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leib

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

leib m.

Bd. 12, Sp. 580
leib, m. vita, persona, corpus. Formelles und etymologisches. ahd. mhd. lîp, gen. lîbes; alts. altnfr. lîf, lîBes; niederl. lijf, niederd. lîf, lîves; ags. lîf, lîfes, engl. lîfe; fries. lîf, lîves; altnord. lîf, lîfs; schwed. lif, n. liv; in den alten dialekten, wie noch jetzt im niederl., schwed.,n., ein neutrum. einzig im gothischen ist das wort nicht aufgewiesen; dasz es dort gefehlt habe, ist bei seiner sonstigen gleichmäszigen verbreitung über alle deutschen dialekte nicht anzunehmen; Ulfilas musz gründe gehabt haben, es in seiner bibelübersetzung zu vermeiden. Schon bd. 2, 90 und wieder oben sp. 397 unter leben ist der zusammenhang sowol dieses wortes als auch des subst. lîp, leib mit pîlîpan, bleiben vorgetragen worden. dieser zusammenhang kann aber nur von einer besonderen germanischen vorstellung ausgehen. lîp, im munde des streitbaren mannes, ist ursprünglich der gegensatz des gleichgeschlechtigen wal, ags. wäl, welches die gesamtheit der auf dem schlachtfelde gefallenen, die zusammenfassung der für den heldenhimmel aus gewählten bezeichnete; lîp ist demnach eigentlich die gesamtheit der noch zurückgelassenen, noch nicht gefallenen. wie wal dann übergeht in die bedeutung niederlage, tod auf dem schlachtfelde, so lîp in die bedeutung leben; wie wal auch die einzelne kriegerleiche bedeutet (ags. wäl Grein sprachschatz 2, 644), so lîp den einzelnen zurückgebliebenen, lebenden, die person. von diesen beiden bedeutungen aus entwickelt sich das wort zu unserm heutigen gebrauche. der übergang von jener oben angegebenen ursprünglichen collectivbedeutung zu der des lebens kann aber noch nicht zur zeit der entstehung der gothischen bibelübersetzung erfolgt sein; denn der grund für Ulfilas das wort, das wir auch als gothisch voraussetzen musten, zu vermeiden, konnte nur der sein, dasz es sich noch seinen scharfen kriegerischen und heidnischen begriff bewahrt hatte. das althochdeutsche und die gleichzeitigen andern dialekte haben ihn verloren. Der umschlag aus dem alten neutralen geschlechte in das masculine (nach dem gegensatze tod) beginnt im ahd.: lîp sâlîgan vitam beatam. Murbacher hymn. 20, 4, 4; argebe joh tôd lîp niuuan reddatque mors vitam novam. 20, 6, 4; gegen: êuuînaʒ lîb (vitam aeternam). Tat. 82, 4; thaʒ thaʒ êuuînîga lîblêrta thâr ein armaʒ wîb. Otfrid 2, 14, 84; und ist im mhd. nhd. vollzogen. nachklang des früheren neutralen geschlechtes kann zwar nicht unser heutiger plur. leiber, der erst im 17. jahrh. sich zu bilden scheint, wol aber der plur. leib sein, der im 16. jahrh. mehrfach bezeugt ist: auszgemerglete, hingefalne und schwache leib, fluxa et resoluta corpora. Maaler 269b; kleine leib, minuta corpora. ebenda; dann sie gemeinlich alle lange gerade leib haben. Micyll. Tac. 439a; dann sie schwarze schildt und gefärbte leib haben. 451a. mit dem aufkommen des masculinen geschlechts bildet sich die masculine pluralform lîbe: mit disen drîn vogelen sint pezeichenet drîe lîbe derô heiligon. Notker ps. 101, 8; als der lîp (die person) stirbet, sô sullen die lîbe mit einander nieʒen, die dâ genennet sint. Schwabensp. 34, 5; eine form, die bei Luther häufig, sich bis ins 17. jahrh. erhält: und stunden auf viel leibe der heiligen, die da schliefen. Matth. 27, 52; das derselbige gott, der Christum von todten auferwecket hat, wird auch unsere sterbliche leibe lebendig machen. Luther 6, 79b; er (Paulus) heiszt uns opfern unser leibe zum heiligen, lebendigen, angenemen opfer. 95b; wenn wir alle sollen wider auferstehen, was werden wir für leibe haben? 209a; das ander und newe leibe solten auferstehen. 246b; gleichwie einmal ein meszpfaff gewest ist, derselbe da er uberm altar viel hostien solte consecrieren, meinete er, es were nicht congrue nach der grammatica geredt, das ist mein leib, sondern sprach: disz sind meine leibe. tischr. 67b; sie vertrawen gott jre leibe und seelen. 136b; hohe (menschen) sind löwen, und dienen den leiben (: treiben). Logau 2, 102, 14. Bedeutung. 11) leib, leben. diese bedeutung hat, seitdem sich das subst. leben an die stelle von altem lîp festgesetzt (oben sp. 409), von ihrer schärfe eingebüszt. das nhd. bewahrt sie nur noch in festen verbindungen, formeln, sprichwörtern, namentlich in solchen, in denen der gewaltsame verlust des lebens hervorgehoben wird, wo doch wieder auch die vorstellung von der schädigung des körpers eingreift: den leib wagen, den leib nehmen, um den leib kommen, den leib kosten u. ähnl.: den lib verlieren. Haltaus 1237 (von 1315); der rihter sol rihten uber den lip. ebenda; an ihrem libe strofen. ebenda (von 1472); dieser ratschlag hat on zweifel die Italianer bei dem leben erhalten und den landszknechten ihren leib gekost. Fronsperger kriegsb. 3, 137a; hab ich mehrermals ... meinen leib gewagt. Kirchhof mil. disc., vorrede; nemen sie den leib, gut, ehr, kind und weib, las faren dahin. Luther 8, 364b; wenn Phocas, wenn Iren sich mehr in acht genommen, wär er wol um den leib und sie ins kloster kommen? A. Gryphius 1698 1, 19; den leib sichern, das leben verbürgen: doch e sich Jos Aunsorg und sin helfer gefangen gaben, do muosten si herzog Hansen diener sichern an dem leib. d. städtechr. 4, 102, 24; auf den leib gefangen sein, auf den verlust des lebens hin (vergl. dazu aber auch auf den hals gefangen sein theil 42, 247): der gevangen wær auf den leip. Megenberg 380, 19; er lag gefangen umb sinen lib. Uhland volksl. 303; bei leib gebieten, verbieten: wær eʒ im an den lîp geboten, ern möhte eʒ niht verswîgen hân. Trist. 89, 37; daher in drohungen bei leibe! bei leibe nicht! vergl. theil 1, sp. 1351, no. 7: cave faxis, bei leib nit. Alberus; aber bei leib, das mirs keiner lesz (lese). Garg. 38b; bei leib thus keiner! Kirchhof wendunm. 151a; bei euwerem leibe nicht junker, saget der abt, redet also schmählich auf die heiligen vätter. 395a; schweizerisch bi lyb u sterbe nit. J. Gotthelf Anne Bäbi (1866) s. 341; er fing so baldt zu bellen an: bei leib, es hut sich jederman für diesem fuchsz, und gleubt jhm nicht. Alberus fab. (1550) 101; wer fromm will sein, der seh bei leib, dasz er zu Rom zu lang nit bleib. Fischart bienk. (1588) 255a; herr ritter! sie müssen mir versprechen, so ruhig zu sein wie eine maus, und bis ich sage, mein mährchen ist aus, mich ja bei leibe nicht unterbrechen. Wieland 4, 39 (n. Amadis 2, 32); in der formel leib und leben, in der das letzte glied den gleichbedeutenden älteren ausdruck durch einen neueren noch fester bestimmte, vergl. oben sp. 424: bei gefahr leibes und lebens. Schütz Preuszen 106; und von den zeiten an behielten die zunftmeister den gewalt, das sie ein jeden zu Rom für ein gemeinde fordern, und urtheil um sein leib und leben sprechen mochten. Livius von Schöfferlin 34 (sein leib und leben, wobei das zweite substantiv das grammatische geschlecht bestimmt, vgl. nachher ir leib und .. ir guet, und hab und gut th. 42 sp. 44); ich wurd gewiszlich drüber müssen mein leib und leben gar einbüszen. L. Sandrub kurzweil (1618) 174; mit leib und leben, mit allem was in einem lebt, ganz und gar: lieber, drum mit leib und leben hab der lieb ich mich geschenkt. Rückert liebesfrühl. (1872) 154; leib und gut: dô sprach künic Gunthêr: ir ist lîp unde guot. Nib. 1069, 1; lîbes unde guotes solt du mîn voget sîn. 1075, 2; pracht die armen leut umb ir leib und umb ir guet. deutsche städtechron. 5, 41, 26; wer .. fliehet in den tempel, der sol da sicher sein, mit leib und mit gut. 1 Macc. 10, 43; küne leute .., die leib und gut getrost wagten fur jr vaterland. 2 Macc. 14, 18; Judas, der leib und gut fur sein volk dargestreckt. 15, 30; leib und guth geht miteinander (corpus, sive vita, et bona pari passu ambulant, h. e. qui damnatus est capitis, ille etiam bona sua amittit). Pistorius thes. par. 6, 69; im plur. leiber, wo der anklang an die bedeutung 3 besonders bemerklich ist: dasz dieb und räuber unser gut und leiber nicht angetastt und grausamlich verletzet, darwider hat sein engel sich gesetzet. P. Gerhard 107, 22 Gödeke; in andern formeln: die güter desz leibs und desz glücks sind unbeständig. Philander 2 (1643) 225; für meine lieben liesz ich leib und blut. Göthe 12, 179; sprichwörtlich: es ist ein alt sprüchwort: gutter muth macht halben leib oder ist halber leib. Katziporus ba; guter muth ist halber leib, hütt dich narr und nimb kein weib. Lehmann 158. leib greift in die temporale bedeutung lebzeit über, mhd. namentlich in den formeln an lîbe, ze lîbe bei lebzeiten. Lexer 1, 1930; zcu sime libe (ad vitae suae tempora). Haltaus 1236 (von 1374); hat mir die höffe alle ... zu meinen leib verliehen. ebenda (von 1312); da die lehn auf dem fall und der letzten lehenleute leib stehen. 1237 (von 1628). 22) leib, lebender, person. 2@aa) schon ahd., gewöhnlich aber mhd. in verbindungen mit possessiven: mîn lîp, dîn lîp u. s. w., wodurch die persönlichen fürworte ich, du u. s. w. umschrieben werden, vergl. J. Grimm kl. schriften 3, 265, wo zahlreiche beispiele; auch die spätere sprache bewahrt davon noch reste: swa man den begriffet, so sol man hintz sinem libe rihten als hintz einem schedlichen manne. d. städtechr. 4, 138, 20; bisse sich selbst mit den zähnen, und zwange seinen leib mit marter herumb, dasz er die augen verkehrete. Philander 1 (1642) 364; das ist ein bur, dank hab sin lyb (dank habe er). fastn. sp. 887, 17; sonst köstigt (schmerzte) si nit deinen leib. Schwarzenberg 151a; ach, ich hett vor ein altes weib, die küeffelt und naget mein leib (mich), das ich schir gar schwindsichtig war. J. Ayrer fastn. sp. 11c (2391, 7 Keller); in ähnlichen, zum theil erweiterten verbindungen: hab acht auf aigen leib und eer (auf dich und dein treiben). Schwarzenberg 111b; zu Basel hastu verraten meinen jungen und trewen leib. Uhland volksl. 322; heute ist davon fast nur noch übrig die formel seinem leibe keinen rath wissen, als kräftigerer ausdruck statt sich keinen rat wissen: da er ... seinem leibe keinen andern rath wuszte. Wieland 15, 264; als er seinem leibe keinen rath wuszte. 20, 6; der gute mann, den sehr zur ungelegnen zeit sein hüftweh überfällt, weisz seinem armen leibe sonst keinen rath, als dem getreuen weibe betheurungen zu thun von seiner zärtlichkeit. 22, 291 (Oberon 6, 78); Rückerts anrede an die geliebte mein süszer leib (ges. ged. 1, 444) ist dagegen nichts als eine sprachgelehrte erinnerung, vgl. mhd. genâde, süeʒer reiner lîp! g. Gerh. 2231. 2@bb) in anderer stellung: er wölt gen Hall mit sin selbs lip (persönlich). d. städtechron. 4, 64, 7; sol der selb Pütreich mit sein selbers leib ynner jarsfrist ain romvart tn .. wär aber daʒ er das von seiner notdurft mit sein selbs leib nicht tun möcht, so sol er in dem gagenwürtigen jar zwen erber geriten gen Rom schicken. 181, 37; den hof besasz N. N. jure personali, auf seine einzige person oder auf seinen leib. Schm. 1, 1411 Fromm., wo aber auch die bedeutung lebzeit (oben 1 z. e.) nicht ganz fern liegt; in der heutigen sprache, aber absterbend, noch sich auf den leib halten, miethen, für persönlichen gebrauch: da standen plötzlich acht juden und sechzehn häscher, denn jeder jude hatte sich zwei häscher auf den leib gemiethet. Immermann Münchh. 1, 61; von seinem (Homers) helden hat jeder auf seinen eigenen leib zwei oder drei (weiber). Wieland 4, 71 (n. Amadis 3, 21); sprichwörtlich: mann und weib sind ein leib. Pistorius thes. par. 6, 95; lediger leib ist goldes werth. Simrock sprichw. 334; schönen leibern gehören schöne nahmen. unw. doct. 391. 2@cc) eine reihe der unten folgenden composita betonen dieses persönliche ebenfalls, so leibarzt arzt für die eigene person, leibdiener, leibkapelle u. s. w., in andern aber entwickelt sich aus der vorstellung des für die person dienenden die des am meisten geliebten, so in leibessen (eigentlich das eigens für jemand bestimmte essen, darum lieblingsessen), leibgericht, leibgesang, leiblied, leibpoet u. a. vergl. ferner leibeigen. 33) leib, die äuszere hülle eines menschen, corpus; die heute allein noch gewöhnliche bedeutung. 3@aa) sie erscheint zufrühest im gegensatz zu seele, auch zu geist, obschon zu letzterem öfter das fremde körper gegensätzlich gestellt wird (vergl. theil 5, 1835): ahd. dô ruoweda after dôde der sanctus sanctorum biʒ an des dridden dages cit. dû sêla wekkeda den lîb. Friedberger christ Eb, 10; mhd. der lîp genam den ente, diu sêla fuor ze gotes êwen. genesis in den fundgr. 2, 35, 39; lîp und sêle lac dâ tôt. Walther 9, 27; vische, vogele, würme und tier diu hänt niht geistes alse wir; ir geist hât des tôdes art, lîp und geist sterbent ein fart. Freidank 10, 16. nhd. wenn mir gleich leib und seele verschmacht. ps. 73, 26; mein leib und seele frewen sich in dem lebendigen gott. 84, 3; der wein, zur notdurft getrunken, erfrewet leib und seel. Sir. 31, 36; die todten, ... welcher geist aus jrem leibe gefaren ist. Baruch 2, 17; fürchtet euch nicht fur denen, die den leib tödten, und die seele nicht mögen tödten. fürchtet euch aber viel mehr fur dem, der leib und seele verderben mag in die helle. Matth. 10, 28; wisset jr nicht, das, wer an der huren hanget, der ist ein leib mit jr? .. wer aber dem herrn anhanget, der ist ein geist mit jm. 1 Cor. 6, 16. 17; gleich wie der leib on geist tod ist. Jac. 2, 26; damit mir (dem teufel) nicht allein dein leib, sondern auch dein seel zu theil werde. volksbuch von dr. Faust s. 14 Braune; es ist umb den leib allein nit zu thun, sondern auch umb die seel. 98; unter andern gebe er (gott) meinen hochgeehrten herren, und allen ihren lieben angehörigen, was ihnen lieb und nütz ist an leib und seele, an ehre und gut. Schuppius 333; die scheidung zwischen geist und körper, seele und leib, gott und welt war zu stande gekommen. sittenlehre und religion fanden ihren vortheil dabei. Göthe 53, 236; essen und trinken hält leib und seele zusammen. Simrock sprichw. 116; eh ich sterb und sich mein geist aus des leibes banden reiszt. P. Gerhard 80, 7 Gödeke; der mensch, ein leib, den deine hand so wunderbar bereitet, der mensch, ein geist, den sein verstand, dich zu erkennen, leitet. Gellert 2, 146; klage nicht, dasz ich von dir gehe, denn ich bleibe hier; ja, indem mein leib verreist, bleib ich hier mit meinem geist. Rückert liebesfrühl. (1872) 55. in formeln: der sol ja bei leib und seel, nicht wider solch sein gewissen .. handeln. Luther 6, 4b; bei verlust leibs und seel. Friderich saufteufel B 3a; er sei ihr mit leib und seele zugethan. Göthe 16, 22; so hoch stand der könig, und alles was ihm mit leib und seele ergeben war, in der gunst der menge. 24, 290; du bist desz teufels ganz und gar, mit leib und seel, mit haut und har. Sandrub kurzweil (1618) 135; ich bin dabei mit seel und leib. Göthe 12, 95; in einem bilde: leck ist das ganze, wenn ers nicht thut. ohne den Moor sind wir leib ohne seele. Schiller räuber 1, 2. 3@bb) die glaubenslehre unterscheidet das leben des leibes als das irdische, sterbliche, von dem geistigen, ewigen leben: wir ... wissen, das dieweil wir im leibe wonen, so wallen wir dem herrn. 2 Cor. 5, 6; wir ... haben viel mehr lust auszer dem leibe zu wallen, und da heimen zu sein bei dem herrn. v. 8; auf das ein jglicher empfahe nach dem er gehandelt hat, bei leibes leben, es sei gut oder böse. v. 10; so lang ich hier im leibe walle, bin ich ein kind, das strauchelnd geht. Gellert 2, 108; daher der sterbliche, natürliche leib im gegensatz zu einem unsterblichen: so lasset nu die sünde nicht herrschen in ewren sterblichen leibe. m. 6, 12; es wird geseet ein natürlicher leib, und wird auferstehen ein geistlicher leib. 1 Cor. 15, 44; dasz jre sterbliche leiber nicht von den todten auferstehen. volksbuch von dr. Faust s. 75 Braune; und leib steht in der bedeutung leichnam, wenn der eintritt des todes irgendwie mit angegeben ist: funus toter leib Dief. 252a; exequie lip bevilh 216a; unvergrabne und unbestattete leib, inhumata corpora Maaler 269b; wenn gott wird meine seele wegnemen, so begrabe meinen leib. Tob. 4, 3; da kamen seine jünger, und namen seinen leib und begruben jn. Matth. 14, 12; Joseph .. gieng zu Pilato, und bat jn umb den leib Jhesu. da befalh Pilatus, man solt jm jn geben. und Joseph nam den leib, und wickelet jn in ein rein linwand, und legete jn in sein eigen new grab. 27, 58. 59 (gegen Marc. 15, 43—45, wo leichnam); beschaweten das grab, und wie sein leib gelegt ward. Luc. 23, 55; die leiber der ermordeten Jasoniden will ich in den tempel der Pallas begraben. Klinger 2, 242; nu last uns den leib begraben. Wackernagel kirchenlied 3, 332; mein leib trawrig ins grab eingelegt wie asche zersteubt. 5, 494; dann gleich wie Christi flaisch und leib nicht in dem grab und tod verpleib, also nicht pleiben werden unser leib inn der erden, wie sehr die würm sie zehrten. Fischart dicht. 3, 145, 6 Kurz; und der gegensatz dieser letzteren bedeutung ist der lebendige leib, vgl. lebendig 6, d sp. 428; bei lebendigem leibe hingeben. polit. stockf. 361; ich bin mit lebendem lîbe tôt. Trist. 196, 30. 3@cc) in vielen fällen wird der leib nach seiner äuszern erscheinung hervorgehoben. 3@c@aα) zum leib gehören auch die glieder: denn gleich wie ein leib ist, und hat doch viel glieder, alle glieder aber eines leibes, wiewol jr viel sind, sind sie doch ein leib. 1 Cor. 12, 12; bildlich, nach m. 12, 4. 5: bet oft zu gott für deine brüder, für alle menschen, als ihr freund; denn wir sind éines leibes glieder; ein glied davon ist auch dein feind. Gellert 2, 101. in diesem sinne heiszt es der ganze leib, so in den verbindungen am ganzen leibe zittern, beben, lachen; mit lachen den ganzen leib erhotzlen, risu totum corpus concutere. Maaler 269c; der geist ... erzittert und erbidmet den ganzen leib. Paracelsus 1, 548 A; der halbe leib aber ist entweder der oberkörper: sich mit dem halben leibe ins fenster legen, zum fenster hinaus lehnen; fantasie sich halben leibs zum himmel hob. Rückert 10; oder auch der unterkörper: er stack mit dem halben leibe im schnee. 3@c@bβ) es heiszt ein schöner, wolgestalteter, häszlicher, misschaffner, derber, zarter, dürrer, fetter leib: adelicher leib, clarum corpus, arbeitsäliger ellender leib, miserabile corpus, auszgemerglete, hingefalne und schwache leib, fluxa et resoluta corpora Maaler 269b; zu der zeit wird die herrligkeit Jacob dünne sein, und sein fetter leib wird mager sein. Jes. 17, 4; mit aller kraft ihres starken leibes. Immermann Münchh. 4, 77; da tritt herein ein junges weib, mit voller brust und rundem leib. Göthe 13, 126; es steigt das riesenmasz der leiber hoch über menschliches hinaus. Schiller kraniche des Ibykus; auch schön, häszlich, stark, schwach, dürr, mager von leibe; ein alter mann hett ein jungs weib, die schön war, und gerad von leib. L. Sandrub kurzweil (1618) s. 107; es zeugt ein mahler mit seim weib kinder, die warn heszlich vom leib. 169; ist gleich die braut von guten sitten, doch nicht dabei, wie mancher spricht, am leibe niedlich zugeschnitten, so heiszt es ein alltags-gesicht. Günther 217. 3@c@gγ) leib, von dem der frauen, steht mit sinnlichem nebenbezuge, vergl. die bemerkung unter körper theil 5, 1835: nimm hin das vielgeliebte weib! den jungen, unberührten leib. Göthe 1, 217; wenn ich deinen lieben leib umfasse. 2, 110; ists möglich, ist das weib so schön? musz ich an diesem hingestreckten leibe den inbegriff von allen himmeln sehn? 12, 124; bring die begier zu ihrem süszen leib nicht wieder vor die halb verrückten sinnen! 174; so in den formeln den leib genieszen: das ist die brust, die Gretchen mir geboten, das ist der süsze leib, den ich genosz. Göthe 12, 219; den leib verkaufen, den leib preisgeben, etwas mit dem leibe verdienen; wenn er ihr das versprochene überbrächte, so wolte sie sich auch gerne seinem willen und (l. mit?) ganzem leib unterziehen, nur möchte er reinen mund halten, und dasjenige in obacht nehmen, was sie sonsten um ihre renomme, und ihr ein kind brächte. Salinde 57; drei nächt verdient mit jhrem leib etliches gelt das fromme weib. L. Sandrub kurzweil (1618) 95. 3@c@dδ) leib, mit adjectiven sittlicher eigenschaften, in der sprache der bibel: da ich aber wol erzogen war, wuchs ich zu einem unbefleckten leibe. weish. 8, 20; welche aber nicht freiet, die sorget was den herrn angehöret, das sie heilig sei, beide am leibe und auch am geist. 1 Cor. 7, 34; durch ablegung des sündlichen leibes im fleisch, nemlich, mit der beschneitung Christi. Col. 2, 11. 3@dd) leib, mit betonung seiner bedürfnisse, seiner gesundheit oder krankheit. 3@d@aα) ein gesunder, kranker, reiner, unreiner, müder, zerrütteter leib (wo uns heute körper geläufiger ist): wer reines leibs ist (nicht aussätzig). 3 Mos. 7, 19; wer etwa einen unreinen leib anrüret. 22, 4; ich hatte sie (die weisheit) lieber denn gesunden und schönen leib. weish. 7, 10; wiewol euch gott bisher einen festen harten leib gegeben. Luther 5, 12b; ungesunder leib, einer bösen complexion, corpus mali habitus. Maaler 269b; ein kranker leib, corpus aegrum. Steinbach 1, 1026; komm in meine hütte, gerne will ich trank und kräftge speise dir, und deinem müden leib ein laues bad bereiten! Platen 324; die noth, plage, pein des leibes; leibes noth und gefahr. M. Neander syll. loc. 154b. 3@d@bβ) mit verben, den leib warten, pflegen, besorgen, reinigen u. s. w.: wartet des leibes, doch also, das er nicht geil werde. m. 13, 14; sol zuvor seinen leib mit wasser baden. 3 Mos. 22, 6; solt jr ewrn leib casteien. 16, 29; den leib ergetzen, erfrischen, erquicken, levare corpus Maaler 269b; den leib wäschen und baden, tingere corpus lymphis. ebenda; auf ein zeit sagte er: mein weib, du thust recht gütlich deinem leib, und trinkest allen imbisz wein. L. Sandrub kurzweil (1618) 114; etwas am leibe ersparen, durch versagung leiblicher genüsse: fort ist er! mit allem davon gefahren, was ich mir thät am leib ersparen. Schiller Wallenst. lager, 4. auftr.; den leib kasteien: was wilt du, da sich andre freuen, mit fasten deinen leib casteyen? Günther 272; den leib schädigen, zerrütten, verheeren; das wir unserm nehesten an seinem leibe keinen schaden noch leid thun. Luther 8, 348a; die striemen, drückne, hitz, so mit schnellem verdrusz den leib bei tag beschweren. Weckherlin 198; verwesung schändet sein gesichte, und predigt schrecklich die geschichte der lüste, die den leib verheert. Gellert 2, 139; sind euch gar trotzige kameraden; wenn sie uns nur nichts am leibe schaden! Schiller Wallenst. lager, 1. auftr.; die schlege und groszen schmerzen, die ich an meinem leibe trage. 2 Macc. 6, 30; bei solchen unflätern, welche hurenzeichen an ihrem leibe tragen. Schuppius 518; denn eben drümhat er den grimm des kreuzes auch am leîbe wollen tragen. P. Gerhard 155, 50 Gödeke; den leib preisgeben, zur vernichtung (im andern sinne als oben c, γ): also hat auch oft besagter bischoff .. derselben leiber preisz gegeben, und alles zu erwürgen und nieder zu schieszen erlaubt. Wertheimer deduct. 1, 263. 3@d@gγ) von dem kleiden des leibes aus: sorget nicht .. fur ewren leib, was jr anziehen werdet. Matth. 6, 25; um den leib schmiegte sich ein verblichen geistlich kleid. Scheffel Ekkeh. s. 69; der blosze leib, der der kleidung entblöszte; gehen feste formeln, wie sich etwas auf den leib schaffen, an den leib hängen: schaffe mir den lohn, den mein vater verdienet hat, damit ich mir ein gut kleid an leib schaffe. Schuppius 168; verkaufen auch noch so viel, dasz wir uns ein hübsches kleid auf den leib schaffen können. Göthe 11, 5; sie sieht den menschen an und schneidet, .. und schafft ihm einen rock auf den leib wie angegossen. 23, 43; nur keine garderobe, immer das neueste und beste auf dem leibe. 19, 146; alles, was sie verdient, hängt sie an den leib (sorgt nur für kleidung); sie wendets, kann sie was erspulen, an ihren leib, an ihren buhlen. Göthe 41, 48; und freier, einem etwas auf den leib schneiden, eine beschäftigung, ein amt, gewissermaszen wie ein stück kleidung; dieser posten ist ihm eigens auf den leib gemacht; ir besoldung ist sonders nichts, dann was jhnen im register auf ihren leib gemacht wirdt. Fronsperger kriegsb. 1, 109a; (eine lehrweise) die wir nicht etwa erfunden oder der heutigen zeit auf den leib geschnitten. Basler protestantenblatt 1879 s. 56; dem schauspieler eine rolle auf den leib schreiben; einem die kleider vom leibe reiszen, und danach: man reiszt ihr (der natur) keine erklärung vom leibe, trutzt ihr kein geschenk ab, das sie nicht freiwillig gibt. Göthe 50, 7. 3@d@dδ) von der nahrung des leibes aus heiszt es gut bei leibe sein, schlecht bei leibe sein, wol- oder übelgenährt aussehen; nach den zehen tagen waren sie schöner, und bas bei leibe, denn alle knaben, so von des königes speise asen. Dan. 1, 15; wohl bei leibe, corpulentus Frisch 1, 600a; nit wol bei leib sein, krank sein, valetudine uti minus commoda Maaler 269c; vom leibe fallen, kommen: diesen fechtet die lieb .. so sehr an, dasz er am leib abname, und darüber in ein krankheit fiele. volksb. von dr. Faust s. 101 Braune; achzet und seufzet, nam vom leib ab. 109; danach auch von thieren (unten no. 6): wann ein pferd gar vom leibe kommen were, und nit essen mag. Seuter rossarzn. 118; es sterket das pferd, gibt jhm grosze kraft, und bringt es wider zu dem leib. ebenda; dardurch kamen die ochsen nicht vom leibe, sondern nahmen .. desto besser zu. Schuppius 119; wer junge ferkel wol erziehen wil, der musz ihnen oft gersten vorstreuen und sie fein bei leibe erhalten, dasz sie nicht schmächtig werden und von leibe kommen. Colerus hausb. 331. 3@d@eε) die körperstärke betont die nachfolgende formel: der hundt lief, was er leibes mocht (aus leibeskräften), am hasen seine macht versucht. B. Waldis Esop 1, 22, 5; sucht bald herfür ein eisern flegel, und schlug drauf, was er leibes mocht. 4, 73, 57; der blindt gundt sich hoch auf zu lupfen, sprang, was er mocht leibes, daher. 92, 71; und leib geht in einigen fällen geradezu in die bedeutung leibeskraft, anstrengung über: du fichtst aus ganzem leibe und von ganzer manheit. hürn. Seifr. 81, 5; soltu die esel zuo Ertfurt all weis machen, das würd vil leibs brauchen. Ulenspiegel no. 29, s. 41 Lappenberg; kost auch vil leibs und zeucht einem wider das mark ausz arm und beinen herausz. Mathesius Sar. 145a; und wirdt viel leibs brauchen, ehe wir leuth, die uns gerahten sein, bekommen können. Ayrer proc. 3, 1. 3@ee) gewisse stehende verbindungen haben sich von der vorstellung der körperlichen annäherung aus gebildet. 3@e@aα) einem zu leibe gehen, wollen, auf den leib rücken, angriffsweise: wer sich zu einer rechtlichen untersuchung erbietet, dem kan man nicht als einem unterdrücker zu leibe gehen. Heilman Thucyd. 101; lasset uns den unterdrückern zu leibe gehen. 102; ihnen mit unsern flotten zu leibe gehen. 165; da mir die Griechen wegen meiner guten gesinnungen gegen dich zu leibe wollen. 157; wie sie sich ihm aber aufs neue zunöthigten, ging er ihnen mit macht zu leibe. Möser osn. gesch. 1, 143; geh sobald als möglich zu dem alten, geh ihm mit deiner ganzen beredsamkeit zu leibe. Wieland 8, 391; wir müssen einmal für allemal ihm zu leib gehen und das mit ernst. Göthe 8, 96; sie sind überzeugt, dasz er ein schelm ist, und wollen ihm nicht zu leibe. 15, 70; weil sie sich brief und siegel wünschten, um ihren gegnern recht diplomatisch und juristisch zu leibe zu gehen. 19, 310; vor jetzt wolle er es bei diesem winke bewenden lassen, aber er droht ihm hart zu leibe zu rücken, wenn dieser wink nichts fruchte. Schiller an Göthe 231; wenn jemand demselben zu leibe geht. 233; ein stattlicher mann, der dem teufel kräftig zu leibe ging. Freytag ahnen 5, 236; alle gingen dem fuchs zu leibe, sie hofften die frevel nun zur sprache zu bringen. Göthe 40, 62; könnt ich dir nur an den dürren leib, du schändlich kupplerisches weib! 12, 198; auch nur im sinne einer groben zudringlichkeit: da kommt ein flegel ihm auf den leib, friszt seine äpfel, beschläft sein weib. 13, 4. 3@e@bβ) vom leibe bleiben, einen vom leibe halten: bleibt mir vom leibe! Göthe 57, 190; schwiegerpapa, mit solchem scherz bleibt mir vom leibe! Kotzebue dram. sp. 2, 327; drei schritt vom leibe! wird dem zudringlichen zugerufen; vom leibe mir, ekles weibsgeschlecht! Göthe 41, 48; den schlüssel schwinge, halte sie vom leibe. 76; sich einen vom leibe schaffen; wenn er sich nur erst die drängendsten gläubiger vom halse geschafft hat; und schafft die sudelköcherei wohl dreiszig jahre mir vom leibe? Göthe 12, 119. 3@e@gγ) leib gegen leib, von kämpfenden: er hat mich erfordert leib gegen leib zu schlagen. Aimon bog. 94; leib gegen leib, wie das thebanische paar, rückt auf einander an, und, wuthvoll ringend, umfanget euch mit eherner umarmung. Schiller braut von Messina v. 450; anders leib an leib, von ehegatten: leib an leib, gut an gut (qui corpora conjungunt, illi quoque bona conjungunt). Pistorius thes. par. 4, 33. 3@ff) leib, der körper, im gegensatz zu den gliedmaszen: ach jhr glieder, und du noch gesunder leib. volksb. von dr. Faust s. 110 Braune; so zu dem kopfe: darnach schneit sie jm den kopf abe, und welzet den leib aus dem bette. Judith 13, 9; o armer Holofern! o, du verruchtes weib! wo ist das edle haupt? ich finde nur den leib. Opitz 3, 85; aber auch zu armen und beinen, wie rumpf, vergl. oberleib, unterleib; es (das neue kleid) musz mehr an den leib geschlossen sein. Göthe 14, 208; einen um den leib anfassen, medium complecti aliquem Frisch 1, 600a; er läszt sich auf die knie vor ihr nieder und legt seine beiden arme sanft um ihren leib. H. v. Kleist Käthchen 4, 2; ich habe meinen leib in keinen wattirten rock gepreszt, und um meine beine schlottern keine ellenweiten beinkleider. Hauff mem. des sat. s. 58; wie er z. b. die elegante, hohe cravatte, ein Berliner meisterwerk, als gurt um den leib gebunden hatte. 60. 3@gg) leib, nach seinem innern; 3@g@aα) man hat ein herz, eine lunge, blut im leibe: da erstarb sein herz in seinem leibe, das er ward wie ein stein. 1 Sam. 25, 37; mein geist ist in mir geengstet, mein herz ist mir in meinem leibe verzeret. ps. 143, 4; welche mein herz martern und peinigen ohn underlasz, und mir dasselbe ausz dem leibe reiszen. Philander 1 (1642) 365; wenn die sach gut ist, so wechst das herz im leibe. Mathes. Luther (1583) 21b; mir zittert das herz im leibe, wenn sich nur was bewegt. Göthe 15, 52; eine hofcharge! das herz im leibe wackelte. Kotzebue dram. spiele 3, 249; wo ihr pfarrer so schön und gewaltig predige, dasz man meine das herz nicht mehr behalten zu können im leibe. Gotthelf 11, 245; sich die lunge im leibe entzwei schreien, ausdruck für heftige anstrengung beim sprechen; wann oft mein herz im leibe weint und keinen trost kann finden. P. Gerhard 159, 43 Gödeke; noch siedet das blut mir im leibe. Göthe 1, 204; dir soll das herz im leib verzagen. 12, 197. 3@g@bβ) krankheiten, schmerzen u. ähnl. stecken im leibe: es steckt ihm eine krankheit im leibe; kam jn ein solchs reiszen im leib an, und so ein groszes krimmen in den dermen, das man jm nicht helfen kund. 2 Macc. 9, 5; im ganzen leib grosz leiden haben, concruciari omni corpore. Maaler 269c; dasz sie in keller fiel hinein, zerschundt die armen und die bein, und fühlt sonst schmerzen in dem leib. Sandrub kurzweil (1618) 173. 3@g@gγ) natürlich auch die seele selbst, ja der mensch selbst wird in seinem leibe wohnend gedacht: in schönem leib wohnt freundlich weib. Simrock sprichw. 334; und darum die seelischen regungen, so muth, ehre, furcht, liebe im leibe haben; grillen im leibe haben; du bist besessen. farfarellen sind dir in den leib gefahren! was? du willst ein mädchen rauben? Göthe 10, 221; als hätte sie lieb im leibe. 12, 106; aber auch das, was man nach seinem innern menschen ist: er schwatzte von lauter staats-sachen, und setzte zu allen erzehlungen solche artige politische regeln, ... dasz man gemeint hätte, er müste einen reichs-rath in dem leibe haben. Chr. Weise erzn. 36 (s. 24 Braune); dir steckt der doctor noch im leib! Göthe 12, 172; er hat einen schelm im leibe, graecae vel punicae fidei ist. Stieler 1131; er hat den teufel im leibe! 3@g@dδ) essen und trinken in den leib schütten, zu leibe nehmen, im leibe haben: so gehe nu das verfluchte wasser in deinen leib, das dein bauch schwelle und deine hüfte schwinde. 4 Mos. 5, 22; seine speise inwendig im leibe wird sich verwandeln in ottergallen. Hiob 20, 14; in leib gieszen. saufteufel (1552) A 4a; so bald er uber einen Rastatter schoppen im leib hatte, so war der kopf schon gefangen. Philander 2 (1643) 211; wir kunten für mattigkeit weder gehen noch stehen, es wolte auch das essen nicht zu leibe. Andersons oriental. reisebeschr. (1696) 1, 2; von einem armen heiszt es: er hat nichts im leibe und nichts auf dem leibe; du siehst, mit diesem trank im leibe, bald Helenen in jedem weibe. Göthe 12, 132. 3@hh) unter leib wird nur der unterleib, der bauch verstanden. 3@h@aα) in gewählter rede, wo das letztere wort vermieden wird, heiszt es einen dicken, stattlichen, aufgetriebenen leib haben; ein heftiger schmerz in den gedärmen, welcher mit einer groszen aufblähung des leibes .. verbunden. öcon. lex. (1731) 492; auch einen vor den leib stoszen, treten; du must das pflaster grosz gnug machen (bei einer bauchwunde), damit es den leib ziemlich bedecken möge. Agricola feldschererkunst (1701) 131; einen groszen leib vor sich haben, corpore projectiore esse. Frisch 1, 600a; ein voller leib, plenus venter. ebenda. 3@h@bβ) harter, verstopfter leib, ohne stuhlgang; dünner leib, durchfall, vgl. theil 2, 1553; der vater hat in der hochzeitnacht glatten leib bekommen. Schiller räub. 4, 2 (erste ausg.); doch soll man allezeit zuvor den leib purgiert ... haben. Sebiz feldb. 85; da (bei verstopfung) will vonnöthen sein, dasz man den leib eröffne. Agricola feldschererkunst (1701) 12; offnen leib machen, alvum movere, alvum ciere Frisch 1, 600a; mein armer gevatter erschrak und es fuhr ihm in den leib, so dasz er nicht weit gehen konnte, ohne den forderungen der natur zu gehorchen. Göthe 34, 93. 3@ii) leib, der mutterleib: groszen, hohen, gesegneten leibes sein, schwanger; zu seiner hauszfrawen .., als sie groszes leibs ware und gleichwol noch das vorige kind säugete. Zinkgref apophth. 1, 246; benebens erzehlte er mir auch, dasz meine liebste bei seiner abrAeise groszen leibes ... gewesen. Simpl. 1, 397 Kurz; hohes leibes werden. med. maulaffe 658; ward also .. schwangers leibs von jme, gebar jm einen son. volksb. von dr. Faust s. 106 Braune; sihe, du wirst schwanger werden im leibe, und einen son geberen. Luc. 1, 31; selig sind die unfruchtbarn, und die leibe die nicht geborn haben. 23, 29; das der herr jren leib verschlossen hette. 1 Sam. 1, 6; gib jnen unfruchtbare leibe, und versiegene brüste. Hos. 9, 14; da nu die zeit kam, das sie geberen solt, sihe, da waren zwilling in jrem leibe. 1 Mos. 25, 24; (gott) wird die frücht deines leibs segnen. 5 Mos. 7, 13; kan auch ein weib jres kindlins vergessen, das sie sich nicht erbarme uber den son jres leibs? Jes. 49, 15; die kindsmutter .. tregt das kind ein zeitlang im leib, gebieret es zur welt. Zinkgref apophth. 1, 246; die göttlich gnad vom himel rab sich in der mutter leib begab. Wackernagel kirchenlied 4, 857; alsbald du (gott) mich der entzogen, der ich, ehe nacht und tag mich erblickt, im leibe lag. P. Gerhard 146, 24 Gödeke; mein leib trägt deiner liebe frucht. Bürger 85a; von wem ich es habe, das sag ich euch nicht, das kind in meinem leib. Göthe 1, 204; in roher redeweise: sie hat den leib voll, uterum gerit, ventrem fert, gravida est. Stieler 1132. in Appenzell heiszt der vorder lîb vagina muliebris im gegensatz zu der hender lîb, mastdarm Tobler 297b. 44) engeln und geistern, die in menschlicher gestalt gedacht werden, ist ein zarter, ätherischer, lichter leib beigelegt; ich dachte, dasz du zeigen, ein lichtgewobner leib, dich müssest mir. Rückert liebesfrühl. (1872) 146. 55) des herrn leib, im abendmahl: nam Jhesus das brot, danket, und brachs, und gabs den jüngern, und sprach, nemet, esset, das ist mein leib. Matth. 26, 26; das sie mit solchen worten jren glauben bekennen, das Christus leib warhaftig im abendmal ist. Luther 3, 440a; sein leib, sein blut solchs warlich thut in den gleubigen allen. Wackernagel kirchenl. 3, 850; mit seinem blut und leibe hat er mich auch gespeist. 861; warlich, warlich, eine speise ist sein fleisch; sein blut ein trank! jener leib, der für dein leben ward zum opfer hingegeben! Klopstock 7, 266; ja, ich beneide schon den leib des herrn, wenn ihre lippen ihn indesz berühren. Göthe 12, 175; hier sei kein priester, sagst du, keine kirche, kein leib des herrn? du irrest dich. hier ist ein priester, und ein gott ist hier zugegen. Schiller Maria Stuart 5, 7. 66) leib, auch in bezug auf die höhern und niedern thiere, und hier ebensowol von dem äuszern als von dem innern: Jona war im leibe des fisches, drei tag und drei nacht. Jona 2, 1; es sind aber starke hunde von leibe, die nimer sat werden können. Jes. 56, 11; doch in dem augenblick ergreifen die ungeheur (schlangen) ihn selbst, er steht bewegungslos, geklemmt von ihres leibes reifen. Schiller zerstörung von Troja v. 37; vergl. auch oben 3, d, δ sp. 586. in bezug auf die thiere wird vorderleib und hinterleib (theil 42, 1511) unterschieden. 77) leib, sonst übertragen. 7@aa) in poetischer sprache: der güpfeln brust, des thals schosz, der erden leib. Weckherlin 224; dein (einer fichte) fusz ist so gesetzt, dasz Aeolus sein wetter zu schanden an dir wird; ein harter fels und stein musz dir in seinen leib zu bauen dienstbar sein. Logau 1, 191; dein (der fichte) gerader leib bleibt immer aufgerecket, kennt keine krümme nicht. 192; und von der götter grimm beschützt, eröffnet Sinon still den bauch der fichte; gehorsam giebt das aufgethane rosz die krieger von sich, die sein leib verschlosz. Schiller zerstörung von Troja v. 44; in gewählter sprache: ein groszer topf rahm wurde in den leib der maschine gegossen (um butter zu machen). Freytag handschrift 2, 139. 7@bb) verallgemeinert, wie sonst körper 3, a theil 5, 1836; von gebilden der einbildungskraft: fieber, nervenschwäche, getränke können die bilder der einbildungskraft so verdicken und beleiben, dasz sie aus der innern welt in die äuszere treten und darin zu leibern erstarken. J. Paul vorsch. d. ästh. 1, 55; von geometrischen körpern: ein leib ist eine selbständige grösze mit flechen umgeben, lenge, breite und dicke habend. Reymers landrechnen (1583) G 2a; dann so du ein holz in der hand hast, so hastu vor deinen augen nur ein leib. Paracelsus (1589) 1, 79; auch wie substanz: darumb, je weniger leibs, je höher die arznei in tugenden ist. 305; noch heute sagen die bierbrauer dieses bier hat mehr, hat weniger leib als jenes, ist stärker oder schwächer gebraut; in der Schweiz heiszt es auch von papier, tuch einen leib haben, fest und compakt sein. Stalder 2, 164. selbst wie form, ansehen: leib, wirt auch von denen dingen geredt die kein läben habend, man muosz dem ding ein guoten leib gäben, das ist, ein rächte proportz. Maaler 269b. 7@cc) leib in der baukunst, der theil an säulen und gebälk, welcher nicht durch glieder verziert ist; die fiale besteht aus zwei theilen: dem leibe, einem schlanken viereckigen pfeiler, der auf allen seiten mit einem giebel abschlieszt, worauf dann der zweite theil, der riese, die bekrönung bildet. Rahn gesch. der bild. künste in der Schweiz (1876) s. 338. 7@dd) bei den schneidern der leib eines kleides, das rumpfstück; der leib an einem hemde, im gegensatz zu kragen und ärmeln; bair. leib weste Schm. 1, 1411 Fromm. vergl. leibchen.
39740 Zeichen · 696 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 8.–11. Jh.
    Althochdeutsch
    leib

    Etymologisches Wb. des Ahd. (EWA) · +2 Parallelbelege

    leibAWB m. a-St., Gl. 1,363,25. 463,25. 585,42 (alle Ende des 8./Anfang des 9. Jh.s, alem.) und weitere Gl., im T und be…

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Leib

    Adelung (1793–1801) · +6 Parallelbelege

    Der Leib , des -es, plur. die -er, Diminut. das Leibchen, Oberd. Leiblein. 1 * Eigentlich, eine zusammen hangende, den i…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Leib

    Goethe-Wörterbuch

    Leib Der in der Philosophie unterschiedlich gefaßte Dualismus von (materiellem, sterblichem, sündigem) ‘Leib’ u (immater…

  4. modern
    Dialekt
    Leib

    Elsässisches Wb. · +4 Parallelbelege

    Leib [Laip Str. W.; Lèip M. ; Læip K. Z. Betschd. ; Lǽp Barr Wh. ; Láp Ndrröd. ] m. Brotlaib. E L. Brot. Rda. im Kartens…

  5. Sprichwörter
    Leib

    Wander (Sprichwörter)

    Leib 1. A lediger Leib ist Goldes werth; wer's nett glaubt, ist Henkers werth. ( Deisslingen. ) – Birlinger, 345. 2. All…

  6. Spezial
    Leib

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Leib m. (-[e]s,-er) 1 (Körper) corp (-s) m. 2 (Bauch) vënter (-tri) m. , punza (-zes) f. 3 (Magen) magun (-s) m. 4 (Unte…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit leib

532 Bildungen · 498 Erstglied · 22 Zweitglied · 12 Ableitungen

leib‑ als Erstglied (30 von 498)

Leib I

SHW

Leib I Band 4, Spalte 249-250

Leib II

SHW

Leib II Band 4, Spalte 251-252

Leibbete

SHW

Leib-bete Band 4, Spalte 251-252

Leibbiene

SHW

Leib-biene Band 4, Spalte 251-252

Leibbinde

SHW

Leib-binde Band 4, Spalte 251-252

Leibbruch

SHW

Leib-bruch Band 4, Spalte 251-252

Leibdötz

SHW

Leib-dötz Band 4, Spalte 253-254

leibeigen

SHW

leib-eigen Band 4, Spalte 253-254

Leibessen

SHW

Leib-essen Band 4, Spalte 253-254

Leibgarde

SHW

Leib-garde Band 4, Spalte 253-254

leibhaftig

SHW

leib-haftig Band 4, Spalte 253-254

Leibkoch

SHW

Leib-koch Band 4, Spalte 253-254

Leibkost

SHW

Leib-kost Band 4, Spalte 253-254

Leiblied

SHW

Leib-lied Band 4, Spalte 253-254

Leibmensch

SHW

Leib-mensch Band 4, Spalte 253-254

Leibriemen

SHW

Leib-riemen Band 4, Spalte 253-254

Leibrock

SHW

Leib-rock Band 4, Spalte 253-254

Leibschurz

SHW

Leib-schurz Band 4, Spalte 255-256

leib als Zweitglied (22 von 22)

sleib

KöblerIdg

*sleib , Adj., V. nhd. schleimig, klebrig, gleiten, glätten, streichen ne. slimy, slide (V.); RB.: Pokorny 663, 960 Hw.: s. *lei- (3), *slei…

slihtleib?

KöblerAhd

*slihtleib? , st. M. (a) Vw.: s. un-

bleib

BWB

-bleib Band 2, Spalte 2,1222

Mutterleib

RDWB1

Mutterleib m материнское чрево, материнская утроба (а не "материнское тело")

Ableib

DRW

Ableib mhd. abelîbe, mnl. aflijf, afflief, nhd. ableib n. von leib, ahd. lîp, nl. lijf 'Leben' und ab, af. vgl. Sterbfall, Todschuld (I) I d…

bekleib

Idiotikon

bek·leib

bekleib Band 3, Spalte 614 bekleib 3,614

brustleib

DWB

brust·leib

brustleib , m. was schnürleib oder das blosze leib, leibchen.

Chleib

Idiotikon

Chleib Band 3, Spalte 613 Chleib 3,613

fogalkleib

AWB

fogal·kleib

fogalkleib st. ( m.? ) . — Graff IV, 546. fogal-chleip: nom. sg. Gl 2,327,28. — fogil-chleib: acc. sg. Gl 2,41,12. Vogelleim zum Fangen von …

Mannsleib

DRW

manns·leib

Mannsleib, m. männliches Geschlecht die, so von manlyb zu ihren tagen kommend, namlich zů 14 jaren, vnd die, so von wyblichem geschlecht zwö…

menschenleib

DWB

menschen·leib

menschenleib , m. leib eines menschen ( mhd. menschenlîp vom leiblichen menschen selbst ): du ( teufel ) wagst dich zwar nicht mehr in mensc…

mutterleib

DWB

mutter·leib

mutterleib , m. der leib der mutter, mit rücksicht auf das gebären des kindes, mhd. muoterlîp, gewöhnlich in festen formeln, die mehr des ar…

oberleib

DWB

ober·leib

oberleib , m. der obere theil des leibes: oberleib medicis est pectus. Stieler 1132 ; meine füsze sind von dem gange so faul, dasz mein ober…

schnürleib

DWB

schnur·leib

schnürleib , m. miederartiges, den leib umspannendes kleidungsstück der frauen, das geschnürt wird Jacobsson 4, 33 b , nach Adelung weniger …

Selbsleib

DRW

selbs·leib

Selbsleib, m. mit seinem Selbsleib in eigener Person vgl. seinselbst, selb (II), selbsteigen (III) wenn auch das bauding verkünnt ist ... ku…

smeroleib

KöblerAhd

smero·leib

smeroleib , st. M. (a) nhd. „Schmerleib“, Fettklumpen, Bauchfett, Bauchfettgewebe, Wagenschmiere ne. lump of grease, paunch adipose tissue, …

Todleib

DRW

tod·leib

Todleib, m.?, Todleibe, f. I beim Tod eines Ritters (I 1) an den Schwertmagen fallendes Heergewäte vgl. Leibe, 2leiben nach dem totleib sol …

unslihtleib

KöblerAhd

unsliht·leib

unslihtleib , st. M. (a) nhd. „Unschlittleib“, Unschlitt, Eingeweidefett ne. tallow (N.) ÜG.: lat. sebum Gl Q.: Gl (11./12. Jh.) I.: Lsch. l…

unterleib

DWB

unter·leib

unterleib , m. , gs. zum oberleib; vgl. mittelleib; anständiger als bauch, schmerbauch Adelung, gewählter als unterbauch ( s. d. ). mhd. und…

wahsleib

KöblerAhd

wahs·leib

wahsleib , st. M. (a) nhd. „Wachsleib“, ein Stück Wachs, Wachsklumpen ne. a piece of wax ÜG.: lat. (formella) Gl, (formellum) Gl, (formellus…

Ableitungen von leib (12 von 12)

beleiben

DWB

beleiben , zuweilen noch in der vollen form des mhd. belîben, ahd. pilîpan, statt des gewöhnlichen bleiben. Maaler 57 c ; wer murren will mu…

entleiben

DWB

entleiben , exanimare, vita privare, leiblos thun, umbringen, gebildet wie entseelen. begegnet ahd. und auch mhd. noch nicht, denn das stark…

entleibung

DWB

entleibung , f. item es geschehen ie zu zeiten entleibung und werden doch die jenen, so solch entleibung thun, ausz guten ursachen als etlic…

erleiben

MWB

erleiben swV. 1 ‘jmdn. verschonen’ 2 ‘jmdm. etw. überlassen’ (vgl. DRW 3,245), hierher oder wie PfälzWB 2, 940 zu erlouben ( ‘zugestehen’ )?…

geleib

RhWB

ge-leib jəlēf Sieg-ODollend Adj.: der Weg treck (zieht) sech g. dar in sanfter Steigung oder Kurve.

geleiben

DWB

geleiben , verstärktes leiben ( s. d. 2), einen leib bilden u. ä., refl. sich gelîben (lîben), alem., unpers., bei S. Brant in dem cap. von …

leibe

DWB

leibe , f. für leube = laube ( vgl. sp. 290 fg. ): granarium, kornbön, speycher, leyben. Alberus ss 4 b ; pavimentum, lectile, ein leyb, buo…

unleiblich

DWB

unleiblich , adj. , gth. v. leiblich. mhd. unlîplich incorporalis, incorporeus, mnl. onliflijc, cheit. von persönlich vorgestelltem, gott, g…

urleibe

Lexer

ur-leibe stf. überbleibsel Mgb. 143,32.

verleibe

BMZ

verleibe swv. lasse übrig. verleibeter residuus sumerl. 15,37.

verleiben

DWB

verleiben , verb. 1 1) zu einem ganzen machen, einverleiben. mhd. verlîben. das einfache leiben kommt in gleicher bedeutung vor, s. theil 6,…

verleibung

DWB

verleibung , f. verpfändung als leibgeding ( vgl. verleiben 3): die verleibung geschah mit allen vorsichtsmasregeln, damit ja die leibrechte…