Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
getreide stN.
1.1 ‘Kleidung’
1.2 ‘Last, Gepäck’
2 ‘Getreide’ (als Pflanze und als Korn)
2.1 das, was heide und walt hervorbringen (Blume, Laub)
2.2 übertr. ‘Frucht, Ertrag’ (insbesondere vom Wunder der Inkarnation)
3 ‘Lebensmittel, Nahrung’
1 bewegliches Gut, ‘Besitz, Hausrat, Sache’ des clostris getreigede in isene oder in gwandin oder in den anderin sachin [ substantia monasterii in ferramentis vel vestibus seu quibuslibet rebus ] besehe der abbit vnd bevelhe si cebehvtene BrHoh 32. 31; die [ riche knappin ] liezin als ir guͦt vnd ir getregede duͦrch sine predige vnd volgetin im [Johannes] vnd truͦgin snode cleidere duͦrch gotis lon PrLpz(L) 78,15; ez dunket mich ein vremeder site, / daz dû mit dem getregede, / des gerne spulgent [gebrauchen, mit etw. umgehen] megede, / wilt suochen vrechen jungelinc KvWTroj 27601; KvWLd 32,344; suppellex: getregede SummHeinr 2:490,01.94; possessio: getraegide GlHerrad:Komm 78; WüP 104,14; UrkCorp (WMU) 2713,43. – übertr.: vil wünneclich getreide [Ausstattung, Eigenschaften] / lac an ir [Engeltruts] süezem lebene KvWEngelh 2974 1.1 ‘Kleidung’ da si die gemeinen stole / entfan zu ir getregede Litan 996; ritter, vrawen und mægde, / die an sich rich getrægde / von grozzer kost laiten, / und do si sich geclaiten / mit richer zierde mangerlay, / nach irm reht ie zwai und zwai / sich zehanden viengen WhvÖst 2396 1.2 ‘Last, Gepäck’ si fuorten vier und zweinzic schif / getregedes unde liute vol KvWTroj 19411; dô sie ûf daz mer quâmen, / ir rûwe sie dâ nâmen / mit allerleie getregede. / man, wîb und megede, / rinder unde pferde / vûrten sie vil werde / gebunden und gevangen LivlChr 7289; Vät 14739. – übertr.: daz marterlîche getreide / daz man dâ heizet trûren, / daz kunde er tiefe mûren / in sînes edeln herzen grunt KvWEngelh 2140 2 ‘Getreide’ (als Pflanze und als Korn): ir getreide, / daz in gewachsen was daz jâr NvJer 23159; daz getreid wart ouch sô tiwer, / daz die liut verzagten darab: / den mutte kornes man gap / umb vierzic und umb zehen phunt Ottok 9357; dô kâmen sô vil häuschrecken geflogen von Ungern [...], daz si sô vil getraides verderbten auf dem veld, daz manich gäuman verdarb BdN 76,1; in den huffen er do sluͤg / als der schaur [Schauer, Unwetter] in daz gedrait Teichn 586,99; WüP 75,1; MarcoPolo 19,19 u.ö.; SchlierbAT (LS) 1,108 2.1 das, was heide und walt hervorbringen (Blume, Laub): êst ein winder: nemt des war / an der liehten heide! / die hât er gemeilet und den grüenen walt; / [...] / seht an ir getreide! / daz ist allez von dem leiden rîfen kalt Neidh WL 12:1,6 2.2 übertr. ‘Frucht, Ertrag’ (insbesondere vom Wunder der Inkarnation): do got wolde haben sune / hier mit der menscheite, / so schuf er sin geleite / und sin herlich getregede / mit der vil reinen megede HeslNic 2101. 4171. 5323; HeslApk 4230 u.ö.; sus hat dú maget [Maria] fur gelait / der ranikait getregte, / des sich begen [ernähren] die megde, / si sint arm oder rich, / weltlich oder gaistlich SHort 703; wie dich [Christus] dú minn hat gejagt / von himelrich zuͦ der magt / und von der rainen megde / uf dis bós getrágde / der mágde [die Menschheit als Nachkommenschaft Evas] dú dir gab swachen lon ebd. 3924 3 ‘Lebensmittel, Nahrung’ dô begunde er [Ismael] wahsen, manech wilt fâhen: / abe gescôzze und ab jagede nam er sîn getragide Gen 915; der getraid daz sind: smaltz, chaes, huͤner, ayr, visch und allez chlaines getraid und wiltpraet StRMünch 454,26 u.ö.; daz edelst getraͤgde [Wein] SHort 5567; MillPhys 116,3; Kchr 11570
MWB 2 634,41; Bearbeiter: Richter