steile,
f. anscheinend erst im 18.
jh. gebildet; älteste literaturbelege bei Göthe. 11) st.
in abgezogener verwendung: '
im sinne von '
steilheit'
kennzeichnet st.
die beschaffenheit eines dinges, da es steil ist' Heinsius 4, 773
a; Hübner 4, 398
b.
ähnl. Jagemann 2, 1157.
vom gelände: in enger verbindung mit attributiven genitiven: die st. der unteren Watzmannstufe H. v. Barth
Kalkalpen 11; die st. und härte der paszsperrenden felsen W. Jordan
die Sebalds (1904) 1, 125.
selbständiger gebraucht: aus der gegenüberliegenden seite des wassers, ... stieg eine felswand empor, ... ihre st. verkündete, wie tief hier das kleine gewässer sein müsse G. Keller
ges. w. 1, 248; da (
im Algäu) wird er eine st. kennen lernen, die vorher ihm fremd gewesen H. v. Barth
Kalkalpen 144.
mit charakterisierenden adjectiven: grotten ..., die ... in furchtbarer st. über den abgründen schweben Ritter
erdkunde 1, 777; abhänge ... von schwindelnder, fürchterlicher st.
jahrb. d. Grillparzerges. 1, 368; in plumper st. Scheffel
ges. w. (1907) 1, 213; mit gewaltiger st. H. v. Barth
Kalkalpen 574; eine lichtung führt in rasch steigender st. ... hinauf D. v. Liliencron
w. 4, 226.
ähnl. von wegen im gebirgsgelände: bei Rothenburg ... ist eine wilde steig, die Kniebrechen genannt wegen ihrer st. Aurbacher
volksbüchl. 2 (1839) 196; endlich fing der pfad an, etwas von seiner jähen st.
zu verlieren fürst Pückler
briefw. u. tageb. 2, 199.
von sonstigen in die höhe ragenden dingen: ich hatt erstiegen des katheders steile Rückert
w. (1867
ff.) 2, 164. st. =
höhe? s. unter 3,
α. 22)
nicht selten bleibt aber st.,
schon nach 3
hinüberdeutend, in eigenartig schillernder bedeutung ein nur mit einschränkung abgezogener begriff: das wasser entstürzt der steile des felsens Göthe 1, 288
W.; über ihm durch sturz und steile flieht der gemsen scheue eile Rückert
w. (1867
ff.) 3, 17; der aufstieg ging besser ... die st. zeigte sich freilich beträchtlich, aber überall waren spalten und risse Fontane
ges. w. 1, 6, 283; nachdem (
beim abfahren im schnee) die erste st. sich verlaufen H. v. Barth
Kalkalpen 20; träumerisch ging ich waldabwärts, oft in der st. strauchelnd H. Hesse
diesseits (1907) 86. 33) st.
in concreter bedeutung. 3@aα)
von erhebungen im gelände. die steile stelle selbst (
vgl. Heyne 3, 785): auf dem schroffsten rande einer solchen st. Göthe 25, 296
W.; matten, wald, abhang und st. III 2, 179
W.; das ich ... die st. vorsichtig hinabzukommen suchte L. Richter
lebenserinn. 1, 259; die st. zu erklettern brüder Grimm
sagen 1, 159; wie d d steiln hraufteufelt bist Anzengruber
ges. w. 1, 266; unerträglich wurde es endlich den feinden, an der st. zu haften, in groszen sprüngen flohen sie zurück G. Freytag
ges. w. 8, 197.
in solchen zusammenhängen dafür auch das comp. bergsteile:
ahnen 1, 124.
noch plastischer wird der concrete gebrauch, wenn zu st.
adjectiva hinzutreten: stadt an der glatten st. W. v. Humboldt 4, 100
ak. ausg.; eine felseninsel, ringsum von unersteiglichen steilen umgeben Fr. L. Jahn 2, 434
E.; in finsternisz und eile, da tritt das röszlein fehl, es stürzt von hoher steile. gott tröst des reiters seel! Uhland 1, 433
krit. ausg.; die jähe st. Ebner - Eschenbach
ges. schr. 6, 230; an einer kleinen st. G. Freytag
ges. w. 9, 237.
nur ganz vereinzelt von bauwerken, wenn nicht st.
einfach = höhe
in abgezogenem sinne ist: (
der feldherr Zal ruft Nudabe an, die auf einem altane steht): o mond in der steil, ein grusz von mir, von den sphären dir heil! ... den schöpfer fleht ich an mit begier, dasz heimlich dein bild er zeige mir Rückert
Firdosi 1, 161. 3@bβ)
als technischer fachausdruck: 'steilen (
pl.)
der bettungen. (
schiffsbau.)
dieses sind zwei starke viereckigte posten, die einige fusz hinter dem fockmast aufrecht stehen' Jacobsson 7, 434
a; Krünitz 171, 231; Hübner 4, 398
b.
ähnl. Heinsius 4, 373
a; Bobrik 662
a.
in den letztgenannten quellen als weitere bedeutung: '
die taue an den netzen, womit die häringe gefangen werden'.
vgl. zu beiden verwendungsarten auch Beil 1, 570.