getreide,
getraide,
n. ,
verbalsubstantiv zu tragen (
s. d.)
gehört der neueren sprache nur in einem reste des ehemaligen bedeutungsumfanges an, in der verwendung für frumentum, fruges. der umfassende verwendungskreis, der sich in älterer zeit auf der grundlage des verbalsubstantivs entwickelt hat, läszt sich schon in den wörterbüchern überblicken: alth. getragide,
possessio Graff 5, 501;
mhd. getregede,
gepäck, ladung, bewegliches gut, besitztum, lebensmittel, kleidung, hausrat, bodenertrag, erdfrüchte mhd. wb. 3, 77
b. Lexer 1, 947,
nachtrag 204.
schon in den vocabularien ist jedoch der ganze umfang auf die eine parallele getreide,
frumentum zusammengeschrumpft. die verwandten sprachen verhalten sich nach beiden seiten ablehnend. für die allgemeinere bedeutung verzeichnet Schiller-Lübben 2, 30
a einen einzigen beleg; für die engere bedeutung treten in niederdeutschen vocabularien des 15.
jahrh. vereinzelte entlehnungen aus dem mitteldeutschen sprachgebiete auf. davon abgesehen halten die sämtlichen germanischen sprachen an dem synonymen korn
fest, das im gotischen schon belegt, auf deutschem boden lange vorherrschte und noch heute im norden überwiegt, wie es auch anderwärts in alten zusammensetzungen wie kornhaus, kornmarkt
u. a. als die volkstümlichere form sich kennzeichnet. getreide
in dieser bedeutung gehört der schriftsprache an, in die es vor allem durch Luthers
einflusz —
allerdings begünstigt durch gleiche neigungen der bairisch-fränkischen mundarten —
aus dem mitteldeutschen sprachgebiete eingedrungen ist. II.
erstes auftreten, formen, bedeutungsentwicklung. I@11, I@1@aa)
die althd. periode läszt das substantiv erst in der jüngeren litteratur in den vordergrund treten. es durchkreuzen sich hier anfangs verschiedenartige bildungen vom selben verbalstamme. in den bibelglossen begegnet als jüngere variante zu geziuch
das abstracte femininum getregida, gitragida Steinmeyer-Sievers 1, 665.
bei Notker
ist das femininum nach analogie anderer mit dem präfix ge
gebildeter abstracta in die klasse der neutra übergetreten: getragede
Hattemer 3, 66
a vgl. Wilmanns
deutsche gramm. II § 264, 3.
dieses neutrum bildet die grundlage der meist verwendeten formen unseres wortes. über das masculinum traid, getraid
vgl. sp. 4458. I@1@bb)
in der mittelhochdeutschen periode sind die vollen formen auf oberdeutschem boden nur noch vereinzelt, in mitteldeutschen belegen dagegen herrschen sie vor. getragide
begegnet in der Wiener genesis, getregede
in den glossen, in der litanei, in der livländischen reimchronik, in den predigten, die Leyser
herausgegeben, in varianten zu Konrad von Würzburg. getreide
tritt zuerst in der jüngeren Judith auf, bildet die regel bei Konrad von Würzburg
und in den bairischen rechtsdenkmälern. auf mitteldeutschem boden erscheint getreide
erst im 14.
jahrh. in konkurrenz mit getreigede, getregede,
so im Freiberger stadtrecht; bei Jeroschin
und andern ist die diphtongierte form der contraction durchgeführt, in anderen mitteldeutschen quellen strebt diese wieder der monophthongierung zu: getrede. I@1@cc)
auch im inlaut und auslaut machen sich gegensätze zwischen oberdeutscher und mitteldeutscher sprachweise geltend. das präfix, das in der oberdeutschen aussprache verstummt, fehlt auch in den bairischen, ostfränkischen, ostschwäbischen denkmälern zwangloseren stils (
sp. 4457
ff.).
dagegen entspricht es mitteldeutscher neigung zur breite, wenn dort das suffix ach, ech, ich,
das in allen mundarten zu bestimmten zwecken verwendet wird, in der form getreidich, getreidig
eine mundartliche concurrenzform für das schriftsprachliche getreide
bilden hilft. als solche ist sie jedoch auf die mundarten nicht beschränkt geblieben, sondern sie hat sich auch litterarisch in späterer zeit bethätigt, weshalb sie eigene darstellung beanspruchen darf. bei Luther
findet sie sich nur in den intimsten regungen seines sprachlebens, in den eigentlichen buchausgaben ist die schriftform an die stelle getreten. I@1@dd)
für die schreibung des diphthongs lassen sich die allgemeinen beobachtungen heranziehen, die an dem schreibgebrauche für altes ei
gemacht worden sind. im besonderen hat hier der etymologische gesichtspunkt, die zurückführung des wortes auf das verbum tragen,
zu gunsten des ai
eingewirkt. in den wörterbüchern des 17.
und 18.
jahrhunderts tritt die schreibung mit ai,
sofern sie nicht oberdeutschen ursprungs ist, stets im zusammenhang mit der etymologischen erklärung auf: traide, getreide ..
dicitur a tragen Stieler 23609; getraid .. traid ist von tragen, getraid ist das collectivum, alles was der acker von körnern trägt. Frisch 2, 380. —
die schreibung mit ei
findet sich bei Steinbach 847. Adelung 2, 637. Grimm
deutsche grammatik I
3 223
schreibt getraide,
bemerkt aber: man schreibt auch getreide, weize, was überall geschehen könnte, da wir ei = ai aussprechen.
die neuesten wörterbücher von Heyne
und Paul
bieten die form getreide. I@1@ee)
die apokope des auslautenden e
kommt in unserm worte nur in bair.-österr. quellen, dort aber häufig und namentlich in zusammensetzungen vor, in den oberdeutschen denkmälern des westens verräth sich auch am vollen auslaut das schriftmäszige des wortes. I@22)
in dem ursprünglichen bedeutungsumfang des substantivs lassen sich anknüpfungen an die mannigfaltigsten verwendungen des verbums tragen
erkennen, wobei das verbalnomen in den verschiedensten functionen auftritt. I@2@aa)
strittig ist die deutung des ältesten belegs, den die eigentliche litteratur aufzuweisen hat: súmelichêr íst chúnt mán fóne geédele. témo iz áber leíd íst. túrh sîn árm getrágede (
hunc nobilitas notum facit. sed inclusus angustia rei familiaris. mallet esse ignotus). Notker (
Boethius) 3, 66
a Hattemer. es liegt hier nahe, an ein nomen actionis zu denken, um so mehr als in anderen späteren belegen für das subst. der begriff der lebensführung deutlich hervortritt, andererseits liesze sich die verwendung des wortes in unserem zusammenhange auch auf den allgemeineren begriff für besitz,
possessio zurückführen, der auf anderer grundlage fuszt (
vgl. c). I@2@a@aα)
ein nomen actionis tritt deutlich hervor in übertragenen verwendungen der mittelhochdeutschen dichtung: e man beginne suochen in mit lasterlicher kleyde; zen eren vliehe er, sam der wilde einhürne z'einer meyde: dur ein krank getregde laze er sich schande vahen niht (
der biber). Konrad v. Würzburg
minnes. v. d. Hagen 2, 335
b; den reinen wiben sprechet wol, vor meide man si krœnen sol: würde uz der meide niht ein wip so würde auch nimmer mannes lip geborn von keiner meide .. würde uz der meide niht ein brut, so were ez krank getreide.
minnesinger v. d. Hagen 3, 418
a. I@2@a@bβ)
weniger deutlich sind die folgenden, wol ebenfalls hierher gehörigen beispiele: daz er gar liuterlichen schein an der vil schœnen meide vil wünneclich getreide lac an ir süezem lebene. Konrad v. Würzburg
Engelhard 2974; dâ mite gienc er riuwevar von der schœnen meide, daʒ marterlîche getreide daʒ man dâ heizet trûren daʒ kunde er tiefe mûren in sînes edeln herzen grunt. 2140. I@2@bb)
in allen anderen verwendungen des substantivs treffen wir eine objectivierende tendenz an. gegenstände, die mit der verbalbedeutung in irgendwelche beziehung gesetzt werden können, treten in den bedeutungsumfang des substantivums ein. in besonderem maasze fruchtbar hat sich nach dieser seite der in dem verbum tragen
ruhende begriff der fortbewegung erwiesen. aus ihm lassen sich die meisten älteren verwendungen des substantivums ohne zwang erklären. denn es ist gerade für die ältere zeit hier ein lebendiger zusammenhang zwischen verbum und verbalsubstantiv ersichtlich, wie sich schon daraus erkennen läszt, dasz im Willehalm von Österreich (104
b vgl. Lexer 1, 947) getreide
noch für tragbahre (
dasjenige, womit getragen wird)
gebraucht wird. so dürfen wir die grundlage von getreide
darin erblicken, dasz es alles zusammenfaszt, was getragen wird, getragen werden kann. vgl. auch Schmeller 1
2, 648;
vgl. traget, tragete
f., was man auf einmal tragen kann. Schmid
schwäb. wb. s. 135.
die weitere bedeutungsentwicklung hängt nun davon ab, ob der allgemeinere begriff weitergebildet und umgeprägt wird, oder ob der in dem allgemeineren begriff enthaltene inhalt sonderformen abzweigt. I@2@b@aα)
an den weiterbildungen des allgemeineren begriffes lassen sich solche unterscheiden, in denen die verbalbedeutung lebendig bleibt, und solche, in denen sie zu gunsten neuer zusammenhänge zurücktritt. I@2@b@a@11)) I@2@b@a@1@aa))
zu den ersteren darf man wol belege aus den glossen rechnen. dort war für die älteren glossenhandschriften das lateinische impensas mit dem viel verwendeten geziuch (
vgl.gezeug)
wiedergegeben worden. jüngere handschriften gewähren in bestimmtem zusammenhange hiefür auch dem neueren worte getregida
eingang, so in der bibelstelle 1. chron. 22, 5
et constituit ex eis latomos ad cedendos lapides et poliendos ut edificaret domum dei. ferrumque plurimum ad clavos ianuarii .. et dixit ... preparabo ergo ei necessaria. et ob hanc causam ante mortem suam omnes preparavit impensas (vnd vmb disse sach bereyttet er vor seinem tode alle zerung.
bibel von 1483
bei Koburger; als schaffet David viel vorrats vor seinem tod. Luther);
vgl. Steinmeyer-Sievers 1, 462.
die gleiche glosse findet sich wieder für Daniel 14, 5: vnd ein abtgott war bei den Babiloniern mit namen Bel vnd in dem wurden verzert oder auszgeben durch einen iegklichen tag zwelff masz semeln. vnd viertzig schaff und sechs krüg weyns ... der knig sprach zu in. nur allein ir saget mir, wer der sei der da essze dise zerunge (
impendebantur in eo per dies singulos simile artabe duodecim et oves quadraginta vinique ephorae sex ... quis est qui comedat impensas has)
bibel von 1483
Koburger. dieselbe zusammenstellung von gezeug und getreide,
nur mit dem unterschiede, dasz sie nicht als synonyma, sondern als ergänzende begriffe auftreten, '
findet sich auch später: item unsern herren den geczeug sehen lassen auch das getreid ob er wil sehen.
d. städtechron. 11, 464;
vgl. unten. I@2@b@a@1@bb))
ebenso gehört hierher die schilderung einer plünderung, die Ulrich von Zazikhoven
beschreibt und in der die beutestücke zusammengetragen werden: er gap in silber unde golt, des er dâ guote state vant. swaz Jweret der wîgant het verlân, daz was dâ gar, unde was gesamenet dar vil getregdes ûz der mâze.
Lancelet 9221
Hahn. I@2@b@a@1@cc))
im zusammenhang damit steht der begriff packung, ladung,
der für getreide
in beispielen der mittelhochdeutschen dichtung verschiedentlich belegt ist. meist sind es lastthiere oder lastschiffe, die das frachtgut hier von einem orte zum andern tragen: I@2@b@a@1@c@aα)) michel was des hers schal. er vuorte olbenten ane zal. si mohten chume haben waeide. die trugen daz ir getreide. si vuorten vil waegene, mit spise geladene hyrze unde hinden. si vuorten vil rinder; schaf unde geize. tinchel unde waeize.
jüngere Judith 135, 14
Diemer. I@2@b@a@1@c@bβ)) si tuot als diu Sîrêne der stimme ist also schœne daz si mit ir gedœne die kiele an sich geziuhet und si dan under diuhet mit liute und mit getreide. Konrad v. Würzburg
Engelhard 2221; dô sie ûf daz mer quâmen, ir rûwe sie dâ nâmen mit allerleie getregede. man, wîb und megede, rinder unde pferde vûrten sie vil werde gebunden und gevangen.
Livländ. reimchr. 7289,
ebenso im passional, vgl. Bech. I@2@b@a@1@dd))
auch in anderen verwendungen, die sich nahe berühren mit einer weiter unten zu besprechenden gebrauchsform, liegt die verbalbedeutung des herbeitragens
an der oberfläche: die purger habent gesetzet, swer wein, chorn, saltz, holtz, hän, oder ander getreid zuo der stat füret, daz der selb der stat geleit hat.
stadtrecht von München § 379
Auer. I@2@b@a@22))
die vorstellung des beweglichen hat im besonderen in der sphäre des eigenthumsbegriffes fortbildung erfahren: getregede
tritt hier in den gegensatz ein, mit dem sich der bewegliche besitz vom gebundenen besitz scheidet, getregede
erhält geradezu die bedeutung fahrende habe. wie nahe diese entwicklung lag, zeigt die interpretation des letzteren begriffes im Schwabenspiegel: daz varende guot heizzet daz soln wir iv sagen. golt vnde edel gesteine. vnde silber. vnde vihe. vnd ros. vnde allez daz man getriben vnde getragen mag. § 168
Laszberg. die parallele getregede =
fahrnisz findet sich in der rechts- und verwaltungslitteratur, so im abschnitt de ferramentis vel rebus monasterii (§ 32. 1)
der Hohenfurter benedictinerregel: des clôstris getreigede in îsene oder in gwandin oder in den anderin sachin besehe der abbit und bevelhe si ce behûtene und widir ce samende den brûderin des lebenis und des site er gwis sî.
zeitschr. d. alterth. 16
Scherer. I@2@b@a@33))
von da ab bildet sich, unter abstreifung der besonderen form des besitzes, die allgemeinste bedeutung getregede,
eigenthum aus, die allerdings vereinzelt bleibt: posessio, getrêgede
im summarium Heinrici (5, 19) Steinmeyer-Sievers 3, 117.
ebenso in den glossae Herradinae ebendort 3, 407; die liezin als ir guot vnd ir getregede durch sine predige vnd volgetin im vnd trugin snode cleidere duorch gotis lon.
predigten aus dem 14.
jahrh. Leyser 78; des wart er so sere gebezzert daz er dachte. wie er sich beruowe. vnd wie er suoliche buoze ane gevienge. der got geruchte vnd da mit er genesin mochte. zv den selben stunt ging er vz allem sime getregede vnd ging vf einenen oden kirchof.
ebenda 72. I@2@b@bβ)
die verengerung des allgemeinen begriffes läszt die einzelnen formen, in denen der bewegliche besitz auftritt, nacheinander von dem worte besitz nehmen, wir finden getreide =
hausrath, kleidung, nahrung und lebensmittel. I@2@b@b@11))
suppellex, getregede
aus Heinrici summarium Steinmeyer-Sievers 3, 260; alle di vas des clôstris und alliz daz getreigede besehe er alse di hêligin vaz des altaris (
omnii vasa cunctamque substantiam).
Hohenfurter benedictinerregel 31, 16 (
de cellerario monasterii)
vgl. substantia, getregede Steinmeyer-Sievers 3, 258; silber und golt und ander getregete zuo haben iz ist nicht sunde.
predigten aus dem 14.
jahrh. Leyser 146. I@2@b@b@22)) daz si di gemeinen stôle entfân zu ir getregede.
litanei 996; pis für in ritden in dem tan mer dann vier hündert man, auch alls da manigeü fraü. die pegünt er vast an schaü, die fürten alleü reichew wat, die jmmer wol zeloben stat. kostleich waren ir getrait.
erzählungen aus altdeutschen handschriften Keller 83, 33 (
jad von Wirtemberg). I@2@b@b@33)) ez mag chain frau ân irs wirtes willen nichts hingeben, wan was zerleichs getraides in irm haus ist (
variante traiz).
stadtrecht von München § 118
Auer; da begund er wahsen. manech wilt fahen. abe gescozze und ab jagede nam er sîn getragide.
Wiener genesis, Diutiska 3, 66; do sich wol gespiste daz pantier mit geiegde mit guotem getregde da leit ez sich vnde slief balde in sin hiuli tief gelichir wis der megde zart do er dur vns gesattet wart von menger spise weide. H. v. Langenstein
Martina 98, 102
Keller; es sullen all käuffel, die gest sein, alles getraid, daz sie herbringent, nur auf dem püchel niden auf dem markt verkauffen .... und die käuffel, die purger sein, süllen ir getraid bey der kapellen vail haben.
stadtrecht von München 440; waz die chäuffel getraids chauffent auf dem land, daz süllen sie ze Münichen auf dem markt hingeben. § 426.
noch heute hält traid, troad
im unteren Pusterthal an der bedeutung butter, käse u. a. fest. Schöpf
tirol. idiot. 750. I@2@cc)
aus den letzten beispielen, in denen sich getreide =
nahrung, lebensmittel, aus der gruppe der im begriff '
fahrende habe'
enthaltenen gegenstände absondert, lassen sich übergänge zu der hauptverwendung des substantivs getreide,
frumentum, leicht gewinnen. um so näher läge diese erklärung, als gerade die feldfrüchte in den deutschen rechtssatzungen durch ihre eigenartige doppelstellung wiederholt die abgrenzung der fahrenden habe vom liegenden gut veranlassen: unter der fahrenden haab, so in das gläsz dienet, wird verstanden, nämlich wein, korn hafer, roggen, heuw, ämbd, vich, rosz, rinder, hausrath, bettgewand, schulden, baarschaft.
öfnung zu Rheinau Grimm
weisth. 1, 291; wann auch ain herr ainen menschen erbt, der abgangen ist, hat er gelegen gut, das den fründten zugehört, ob darauff gebauwen ist, es sye höw oder korn, was denn den grundt nit mer begryfft, wann das korn an die wid kompt, und das höw an die birling, so ist es dann varendte haab.
öfnung zu Tannegg 1432 Grimm
weisth. 1, 275; item es soll auch der pluem (
ertrag) aller frucht, die da wachset, gelegen guet heiszen und sin, diewil si uf dem feld stond, untz uf
s. Johannstag des töfers im summer zu sunnwendi, und aber darnach värint guet sin und genempt werden.
erbrechtssatzung zu Altstetten 1475 Grimm
weisth. 5, 205.
trotz allem aber wird die erklärung der parallele getreide =
frumentum einen anderen ausgangspunkt suchen müssen, sie wird an die bedeutung von tragen =
hervorbringen anknüpfen. hiefür spricht der einzige und anscheinend freigebildete mittelniederdeutsche beleg gedrach, gedrag,
ertrag Schiller-Lübben 2, 30
a.
ebenso zeugt hierfür eine jüngere deutsche verwendung, in der die sinnliche grundbedeutung gerade nach dieser richtung noch lebendig ist: pillulae et galbuli et cachryes, das getreydt oder zapffen, so etlich böum näbend der frucht habend, als die hasel und des nuszbaumes zapffen. Frisius
vgl. Schmeller 1
2, 648. I@2@c@aα)
auch die vereinzelten beispiele, in denen getreide
im allgemeinsten sinne den ertrag der flur darstellt, sprechen für die eben angenommene bedeutung: êst ein winder. nemt des war an der lieben heide: die hât er gemeilet und den grüenen walt; bluomen unde vogele singen ist in gar zergân; sî sint beide missevar. seht an ir getreide: daʒ ist alleʒ von dem leiden rîfen kalt. Neidhart 38, 6
Keinz; sieder dem male daz der guote herre sente Johannes dar quam so wart daz wilde lant gebezzirt. daz da nv von gotis genaden ist wazzer vnd korn. akir vnd wingartin vnd ander getregede vnd gerete.
predigten aus dem 14.
jahrh. Leyser 78. I@2@c@bβ)
in der bedeutung von getreide
im engeren sinne entstammen die ältesten belege des wortes ziemlich gleichzeitig dem bairischen und dem mitteldeutschen sprachgebiete. I@2@c@b@11)) daz getreid (traid
variante) wart ouch sô tiwer. daz die liut verzagten darab: den mutte kornes man gap umb vierzig und umb zehen phunt. Ottokars
reimchr. 9357
Seemüller u. a.; item Julius daz ist ein monet genueg heiz und in dem monet so sneident die leut vnd daz getreid des erdreichs ze sam pringent.
wiener arzneihandschr. des 15.
jahrh. Haupt 508; item lasz auch öffentlich berufen, dasz niemand kein getreid fürbas aus unserm lande gebe, noch verkaufe bis auf andre unsre geschäffte, und dessen widerrufen, und dasz niemand den obgenannten getreid nicht anders kaufe noch verkaufe ... dann in obgeschriebener maasz nachgehe.
landgebot herzog Heinrichs von Landshut 1437 Krenner 4, 95
u. a. I@2@c@b@22)) nu lebent sie doch blûtes nie, want nernt sich an der weide von vruchte und von getreide, Albrecht v. Halberrtadt (
metamorphosen 15, 84) 290
Bartsch; ole, obz, getreide, hönic vnd win, laub. gras, blumen vnd kle, vnd manik wunder in dem se. H. v. Trimberg
renner 217; dô kâmen sô vil häuschrecken geflogen von Ungern durch Oesterreich und durch Paiern auf über den Sant den Main ab gegen dem Rein, daz si sô vil getraides verderbten auf dem veld, daz manich gäuman verdarb. Konrad v. Megenberg
buch der natur 76, 1
Pfeiffer; welchez mensch vil pluotes hât, daz altet schier, reht sam daz getraid tuot, daz ze vil fäuhten hât. 116. 2; do der ouwest was irgân und dî herbistzît intstân und dî dît geleide alliz ir getreide, daz in gewachsen was daz jâr, in daz selbe vorburge gar, dô quam der commentûr vorgeseit dî vorburc dâ gewinnende und abir gar vorbrinnende swaz auch dâ was innende, beide gebuide unde korn, daz vraz gar das vûris zorn.
N. v. Jeroschin 23, 159.
ebenso 19, 114. IIII. getreide
im engeren sinne, abgrenzung in gebrauch, formen und bedeutung. II@11)
landschaftliche abgrenzung. es sind bestimmte sprachgebiete, die an dem substantiv die engere bedeutung von frumentum ausgeprägt haben, das südöstliche und das mittlere Deutschland. erst von hier aus und durch litterarische übermittlung drang die verwendung in den westen von Oberdeutschland und in niederdeutsches sprachgebiet ein. die vereinzelten beispiele aus den vocabularien lassen sich in demselben sinne erklären. die betreffenden oberdeutschen vocabulare weisen auf östliche beeinflussung hin: getrade,
fruges Diefenbach-Wülcker 618;
fruges getraid
im vocab. rer. vom anfang des 15.
jahrh. Diefenb. 249
a: getreyd, frucht, weitz
gemma gemmarum von 1512
bei Diefenb. 249
b;
annona, jarliche frucht, getreyd oder fruchte Brack
vgl. Diefenbach 36
b.
vgl. dazu getreckty
ebendort bei Diefenbach
nov. gloss. lat. 25
a.
für die niederdeutschen vocabulare ist getreide
blosze lehnform, ein fremdling aus der hochdeutschen schriftsprache, vgl. ghetrede
bei Diefenbach-Wülcker 618; ghetreyd, ghetreyde, ghetredde
germ. sax. sicambr. frumentum Kilian
K 3
b.
innerhalb des ursprünglichen geltungsbereiches unseres substantives sind die oben erwähnten mundartlichen nebenformen in concurrenz mit der hauptform zu beachten: in bairischen und fränkischen mundarten die auf lautlichem wege entwickelte form treid
neben der schriftgemäszen vollen form; im bairischen sprachgebiete allein neben dem neutrum das masculinum treid,
das vielleicht von vorneherein ohne präfix gebildet war; auf mitteldeutschem boden das breite getreidich. II@1@aa)
die formen des bairischen sprachgebietes. II@1@a@aα)
das masculinum: traid, getraid. II@1@a@a@11)) den traid.
Traunsteiner strafordnung von 1375 Schmeller 1
2, 648; es sollt auch ain jedlicher ân alle widerredt den traid in kastn dienen.
rechte des stiftes Admont (14—16.
jahrh.)
österr. weisth. 1, 271; so schaffe ich ir alle mein gült die noch bis auf St. Gergentag schirist verhandten ist .. gült, wispelt, gericht, lehengelt, dienst, steur, allen traidt an waiz, khorn, habern, gersten; schweine, hiener, huetgeld, pflegegeld, zehent, gült, darinn nichts ausgenohmen, ohngefehrlich. dieselb gült alle sol mein liebe hausfrau bis uf St. Georgen tag einnehmen, und meiner seel darvon gedenken, als getrair.
testament des J. Kuchler monum. Boica 5, 520; wer schuldig ist den traid zu dienen.
Hallein 15.
jh. öster. weisth. 1. 142; wolten den traid wolfeil damit machen. L. Widmanns
chronik von Regensburg (1529)
d. städtechron. 15, 99.
ebenso bei Kirchmayr
denkwürdigkeiten (1519—33)
vgl. Schöpf
tirol. idiot. 750.
jüngere handschriften führen gern an stelle des einfachen traid
die vollere form ein, vgl. z. b. die zusätze im stiftsrecht des domcapitels von Salzburg: den traid soll man anheben zu dienen, wann sich ain garben gegen der andern kert, damit umb den heiligen drei königstagen aller in unserm casten sei (
jüngere hand: den getraid gleichfalls zu den angesetzten tägen).
österr. weisth. 1, 7.
aus der litteratur ist das masculinum ohne präfix vielfach bei bairischen schriftstellern zu belegen (
vgl. auch traid,
neutr.): aus lauter geitz dörffen sie ir gelt nit angreiffen, verbergen jren treid und wöllen jhne ehender nit verkauffen, bis er gar thewr worden sey. Albertinus
Gusman v. Alfarche (
München 1615)
s. 258
u. a. in den mundarten des bairischen sprachgebietes herrscht diese form noch heute vor, vgl. traed, trae'
oberpfälzisch traid
bei Schmeller 1
2, 648; traid, troad,
m. und n. getreide Schöpf
tirol. idiot. 750.
ebenso in der Kärntner mundart, vgl. Frommann 5, 246.
die form ist nicht zu verwechseln mit trat,
brachfeld bei Schmeller
cimbr. wörterb. 240. II@1@a@a@22)) wir wollen auch, dasz du öffentlich verrufen lassest, wer heuerigen getreid habe, es sey korn, weitzen oder gersten, der nicht ausgedroschen sey, dasz den ein jeder zu stund an ausdreschen lasse, und dasz ein jeder denselben getreid, der vor ausgedroschen ist, oder noch ausgedroschen wird, einen jeden
Baumann, oder andern, die zu bauen haben, gebe und verkauffe.
herzog Heinrichs landgebot von 1437
Landshut bei Krenner 4, 93; wie in unserm furstenthumb in sonderhait der getraidt, auch andere pfenntbert mermals auf porg vil höher, dann um par gelt verkauft werde.
landpot in Ober- und Niederbayern 1516
s. 46
b; dasz sie den liebseligen getraidt in die mäntel jhrer kästen oder schewren versperren und nicht verkauffen noch hergeben, er werde dann sehr tewr und werth. Albertinus
Gusman von Alfarche (
München 1615) 603; es soll niemand kein geweicht guet noch pluetig gewand oder ungewunden getraid noch kein hausgerecht ân wissen des gerichts kaufen.
österr. weisth. (
Windisch-Matrei 17.
jahrh.) 1, 313; item als die landleut vermainen, es solle allzeit zu dem ministn ain jardienst getraids besonders in der Döffrogg in dem kasten beleiben zu notturft des lands und der geschlösser, das nit beschee, auch wie der ambtman aussern leuten den getraid in bössern kauf gebe, dan den landleuten.
ebendort 1, 314. II@1@a@a@33))
in der präfigierten form ist das masculinum auch aus dem schwäbischen gebiete zu verzeichnen: ain yeder müller solt ..., ainem yeden der im seinen getrayd zubringen oder bevelhen, mit vleisz bewarn, getreulich maln vnd beraitten.
württemb. müllerordnung, Heumann
opuscula 249; die khaw uud tröglin darunder, an den gärb und malmülen (
sollen) dermaszen uber ainander gericht werden, das der getrayd oder grossmelb, sonst nyendert hin, dann enmitten durch des gangstains loch, in den lauff fallen mög.
ebenda 250.
abgedruckt auch in Tenglers
laienspiegel (1509) E 4
a. II@1@a@bβ)
das neutrum traid, getraid.
in einzelnen fällen scheint ein bedeutungsunterschied zwischen dem masculinum und dem neutrum zu tage zu treten. so führen die satzungen des stiftes Admont (14.—16.
jahrh.),
die das masculinum in der bedeutung von getreideabgabe
verwenden (den traid in kastn dienen,
österr. weisth. 1, 271),
das neutrum an derselben stelle in der allgemeineren bedeutung auf: der aber in kastn zu dienen hiet und dient nit und das traid verkaufft, der selb ist unnachleszlicher straff straffmässig.
im allgemeinen läszt sich jedoch eine bedeutungsabgrenzung zwischen neutrum und masculinum nicht durchführen, um so weniger, als in zahlreichen fällen das genus gar nicht ersichtlich ist. diese letzteren beispiele werden hier dem neutrum zugezählt. auch zwischen der vollen form mit präfix und der präfixlosen form besteht für das neutrum kein anderer unterschied, als dasz die letztere mehr auf der aussprache, die erste mehr auf dem schreibgebrauche beruht oder, wie z. b. in der gebundenen sprache, anderen bedingungen unterliegt (
vgl. oben aus Ottokar
und unten aus Hans Sachs. II@1@a@b@11)) und erschlug allez daz traid daz auf den veldern da was. 4. (
bairische)
fortsetzung der sächsischen weltchron. monum. germ. vernac. II 372, 22.
in den österreich. weisthümern überwiegt trait,
vgl. 6, 12
ff., 7, 403. 235. 255
u. a., vor allen in den zahlreichen zusammensetzungen wie traiddienst, traitmesser, traitmarkt
u. a. vgl. getreidedienst etc. das gleiche läszt sich in bairischen chroniken (
vgl. d. städtechron. 15, 230)
und bei Aventin
beobachten; daneben taucht jedoch gerade bei Aventin
auch die schriftform auf: Trajanus Hadrianus römischer geweichter kaiser, pabst zu Rom, zum andern mal burgermaister; durch beschlusz des rats, das kaiserlich getraid.
werke IV
2 864 (
chronik 2
cap. 149).
in anderen beispielen beruht die schriftform auf späterer redaction, so vgl. die chronik (
buch 1)
werke IV
1, 41
mit der Frankfurter ausgabe (1566) 12
a. II@1@a@b@22))
im bairisch-schwäbischen grenzgebiete. im rathsdecretenbuch von Augsburg findet sich anfangs nur kern, korn
und rocken,
erst in der zweiten hälfte des jahrhunderts dringt —
anscheinend von Baiern her —
das allgemeinere traid, getraid
ein: das ungelt dez wins und dez traids.
s. 116 (
aus 1456); uff samstag vor dem sonntag Letare halbvasten .. haben Hans Ränhart und Jacob Stimmler, als geschworen kornmaister, auf ains rauts bevelch der statt getraid alles zu überschlahen und ainem raute in schrifft überzuantworten .. alles traid in schrift ainem raute überantwort.
s. 17
b (1479);
im 16.
jahrh. werden die beispiele für getreide
dort häufiger, vor allem in der verbindung korn
und getreid (
vgl. unten).
bei den chronisten dieses gebietes überwiegt die mundartliche form treid: so lang der reichstag hat gewert, ist das traid in disem kauff gewessen. Senders
chronik von Augsburg, d. städtechron. 23, 81;
ebenso 23, 95. traid
in der Weissenhorner chronik bei Baumann
quellen 1, 46
u. a. traid
bei Sebastian Fischer in seiner
Ulmer chronik vgl. Veesenmeyer s. 216. (
andere belege aus Ulm mit der schriftgemäszen form vgl. unter d.)
in den verhandlungen über Thomas von Absberg
sagt ein aus Donauwörth gebürtiger knecht aus: di gefangen in ainem casten, darein man treid legt, gethan.
litterar. ver. 114, 419.
selbst Abraham a Santa Clara
macht von dieser form noch gebrauch: ich förchte augenblicklich, er wurde mit den sack zu boden sincken, der meinung war ich, es müsse trayd darinn seyn.
Judas der ertzschelm (
Kürschners nat.-litt. b. 40)
s. 68.
noch Krünitz 18, 19
belegt als oberschwäbische dialektform drait. II@1@bb)
die fränkischen mundarten nehmen an der kürzeren form treid
um so gröszeren antheil, je näher sie an der bairischen sprachgrenze liegen. II@1@b@11))
die meisten beispiele gruppieren sich um Nürnberg: rait er zu besehen der statt zeug, auch korn und treid.
Tuchersche fortsetzung der jahrbücher (
variante getreid)
d. städtechroniken 11, 464. Muscatblüt
verwendet traitt,
ebenso Hans Sachs treid;
bei letzterem geben die bedürfnisse des versmaszes auch gelegentlich der volleren form einlasz; im '
roszdiebe zu Fünsing' (Keller-Götze 17)
steht nebeneinander: sonder verzieht bisz nach dem schnit, so das treyd komb vom veldt hinein.
s. 98; wir müssen vor den dieb drumb fragen, ob ihm sey dieser rhatschlag eben. thut er sein willen darzu geben, so lasz wirn lauffen (
gegen das versprechen, sich später zum strafvollzug einzustellen). mitler zeit ein ieder sein getreyd einschneidt.
s. 100.
frumentum, aeher trayd.
nomenclatura Nürnberg 1530
bei Diefenbach 249
b.
noch in Hohbergs
adelichen landlebem (
Nürnberg 1695)
wechselt getrayd
und trayd (
vgl. 2, 66
b u. a. mit 2, 38
u. a.). II@1@b@22))
nordöstlich von Nürnberg: hierher gehören die belege der vorlutherischen bibel; vgl. 1 Mos. 31, 35: vnd allez daz traide werd behalten.
bei Eggestein
und ebenso bei Koburger (Luther: getraide).
desgleichen 2 könige 4, 42, 2
chron. 28
u. a. auch vereinzelte schlesische belege scheinen hierher zu weisen, gl. treidland
noch bei W. Scherffer
gedichte 250. II@1@b@33))
westlich von Nürnberg: traid
bildet in den eingaben der zünfte von Rotenburg an der Tauber die regel, vgl. Baumann
quellen zur geschichte des bauernkriegs aus Rotenburg an der Tauber (
litt. ver. 139) 340;
ebenso in der Rotenb. chr. des Eisenhart
ebend. 602
u. a. vgl. das man vorgemelt traid gleycher masz soll austailen aim yeden burger so weyt es raicht ... soll auch kain burger soliches traids verkaufen bey seim geschworen eide.
zunftverhandlungen in Rotenburg ebenda 344.
nur bürgermeister und rat bedienen sich in ihren schreiben der schriftgemäszen volleren form: das sie unsern guten freunden, burgermaistern und rat zu Windshaim wollen schreyben und beschaid geben, uns oder unserer gemaind das getraid so gemelter unser commentur zu Windshaim ligen hat, volgen und sunst nyemand kains eingriffs darein zu tun gestatten wollen. 397. II@1@b@44))
in weisthümern aus der Rhön tritt früh die präfigierte form auf: item brengt einer das getredt selber dem moller, so sall der moller von dem achtel nemen ½ molmetzen, holet es aber der moller, so sol er nemen ein molmetzen.
weisthum zu Schontra (15.
jahrh.) Grimm
weisthümer 3, 889; zu Michelawe auch so hat der schulthesz ein summeren gedreits vff den eckeren zu Neitzenborn, so der dregt, vnd wan er dregt, sall er ein sommeryn darvon nemen.
weisthum zu Schonterfeld und Michelau (1469) Grimm 3, 538. II@1@b@55))
aus fränkischen mundarten wird träd
noch heute belegt: wenn's träd g'räth in Sand, wird's theuer in land.
sprichwörter aus Franken bei Frommann 6, 322
nr. 324.
vgl. auch ebenda 4, 533, 21; 6, 129. II@1@cc)
für Thüringen und Sachsen gelten die volleren formen. II@1@c@aα)
wie schon erwähnt ist hier die mundartliche lieblingsform das verbreiterte getreidich, getraidig (
s. d.).
in der litteratur wird dieses vor allem in den rechtsaufzeichnungen verwendet, so in denkmalen aus Arnstein, Zeitz u. a. von chronisten treten Stolle
und Kantzow
hier in den vordergrund, während als schriftsteller Luther
und Zesen
den bedeutsamsten antheil an dieser nebenform haben. aus den wörterbüchern vgl. getraideg,
idem quod getraid Henisch 1586; getreydig, hart vnd weich getreydig,
frumentum F. M. Wehner
practicarum juris observat. (
Francfurt 1624) 224.
vgl. Stieler 2309. II@1@c@bβ) getregede, getreigede, getrede, getreide: des selbin jares wart an deme phingistage groz hail unde ungeweitere (
hagel und unwetter) in Doringen lande, also daz vil getredes unde vihes davon vortarb.
thüringische fortsetzung der sächs. weltchronik monumenta germ. vernac. II 292, 31; ist, daz die beckere oder kein man geht vor daz thor oder uf daz velt unde koufet getreigede da, ee iz in di stat her kumit uf den marct, der sal zu rehte ein phunt geben an di stat, he si becker oder melcer oder wer he si. unde nicheine underkoufer sullen hi sin zu dem getregide zu keiner zit. daz getreide sal kumen hi zu dem marcte und sal vri sin, daz ein iklich man selbe dazu gee unde koufe wol habe wol ane underkoufere.
Freiberger stadtrecht cap. 42 § 12
Ermisch; hat ein man sus ein nerswin, daz da billiche ledic loufet, tut daz einen schaden, also an obze, an getreide oder woran iz ist.
ebenda cap. 49 § 15; vorwâr, vorwâr sage ich ûch: nuor daz korn des getreides valle an die erden und sterbe, oder iz blîbet alleine; stirbet iz abir, sô brengit iz vile vruchte. Beheims
evangelienbuch Johannis 12, 24 (waitzenkorn
bei Eggesteyn, Koburger
und bei Luther); und schaffe, das er amptleute verordne im lande, und neme den fünfften im Egyptenlande, in den sieben reichen jaren, und samle alle speise der guten jare, die komen werden, das sie getreide aufschütten in Pharao kornheuser zum vorrat in den stedten, und verwarens. Luther 1
Mose 41, 37; da aber Jacob sahe, das getreide in Egypten veil war, sprach er zu seinen sönen, was sehet jr euch lang umb? sihe, ich höre, es sey in Egypten getreide veil, zihet hinab, vnd keufft uns getreid.
1 Mos. 42, 1; aber der weitze und rokken ward nicht geschlagen. denn es war spat getreide.
2 Mos. 9, 32; zu der zeit wird die herrligkeit Jacob dünne sein, vnd sein fetter leib wird mager sein. denn sie wird sein, als wenn einer getreide einsamlete in der ernte, vnd als wenn einer mit seim arm die ehren einerndtet und als wenn einer ehren lese im tal Rephaim.
Jesaias 17, 5; ire (
der hirschen) jungen werden feist und mehren sich im getreide.
Hiob 39, 4.
in allen fällen hatte die vorlutherische bibel andere synonyma. Luthers
vorliebe für unser wort ist bekannt und erhellt auch aus anderen beispielen, die später aufzuführen sind. als gegensatz zum oberdeutschen wortschatze wurde diese neigung schon von den zeitgenossen empfunden, denn getreide
gehört zu den worten, die Petri
im Basler nachdruck des neuen testamentes (
von 1523)
seinen landsleuten verdeutscht: getreyde,
korn, frucht, vgl. Frommann 6, 42. II@1@c@gγ)
auf mitteldeutschem boden allein hat die präfigierte form mundartlichen charakter: jeträdj,
das schon im chronikon Islebiense erscheint, belegt Jecht,
wörterb. der Mansfelder mundart (1888) 42
als dialectform neben jeträde, getreide
; für Brotterode wird gedrae
bezeugt von Hertel
Salzunger wörterb. (1893) 16,
wo für Salzungen selbst getreide
als nicht gewöhnlich hinter korn, frucht zurückgestellt wird. II@1@dd)
das verhalten des westlichen Oberdeutschlands kennzeichnete sich schon in den vocabularien, von denen nur vereinzelte und nach osten weisende, das substantiv buchen. vgl. dagegen fruges, korn o. früchte
im oberdeutschen dictionarius des 15.
jahrh. bei Diefenbach
nov. gloss. 183
b.
während Petri
das Luthersche getreide
als fremdwort verdeutscht, fehlt es ganz in den wörterbüchern von Dasypodius
und Maaler,
ebenso noch bei Frisius (1616)
und Rihelius. Schönsleder (1663)
verweist unter getreide
auf korn; Hulsius,
der in den ersten ausgaben nur korn
verzeichnete,
führt in der ausgabe von 1686
s. 167 getreide
ein. ebenso verfährt die ausgabe des Frisius
von 1700; Dentzler (1677)
verzeichnet das wort 116,
desgleichen Weissmann (1715) 156.
den mundarten der Schweiz ist es noch heute fremd, hier hat sich frucht
mit ausschlieszlichkeit gehalten, vgl. im Schweizerischen idiotikon: frucht,
f., 1. coll. getreide
d. h. was die erde als hauptnahrung des menschen hervorbringt (also mit ausschluss von baumfrüchten, beeren u.
d. gl.) im gegensatz zum futter des viehs (ausgenommen hafer) und zwar nicht nur von dem geernteten und ausgedroschenen getreide, sondern auch von dem noch auf dem felde stehenden (die frucht steht schön). Tobler
und Staub 1, 1272. II@1@d@aα)
in Straszburger quellen zeigt sich die neue schriftform verhältnismäszig früh, indem sowol der kanzleistil als die eigentliche litterarische tradition dem worte bahn brechen. es begegnet schon in den Straszb. zunft- u. polizeiverordn.: es soll ouch dehein brotbecker noch kornkoufer, noch nieman in unser stat dehein korn koufen, es sy welher hande korn oder gedrägde es wölle, in disem burgban, noch in der halben mile uf den strassen, weder uf wägen noch uf karchen, sunder sie sollent sollich korn oder geträgede alles uf dem kornmarckt koufen an offenem merckte (15.
jahrh.) Brucker 105; als dann vormals in der stat Straszburg artickelbuoche verordenet und by hoher pen verboten ist, das niemans weissen, habern oder sust einicher hande geträgde, so noch uf den ackern .. stot, fürkoufen soll. 586
u. a.; alle thir zunemmen, die bäum fruchtbaren, das feld getreyd tragen. Fischart
Garg. neudr. 95
und öfters. II@1@d@bβ)
in den südwestdeutschen druckwerken vollzieht sich überhaupt allmählich eine einbürgerung der schriftform, vgl. z. b. Ringmanns
Cäsar, wo frucht
überwiegt, in einzelnen stellen jedoch getreide
eindringt: sogar dasz die kriegszleut etliche tag kein getreid hetten. 68
b in der Frankfurter ausgabe von 1588; sobald die obersten in Brittanien, die nach der schlacht zu dem keyser kommen waren, solchs erkannten vnnd sahen, dasz den Römern schiff und frucht mangelt, .. sprachen sie, es were wol, dasz man sich widert, dem keyser getreid versagt, vnd narung wehret. 45
b. II@1@d@gγ)
es eröffnen sich in der verwendung der synonyma lebhafte gegensätze zwischen dem westlichen und östlichen theile des schwäbischen gebietes. heimisch ist getreide
in keinem der beiden theile. dagegen ist der östliche schon in der umgangs- und geschäftssprache stark durch das bairische wort beeinfluszt und öffnet sich daher auch der litterarischen einbürgerung der neuen schriftform viel leichter, wie die Ulmer drucke und Ulmer schriftsteller beweisen: der vierdt orden der handwercksleüt, die alle allerley zuo jrer handtierung nöttige instrument machen. dise seind nitt allein von allen beschwerden frey, sunder entpfahen auch von des künigs kasten getreyd. S. Franck
weltbuch 193
b; von fruchttbarkaytt der insel Cipern hab ich, weil es sich zu end des octobers genaigtt, und alle früchtten von getraydt, wein vnd obs eingehaimsztt worden ... nichtts sunders gesehen. H. U. Krafft
reisen und gefangenschaft 69.
im westen, am Oberrhein dagegen hält sich wie in der Schweiz das alte frucht.
dort weicht es auch in der rechts- und verwaltungssprache nicht so bald: nämlich als bitzhär die früchten durch den fürkeuffer ... uff gekauft und hinweg gefürt worden ... darusz ... uffschlag des fruchtkauffs erstanden und erwachsen ... ist angesehen das aller fürkauf der früchten, es sy korn, weyssen, vesen, gersten und habern .. abgestelt sein ..
verordnung für Ortenau (1545)
zschr. gesch. Oberrh. 19, 408.
am längsten hält sich das im lebendigen gebrauch aussterbende mundartliche frucht
in den zusammensetzungen. die oberdeutschen schriftsteller geben ihrer alten gewohnheit hier auch in der gewählten sprache nach. der gegensatz wird besonders deutlich in den anmerkungen, die Justi (1772)
an eine oberdeutsche schrift über die getreid-
oder fruchtsperre
knüpft: dort zusammensetzungen wie fruchtmarkt, fruchtmagazin, fruchtpreis, fruchtvorrath;
bei Justi
selbst die gleichen bildungen, aber mit getreide.
dazu vgl. aus den verhandlungen der Badischen II.
kammer (30.
juni 1835): die beschränkung des fruchtbaues wird davon eine natürliche folge sein und auch das getreide auf einem den anbau lohnenden preis halten ( v. Böckh).
andere beispiele siehe unter den zusammensetzungen mit getreide. II@22)
abgrenzung gegen frucht
und korn.
die beiden concurrenzformen unseres substantivs haben sich bei der landschaftlichen abgrenzung als in bestimmten gegenden heimisch gezeigt. korn
hat den gröszeren verwendungskreis, indem es das ganze deutsche sprachgebiet umfaszt, wenn es auch seinen hauptstützpunkt im niederdeutschen norden hat. frucht
gehört dem oberdeutschen gebiete an; vgl. getreide,
das,
ein allgemeiner ausdruck derjenigen pflanzen, welche in ähren und rispen wachsen, und deren same zur nahrung für menschen und thiere dient. dieses sind alle grasarten und grasartige pflanzen, deren samen zu brod oder mehlspeise taugen, und welche man in Niedersachsen korn, und in anderen gegenden auch nur
κατ' ἐξοχὴν, die frucht zu nennen pflegt. Krünitz 18, 19.
diese landschaftliche abgrenzung beider synonyma wird andererseits wieder durchkreuzt durch gegensätze in dem bedeutungsgehalte. II@2@aa)
mit frucht
theilt getreide
den charakter eines sammelnamens, es ist aber gegen diesen concurrenten insofern begünstigt, als es seinen umfang deutlicher eingrenzt. allerdings hat frucht
frühzeitig neben seiner allgemeineren bedeutung auch die engere entwickelt, die im lat. fruges
ausgeprägt ist, so wird im summarium Heinrici fruges, frucht
als zusammenfassender titel für die verschiedenen getreidearten verwendet (Steinmeyer-Sievers 3, 110).
meist aber nimmt das wort für diese engere bedeutung noch ein besonderes beiwort an (frucht der erde),
wogegen das kürzere getreide
von vornherein im vortheil ist. einen anderen gegensatz zwischen beiden synonymen hellt die verwendung im satzgefüge auf. frucht,
das innerhalb des gröszeren verwendungskreises, den es beherrscht, durch den gegensatz von frucht und blüte wieder eine bedeutungsverengerung erfährt, vermag den vollen bedeutungsumfang nur im plural zu behaupten, während getreide
umgekehrt fast ganz auf den singular beschränkt ist. fruges, früchte, getreid.
aus allem dem ergeben sich begünstigungen oder hemmnisze für jedes der beiden worte. II@2@a@aα)
allgemeinste gleichstellung: getreid,
frumentum est nomen commune ad omnia blada, frucht.
vocab. incipiens teut.; getreyd, frucht, weytz.
gemma gemmarum von 1512 Diefenbach 249
b;
frumentum frucht, getreyd.
Ulmer wb. (
bei Meder 1612) 55. II@2@a@bβ)
gleichstellung bei umwandlung des numerus: dasz das getraide und die früchte im felde verderben. Luther
tischreden 3, 63
Förstemann; getreyd, allerley früchten, järliche früchten,
frumentum Emel N 2
β; getreyde
frumentum, fruges Kirsch 179
a u. a.; getreide, getraid, getreidig,
das korn, die früchte, corn.
teutsch-engl. wb. (1716) 766; das getraid oder aller gattung früchte. Justi
memoiren 3.
anhang, einleitung 10; jene nennt man winter, diese sommerfrüchte, oder winter und sommergetreide. Dietrich
naturhist.-ökonom. wb. (
Ulm 1816) 591. II@2@a@gγ)
bedeutungsdifferenzierung nach der seite der gattung: vnd assen von den früchten der erd.
Josua 5, 12
bei Eggesteyn
und Koburger; vnd assen vom getreide des lands, am andern tag Passah, nemlich, vngeseuert brod und sangen, eben desselben tags. und das man höret auff des andern tags, da sie des lands getreide assen, das die kinder Israel kein Man mehr hatten, sondern sie assen des getreids vom lande Canaan. Luther
Josua 5, 11
und 12; getraid, allerley frucht der erden, korn, dasz auff dem halm wächst,
frumentum far in genere Henisch 1586; ein merckliche wolfeile menschlicher narung ist dieser zeit gewesen, das man im 1277. jar ein sack voll blosses getreids vmb vierdthalben plappart, dinckel vmb zwen, vnd den habern vm anderhalben kauffet. aber der früling des 1278. jars war sehr kalt vnd frostig .. es frassen auch die veldmeuse die frucht ab, das kaum der dritte
theil zu nutz kame. Ch. Wurstisen
Basler chronik (1580) 139. II@2@a@dδ)
die allgemeinheit des begriffes getreide,
die nur specialisirungen nach der seite der gattung und der qualität zuläszt (
vergl. sp. 4471),
veranlaszte für bestimmte entwicklungsstufen entlehnungen, so vgl. getreidefrucht. II@2@bb)
gegen korn
grenzt sich getreide ursprünglich durch seine function als sammelname und collectivum ab; es vertritt die gesammtheit im gegensatz zu der einzelnen gattung, die masse im gegensatz zu dem einzelnen bestandtheile. dieser ursprüngliche unterschied der bedeutung ist freilich durch den entwicklungsgang, den gerade korn
genommen hat, vielfach ausgeglichen und verwischt, immerhin aber wird er doch noch heute im einzelnen falle wieder deutlich und fühlbar. II@2@b@aα)
die unterschiede im bedeutungsumfang machen sich namentlich in den collectivbildungen geltend, die aus korn
ein substantiv entwickeln, das als sammelwort dem getreide
zur seite tritt. gekörne
wird schon von Krünitz 18, 19
als hessische nebenform dem oberschwäbischen drait,
bairischen traid
an die stelle gesetzt. aus der mundart von Zips belegt Schröer 54
a gekurn.
schwieriger sind die mundartlichen formen zu erkennen, in denen abfall des präfixes eingetreten ist. sie treten schon in der althochdeutschen periode auf (
vgl. theil 5, 1813)
und werden noch heute aus Schweizer mundarten belegt, vgl chiren
als sammelwort für weizen
und gerste
im Schweizer idioticon 3, 469.
es liegt also in vielen beispielen, in denen getreide
für korn
gleichwerthig eintritt, solche collectiventwicklung des letzteren vor. übrigens hat dieses auch andere gebrauchsformen entwickelt, in denen es dem getreide
nahe kam, so z. b. den fall, dasz die einzelne unterart —
als meist verwendete —
gerne für die ganze gattung gesetzt wird, species pro genere. hierher gehört z. b.: das sie getreide aufschütten in Pharaos kornheuser. Luther
1 Mos. 41, 35 (
vgl.kornhaus,
kornkauf unter getreidehaus, getreidekauf). II@2@b@a@11))
das getreide
wird dem korn
als allgemeiner begriff übergeordnet: und was doch sicher in rechter warhait so vil korens von allerlai getraid hie in der stat und alles ander ding, wes man bedorft.
Augsb. chr. des B. Zink
d. städte-chr. 5, 256; korn und ander traid ward genueg und guet.
ebendort 326;
vgl. auch Freiberger stadtr. cap. 42 § 11
oben sp. 4460; es gebieten unnser herren vom rath, das kein peck oder beckin noch nymands von iren wegen mer weytzes, korn oder annders getraids fürkauffen sol.
Nürnberger polizeiordnungen 215 Baader; welcher beck oder beckin aber das überfür und darum gerügt wurde, der soll von einem iclichen sumerein, welcherley getraid das were, domit er dits geboth überfaren hette, gemeiner stat zu puess geben ein pfund newer haller.
ebendort 215; nachdem layder das getraid alles korns aus grosser unordnung und sonderlich aus vil der kornfürkäufer in hochem kauf und werd gewesen ... demnach gepieten meine gunstigen herren burgermaister und rath der stat Überlingen und wellen das ... auch alle die jhenigen, so den markt des getraids alhie zu Überlingen mit kaufen und verkaufen besuchen werden, solch nachgeschriben artickel vest und stett halten.
ordnung von 1534.
zeitschr. gesch. Oberrheins 19, 406; allerley getreyde, korn, weitzen, rocken, habern
etc. Luther
über das erste buch Mose (1527) G 3
b; getraide, jährliche früchte an korn und anderen dinge, darvon man lebt, proviant,
cibaria, res frumentaria, annona, frumentum, quod ad annum reponitur, commeatus Henisch 1586;
frumentum, allerley korngetreid. Calepinus (1570) 613; vnd wenn vil würme im korn oder andern getreide sein, so spreng vmb den boden mit wasser. Coler
hausbuch (7.
cap. 44) 245
a (1616); rocken oder korn ist das gemeinste getreidicht in diesen landen, vnd hier wird in der Chur Brandenburg nur vber winter geseet.
ebenda 262 (8.
cap. 3). II@2@b@a@22))
wo die bestimmte gattung des getreides gemeint ist, tritt auch im verwendungsgebiete unseres substantivs das synonyme korn
ein, vgl. theil 5, 1816.
beispiele bieten namentlich die bairischen rechtsaufzeichnungen. vgl. stadtrecht von München 412
Auer u. a. II@2@b@bβ)
die gleichstellung beider substantiva knüpft, wie oben dargelegt, an die collectivbedeutung an, die sich auch am einfachen korn
für bestimmte zeiten und landschaften nachweisen läszt, vgl. theil 5, 1816.
diese ist in der schriftsprache heute nicht mehr üblich. den satz aus Ruprechts
rechtsbuch: swer chorn oder gras sneidet (§ 107)
führt schon Westenrieder (
beiträge 7, 211)
im register unter getreide
oder gras
auf. die gleichstellung der beiden worte prägt sich entweder in einer verbindung der synonyma aus oder in einer wechselweisen vertretung. II@2@b@b@11))
der erste fall zeigt je nachdem asyndetische oder syndetische form: II@2@b@b@1@aα))
die asyndetische form dient der begriffsumschreibung und erscheint vorwiegend in wörterbüchern: fruges, koren, getrede,
alphabetisches wörterbuch von 1421 Diefenbach
nov. gloss. 183
b; getreid, korn,
frumentum Frisius (
ausgabe von 1700) 112;
frumentum .. korn, getraide Blancard
lexic. medicum (1777) 544. II@2@b@b@1@bβ))
die syndetische form wird unter anderem begünstigt durch den verwaltungsstil, die kanzleisprache, die ja die doppelformen besonders liebt: die taub isst neur korn und getraid. K. v. Megenberg
buch der natur 180, 4; rait er zu besehen der stat zeug, auch korn und traid.
d. städtechron. 11, 464; kein zehenden von treit ode kurn.
Schweizer urk. von 1526
bei Staub
und Tobler 3, 469.
dazu vgl. die belege aus den Straszburger polizeiordn. oben sp. 4461.
im vordergrund stehen die kanzleien, in denen ein mundartlicher austausch beider formen stattfindet, so in Augsburg an der bair.-schwäb. grenze und in norddeutschen hafenstädten, wo niederdeutsche und mitteldeutsche einflüsse sich kreuzen: ain rat ... hat erkant, das die burger wie die gest ir korn und getraid in die schrann zu Augspurg zu verkaufen wol füeren ... mö
gen. Augsburger rathsdecret über den kornkauf von 1517
und so noch öfters; alles und jedes korn und getreidig, so hinfüro in dieser stadt verkaufft und geliefert werden möchte.
Hamburger kornordnung von 1609
in Schmollers
forschungen 8, 5, 131.
auch Luther
giebt für diese doppelform beispiele ab: korn odder getreide.
der prophet Sacharja (1528) R 4
a; allerley korn und getraidig.
briefe 4, 8
de Wette. II@2@b@b@22))
der zweite fall steht entweder im dienste stilistischer rücksichten oder mundartlicher gewohnheiten. II@2@b@b@2@aα))
schon bei Nicol. v. Jeroschin
wechseln die beiden formen getreide, korn
je nach den bedürfnissen des reimes oder versmaaszes. in 19114
stellt er inmitten des verses getreide unde gebuide
für feldfrüchte
und fruchtscheuern
zusammen, in 23 168
dagegen: beide gebuide unde korn daʒ vraʒ gar des vûris zorn. II@2@b@b@2@bβ)) getreid,
vide korn Schönsleder (1663),
auch Schedel
im waaren-lexicon (
Weiszenburg in Franken 1789) 1, 398
verweist unter getreide
noch auf korn.
im teutsch-englischen wörterbuch von 1716
ist namentlich unter den zusammensetzungen auffallend, wie spärlich getreide
als compositionselement auftritt (2
mal)
gegenüber von korn.
unter den neueren stilisten verräth sich Bismarck
auch darin als angehöriger des nordens, dasz er getreide
nur gelegentlich und im stetigen rückstand gegenüber dem heimischen korn
verwendet: ich glaube deshalb, dasz, wenn der preis des getreides durch diesen auszerordentlich niedrigen zoll auf korn, der unter 5 procent des werthes bleibt, nicht afficirt wird. Bismarck
reden (
reichstag 21.
mai 1879) 8, 73; dasz der verbrauch von korn für andere verwendung, also beispielsweise für bier, branntwein, zugenommen hätte, dasz weniger getreide im inlande gebaut sei wegen des rüben- und kartoffelbaus. 8, 89. II@2@b@gγ)
unterschiede im bedeutungsinhalt gehen von einer bestimmten bedeutung von korn
aus, die sich namentlich im plural körner
ausprägt. getreide
stellt in diesem zusammenhange das ganze der pflanze dar im gegensatz zu dem einen bestimmten theil verkörpernden concurrenzwort. vgl. das korn des getreides
ob. sp. 4460
aus Beheims
evangelienbuch; dasz sein akker ihm mehr scharffe dörner als getreidig körner hervorbringen. Butschky
hohe kanzelley 688; getraide, wachsend korn.
dictionarium grammaticale (18.
jh.); unterdessen wird man finden, dasz die landwirthe, welche am meisten mit getreide und korn umgehen, noch diesen unterschied machen. sie brauchen nämlich das wort korn auch von demjenigen, was gesäet wird, aber das wort getreide nicht. man sagt saatkorn, aber nicht saatgetraide. Stosch
versuch in richtiger bestimmung einiger gleichbed. wörter 2 (1777), 141.
auch dieser unterschied ist durch die ausbreitung des wortes saatgetreide (
s. u.)
verwischt. II@33)
umfang und inhalt der bedeutung von getreide. II@3@aa)
der umfang der bedeutung erweist sich verschieden, je nach dem zusammenhange, in dem das substantiv auftritt. es sind engere und weitere begriffe, mit denen getreide
zu einer gruppe zusammentritt, und je nachdem erweitert oder verengert sich der umfang seiner bedeulung. II@3@a@aα) ausz gold, getraid vnd wein, mag ohn sünd kein wucher sein. Henisch 1587
aus Petri; ich und meine brüder und meine knaben, haben inen auch geld gethan, und getreide, den wucher aber haben wir nachgelassen. so gebt jnen nur heuts tages wider jre ecker, weinberge, ölegarten, und heuser, und den hundertesten am gelde, am getreide, am most, und am öle, das jr an jnen gewuchert habt. Luther
Nehemia 5, 10; dasz etliche getreyd, pferd, tücher, und dergleichen wahr an ein geld kauffweisz anschlagen, und vil höher dann solche wahr immer mag werth seyn, und dardurch ein merklichen grossen wucher, als männiglich wissend, zu wegen bringen.
kaiserl. majestät ordnung und reformation guter polizey. Augsburg 1530
reichsabschiede 2, 341. II@3@a@bβ) auch in gepirgen verr und nahen ist vogel und wiltpret zw fahen. auch in den delern wun und waid. aus Payren pringt man vil getraid, auch prot und flaisch, das ich dirs küerz allerley specerey und wüerz fint man in rechtem kauff. H. Sachs
lobspruch der stat Salzburg 22, 485
Keller-Götze; das gantze land (
Baiern) in der gemein ist fast fruchtbar, reich an saltz, getreid, vihe, vischen, holtz, weyd, wilpret und kurtz alles was zu der schnabelweyd dienet, ist allda ubrigs gnug. Aventin
chronik Frankfurter ausgabe (1566) 12
a (
in der älteren fassung treid
vgl. werke IV
1 41); und das ist die erst sprach. und umb das alles geben sie in die vogtei getrait, hüener air und pfenning mit aller gerechtigkeit als die von Neinkirchen haben.
weisthum von Gloggnitz (16.
jahrh.)
österr. weisth. 7, 301; wer nicht wein oder bier hat, die fasz zu füllen, der wird sie mit getreydt, saltz, fleisch, kraut, kompost und ruben einfüllen. Fischart
aller practick groszmutter (1623) B; allein der herr setzt oder legt ihm järlich ein aigen tribut oder schatzung auf, wi viel er ihm getraids, wi viel schaf, wi viel klaider er ihm geben sol. Micyllus
Tacitus (
Germania 25) 1301. II@3@a@gγ) an getreide, mehlkorn, malz, branntwein und futterschrot wurden in Stettin verbraucht. Th. Schmidt
geschichte des handels und der schifffahrt Stettins 7; das productengeschäft in getreide, spiritus und öl gewann in diesem abschnitte eine erhöhte bedeutung. 84; die groszen artikel: getreide, zucker, spiritus und baumwolle erreichten einen so tiefen preisstand wie nie zuvor.
handelskammer in Hamburg, bericht für 1894; die börse zu Berlin hat zum zwecke die erleichterung des betriebes von handelsgeschäften in .. getreide und mehl, braumalz, stärke, zucker, saat, rüböl, petroleum, spiritus, holz und anderen producten und waaren (productenbörse).
revidirte börsenordnung für Berlin (1885).
zeitschrift für handelsrecht 31, 283. II@3@a@dδ) als ob, je höher die getreidepreise wären, man mit um so gröszeren geldopfern brod und getreide bezahlen musz. E. Richter
deutscher reichstag 17.
januar 1896. II@3@a@eε) wer ainem grast oder grasen läst in aines antern wüsen, rain oder getrait, den mag man darumben pfenten.
österr. weisth. (
Rohr-Schwarzau) 7, 343; gras oder getreid.
anmerkungen über den '
getreidbau'
Salzburg 1890
s. 13; erstlich was Schwayghofen nun der burger fich haus vnd draydtstadel das sy da ir fieh, trayd, hew, vnd strow hetten. Sebastian Fischer
chronik von Ulm 216
Veesenmeyer; habern und traidt
österr. weisth. 6, 255; hew oder traidt 7, 403. 235; getreide und stroh.
anmerkungen über den '
getreidbau' 43; brennendes getreide und stroh aus den ställen und speichern, von der macht der gluth emporgejagt, sank auf allen seiten, wie ein sternenregen aus der höhe. Zschokke (
freihof von Aarau)
novell. und dicht. 5, 146; alle die so fueter und schwäres getrait hingeben oder verkauffen.
weisthum von Stockerau 1590,
österr. weisth. 8, 447. II@3@bb)
ebenso wie sich der umfang des substantivs je nach dem zusammenhang, in dem das wort erscheint, mannigfaltig abgrenzt, so entwickelt sich auch der bedeutungsinhalt bald reicher, bald knapper in den aufzählungen, die das substantiv als erläuterung und erklärung begleiten. II@3@b@aα) nemlichen das hynan fürter niemand deheinerley getreyde, als weissen, rocken, habern, gerste, erbissen, bonen, lynsen, zwybelsot, senf, magesot, hanfsot, nusse und anders desglichen fürkoufen solt, alldiewile das noch in dem velde stät und noch nit in huse oder schüren gefürt ist.
Straszburger polizeiverordnungen Brucker
s. 588 (16.
jahrh.). II@3@b@bβ) allerley getreyde, korn, weitzen, rocken, gersten, habern, hirsen, reiss
etc. Luther
über das erste buch Mose (1527) G 3
b; alle gewächse, welche zur familie der gräser gehören, deren saamen, wenn er reif, hart und rein ist, zu mehl gemahlen, und auf beliebige art von menschen als ein gesunde und nahrhafte speise genossen wird, werden zum getreide gerechnet. Dietrich
naturhistorisch ökonom. technolog. handwb. (
Ulm 1816) 591; in dem weiteren umfange der bedeutung, der aber nicht der gewöhnliche ist, werden oft alle hülsenfrüchte, bohnen, erbsen
etc. mit unter dem nahmen des getraides begriffen. Krünitz 18, 20. II@3@b@gγ)
die gebräuchlichste theilung des bedeutungsinhaltes findet sich bei Henisch
durchgeführt; er unterscheidet (1586)
far in genere: dasz uff dem halm wächszt,
frumentum, und far in specie: dinckelkorn, kern.
der allgemeinere begriff, in dem alle auf dem halm wachsenden arten vereinigt sind, wird hier dem engeren begriff gegenübergestellt, in dem die brodfrucht als hauptnahrungsmittel des menschen im besonderen hervortritt. dem entsprechen auch die meisten beispiele aus älterer und neuerer zeit. II@3@b@g@11))
die ordnung des getraids
des Nürnberger rathes im kriege gegen Albrecht von Brandenburg befaszt sich mit habern, korn
und waitz.
d. städtechron. 2, 302; so lang der reichstag hat gewert, ist das traid in disem kauff gewesen: haber 21 grosch, gersten 20 groschen
etc. d. städtechron. 23, 81; so viel ich aber von einem dolmetscher habe vernomen, haben sie für einen gewaltigen zug und streit wider weizen, gersten, hafern, malz und allerley korn und getreidig, und wird mancher ritter hie werden, und grosse thaten thun. Luther
briefe (28.
april 1530) 4, 8
de Wette; getraidig,
idem quod getraid ...
est triticum, hordeum, olytra, spelta, vicia, avena. Henisch 1586;
moribus tamen nostris distinguitur getreydig ein hart oder weiches. hart getreidig
continet triticum, siliginem, hordeum et ciceres, als rocken, weitzen, gersten, gemanck
und weich korn vnd getreydig
comprehendit avenam habern. P.
M. Wehner
practic. juris observat. 224; die bier werden, nach gelegenheit des landes, aus unterschiedenen getraidern gebräuet, aus waitzen, gersten, habern, dünckel, jedem besonders, aber auch wol bisweilen gemischt. Hohberg (7.
cap. 93) 2, 108
a; wer habern oder ander getraid fürkauft und den wider verfüettert, der sol daran nit mehr gewinnen, dann was er uber 10 ₰. kauft dran soll er nur 1 ₰. gewinnen.
weisth. von Gars 15.
jahrh. österr. weisth. 8, 755.
in der gaunersprache tritt ebenfalls der haber
im bedeutungsgehalte des getreides
hervor, vgl. Chochemer - Loschen s. 182
mit s. 119.
anders getrendelte, gerölte getraid
vulgo gerstenmusz. Henisch 1587. II@3@b@g@22)) auch neben der seelen speisz, hat er uns nicht allein mit leiblicher speisz zu dem allerbesten versorget, als mit weytzen, speltz, rockenkorn, und allerhand köstlichem getreyd, also, dasz wir an gutem herrlichen brot keinen mangel haben. Tabernaemontanus
wasserschatz vorrede 5
b; das getreyd, korn und weytzen würd dem armen am kauff alzeit zuo theur und dem reichen zuo wolfeil sein. Fischart
aller praktik groszmutter, neudruck 23; zihet hinab, und keuffet uns getreid, das wir leben und nicht sterben. Luther
1 Mos. 42, 2; dieweyl sovil armer under uns sein, die dess notturftig sein, so ist das durch uns allsampt beschlossen, das man das traid alles tailen soll, und ain yeder das sein zu im nemen, und welicher es nit bedarf, der geb es ainem, der sein notturftig ist.
beschlusz der kürschner bei Baumann
quellen zur geschichte des bauernkriegs in Rotenburg a. d. Tauber 343
u. a.; des getraids halben, so liegt in baiden comentureyen des deutschen ordens und zun Hennsern, auch Barfusser und frawencloster und ander gaistlicher ort, so ausserhalb etlich brobsteyen und chorherren, so hie in Rotenburg ligen haben.
ebenda beschlusz der büttner und schreiner; unser gesammter brot- und kornconsum besteht aber doch nicht blosz aus den zwischen 16 und 30 millionen variirenden einführungen von getreide, sondern im sehr viel gröszeren theil aus dem bei uns gebauten getreide, und unsere gesammte getreideproduction beträgt im durchschnitt jährlich zwischen 160 und 220 millionen centner an brotgetreide, wobei ich blosz weizen und roggen rechne und von gerstenbrod und dergleichen surrogaten, von kartoffeln, gänzlich absche. Bismarck (14.
juni 1882
reichstag)
reden 9, 378. II@44)
der geltungsbereich des substantivs ist verhältnismäszig beschränkt. wie das wort landschaftlich eingeengt ist, so findet es auch in der volksthümlichen färbung der sprache keine stätte; ebenso ist es der gehobenen sprache der dichtung fremd; das eigentliche gebiet bildet die rechts- und verwaltungssprache, der geschäftsmäszige stil der schriftsprache. II@4@aa)
die getreidepolitik der fürsten und städte führt das wort schon im 15.
jahrh. vielfach im munde, sie richtet sich gegen die vertheuerung des getreides, und zwar die ganze zeit hindurch bis in unser jahrhundert; erst in diesem wird auch gegen die verbilligung des getreides angekämpft; vgl. auch unter getreidehandel
und getreidehandelspolitik. II@4@a@aα)
getreidetaxen: wer auch darüber getreid aus unserm lande gäbe oder höher im lande, dann eben begriffen ist, verkauft, der oder dieselben seyen uns zu pön verfallen.
herzog Heinrichs landgebot 1437 Krenner 4, 93.
ebenso die Nürnberger ordnung zum getreyde
von 1449
d. städtechronik. 2, 302
anm. 4
u. a.; wer da kauft oder verkauft getraid, er sei gesessen oder ain gast, der sol den metzen nemben bei dem richter.
österr. weisth. 8, 755 (
Gars 15.
jahrh.). II@4@a@bβ)
indirecte masznahmen: es haben dy herren von Paiern in irem land ein ordnung im piersieden fürgenomen, nämblich von Georgii pisz auff Michaelis ein masz umb 1 w. (
weisze Regensburger pfennige) und von Michaelis pisz auff Georgii umb 1 haller bey groszer straff, wolten den traid wolfeil damit machen. es geschach auch, das vil gersten gepachen, so sonst gesoten wer worden. Widmanns
chronik von Regensburg (1529)
d. städtechron. 15, 99; item lasz auch öffentlich berufen, dasz niemand solchen getreid, er sey heueriger oder fertiger (
ferndiger) erhalte (
zurückhalte) in keine weise, sondern in obgeschriebener maasz den verkaufe, ausgenommen so viel er dessen in seinem selbstigen hause bedärfend ist.
landgebot herzog Heinrichs von 1437
bei Krenner 4, 95; item lasz auch beruffen öffentlich, wer in obgeschriebener maasz den getreid nicht verkaufet, und unserm gebot nicht nachgieng, wo wir dann solchen getreid erführen, der verhalten würde, es sey bey priestern, edelleuten, burgern, oder bauermann, dasz wir dann diesen zu unsern handen nehmen wollen, ohne aller gnade.
ebenda. II@4@a@gγ)
ausfuhrverbote und sonstige verkaufsbeschränkungen; sie richten sich gegen den fürkauf des getreides
in den Nürnb. polizeiordn.: gebieten ernstlich, das hinfüro nymantz eynich getraid, das man here zu marckt bringet .. fürkauffen soll .. er wolte dann das selbs verarbeyten oder verpachen. Baader 214
u. a.; es sol auch nyemand durch sich selbs, seinen gewalt oder sunst yemand von seinen wegen eynichem getraid, das man her zu marckt zu bringen vermeint, für die thor unnd in der meil nit entgegen geen .. sunder man soll solich getraid frey on alle vorwort herein in die stat auff der vier märck einen .. kommen lassen. Baader 215; dasz sie in ihren landen und gebiethen dem erbfeind keine zum krieg diensame sachen abfolgen lassen, ihro kayserl. majestät aber die verordnung thun wolten, damit das getreyd nicht auszer dem reich verführt, die fremde heim- und öffentliche werbungen verboten.
reichsabschiede 4, 6 (
reichsschlusz vom 7.
febr. 1664); alle theile dieser allerhöchst-kayserlichen verordnung zielen auf den nemlichen, sogar den mindesten reichs-unterthanen ersprieszlichen endzweck, womit nemlich einerseits aller noth und abgang vorgebeuget werden, andererseits aber das getraid, oder aller gattung früchte wiederum in ainem annemlichen preis .. zu haben seyn möge. Justi
memoiren III
anhang (
einl. 10); nachdem der fürkauff des getrayds unter allen ungöttlichen wuchern der allerärgst .. so ordnen wir vnd wollen, dasz ein jeder unserer unterthanen unserer grafschafft Hennenberg inner lands so viel getrayds, so viel er des ungefährlichen zu seiner gebührlichen haushaltung nothdurfft, und nicht mehr kaufen mag, aber auszerhalb landen soll er getrayd kauffen, in unser herrschaft führen, und wieder verkauffen, so viel ihm müglich.
Hennenberg. landesordnung (1539
resp. 1720)
s. 202
vgl. auch Arnstädter stadtrecht unter getreidig. II@4@a@dδ)
bestrebungen für hebung der getreidepreise (
s. dort)
zum schutze des getreidebaues (
s. dort): nächst dem landmann, als dem producenten der früchte, verlieren aber die handwerker, kaufleute und fabrikanten in den städten .. wenn das getraide einen zu geringen preisz hat.
über den freyen getraidehandel (
Leipzig 1804) 36; bei dem freien verkehr mit den vereinslanden, der künftig ein anderer, als der bisherige vielfach gehemmte sein wird, sind zwei hauptbedenklichkeiten aufgeworfen worden, die erleichterte fruchteinfuhr aus Würtemberg, die zollfreie weineinfuhr aus Rheinbaiern ... angenommen ein wohlfeilerer preis der früchte würde auf die beschränkung unseres fruchtbaues wirken, so kann ich darin durchaus kein unglück sehen, sondern vielmehr einen vortheil ... die beschränkung des fruchtbaues wird davon eine natürliche folge seyn und auch das getreide auf einem den anbau lohnenden preis erhalten. v. Böckh
über den deutschen zollverein II badische kammer 30.
juni 1835; wir sind heut im ganzen in der lage in der welt, dasz viel mehr getreide gebaut werden kann, als verbraucht wird, dasz schon jetzt das angebot im ganzen gröszer ist als der verzehr. Bismarck
reden (
reichstag 21.
mai 1879) 8, 68; ich glaube, dasz wir auf diese weise unter einer überführung mit getreide leiden. 83; ich habe mich ausgesprochen .. um ihm nachzuweisen, dasz ich unter umständen eine höhere verzollung der landwirthschaftlichen producte gewünscht hätte — in bezug auf das getreide nicht viel höher, denn der zoll für getreide, namentlich für die
getreidegattung, die am meisten als nahrungsmittel dient, für den roggen, soll meiner meinung nach kein schutzzoll, sondern ein finanzzoll sein. 35. II@4@bb)
privatrechtliche und allgemein ökonomische litteratur. II@4@b@aα)
hierher gehören die meisten der unter II, 1.
a angeführten beispiele aus den weisthümern; ebenso: übrigens seint solchesz die unterthan schultig zu führen oder zu sämen und diszes umb so vill mehr, weilen ihnen anjetzo vüll voranfuhren auszbleiben; dan vor jahren gienge vill weniger gedrait auf im schlosz alsz anjetzo, wurde also der überschusz in das stüft hinausz geführt.
österr. weisth. 6, 99 (
Festenburg 1738); bei abrichtung des diensttraids sollen die underthanen nicht mit fleisz das schlechtere der herrschaft reichen, sondern gerecht, gleich doch, wie sie ihr anders gedrait selbsten haben und auszstauben.
ebenda u. a. vgl. auch dienstgetreide
sp. 4472. II@4@b@bβ)
die polemik gegen die getreidewucherer
ist schon in der bibel vorgebildet: der do verbirget daz getreyd, der wirt verfluchet vnder den völckern. aber der segen wirt auff das haubt des verkauffenden.
sprüche Salomonis 11
in der vorlutherischen bibel bei Koburger; eine grosse vnbarmherzigkeit ists, wann einer den traidt zur zeit der thewrung verhelt, verschlegt vnnd ausz lauter geitz eine gantze gemaind begeret zu pressen vnnd auszuhungern. Aeg. Albertinus
Gusman von Alfarche (
München 1615)
s. 258. II@4@b@gγ)
zahlreiche verwendung findet das substantiv in den öconomischen handbüchern, die am ende des 16.
jahrh. auftauchen: man musz auch bald im anfang fleiszig nachforschen, wie viel ein mandel oder ein schock garben getreides geben. Coler
hausbuch (8,
cap. 3) 263
a (1616); jedoch musz auch gut vnd gering korn durch einander gedroschen werden, denn sonst gibt gut getreide mehr, dann das geringe.
ebendort; wenn einer dieses also in acht hat, so kan er anfenglich leichtlich finden, wie reich er dasselbige jahr an getreide sein kann.
ebendort; von rechtswegen soll das getreyde, das man verbrauen will, über ein jahr nicht alt seyn, dann würde man vierdiges und heuriges untereinander nehmen, so würde es ungleich weichen und wachsen und viel zurücke bleiben, also kein gut maltz werden. Hohberg (7.
cap. 71) 2, 93
b u. a.; wenn das geträyde oft zu wenden sey? in der kornblüthe musz man das geträyde fleissig und offt wenden, damit es um diese zeit nichts verderbe, und schadhafft werde. Becher
hauszvater 54
u. a. nach anderer richtung weist die schrift von Wolf entdeckung der wahren ursache von der wunderbaren vermehrung des getreids 1718.
sie steht im zusammenhang mit ähnlichen bestrebungen jener zeit, die getreideproduction auf künstlichem wege zu steigern. II@4@cc)
in sprüchwörtern weisen die wenigen belege für unser substantiv auf die oben gekennzeichneten landschaftlichen verhältnisse zurück: solche grosse, in der christenheit, vntreuw, zwytracht und widerspennigkeit kompt ausz mutwillen des bapsts, voraus Jacobs von Baburck, die sich der sachen, jn nicht gebürend, vnderstehen, vnnd mit ihrer sichel (als das gemeine sprichwort in den geistlichen rechten lautet) anderen leuten jr getreyde wider alle billigkeit abschneiden.
urtheil Ludwigs des Baiern über den pabst Johannes bei Aventin
chronik (
buch 8)
ausgabe von Frankfurt 1566,
s. 493
a (traid
in der älteren fassung vgl. werke 5, 473); hast du mir das getreide ersäuft, sagte der bauer, so hast du mir doch nicht die thaler ersäuft. Luther
tischreden 253
c vgl. Wander 1, 1640; wenn man das getreide wirft, verliert es die spreu.
parömiakon 2269. Wander 1, 1641; getreide säubert man mit dem winde, die laster mit dem henker. Winkler
zwei tausend gute gedanken (
Görlitz 1685) 15, 60. II@4@dd)
auch in der prosa der schriftsteller überwiegt für den gebrauch des substantivs je nachdem der mundartliche einflusz oder der geschäftsstil der sprache. II@4@d@aα)
in die erste reihe gehört Luther,
bei dem das wort auch an stellen auftritt, wo die sentenz zum vorschein kommt, oder volksthümliche anschauung durchbricht: dan Christus sagt Mathei 6 (6, 25
jedoch andere fassung) ir solt nicht sorgkfeltigk sein, was ir essen adder trincken wolt, antzihen, wur mit ir euch becleidigen mochtet. sehet an die vogel des hymmels, die wedder seen adder einernen, sie sammeln auch kein getreid in die scheuren und ewer hymmelscher vater neret sye.
auslegung des vaterunsers 1518
werke 9, 141
Weimar; wie Haggäus sagt: ihr samblet viel, aber ich mache den beutel löcherig, und blase ins getreydig, dasz ihr doch nichts behaltet (1542). 5, 437
Jena. ebenso in zahlreichen stellen der tischreden, vgl. auch oben sp. 8
und 9.
auch G. Freytag
zeigt eine vorliebe für unser wort, die sichtbar auf mundartlicher grundlage beruht: so kamen sie alle, jeder in seiner weise; manche, die kein geld hatten, boten getreide.
aus einer kleinen stadt (1880) 277
u. a. II@4@d@bβ) es wird desz getreyds so vil werden, dasz mans mit sestern, mütten, sümmern, schaffen, schäflein, maltern vnd viertheln wird auszmessen. Fischart
aller practich groszmutter (1623) B
b; Germanicus kam mit einem mächtigen heere in Pannonien, denn der kayser hatte nicht nur freygebohrne darzu geworben, sondern auch bey damahliger theurung viel tausend frey-gelassene um getreyde zu kriegs-diensten erhandelt. Lohenstein
Arminius und Thusnelda (I, 4) 1, 491 (1689); aber bald wird die gegend im gebirge rauher. wir sahen dünneres getreide, mehrentheils noch nicht in ihren geschossen. Stolberg
reise in Deutschland etc. 79.
brief; wir zogen weiter und fanden das land zuletzt wie im Saarbrückischen zwischen wilden und rauhen bergen wenig dörfer; man verlernte hier sich nach getreide umzusehen. Göthe (
dichtung und wahrheit) 25, 330; seht doch, wie schön das getraide steht! die bäume brechen fast unter ihrem segen — der weinstock voll hoffnung. Schiller (
räuber 3, 2) 2, 115; durch herrliche felder, die eben jetzt mit glänzend grünem mais und hanf bedeckt sind, nach Aversa. ein fortgesetzter garten bis Capua. das getreide liegt bereits geschnitten auf dem felde. Grillparzer (
tagebuch auf der reise nach Italien) 19
5, 238. II@4@ee)
in der gehobenen sprache der poesie tritt das substantiv nur selten und dann vorwiegend im daktylischen versmaasze auf; meist wirkt es störend, indem es die anschaulichkeit aufhebt: so bewegte vor Hermann die liebliche bildung des mädchens sanft sich vorbei, und schien dem pfad ins getreide zu folgen. Göthe (
Hermann und Dorothea) 40, 305; hieran sah ich ein langes gewühl ameisen hinaufgehn, tragend im winzigen munde die mächtige last des getreides Voss
Ovid (
Myrmidonen) 2, 42 (1798); 'sprich, wie geht es daheim, ist alles noch flink und in ordnung? steht das getraide hoch, und sind die pflaumen gerathen?' 'wohl ist alles noch flink und in ordnung', entgegnete Rudolph, 'das getraide steht hoch und die pflaumen sind herrlich gerathen'. Th. Körner
die verlobung, 1.
gesang; solche düfte sind mein leben, die verscheuchen all mein leid, blühen auf dem berg die reben blüht im thale das getreid. Uhland
gedichte '
wein und brot'; feldwinde schlingt sich um getreide in holdem leben. doch, o noth, die sichel rafft zu boden beide in lieblichem zusammentod. K. Mayer
gedichte2 226 '
feldschrecken'. II@4@ff)
in metaphorischer umbildung fügt sich das substantiv auch der poetischen stilform der sprache: 'o drehe den ring Salomonis, dasz sein getreide sich mehre. — horch! das lied des schnitters nahet, schon fallen die ähren über den getreidekasten nieder, geschwind, beginne den kranz zu flechten!' da sah ich hinüber und sah die sense des schnitters durch die halmen greifen und sie sanken üher einen kasten nieder, gerade so grosz wie das büblein; es war gemacht von fünf brettern und zwei brettchen, und stand über einer grube vor einem feldkreuz. Brentano (
blätter aus dem tagebuch der ahnfrau) 4, 153. IIIIII.
die gebrauchsformen von getreide
im engeren sinne. III@11)
das abstracte in der bedeutung des substantivs bringt es mit sich, dasz der pluralgebrauch fast ausgeschlossen ist. im mundartlichen gebrauch begegnen ansätze zur pluralbildung, die neuere schriftsprache bedient sich dafür der zusammensetzung getreidearten (
s. d.)
vgl. auch oben sp. 10: die bier werden, nach gelegenheit des landes aus unterschiedenen getraydern gebräuet. Hohberg 2, 108
a.
plural liegt auch vielleicht vor in: die halbreifen körner erzeugen die brandähren in den weitzen, und bringen auch unter dem andern getreiden keine vollkommene früchte (den
und dem
scheinen vertauscht).
anmerk. über den getreidebau (
Salzburg 1790)
s. 41;
sicher ist der plural in: sei es, dasz unsere eigenen märkte oder die benachbarten Schweizer märkte mit den Würtembergischen getreiden überführt werden. Nebenius 2.
badische kammer 30.
juni 1835. III@22)
im vordergrund aller gebrauchsformen steht der absolute gebrauch. III@2@aa)
sehr beliebt ist die einführung ohne artikel. III@2@a@aα)
bei maasz- und verhältnisbestimmungen: ich musz hie auch mit wenig worten etlicher Hebreer masz erwehnen. Corus ist bey jnen ein malter getreid, vngeferlich zehen Leiptziger scheffel. das wort 'Car' ist noch im Egerland breuchlich von einem treidmasz. Mathesius
Sarepta 155
a; einen scheffel getreide. Bismarck
reden 8, 133; tausend lasten getraide. Reimarus
freie ausfuhr 25; fuhren getreide.
über den freyen getreidehandel (
Leipzig 1804) 91; von dem beym anbaue jeder besonderen gattung getreides ausfallenden nutzen.
anmerk. über den getreidbau (
Salzburg 1790)
s. 42. III@2@a@bβ) er (
gott) kan auch vbernatürlicher weise wolfeile zeiten geben, vnd getreid vom himel regnen .. lassen. Mathesius
Sarepta 155
a; aber sie haben ja einen guten hafen in Riga, und es geht auch getreide von dort nach Lübeck, um hier gemischt zu werden. Bismarck
reden (21.
mai 1879) 8, 75; wenn wir getreide zuerst in's auge fassen. Th. Schmidt
zur geschichte des handels und der schifffahrt Stettins 84. III@2@a@gγ)
bei präpositionalverbindungen, die hauptsächlich der neueren litteratur entstammen: gezwang umb getreide
difficultas annonae Henisch 1586; die einfuhr von getreide. Bismarck
reden 8, 84; bald ward aller handel mit getreide nur wenigen personen ausdrücklich erlaubt. Reimarus
aus- und einfuhr des getraides (1771) 29; transithandel mit getreide. Bismarck
reden 8, 132; terminhandel mit getreide v. Berlepsch
deutscher reichst. 9.
jan. 1896; speculiert eine firma in getreide.
ebendort; nachfrage nach getreide
u. ä. III@2@bb)
einführung mit dem bestimmten artikel: den abkäuffern das getraid darmessen. Henisch 1586; hie redet er auch von theurer zeit, darinn das getreide vmb den achten theil auffschlagen werde. Mathesius
Sarepta 155
a; kaum das geträgde nun einkömmet, soll man in dem pansen nicht alles genau an die wand legen, auf dasz die nässe und der dampf über sich verrauchen mö
gen. Becher
hausvater (1754) 54; dasz nach gesperrter ausfuhr in die Schweiz nichts desto weniger das getraide schier noch um die helfte im preis gestiegen ist. Justi
memoiren III.
anhang 32; eine andere kunst, das getrayd zu vermehren, hab ich vom herrn Johann Ehrenreich Geymann freyherrn, bekommen .. man nimmt eine art vom getrayd, was man will
u. s. w. Hohberg (7.
cap. 22) 2, 39
b; denn auf den canälen, zu wasser, kommt das getreide lange nicht in dem masze wie auf den eisenbahnen, und da ist es namentlich der winter, wo alle frachten billiger sind, und wo man in Ruszland das getreide gedroschen hat, da wird das getreide verfahren, und ich bin überzeugt, dasz zwischen januar und april die gröszten vorräthe herankommen. Bismarck
reden 8, 70. III@33)
dem relativen gebrauche dienen wesentlich die possessiven pronomina, entsprechende adjective gehören jüngerer entwicklung an (
vergleiche sp. 4471): welcher in der fexungszeit bei tag oder nächtlicher weil einem antern sein trait von dem acker trueg.
österreichische weisthümer 7, 343
u. a., vgl. das sprichwort bei Aventin
oben sp. 4468
u. a; dem nächsten landmann seinen kornvorrath zu rauben, oder diesen so zu ängstigen, dasz er ihm sein getreide gern zu beliebigen bedingungen überlassen müszte. Reimarus
aus- und einfuhr des getreides (1771) 6; den innländischen provinzen würde es aber theuer zu stehen kommen, wenn sie den häven ihr getraide zukommen lassen, und nachmals von dort her sich wieder versorgen sollten.
ebendort 21; wenn der landmann sein so mühsam erworbenes getraide .. auf eine sichere .. aber auch belohnende art an mann bringen zu können weisz.
über freyen getraidehandel (
Leipzig 1804)
s. 38; der groszhändler, der sein getreide, seinen kaffee kauft, ist wohl potent genug, das risiko zu tragen, bis das getreide und der kaffee in den konsum übergeht. Gamp
deutscher reichstag 9.
januar 1896; denn die Russen können in Libau ihr getreide nicht mischen und dazu nicht deutsches getreide dorthin fahren, was scheunentrocken ist, um es mit dem russischen zu mischen. Bismarck
reden (
reichst. 21.
mai 1879) 8, 76. III@44)
syntactische verbindungen. III@4@aa)
adjectivische attribute zielen hauptsächlich auf die kennzeichnung der sondergattung oder der entwicklungsstufe und des zustandes. vereinzelt werden auch menschliche eigenschaften metaphorisch übertragen. der jüngsten entwicklung gehören die mittel zur kennzeichnung der herkunft an. III@4@a@aα) III@4@a@a@11)) was er jhnen von einer huben allerley getreyde, vnd darnach von allen wiesen abzumeihen geben sol. Coler
hausb. (8.
cap. 18) 275
a, 1616); allerhand getreide,
biadume Castelli (1730) 1308. III@4@a@a@22)) hart getreydig, weich getreydig;
s. oben sp. 14. getraid, das schwer und fuhrlich ist, als dinckel, waitzen, gersten
u. s. w. frumentum firmum, robustum Henisch 1587; zum vierten solle man den marktmetzen wie das panthäding vermag an dem schwären trait an dem mutth umb einen metzen dann zu Corneuburg grösser machen und denselben mit gemaines markt marktzaichen aufrichtig brennen und verzaichen. es soll auch alle die so fueter und schwäres getrait hingeben oder verkauffen, die sollen an dem gewöndlichen marktmetzen geben (
Stockerau 1590).
österr. weisth. 8, 447. III@4@a@a@33)) also ward geschlagen der flachs und die gersten, denn die gersten hatte geschosset, und der flachs knoten gewonnen; aber der weitze und roggen ward nicht geschlagen, denn es war spat getreide. Luther
2. Mos. 9, 32. III@4@a@bβ) Hamann
im poetischen lexikon (471)
führt als beiwörter auf: das ernährende, gelbe, eingeerntete, abgemeyhte, fette, wallende, gedörrte, eingeführte, gereinigte, nöthige, kräftige, nutzbare getreide.
fast alle beziehen sich auf die entwicklungsstufe oder den augenblicklichen zustand, in dem sich die gattung darbietet: III@4@a@b@11)) das aufkeimende getreid.
anmerk. über den getreidbau (
Salzburg 1790)
s. 27; ain ieder, der mit willen aines pflegers oder seines richters das kaufrecht hat, der mag zu seiner hausznotdurft im gericht Altenthann wasz im erlaubt ist kaufen, ausgenommen angewundents getraid, ungesotnes garn, meszgewand und pluetige cleider.
österr. weisth. (
Altenthann 1625) 1, 23
u. a.; wenn man sich eines regens befahret, so lege man balde das auffgebundene getreyde in die mandeln, so beregnets nicht so sehr. Coler 276
a; gedroschen getraid. Henisch 1587.
vgl. dazu getreid, wie es auff dem felde stehet
spica et seges stans, recta, nondum demissa. ebenda 1587. III@4@a@b@22)) getrendelte gerölte getraid. Henisch 1587; gedörrtes, getrocknetes getreide. Eitzen
wörterbuch der handelsspr. 316. III@4@a@b@33)) getraid, das nicht sonders furlich, sondern gering ist. Henisch 1587; mülbiges getraid,
frumentum cariosum; verdorben getraid
frumentum vitiatum. ebenda; wurmstichigtes getreide
du bled calandré Schwan (1782) 739; das aufsprossen eines schönern und gegen zwey zoll höhern getreides.
anmerk. über den getreidbau s. 27; da das zinnsgetraide gegen andere früchte jederzeit in geringerem preisze stehet .. so könnte, da zur zeit der noth auch dies geringere getreide ebenso gut abgeht, von den rentkammern selbst durch dessen aufbewahrung bis auf höhere preise ein ansehnliches plus gemacht .. werden.
über den freyen getreidehandel 88. III@4@a@b@44)) feil getraid,
commeatus venalis Henisch 1587; ist es bey einer sperre freilich leicht möglich, auf eine kurze zeit wohlfeileres getreide zu erhalten.
über den freyen getreidehandel 134. III@4@a@gγ) das liebe getraid. Mayr
epitome (1604) 307
b; wenn das korn sich wohl beraset hat, fett und grosz stehet, dasz man sich lager-getreydig zu besorgen, so mag man nach dem froste oder zu trockner zeit, gegen und in der fasten die schaafe auf dem korn wohl gehen lassen .. dieses ist solchem frechen getreyde mehr nützlich als schädlich. Becher
kluger hausvater (1699) 17. III@4@a@dδ) das russische getreide — auf dem beruht der handel und den gönnen wir den seestädten. früher führten unsere Ostseeprovinzen von ihrem eigenen getreide mehr aus als jetzt; jetzt können sie mit Ruszland nicht mehr concurriren. Bismarck (
reichstag 1885)
reden 11, 32; wir verlangen eine festsetzung von mindestpreisen für das ausländische getreide.
Graf Kanitz
deutscher reichstag 16.
januar 1896. III@4@bb)
verbindungen mit substantiven. zu den vereinzelten präpositionalverbindungen vgl. oben sp. 4470.
von bedeutung werden die genetivverbindungen, die sich bei enger fügung bis zur zusammensetzung aneinanderschlieszen. III@4@b@aα)
unser substantiv steht im genetiv: ich gibe rechten zehenden allis minis getreides. Leyser
predigten 146.
vgl. getreidezehent; bedaucht jhn dasz er dem gebresten des getreidts aller leichtst zu hülff kommen möcht, so die legionen also zertheilt weren. Ringmann
Cäsar (1588) 50
b.
vgl. getreidemangel; das einführen des getraydes ist eine von den sorgfältigsten arbeiten. Hohberg (7.
cap. 47) 2, 65.
vgl. getreideeinfuhr; anno 1529 war an getreyd und holtz ein grosser mangel zu Augspurg. damit aber die burgerschafft in dieser noth bei häuszlichen ehren bleiben möchte, liesz der rath nach und nach eine ungemein grosse menge roggen abbacken, und das brod um einen gar leidentlichen preisz verkauffen, machte auch eine verordnung wider die verführung des getreydes aus der stadt. Paul v. Stetten
geschichte von Augsburg (1743) 1, 310; der fürkauf des getreides
in der Henneberger landesordnung, auch oben sp. 15; gattung getreides.
anmerk. über den getreidebau (
Salzburg 1749)
s. 6, 40,
vgl. getreidegattung
u. a. III@4@b@bβ)
bestimmende genetive stehen bei unserem substantiv seltener: item Julius daz ist ein monet genueg heiz und in dem monet so sneident die leut und daz getreid des erdreiches ze sam pringent.
wiener arzneihandschrift (15.
jahrh.)
bei J. Haupt 508. III@4@b@gγ)
um so häufiger sind die zusammensetzungen, bei denen getreide
den zweiten compositionstheil bildet; sie fehlen fast alle an der entsprechenden stelle im wörterbuch. III@4@b@g@11)) ackergetreid
in österr. weisth. 7, 1015; hauptgetreide
vgl. Ranke der mensch 1, 321; halbgetreide Chomel 4, 1022,
vgl. th. 4, 2,
sp. 202; mischgetreide
ebendort, vgl. th. 6, 2254; fruchtgetreide, korngetreide, wintergetraid Henisch 1587; winter- und sommergetreide Dietrich (
Ulm 1816) 591. III@4@b@g@22)) afftergetreid Hohberg (7.
cap. 72) 2, 94
b; lagergetreide Becher
hauszvater 17; saatgetreide
bei Jean Paul
vgl. th. 2, 661. III@4@b@g@33)) dienstgetraid
in den österr. weisth., so 7, 1015
u. a.; zinsgetreide
u. a. III@4@cc)
verbindung mit verbis: III@4@c@aα)
in der geringeren zahl der verbindungen zeigt sich das substantiv als subject. III@4@c@a@11)) das getraid ist nicht wol gerathen. Henisch 1587; getraid, das ausfellt.
ebenda; getraid, wie es auff dem felde stehet.
ebenda; getreide, so noch auf dem felde steht,
gagnage Schwan (1782); 739 die felder stehen voll getreid, das getreid stehet schö
n. Rondeau-Buxtorff 253; das getreide stehet gut oder schön,
the corn has a fair appearence. Hilpert 470. III@4@c@a@22)) das getreyde steiget, schlägt auf .. schlägt ab. Kirsch 179
a.
vgl. Schwan (1782) 739. III@4@c@bβ)
präpositionalverbindungen sind verhältnismäszig selten: vmb getraid ausziehen,
frumentari Henisch 1586; der mit getreyde handelt,
frumentarius negotiator Kirsch 179
a; die städte mit getraide versehen.
über den freyen getraideh. (
Leipzig 1864) 183. III@4@c@gγ)
um so häufiger ist die objectverbindung des substantivs. III@4@c@g@11)) nit .. das si neben dem kornfeld auch obsgärte pflanzten, wisen zögen, oder sonst andere gärte baueten, sonder sie pflegen allein getraid zu sehen. Micyllus
Tacitus (
Germania cap. 26) 1302; getreide bauen Stieler 103.
über den freyen getreidehandel 154; getraide erzeugen.
ebend. 167, ziehen 149; getreide, so man einerndet,
the harvest. teutsch-engl. wb. (1716) 776; und jedes getraide, das er ihnen nicht weg erntet, verdanken sie ihm als gesät. J. Paul
grönländische prozesse 67; man sammelt nie so reines getreide ein als man säet.
les bleds bisent toujours Schwan 739; das getreide schneiden,
to cut the corn Hilpert (1845) 466. III@4@c@g@22)) so yemand getraide her in die stat schüttet und derselb nicht aygner schüt hie hat.
Nürnberger polizeiordnung 216
Baader; getreid .. beherbergen, behausen oder aufschütten.
ebendort; getraid auffschütten, in die kornhäuser Henisch 1586 (
aus genesis 41, 35). Corvinus 272. Rondeau-Buxtorff 253. Schwan 739.
noch in der einschlägigen litteratur an der wende des 18.
jahrh. eine sehr beliebte verbindung: das volk kennt insgemein sehr gut, was ihm lästig ist, sehr schlecht kennt es die ursachen davon, und am allerschlechtesten die mittel dagegen .. verhaszte kornjuden sind ihm alle, welche zu irgend einer zeit getreide aufschütten. Barckhausen
die polizey des getreidehandels (1804) 57; das getreide in die scheuern bringen,
to house the corn Hilpert 460; das getreid oder korn rüren,
frumentum movere Henisch 1586; das getreid oder die garben ausdreschen
frumentum aut fasciculos excutere Henisch 1587; früher als das getreide mit dem dreschflegel ausgedroschen wurde, wurde als lohn jeder zwölfte scheffel gegeben. Herbert
deutscher reichstag 17.
januar 1896; getreide mahlen. Corvinus 620; getreide schräpffen.
ebenda 127.
vgl. Heyne
deutsches wörterb. 3, 479; das getreid gut putzen.
vorschlag zu einem städtischen getreidemagazin (
München 1795) 144. III@4@c@g@33)) das getreide erhalten (
zurückhalten)
s. o. das getraid halten, bis es giltig oder werth wirdt,
caritatem expectare Henisch 1587; getreide steigern. Corvinus 47; getreide ausführen.
über den freyen getreidehandel 10; getreide ablassen.
ebenda 149.