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Gnade

mhd. bis spez. · 18 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Meyers
Anchors
19 in 18 Wb.
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Eintrag · Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

Gnade

Bd. 8, Sp. 61
Gnade (lat. Gratia), im allgemeinen jedes Wohlwollen des Höhern gegen den Niedern, insbes. die Machtvollkommenheit des Souveräns, insofern sie Vergünstigungen zuteil werden lassen kann, auf die kein Rechtsanspruch besteht. Namentlich im Strafrecht ist das Recht der G. von großer Wichtigkeit (s. Begnadigung). – Auf Gott übertragen, ist G. nach der Kirchenlehre diejenige Güte Gottes, nach der er den Menschen auch noch als Sünder liebt und ihm den Rückweg zur verscherzten Seligkeit ermöglicht; daher ist die Rede von G. Gottes in Christus als der alles zusammenfassenden Hauptwohltat Gottes. Hierauf gründet sich der Sprachgebrauch der Kirchenlehre, wonach im engern Sinne vornehmlich die zuvorkommende und erneuernde Wirksamkeit des Heiligen Geistes auf das innere Leben der Menschen Gnadenwirkung, das von Christus gegründete und durch seinen Geist regierte Reich Gnadenreich, die Mittel, durch die dieser Geist den Menschen das Heil nahebringt und aneignet, Gnadenmittel (s. d.), der Zustand des gerechtfertigten Christen Gnadenstand, die in letzterm zu genießenden geistlichen Güter Gnadengaben, die Lebenszeit des Christen, sofern ihm die Gnadenmittel zu Gebote stehen, Gnadenzeit und die im Jenseits verheißene Vergeltung Gnadenlohn genannt werden. In der Kirche machte sich, solange die Lehre hauptsächlich durch griechische Kirchenlehrer Ausbildung fand, eine Richtung geltend, die das Heil des Menschen vornehmlich auf dessen frese Entscheidung für das Gute gründete, während die G. mehr auf die Bedeutung einer göttlichen Beihilfe reduziert wurde. Strengere Begriffe von der Wirksamkeit der G. brachte in der lateinischen Kirche Augustin zur Geltung, indem er infolge seiner Lehre von der Erbsünde (s. d.) zu der Behauptung fortschritt, daß Gottes G. einen Teil der an sich verlornen und verdammten Menschen ohne alle Rücksicht auf deren eignes Zutun durch Christus rette. Die entgegenstehende Theorie wurde zwar von der Kirche als Pelagianismus verworfen; gleichwohl aber behauptete man selbst da, wo sich Augustins Ansehen fast unbedingte Geltung verschaffte, eine gewisse Allgemeinheit der G., und demgemäß wurde auf dem Konzil zu Arausio (529) trotz der Anerkennung unbedingter Notwendigkeit der G. eine durch die Taufe gewirkte Wiederherstellung der Willensfreiheit angenommen. Auch die Scholastiker haben ein Interesse an der Freiheit des Willens und der Verdienstlichkeit der frommen Werke, räumen aber je nach dem Maß ihrer Neigung zum Augustinismus dabei der G. einen größern oder geringern Wirkungskreis ein. So entstand ein Lehrbegriff, der den Prozeß der Heilsaneignung in der Form einer Abwechselung von Wirkungen der G., bei der immer die Initiative liegt (gratia praeveniens), und des freien Willens, endlich aber eines Zusammenwirkens beider (gratia cooperans) beschreibt (s. Meritum), und an diesen scholastischen Lehrbegriff schließt sich wesentlich auch das Konzil von Trident an. Die Reformatoren dagegen wendeten sich in ihrem Interesse, den Menschen von der priesterlichen Vermittelung loszulösen und lediglich auf Gott zu stellen, der strengen Gnadenlehre Augustins zu und mußten daher eine Mitwirkung des natürlichen freien Willens zurückweisen. Am folgerichtigsten verkündigte Calvin eine G., die nicht an alle gelange (particularis), aber unwiderstehlich (irresistibilis) und nicht wieder zu verlieren (inamissibilis) sei. In die lutherische Dogmatik dagegen ging der übrigens auch im Sinne der Ausschließlichkeit der Wirkung der G. gemeinte Vermittelungsversuch der Konkordienformel über, wonach die G. zurückgewiesen und verloren werden kann. Alles religiöse und wahrhaft sittliche Leben aber wurde aus übernatürlichen Gnadenwirkungen hergeleitet und in die Tragweite des natürlichen freien Willens nur die Erlangung einer bürgerlichen Gerechtigkeit (justitia civilis) gestellt. Vgl. Prädestination.
3858 Zeichen · 36 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    gnâdestf.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer)

    gnâde stf. s. genâde.

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    gnadeF.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +3 Parallelbelege

    gnade , F. Vw.: s. genāde

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Gnade

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Die Gnade , plur. inus. in einigen Fällen, besonders im gemeinen Leben, plur. die Gnaden, sing. inus. ein Wort, welches …

  4. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Gnade

    Goethe-Wörterbuch

    Gnade einmal Kleinschr 39,8,15 Götz 1 I 2 ; auch ‘Gnad(’)’; die Form ‘Genade’ als fehlerhaft angemerkt B1,215,21 KSchönk…

  5. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Gnade

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Gnade , althochdeutsch Ginada, von nidan: herablassen, bezeichnet die Herablassung des Höhern gegen den Niedern, in welc…

  6. modern
    Dialekt
    Gnadef.

    Pfälzisches Wb. · +3 Parallelbelege

    Gnade f. : 1. wie schd., Gnad (gnād) [mancherorts], Gnod (-ō-) [ KU-Rothsbg ]; e G. erweise, umgspr. [verbr.]. Er hot kä…

  7. Sprichwörter
    Gnade

    Wander (Sprichwörter)

    Gnade 1. Auf die Gnade grosser Herrn folgt Gift und – Tod gar gern. 2. Besser gnad dann recht, sagen alle fromme Knecht.…

  8. Spezial
    Gnade

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Gna|de f. (-,-n) 1 (Güte) grazia (-ies) f. 2 (Milde) clemënza (-zes) f. 3 (Verzeihung) pordonn m. 4 (Gunst, Wohlwollen) …

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit gnade

212 Bildungen · 196 Erstglied · 14 Zweitglied · 2 Ableitungen

gnade‑ als Erstglied (30 von 196)

Gnadeflehend

Campe

◬ Gnadeflehend , adj . u. adv . um Gnade flehend. Und laßt sie in das aufgehobene Schwert Als Engel bittend, gnadeflehend fallen. Schiller.

gnaden

FWB

1. ›jm. seine Gunst, Huld erweisen; sich js. (z. B. des Sünders) erbarmen, mit jm. Mitleid haben (jeweils von Gott gesagt)‹; speziell: ›jm. …

Gnadenbrot

SHW

Gnaden-brot Band 2, Spalte 1405-1406

Gnadenstoß

SHW

Gnaden-stoß Band 2, Spalte 1405-1406

gnadenakt

DWB

gnaden·akt

gnadenakt , m. , ' erweisung, erteilung einer gnade', zu gnade III E; belege aus dem geistlichen bereich fehlen wohl nur zufällig; denkbar w…

gnadenaltar

DWB

gnaden·altar

gnadenaltar , m. , altar mit einem gnadenbild ( s. d. ): die kirche enthält auszer dem gnadenaltar in der capelle ... viele nebenaltäre mit …

gnadenangesicht

DWB

gnaden·angesicht

gnadenangesicht , n. , von gott gesagt; umb so viel mehr lasz blicken dein gnadenangesicht P. Fleming dt. ged. 1, 4 Lappenberg. —

gnadenantlitz

DWB

gnaden·antlitz

gnadenantlitz , n.; ... zürnst du nun ewiglich? verbirget gantz und gar dein gnadenantlitz sich? Simon Dach 161 Österley. —

gnadenarm

DWB

gnaden·arm

gnadenarm , m. , ' der in huld und erbarmen zum schutze der seele ausgestreckte arm gottes ': da eine glaubige seele sich leget in des himml…

gnadenauge

DWB

gnaden·auge

gnadenauge , n. : bildlich für gottes gnädiges erbarmen gegenüber sünde und not. wie gnadenangesicht, -antlitz häufig in der barockdichtung:…

gnadenbach

DWB

gnaden·bach

gnadenbach , m. , ' strom der göttlichen gnade ': er lasz auf euch mildiglich lauter gnadenbäche regnen Simon Dach 776 Österley; o gott, ...…

gnadenbalsam

DWB

gnaden·balsam

gnadenbalsam , n. : er ( hat ) sieben sacrament verlassen voller gnadenbalsam Fr. Spee güldenes tugendbuch (1649) 556 . —

Gnadenbegabt

Campe

gnaden·begabt

○ Gnadenbegabt , adj . u. adv . von der Gnade oder mit Gnade begabt; besonders im biblischen Sinne. S. Gnade 1). Viel gnadenbegabte Schrifta…

gnadenbeistand

DWB

gnaden·beistand

gnadenbeistand , m. : dasz wir den grundgütigen gott ... um seinen gnadenbeystand andächtig anrufen Neumark neusprossend. t. palmbaum (1668)…

Gnadenbelehnt

Campe

○ Gnadenbelehnt , adj . u. adv . aus Gnade (Gnaden) belehnt, ein Gnadenlehen habend. Davon der Gnadenbelehnte , der aus Gnaden mit etwas bel…

gnadenbelohnung

DWB

gnaden·belohnung

gnadenbelohnung , f. , neben dem häufigeren gnadenlohn ( s. d. ): die inzwischen gestorben und die gnadenbelohnung dafür von dem herrn zu ge…

gnadenberuf

DWB

gnaden·beruf

gnadenberuf , m. , ' berufung, anruf durch die gnade ', von der ewigen wahl gottes, der gnadenwahl ( s. d. ) unterschieden: diesen bleiben g…

gnadenbestallung

DWB

gnaden·bestallung

gnadenbestallung , f. , ' jahressold ', lexikalisch bei Kramer t.-it. 1 (1700) 544 c ; Ludwig t.-engl. (1716) 796 verzeichnet: hat man nicht…

gnadenbeweis

DWB

gnaden·beweis

gnadenbeweis , m. , dasselbe wie gnadenerweis ( s. d. ). ' zuwendung einer gnade ', im 19. jh., älter ist gnadenbeweisung, f, -bezeigung, -b…

gnadenbeweisung

DWB

gnaden·beweisung

gnadenbeweisung , f. , dasselbe: er wurde aber hiedurch mehr zum miszfallen und verdrusz, als einiger gnadenbeweisung gereitzet F. M. Pinto …

gnadenbezeigung

DWB

gnaden·bezeigung

gnadenbezeigung , f. , wie gnadenbeweis(ung) ' zuwendung der gnade ', seit dem 17. jh.: den rath gottes in den mancherlei gnadenbezeigungen,…

gnadenbezeugung

DWB

gnaden·bezeugung

gnadenbezeugung , f. , wie gnadenbezeigung: dasz ich ... mir nichts höhers werde angelegen seyn laszen, als diese grosze gnadbezeugung, mit …

Gnadenbidd'

MeckWBN

Wossidia Gnadenbidd' f. Gnadenbitte: jeder Gefangene hadd' doch noch ne Gnadenbidd' S. Neum. Volksm. 282.

gnadenbier

DWB

gnaden·bier

gnadenbier , n. , als haustrunk gebrautes, steuer- oder abgabefreies bier ( immunitas a collecta cerevisaria Th. Haym jur. lex. [1738] 267 ,…

gnadenbild

DWB

gnaden·bild

gnadenbild , n.; heute allgemein ein heiligenbild, dem wunderbare kräfte zugeschrieben werden, solche gnadenbilder befinden sich an gnadenor…

Gnadenbilder

Meyers

gnaden·bilder

Gnadenbilder , in der katholischen Kirche gewisse Bilder der Jungfrau Maria, ihres Sohnes und einzelner Märtyrer, mit deren Anblick Gott unt…

gnade als Zweitglied (14 von 14)

Ungnade

RDWB1

Ungnade f in Ungnade gefallen sein fest. - впасть в немилость устойч. , оказаться в опале, попасть в опалу устойч.

fürstengnade

DWB

fuersten·gnade

fürstengnade , f. von einem fürsten zu theil werdende oder gewordene gnade: denn heute freund, morgen feindt, und wie man in sonderheit von …

gottesgnade

DWB

gottes·gnade

gottesgnade , f. 1) als zusammenrückung von gottes gnade ( unter gott sp. 1039) die ( unverdiente ) barmherzigkeit gottes gegenüber dem sünd…

herrengnade

DWB

herren·gnade

herrengnade , f. : herrengnad, aprillenwetter, jungfernlieb und rosenblätter, karten und der würfel spiel, ändern sich oft, wers gläuben wil…

hofgnade

DWB

hof·gnade

hofgnade , f. gnade die man an einem fürstlichen hofe erfährt: daher kömmt es, das oft die in der hofgnade gebohren, in der ungnade sterben …

Partikulargnade

DRW

partikular·gnade

Partikulargnade, f. Privileg, das einzelnen aus einer Mehrheit von Personen erteilt wird den S. und T. sei die particulargnade nit allein vo…

Romgnade

DRW

rom·gnade

Romgnade, f. päpstlicher Ablaß der [bischof] hett von dem bapst ain gnad zůwegen bracht wie in der rechten romgnad, und wer die gnad empfach…

Salzgnade

DRW

salz·gnade

Salzgnade, f. zu Gnade (IV 4) Salz als Gratifikation für eine besondere Leistung salzgnad 1593 Dollinger,MaxFinanzref. 368 Anm. 46

Singulargnade

DRW

singular·gnade

Singulargnade, f. Einzelgenehmigung die censur uͤber die buchdruckerey haben die catholische allein an sich gezogen also, daß kein evangelis…

Spezialgnade

DRW

spezial·gnade

Spezialgnade, f. obrigkeitlich gewährte besondere Gunst, Vergünstigung, Privilegierung vgl. Gnade (III), Partikulargnade, Spezialfreiheit da…

Taufgnade

Adelung

tauf·gnade

Die Taufgnade , plur. car. in der Theologie, die in und mit der Taufe ertheilte göttliche Gnade. In der Taufgnade bleiben, seinen Taufbund h…

ungnade

DWB

ung·n·ade

ungnade , adj. , mnl. ongenade wb. 5, 629, schweiz. ungnad, ungnat, ungna ' ungewohnt ' Staub-Tobler 2, 660 nebst erläuterung. —

Ableitungen von gnade (2 von 2)

begnâde

BMZ

begnâde swv. mit acc. d. pers. erweise einem gnade, ertheile eine güte, ein almosen. dô saʒ ein blinde man und bat die liute, daʒ si in bign…

ungnade

DWB

ungnade , adj. , mnl. ongenade wb. 5, 629, schweiz. ungnad, ungnat, ungna ' ungewohnt ' Staub-Tobler 2, 660 nebst erläuterung. —