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Laune

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Adelung
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Eintrag · Adelung (1793–1801)

Laune

Bd. 2, Sp. 1941
Die Laune, plur. die -n, ein altes Wort, welches ehedem nur in den gemeinen Sprecharten üblich war, seit einiger Zeit aber auch in die edlere Schreibart aufgenommen ist. Es bedeutet, 1. * Die Gesichtsbildung eines Menschen, und in weiterer Bedeutung, die äußere Gestalt eines jeden Dinges; welche Bedeutung im Deutschen nur noch einige Spuren hinterlassen hat, aus den verwandten Sprachen aber desto erweislicher ist. Bey dem Ulphilas ist Lynne die Gesichtsbildung, im Schwedischen Lund das Gesicht, und im Wallisischen Llun eine jede Gestalt. In den Deutschen Mundarten kommen dessen Ableitungen noch von einigen besondern zufälligen Gestalten des Gesichtes vor. Dahin gehöret das Nieders. lunen, sauer sehen, lunsk, tückisch aussehend, lünschen, das Maul hängen, schmollen, das Oberdeutsche launen, mürrisch von der Seite sehen, und vielleicht auch das Nieders. lünfen, lünsken, still vor sich hin sehen,[] figürlich nachdenken, im Mecklenburg. nalünsen, und nach etwas forschen im Osnabrück. lünsken, wenn nicht vielmehr diese letztern Zeitwörter zu unserm lauschen gehören. Aus allem scheinet zu erhellen, daß der Begriff des Sehens in diesem Worte der herrschende, und daß es ein Seitenverwandter von Glanz, Flinkern, Lahn u. s. f. ist. 2. Figürlich. 1) * Die Art und Weise, die Art, wie ein Ding da ist; eine im Deutschen fremde Bedeutung, welche sich aber noch in dem Schwedischen Lund und Lynne befindet, welche so wohl allein, als in allerley Zusammensetzungen üblich sind. Allälund bedeutet daselbst auf alle Art und Weise, annorlunda auf andere Art, hurulunda wie, margalunda auf mancherley Art, Lunderni die Gemüthsfähigkeit, ingenium u. s. f. 2) In engerer Bedeutung, die Stellung des Gemüthes, die Einrichtung des Veränderlichen in demselben, in einzelnen Fällen, besonders so fern sich selbige durch äußere Merkmahle an den Tag legt. (a) Überhaupt. Bey guter Laune seyn, aufgeräumt seyn. Die mürrische, närrische Laune haben. Üble Laune, Unmuth. Ich kenne ihre Launen zu gut, als daß ich mich auf sie verlassen könnte. Er hat die ernsthafte, die philosophische, die lustige Laune, sein Gemüth ist jetzt zur Ernsthaftigkeit, zum Philosophiren, zur Lustigkeit bestimmt. Ich ward so vorsichtig, daß ich jede Veränderung meiner Laune, wie der Arzt das Maß des Pulsschlages, auszuspähen suchte, Hermes. Von guter Laun ist er dabey, Weiße. Er hat es nicht in der Laune, heißt im Niedersächsischen, der Kopf stehet ihm nicht darnach, er ist nicht dazu aufgelegt. Zuweilen, besonders im gemeinen Leben, auch von zufälligen körperlichen Neigungen. Er schläft beständig, und ich weiß nicht, was ich von dieser Laune sagen soll. Der Trieb nach dem Essen zu schlafen wird im gemeinen Leben Meißens im Scherze die Zwenkische Laune genannt, zu welcher Benennung ein Bürgermeister aus dem kleinen Orte Zwenka Anlaß gegeben haben soll. In Baiern ist launlen schlummern. Auch gewisse epidemische Krankheiten, besonders geringerer Art, z. B. Schnupfen, Flüsse, Husten u. s. f. heißen im gemeinen Leben Launen. (b) In engerer Bedeutung, gewisse besondere Arten der Gemüthsstellung und deren Äußerung durch Mienen und Worte. (α) Mürrische, verdrießliche Gemüthsstellung und deren Äußerung, besonders im gemeinen Leben Ober- und Nieder Deutschlandes. Laß ihn gehen, er hat die Laune. (β) Gute Gemüthstellung, Aufgeräumtheit. Ihre Laune war eben nöthig, um mich aufzuheitern. (γ) Derjenige Zustand des Gemüthes und der Einbildungskraft, da man den Dingen durch Umkehrung der gewöhnlichen Begriffe das Ansehen der Neuheit zu geben sucht; wenn man z. B. sich das Ansehen gibt, daß man die Tugend lächerlich, und das Laster angenehm vorstellen wolle. In dieser Bedeutung ist es besonders in den neuern Werken des Witzes aufgenommen worden, das Engl. Humour auszudrucken. So sagt man von Yorick, er habe eine unnachahmliche Laune; wo es auch zuweilen für Wirkungen dieser Laune, für launige Einfälle gebraucht wird. Anm. In dieser ganzen zweyten figürlichen Bedeutung schon bey den Schwäbischen Dichtern Lune, im Niedersächsischen Lune, im Schwed. Luna und Lund, im Finnländischen Luondo und Luonnon. Wachter leitet es in derselben von dem Griechischen ελαυγεσθαι, Frisch und Ihre aber von dem Lat. Luna, der Mond, ab, weil dieser einen merklichen Einfluß in die menschliche Gemüthsstellung haben soll. Allein, man darf wohl nicht erst erinnern, wie gezwungen und seltsam eine solche Ableitung ist.[] Die oben angenommene Abstammung ist so wohl wahrscheinlicher und fruchtbarer, als auch dem Gange der menschlichen Ideen, besonders in der Deutschen Sprache, gemäßer. Im Oberdeutschen ist es männlichen Geschlechtes, der Laun.
4611 Zeichen · 60 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Laune

    Adelung (1793–1801) · +5 Parallelbelege

    Die Laune , plur. die -n, ein altes Wort, welches ehedem nur in den gemeinen Sprecharten üblich war, seit einiger Zeit a…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Laune

    Goethe-Wörterbuch

    Laune häufig im Frühwerk, wiederholt in Selbstcharakteristik des jungen Goethe; das breite, changierende Bedeutungsspekt…

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Laune

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +3 Parallelbelege

    Laune , die wechselnde Gemüthsstimmung; wer sich der L. hingibt, ist launenhaft , wenn übler: launisch , wenn guter: lau…

  4. modern
    Dialekt
    Launef.

    Pfälzisches Wb. · +2 Parallelbelege

    Laune f. : wie schd., Laun, meist Pl. Laune [verbr. außer SWPf, Karch Gimmdg/Muttstdt 244 Christmann Kaulb 20 Mang 126 K…

  5. Sprichwörter
    Laune

    Wander (Sprichwörter)

    Laune 1. Wer nach seiner Laune lernt, wird nicht gelehrt, und ein Kranker nicht gesund, der nach Laune füllt den Mund. D…

  6. Spezial
    Laune

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Lau|ne f. (-,-n) 1 (Stimmung) löna (lönes) f. 2 vëia (vëies) f. 3 ester (estri) m. 4 caprize (-zi) m. 5 umor (-s) m. ▬ g…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit laune

82 Bildungen · 25 Erstglied · 55 Zweitglied · 2 Ableitungen

laune‑ als Erstglied (25 von 25)

launech

LothWB

laun·ech

launech [láuneχ D. Si. ] adj. launisch. — lux. 261.

launegild

KöblerAhd

laune·gild

launegild , st. M. (a?, i?) nhd. „Lohngeld“, Gegenleistung ne. payment Q.: Cap, LLang (643) E.: s. gelt; s. germ. *launa-, *launam, st. N. (…

launen

FWB

1. ›tauen‹; 2. ›ruhen; schlapp, gebrechlich, müde niederliegen‹

Launenbeisser

RhWB

launen·beisser

Launen-beisser lūnənbītər Gummb-Berghsn m.: verächtl. einer, der beisst, wenn er die Launen dazu hat, auch vom Pferde gesagt.

launenbeissig

RhWB

launen·beissig

launen-beissig -bītĭχ ebd., Remschd Adj.: launisch beissend; der Hongd (et Perd) es l.; wat es dat en l.ən Minschen!

Launenblitz

GWB

launen·blitz

* Launenblitz bildhaft für spontane Eingebung, plötzliche Anwandlung Gespr(He3 2 ,223) Varnhagen 19.9.27 Christiane Schulz Ch.S.

Launendüppchen

RhWB

Launen-düppchen launədibχə Simm-Argenth n.: dass.

Laun(en)fechter

PfWB

launen·fechter

Laun(en)-fechter m. : 'Mensch, der schwer an seine Berufsgeschäfte geht, Launfechter [ Klein Prov. 274]. RhWB Rhein. V 210 . —

launenfieber

DWB

launen·fieber

launenfieber , n. laune, veränderliche gemütsstimmung unter dem bilde des fiebers. Gökingk 1, 191. 193 . ebenso launenschauer 195.

launenhaft

DWB

launen·haft

launenhaft , adj. launen, veränderlicher gemütsstimmung ergeben: der ekle geschmack der launenhaften Alabanda. Wieland 6, 203 ; runder mond …

Laun(en)krämer

PfWB

launen·kraemer

Laun(en)-krämer m. : 'launischer, eigenartiger Mensch', Launekrämeʳ [ KU-Schmittw/O ]. SHW Südhess. IV 191 ; RhWB Rhein. V 210 . —

Laun(en)narr

PfWB

launen·narr

Laun(en)-narr m. : = PfWB Launenkrämer , Launenoʳʳ [ KU-Schmittw/O ]. ElsWB Els. I 779 .

Launenpeter

RhWB

launen·peter

Launen-peter lǫ·u.nəpidər Wittl-Reil , Kobl-Güls , Goar-NHeimb , May-NMendig m.: dass.

Launenspiel

Campe

launen·spiel

Das Launenspiel , — es, Mz. — e . 1) Das Spiel, die Abwechselung, Veränderung der Laune. Dem Launenspiele eines Andern zusehen. 2) ◎ I der T…

launerei

DWB

laune·rei

launerei , f. seltsame, wunderliche laune, launisches wesen. Klopstock ( nach Campe ).

Launern

Campe

laun·ern

≠ Launern , v. ntr . u. intrs . im Baierschen, zaudern. Fulda. D. Launern .

laune als Zweitglied (30 von 55)

Geberlaune

RDWB1

Geberlaune f in Geberlaune sein idiom. - раздобриться, расщедриться

Übellaune

Campe

Die Übellaune , Mz. — n , die üble Laune, und, eine üble Laune. Andere seine Übellaune empfinden lassen. Die Übellaunen Anderer ertragen.

bärenlaune

DWB

baeren·laune

bärenlaune , f. morositas, brummiges wesen: er ist heute in seiner bärenlaune.

fürstenlaune

DWB

fuersten·laune

fürstenlaune , f. eine laune oder eigenwillige gemüthsstimmung eines fürsten: der hofmann, den des fürsten laune drückt, wagts, leise sich i…

galaune

DWB

gala·une

galaune , f. borte, tresse: die silberne knöpfe und galaunen, die zu dem mantel gehörten. Simpl. 1, 227 (225 Kz. ); nach dem der teufel läng…

Grobianslaune

GWB

grobian·s·laune

* Grobianslaune in Selbstaussage Wer mit mir umgehen will, muß meine Grobians-Laune auch zugeben, ertragen, wie eines Anderen Schwachheit od…

Hausfrauenlaune

GWB

hausfrau·n·laune

Hausfrauenlaune [ aus Venedig ] Daß Sie aber in Ihrem Briefe .. die hohen Trümmern der [ Korr B30,257 ] Künste heruntersetzen und uns dafür …

Herrenlaune

GWB

herren·laune

Herrenlaune Über Wetter- und Herren-Launen | Runzle niemals die Augenbraunen GWB 2,280 Lebensart 1 Armin Giese A.G.

herzenslaune

DWB

herzen·s·laune

herzenslaune , f. : ( ein freund ) der es angemessener findet ihren herzenslaunen jetzt nicht in den weg zu kommen. Rettine briefe 1, 127 .

jägerlaune

DWB

jaeger·laune

jägerlaune , f. laune eines jägers: wers hörte, begriff gar nicht, warum die frau obristforstmeisterin .. bei ihrem feinen gefühl und ihrer …

kinderlaune

DWB

kinder·laune

kinderlaune , f. laune wie sie die kinder haben: weil sie alles für die gewöhnliche kinderlaune hielt. Lichtenberg (1800) 4, 438 .

mädchenlaune

DWB

maedchen·laune

mädchenlaune , f. : man hätte mich nun zweimahl aufgezogen? zwar hiesze das — sich selber hintergehn, allein wer kann für mädchenlaunen steh…

Mißlaune

Campe

miss·laune

○ Die Mißlaune , Mz. — n , eine üble Laune. »I Mißlaune setzen« Langbein. (R.) Die Mißlaune verscheuchen, vertreiben 

miszlaune

DWB

miszlaune , f. üble laune: eigennutz, der am hofe weniger im trüben, als im hellen fischt, weniger aus der miszlaune als aus der laune. J. P…

modelaune

DWB

model·aune

modelaune , f. laune wie sie die mode erzeugt: ich erinnere mich, dasz in früherer zeit ew. hoheit das soldatenspiel an den höfen als eine m…

Mutterlaune

Campe

mutter·laune

○ Die Mutterlaune , Mz. — n , üble Laune, wie sie Mütter gegen erwachsene Töchter zuweilen äußern. »Du siehst da Mutterlaune und Mädchenwuns…

Oppositionslaune

GWB

opposition·s·laune

Oppositionslaune zu Knebel, der in seiner O. war. Heitre Unterhaltung über Epicurismus und Platonismus GWB T4,220,20 v 16.7.11 Juliane Brand…

Revolutionslaune

GWB

revolution·s·laune

Revolutionslaune [ Schnaps, sich für das grob-enthusiastische Anrempeln Märtens entschuldigend: ] Verzeiht, ich war in meiner R. ..Zum Exemp…

sauflaune

DWB

sauf·laune

sauflaune , f. die lust zum saufen; götting.-grubenh.: wenn he de sûplne krigt. Schambach 219 b .

schäkerlaune

DWB

schaeker·laune

schäkerlaune , f. : das kitzelding neckt mich zum halben faune. ich glaube gar, es ist die schäkerlaune. Bürger 336 Sauer.

schalaune

DWB

schal·aune

schalaune , f. ein feines wollenzeug mit köper. Weigand 2, 542 , auch ein daraus gefertigter mantel, decke. der name kommt von der stadt Cha…

schicksalslaune

DWB

schicksal·s·laune

schicksalslaune , f. laune des schicksals: und die geschwister, nach so mancher wunde, die sie dem treuen schwesterherzen schlugen, theils s…

schmeichellaune

DWB

schmeichel·laune

schmeichellaune , f. schmeichelnd wolthuende laune: den schmeichellaunen selbstgeschaffener träume verschlossen. Dya Na Sore 3, 301.

Schreiblaune

GWB

schreib·laune

Schreiblaune für das Schreiben von Briefen günstige Stimmung Ich habe heut keine S. GWB B1,123,14 Behrisch 24.10.67 Karin Vorderstemann K.V.

Ableitungen von laune (2 von 2)

Mißlaune

Campe

○ Die Mißlaune , Mz. — n , eine üble Laune. »I Mißlaune setzen« Langbein. (R.) Die Mißlaune verscheuchen, vertreiben 

unlaune

DWB

unlaune , f. , gth. v. laune 4: und entschuldigte seine unlaunen mit der ... mittagshitze Doro Caro novellen (1797) 2, 40 ; Sanders erg. wb.…