen guten rath, so manche aufklärung, so manchen trost empfangen hatte Pfeffel
pros. versuche (1810) 1, 4; dreyzehn jahre hindurch waren sie (
freundin) mein trost Zimmermann
über die einsamkeit 1, vi; letztere, die seit dem tode seiner gemahlin eine treue reisegefährtin und einziger trost gewesen Göthe I 7, 210
W.; wer kann zweifeln, dasz sie ihn (
Joh. Müller) ganz durchdrungen hat (
die freundschaft), dasz sie sein trost und gleichsam die nahrung des bedürftigen war? A. W. Schlegel im
Athenäum (1798) 2, 315; mein stolz, mein trost, mein edler trauter Gleim J. D. Falk
satiren (1800) 1, xi; es ist mir äuszerst erfreulich, Levin, dasz sie in ihrer jetzigen verlassenheit einen geistigen anhalt und trost in ihr gefunden haben Annette v. Droste-Hülshoff
briefe an Levin Schücking (1893) 172; ja nun gehst du fort ...; es soll auch kein biszle trost bei mir bleiben O. Ludwig
ges. schr. (1891) 2, 379; eins ist sie (
die freundin) gewisz: in jeder sorge mein trost Fontane
ges. w. I 4, 29. III@1@gg) trost
der zusammengehörigkeit, der gemeinschaft, der vaterlandsliebe: III@1@g@aα) it is dem unseligen ein trôst, dat de ander mede lidt Tunnicius
sprichwörter nr. 741
Hoffmann; o Friederich! du trost und hörer meiner klagen B. Neukirch
gedichte (1744) 245; und du gute seele, die du eben den drang fühlst wie er (
Werther), schöpfe trost aus seinem leiden Göthe I 19, 3
W.; der arme weint, er weinet auch mit ihm; schon trost genug! Hölderlin
ges. dichtungen 1, 35
Litzmann. ich habe also doch den trost: socios habuisse Lichtenberg
briefe (1901) 2, 117; sie sind mir in meiner einsiedeley ein rechter trost J.
M. Miller
briefwechsel dreier akad. freunde (1778) 1, 60; und endlich ... fand ich auch da noch einen elenden trost in dem gedanken: geht's einmal zu felde, so schont das bley jenen glückskindern so wenig, als dir armen hudler! — also — bist du so gut wie sie Ulrich Bräker
sämtl. schr. (1789) 1, 125; nur in dem wunsche, in der hoffnung, mit ihm zu sterben, ... fand er trost Klinger
w. (1809) 4, 44; Langenbeck steht fast ganz allein ..., und hat nur die Lüdersche familie zum trost Wilhelm Grimm im
briefw. zw. J. u. W. Grimm, Dahlmann und Gervinus 1, 338. III@1@g@bβ) trost
als gefühl des stolzes auf sein vaterland: besser wärs, wir könnten mit den waffen streiten, und durch unser beyspiel der jugend zeigen, dasz man nie am vaterland verzweifeln müsse. das alter beraubt uns dieses trosts Klinger
neues theater 1, 2; mir wenigstens wird es trost seyn ... dasz ich dem vaterlande ... habe nahe seyn wollen in der stunde der noth Schiller 7, 286
Göd.; sollten die Buonapartischen helfershelfer das deutsche vaterland in gefahr bringen — nun dann greife ja ohne weiteres jeder zu ... zum trost der schwachen, zur lust der starken Fouqué
gefühle, bilder (1891) 1, 102;
als überschrift: trost der deutschheit Fr. Rückert 1, 104
Sauerländer; ähnlich: doch rühmlich sterben ist der menschen süszer trost! J. G. Droysen
Äschylus (1841) 91 (
nach dulce et decorum est pro patria mori Horaz od. III 2, 13). III@1@hh)
trost des beispiels: ich dancke ... got, das ich eyn trost und exempl habe Luther 34, 1, 339, 24
Weim.; einem beraubten ists ein trost, wenn seine gesellen mit herhalten müssen
bei Petri
der Teutschen weiszheit (1604) 2, t 3
a; einer ieden huren trost ist, dasz sie die erste und letzte nicht seye Pistorius
thes. paroem. (1715) 373;
ähnlich bei Fischer
schwäb. 2, 405; nim hier einen trost (
beinahe = '
beispiel'), wenns iemand so gehet, dasz ihn seine brodtfresser verrathen und verkauffen. so ists David vom Absalon ergangen, davor dasz ihn der vater so zärtlich erzogen, hat er ihm endlich nach leib und leben gestanden Val. Herberger
stoppelpostilla (1715) 535
b; es ist mir nichts übrig gelassen, als dasz ich sie, wenn es anders ein trost ist, mit meinem beispiele tröste Gellert
sämtl. schr. 10, 145; neulich versicherte mich jemand, Xenophon habe eben so schlechte prosa geschrieben als ich; welches mir denn zu einigem troste dienen sollte Göthe IV 29, 91
W.; vgl. ebda 11, 10; schon ist es trost, dasz wir auch eine masse sind, die überein denken Göthe IV 5, 3
W.; vgl. ebda 9, 84; was sie von den pfuschereyen in der villa Borghese schreiben ist freilich traurig, doch geht es bey uns nicht besser und wir können also von dort her trost schöpfen
ebda 11, 10; Leporello zeigt ihr (
der donna Elvira) zum trost das lange register, das er über die liebschaften seines herrn führt O. Jahn
Mozart (1856) 4, 351; wie die uns ähnlichen zu uns geredet haben und dadurch unser trost in dieser lebensöde geworden sind Schopenhauer
w. 1, 19
Grisebach. III@22)
das wort zeigt verschiedene bedeutungsschattierungen unabhängig von seinen anwendungsbezirken. III@2@aa) trost
als äuszerung von teilnahme, mitleiden, mitgefühl, güte (
als konkrete soziale handlung vgl. o. sp. 911): nimm diesz blatt auf deine zeilen, als ein sichres zeichen hin, dasz ich dir verpflichtet bin für den trost, den sie ertheilen Gottsched
ged. (1751) 1, 250; es ist so süsz, auch da wo man nicht balsam des trostes in die wunde gieszen kann, doch ein brüderliches thränchen darauf zu weinen Knigge
roman meines lebens (1781) 3, 41; nie liesz er es dem bekümmerten an trost ... fehlen Nicolai
Sebastian Nothanker (1773) 1, 3; im irrgang dieses lebens ists oft so bang und schwül! und mancher fieht vergebens um trost und mitgefühl Matthisson
schr. (1825) 1, 36; Maria ist liebreich und schön und einem gefangenen und kranken kann ichs nicht übel nehmen, der sich in sie verliebt. in ihren augen ist trost, gesellschaftliche melancholie, — aber um dich, Adelheid ist leben, feuer, muth Göthe I 8, 52
W.; dann wird, da seinem leiden trost nicht fehlet, gemildert euer mitleid seyn J. v. Collin
Regulus (1802) 15; theils weil sie (
frau Minnetrost) oftmalen kranke minne tröstet und heilt, theils, weil ihr trost nur immer der der minne und güte ist, niemalen der des trotzes und der gewalt Fouqué
zauberring (1812) 1, 95; o jeder zug war güte, jede regung bewegter anteil ... seiner stimme ton so trostes voll, dasz wie vor Orpheus lied mein gram bezaubert einschlief Geibel 7, 77; III@2@bb) trost '
zuspruch': wir sulen hôhmuotes rât den liuten künden unde sagn. guot trôst erküenet mangen zagn Wolfram
Willehalm 268, 30; Willalm der kurteise gap der künegîn guoten trôst und jach si wurde wol erlôst. 'got ist helfe wol geslaht: der hât mich dicke ûz angest brâht'
ebda 102, 29; wärest du nicht trosts (
tröstlichen zuspruchs) notturftig als du dann bist, so klaget ich dir selbes über dich Arigo
decam. 629
Keller; Teurdank allein in dieser not ... ruft die schiffleut alle an, das sie belieben bei der arbeit ... von solchem seim trost empfiengen die schiffleut ein herz und giengen wider an ire ruder dar
Teuerdank 105
Goedeke; dein trost und zuspruch soll mir mehr als alles gelten D. W. Triller
poet. betrachtungen (1750) 1, 552; die freundlichkeit und der gute trost des wundarztes Göthe I 23, 27
W.; ähnlich Holtei
erz. schr. 21, 58; Pfeffel
pros. vers. (1810) 5, 34; die gemüter waren damals offen für trost und zuspruch Fontane
ges. w. I 1, 45. III@2@cc) trost '
versprechen': item es ist gar wol ze bedencken und zu hertzen ze nemen, wenn man mer krigen müst und bei des heiligen reiches steten in verbüntnüs were, daz man sich denn auf iren trost noch hilf nicht verliesz in keinerlei weis, weder umb leut, noch umb gut (15.
jh.)
städtechron. 2, 330 (
Nürnberg); aber sie (
die reichsstädte) können uns nicht helfen, darumb ist sich nicht ze laszen auf iren trost oder zusagen in keinerlei weis (
v. j. 1449/50)
ebda 2, 331; (
der geist tröstet Faust damit, dasz er es besser haben solle, als andere verdammte) solchen und noch mehr trosts gab er ihme, doch falsch und der heyligen schrifft zu wider
volksbuch vom doktor Faust2 117
ndr.; ich hoff dein (
der alchimy) trost der sey on argk, drumb wag ich silbers etlich marck J. v. Schwarzenberg
der teutsch Cicero (1535) 120
b. III@2@dd) trost '
lehre': ... ditz was dem herren guot, ein liebez bîspel unde ein trôst (
vorbild und lehre) der in von zwîvel tet erlôst (
die ihm die unsicherheit benahm) Rudolf v. Ems
guter Gerhard 159; do si (
Margarete Ebner) von den dingen (
seines, Seuses, lebens), trost und wisung bevand, do schreib si es alles an, ir selb und och andren menschen ze einem behelfen Seuse
dtsche schr. 7, 12
Bihlmeyer; opffer, zehend, fleiszig bet die judischeit vor zeiten det, bisz das in got gesendet het underweisung durch propheten zuo trost in allen iren nötten Thomas Murner
badenfahrt cap. 2,
v. 27
Martin; allein Eraszmus hette aus dieser lection wenig trost geschöpfft (
kenntnis davongetragen) J. B. Schupp
schr. 820; ja will sie (
die jugend) sich in galanten gedichten umsehen, wird der fünfte und letzte anfangsgrund solche nicht ohne trost (
unbelehrt) lassen J. G. Neukirch
anfangsgründe zur teutschen poesie (1724) 19; (
die aufgezeichneten rechtsquellen) welche von den verfaszern der rechtsbücher benuzt werden konnten, waren in einer so unvollkommenen gestalt vorhanden, dasz aus ihnen wenig trost (
auskunft, belehrung) zu holen war K. Fr. Eichhorn
dtsche staats- u. rechtsgesch. (1821) 2, 258;
syntaktisch etwas verschoben, doch in gleicher bedeutung: denen, welche der schlag ein mal getroffen hat, will ich zu trost ein lehr hierinn beschreiben Paracelsus (1616) 2, 547
Huser; aus einem sprüchlein kann ein groszer trost erwachsen Val. Herberger
hertzpostilla bei Rother
schles. sprichw. u. redensarten (1928) 252.
in der festen verbindung trost und lehre: sein barmhertzigkeit, güt und mildt den glaubigen wirdt fürgebildt, darausz sie haben trost und lehr Hans Sachs
bei Ph. Wackernagel
dtsch. kirchenlied 3, 74; wann aber junge studentgen, ... welche nur vor wenig wochen aus der schule entlauffen, solch abgeschmackt ... zeug auf die kirchencatheder bringen, was vor trost und lehre ist daraus zu fassen? Joh. Riemer
d. polit. maulaffe (1679) 201; wer ist denn dieser edle Thalheim, der ... so gütig mir trost und lehre gab K. Meisl
theatral. quodlibet (1820) 2, 166. III@2@ee) trost '
freude'
oder '
glück': ir lîp was wunsch des gernden und ein trôst der vreuden wernden Wolfram
Willehalm 155, 10,
vgl. die lesarten; vil mînes trôstes an ihm lac (
mein ganzes glück war er), rehter liebe ich im ie pflac, nâch im ich mir vil senede jach Ulrich v. Eschenbach
Alexander 20327; daz brâhte sie ze guotem trôste (
erfreute sie)
ebda 5936; so deutlich stellt dein sohn es (
ihr wesen) dar, den sie zu deinem trost gebohren Gottsched
ged. (1751) 1, 167; was ihm der tag für freude bringt? ... nach einer halb verseufzten nacht, der ehemann oft zu neuem kummer, nur nicht zu neuem trost erwacht Göckingk
ged. (1780) 1, 141; oder soll ich meinen schöpfer anklagen, dasz er alles so gemacht hat, wie es ist; angenehmes und bittres durcheinander, jenes zum trost, und dieses zur würze, unsers armen, abwechselnden erdelebens? Ulrich Bräker
s. schr. (1789) 2, 166; ein winter ohne trost und ohne ende J. P. Hebel
w. 2, 13
Behaghel; habn vor treast oft zana müeszen (
vor freude weinen müssen) Lindermayr
dichtungen (1822) 160
bei Schmeller-Fr. 1, 677;
ähnlich ebda 133; Meline, dein name gleicht frühlingsgesange! blühe lange zum trost unsrer fluren! (
zum glück) maler Müller
w. (1811) 1, 332; der seher, der statt trost nur neues unheil weissagen würde H. Brunn
kl. schr. (1898) 3, 103. trost der welt '
freuden der welt': sîn (
gottes) wirde ich nicht helen (
vergessen) kan vor al der werlde trôst (
vor allen freuden der welt)
Daniel 5033
Hübner; naturgemäsz beliebtes thema eines sittenpredigers: wann unser verdienen statt nit in trost und süssikait der welt besunder in vill widerwertikait und trübsall zuo leiden Geiler v. Keisersberg
granatapfel (1510) f 3
c.
im plural: das viert ist, gentzlich ledig steen vnd abgestorben sein von leiplichen und zeitlichen trösten und wollüsten
ebda (1510) g 4
b; welche menschen also bleiben hangen an den trosten diser zeit, die werden nitt troffen in iren hertzen mitt warer bleiblicher andacht
derselbe predigten (1508) 90
a; lassen uns ... unsere hertzen abziehen von ... tzeittlichen trösten
ebda 90
b; so lang du dich mit söllichen auszerlichen trösten erlabest
derselbe trostspiegel (
o. o. u. j.) m 3.
auszerordentlich häufig in der mehr oder minder festen verbindung freude und trost: alrêrst bin ich nu worden vrî vor vreuden. daz muoz immer wern: welhes trôstes sold ich gern? mir ist vreude und trôst erstorben Wolfram
Willehalm 172, 5; vür der welte wandelbære hat ich einen trôst ze fröuden mir genomen, der mir doch der beste wære Leuthold v. Seven
in minnesinger 1, 306
a v. d. Hagen; was mag dann mein schreiben deynem herzenlayd und kümmernusz für trost und frewden bringen Stainhöwel
de claris mulieribus 319
lit. ver.; nu wat wy demnach van godt unserm heren erlanget hebben, yn wettenheit, trost und frOewden Rotmann
restitution 4
ndr.; was hast du unterlassen zu meinem trost und freud Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 324; da man ... das kornträchtige getreyde, zu aller menschen trost und freude, gar fuderweis vom felde fährt D. W. Triller
poet. betrachtungen (1750) 3, 33; eltern vertreten die stelle der vernunft bei ihren kindern in der jugend; und von der richtung ... hängt es ab, ob sie freude und trost, oder undank und herzelaid an ihren kindern erleben wollen Hippel
über die ehe (1792) 33; die liebe gegenwart, die tröstliche, bringt keine freude, keinen trost zu mir Göthe I 11, 292
W.; vgl. noch IV 9, 287
u. 28, 180; uns allen bringe ich trost und freude und frieden mit für eine lange ... lebensbahn Fouqué
altsächs. bildersaal (1818) 4, 67;
personifiziert: einem künftigen gatten in seiner gattin seine freud und trost verderben Lenz
ges. schr. 1, 76
Tieck; vgl. sp. 925
f. III@2@ff)
das wort drückt die erleichterung und erquickung oder die innere beruhigung aus. lexikalisch für hortamen (
nd. u. md. d. 15.
jh.) Diefenbach 280
c;
levatio Calepinus (1598) 809
a;
levamen Haltaus (1758) 1808;
levamentum Steinbach (1734) 2, 870. III@2@f@aα) dasz dem verstöreten ... Teutschlande keine andere erquickung und trost, als durch den lieben güldenen frieden, kan gegeben ... werden Schottel
friedens sieg 6
ndr.; (
du wünschst) dasz doch hier in dem verdammten wege zum trost (
erholung) des wanderers vom Hainberg marmor läge A. G. Kästner
verm. schr. (1772) 2, 260; ich ... hatte kraft genug, mir den trost (
seelische erleichterung) der mittheilung zu versagen Klinger
w. (1809) 4, 21; ich fühle trost in meiner wehmuth, und auf eure nachsicht darf ich rechnen Holtei
erz. schr. 2, 33. III@2@f@bβ) Paris ... verspúrczet das mortlich fürnemen der frowen (
aus furcht vor dem feind ihre kinder zu töten) und ir zetrost und den kindern zehilf versprach er ir zefliehen (
um sie zu beruhigen und die kinder zu retten) Steinhöwel
de claris mulieribus 232
lit. ver.; er (
der kranke im bett) will durch das fenster sehn, damit er, wenn sein wunsch geschehn, noch mit dem troste sterben möge (
beruhigung): dasz er sich noch zu guter letzt an dir auf dieser welt ergetzt, bevor ihn gott von hinnen zöge Stoppe
Parnasz (1735) 3; wer sich rächen kann, hat allezeit trost v. Petrasch
s. lustspiele (1765) 1, 52; wenn ich nur den trost haben könnte, sie (
eine verschollene tochter) noch zu begraben Lenz
ges. schr. 1, 48
Tieck; den 27 ten mai 1808 ... starb die beste mutter, ... nicht einmal mit dem trost eins ihrer sechs kinder ... versorgt zu wissen J. Grimm
kleine schriften 1, 10; sie hatte noch den trost erlebt, die tochter versorgt und glücklich zu sehen Gottfried Keller 6, 411;
hierher auch: freitag zu nacht, noch um die neune, bei seiner lampen trost alleine, mein herr fangt an sein predigtlein studieren Mörike 1, 161
Göschen volksausg. III@2@f@gγ)
etwas äuszerlicher und in der negation formelhafter, dem gehalt von ruhe
sich nähernd, das sich nicht selten daneben einstellt: alles, so wider gott ist, hat nit ruow, hat nit trost Zwingli
dtsche schr. 1, 214; do wirt alle böse arbeyt auff seinen hals gelegt, das weder tag noch nacht, weder rast, trost, noch rwe ist Seb. Franck
chronica u. beschreibung d. Turckey (1530) c 1
b; die verliebte leidenschaft, nach unsrer allegorie, findet nun weder trost noch rast Winckelmann
s. w. 7, 368. III@2@f@dδ)
in der verbindung trost und erquickung: der wein den meszigen zum trost und erquickung ihrer schwacheit von gott gegeben, ist jetzt den geilen zum werckzeug der frecheit worden Ambach
vom zusauffen u. trunckenheit (1544) b 4
a; darumb reden wir so gern miteinander, auf das wir erquickung empfangen und trost des hertzens Joh. Arnd
Thomas a Kempis nachfolge Christi (1631) 11; dann einen, den das glück rumb und nab wirfft, erheben, und den betrübten trost und ein erquickung geben, hat man für laster nie geacht, vielmehr für ehr insonderheit wann es ein armes mägdlein wer Dietrich v.
d. Werder
rasender Roland (1636), 10.
ges., str. 14; du mein allersüszester friede, ... du kräftiger trost und erquikkung aller menschen auf erden J. Rist
d. friedejauchzende Teutschland (1653) 230.
vgl. auch 3 c
β sowie 3 d
δ (J. H. Voss). III@2@f@eε)
andere verbindungen: kein leben ist so mühsam, dabey nicht eine ergetzung und trost zu finden seyn solte Butschky
Pathmos (1677) 85; als nun diese liebhabende in diesem lust und trost (
des zusammenseins) waren, fragt Elisena
Amadis 24
Keller; nichts böses sein ihm selbst bewust, das ist desz hertzen trost und lust
bei Petri
der Teutschen weiszheit (1604) 2, Q q 4
a; zudem reisen wir mit leuten, derer gesellschaft uns ietzo trost, lust, zeitverkürzung, dermaleins beförderung und freude geben kan P. Fleming
dtsche ged. 1, 87
Lappenberg; auf die schwere, bitter pein stellt sich trost und labsal ein Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 355
a; vergnügen und trost
s. 3 d
β; wie ... viel schöner, groszer almuosen verordnet seint, den armen leuten zuo unterhaltung und trost Jacob Strausz
christenlich underricht (1523) b 1
b. III@2@f@zζ)
hier kann man anreihen: o nachtgall dein gsang reitzt mich an, dasz ich von dir vil schreyben kan. kumm trost der nacht, kumm bulschafft mein, kein vogel mag dir änlich sein Herold-Forer
Gesners thierbuch (1563) 2, 180; komm trost der nacht, o nachtigal lasz deine stimm mit freudenschall auffs lieblichste erklingen Grimmelshausen 1, 60
Keller, vgl. auch A. v. Arnim 13, 183. seit ihr (
der Philomele) die götter ihre stimme wiedergaben, gebraucht sie dieselbe also am liebsten zum trost des sprachlosen kummers der menschheit Herder 17, 245
S. III@33)
in allgemeinerem sinne, als erhöhung, bereicherung, vertiefung, festigung empfindet oder gewinnt der mensch trost
als wirkung der natur, des schicksals, überhaupt höherer erscheinungen, kräfte oder objektiver wertbereiche wie kunst, wissenschaft. III@3@aa) trost
der natur, der tag- und jahreszeiten u. ä.: o süsze frühlingszeit, wer kan dein lob verhälen? ... du bist der hertzen lust, du bist der trost der sehlen Weckherlin
ged. 2, 374
Fischer; o liebreich ist sein kommen (
des mondes), seelentröstend sein blick! ... das kummervolle gedrückte herz ... findet lindernden trost und ruhe in seinem blicke maler Müller
w. (1811) 1, 86; doch wenn dumpfige mauren ihm anwies hartes verhängnis, pflanzet er sich, wie er kann, irgendein gärtchen zum trost J. H. Voss
s. ged. (1802) 3, 128; die sterne schimmerten so klar, der mond war frei und offenbar ... und all der fried und mondenschein sank in die augen ihm hinein und all den trost der selgen nacht, hab ich in ihm zu grab gebracht Brentano
ges. schr. (1852) 2, 81; gegen die erde gibt es keinen trost als den sternenhimmel Jean Paul
werke 48, 70
Hempel; als nun der vollzug der todesstrafen eben beginnen sollte, erschien ... ein ... regenbogen, der bei einer stunde zum troste des verurtheilten stehen blieb
dtsche sagen (
31891) 1, 237; komm, trost der welt, du stille nacht! Eichendorff
s. w. 1, 594; und so wurde von gott die natur dem ... menschen als ... freundin, als warnung und trost im erdenleben, ... beigesellt Ritter
erdkde (1822) 1, 56; dann rauscht uns trost, dann duftet hoffen im heilgen walde jeder strauch, von seines auges strahl getroffen, erregt von seines mundes hauch (
bild vom wald übertragen auf geistliche wirkung) Lenau
s. w. 472
Barthel; mit einer art trost bemerkt man, der mond müsse aufgegangen sein Otto Ludwig
ges. schr. 2, 102
E. Schmidt; doch die erklärung und den trost, danach ein kind dürstet, und die es haben musz, wenn gradheit zum leide führt, die holte sich der junge auf dem berge (=
in der natur) Hans Grimm
volk ohne raum (1926) 1, 32. III@3@bb) trost
der erinnerung, der ablaufenden zeit, des schicksals. III@3@b@aα) sie suchte trost in der qual der erinnerung (
an den toten geliebten) Thümmel
reise i. d. mittäglichen provinzen v. Frankreich (1791
ff.) 9, 68; meine Theonoë beweint ich herbe; doch liesz sie ihrer grazie bild mir noch zum lindernden trost Herder 26, 35
S.; o seelge güldne zeit! der ersten erde glück! wann ruft der himmel dich zum trost der welt zurück? Giseke
poet. w. (1767) 9; (
wechselnd starke erinnerung) das (
ihr bild) zaudert bald, bald wird es weggerissen, undeutlich jetzt und jetzt im reinsten strahlen; wie könnte diesz geringstem troste frommen, die ebb und fluth, das gehen wie das kommen? Göthe I 3, 25
W.; warum hebt man nicht einige anekdoten aus dem leben des verstorbenen heraus, erzählt sie in populärer prose, gibt den lebenden ermahnung und trost Schubart
leben und gesinnungen (1791) 1, 150; so suchten also die menschen an den bildern einer schönen vergangenheit und zukunft trost und beruhigung für die gegenwart A. L. Hülsen im
Athenäum 2, 158; dich aber fleh ich an, erinnerung! o göttin! die den gram um freuden tauschet, und wie ein lilienduft mit leisem schwung durch die verzweiflungsnacht zum troste rauschet Bettine
die Günderode (1840) 1, 410; allein was konnte sie (
Agnes) für trost aus ihnen (
den briefen Noltens) schöpfen? Mörike
w. 3, 53
Göschen. III@3@b@bβ) und ist disz allen notleidenden der gröszt trost, wo sie im glauben wissen und verstehen, dasz nit (
nichts) lang weren kan Seb. Franck
sprichwörter (1541) 2, 104
b; gottliebende menschen können hiraus auch von sich einen trost schöpfen, dasz nemlich ihr unglück nicht werde ewig weren
Reinicke fuchs (1650) 196; von verbesserung der zeit ... aber hülffe und errettung erwarten wäre ein ... trost der verzweifelten Lohenstein
Arminius (1689) 1, 24
a; er (
verabscheute) jeden trost, ... der ihm diese leiden als endlich vorzustellen unternahm Göthe I 21, 121
W. III@3@b@gγ)
im mittelalter die verbindung der sælden trôst: von armut werdent ir erlost. den freuden blig, der selden trost wil er uch erzeigen Heinrich v. Neustadt
gottes zukunft 2108
Singer; uns ist der sælden trost benomen
von dem jungesten tage v. 52
Willoughby. in neuerer zeit: für sterbliche ists aufmunternder trost, dasz alles was und wie es geschieht, nicht anders als also geschehen konnte Herder 23, 8
Suphan; wir können nicht beweisen, dasz schon die Germanen jener alten zeit ... in solchen träumen (
von schönerer zukunft) trost suchten Scherer
gesch. d. dtsch. lit. 10.
trost des paradieses: ich wandle den seligen gefilden schon näher und näher, mir weht der trost aus jenen gegenden des friedens schon herüber Göthe I 8, 286
W. III@3@b@dδ)
unglück als trostspender: was du jtzt nennest creutz und pein, wird dir zum trost gedeyen Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 315; ... itzt fühl ich in der stille, dasz auch die gröszte pein versteckten trost verhülle Cronegk
schr. (1763) 2, 9; wir andern alle sind um den schönsten theil unserer jugend betrogen, freudenlos, thatenlos, zuletzt fast ehrlos, viele leblos und geistlos, — denn der mensch sucht in der betäubung seinen trost E.
M. Arndt
schriften für u. an s. l. Deutschen (1845) 1, 438; dasz gutes aus dem übel komme, das ist des königs geheimer trost Freytag
ges. w. (1886
ff.) 9, 158; beim tode eines geliebten menschen schöpfen wir eine art trost aus dem glauben, dasz der schmerz über unseren verlust sich nie vermindern wird Marie v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893) 1, 23. III@3@cc) trost
des guten gewissens, des gefühls erfüllter pflicht, des festen seelischen haltes, des inneren friedens. III@3@c@aα) ein gut gewissen haben ist der beste trost (
sprichwörtlich)
Nürnberger wb. (1713) 44; Spannutius (1720) 570; und ihr wollt mir den besten trost rauben im sterben, dasz der wurm des gewissens mich um mein bestes gebet bringe Schiller 2, 138
Goedeke; wäre ich verführt, überrascht, und dann verlassen, dann würde in der verzweiflung noch trost sein; aber ich habe mich selbst hintergangen Göthe I 22, 86
W.; klage nicht, wenn auch die seele duldet, klage nicht, dir ist ein trost bereit: was du leidest, litt ich unverschuldet Platen 1, 4
Redlich; sollte der förster ... die rechte des vaters behaupten, oder Nolten selbst die des verlobten, so könne nur ein vollendetes unglück daraus entspringen, während im andern falle dieser den trost für sich behalte, welchen der mann im bewusztsein eines groszherzig gebrachten opfers von je gefunden habe Mörike 3, 63
Göschen volksausg.; schon einem rauhen gatten zu gehorchen, ist pflicht und trost Göthe I 10, 4
W. III@3@c@bβ) wol, gern will ich von diesem glauben (
Luthers) hören! du gibst mir hie gar ein guten trost (
seelischen halt) und erquickung meiner selen, den mir kein pfaff oder münch in langer weil geben hat
reformationsflugschriften 1, 32
Clemen; (
der hl. Gallus ist aus seinem vaterland gezogen) sein ruow zu suochen, seiner seel zu trost und heil Stumpf
Schweizerchron. (1606) 379
a; (
Helena in ihren inneren wirrnissen) und bey sich selber trost empfieng, gar bald ausz ihrem zimmer gieng bedeckt mit reiner leinwat zart, vor unmut keine träher spart J. Spreng
Ilias (1610) 32
b; wie das gewissen ruh, die seele trost erhält, bemüht sich die vernunft vergebens zu ergründen A. G. Kästner
verm. schr. 1 (1755) 103; zerknirscht von der strafe gottes, suchte er (
kaiser Alexander von Ruszland) trost in einem schwärmerischen einsiedlerleben Treitschke
deutsche geschichte im 19.
jh. 3 (1885) 254. III@3@dd) trost
der kunst, der musik, der poesie, der wahrheit, weisheit, erkenntnis, dann konkreter der wissenschaft, der bücher u. ä.: III@3@d@aα) kunst bringt ... dem alter trost
bei Petri
der Teutschen weiszheit (1604) 2, M m 1
b; musik erklang auf erden ... es sangen leise töne den armen trost ins herz Herder 16, 270
S.; dann hören wir von der gegenwart vorzüglicher tonkünstler und von so manchem andern was zu trost und freude des lebens gereichte Göthe IV 28, 180
W; da rührte der mächtige geist der tonkunst die schwingen, und vor dem melodischen rauschen erwachte der trost, die hoffnung, ja selbst die sehnsucht, die die unvergängliche liebe selbst ist und das entzücken ewiger jugend E. T. A. Hoffmann
sämtl. w. 10, 71
Grisebach. III@3@d@bβ) eine ganze jugendliche, kindliche seele zu füllen, gesänge in sie zu legen, die ... lebenslang in ihnen bleiben ... und ihnen ewige stimme zu thaten und ruhe, zu tugenden und zum troste seyn soll Herder 5, 201
Suphan; ich ... begriff (
bei der lektüre der englischen Tassoübersetzung), wie junge leute vergnügen und trost finden können Göthe IV 42, 103
W.; aber wenn man zu felde reitet, wie wir, da hat ein solches lied grosze gewalt und trost Hauff
w. 1, 42
Cotta; gern hielt er sich alsdann ... ein schönes wort zu seinem troste vor Mörike 3, 34
Göschen volksausg.; mein lied zum troste mir gegeben, sollst du ein freudenbote sein Hoffmann v. Fallersleben
ges. schr. (1890) 1, 6; wir aber fühlen als einen tiefen trost, als einen trost des richtigen weges, dasz diese verse uns geblieben sind, wie auch schmerz und lust sich verwandelt haben mögen Ernst Wiechert
von den treuen begleitern (1937) 10;
gelegentlich personifiziert von einem dichter: und unter ihnen Weisze! dich, in dem der edlen Pleisze trost seit Gellerts falle grünt Denis
lieder Sineds des barden (1772) 195. III@3@d@gγ) so viel aber kann ich dir zum troste sagen, ... dasz uns also noch mehr (
bildwerke) übrig geblieben sind, als wir denken Göthe IV 28, 360
W.; der einzige trost in der welt, wenn ja die welt trost hat, liegt in den wissenschaften Hippel
lebensläufe nach aufsteigender linie (1778) 1, 308; darum bleiben uns in tagen groszen nationalen unglücks die geisteswerke unsers volkes der letzte trost W. H. Riehl
die dtsche arbeit 93; ich suchte trost und labung in der geschichte der deutschen litteratur und sprache J. Grimm
bei W. Scherer
kleine schriften 1, 3. III@3@d@dδ)
allgemeiner: trost
der schönheit, wahrheit, weisheit u. ä. sprichwörtlich: in widerwertigkeit ist weisheit ein guter geselle und trost
bei Friedrich Wilhelm
sprichwörterregister (1577)
nr. 110; ach! eure (
sterbl. gelehrte) wissenschaft ist noch der weisheit ... ein trost der stolzen blindheit kindheit, Haller
ged. 46
Hirzel; dennoch redet mir ein unüberwindlicher trieb zu mit dem troste, die schönheit müsse auch in unsrer wirklichen welt da sein Solger
Erwin, vier gespräche (1815) 1, 207; die wahre humanität, die ... jedem über den pöbel emporragenden stande trost und erquickung und helleren blick in das leben darbietet J. H. Voss
antisymb. (1824) 2, 72; nie verläszt uns der irrthum, doch zieht ein höher bedürfnisz immer den strebenden geist leise zur wahrheit hinan Schiller 11, 171
G.; ich suche trost bei euch, den ihr so vielen aus eurer weisheit fülle schon gespendet, seitdem ihr unsrer gegend euch geschenkt Raupach
dram. w. kom. gattung (1829) 1, 263; wer arm an geld ist, der pflegt gewöhnlich reich zu sein an sentenzen, und an dem sogenannten troste der philosophie S. Brunner
erzählungen und schriften (1864) 1, 180. III@3@d@eε) trost
aus erkenntnis: las seyn, dasz alles bricht und erd und abgrund bebt, ein weiser weis den trost blos in sich selbst zu holen J. Chr. Günther
sämtl. werke 2, 93
Kr.; sowie aber diese betrübnisz ... stärker ist als der trost, der aus einer innerlichen betrachtung entspringet Dusch
verm. krit. u. satyr. schriften (1758) 226. III@3@d@zζ)
konkreter: was musz man nicht vor trost aus vielen büchern borgen
vernünft. tadlerinnen (1725) 1, 213; haben doch durchl. (
die herzogin Amalie) ja ... die gnade, die werke welche uns mit der natur, der kunst, den alterthümern der beiden Sicilien bekannter machen können, anzuschaffen und dereinst ihre bibliothek damit, zu unserm troste, zu bereichern Göthe IV 9, 156
W.; auch Göthe sagt mir (
Schiller), dasz er zu seinem 'Faust' gar keinen trost in büchern gefunden hätte Göthe
gespräche1 1, 214
W. v. Biedermann; (
natur und schule) sage du mirs ... (
die natur ist angeredet) ob der lebenden trost dort bey den mumien wohnt? musz ich wandeln den nächtlichen weg? ... wandeln will ich ihn doch, führt er zu wahrheit und recht Schiller 11, 68
G.; indessen wollten auch die bücher, ... wenig trost gewähren Immermann 1, 69
Boxb.; sie (
Schleiermachers vorträge über das leben Jesu) gewährten der conservativen richtung ... so wenig trost D. Fr. Strausz
ges. schr. 3, 28; bücher waren unser einziger trost Bauernfeld
ges. schr. 3, 193; es wurde gedruckt, und der hr.
M. Sievers hatte den verdrusz, auch sogar seinen raritätenkasten, den grund aller seiner hoffnung, und den einzigen trost in seinen nöhten, lächerlich gemacht zu sehen Liscow
samml. sat. u. ernsth. schriften (1739)
vorr. 11. III@44)
das wort erscheint noch allgemeiner und verschwimmender und ist oft in seiner eigentlichen bedeutung (
naturgemäsz gerade in dem häufigen negativen gebrauch)
nur schwer greifbar. gleichwohl bewahrt es noch (
im gegensatz zu IV)
im allgemeinen seinen gefühlsgehalt. III@4@aa) was trostes solt ich mich zu dir versehen (
was habe ich noch bei dir gutes zu erhoffen), so mir alles das ich hett, von feinden genomen wurde ... so du mich itzundt fleugest Hutten
opera 2, 184, 35
Böcking; dein ausgang wird er segnen wie auch den eingang dein, nichts bösz soll dir begegnen, disz ist der troste mein
bei Fischer-Tümpel 3, 294, 14; geduldet euch, bis uns der himmel trost wird geben Ph. Hafner
ges. lustspiele (1812) 1, 106; die träne, die in diesem trüben, erloschenen, nach trost schmachtenden auge schwimmt — wie rührend ist sie im ganzen gemälde des antlitzes der wehmuth Herder 5, 8
Suphan; es ist ja doch alles dämmerung in dieser welt, ein biszgen mehr oder weniger, dafür läszt sich trost finden Göthe IV 1, 234
W.; Timur nameh, buch des Timur (
in Göthes Divan), faszt ungeheure weltbegebenheiten wie in einem spiegel auf, worin wir, zu trost und untrost, den widerschein eigner schicksale erblicken Göthe I 41, 88
W.; es ist der trost ein priesterlich geschäft; so scheint auch dieses weib mir priesterin Zacharias Werner
Martin Luther (1807) 356; glaubt ihr, dasz ... die millionen menschen, welche in einem augenblick ... alles einbüszen was den trost ihres lebens ... ausmachte, euch die früchte eurer missethat werden ruhig genieszen lassen? Dahlmann
geschichte d. franz. revolution (1845) 280; ein trüber ernst, der ... nach klarheit und befriedigung strebt, ohne dieselbe durch sanften trost oder muthiges widerstreben ganz gewinnen zu können, ... (
dies ist die stimmung in der c-moll-phantasie) O. Jahn
Mozart (1856) 4, 18; du spinnst dir tröste und was kommt ist qual Stefan George
das neue reich 100; lieber als den trost, der doch recht fadenscheinig ist, will ich meinen schmerz haben W. Weigand
die Löffelstelze (1919) 105;
bildhaft: ist dann der himmel mit lauter wolcken überzogen, und will der fröliche schein einiges trostes nicht durchdringen ...? Chr. Weise
der grünenden jugend überflüssige gedanken 209
ndr.; mögen ihnen in dieser noth alle blumen des trostes sprieszen, die es gibt J. Grimm
an Luise Dahlmann im briefw. 1, 533.
sprichwörtliches: menschentrost ist klein, das sihet man alle tag. gott der herr allein, ist der uns helffen mag
bei Petri
der Teutschen weiszheit (1604) 1, e 4
b; mancher trost füllt zwar die ohren, aber nicht die hertzen Hoffmann
polit. Jesus Syrach (1740) 58; musz ist ein schwerer trost, doch ists ein trost vor den, der, was er mit vernunft zuvor schon übersehn, auch durch erfahrung lernt: die vorsicht (=
vorsehung) kan nicht wancken J. Chr. Günther
sämtl. werke 2, 93
Kr.; trost braucht weile, bis er sich einwurzelt in ein herz Hans Watzlik
der pfarrer von Dornloh (1930) 226. III@4@bb)
negativer gebrauch. III@4@b@aα) ohne trost. (
die christenheit klagt um ihre getöteten kinder:) niemen mag getrOesten mich, ovn allen trost ich laider bin ir tod hAvnd minen trost da hin
schauspiele des mittelalters 1, 179
Mone; tiefsinnig, traurig, ohne trost ringt er in seinem glück die hände Ramler
fabellese (1783) 1, 7; so ... wird der färber weit mehr seine rechnung finden, als bei der bisherigen theorie, die ihn ohne allen trost liesz Göthe II 1, 292
W.; ich sitze hier in finstrer, kalter nacht, ohne freund, ohne trost, ohne obdach Raupach
dram. werke kom. gattung (1829) 4, 80. III@4@b@bβ)
syntaktisch verschieden: we schal uns to hulpe komen? alle unse trost is uns benomen
von dem jungesten tage s. 105
Willoughby; o we ere, o we frOed, o we aller trost wie byn ich dyn so gar beroubt
der ewigen wiszheit betbüchlin (1518) 10
a; ich wölt dasz ich da heime wär und aller werlte trost enbär Mittler
dtsche volkslieder 745; mein hertz im leib wil mir zerspringen, nichts trost dann nur der todt kan bringen Gilhusius
grammatica (1597) 79; da doch fast gantz und gar hinweg desz lebens trost, hinweg die hoffnung war Zinkgref
auserl. ged. 32
ndr.; (
Sophonisbe) vor eine königin, itzt eine schlechte magd der das verhängnis hat sonst allen trost versagt Lohenstein
Sophonisbe (1724) 23; hab ich nicht offt, wenn aller trost verschwunden die artzney bei dem gifft, und glück im sturm gefunden? Canitz
ged. (1727) 18; sie hegte solche träume ... zu der kein schall des trostes, keine stimme der freundschaft aus der lieben heimat dringt Schiller 12, 404
G.; und nach trostes licht vergebens blickt die menschheit starr und dumpf Rückert 1, 158; das geständnis meiner empfindungen raubt mir allen trost
sammlung von schauspielen (1764) 1, 66; wenn ich im übermasz meines kummers an jedem trost verzweifelte A. v. Kotzebue
sämmtl. dram. werke (1827) 2, 88. III@4@b@gγ) kein trost;
lexikalisch: ich kan keinen trost finden Aler
dict. germ.-lat. (1727) 2, 1922; es verfängt kein trost bey ihm Frisch
teutsch-lat. wb. (1741) 2, 390: si (
Maria) sach ir kint vor ir vergraben, sie möhte lützel trostes haben
schauspiele des mittelalters 1, 248
Mone; hie wolte guter rath an jetzo teuer werden, er wuste keinen trost fast auf der gantzer erden
Reinicke fuchs (1650) 285; wann offt mein hertz im leibe weint und keinen trost kan finden Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 331
b; (
Iphigenia klagt über Orests tod) ja, mein Orest ist todt, mein bruder ist dahin! ich ärmste, die ich noch bey wilden barbarn bin weis weiter keinen trost Joh. El. Schlegel
w. (1761) 1, 9; du lieber, bis ich dich wieder sehe, wird kein trost diesz auge erheitern maler Müller
w. (1811) 3, 18; auf weiter welt blüht mir kein trost A. v. Arnim 18, 130; wie mancher grund die schuld versöhnend deckt, umsonst! die weisze rose bleibt befleckt, und keinen trost kann ihre seele spüren Annette v. Droste-Hülshoff 2 (1878) 242; ich versuche da keinen trost für sie, denn es gibt keinen fürst Pückler
briefwechsel und tageb. 6, 13. III@55)
jede seelische funktion, jede handlung, jede tatsache, ja jeder gegenstand kann in bestimmten fällen zum troste gereichen. der begriff des trostes, an sich hier schon oft inhaltsblasz, kann durch die situation tieferen gehalt bekommen. III@5@aa)
überwiegend in bestimmten syntaktischen verbindungen. III@5@a@aα)
mit emphatisch betontem artikel, von dem der den inhalt des trostes fassende satz oder satzteil abhängig ist: aber den trost hat yeder narr, er meynt nit syn der nAehst der far (
in die hölle) Seb. Brant
narrenschiff 31, 5
Zarncke; ich will ihnen den trost sagen, den ich mir zu meiner beruhigung über ihr stillschweigen erdachte; er war schwach, aber es war doch ein trost Gottschedin
briefe (1771) 1, 83; sie genossen nicht einmal den trost ihren feind zu sehen Haller
Usong (1771) 15; den trost soll man mir doch nicht nehmen, dasz ich zu meines vaters füszen sterbe Gerstenberg
Ugolino 264
Hamel; vielleicht seh ich dich (
die heimat) in meinem leben nicht wieder — verliere sogar den trost, von zeit zu zeit an die lieben zu schreiben, die in dir wohnen Ulrich Bräker
s. schr. (1789) 1, 134; beyliegender brief enthält ein groszes unheil, wobey ich nur den trost habe dasz ich dich in meiner nähe weis Göthe IV 27, 169
W.; und ich habe überhaupt den trost, viel empfänglichkeit für meine ideen über die alte kirchenbaukunst zu finden Görres
ges. briefe 3 122; indesz darf der leser diesen band mit dem trost schlieszen, dasz ... im zweiten theile der schrift, wie im leben des helden selbst, einheit des stoffs und des interesses durchaus walten wird Justi
Winckelmann (1866) 1, v; den trost des 'victa causa Catoni placuit' kann ich ihnen nicht zugestehn, wenn sie dabei gefahr laufen, unser gemeinsames vaterland in eine victa causa hineinzuziehn Bismarck
gedanken u. erinnerungen 1, 208
volksausg. III@5@a@bβ)
mit dem pronomen dieser: gönnen sie sich diesen trost, auf den sie anspruch haben J. J. Engel
schr. (1801) 1, 85; sie (
die hölle) wünscht umsonst sich zu vernichten, auch dieser trost bleibt ihr versagt Göthe I 37, 6
W.; III@5@a@gγ)
der unbestimmte artikel übernimmt die funktion: doch ist ein trost, wenn rechte that, von geschrey ein gut zeugnusz hat Lehman
floril. polit.3 (1662) 1, 327; doch ist es ein trost (
ein glück) für die kunst, dasz dieser erste meister seine orgelstücke selbst sammelt, Schubart
ästhetik d. tonkunst 91; mir wäre es auch ein trost einen repräsentanten meiner neigung und herzlichen theilnahme bey ihnen zu wissen Göthe IV 19, 118
W. auch dasz sie dem Waltharius seine ehre thun, war mir ein trost Gervinus
in briefwechsel zw. J. u. W. Grimm, Dahlmann u. Gervinus 2, 27; den Hermann in Berlin zu haben, soll uns ein trost sein Jac. Grimm
ebda 1, 425; es ist dabei ein trost, dasz diese menschen nicht ganz servil sind K. Gutzkow
ritter vom geist (1850) 1, 217; du bist nicht so hübsch ..., das ist mir ein trost Fontane
ges. w. I 5, 49. III@5@a@dδ)
mit personalpronomen: ist disz mein trost, dasz der zehende nicht weisz, wie ich heisse Chr. Weise
d. grünenden jugend überfl. gedanken 9
ndr.; das ist mein trost, der Max bleibt uns als geiszel Schiller 12, 249
G.; du must nunmehr diss deinen trost seyn lassen, dass du gleichwol umb 1000 reichsthaler reicher hineinkommst Grimmelshausen 2, 373
Keller; des ist no
ch mei
n trost
u. ä. bei Fischer
schwäb. 2, 405. III@5@a@eε) einziger trost;
in älterer zeit auch noch einiger trost;
lexikalisch bei Frisius (1556) 1176: und was der reichen macht gewert: das was der armen einig trost, do dürch sie von gewalt erlost Hutten
opera 3, 530
Böcking; (
sie) fiel ihren wehrtesten vetter herrn Mülard umb die füsse, sagende: einiger trost meines vergnügens hochwehrtester herr vetter Ettner v. Eiteritz
medizin. maulaffe (1719) 25.
mit grammatisch oder logisch abhängigem satz: ist aber dasz mein aintziger trost, dasz die teutschglahrte welt schon waisz, dasz ich ein so schelmischen kopf hab J. J. Schwabe
volleingeschancktes tintenfäszl (1745) c 1
b; wir vergaszen den einzigen trost, der in so vielen drangsalen uns hätte aufrichten können ... Haller
Alfred (1773) 41; komm, damit ich nur den einzigen trost habe, von dir ganz gekannt zu sein Göthe I 23, 103
W.; (
Eva zu Adam) sein (
Kains) unmuth soll bald nachlassen, wenn ihn jetzt die sanfte Melboe in ihren schoosz aufnimmt. das ist mein einziger trost maler Müller
w. (1811) 1, 54;
syntaktisch anders: der einzige trost war des jungen hertzogs beylager, welchs er ansetzte, doch nicht erlebte Chr. Weise
polit. redner (1677) 106; sie trägt ihren einzigen trost, den brief Lotharios, noch immer bei sich Göthe I 23, 64
W.; gute werke sind der einzige trost dessen, der sich grosze unthaten nicht verzeihen kann
ebda 41, 2, 142. III@5@a@zζ) groszer trost, der gröszte trost, guter trost, der beste trost, der letzte trost: ein guter trost Kramer
teutschital. 2 (1702) 1150
b; in so vielem unheil ist es schon groszer trost von seinen lieben nicht ganz abgeschnitten zu seyn Göthe IV 24, 22
W.; dasz die medaille so gut gerathen ... dient mir zum groszen trost
ebda IV 41, 221; der grOest trost ist, daz wir hoffen es werde sich bald enden W. H. Ryff
spiegel u. regiment d. gesundth. (1544) 31; mein gröszter trost, oder eigentlich was mir zur süszesten rache bey sticheleyen auf mich und andere gereicht, ist die völlige überzeugung, dasz nie ein groszer und ein guter mann solcher neckereyen fähig war G. Chr. Lichtenberg
verm. schr. 1, 32; Schiller ist hier zu meinem groszen troste, er ist nach seiner art ziemlich gesund, munter und thätig Göthe IV 15, 3
W.; als ihn einer fast läppisch fragte, wann man einem dieb, den man jetzt hengen solle, vorhalte, er soll wol gemuth sein, Christus sey so nahe bey ihm, das er ihn auch im strick habe, ob ihm das nit ein guter trost seye? antwortet er: ein besserer trost were es ihm, wann man ihm sagt, Christus were so nahe bey ihm, das er ihn auch im hertzen habe Zinkgref
apophtegmata (1628) 281; sie fühlte ... dasz reden und aussprechen der beste trost sei Fontane
ges. w. I 2, 68; die treffliche frau ... gewährte ihrem manne den besten trost, den es giebt: sie bedauerte ihn Marie v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893) 4, 56; ende tod, ende mein leben, du, mein letzter trost Deinhardstein
ges. dram. w. (1848) 5, 447; III@5@a@hη) schlechter trost, schlimmer, falscher, kleiner, geringer, leerer, halber trost
u. ä. litoteswendungen. am häufigsten die verbindung schlechter trost: und du must also dein leben in diesem lande endigen, welches ihnen ein schlechter trost war Andersen
bei Adam Olearius
vermehrte reisebeschr. (1696) 96;
ähnlich Vogel
ostindische reisebeschr. (1716) 21; allein er hat mir schlechten trost gegeben J. Möser
s. w. 1, 201
Abeken; wegen der hornschiefer kann ich ihm schlechten trost geben (
kann ich ihm nicht helfen) Göthe IV 8, 340
W.; wenn dann aber ein stümperhafter maler und ein schlechter poet sich damit trösteten, dasz ihr inneres voll hoher ideale sey, so ist solches ein schlechter trost Hegel
w. 6, 279.
anderes: dieser hocherfahrne mann (
arzt) gab nun alsobalden den schlimmen trost, dasz es der krancke nicht lange mehr machen würde Melissus
Salinde (1718) 220; der bär ... der grosze schläfer, und dennoch von keiner langen lebensdauer. ein schlimmer trost für diejenigen, die im nichtsthun das arcanum zum langen leben gefunden zu haben glauben Hufeland
kunst d. menschl. leben zu verlängern (1797) 126; das wyr ... aber yn die engstlichen eygene werck, darnach ynsz ablasz und der gleychen falsche troste vorfuret seyn Luther 2, 737, 1
W.; behut uns vor allem falschen trost, unter deynem namen ertichtet 7, 222, 3
W.; es soll mir niemand mehr falsche tröste vormachen wollen, die tatsache ist, dasz es im bürgerlichen leben deutlich abwärts geht (1883) Jac. Burckhardt
briefe an einen architekten 208; des half im ein vil cleiner trost, daz er des leides wart erlost und der grozen arbeit
kleinere mhd. erzählungen 73
Rosenhagen; also war es doch möglich, dasz er sie nicht mied, sondern dasz er aus irgendeinem grunde sich verspätete. ein geringer trost, aber sie sprach sich ihn täglich zu Emil Strausz
Hans u. Grete (1919) 147; mich, euren boten, wies man an die räthe, und die entlieszen mich mit leerem trost Schiller 14, 329
G.; ach unter statuen zu wandeln ist ein sehr eingeschränkter trost Lenz
ged. 248
Weinhold; nachher ins concert. wenig trost, einiges interessante gespräch mit herrn magister Rochlitz Göthe III 2, 292
W.; es ist wenig trost, dasz wir bald abreisen können '
es sieht ihm nicht gleich', '
ich glaube nicht' Höfer
österr. etymol. wb. 3, 239; das ist ein halber trost zcur lincken seitten, quod damnat (
deus) serpentem Luther 14, 139, 15
W.; aber auch dies gedieh nur zum halben trost Göthe I 33, 82
W.; hierher gehört auch die wendung: einem einen kalten trost geben
lexikalisch bei Dentzler
clavis linguae latinae (1716) 291
a und Aler
dict. germ.-lat. (1727) 2, 1922:
vgl. noch quaden trost
sp. 942. III@5@a@thθ)
ironische wendungen: ein schöner trost Kramer
teutsch-italiän. 2 (1702) 638
a; e schöner trost, alles verlore
n!
bei Martin-Lienhart
elsäss. 2, 767; ich kann dir alle möglichen schönen tröste nach Italien mit auf den weg geben Jac. Burckhardt
an Paul Heyse briefwechsel 26. — ein herrlicher trost! freilich geht meine besoldung immer fort! Stranitzky
ollapatrida 11
Wiener ndr.; herrlicher trost! keine stunde verging, als auch er auf die trübseligste art zu wasser wurde
briefe von u. an Herwegh 187; III@5@bb)
in weniger fester verbindung, mit anderen adjektiven: wer vieles musz vertragen, ... dem kommt offt unverhofft ... ein unbekandter trost in die gedancken ein Chr. Fr. Henrici
ernst-, scherzh. u. sat. ged. (1727) 1, 279; ein kümmerlicher trost für ihn, dasz es doch noch saubre leute giebt, die in dieser kritischen lage einen angenehmen humor entdecken Gerstenberg
recensionen 271
dtsche lit.-denkm.; doch er hat mich vergessen. trost! grausamer trost für seine Sara! Lessing 2, 275
Muncker; Faust tröstete sich, durch eine gute handlung die sündige nacht versühnt zu haben, und der teufel lachte des zweydeutigen trostes Klinger
w. (1809
ff.) 3, 108; aber welch ein erbärmlicher trost, wurzeln und kräuter zu essen? Jung-Stilling
s. schr. (1835
ff.) 6, 102; dasz aber damals ein sieg ... erfochten sey, ist ... ein romanhafter trost für den durch das glück verzärtelten leser Niebuhr
röm. gesch. 3, 269. III@5@cc)
verschiedenartigste concreta als subjekt oder doch als vermittler des trostes: welcher die Lan, seines vaterlands flusz, uberall schiffreich kunte machen, oder dem alten Avellino von trost der brunnenwasser verlassen, mit wasserwerck zu hülff kame J. B. Schupp
schr. (1663) 710; deiner züge leises baffen (
der pfeife) kan mir trost und lindrung schaffen Stoppe
Parnasz (1735) 171; so brennt ein fruchtbar feld mit prasseln und getümmel, des armen landmanns trost fährt nun in rauch gen himmel (
die ernte und damit sein lebensunterhalt) Dusch
verm. w. (1754) 178; (
der gefangene und die spinne im kerker) sein trost, sein zeitvertreib, sein freund sein alles war in ihr (
der spinne) vereint und er vergasz der noth Blumauer
ged. (1782) 21; habt dank, ihr dietriche! ihr seid der trost der welt! durch euch erlang ich ihn, den groszen dietrich: geld Göthe I 9, 6
W.; jedes mal wann ich ihn (
einen geschenkten geldbeutel) hervorziehe, will ich an dich denken, als exempel und als trost Caroline 1, 9
Waitz; eine grosze mappe mit den zweifelhaften früchten meiner bisherigen (
malerischen) thätigkeit lehnte schon in wachstuch gewickelt an der wand, zu einigem troste wenigstens von bedeutendem gewicht Gottfried Keller
ges. w. 2, 104. IVIV.
fast ganz abgeblaszter, gefühlsleerer, in formeln erstarrter, phraseologischer gebrauch. IV@11) trost
im bloszen sinne von '
ersatz': in Portugall wurde der Spanier läger von den Portugiesen geplündert, doch war ihr trost, dasz die bald darauf eingelauffene silberflotte dem könige 15 millionen mitbrachte Chr. Weise
curieuse gedancken in: zeitungslexikon (1703) 13; auch ihnen, der sie soviel gelitten, gönne ich von herzen diesen aus eigner thätigkeit hervorquillenden trost, den ersatz für soviel was hinter uns blieb Göthe IV 33, 76
W.; (
der baron zum bedienten) du sollst mir ein trost für den schulmeister sein Immermann 2, 116
Boxb.; doch war sie nicht nur eine schönheit, sondern auch eine person, die ... den eindruck machte, dasz es für den, der sich etwa in sie verliebte, nicht leicht hinter jedem hag einen ersatz oder einen trost für diese gäbe Gottfried Keller
ges. w. 4, 37.
ähnlich veräuszerlicht: unser aller trost ist, dasz wercke der liebe und der noth auch am sonntag erlaubt sind Hippel
über die ehe (1774) 59; schreib mir fleiszig! dies ist aller trost, den ich jezt hier haben kann J.
M. Miller
briefwechsel dreier akad. freunde (1778) 1, 97; ich schreibe jetzt immer bogenlange briefe an die tante und suche eine art von trost darin, denn hier kann ich mich doch an niemand halten Wilhelm Grimm (1805)
in briefw. zw. J. u. W. Grimm 7. IV@22)
auszerordentlich häufig ist die präpositionale verbindung jemandem zu troste
oder zum troste.
in älterer zeit noch etwas gewichtiger, später oft in völlig abgegriffener bedeutung, entsprechend dem ganz äuszerlichen '
zur befriedigung', '
zur beruhigung', '
zum besten', '
im interesse von'
u. ä.; vgl. lexikalisch mir, dir, ihm zum trost Kramer
teutsch - ital. 2 (1702) 1150
b: das ist aber mir dargegen zuo troste daz sölicher köffern wenig sint; die da sagent daz sy dise translatze mercken oder versten mugen Niclas v. Wyle
translat. 12
Keller; retten die eer der edlen keyserinnen zuo trost der gantzen christenheit Pamph. Gengenbach 51
Goedeke; keyser Rudolphus ... bracht diese gleichnus zu seinem trost vor Zinkgref-Weidner
teutscher nation weisheit 3 (1653) 15; was uns so verkehrt geschienen, wird uns bald zum troste dienen B. Neukirch
ged. (1744) 64; ich musz auch ihm (
Gottsched) zum trost erwähnen, dasz ... Bodmer
sammlung crit.-poet. schr. (1741
ff.) 2, 76; ein kleiner freundlicher mann war mir hier noch allein zum troste Schubart
leben u. gesinnungen (1791) 1, 114; zu ihrem trost setz ich hinzu: sie haben nicht theil an dieser sünde Schiller 5, 2, 256
Goedeke; allein der herr des hauses sagte mir zum trost, dasz es um mich schade wär Ph. Hafner
ges. lustspiele (1812) 1, 73; zu meinem trost versicherte mich indesz der wirt, dasz sie am frühen morgen wieder abziehen würden fürst Pückler
briefwechsel u. tageb. 2, 325; er (
Mozart) sei zwar ein fälliger junger mensch, allein er dürfe zu seinem trost (
in seinem interesse) wohl wünschen, dasz es alle so wenig wären O. Jahn
Mozart (1856ff.) 3, 26
anm.; zu seinem trost fand er, dasz von kunst nichts gesagt sei Justi
Winckelmann (1866ff.) 2, 1, 158; zum troste sei bemerkt, dasz der galopp nicht mehr so oft als früher getanzt wird Fr.
M. Böhme
gesch. d. tanzes (1886) 221. IV@33)
ein ganz selbständig gewordener, jetzt fast für sich bestehender gebrauch des wortes liegt in der wendung nicht bei troste sein
vor, die nicht über die mitte des 18.
jh. zurückreicht, und deren entstehung aus den anderen bedeutungen von trost
nicht klar wird, da sie '
nicht bei sinnen, besinnung, verstand sein'
oder geradezu '
verrückt sein'
bedeutet, wennschon sie meist nur im spasz oder bei verstellung angewandt wird; daher wird sie auch fast immer durch adverbia wie wohl, recht, ganz
gemildert. sie tritt bezeichnenderweise nur in der negativen form auf oder im (
negative antwort erwartenden)
fragesatz; die positive form erscheint zwar gelegentlich in den mundartenwörterbüchern (
z. b. Anton
Oberlausitzer wörter st. 13,
s. 19),
ist aber sicher nur theoretisch erschlossen. die wendung gehört vor allem der umgangssprache an und ist daraus erst in die schriftsprache übergegangen. die ältesten lexikalischen belege stehen bei Richey
idiot. Hamb. 315
und Schütze
holst. wb. 4, 283. Osthoffs
versuch etym. parerga 128
ff., hier in trost
die bedeutung '
gesundheit sc. des geistes'
zu finden, im anschlusz an iranische parallelen, vgl. altpersisch duruva,
neupers. durust '
gesund, ganz' (
aber aind. dh(!)ruva '
feststehend'),
ist abzulehnen, weil die deutsche wendung ganz jung ist und fast durchweg nur burschikos verwandt wird; daher ist eine mehr abseitige entstehungsart wahrscheinlich, etwa im anschlusz an die (
von trost
übertragene und dann wieder ins allgemeine gewandte)
bedeutung von trost
V. aus der ungeheuren fülle der bedeutungsmäszig wie formal nicht reich schattierten belege musz eine kleine auswahl genügen. übliche negierte form: der einfältige mensch, der bekanntlich nicht recht bey trost war Lichtenberg
verm. schr. 2, 356; denn, wenn der könig manchmahl (was andern königen wohl zuweilen auch geschehen) nicht wohl bey troste war Wieland (1794
ff.) 4, 42; durch Mops ist warlich meine magd nicht mehr bey trost, nicht mehr bey sinnen, so sehr hat ihr sein lob behagt Göckingk
ged. (1780
ff.) 3, 177; was bleibt ... den jetzigen menschen nach dem allgemeinen verluste des himmels bei einer hinzutretenden einbusze der erde? ... er ist dann ohne halt des lebens, oder wie das volk sich richtig ausdrückt, nicht mehr recht bei troste Jean Paul
vorsch. d. ästh. (1804) 668; der irre wird demnach auch als ein solcher bezeichnet: der nicht recht bei troste ist B. Goltz
hinter den feigenblättern 1, 174; 'der herr ist wohl nicht recht bei troste!' sagte eine ehrbare bürgersfrau E. T. A. Hoffmann 1, 181
Grisebach; seit Oskars unglück soll sie trostlos sein, nicht wohl bei trost, schier toll Müllner
dram. w. (1828) 3, 222; wenn etwan einer in seinen ansichten ... abwiche, er sofort als nicht recht bei troste angesehen werden müszte A. Schopenhauer 3, 136
Grisebach; leute, welche einen tischler für nicht recht bei troste glauben würden, der sich hobel und säge aus einer öffentlichen sammlung borgen wollte Lagarde
dtsche schr. 265; ja die! die ist nur halb bei trost Storm (1897
ff.) 6, 154.
nur äuszerlich ins positive gewandte form: ja morgen (
wollen wir ihn retten), sprach der senn feierlich, und bis dahin möge gott ihn bei trost erhalten Felder
sonderlinge (1867) 2, 268.
in frageform: der will ein schätzchen für sich allein! dragoner, ist er bey troste! sag er! Schiller 12, 33
G.; der herr gerichtsrat Walter kömmt, aus Utrecht ... — noch heut! seid ihr bei trost? Heinr. v. Kleist 1, 327
E. Schmidt; bist du bei trost, alter freund? A. v. Arnim 15, 139; seyd ihr bei trost, herr Erichson? was macht ihr für geschrei, als wär der feind vorm thor? Müllner
dram. w.2 71
b;
spielerisch: architekt: seid ihr bei troste? gehilfe: nein, ohne allen trost Immermann 19, 240
Boxb. IV@44)
in älterer zeit begegnet gelegentlich rein phraseologischer gebrauch (
wie bei kraft
u. a.): wil iwer trôst mir helfe jehn, (
wollt ihr mir freundlich, sô bringt diz kleine vingerlîn
gütig helfen) der clâren süezen frouwen mîn Wolfram
Parzival 607, 14; unz im sô wol gelunge daz er si dâ erlôste mit manlîchem trôste (
tapfer)
Willehalm 105, 6; sorglicher trost =
sorgfalt Paracelsus
op. (1616) 1, 43
B Huser. IV@55)
formeln: potz trost, wo ist mein kriegerischer frischer ritter, der newe gebackene?
bei Creizenach
schausp. d. engl. comödianten 228; quaden trost! sagt man beim brettspiel, wenn man 4 und 3 wirft Schütze
holst. id. 4, 283;
der ausruf min trost '
wenn man begütigen will': min trost, me cha'z icz nid anders mache Hunziker
Aargauer wb. 60. VV.
fast als losgelöst von den üblichen verwendungen des wortes, wenn auch sicher zunächst durch bildhafte vorstellungen mit ihnen in zusammenhang stehend, empfindet man heute den gebrauch von trost
als '
wein, speziell branntwein'
u. ä. als übergangsbelege (
vielleicht auch mit der bloszen bedeutung '
bewirtung')
können folgende gelten: lâ dir den gast empfohlen sein, gib im trost und schenk im ein Kaufringer
ged. 4, 320
Euling; wenn fromme der vorzeit sich in klöstern jahrtäge stifteten, sorgten sie gewöhnlich auch, dasz an solchen tagen der convent einen besondern trost (
bewirtung) an wein, fischen u. dergl. haben sollte
bei Schmeller 1, 677;
vgl.trostbecher. — so nennen auch etliche ihr prob von dem geschmack des wein, an ihm selbs, dann ist er am ersten rauch und saur, so gibt es guten trost (
wein), aber wenn er weich und glat ist, so ists eyn bOeses zeychen Michael Herr
der feldbau (1551) 105
b; ... sie ... ist ... im begriff einer mamsell d'Eon ... einen schluck trost zu reichen Lichtenberg
erklär. d. Hogarthschen kupferstiche (1794) 1, 47; da das essen aufgetragen und einige flaschen röthlichen trostes auf den tisch gesetzt waren Fr. Arndt
in E.
M. Arndt
schriften für und an s. lieben Deutschen (1845) 1, 40; das war freilich ein groszer skandal und ärger für Mergel, der allerdings trostes bedurfte. ... und man sah ihn noch bis spät in der nacht vor der thürschwelle liegen, einen abgebrochenen flaschenhals von zeit zu zeit zum munde führend Annette v. Droste-Hülshoff
w. 2 (1878) 264;
auch mundartlich für branntwein Albrecht
Leipz. ma. 225.
übertragen auf andere getränke: en köppken truast (
kaffee) Leithäuser
Barmer ma. 161;
ähnl. Leihener
Cronenberger wb. 125;
dasselbe kennt man in Holland: een kopje troost (
koffie) Dale 2, 1798.
auch das deminutivum tröstchen
ist in dieser bedeutung belegt: nun hatt ich heimlich noch das kleine tröstchen in petto Moritz Hauptmann
an Franz Hauser 1, 207
Schöne. ob die im mittelniederdeutschen belegte wendung bi gudeme troste sin
an diese bedeutung von trost
anzuschlieszen ist, bleibt unsicher: unde is (
ein brand) drunken werk gewest. desse H. wakede alle tid gerne lange uppe de nacht, unde ward vaken gebeden van ... synen naberen, dat he tozege (
zusähe), dat nyn schade van syner wegene her queme, wan he were by gudeme troste
Lüb. chron. 2, 382
bei Schiller-Lübben 4, 617.
eine andere erklärung '
von heiterer gemütsart sein, sich zu trösten wissen'
schlägt Kück
vor: mittelnd. beitr. (1905) 13.