unadel ,
st. m.; ahd. unadali '
ignobilitatem' Graff 1, 143;
mhd. unadel,
st. n. m. Lexer 2, 1749;
mhd. wb. 1, 8
a.
ob im nhd. noch das alte n. bekannt ist, scheint nicht erkennbar; ohne plur.; verneintes adel. '
ignobilitas vnadel
varr. vnedelkeit' Diefenbach
gloss. 285
b; Stieler 20; Steinbach 1, 10; 'unadel ...
s. unachtbarkeit onedelheid' Kramer - Moerbeek 2, 359
b; Kramer (1678) 1146
a, Frisch (1741) 1, 11
a, Adelung 4, 829
verzeichnen nur das adj. unadelich,
nicht das subst.; Campe 5, 119
b gibt collectivisches unadel
irrig als neubildung an; Staub-Tobler 1, 85; Bauer-Collitz 178;
mnd. unadel
subst. (
adj.) Schiller-Lübben 5, 15
a; Lübben-Walther 427
a.
auch das nl. kennt nur das adj. onadelijk
nl. wb. 10, 903,
das mnl. onadel
nur als adj. Verdam 395
a;
mnl. wb. 5, 204.
dän. uadel.
mit epenthetischem n: unandel P. v.
d. Aelst
Heymonskinder (1604) 4;
vgl. andenlich = adelig. II.
abstract. I@AA. unadel
verneint zunächst die adlige oder edle abstammung, die καλοκἀγαθία im ursprünglichen sinne. Vogt
der bedeutungswandel des wortes edel 5. I@A@11)
bei menschen: hat eʒ ein unadels getân Hartmann von Aue
Erec 9348
nach Lachmanns
verb.; hs. unaldes
mhd. wb. 1, 8
a;
th. 1, 178; so sy die andern pawrn nennen ..., dadurch sy jren vnadel ertzaigen Albrecht von Eybe
spiegel der sitten A vi b; sie haben im (
die juden Christo) berümung des höchsten adels aufgehebt mit verweissung des widersatzes und des unadels und lesterlicher gepurt: wann sie hielten ine für einen bankhert
schatzbehalter (1491) 161
d; uber das alles sein etlich so boser art, das sie sich schemen yhrer eldren des armuts, unadels, ungestalt odder unehre halben Luther 6, 251
Weim.; wie nun die snd, vnadel des vatters
den sun nit drumb bOesz .. macht .., also sein adel kunst und tugend macht den sun nit edel Franck
chronica 13
b; vnd von der zeyt an liessen sie yhn seines vnadels halben zufriden Agricola (1534) lvii
b; dagegen aber mag dir kein vnadel kein armuth .. schdaen Barth
weiberspiegel j iii
b; hierauf funden sich tAeglich viel von adel vnd vnadel auf ihren gtern wieder Chemnitz
schwed. krieg 116, 2;
vgl. II D; adel und unadel, die in Deutschland die menschheit spalten, verbrüdert und verkittet die edle maurerey Zimmermann
über die einsamkeit 2, 57
anm.; es verdrosz mich, dasz ich in einem fremden lande .. durchaus adel oder unadel documentiren solte Hippel
lebensläufe 2, 255. I@A@22)
bei thieren: so ist sy (
die rothe farbe des rothfalken) edel vnd tötet (Fischer 2, 291, 3 ?) nit die gepeürischait vnd den vnadel Mynsinger
von den falken pferden u. hunden 14. I@BB.
der in un- enthaltene tadel trifft die gesinnung, den charakter, die persönliche cultur, die leistungsfähigkeit und beschaffenheit. vgl. den moralischen begriff der καλοκἀγαθία. '
unedle beschaffenheit' Campe 5, 119
b; Vogt 10
ff. 14
ff.: ain arch der götleichen gnâden, ain gar schœnen arch, ain auzgesnitenen arch von allem unadel Konrad von Megenberg 338; kein grôzirs unadel ûf disir erdin mag sich obir einin gemêrin, danne wer noch sînin bôsin begerdin den tûfil hêd zu eime hêrin
ritterspiegel 1541
Bartsch; dass die hoffart .. nicht den adel, sondern den grossen vnadel macht Guarinonius
grewel der verwüstung 1077; die derben äuszerungen gesunder roher kraft, die durch mancherlei gesellige einverständnisse noch nicht gefesselt, aber für die edelste sittliche bildung empfänglich ist, sind wesentlich von festgesetzter barbarei und davon unzertrennlichem unadel der sitten verschieden A. W. Schlegel 10, 128 (
rec. d. Vossischen Homer); siebenfach fühle ichs .. die schwachheit, erdeniedrigkeit, unadel und verwirrtheit meiner kräfte Herder 6, 324. IIII.
concret. II@AA.
die sociale und moralische bedeutung können zusammenflieszen: auff das der frome adel deste mehr gonst bey gott und seinen christen gewönne, und der unadel deste ungeschaffner und feindseliger sein müsste Luther (1556) 5, 203
b; aber also sprechen die predigcantzen zu jren liebkoslern, dem geitzigen vnadel Nas
das antipap. eins vnd hundert 4, 356
a. II@BB.
im concreten collectiven sinne braucht unadel
keinerlei ethische bedeutung zu haben: auf das der onderscheidt zwischen adell vnd vnadell auch in der kleidung sei vnd erhalten werde (1664) Bauer - Collitz 178
a. 319
a; giebt es auch hie und da noch unadel von 16 quartieren Zimmermann
einsamkeit 10
Minor; allen diesen unklugen stolz erwiedert der verständige unadel mit zehnfach edlerem stolze 4 (1784), 342; allein dem adel gebührt es, sich zu gürten, wenn sich der unadel was herausnehmen will Hippel
lebensläufe 3, 2, 489. II@CC.
in der mundart von Glarus ist ein unadel
ein unedler, gemeiner mensch, im appenzellischen ein ō-adel
ein schlimmer, schlauer mensch. vgl. unflat, Staub-Tobler 1, 85
und 2unadel. II@DD.
eine besondere verwendung findet unadel
in der formel adel und unadel
zunächst zur bezeichnung der gesammtheit der laienstände Vogt 23,
dann überhaupt der begriffe '
die gesammtheit, alle ohne ausnahme, eine ungezählte menge, jedermann'
u. ä. synonym mit '
grosz und klein, hoch und niedrig, alt und jung, mann und weib' s. un- IV C 3: dasz sie viel vom adel und unadel .. erschossen Götz von Berlichingen 16; adel, vnadel, klein und groszhans Reutter
kriegsordn. 25; der könig befahl, dasz sein volck sich rusten solte, adel vnd vnadel, vnnd solten mit jhme nach Dordon ziehen Paul von der Aelst
Heymonskinder 65; die herren ausz dem hoff kamen mit einer grosse menge adell vnd vnadell, grosz vnd klein, frawen vnd jungfrawen 83; bürger vnd bauren, adel vnd vnadel Mengering
kriegsbelial 854; als haben sich viele vom adel und unadel auszgemachet Micrälius
altes Pommern 3, 308; bey Greiffenberg sind ausz einer weiden etliche rosen gewachsen vnd von adel vnd vnadel gesehen 5, 373; die inwohner des landes, adel und unadel Chemnitz
schwed. krieg 3, 1, 78
a; seit der kurfürst befohlen, man sollte allen Schweden »die hälse entzweischlagen und adel und unadel sie töten, wo man sie fände« Prutz
preusz. gesch. 2, 207; dem sey aber nun allen wie ihm wolle, so solten wir Teutschen uns doch den von dem Bouhours uns gethanen vorwurff, als ob wir keine beaux esprits unter uns hätten, .. darzu anreitzen lassen .., dasz wir auch durchgehends sowohl hohes als niedern standes, sowohl adel als unadel .., uns einen schönen geist zu erlangen, angelegen seyn liessen Thomasius
von nachahmung der Franzosen (1687) 31; diesemnach sollen auch von adel und unadel hohe und unterofficierer ... gehorsam seyn Fleming
vollk. teutsche soldat 186; keiner führte .. das schwerdt so wie er, so dasz ihn jung und alt, grosz und klein, adel und unadel bewunderte Tieck 4, 294 (
Phantasus 1,
Magelone).