spruch,
m. eigentlich das sprechen, einmaliges sprechen, gewöhnlich: was (
auf einmal)
gesprochen wird, ist, meist prägnant, mhd. spruch, i-
bildung, daher mit umgelautetem plural. im älteren md. begegnen unumgelautete pluralformen. Elisabeth 57 (
s. unten II, 2,
a).
quelle von 1504 (
Marburg)
bei Dief.-Wülcker 860 (
s. unten I, 2).
einmal ist ein umgelauteter sing. bezeugt: ein sprüch wie einer clagt sein ellendt.
fastn. sp. 1432
Keller. eine md. nebenform sproch
Braunschw. reimchron. 8489
Weiland (
s. unten II, 2,
a)
lebt mundartlich fort. Gangler
luxemb. umgangsspr. 428.
vgl. mnd. sprok(e),
m. Schiller-Lübben 4, 347
b,
nnd. spröke(e),
m. ten Doornkaat Koolman 3, 290
b, sprüək Woeste 252
a, šprk Bauer-Collitz 98
a. II.
verbaler sinn ist zum theil noch erkennbar bei der verwendung des worts in der rechtssprache. vgl. sprechen II, 11. I@11)
entscheidung, urtheil, in verbalem sinn und das urtheil nach form und inholt bezeichnend, auch ohne rücksicht darauf, ob es zuerst wirklich gesprochen oder in anderer art bekannt gegeben ist, spruch eines richters,
decretum, placitum, dogma, iudicis sententia. Maaler 382
b, spruch oder ausspruch des richters,
sententia judicis. Frisch 2, 310
b. Adelung,
arbitrorum vel judicis ordinarii pronuntiatio. Haltaus 1709,
nach Frensdorff
hist. aufsätze dem andenken an Georg Weitz gewidmet (1886) 455
in älterer sprache weniger '
sententia'
als '
arbitrium',
schiedsspruch. vgl. richterspruch,
schiedsspruch,
urtheilsspruch: die sache steht auf dem spruche,
negotium in judicium est adductum, sub iudice lis est, causa sententiam judicis postulat. Stieler 2104, auf den (?) spruch. Adelung. die sache kommt zum spruche: wenn es wird zum spruche kommen,
quando sententia feretur. Steinbach 2, 638. die gerichtlichen verhandlungen liegen zum spruche vor. Campe. eine sache zum spruche bringen. Adelung, zum spruche einrichten, vorbereiten, einleiten. Campe. in einer sache geschieht ein spruch: es sind in dieser sache schon drey sprüche geschehen. Adelung. einen spruch sprechen: die richter sprechen einen spruch,
judices sententiam pronuntiant. Steinbach 2, 638; (
im bilde:) ich ger mit recht des rechten, und bit darumbe frâgen, ob sich mit triuwen slechten zwei lieb gesament haben sunder bâgen, darumbe hât diu Stæte ir spruch gesprochen. Hadamar v. Laber
jagd 521, 5. einen spruch tuhn,
sententiam ferre, judicio decernere. Stieler 2104, thun Steinbach 2, 638. Adelung,
auch als schiedsrichter. Frisch 2, 310
b: nach des spruches sage, den der marggraf von Prandenburg getân hæte.
quelle im mhd. wb. 2, 2, 539
b; seinen gutlichen oder rechtlichen endlichen spruch tun.
quelle des 15.
jahrh. bei Haltaus 1709; sover sie sich aber mit einander nit kunden vergleichen, so sold der bropst alweg gewalt haben ain spruch darumben zu thun.
steir. taid. 273, 8; der zusatz, so beid teil also gesetzt hand, hat darumb einhelligklich ein spruch getan nach innhalt eines spruch-briefs, darüber geben. Tschudi 2, 217
a; 's gricht het e spruch to. Hunziker 249; hier that er (
der zwingherr in der Schweiz) manchen feilen spruch, liesz blut und thränen rinnen. Stolberg 1, 100; von ganzem herzen bitt' ich das gericht, den spruch zu thun.
Shakespeare kaufm. 4, 1. einen spruch machen,
frei: hernach mach' einen spruch, ob ich zu tadeln sey. Hoffmannswaldau
bei Steinbach 2, 638. fällen,
in freierer anwendung: vivat der doktor (
arzt) hochgelehrt, der diesen spruch thät fällen! Schiller 1, 257. verfassen: verfasst den spruch! A. Gryphius 1 (1698), 33, 334. einem spruche genug tun,
ihn erfüllen: dem spruch genug zu tun, den danne der stette werglüte, zwischen ine ... gethan haben.
quelle von 1427
bei Scherz-Oberlin 1545. einen spruch halten,
frei: ir was auch der spruch (
Tristans in einem streite der Isolde mit Brangäne) ringe, und den willig zehalten, wann sie gedaucht zuo widerlegung nichts zuovil.
Tristrant u. Isolde 63, 10
Pfaff. sich einem spruche widersetzen: wöllen sie sich der selben spruch wider setzen.
d. städtechron. 10, 254, 19 (
Nürnberg, v. 1460). aus dem spruch gen,
dem schiedsrichterlichen spruche nicht nachkommen. quelle von 1459
bei Schm.
2 2, 700. den spruch (des rathes) um stoszen,
sententiam (
senatus)
labefacere. Steinbach 2, 638.
andere belege: so begehre er umb sollichen frevel das recht und eines redlichen spruchs.
quelle von 1516
bei Haltaus 1709; wie die urthailen, auch güetig sprüch und vertrag in compromiss und andern handlungen geschöpft und publiciert werden sollen.
tirol. weisth. 4, 637, 34; ob die penn geviel aber nicht, so soll doch die täding und diser spruch alzeit bei kraft und bei macht bleiben, als
oben geschriben steet. 169, 43 (18.
jahrh.); wenn der weltenbau auseinander fällt, und der spruch des gerichts auch die bande des bluts, auch der liebe zerschneidet, bleibt dieses fünffache heldenblatt ganz! Schiller
Fiesko 2, 18; mein vater, des königs oberster kämmerer, wurde bezichtigt, in verrät'rischem vernehmen mit Frankreich zu stehen, durch einen spruch der parlamente verdammt und enthauptet.
kab. u. liebe 2, 3; wenn ein ochs, der es nicht durfte, ihm auf den acker trat, so konnte er zwanzig oder dreyszig gulden daran wagen, um einen spruch zu erhalten, dasz der nachbar, dem der ochs entronnen war, ihm so viel batzen für den schaden schuldig wurde, als ihn der spruch gulden kostete. Pestalozzi
Lienh. u. Gertr. 1 (1790), 321; der mann, der dir den Planta erschlug, ist dir von rechtswegen verfallen. er stellt sich dir und erwartet hier deinen spruch. C.
F. Meyer
Jenatsch 148. ouch mand er an den spruch die vier, den eʒ enpholhen was, als man an der abschrift las, als diu handveste stuont, dâmit man si versuont. Ottokar 10777
Seemüller; und also; fuhr der richter fort, wenn ihr nicht meinen rath, statt meines spruches, wollt: geht nur! Lessing 2, 280; kek nahen izt die todte sich zum höllischen monarchen — der frau Plutonin in die küch ein lapperdan (
stockfisch) — macht gute sprüch und fromme Aristarchen. Schiller 1, 257; brüder — einen sanften spruch aus des todtenrichters munde! 4, 5; (
Palamedes) der, boshaft angeklagt, weil er den krieg misrathen, sein leben durch der Griechen spruch verlor. 6, 350; aber euch wünsch' ich zum letzten milden spruch des ewgen richters. Uhland (1864) 275. spruch, wahrspruch der geschworenen.
vgl. auch fehlspruch.
freier: als sie aber durch die stedte zogen, uberantworteten sie jnen zu halten den spruch, welcher von den aposteln und eltesten zu Jerusalem beschlossen war.
apostelgesch. 16, 4; ein feyerlicher spruch der nation entsetzt den tirannen des thrones. Schiller 7, 11;
in der folgenden stelle handelt es sich um eine von Saturn gefällte entscheidung eines streits zwischen göttern, wodurch das geschick des menschen bestimmt wird: des schicksals spruch ist erfüllet und mensch heiszt dieses geschöpf. Herder 29, 76
Suphan. aber auch sonst mit abhängigem gen. eines abstractums: den man nie nennt, ohne dasz eben die lippen, welche einst nie ermüdeten ihn lobzupreisen, den spruch des hasses und der verwerfung über ihn aussprechen. Klinger 8, 4.
auch vom urtheil eines einzelnen in einer strittigen sache, das nicht die endgültige entscheidung darstellt, so verblassend: dar nâch kâmen sie (
die meister) wider ze rehter zît und brahte ir ieglîcher wider sînen spruch, der nim ich iezuo zwei oder drîe.
d. myst. 2, 268, 2; viel nachdenken erheischt das gesuch, und einzuholen ist mancher spruch. Rückert
Firdosi 2, 52.
mit 2
vermittelt die folgende stelle, wo das wort jedenfalls die rechtssphäre berührt: uns irret einer hande diet: der uns die furder tæte, so möhte ein wol gezogener man ze hove haben die stat. die lâʒent sîn ze spruche niet. Walther 103, 22. I@22)
rechtliche klage, forderung, das fordern und sein inhalt, was einer als rechtlich ihm zukommend bezeichnet, bezeichnen kann, sprüche
etiam sunt praetentiones, et actiones. Stieler 2103, spruch
pro anspruch,
compellatio iudicialis, actio. Haltaus 1709,
von Adelung
als oberd. angeführt. vgl. Schm.
2 2, 700,
aus der schriftsprache durch anspruch
völlig verdrängt: um solch sprüch bot sich der vorgenanter herr von Heideck zu recht und wurden teg doran gemacht.
d. städtechron. 2, 123, 10 (
Nürnberg, 15.
jahrh.); so mag doch derselbigen stück iede parthei gebrauchen zu kreftigung anderer irer sprüch. 235, 9; und daselbst spruch, antwort, rede, widerrede und nachrede auch urtheile ergangen seyn.
quelle von 1456
bei Haltaus 1709; und waren eitel unredlich sprüch.
d. städtechron. 22, 220, 1 (
Augsburg, v. 1469); der kaiser solt das heiratguet noch schuldig sein: da brachen si in ainen spruch ab ainem zaun und wolten dasselbig an des gefangen künigs stat haben. Aventinus
chron. 2, 508, 32
Lexer; aber ausserhalben erstgemelter coherenzen belangent der gmain ier sprüch unvergriffen und unbenummen.
tirol. weisth. 4, 75, 31 (
v. 1589); was sprüche sind, die grund und boden, erb und eigen antreffen, die sollen berechtet werden in den gerichten, darinn solch grund und boden liegen.
quelle bei Schm.
2 2, 700; sîn vorvar, herr Rudolf, hât sînem spruche frums noch sînes bistums sô vil niht erziugt, dô er mit uns urliugt und uns wânde bekrenken. Ottokar 56151
Seemüller. spruch zu einem (
attributiv): darumben herzog Steffan von Landshuet schrieb zu Münichen ein landschaft aus ... von der leuf und sprüch wegen zu den herzogen von Österreich von des pirgs wegen. Aventinus
chron. 2, 511, 32
Lexer. spruch an etwas (
dat.): item herczog Albrecht ist gericht mit den von Rotweil umb den brant und spruch an dem slosz Hohemberg.
d. städtechron. 2, 237, 6 (
Nürnberg, 15.
jahrh.). (einen) spruch, sprüche haben zu einem: da marggraff Albrecht sahe und merckt, daʒ im sein wille nit ergen wolt, da klagt er, wie er sprüch zu den von Nürmberg het. 124, 25; am aftermäntag vor Bartholomei raubten zwen brüeder von Freyberg und namen den von Köln, Franckfurt und andern stetten am Rein wol 13 wägen guots ... und hetten gantz kain spruch zuo in. 22, 115, 4 (
Augsburg, v. 1455); ob auch derselb Maltits zw dem yetzgemelten Hofman spruch zu haben vermainet.
urk. Max. 94; spruch zu sein gnaden haben.
quelle des 16.
jahrh. bei Dief.-Wülcker 860;
freier: si unus debet 100, ego 10 000, ergo etiam debeo me coram hominibus halten für einen sunder, quia ein itzlicher hat ein spruch zu mir und ich wider zu im. Luther 19, 517, 9
Weim. ausg.; mit näherer sachlicher bestimmung: sprüche zu einem haben um etwas.
quelle von 1442
bei Schm.
2 2, 700; ob er sich nit einlassen (
wollte), sol man ime ainen rechtag verkünden, desgleichen dem gegentail, der spruch zu im hat um erbar sachen.
salzb. taid. 67, 2;
auch ergänzt durch gen. der sache mit folgendem halben.
urk. Max. 156,
s. unten. spruch, sprüche haben zu etwas: ist aber das ein perkman in wein, getraid und ander gut greift darzu ein andrer spruch hett.
steir. taid. 412, 5; allen erben, geltern und gläubigern menigelich, so sprüch darzue zu haben vermainen.
tirol. weisth. 4, 667, 39; und sein spruch, so er zu jm (
dem schlosse) zu haben vermeint.
urk. Max. 39; die guter, da zu sie spruche zu haben vermeynt.
quelle von 1504 (
Marburg)
bei Dief.-Wülcker 860. gegen einen (
frühnhd. einem): im 16. jar keiser Karoli reigirung kam derselb Karel gein Nüremberg und hielt da in der vasten einen grossen hove, in welchem hove die spruche und zwitrecht, so burggraff Friderich gein der stat Nürenberg ... hett, ... gutlich hin gelegt und auszgesprochen und des yedem teyle von den fursten brieffe gegeben wurden.
d. städtechron. 3, 285, 28 (
Nürnberg, 15.
jahrh.);
vgl. auch den unten angeführten beleg von 1514
bei Haltaus 1709,
wo zu
und gegen
in verbindung mit haben
neben einander erscheinen. sich sprüche zu einem vornehmen: (
Albrecht v. Brandenburg) nam im fast vil sprüch zu im für.
d. städtechron. 2, 123, 8 (
Nürnberg, 15.
jahrh.); wann die sprüch, die im marggraf Albrecht zu dem von Heideck für nam, waren nichtz wert. 124, 6;
vgl. weiter 11, 763, 5
unten. statt zu
erscheint hier auch an,
das ebenso in andern verbindungen möglich ist. Basl. chron. 6, 374, 12,
s. unten. sprüche zu etwas gerichtlich vornehmen: so yemand zu den erkauften gütern ainiche forderung oder sprüch gerichtlich fürnemen wurde.
Nürnb. reformation (1564) 92
a. spruch zu einem setzen,
ihn anfordern, klagen. Aventin
bei Schm.
2 2, 700; sprüche wider einen: wo iemants wider den andern sprich ze sözen vermaint, der soll es vor der geordneten oberhand thuen und alda rechts erwarten.
salzb. taid. 184, 4 (17.
jahrh.). sprüche suchen zu einem: wo aber nit (
einer nicht auf frischer that ergriffen ist) und ist hernach uber kurz oder lang wider darein komen, hat in die oberkait nit mer anlangen dürfen, sonder der zu im sprich gesuecht hat in vor seinem gerichtsherrn zu Lobenau fürnemen müssen. 84, 18 (
um 1660). seinen spruch, seine sprüche suchen vor einem (
richter): das der kläger ... soll ... sein spruch weiter suechen vor der urbar herrschaft.
tirol. weisth. 2, 376, 19 (16.
jahrh.); das der klager den antworter umb sollich klag müessig machen soll bei dem frembden gericht ... und sein sprüch suechen vor dem urbar-ambt-man und gericht.
salzb. taid. 2, 22 (17.
jahrh.). seine (zwietracht und) sprüche rechtlich austragen: daʒ wir beider teile unser zwitracht und sprüche vor seiner küniglich majestat rechtlich mit einander ausztragen ... solten.
d. städtechron. 2, 134, 30 (
Nürnberg, 15.
jahrh.);
ähnlich 3, 285, 28,
s. oben; auch: und ob wir spruch und vorderung zu einander gewonnen, sollen die auszgetragen werden.
urk. Max. 89. seine sprüche ruhen, anstehn lassen: daʒ wir dem mergenanten fürsten, marggraff Albrechten umb sulche seine furgelegte und gemelte sprüche und anvorderunge, also an uns getan, vor dem allerdurchlauchtigsten fursten und herrn hern Friderichen, römischen künige . unserm gnedigisten herrn rechtens und billichs ausztrags phlegen und unsere sprüche ... zu dem male ruwen und ansteen laszen. 2, 134, 20 (
Nürnberg, 15.
jahrh.). seinen spruch, seine sprüche fallen lassen: zum ersten sol hertzog Ludwig alle sein sprüch gein marggraf Albrechten fallen lassen und süllen ab sein. 22, 150, 5 (
Augsburg, von 1459); all unser sprüch müessen wir fallen lassen. 221, 16 (
von 1469); will alsdan der clager seinen vermainten spruch gegen ihme nicht fahlen lassen.
salzb. laid. 184, 12 (17.
jahrh.).
ähnlich: so sollen wir oder die ... rechtlosz sein und den spruch verlohren haben.
quelle von 1398
bei Haltaus 1709; dasz sich der hertzog aller sprüch verzig, die er zuo dem Regel hett.
d. städtechron. 25, 236, 25 (
Augsburg, v. 1526); wellicher aber über das verpott ... thet, der ist in der herrschaft schwären straff und dem andern all seine sprüch abzulegen schuldig.
steir. taid. 485, 16 (
vgl.: wer dasz überfüer, der ist in der herrschaft schwören straf und dem andern alle seine sprüch verfallen. 24, 26); sich der weiblichen sprüch begeben,
klausel in kontrakten. Schm.
2 2, 700.
mit sinnverwandten ausdrücken verbunden, sprüche und forderungen. Stieler 2103, anforderungen: in derselben gegenbertickeit nu der vorgenante fürst, marggraff Albrecht, seiner sprüche und anvorderunge etwe manige und sünderlich unter andern in meldunge des genanten hern von Haideck handels dargelegt und lauten hat laszen.
d. städtechron. 2, 134, 6 (
Nürnberg, 15.
jahrh.); nachdem und ir (
Albrecht v. Brandenburg) euch sprüche und anvorderung gen dem edelen herrn Conraten herrn zuo Heideck, uns und unserm commawn furgenomen. 515, 6; das ich (
oder) nyemant von meiner wegen solcher stuck halben keynerley spruch noch anforderung zu gemeyner stat, dem erbern rat noch sundern personen weder gutlich noch rechtlich dorynnen furnemen ... sollen noch wollen. 11, 763, 5 (
Nürnberg, v. 1468); von solds, schadens und ander spruch und vordrung wegen, was er der zu uns gehabt.
urk. Max. 53; umb sein gerechtigkeit, spruch und vorderung, so er zu dem könig zu haben vermeine. 89; aber er der zwayer slösser halben spruch und forderung zu uns zu haben vermaint. 156; ob hinfüro jemand ... spruch, klag oder forderung zu und gegen den rath der stadt Wormbs ... haben oder zu haben vermeinen und fürnehmen würde.
quelle von 1514
bei Haltaus 1709; was sich gesagter Argentischen sachen halb gegen ynen, iren hab und gütern zutragen, von dessen wegen, an ein stat Basel, noch gmein eidgenossen, ir aller lüt, hab und güter, niemerme rechen, weder spruch noch vorderung fürnemen, ze haben noch ze bruchen, inn noch usserthalb rechten, in kein wys.
Basl. chron. 6, 374, 12 (
v. 1540); wann einer zum andern sprüch und fürderung zu haben vermeinet. Ayrer
proc. 2, 2; wer auf unser grund und güeter icht vermaint erb, herrngnad und paurecht, leibgeding, freistüft oder andere gerechtigkeit, sprich und anforderung ze haben.
salzb. taid. 5, 24; da ... von wegen entwendter junkfrauschaft forderung oder sprich firfohlen (
vorfallen). 138, 12 (17.
jahrh.).
mit recht: und solle nachzumahlen, wie gemelt, nit allain dem tail, so vor inserierter massen geschädigt worden, sonder auch auf erfordernden fal der gsambten nachtperschaft ire sprich und recht zu ersuechen vorbehalten sein.
tirol. weisth. 1, 282, 8 (
v. 1674); doch sollen ... ihre sprich und recht genzlich vorbehalten sein. 2, 172, 4; bey verlierung ihrer sprüch und wittiben rechten.
quelle bei Scherz-Oberlin 1545.
mit schaden: wurde er von dem würth beclagt umb aufgetragene zech, so ist er dem pfleger und seinem richter verfallen umb das wandl, dem wirth umb sein spruch und schäden.
salzb. taid. 19, 6 (
v. 1625); so muesz der vatter oder herr für in tättigen umb das wandl und umb die sprich und schäden antworten. 23, 34 (
v. 1625); wo man dan sunderlichen sich deren annemben, dem belaidigten die sprüch und schäden darzue bevorstehen solle zu ersuechen.
steir. taid. 490, 11.
mit adjectivischen zusätzen, heurathliche sprüch,
praetensiones ex pactis dotalibus obvenientes. Scherz-Oberlin 1545, heiratliche, weibliche, wittibliche sprüch,
forderungen in betreff des heiratgutes, des witwenaustrags u. s. f. Schm.
2 2, 700: es kunnte dann das weib, wie recht ist, in jar und tag genugsam beweisen, dasz sie solcher handlung halber ihr heyrathliche sprüch verlieren müszten.
quelle bei Scherz-Oberlin 1545, persönliche sprüch,
forderungen, welche auf die person und nicht auf geld und gut gehen, ein ausdruck, der jedoch im 7.
artikel der (
bair.)
erklärten landsfreiheit, wo er auf die prälaten und adelichen bezogen ist, laut der vorrede v. 1616
gleichsam per privilegium in letzterem sinne genommen werden muszte. Schm.
2 2, 700. I@33)
in der rechtssprache wurzelt auch einspruch,
ebenso vielleicht widerspruch,
das hier der unter 2
erwähnten bedeutung von spruch
entsprechend die antwort des beklagten bezeichnet. der verbale charakter dieser beiden zusammensetzungen ist noch heute deutlich erkennbar. man sagt einspruch (
oder einsprache), widerspruch erheben
wie anspruch erheben, es erfolgt einspruch, widerspruch.
hier hat kein plural statt, den einspruch
überhaupt nicht kennt, der bei widerspruch
eintreten kann, wenn einzelnes gemeint ist, was '
sich widerspricht'.
s. dies unten. auch verspruch
hat als verpflichtendes übereinkommen beziehung zur rechtssprache und zeigt durchaus verbalen charakter. abseits scheint von zusammensetzungen mit verbalem charakter nur zuspruch
zu stehen, und doch vermittelt der geistliche zuspruch,
der einem delinquenten zu theil wird, auch hier die beziehung zur rechtspflege. IIII.
sonst wird spruch
durchweg von gesprochenem, in worten ausgedrücktem gebraucht. II@11)
in allgemeinem sinne. an den gebrauch in der rechtssprache erinnern wendungen gleich den folgenden: er kom zuo der sprâchean einem morgen fruo. lützel guoter sprücheredet er dar zuo.
Nib. 1440, 2;
deutlich von einem geschlossenen ausspruch (
vgl. unten 2,
f): 'nun her mit dem glücke von Edenhall!' der schenk vernimmt ungern den spruch. Uhland (1864) 354.
auf die ältere sprache beschränkt bleibt der allgemeine gebrauch von gesprochenen worten: ir jâhet mîn ze kebsen:daʒ sult ir lâʒen sehen. mir ist von iwren sprüchen,daʒ wiʒʒet, leide geschehen.
Nib. 789, 4; 'man sol sô vrowen ziehen',sprach Sîfrit der degen, 'daʒ si üppec sprüchelâʒen under wegen'. 805, 2; dô wîsete man die schœnenwider in den sal. gemelîcher sprüchewart dâ niht verdeit. 1612, 3; wie dikke ich mich der tôrheit underwinde, swanne ich vor ir stân, [unt] sprüche ein wunder vinde, unt muoʒ doch von ir ungesprochen gâ
n. minnes. 1, 126
a Hagen; dô manic guoter spruch geschach, die in schimpfe eineʒ gein dem andern sprach.
Lohengr. 1014; die (
frauen) mit süeʒen sprüchen rîch kunden schôn enpfâhen den künic lobelîch. 1664; man hôrte dâ sprüche wilde von der garzûnen croie.
krone 804; ein amiralt hieʒ Cardes, der half die schar in leiten und ûf den strît bereiten mit werken und mit sprüchen. 32663; er sprach ir sint bôser sprüche rich und schelten min hern teglich.
lieders. 2, 525, 773; wêre er (
gott) ungesprochen, daʒ selbe wêre ein spruch.
d. myst. 2, 130, 16; die stroʒʒe bedutet den hochmuot und die cleinen vedere subtiles inquisitiones, die swinden vragen und die listigen spruche. Schönbach
ad. pred. 1, 26, 35; und Hiob fur fort und hub an seine sprüche, und sprach.
Hiob 27, 1.
zur betonung der geschlossenheit: voller spruch,
periodus. Dasypodius.
deutlich für ein einzelnes wort: swenn ich dan ûʒ erkirne die selben sprüche (âvê
und Êvâ) beide, und ich ir underscheide gemerke wider unde vür. Konrad v. Würzburg
goldn. schm. 411.
für eine grammatische form: alsô setz wir oft den spruch der gegenwürtichait für den spruch der künftichait. Megenberg 60, 34. II@22)
meist aber prägnant, von gesprochenem, in worten ausgedrückten, was wie der spruch des richters feierlich vorgetragen wird, was feste form hat, was durch form oder (
und)
inhalt allgemeineres interesse beansprucht. II@2@aa)
in bezug auf dichtung. vgl. sprechen II, 12. II@2@a@aα)
mhd. von dichterischen worten, zunächst gewisz von solchen, die gesprochen, nicht gesungen werden, so wol in folgenden stellen, wo es sich um epische nicht strophische darstellung handelt: nû hœret den sprüchen (
überliefert: nu hœret daʒ mære [ward
hs. b] mit sprüchen.
hs. a), wie die diebe krüchen für gerihte mit ir bürden dâ si erhangen würden.
Helmbrecht 1651; dise materien er (
Gottfried v. Straszburg) hât gesprenzet in sô lichte wât, daʒ ich zwîvele dar an, ob ich indert vinden kan in mînes sinnes gehüge rede, die wol stênde tüge bî disen sprüchen guldî
n. Heinrich v. Freiberg 29; ob ich iuch nu wolte pfrengen und dise rede lengen von adelîchen sprüchen als ich kan.
krone 22231; hette koninc Alexander hi bevoren unte Darius zo strite ghehalden sus, men solt iʒ noch mit sprochen recken.
Braunschw. reimchron. 8489
Weiland; ob ich eʒ dan nit ebene nach rehte vollebrengen joch ir lob ersprengen mit spruchen, als ich dede, ob ich die volleist hede.
Elisabeth 57. sprüche
mit worten
zusammengenannt: mit jost wolt in emphâhen der junge Thêseus zehant, den ich mit worten iu genant und mit sprüchen hân dâ vor. Konrad v. Würzburg
troj. krieg 36095. sprüche
und reime
unterschieden: sprüch und rîme beider bin ich ungewaltic.
Reinfr. v. Braunschw. 12750.
vielleicht in bezug auf strophische darstellung, aber mit sprechen
zusammengestellt: nieman sol daʒ rechen ob ich hôhe sprüche hâ
n. wâ von sol der sprechen der nie hôhen muot gewan? ich hân hôch gemüete.
minnes. frühl. 146, 36. sprüche
dem sange
gegenübergestellt: ich kan mit sprüchen und mit sange gewirden wol, die mir sint helfebære.
minnes. 3, 104
a Hagen. vereinzelt in neuerer sprache ähnlich: eine magische gewalt üben die sprüche des dichters aus. Novalis 2, 31
Meiszner. II@2@a@bβ)
mit betonung der geschlossenheit gilt spruch
in älterer sprache für ein zum hersagen, (
vor)
lesen, nicht zum singen bestimmtes gedicht. vgl. W. Wackernagel
in Haupts
zeitschr. 8, 508. spruch
dem lied
gegenübergestellt: dises sagt von den Wienern und stet das man es lesen mag als ainen spruch, oder singen als ain liet. Beheim
buch v. d. Wienern, überschrift. dem gesang: meine gedicht, spruch und gesang, die ich het dicht vor jaren lang. H. Sachs 2, 243, 89
Tittmann. denselben sinn hat das wort augenscheinlich in stellen gleich den folgenden: nun volgt hernach ain spruch vom burger im harrnäsch. Keller
ad. erz. 197, 1; ain gar schöner spruch von aim, der solt ain doctor werden, wie er sein geltt verthett. 334, 1; ain spruch von ainem chrancz. 643, 1; ain schöner spruch von aim thumbrobst von Wirzpurk und aim maler.
fastn. sp. 1179
Keller; ain schoner spruch von ainem edlman mit der wolfsgrueben. 1183; ein spruch vom pfennig. 1336; ein guter abenteurlicher spruch. 1349; ain hübscher spruch von ainem paurn gar kurzweilig zu lesen.
nachlese 307; ain spruch der sagtt von ainem edelman der hett ain frawen die bult ain pfaffen. 308; ein spruch von ainer frawen und ir magd wie sy mitainander kriegenn. 322; ein fast abenteurischer spruch von einem kauffman von Strasspurg der gen Rom zcoch. (
von Folz,
druck vom ende des 15.
jahrh.). Haupts
zeitschr. 8, 517; ain spruch volgt hernach, zaigt an von wannen die affen kommen (
von demselben, handschr. v. 1524—26). 537; spruch von ainem ritter mit den nussen (
von Rosenblüt,
handschr. des 15.
jahrh.). 9, 168; demnach hab ich ... allerley handschriften, alte freihait, übergab, briefe, chronica, rüef, reimen, sprüch, lieder, abenteuer, gesang, petpüecher ... durchlesen und abgeschriben. Aventinus
chron. 1, 6, 32
Lexer; ain gereümpter spruch, genänt der kummer trost. Schwartzenberg 148
a; ein neuwer spruch, wie die geystlicheit und etlich handtwercker uber den Luther clagen. H. Sachs 23, 505, 1
Keller-Götze; herr Johannes Wernher hat ain deutschen spruch gemacht von ainer abenteurlichen handlung, die im in seiner jugendt mit ainer schenen frawen ist begegnet.
Zimm. chron.2 1, 586, 21; disen spruch hat er herzog Eberharten von Würtenberg zugeschrieben, ... und facht der spruch an wie hernach volgt. 33; in disem capitel werden vermeldet zwen sprüch, in reimen verfasst, die grave Gottfridt Wernher in seiner jugendt am würtenbergischen hoff gemacht hat. 4, 213, 7; er hat ain gaistlichen spruch gemacht, darin er geruehe alle moralia so weislichen angezogen, dass sich dess die eltern dozumal hoch haben verwundert. 14; neben disem gaistlichen, moralisierten spruch hat diser graff auch in seiner jugendt ain weltlichen, kurzwilligen spruch gemacht. 215, 42; ein schöner spruch von den vier und zwantzig buchstaben (
von W. Weber).
zeitschr. f. d. phil. 16, 177; der hertz spruch (
die herzmäre Konrads v. Würzburg). ... hieran so mügen pild ritter unde frawen an disem spruch (
im original: mære) schawen. Hätzlerin 2,
nr. 23; frü da stund ich fro auff und gieng und macht ausz dem gesprech ein spruch. H. Sachs 2 (1570), 2, 55
c; nachdem fant ich darinnen frei geistlich und weltlich mancherlei gesprech und sprüch vom lob der tugent.
dichtungen 2, 245, 171
Tittmann; ein spruch du uns hersprechen thu! Ayrer 791, 20
Keller. ähnlich: Petrus nach dissem spruch (
den einleitungsversen des '
proclamators',
die ein ganzes bilden) stat uff für den salvator und spricht. Mone
schausp. des mittelalt. 2, 161, 253.
noch heute heiszt volksmäszig ein kurzes gedicht, das hergesagt wird, besonders bei feierlichem anlasz, spruch. Hunziker 249. Schm.
2 2, 700. II@2@a@gγ)
aber spruch
geht mhd. auch in allgemeinerer art auf dichterische worte, so wenn singen
in offenbarer beziehung auf sprüche
gebraucht wird: hie vor, dô man sô rehte minneclîchen warp, dô wâren mîne sprüche fröiden rîche: sît daʒ diu minneclîche minne alsô verdarp, sît sanc ich ouch ein teil unminnecliche. Walther 48, 13.
mit deutlicher betonung der geschlossenheit erscheinen spruch
und lied
in gleichem oder ähnlichem sinne: wann er (
der dichter oder sänger von tanzliedern) ... muss uff sine sele nemen und ewiclichen pin liden fur die sunde, die uss den lidern oder spruchen gent, ussgenommen ruwe und buss.
ad. bl. 1, 53.
vgl. auch: einem ein spruch machen oder dichten,
componere carmen alicui. Maaler 382
b. II@2@a@dδ)
bisweilen bezieht es sich in mhd. stellen auf poetische worte oder gedichte, gesprochene und gesungene, von besonders bedeutsamem, zumal von lehrhaftem inhalt (
vgl. unten d und f),
mit zusätzen: wâ sprüche sam die rôsen clâr, wâ sinnic satz, wá vündic sin? Heinrich v. Freiberg 4; diu swachen schemelichen wort von künstelôsen tôren baʒ hellent in ir ôren, dann edele sprüche tugentsam. Konrad v. Würzburg
troj. krieg 151;
ohne solche: mîne sprüche sint niht beladen mit lügen sünde schande schaden. Freidank 129, 17; swâ meister Ernest wirt vertriben unt der gemâlten zühtepârât meister ist beliben, dâ vindent mîne sprüchevil selten stillen rûm noch bernden grunt. Reinmar v. Zweter 156, 3
Röthe. II@2@a@eε) spruch
als bezeichnung einer besonderen gattung von mhd. gedichten: solche töne oder strophen (
von denen jede ein ganzes bildet, aber mehrere im selben tone gedichtet sind, während jedes lied
seinen eigenen ton hat) möchte man sprüche nennen, ein ausdruck, der bei Walther mehrmals vorkommt, und nicht wohl auf anderes bezogen werden kann. ihr inhalt ist gewöhnlich politisch oder geistlich. dasz sie gesungen worden, ist allerdings wahrscheinlich, auch sind sie dem gesetz der dreitheiligkeit fast immer unterworfen; vielleicht wurden sie aber mehr recitativ oder parlando vorgetragen, so dasz sie wohl als sprüche bezeichnet werden konnten. Simrock
in ged. Walthers v. d. Vogelweide übers. v. K. Simrock u. erläutert v. K. Simrock u. W. Wackernagel 1 (1833), 175.
vgl. W. Wackernagel
gesch. d. d. litt.2 1, 301. 304. 327. Koberstein
grundrisz5 1, 214. 215. Scherer
deutsche studien 39
ff. die sachliche unterscheidung mag berechtigt sein, es ist aber nicht dafür der beweis erbracht, dasz das wort spruch
im mhd. in diesem technischen sinne gebräuchlich war. im mhd. wb. 2, 2, 539
b und bei W. Wackernagel
gesch. d. d. litt.2 1, 304
anm. wird diese bezeichnung als von Simrock
herrührend angeführt. vgl. auszer den oben angeführten stellen minnes. 3, 104
a und Walther 48, 13
noch: hêr Wîcman, ist daʒ êre, daʒ man die meister irren sol sô meisterlîcher sprüche? 18, 3. II@2@bb)
von formelhaften wortverbindungen allgemein, die bei bestimmten anlässen gesprochen, feierlich vorgetragen werden. II@2@b@aα)
von zauber-, segens-, fluchformeln, die poetische und prosaische form haben können: si sprach sô vrevelîchiu wort von zouberlichen sachen, daʒ der walt erkrachen begunde von ir sprüchen und sich ze wîten brüchen vil herter vlinse dô zercloup. Konrad v. Würzburg
troj. krieg 10539; durch ihren spruch versetzt sie berge, macht stein aus volk, aus riesen zwerge. Lichtwer (1828) 79 (3, 1); wann die hexe ... den spruch des zaub'rers, flüche mummelnd, schuldigte. Stolberg 5, 65; sie (
die Germanen) hatten heilkräftige sprüche gegen krankheit, gegen den bohrenden wurm im finger und zahn und gegen zerbrochene glieder, sprüche, deren worte noch jetzt ebenso in unserem volke klingen, wie sie in den Veda der Inder verzeichnet sind: es soll gefügt sein glied zu glied, bein zu bein und blut zu blut. Freytag 17 (1897), 54; gute sprüche, deren kraft er (
der Germane) oft empfunden, sind durch wandernde götter den weisen der vorzeit offenbart. 210; er (
der Germane) suchte heilkraut zu frommem spruch, und er fand die zauberkräftige pflanze nicht mehr. 213.
von einem gebet mit fester form: wohl! nun kann der gusz beginnen, schön gezacket ist der bruch. doch, bevor wir's lassen rinnen, betet einen frommen spruch! Schiller 11, 310. II@2@b@bβ)
formelhafte sprüche
bei anderen feierlichen anlässen: die braut steht unter der hausthüre; circa 50 schritt von der thüre steht der bräutigam mit dem brautführer und noch einem kameraden und thut einen spruch, welchen die braut erwidert. Birlinger
volksth. a. Schwaben 2, 391; der hochzeitlader, mit bändern und strausz geschmückt, ladet unter hersagen eines spruches zur hochzeit. 394; sprüche der handwerker: vom deutschen handwerksleben in brauch spruch und lied. Schade im
weim. jahrb. 4, 241; und ganz in prosa, gleichfalls dichterisch beseelter, so jedoch, dass nur stellenweis sich ein schmückender gleichlaut und etwa am schluss eines ganzen in längerer folge reime sich darunter mischen, sind die sprüche der handwerksgesellen, der schmiede, der bötticher u.
s. w. abgefasst, die rede, wenn ein lehrling geselle wird oder ein gesell auf der wanderschaft das handwerk grüsst. W. Wackernagel
gesch. d. d. litt.2 2, 43.
der spruch,
den der zimmermann (
polier)
spricht, wenn ein haus gerichtet wird, gipfelt in einem segenswunsch. freier, in archaisierender sprache: steh, waldgänger, und singe den spruch, der dich von meinem eisen löst! (
gieb die losung). Freytag 8 (1897), 1. II@2@cc)
ebenso von dem, was nur einmal bei bestimmtem anlasz feierlich, entscheidend ausgesprochen wird, soweit es kurz und nach form, inhalt bedeutsam ist. von weissagungen u. ähnlich: da hub er (
Bileam) an seinen spruch, und sprach.
4 Mos. 23, 7; als elfe (
weise frauen) ihre sprüche eben gethan hatten. Grimm
märchen 196 (
Dornröschen); da wirft der held (
Hagen) um den spruch (
der wasserfrauen) unwahr zu machen, den einen während der überfahrt in die fluth. Freytag 17 (1897), 205; es geht ein alter spruch: des reiches adler werde ruh erst finden im nest des löwen. Grillparzer 5 (1887), 38. gottes sprüch,
oracula dei. Dasypodius. Maaler 382
b.
vgl.: darumb, das ein hoher geist bey im (
Daniel) funden ward, dazu verstand und klugheit trewme zu deuten, tunckel sprüche zu erraten und verborgen sachen zu offenbaren.
Dan. 5, 12.
ein spruch
als ansprache beim zutrinken kann formelhaft sein oder sich freier entfalten. in einem segenswunsch gipfelnd berührt er sich wieder mit b, α.
vgl. trinkspruch: Jürg kostete den wein und reichte ihn mit dem spruche: 'auf dein wohl, Lucretia, und auf das deines vaters!' dem schweigenden kinde. C.
F. Meyer
Jenatsch (1901) 19.
freier, von einer vorbereiteten feierlichen rede, wol mit leichtem spott: Wilhelm, obgleich seinem gefühl nach die (
seine geplante) pathetische rede zu dem natürlichen empfang nicht recht passen wollte, nahm sich doch zusammen, ging auf die schwelle los und wollte seinen spruch beginnen. Göthe 20, 8.
volksmäszig auch allgemein von jedem redestück, so bair. Schm.
2 2, 700.
soldatisch in obd. gegenden: sprüch reiszen, machen,
das grosze wort führen. Horn
soldatenspr. 82. II@2@dd)
häufig kurzer prägnanter, eine lehre, mahnung, wahrheit enthaltender satz, der oft ausgesprochen wird oder es verdient. zuerst bezeugt von solchen in poetischer form. vgl. oben a, δ. alter spruch: mîn vorderunge ist ûf in (
könig Otto) kleiner danne ein bône; eʒn sî sô vil, obe er der alten sprüche wære frô. Walther 26, 27; der alte spruch der ist wâr: swer guoten boten sendet, sînen vrumen er endet.
Iwein 6064; die alten sprüche sagent uns daʒ: swes brôt man eʒʒen wil, des liet sol man ouch singen gerne, und spiln mit vlîʒe, swes er spil.
minnes. 2, 153
a Hagen; eingedenk des uralten spruchs, dasz ein bruder dem andern wie die hand der hand helfe, übernahmen wir ... das dargereichte geschäft. J. Grimm
vorrede oben theil 1, ii.
mit anderen zusätzen: kurtzer spruch, der eyn verborgene lehr begreifft oder anzeygt,
symbolum. Dasypodius, herrlicher spruch,
gnoma. Maaler 382
b, denkwürdiger spruch,
gnoma. Stieler 2103; ein weiser spruch,
dictum sapiens. Steinbach 2, 638
u. ähnlich: von mancherley feinen sprüchen. Kirchhof
wendunm. 1, 421
Österley; der Teutschen scharpfsinnige kluge sprüch.
titel eines 1626
zuerst erschienenen buchs von Zincgref; ein gedicht musz ganz unerschöpflich seyn wie ein mensch und ein guter spruch. Novalis 3, 31
Meiszner; frauen, mit ihrem gesunden mutterwitz und im gedächtnis gute sprüche bewahrend, tragen oft wahre begierde ihr unverdorbnes sprachgefühl zu üben. J. Grimm
vorrede oben theil 1, xiii; man musz sehn, dasz mans klug anfang, wenn recht sol gehen seinen gang ein solcher kluger spruch würd' allen bringen frommen.
Reinicke fuchs (1650) 235;
sprichwörtlich: weise sprüche, gute lehren soll man thun und nicht blosz hören. Simrock 462, 9790.
ohne zusätze spruch (der) leerspruch, gulde wortt,
sententia, effatum, verbum, proverbium, adagium, paroemia, dictum. Maaler 382
b,
sentenza, proverbio, motto. Hulsius (1618) 1, 236
b,
dictum, proverbium. Schottel 1420,
axioma, gnoma, canon, proverbium. Stieler 2103,
von Adelung
als '
in der anständigen schreibart'
veraltet, nur noch '
im gemeinen leben'
üblich bezeichnet, auszer in zusammensetzungen, aber noch heute durchaus üblich. vgl. Weigand4 2, 783: der ander (
der sieben weisen) ist Chilo von der kriechischen stat Lacedaemon. sein spruch: 'erkenn dich selbs, lern dich selbs erkennen wol'. Aventinus 1, 305, 13
Lexer; denn hie ist der spruch war, dieser seet, der ander schneit.
Joh. 4, 39; wo also ein mensch hatt grosse erkantnusz der nature der unvernunfftigen thieren, bedarff man dysen spruch nit beweren lang und vil. Eberlin v. Günzburg 2, 5
neudr.; das wirt in deutschen landen auch gebreuchlich gewesen sein, wie diser spruch meldet. Agricola (1534) 540; derhalben der spruch des allererfarnesten kaisers Maximiliani 'halt mass!' wol in achtung zu haben.
Zimm. chron.2 2, 198, 38; leben und leben lassen, war sein spruch. Göthe
aufger. 1, 7; spruch des Confucius. Schiller 11, 14. 304; diesen hellen scharfen geist (
Lessing) lenkte seine vorliebe für fabel und spruch nur zu wenigen altdeutschen dichtern zweiten oder dritten rangs. J. Grimm
vorrede oben theil 1, v; ein spruch was bî den alten: geselleschaft, diu bôsheit kan, von der wirt houbetsiech ein man. Frauenlob
spr. 271, 16; ein meister heiʒit Boecius, der ist schoner kunste vol, der sprichit einen spruch alsus.
ritterspiegel 1507; nemant is eddel noch gût, men got alleine. hîrumme merket recht dessen sproke algemeine: de de werlt eddel holt unde hôch geboren, merke, wat hebben se vor den anderen minschen tovoren?
des dodes danz 1616; suum cuique! herr Ovid! laszt andre mit dem spruche scherzen, schön ist's doch, wenn in unserm herzen ein trieb, ihn zu erfüllen, glüht. Gökingk 1, 125; sein spruch war: leben und leben lassen. Schiller
Wallensteins lager 6.
vgl.denkspruch,
sinnspruch,
wahlspruch, wappenspruch (
zum letzteren: das sinnbild war ein vogel mit dem spruch: hiernach strebte ich lang! Kramer
deutsch-ital. dict. 2 [1702], 881
b). die sprüche Salomonis: und er (
Salomo) redet drey tausend sprüche.
1 kön. 4, 32; dis sind die sprüch Salomo des königes Israel, Davids son. zu lernen weisheit und zucht, verstand, klugheit, gerechtigkeit, recht und schlecht.
spr. Sal. 1, 1; der selb prediger war nicht allein weise, sondern leret auch das volck gute lere und forschet und stellet viel sprüche.
pred. Sal. 12, 9; und (
du Salomo) hast alles mit sprüchen und leren erfüllet.
Syr. 47, 17; als spricht der wîse Salomôn einen jâmerlîchen spruch, der ist geheiʒen: 'ach und uch! dar zuo mê: wê und och! daʒ nieman ist ûf erden doch, daʒ er sî vor tôde vrî!'
hl. Georg 1079; hochweiser Salomon! dein spruch, 'dasz unter tausenden kein gutes weib zu finden', gehört — gerad' heraus — zu deinen zungensünden. Lessing 1, 9.
auch sonst in der bibel, schon vor Luther: als wie der lam hat schöne schinbein umsunst, also unzymlich ist der spruch in dem mund der toren.
bibel v. 1483 304 (
spr. Sal. 26, 7); ein spruch in eins narren mund, ist wie ein dornzweig, der in eins truncken hand sticht.
spr. Sal. 26, 9; dieselbigen alle werden einen spruch von jm machen, und eine sage und sprichwort und werden sagen: weh dem, der sein gut mehret mit frembdem gut, wie lange wirds weren?
Habakuk 3, 6; höre gern gottes wort, und mercke die gute sprüche der weisheit.
Syr. 6, 35; verachte nicht, was die weisen reden, sondern richte dich nach jren sprüchen. 8, 9; er mus die geistlichen sprüche lernen, und in den tieffen reden sich uben. 39, 3; diesen spruch saget Jhesus zu jnen, sie vernamen aber nicht, was es war, das er zu jnen saget.
Joh. 10, 6.
redensart: hä smitt dermed um sik as Sîrach med den sprüəken. Woeste 252
a.
vgl.: vom pressen stehen auch viel schöner sprüche in der h. schrifft, die man bey pressung des weins behertzigen und bedencken soll. Coler
öcon. 1 (1680), 273
b. sprüche aus der bibel: das allerfürnebmste (löblichste) sol seyn, den lehrkindern die sprüche aus der bibel eintröpfflen. Comenius
übers. v. Docemius (1657) 733.
allgemeiner von stellen der heiligen schrift biblische sprüche,
dicta biblica, loca s. scripturae. Stieler 2103, ein spruch aus h. schrift, schriftspruch,
un detto, passo, passaggio, luogo della sagra scrittura. Kramer
deutsch-ital. dict. 2 (1702), 881
a, ein spruch der h. schrift,
dictum s. scripturae. Frisch 2, 310
b,
in Luthers
bibel selbst allgemein von älteren aussprüchen heiliger männer, stellen biblischer bücher: auff das erfüllet würde der spruch des propheten Isaia, den er saget, herr, wer gleubet unserm predigen und wem ist der arm des herrn offenbaret?
Joh. 12, 38; das erfüllet werde der spruch in jrem gesetze geschrieben, sie hassen mich on ursache. 15, 25; indessen wundert es mich doch bisweilen, wie mein vater und der pfarrer von diesem oder jenem spruch in der bibel, von diesem oder jenem büchli denke. Bräker 38
Reclam. meist bleibt aber der gebrauch eingeschränkt auf bedeutsame stellen, die inhaltlich abgeschlossen sind. II@2@ee)
im anschlusz daran bezeichnet spruch
auch ohne verdeutlichenden zusatz stellen der heiligen schrift. mit starker einschränkung: daher heiszen auch die stellen desselben (
heiligen buches), die einen glaubenspunct darlegen sollen, schlechthin sprüche. Kant 6, 278.
allgemeiner: si papa furt den spruch: nonne legisti 'non potestis portare modo' (
Joh. 16, 12). Luther 20, 52, 9
Weim. ausg. über einen spruch (
der hl. schrift) hüpfen, springen,
bei Luther: wer will uber diesen spruch hüpfen?
an den christl. adel d. nat. 50; sie werden mir nicht uber den spruch springen: 'Juda wird geholffen werden'. 20, 567, 2
Weim. ausg. schöne sprüche anziehen, lernen, sprechen,
bei passi (
della scrittura). Kramer
deutsch-ital. dict. 2 (1702), 881
a; sprüche anführen, auswendig lernen, hersagen. Campe. einen spruch beten. Stieler 2103. Kramer
a. a. o. berührt sich mit b,
α: biszweilen bin ich krank, da lieg ich auf der bank und bete meine sprüche.
Fuchsmundi 57;
ähnlich: halb todt vor schrecken, reckt Sibylle zuerst das ohr, dann, tief aus ihres bettes hülle die nas' hervor, und kreuzigt sich, und murmelt sprüche. Gotter 1, 156. II@2@ff)
überhaupt kurze geschlossene wortverbindung, behauptung, satz mit eigenartigem inhalt, besonders soweit sie auf allgemeine beachtung anspruch machen: alsô spricht daʒ puoch ze latein und etlich ander sprüch der alten maister, die mir zweifelhaftig sint. Mecenberg 27, 2; spruch oder meinung darvon wir reden und handlen wöllend. Maaler 382
b; selzamer spruch,
paradoxum. Stieler 2103;
in neuerer zeit besonders von solchen, die auch äuszerlich für sich stehen und unmittelbar auf viele wirken: an den wänden standen alberne sprüche.