frau,
f. domina, femina, conjux, mulier, ein wort von groszem umfang, seinen sinn läszt erst der zusammenhang der rede erkennen. ahd. frouwâ,
mhd. frouwe,
mnl. vrouwe,
nnl. vrouw,
fries. frowe.
entsprechendes goth. fraujô
in den bruchstücken des Ulfilas
nicht aufzuzeigen, die auch kein gr. κυρία darbieten, das häufige γυνή stets mit qêns
oder qinô
übertragen. in fraujô
müste die bedeutung domina oder herrin gelegen haben, es ist moviert aus frauja,
wie κυρία aus κύριος, domina
aus dominus, herrin
aus herr,
während den grundweiblichen wörtern γυνή, femina, qinô
keine männlichen zur seite stehn. die hd. sprache zog aber frouwâ, frouwe, frau
zugleich in den begrif von femina und liesz quëna, chonâ
allmälich veralten. umgekehrt erlosch ihr frô = frauja,
haftete zuletzt nur in der anrede und wich dem hêriro, hërre, herr.
allerdings walteten alts. ags. frôho, freá
vor, die weibliche motion erscheint ganz selten, nicht im ganzen Heliand, erst im Essener denkmal wird frû
angetroffen, das ags. âgendfreá
Cädm. 135, 4
für domina ist nicht recht sicher. dafür bestand auszerdem ein andres wort, alts. idis,
ags. ides,
ahd. itis =
altn. dîs,
und es leuchtet ein, dasz beide freá
und ides,
ahd. frouwâ
und itis
aus dem heidenthum übernommen ehmals für göttliche wesen galten. denn im länger heidnischen nordland blieben Freyr
wie Freyja
götternamen, sind nicht zu appellativen geworden gleich frauja
und fraujô,
ahd. frô
und frôwâ,
selbst die nordische dîs,
wenn schon appellativisch gebraucht statt Dîs,
bezeichnet das höhere wesen, keine sterbliche idis.
späterhin mögen einzelne frauva (
fornm. sög. 10, 421)
samt dem titel frû
aus Deutschland eingedrungen sein, der sich im schw. dän. fru
vollends fest setzte. es bleiben aber noch dunkelheiten zu erhellen. wenn nemlich in Freyr
gen. Freys
starke form vorliegt, statt der goth. schwachen frauja fraujins,
sollte sich aus analogie des altn. ey eyjar
insula, mey meyjar
virgo =
goth. mavi maujôs
nicht allein auf avi aujôs,
sondern auch auf Fravi Fraujôs
schlieszen lassen, da doch Freyja
zu fraujô, frouwâ
stimmt, ey
von ouwâ, mey
von mouwâ (?)
absteht. wir sehen also in beiden wörtern, frauja
und fraujô, Freyr
und Fravi
starke und schwache flexion durcheinander laufen, worauf ich unter Fro,
wo sich erst von der etymologie der wurzel handeln läszt, zurückkommen werde. die schw. dän. Frö, ö, mö
scheiden sich von fru
mit u.
bei den Engländern ist keine spur des wortes frau
übrig. wir pflegen heute frau
einsilbig, im sg. unveränderlich zu brauchen, zuweilen taucht noch fraue,
wie gewöhnlich aue, maue
auf. die obliquen casus des sg. blieben lange der schwachen form treu, Ölinger
gramm. 57
gibt dem nom. acc. voc. fraw,
dem gen. dat. [] frawen.
ältere und jüngere belege dieser beiden schwachgebildeten casus lassen sich leicht vorbringen: sie sprach ich bin von meiner frawen Sarai geflohen.
1 Mos. 16, 8; kere umb wider zu deiner frawen und demütige dich unter ire hand. 16, 9; die sprach zu irer frawen.
2 kön. 5, 3; und gebet dem herrn wie dem knecht, der frawen wie der magd.
Es. 24, 2; und das herz der helden wird zu selbiger zeit sein, wie einer frawen in kindsnöten.
Jer. 48, 41; scheide dich nicht von einer vernünftigen und fromen frawen, denn sie ist edler weder kein gold.
Sir. 7, 21; der eltester der auserweleten frawen (
ὁ πρεσβύτερος ἐκλεκτῇ κυρία).
2 Joh. 1,
wo neuere ausg. frau
schreiben. in der gebildeten prosa des 18
jh. lautet gen. und dat. nur frau,
z. b. bei Gellert,
bücher wie Felsenburg behalten frauen,
doch der feierliche, dichterische vortrag duldete es noch später: klaggesang von der edlen frauen des Asan Aga. Göthe 2, 51; und so eilt er mit der bangen frauen grad nach seines vaters hoher wohnung. 2, 52; ich beschwöre dich bei deinem leben, gib mich keinem andern mehr zur frauen. 2, 53; mein vater fiel durch seiner frauen schuld. 9, 88; begraben sei das übrige mit ihr, der hochbegabten, hochgesinnten frauen. 9, 253; hinunter soll kein mann die blicke wenden, hinauf zur höchsten frauen kehr er sich. 9, 354; aber zu dulden die laune des herrn, wenn er ungerecht tadelt, und die heftigkeit noch der frauen, die leicht sich erzürnet. 40, 328; grab des edlen consul Smith und seiner ersten frauen. 27, 139; so rief er sanft zu einer nahen frauen (: auen). Körner 1, 166.
zu verwerfen ist der pl. frauens: um die frauens herum schmunzeln. Klingers
theat. 4, 121,
nach nd. weise. im mittelalter, wie noch heute landschaftlich unter dem volk, wird unmittelbar vor eigennamen und appellativen frouwe, frô, frau
gern gekürzt in fer oder ver: ver Pinte sprach.
Reinhart 75; ver Pinte sprach 'lâ dînen zorn'. 89; wie ist ver Hersant hër în komen? 903,
wo der alte text: wie ist frô Hersint dar komen?; dô saʒ ver Mâʒe und ouch ver Zuht.
museum 1, 66; und hieng sich an ein unelich böse wip, genant ver Lise. Königshofen 329; ver Liukart. Lang
reg. 4, 507 (
a. 1292).
zumal erscheinen alte mythologische namen in dieser kürzung: ver Hilde, ver Gode =
frau Hilde, frau Gode, die milchstrasze hiesz Vrôneldenstraet,
frauen Hilden strasze, das niedersächsische erntefest vern Godendêl, Vergodensdêl (
myth. 231. 262),
in einer fries. urk. des 14
jh. begegnet Ferhildema,
bei Bodmann
rheing. alterth. 94 Petrus miles dictus Verhildeburg.
ein mnl. dichter nannte sich Clais veren Brechten,
d. i. sohn der frau Brechte, Theodor Vernaleken
ist also sohn von frau Aleke, wie ich sohn der framtmännin (1, 282).
bei Achen liegt ein dorf Verlautenheid,
dessen geschichte Quix 1837
schrieb und dessen namen er falsch auslegt. verschiedentlich sind volle und verkürzte form nebeneinander gehäuft: frouwe mîn ver Minne, aller tugende kuniginne.
Diut. 3, 14; vrowe ver Vrederun. Steinen
westf. gesch. 4, 118. 120; miner vrowen vern Jutten. Höfers
deutsche urk. s. 283 (
a. 1334).
andere beispiele hat Schmeller 1, 596,
mhd. wb. 3, 422,
mnl. Huydekoper
op Stoke 2, 148. 149
und Willems
belg. mus. 7, 206. 207
gesammelt. man sieht, dasz aus diesem fer
die von der schriftsprache angenommne kürzung jungfer, jümferchen,
bei Schmeller
auch anferlein,
ahnfräulein, nnl. juffer
und juffertje
entsprang, ähnlich dem junker
aus jungherre.
ganz nahe dem fer
für frau
steht das er
oder ehr
für herr (3, 52)
und herre her, herre ehr
knüpfen sich wie fraue fer.
das prov. en
vor männlichen, na
vor weiblichen namen folgt aus dem en
und na
in domen, donna = dominus, domina;
die sl. pan
und pani,
an sich schon behend, bedurften keiner erleichterung. zu den Finnen ist volles herra
und rouwa (
für frouwa)
übergetreten. So viel von der form des wortes frau,
ich schreite zu seinen bedeutungen. 11)
obenan steht die einer hehren göttin, wie sie noch in der nord. Freyja,
der longob. Frea
an den tag tritt, auf welche weise Frigg
und Fricke, Frecke
zu vermitteln sind, wird darzulegen im verfolg anlasz sein. auch sind noch zahlreiche, liebliche namen von kräutern und blumen vorhanden, in denen das höhere wesen durchschimmert; griechische und lateinische benennungen klingen [] an, aus welchen man sie doch nicht alle ableiten darf, da sie auch in heimischen sagen und mythen gegründet sind. 22)
unmittelbar grenzt die vorstellung domina, herrin, gebieterin an, gleich der allwaltenden göttin waltet die frau
im haus (
hera, die dienst under ir hat. Dasypodius 330
b),
nur eine gebietende, edle, vornehme kann frau
heiszen. nicht anders war frauja
der waltende herr und gebieter, die frau
seine genoszin. wie hätte der gemahl seiner gattin einen solchen namen gelassen, wenn sie nicht mitherschend gewesen wäre? die identität von frauja
und fraujô
nöthigt so zu schlieszen. fast allen ausdrücken aber, die einen stand, eine würde bezeichnen, geschieht mit der zeit an gehalt und gewicht abbruch und was anfangs dem vornehmen eigen war, wird gemein und kommt endlich auch dem geringen zu. in der anrede und als titel hoben herr
und frau
lange noch hervor, allmälich erstreckten sie sich weiter und können heute kaum irgendwem versagt werden; insofern die hausfrau
im hause waltet, hat sie auf diesen namen anspruch; heute erhalten arme und miethlinge die benennung frau (bauersfrau, trödelfrau, fischfrau, obstfrau, kehrfrau, waschfrau, bettelfrau),
welche man auch zur fünften bedeutung zählen kann. in einzelnen fällen ist doch der alte, höhere sinn von frau
übrig. Maria
heiszt nicht mehr dirne
und magd,
wie ahd. diorna,
mhd. maget,
aber noch unser frau, unser liebe frau,
wie fr. nôtre dame,
sp. nuestra señora, die jungfrau, la vierge, virgen, vergine
und jene kräuternamen stellen Maria
gleich mit frau. es ist Heva eine frau der welt gewesen. Luther 4, 21; Rom, die frau der welt. Opitz 3, 127; herunter jungfrau, du tochter Babel, setze dich in den staub, denn du solt nicht mehr heiszen frawe uber königreich.
Es. 47, 1. 5.
die edelfrau
ist die gnädige frau,
selbst die edelgeborne, bürgerlich vermählte pflegt, über ihren mann hinaus, den titel einer gnädigen frau
fortzuführen; 'ich habe eure frau (
eure herschaft) verklagt';
zum bedienten: 'sagt eurer frau' (
eurer herschaft). Lenz 1, 239; regierende fürstin und frau, durchlauchtigste frau,
in England können frauen
den thron besteigen, das ags. cven
ist aus dem begrif der frau in den der königin erhoben. o ich sah in ihr gar wol die anlagen, deren entwickelung wir bewundern, wenn wir in der geschichte frauen sehen, die uns weit vorzüglicher als alle männer erscheinen. Göthe 20, 79.
in Scandinavien drücken fru
und fröken
ganz die unserm frau, fräulein,
näher einem nd. fru, fröken
entnommne vorstellung aus; hausfrau
entstellen Schweden und Dänen in hustru.
von der hausfrau
gehn viele sprüche: was die frau erspart ist so gut als was der mann erwirbt; der frau augen kochen wol, die der magd nicht; wie die frau, so die magd; eine frau kann mit dem fingerhut mehr verschütten, als der mann mit dem eimer schöpfen. 33) frau
ist als genoszin des mannes conjux, uxor, marita, gattin, gemahlin, gesetzlich angetraute, vermählte, ehefrau, ehegattin, eheschatz, eheliebste,
wie der mann und gatte ehemann, ehegatte, ehegemahl, eheherr
heiszt, lat. vir
und uxor, maritus marita (
vgl. lit. marti
braut);
doch gewöhnlich mit ausgelasznem ersten wort mann
und frau, gatte
und gattin. mann
und frau
vertreten uns das goth. guma
und qinô =
lat. homo
und femina, mas
und femina;
ahd. gomo
ist uns veraltet und dauert nur noch in bräutigam.
jedes verheiratete mädchen empfängt den namen frau
und die witwe behält ihn: frau mutter, frau schwester, frau schwägerin,
als theilnehmerin an den ehrenstellen des mannes frau burgermeisterin, frau amtmännin, frau hauptmännin,
wie frau königin, frau gräfin, frau fürstin.
da niemand sagt frau könig, frau graf, frau fürst, frau meister,
so wird auch frau amtmann, hauptmann
undeutsch, ebenso den familiennamen das -in
nicht zu entziehen sein; man ahmte Franzosen, Engländer nach, die bei madame
und lady
den mannsnamen unmoviert setzen. mann
und frau
stehn einander gleich: das ist mein mann, das ist meine frau: sieh die zwei verliebten an, schau an diese frau und mann. Fleming 358; itzund seh ich schon den tag, dasz, eh Föbus aufstehn mag, man euch beide frau und mann ganz mit ehren nennen kann. 381; und gieng endlich mit mir um, wie eine redliche frau mit ihrem mann zu thun pflegt.
ehe eines mannes 257; so sprach, unter dem thore des hauses sitzend am markte, wolbehaglich, zur frau der wirt zum goldenen löwen. Göthe 40, 234.
mhd. noch häufig kone, êkone,
dän. kone,
altschw. kona,
was heute in üblem sinn gesagt wird. [] 44)
die jungfrau
wird braut,
die braut
wird frau,
an einigen orten heiszt die junge frau
noch eine zeitlang oder bevor sie kinder geboren hat, braut (2, 332),
umgedreht wird sie schon auf der hochzeit selbst frau braut
genannt: frau praut, got geb euch heil und glück, noch heint so legt euch an den rück.
fastn. 1343, 137; hutz, hutz, lauft die alte Catherine und schreiet mit heischerer stimme 'frau braut, frau braut, der herr bräutigam wil eins tanzen'.
welzabend B 1
b.
so vertreten sich auch sonst die vorstellungen braut
und frau,
die förmlich verlobte ist gemahlin,
der bräutigam gemahl,
der arme Heinrich nannte das ihn lieblich pflegende mädchen 'gemahel', 'trûtgemahel' (341. 907. 912),
traute, vertraute. lat. sponsa, sponsus
bezeichnen blosz verlobung, it. sposa, sposo,
fr. épouse, époux
zugleich gattin, gatte: c'est mon épouse,
es ist meine frau. bei uns stehen braut
und frau
mehr ab, die jungfer braut
von der getrauten frau: unsere Gerdraut ist nun eine braut, morgen, ich vertrau, ist sie eine frau; nun braut, glück auf den weg, das bett ist schon bereitet. ihr frauen, die ihr sie nach Bernstatt hin begleitet, sagt ihr das hochzeitrecht zu wagen heute für, denn übermorgen wird sie doch schon sein wie ihr. Opitz 2, 71; unsre jungfrau wird zur braut. Fleming 388; die jungfer ist zur frau geworden. frau schwester, wie gefällt dir dann dein neuer stand, der ehstandsorden? die antwort seh ich dir schon
an. Dusch
ged. (1771)
s. 285. die frau hat den jungfräulichen kranz abgelegt, bindet ihr haupt, ist unter die haube gebracht. 55) frau,
femina, mulier, allgemein gefaszt, ohne bezug auf abkunft und verheiratung, was wir heute unter den steifen zusammensetzungen frauensperson
oder frauenzimmer
verstehn, was im franz. dame
oder femme
heiszt, wofür früher auch frauenname, wîbesname
im gegensatz zu mannesname
gesagt wurde. würde der frauen. ehret die frauen! Schiller 80
b; aber, zufrieden mit stillerem ruhme, brechen die frauen des augenblicks blume, nähren sie sorgsam mit liebendem fleisz. 81
a; aber wie, leise vom zephyr erschüttert schnell die äolische harfe erzittert, also die fühlende seele der frau.
daselbst. hierher fallen z. b. die sprüche: frauen haben langes haar und kurzen sinn, haben lange kleider und kurzen muth; wo keine frau, da geschieht dem kranken weh; kein kleid steht einer frau besser als schweigen
und viele andere. solange die frau
noch unerwachsen ist, wurde sie ehmals maget
oder dirne
genannt, heute mädchen,
oder fräulein,
was anfangs edelfräulein bedeutete, allmälich wie frau (
domina)
allgemein geworden ist. jungfrau, junge frau
und jungfer
sind zu unterscheiden, worüber man diese wörter selbst nachsehe. auch in einer menge von zusammensetzungen hat frau
diese umfassende bedeutung. 66)
verhalt von frau
zu weib. weib,
ahd. mhd. wîp,
alts. wibh,
nl. wijf,
ags. vîf,
häufig in vîfman,
altengl. wifman, wimman,
heute woman,
altn. vîf,
schw. vif,
dän. viv,
mangelt im gothischen. weib
drückt sowol femina als mulier aus, geht aber besonders auf das geschlecht, wenn wir beide geschlechter gegeneinander stellen wollen, geschieht es durch die namen 'mann und weib',
und zumal entscheidet, dasz auch für thiere 'männchen und weibchen'
gilt, mit dem diminutiv, selbst wo die gröszten thiere gemeint sind, niemand legt dem männlichen thier eine frau
bei. bereits unsere mhd. dichter stritten lebhaft über den vorrang der namen frau
oder weib,
und wie uns frau
auf Freyja, frauja
auf Freyr
leitet, wurde selbst weib
von einem mythischen Wippeo
hergeleitet (
mythol. 277),
was doch nur den bekannten namen Wippo (Förstemann 1, 1290)
meinen kann. Walther
erklärt sich entschieden für weib: wîp muoʒ iemer sîn dër wîbe hôhste name und tiuret baʒ dan frowe, als ichʒ erkenne. 48, 37; wîp sint alle frowen gar, zwîvellop daʒ hœnet als under wîlen frouwe: wîp dêst ein name dërs alle krœnet. 49, 8;
richtig ist ihm die auch allen frauen zustehende, darum sie schmückende natürliche benennung weib,
inwiefern das wort auf weben
und weifen
zurück geht, soll unter diesen ausdrücken erwogen werden. andere, die frau
höher achten, haben guten grund, froh
und freude
heran zu ziehen, welche beide wörter man vergleiche. die frau
tritt über alle weiber
empor: [] und krônde mich diu wërlt al ze frowen über elliu wîp.
Er. 6035,
sie ist ihre herrin geworden. frau,
vom stande her entnommen, ist freilich auch angeboren, undeutlich aber bleibt, warum reine frauen erst durch ihre tugenden sich den namen weib
erwerben, wie Lichtenstein 3, 17
sagt und GA. 2, 157
ausgeführt wird: ich hôrt ie sagen, daʒ ist wâr, vrouwen die haben langeʒ hâr, dâ bî einen kurzen sin. alsô dunket mich an in, daʒ sis baʒ den ich erkanten, die sie alrêst vrouwen nanten,
d. h. die ihnen den namen frauen
ertheilten, müssen sie von vortheilhafterer seite gekannt haben als der dichter, welcher im begrif steht von einer leichtfertigen frau zu erzählen. er fügt hinzu: aber swëlch vrou vroulîchen tuot daʒ (
dasz sie) ir hërze und ir muot wendet an rëhte zuht, sô hât diu schande von ir vluht. als ein vrouwe ir wërden lip alsô tiuret, daʒ si ein wîp geheiʒen mac mit reinen siten, dër mac ein man vil gërne biten,
damit ist schwerlich gesagt, dasz um die tugendhafte frau zur ehe geworben werde. Parzival 302, 7
ruft 'frowe und wîp'
aus, als ihn die betrachtung der blutstropfen im schnee an seine gattin mahnt; in vielen stellen Walthers
verbinden sich man
und wîp
ganz wie wir heute mann
und frau,
im sinne von femina zusammen fügen. wie sehr nun diese mhd. vorstellungen über frau
und weib
geschwankt haben mögen, heute ist der bezug von weib
auf das geschlecht unzweifelhaft und erst von dieser bedeutung sind hernach weitere und allgemeinere ausgegangen. weib
ist uns gleichviel mit weibsbild
oder weibsperson,
wie frau
mit frauenbild
und frauenperson,
es geht auf ledige oder verheirathete, junge und alte, selbst die reiche, vornehme frau darf noch weib
heiszen, obschon es mehr unter armen und geringen leuten haftet und bettelfrau, trödelfrau, fischfrau
mit bettelweib, trödelweib, fischweib
wechseln. der mann mag seine frau
auch sein weib
nennen, frauchen
oder weibchen,
jenes ist mehr uxorcula, dieses muliercula. was hast du für ein weib zur frau?
quid mulieris uxorem habes? das weib
steht dem mann,
die frau
dem ehmann
oder herrn
gegenüber. 'ein schönes weib' (ein schœneʒ wîp. Walth. 34, 3),
weil es die reize des geschlechts ausdrückt, lobt stärker als eine schöne frau.
ein mann
kann weib, weibisch, altes weib
gescholten werden, nicht frau
oder fräulich.
oft aber dürfen freilich zwei sich so nahe liegende wörter, wie frau
und weib,
einander vertreten, eine gute art von frauen
oder von weibern
meint dasselbe, sittsame frau, sittsames weib; kluge frau, kluges weib,
aber 'die kluge frau im walde'
bricht heilsame kräuter, ist ärztin und hebamme, ungefähr wie sich fr. sagefemme
und femme sage
sondern. gebildete frau
bezieht sich auf den geist, schön gebildetes weib
auf den leib: aus dem bewegten wasser rauscht ein feuchtes weib hervor. Göthe 1, 185; Penelopeia redet zu mir, die treuste der weiber. 1, 320,
für der frauen.
andern sprachen stehn für mann
und weib
vielerlei ausdrücke zu, so haben die Polen das hübsche wort bialoglowa (
weiszkopf)
; zahlreiche bilder und umschreibungen finden sich altn. 77)
eine dienerin der fürstin wird, obschon ledig, frau, kammerfrau,
femme de chambre genannt, eine dienerin adlicher nur kammerjungfer, kammermädchen,
fille de chambre, vgl. extramensch. herrendiener
heiszen ohne unterschied kammerdiener,
valet de chambre. im gefolge der königin, fürstin erscheinen frauen, edelfrauen: dô in diu grævinne enpfie unde engegen ime gie mit allen ir vrouwen.
Iw. 3793; eh diese worte noch verhallen, sehn ihre frauen sie, durchrannt vom spitzgen stahl, zusammenfallen. Schiller 45
b,
vgl. folgemagd 3, 1875
und hernach frauenzimmer.
die umgebung der fürsten bilden kammerherrn
und kammerjunker. 88)
die allgemeine anrede lautet: herr
und frau! herren
und frauen (
nicht männer
und weiber)!
fr. monsieur, madame! messieurs, mesdames!
nnl. mijnheer
und mevrow!
wie mejuffer.
doch gilt auch das fremde dame, madame! schöne damen und ihr herren der feineren welt! Göthe 1, 260.
und jetzt gerade madam!
für geringe, bürgerliche. zu Stockholm heiszen die schifferinnen, die kähne überführen, madammerna.
[] 99)
selbst im kartenspiel wird jetzt dame
beibehalten, trefdame (
trefledame), herzdame,
neben trefbub, herzbub.
früher frau: wie nichtig sind die schätze um die ihr alles wagt! itzt bildet der sich ein, es sei gewonnen geld, das glück lach ihm allein, zehlt 'tausend, könig, frau', schau aber wie behende ihn jener im 'triumpf' gleich als gefangen sende und seine barschaft zieh. Gryphius 2, 507. tausend
scheint hier as, sonst ists daus,
binio (2, 854),
wie ei der tausend
und ei der daus! 1010) frau,
wie herr,
bei dichtern für thiere, pflanzen, ja leblose dinge, zumal anredend: frau nachtigall, frau lerche, frau bohne, frau hasel, frau fichte, herr tannebaum, herr falke, herr hahn, herr spatz (Bürger 20
a), herr grille, frau gerste
und herr flachs, herr pflug, herr pfenning.
der kegelnde ruft der kugel zu: loufâ, kugel, vrouwe, zouwe dîn, liebiu vrouwe, zouwe!
Renn. 11372. frau Masz
und frau Zucht
wurden vorhin bei der kürzung 'ver'
angegeben, andere beispiele stehn gramm. 3, 346; frau Juno
und frau Pallas, frau Venus, frau Venus und ihr völkchen läszt fünf gerade sein. Bürger 17
b; 'du? nicht also, frau sünderin, frau Liederlich, frau Lecker!' 48
b,
ohne movierendes -in,
obgleich in volksliedern gesagt wird 'frau heselin'
statt frau hasel. 1111) die schöne frau,
amaryllis belladonna. s. ahnfrau, erdfrau, jungfrau, klosterfrau, kräuterfrau, nähfrau
und viele andere.