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Roggen

mhd. bis spez. · 15 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Meyers
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22 in 15 Wb.
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Eintrag · Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

Roggen

Bd. 17, Sp. 52
Roggen (Secale L.), Gattung der Gramineen, Gräser mit vierseitiger, dichter, nickender Ähre, zweiblütigen Ährchen und pfriemenförmigen, rauh gekielten Hüllspelzen, die nur halb so lang sind wie die Deckspelzen, von denen die äußere auf der Spitze eine mäßig lange Granne trägt. Zwei Arten: S. fragile Bieberst., einjährig, mit langen, die Deckspelzen weit überragenden Grannen der Hüllspelzen, wächst in den Sandsteppen Ungarns und Südrußlands. S. cereale L. (s. Tafel »Getreide I«, Fig. 1), 2 m hoch, mit nur pfriemlich zugespitzten, nicht begrannten, die Deckspelzen nicht überragenden Hüllspelzen. Die Stammart der Kulturform (S. montanum Guss.) wächst auf Gebirgen von Spanien und Marokko, durch Sizilien, Dalmatien, Serbien, Griechenland, Kleinasien, Armenien bis Mittelasien. Sie ist ausdauernd und hat eine brüchige Spindel. Beide Merkmale gingen durch die Kultur verloren, doch schlägt die Roggenstoppel bisweilen wieder aus, und im Gebiete der Donischen Kosaken wird ausdauernder R. als Winterfrucht kultiviert. Man unterscheidet gemeinen oder Landroggen und Staudenroggen, letzterer wahrscheinlich nur eine durch Begünstigung der Bestockung erlangte Varietät. R. akkommodiert sich leichter als andre Kulturgewächse den äußern Einflüssen, behält die erlangten Eigenschaften auf dem neuen Standort einige Jahre bei und wird dann dem Landroggen der Gegend gleich. Es gibt keine konstanten Roggenvarietäten, obgleich die meisten im Handel als solche angepriesen werden. Sommerroggen ist eine Kulturform des Winterroggens, und beide Formen lassen sich ineinander überführen. Zum gemeinen R. gehören unter andern: der Propsteiroggen aus der Propstei in Holstein, sehr ergiebig, für ausgesprochenen Roggenboden mit vorherrschendem Sandgehalt und nicht rauhes Klima; der Kampiner R. aus der Kampine Belgiens, ebenfalls für Sandboden; der römische R., der sehr genügsam im Boden sein soll; der spanische Doppelroggen für bindigern Boden; der Kleberroggen (Klebkorn, Spätkorn) vom Westerwald für Gebirgsgegenden mit rauherm Klima; der Schilfroggen, über 2 m hoch, mit sehr großen, aber lockern Ähren und langen Spelzen. Man baut den gemeinen R. als Winterkorn, soweit es das Klima zuläßt, als Sommerkorn auch auf sandigem, lockerm Boden, der frühzeitige Bestellung gestattet. Sommerkorn reist etwa 14 Tage später und gibt um ein Viertel weniger Korn und Stroh als Winterkorn; seine Körner sind kleiner, aber dünnschalig und mehlreich. Wo man mit Sicherheit Winterroggen baut, ist es stets ein Fehler, Sommerroggen zu säen. Staudenroggen fordert bessern Boden und zeitige Bestellung. Hierher gehören: der Johannisroggen, der, bereits im Juli gesät, im Herbst einen Futterschnitt und im folgenden Jahr eine Ernte gibt, der abessinische und Jerusalemer R. Den kleinkörnigen Winterstaudenroggen baut man im Gebirge auf Sandboden und frischem Waldboden. Sommerstaudenkorn eignet sich für rauheres Klima und nicht zu dürftigen Boden vorzüglich und gibt reiche Ernte, wenn auch das Mehl etwas geringer ist als das des Winterkorns. Vgl. die Artikel »Getreidebau, Futter und Fütterung«. 350@@break Die Asche des Roggens ist reich an Kali, Magnesia und Phosphorsäure. Der R. leidet von dem Roggenkornbrand (Tilletia secalis) und dem Roggenstengelbrand (Urocystis occulta), von zwei Rostpilzen, Puccinia graminis und P. straminis, auch vom Mehltau, weniger vom Rußtau. Sehr verbreitet ist der Mutterkornpilz (Claviceps purpurea). Das Roggen- oder Kardenälchen (Anguillula dipsaci), das in einigen Gegenden endemisch ist, verursacht die Stockkrankheit. Die Unfruchtbarkeit der einzelnen Blüten wird durch die Gallmücke Cecidomyia tritici hervorgebracht. Die nicht seltene ganze oder (meist) teilweise Atrophie der Ähren wird gewöhnlich, aber mit Unrecht, der Kälte zugeschrieben. Die jungen Saaten leiden durch Bodennässe mehr als der Weizen. Im Ussurigebiet, in Schweden, auch an einigen Orten Deutschlands und in der Dordogne tritt in nassen Jahren giftiger R. (Taumelroggen) auf, dessen Eigenschaft wohl auf Pilze zurückzuführen ist, von denen er sich befallen zeigt. R. ist die hauptsächlichste Getreidefrucht, das Korn. im nördlichen Europa, in Deutschland, Polen, Rußland, Skandinavien, Dänemark, Holland und Belgien; er wird in Europa und Asien vom 50.–60. und 65.°, in Norwegen bis 69,5°, in Nordamerika vom 40.–55.° nördl. Br. und in Mitteldeutschland bis 900 m Höhe kultiviert. Man benutzt ihn auch zur Mästung des Geflügels, in der Bierbrauerei und Spiritusfabrikation, zur Grütze und als Kaffeesurrogat; auch das Stroh, das geschätzteste aller Getreidesorten, findet vielfache Verwendung. Weder Inder noch Ägypter kannten den R. Seine Kultur dürfte aus dem Umkreise des Kaukasusgebietes und aus den nördlichen Balkanländern ausgestrahlt sein. In Osteuropa tritt er nicht vor der Bronzezeit auf; die Griechen erhielten ihn aus Thrakien etc.; die Römer bauten ihn mit Weizen als Grünfutter an. Den Völkern Westeuropas war er in der frühern vorgeschichtlichen Zeit nicht bekannt. Schließlich hat er sich wenig über die germanischen und slawischen Volksgebiete hinaus verbreitet und nimmt einen weniger breiten Gürtel ein als der Weizen. S. die Karten »Landwirtschaft in Deutschland« (Bd. 4, S. 776) und »in Österreich-Ungarn« (Bd. 15, S. 180).
5260 Zeichen · 69 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    roggen

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer)

    roggen- s. rocken-.

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    roggensw. V.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +6 Parallelbelege

    roggen , sw. V. Vw.: s. rȫgen (1)

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Roggen

    Campe (1807–1813) · +4 Parallelbelege

    Roggen , — s, Mz . gl. 1) Der Name der bei uns gemeinsten und am häufigsten gebauten Getreideart, aus deren Mehl das gew…

  4. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Roggen

    Goethe-Wörterbuch

    Roggen auch -ck-; einmal Neutr Getreideart mit vierkantigen, langbegrannten Ähren; als Pflanze od Korn (insbes Nahrungs-…

  5. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Roggen

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Roggen (Secale cereale) , bekannte Getreidegattung, je nach der Saatzeit Sommer - oder Winter -R., nicht so nahrhaft wie…

  6. modern
    Dialekt
    Roggenm.

    Lothringisches Wb. · +3 Parallelbelege

    Rogge n [rogə Ri. Hom. Rom. Ha. ] m. Roggen. — Zss.

  7. Sprichwörter
    Roggen

    Wander (Sprichwörter)

    Roggen 1. Alter Roggen mehrt sich im Sack. ( Frankenwald. ) 2. Den Roggen eingestäubt, die Gerst nicht eingekläubt, Weiz…

  8. Spezial
    Roggen

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Rog|gen (Secale cereale) m. (-s) ‹bot› siara (-res) f. ▬ Roggen säen mëte/somené siara ; großkörniger Roggen siara da gr…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit roggen

296 Bildungen · 272 Erstglied · 23 Zweitglied · 1 Ableitungen

Zerlegung von roggen 2 Komponenten

rog+gen

roggen setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

roggen‑ als Erstglied (30 von 272)

Roggen'ster

DRW

Roggen'ster, n. zum Grdw. vgl. DWB. X 2, 1 Sp. 2391 ein Trockenmaß in Tirol vgl. Futterster, Roggenmaß es soll ... in ... vnnserm lannde ...…

Roggenbrot

SHW

Roggen-brot Band 4, Spalte 1441-1442

Roggenjahr

SHW

Roggen-jahr Band 4, Spalte 1441-1442

Roggenkleie

SHW

Roggen-kleie Band 4, Spalte 1441-1442

Roggenmehl

SHW

Roggen-mehl Band 4, Spalte 1441-1442

roggenacker

MNWB

roggen·acker

° roggenacker , m. ( Dat. Sg. -e ) : Roggenfeld , „ Anewendinge is en rum bi deme rogghen ackere dar de ploch auergheit sunder treddinghe de…

roggenähre

DWB

roggen·aehre

roggenähre , f. ähre des roggens: schön haar zu machen, nimm ein gut theil rockenäher, geusz ein laug damit. Tabernaemont. 588 .

Roggenamt

DRW

roggen·amt

Roggenamt, n. kirchliches Amt zur Verwaltung der Roggenvorräte bdv.: Kornamt (I) in aliis denariis qui de rokenhambat vel de frœnhoue proven…

(roggen)âre

MNWB

rogge·nare

° (roggen)âre , rōgen- (Arch. Gesch. Med. 7, 344), -ôre (Nd. Mitt. 10, 21), n. ( Akk. Pl. -en ): Roggenähre.

roggenārne

MNWB

roggen·arne

roggenārne , f. : 1. Ernte des Roggens, wen de r. geendet heft (Nic. Gryse Spegel E 4 ∨ ). — 2. Zeit der Roggenernte, it was sô schö̂ne wed-…

Roggenaust

MeckWB

roggen·aust

Roggenaust m. Roggenernte: in 'n Roggaust Reut. 2, 48; de Roggenaust wir as 'n grotes Fest Wo. Ernt. 5; dee maakt 'n Gesicht as de Buer bi R…

Roggenbach

Meyers

roggen·bach

Roggenbach , Franz, Freiherr von , bad. Staatsmann, geb. 23. März 1825 in Mannheim, studierte die Rechte, ward 1848 Sekretär im Ministerium …

roggenbackhūs

KöblerMnd

roggen·backhūs

roggenbackhūs , N. nhd. „Roggenbackhaus“, Backhaus in dem Roggenmehl verbacken wird E.: s. rogge (1), backhūs L.: MndHwb 2, 2194 (roogenbakh…

(roggen)bakhûs

MNWB

° (roggen)bakhûs , rūgen- ( Ruogen- ), n. : Backhaus in dem Roggenmehl verbacken wird, ‚pistrinum panis siliginei' (Kindlinger Hörigkeit 398…

roggenbakhūs

KöblerMnd

roggenbakhūs , N. Vw.: s. roggenbackhūs*

Roggenbank

MeckWB

roggen·bank

Roggenbank f. der auf der Dreschtenne nach dem Drusch an der Wand aufgeschaufelte Roggen, s. Bd. 1, 611.

Roggenbanse

WWB

roggen·banse

Roggen-banse f. aufgeschichteter Haufen (ungedroschener ( Höx Sb )) Roggengarben (oben auf dem Boden ( Sos We)).

Roggenbau

GWB

roggen·bau

Roggenbau schöner fetter Boden, guter Frucht- besonders Roggenbau auf dieser Bergspitze T2,13,8 v März 90 Renata Kwaśniak R.K.

roggenbeckere

MNWB

roggenbeck·ere

roggenbeckere , ruggenbeckere , rūgen- , m. ( Gen. Sg. -s ): Bäcker der Roggenbrot herstellt , Grobbäcker, Hinrik de r. in der Balkenstrâte …

roggenbeckære

KöblerMnd

roggen·beckære

roggenbeckære , M. nhd. „Roggenbäcker“, Bäcker der Roggenbrot herstellt, Grobbäcker E.: s. rogge (1), beckære L.: MndHwb 2, 2194 (roggenbeck…

Roggenbier

MeckWB

roggen·bier

Roggenbier n. Bier aus Roggen; drei Pfd. Roggen, Gerstenkeime in heißes Wasser tun, dazu Zichorie, ¼ Pfd. Zucker, etwas Salz, Hefe und Potta…

Roggenbiᵉre

WWB

roggen·biere

Roggen-biᵉre f. [WMünsterl Tek Kos Mün Lhs Dor Sos Isl Alt] Birnensorte, die mit dem Roggen reift.

Roggenbläut

MeckWB

Roggenbläut f. blühende Roggenähre Rodo b; vgl. -ohr.

roggen als Zweitglied (23 von 23)

Gêstlandroggen

Wander

gest·landroggen

Gêstlandroggen Giästlandsroggen 1 fuine Fruggen, Fiskeduike 2 maket sellen en Biuern ruike. ( Soester Börde. ) – Firmenich, I, 349. 1 ) D.i.…

gilderoggen

MNWB

gilde·roggen

gilderoggen , m. , der gemeinschaftlich gekaufte Roggen, „ g. als den de gilde hebt to behof des gemeinen um düer tit ofte des noet und beho…

grofroggen

MNWB

grof·roggen

grofroggen , m. , 1. Roggen. 2. Grob-Roggenbrot (: schö̑nroggen Feinroggenbrot), s. grofbrôt.

Klosterroggen

Wander

kloster·roggen

Klosterroggen Klosterroggen ist der schönste, denn er hat am meisten Mist. – Klosterspiegel, 63, 8.

müterroggen

MNWB

mueter·roggen

° müterroggen billiger Roggen?, -wegge billiger Wecken? (Münst. Prot. 1536, 9 v ; zu +° müter ?).

pennincroggen

MNWB

penninc·roggen

° pennincroggen , m. : aus Roggenmehl gefertigte Sorte Backwerk die stückweise für 1 penninc verkauft wird, den p. up 11 lôt gār (Münst. Pro…

Richte'roggen

DRW

Richte'roggen, m. Roggen als Naturalabgabe im Zsh. mit der Gerichtsbarkeit bdv.: Richtegarbe, Richtehafer, Richtkorn vgl. Richterdienst (I),…

richteroggen

MNWB

richte·roggen

° richteroggen , m. : Getreideabgabe an den Richter, dâr sîne vürstlĩke gnâde in de erve r. ... bȫrt (Oldenb. Jb. 18, 38).

Schuldroggen

DRW

schuld·roggen

Schuldroggen, m. Roggen als Abgabe bdv.: Schuldgetreide vendidimus ... dominis nostris ... siliginem nostram dicitur sculderockhe 1324 Brsch…

Schönroggen

DRW

schön·roggen

Schönroggen, m. zu schön (VI 2) Brot aus feinem Roggenmehl bdv.: Schönbrot in deme jare 1316 ghold hir de roche 7 schilling unde dat pennigb…

semmelroggen

DWB

semmel·roggen

semmelroggen , m. : ' der 24 loth wiegende semelrockhen des alten Passauer stadtbuchs wird wol aus einem gemisch von weizen- und rockenmehl …

sommerroggen

DWB

sommer·roggen

sommerroggen , m. roggen, der als sommergetreide gebaut wird, secale vernum. Nemnich 2, 1269 , sommerrocken Adelung. Campe ( vgl. winterrogg…

Stiftsroggen

DRW

stift·s·roggen

Stiftsroggen, m. von einem ¹Stift (I) eingenommene Roggenabgabe er [schult] krigt widder 5 [scepel] stiftsroggen, 5 kanne behr nach 1570 CTr…

tinsroggen

MNWB

tins·roggen

tinsroggen , m. : Roggen der als zinspflichtige Abgabe fällig ist (Zs. Nds. 1892, 260); — vgl. auch ° tinsgarste, tinskōrn.

tēgetroggen

KöblerMnd

tēgetroggen , M. Vw.: s. tēgederogge*

Ableitungen von roggen (1 von 1)

unroggen

DWB

unroggen , m. , mutterkorn, secale cornutum Fischer schwäb. wb. 6, 212 . —

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „roggen". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 15. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/roggen/meyers
MLA
Cotta, Marcel. „roggen". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/roggen/meyers. Abgerufen 15. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „roggen". lautwandel.de. Zugegriffen 15. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/roggen/meyers.
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