Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
adel stN.
2 ‘Abstammung aus einem Adelsgeschlecht, vornehme Herkunft, Adelswürde’
3 übertr. ‘edle Beschaffenheit, Würde, Wert, Vortrefflichkeit’ , in vielfältigen Bezügen.
4 ze ~ hân ‘zum großen Herrn machen’ (BMZ) oder ‘zum rechtmäßigen Ehegatten und Herrscher’ (vgl. adelkint, -sun, -vater, -wîp )?
1 ‘Adelsgeschlecht’ unser wâren zwelefe geboren fon eineme adele, / wir wâren eines mannes sune Gen 2211; noch denne was im unbekant, / wie er selbe was genant / und welhes adels er wære, / unz daz der helt mære / geschuof mit sîner manheit, / daz im sîn name wart geseit / und dar zuo gar sîn künneschaft UvZLanz 33; das merkent rechte / wie das ewangelium seit / von sinen vettern gelegenheit, / und sin adel tuͦt bekant / Liber generacionis genant WernhMl 1677; her David wart gefriet von dem hirtentum, / durch das sin herze milde phlag an falschen rum; / des ist sin sam in küniges adel bliben Mügeln 28,6. – von ~ geborn ‘adliger Herkunft’ si newolten si [Juden in Ägypten] erlâzen / scalklîcher uorhte, / dielîcher werche. / der uon adele was geborn, der muͦse berien [kneten] daz hore / [...] den laim und den letten Exod 127; si is von adele geborn SAlex 3866; UvZLanz 260; WhvÖst 12331; hier schon ‘Adelsstand’?: ein vurste ist dirre man, / geborn von des adils zwic Daniel 8319 2 ‘Abstammung aus einem Adelsgeschlecht, vornehme Herkunft, Adelswürde’ ir gehabet iuch hiute ubile, iz nezâme nieht adale Gen 1940; sie ge zeme eime herren wol. / vn̄ mochte von ir adele. / ge zeme eime koninge Roth 77; ich han den oberisten uán / unter allin dinin mannen. / daz scol dir nicht misseuallin: / ich scol in hiute uor uechtin / uon adele unt uon rechte Rol 3638; da legit uns [...] in also riche serke [Särge] / daz man da bi wol merke / daz wir wol adil mochtín habin Athis F 87; sint dem mol wir von angebornem adel phlichtig seyn dem heiligen lande beystant zcu thune UrkCorp 222AB,36 (einziger Beleg im gesamten UrkCorp !); und wurkend edel werk da bi / mit der naͮdel und inder ram, / als wol ierm [der Tempeljungfrauen] adel gezam WernhMl 776. – häufig wird das Verhältnis von ~ und tugent, zuht thematisiert: swer tugent hât, derst wol geborn: / ân tugent ist adel gar verlorn Freid 54,6; recht adel noch die tugent hât: / swâ adel und tugent entsament sîn, / dâ tuot daz adel selden schîn / mit ruomworten sîne tât HvFreibTr 2156; swer von mâgen edel sî, / der won edeler tugent bî, / sô mac ûzerwelt sîn adel werden KvWLd 18,16; sô wol dem edeln der mit zühten kan enthalten sîn adel sô daz erz mit rehter meisterschefte treit KLD:Kzl 3: 3,2; Amerilus ze hand / liess die valken von der hand. / gegen in baiden er gie, / des in sin adel nit erlie, / mitt züchten GTroj 12712 3 übertr. ‘edle Beschaffenheit, Würde, Wert, Vortrefflichkeit’, in vielfältigen Bezügen. – zwei adel sint an den liuten ouch: / von sînem künne ist einer edel unt ist doch selbe ein gouch, / der ander ist von sînen tugenden edel unt niht von hôhem namen RvZw 81,1; von adel des innern menschen, des geistes, und von untiuricheit des ûzern menschen, des vleisches Eckh 5: 111,9. – natûrelîcher ~ der Geschöpfe: und der uns einen menschen her satte der in sime natúrlichen adel stunde, in der luterkeit also Adam stunt in dem paradise Tauler 120,13; und die schoͤnen heiden, so sú in sumerlicher wunne, in manigvaltiger gebluͤmter gezierde, nach ire naturlichen adel in lustlicher schonheit widerglenzent Seuse 304,18; die läut, die geziert sint mit nâtürleichem adel und mit götleichen gnâden, alsô daz si schœn sint und wol geschaffen an dem leib, tugenthaft und vernünftig an der sêl BdN 280,24. – des geistes, der abegescheiden stât, des adel ist alsô grôz, swaz er schouwet, daz ist wâr Eckh 5: 410,8; volkomener abegescheidenheit adel und nutz ebd. 5: 430,12; ez ist auch niht mêr adels an dem kraut wan diu pluom BdN 404,25; Aristotiles spricht, daz der vinger adel gemachsam sei ze nemen, ze behalten, ze geben und aller maist ze underschaiden. des daumen kraft ist geleicht den kreften aller anderr vinger ebd. 21,7. – ‘edle Gesinnung’, hier in einem Wortspiel mit der (sonst erst jünger bezeugten) Bedeutung ‘Edelmetallgehalt’? (vgl. 2DWB 1,1462,18ff.): wie sol ich rîchen edeln schalc mit valschem muote erwaschen? / von kupfer scheidet man daz golt mit eines unkes aschen: / hei daz mîner taschen / vil nâhe ein pulver nie gelac, / dâmite ich guldîn adel schiede ûz kupferînem willen KvWLd 32,230 4 ze ~ hân ‘zum großen Herrn machen’ (BMZ) oder ‘zum rechtmäßigen Ehegatten und Herrscher’ (vgl. adelkint, -sun, -vater, -wîp)?: Clitemestra, Agomennonis wip, / [...] den wolde sie zv adel han. / Egistus was er genant. / er enhette burg noch lant. / Clitemestra von disem man / Esyonam, ein tochter, gwan Herb 17257
MWB 1 99,34; Bearbeiter: Plate