Schönheit Kleinschr GWBB4,65,15
. Von gut 600 Archivbelegen mehr als zwei Drittel im Bereich der literarischen u ästhetischen Werke. Gebrauchsschwerpunkte mit je etwa einhundert Stellen in A1aα u in A1b. - Am Belegmaterial wird vielfältig deutlich, welch besondere ästhetische Qualität Schönheit für Goethe darstellt. Die allg Voraussetzung hierfür ist in seinem schon früh entstandenen Pantheismus gegeben, seiner Vorstellung von Mikrokosmos u Makrokosmos, einer sich im Ganzen wie im Einzelnen manifestierenden (göttlichen) Vollkommenheit u Harmonie. In späterer Zeit wird diese halb intuitiv gewonnene Weltanschauung dann mit den Ideen des Organisch-Gesetzlichen u des In-sich-Zweckmäßigen der Erscheinungen naturwiss fundiert u ausgeformt. All diese grundlegenden Wesenszüge, Merkmale, die Goethe im Naturzshg wahrnimmt, sind als einheitstiftend für ihn stets auch mit der Eigenschaft des Schönen verbunden. Dabei steht Schönheit in der Periode des Sturm u Drang allerdings noch nicht im Mittelpunkt von Goethes ästhetischem Denken, sondern das Wahre, Charakteristische, womit auf das Wesentliche, Bestimmende u Markante in den Objekten abgezielt ist. In Distanzierung von einem allzu harmonisierenden Schönheitsverständnis, wie es ihm in der vom frz Klassizismus beeinflußten Ästhetik JGSulzers entgegentrat, sucht Goethe die Schönheit hier gerade im (Rauh-)Charakteristischen zu entdecken (wahrgenommen vor allem in den Verhältnissen, Proportionen des Straßburger Münsters als einem gotischen Hauptbauwerk; zB GWB37,148,12 u 150,2
). - In der frühklassischen Periode, spätestens jedoch seit der Erarbeitung des Konzepts der Kunstautonomie gemeinsam mit KPhMoritz in Rom, erlangt dann die Kategorie der Schönheit den Rang des wichtigsten ästhetischen Wertes. Aufgabe des Künstlers sei es, das Schöne der Natur im Kunstwerk zu konzentrieren, es hierin auf essentielle wie individuelle Weise darzustellen. Ein Verständnis von Schönheit als etwas real Gegebenes ist hier aufs engste mit dem einer Schönheit bildenden schöpferischen Leistung des Künstlers verbunden. An JJWinckelmann anknüpfend kultiviert Goethe ein klassizistisches Schönheitsideal, in dessen Menschenbild sich das Schöne u das Gute im Sinne der Kalokagathia durchdringen u das damit ein starkes utopisches Potential aufweist. In seinen ästhetischen Reflexionen sich vor allem auf die bildende Kunst beziehend, betont Goethe den Gedanken Extreme mildernder, ausgleichender Harmonie u Symmetrie, wobei er zugleich den konkreten individuellen Ausdruck, das je Lebensvolle (‘die sinnliche S.’, ‘Anmut’) akzentuiert.1) In diesem Zshg erscheint das Charakteristische - bei Distanzierung von den Positionen AHirts -, als notwendige, aber nicht hinreichende Bedingung von Schönheit (bes GWB47,158,25 u 159,7u8u25
). Nach Goethes Auffassung entsteht sie gerade durch eine Synthese von Wesenhaft-Bedeutendem u Individuellem im Kunstgebilde (bes GWB47,174,2
). Dabei sei Schönheit, eben aufgrund ihres stets individuellen Erscheinens, in letzter Konsequenz begrifflich nicht faßbar.2) - Zu einer tieferen Problematisierung im Verständnis von Schönheit kommt es, bei Verarbeitung der zeitgenössischen Erfahrungen des Epochenwandels, in Goethes späterem u spätem Schaffen, insbes im ‘Pandora’-Fragment u im Helena-Akt des ‘Faust II’. Am Exempel der Anziehungskraft höchster Frauenschönheit werden dort - bei literarischer Vollendung wie Verabschiedung des Klassizismus - starke Ambivalenzen ersichtlich, die sich mit dem Anspruch auf ideale Schönheit verbinden.3) - Zu den begrifflichen Implikationen von ‘S.’ s bes die Pkte A1aα, A1b u A4, auch s v schön Pkt A1b, A4a u A5, schön/Schöne (fem) sowie s v Schöngestalt u Schönheitelei. A
ästhetisch: sehr angenehm berührendes u anreizendes, individuelles wie in sich gesetzmäßiges Wohlgestaltetsein 1
im Zshg von visueller Wahrnehmung iSv gutes, herrliches Aussehen 2
im Zshg von musikalisch-akustischer Wahrnehmung iSv Wohlklang 3
im Zshg von poetisch-imaginativer Wahrnehmung, Gestaltungsart mit der Konnotation des Poesievollen, in Inhalt u Form Übereinstimmenden 4
(im Anschluß an Pkt A1-A3) in mehr od weniger übergreifendem, abstrahierendem, allg Gebrauch als hohe, zentrale Qualität 5
metonym B
ethisch: moralische Größe, sittliche Vollkommenheit, Edelmut, Güte C
mBez auf die Witterung: Heiterkeit, Milde A
ästhetisch: sehr angenehm berührendes u anreizendes, individuelles wie in sich gesetzmäßiges Wohlgestaltetsein 1
im Zshg von visueller Wahrnehmung iSv gutes, herrliches Aussehen a
als Qualität von etwas Natürlichem, Real-Gegebenem α
mBez auf eine (junge) weibliche od männliche Person, auch auf ein Wesen aus der Mythologie od Religion, ferner auf eine Personengruppe od den Menschen allg; vereinzelt im Zshg einer mystischen Erscheinung; auch neben ‘Jugend(fülle)’, ‘Anmut’, ‘Sitte’, ‘Rang’, ‘Güter’ ua, einmal ‘im Glanze der S.’ Ihre [
der Gräfin] S., Jugend, Anmuth, Zierlichkeit und feines Betragen machten den angenehmsten Eindruck auf ihn [
Wilhelm] GWB21,242,6 Lj III 1 Der Graf..gedachte mit Lebhaftigkeit an die [
vormalige] S. Charlottens, die er als ein Kenner mit vielem Feuer entwickelte GWB20,125,6 Wv I 11 [
Hermann zum Pfarrer u Apotheker, über Dorothea:] Glaubt ihr, es sei ein Weib von solcher S. und Sitte|Aufgewachsen, um
nie den guten Jüngling zu reizen? GWB50,240 HermDor VI 243 [
Chiron:] Im hehren Argonautenkreise|..Die Dioskuren
haben stets gesiegt|Wo Jugendfüll' und S. überwiegt GWB15
1,127 Faust II 7370 seine [
Filippo Neris] Schüler..die ihn von seligen Erscheinungen, womit sie von der Mutter Gottes und andern Heiligen beglückt worden, mit Entzücken benachrichtigen. Er..versichert sie..daß hinter dieser himmlischen Klarheit und S. gewiß eine teuflische häßliche Finsterniß verborgen liege GWB32,199,23 ItR GWB22,264,21 Lj VI SchöneSeele GWB10,183 Tasso 1923 GWB4,81,11 AufklBem
uö in den Fügungen bzw Vbdgn ‘jds gerühmte/unendliche S.’, ‘jd von ungemeiner/unglaublicher/blendender/wundersamer S’, ‘jd von der größten/heitersten S.’ sowie ‘jdn an S. übertreffen’, ‘jds S. erwidern’, ‘sich etw auf seine S. einbilden’ ua; ferner ‘S. der Jugend’, auch ‘die S. männlicher Jugend’ [
betr das Frankfurter Gretchen] trat ein Mädchen herein, von ungemeiner, und wenn man sie in ihrer Umgebung sah, von unglaublicher S. GWB26,266,11 DuW 5 [
Oheim:] meine Schwester übertraf alle ihre Landsmänninnen an S. und Reiz GWB47,128,23 Samml 2 Jussuphs Reize möcht' ich borgen|Deine S. zu erwidern GWB6,161 Vs 9 DivSuleika GWB43,60,4 Cell I 4 GWB28,183,26 DuW 13 GWB25
1,198,24 Wj III 10 GWB6,161 Vs 9 DivSuleika GWB44,354,20 CellAnh XII [
Zit Pkt B]
uö im (vergleichenden) Bild; auch bei personifizierender Vorstellung Wilhelm verstand nun erst jenes Gleichniß [
Philines] , da die Leichtfertige..das Kind [
Felix] an S. der Sonne verglichen; denn um die offnen blauen Augen und das volle Gesicht kräuselten sich die schönsten goldnen Locken GWB52,244,14 ThS VI 10 [
Zauberer, das Ende des Fluches vorhersagend:] Das Alter, das uns mit ohnmächtiger Stärke gefesselt hält, wird seinen Raub unwillig fahren lassen, und, wiederkehrend, wird die S. mit der Freude, den leichten Tanz um unsre Häupter führen GWB16,446,7 PantomimBallett I Ein Mädchen kam, des seltensten Gebildes,|Das Licht erleuchtend. ..|Hausflur und Treppe sah ich als ein Mildes,|..Den sündigen Menschen der im Freien schwebet -|Die S. spinnt, sie ist's die ihn umwebet GWB5
2,346 Das Tagebuch 32 GWB11,309 ErwElm
2 490
uö(selten) mBez auf eine weibliche Idealgestalt, bes auf Helena, auch auf Pandora; einmal in Identifikation mit dem Schönheitsprinzip als solchem (in Berührung mit Pkt A4a); einmal im verstärkenden Bild ‘jds (Helenas) S. Schwan’ [
Lynceus, über Helena:] Aug' und Brust ihr zugewendet|Sog ich an dem milden Glanz,|Diese S. wie sie blendet|Blendete mich Armen ganz.|.. ..Herrscht
doch über Gut und Blut|Dieser S. Übermuth.|Schon das ganze Heer ist zahm.. GWB15
1,209u213 Faust II 9240u9349 [
Chor zu der ans Tageslicht getretenen, unweit von Helena stehenden Phorkyas:] Wagest du Scheusal|Neben der S.|Dich vor dem Kennerblick|Phöbus zu zeigen? GWB15
1,186 Faust II 8737 [
Prometheus über Pandora:] die S.
jener schreckte fast GWB50,323 Pand 571 GWB15
1,188 Faust II 8808 GWB15
1,178 Faust II 8519
uö in allg Betrachtung; bei Betonung des Problematischen, des Vorübergehenden, des Vorzugs männlicher Schönheit gegenüber der weiblichen, im Zshg der entwicklungsgeschichtlichen Vollendung in menschlicher Gestalt ua [
Gretchen, mit dem Schmuck vor dem Spiegel:] Man sieht doch gleich ganz anders drein.|Was hilft euch S., junges Blut?|Das ist wohl alles schön und gut,|
allein man läßt's auch alles sein;|..Am Golde hängt|Doch alles. Ach wir Armen! GWB14,137 Faust I 2798~GWB39,261 Urfaust 650 Der Augenblick der Pubertät ist für beide Geschlechter der Augenblick, in welchem die Gestalt der höchsten S. fähig ist..es ist nur ein Augenblick! Die Begattung und Fortpflanzung kostet dem Schmetterlinge das Leben, dem Menschen die S. GWB45,268,15u18 Diderot,Malerei Der Streit, ob die männliche S. in ihrer Vollkommenheit,
oder die weibliche in ihrer Art höher stehe, kann nur aus der größern oder geringern Annäherung der männlichen oder der weiblichen Form an die Idee geschlichtet werden. Nun reicht die männliche aber mehr an die Idee: denn in ihr hört das Reale auf. Die Männerbrust ist keine Brust mehr.. GWBGespr(He2,157) Riemer 20.11.06 Die Natur, um zum Menschen zu gelangen, führt ein langes Präludium auf von..Gestalten..In jedem..eine Tendenz zu einem andern, was über ihm ist..Die Tiere tragen gleichsam das, was hernach die Menschenbildung gibt..als Schmuck..als da sind Hörner, lange Schweife..welches alles beim Menschen wegfällt, der schmucklos, durch sich selbst schön und in sich selbst schön, vollendet dasteht..wo..Nutzen, Notwendigkeit und S. alles eins ist GWBGespr(He2,158) Riemer 23.(20.?)11.06 GWB10,146 Tasso 1032 GWB12,303 LöwenstuhlDrama 81u83
uö ―
mBez auf einen Körperteil; auch ‘größte/höchste S.’ kam die Rede ganz natürlich auf die Würde und S. dieses Organs [
des Ohres] GWB32,98,13 ItR GWB49
2,154,5 Ausgrabgn
uö(selten) ―
Pkt A1aε einbegreifend; ‘physikalische S.’ GWB37,288,17 FGA Geßner,Idyllen [
Zit Pkt B] β
mBez auf ein Tier od eine Tierart, -klasse, auch auf einen entspr Körper- od Skeletteil; insbes bezogen auf ein körperliches Relikt mit den Konnotationen Mächtigkeit u Vollständigkeit aus der See findet man viele Exemplare [
Fische] von hoher S. GWB34
1,143,13 KuARheinMain Horn eines Einhorns..Er [
der Papst] besaß ein solches [
wahrscheinlich ein Narwalzahn gemeint] von der größten S. [
il più bello] , es war um siebzehntausend Kammerducaten verkauft worden GWB43,169,10 Cell I 12 GWB4,320 Liebeslied eines amerikanWilden [Korr 5
2,202] 6 GWBB35,272,15 Schreibers 27.2.22 K
uö(selten) in allg Betrachtung [
betr das morphol Prinzip des Etats] die Gebärmutter..Nun scheint die Bildungskraft auf diesen Theil, durch alle vollkommneren Tiere, so viel verwenden zu müssen daß sie genöthigt ist bei andern Theilen der Gestalt kärglich zu verfahren, daher möchte ich die mindere S. des Weibchens erklären; auf die Eierstöcke war so viel zu verwenden, daß äußerer Schein nicht mehr stattfinden konnte GWBN8,22,10 VglAnatomie 4ff GWBN(GOETHE14/15,144 u 145) Schönheit organNaturen γ
mBez auf eine Pflanze od eine Pflanzenart, auf einen Pflanzenteil; wiederholt mit der Konnotation üppige Pracht; einmal ‘silberne S.’ (von Weiden) in dem Metzlerischen Garten [
Offenbach] eine Strelizia Reginä mit vielen Blumen blühend..zwar nicht in der ersten [
größten] S. doch immer interessant genug GWBB25,64,11 Christiane 17.[10.14] Die Vegetation im Garten und Park [
in Biebrich] sehr lebhaft. Platanen von groser S., so auch babylonische Weiden von auserordentlicher Grösse GWBB25,13,13 Christiane 8.8.14 Bigonia..eine rankende, aber nicht aufsteigende, sondern niederhängende Pflanze..Man bringe sie auf eine Höhe, von dort aber lasse man sie über Terrassen und Felsen herabspielen, und man wird sie alsdann in ihrer größten S.
gewahr werden GWBN6,343,23 Bignonia radicans Bohnen als sehr hohe Stauden..Der Vetturin, der diese Frühlingsvegetation der Südostseite [
Siziliens] lange nicht gesehen haben mochte, verfiel in großes Ausrufen über die S. der Frucht GWB31,183,20 ItR GWBB4,65,15 ChStein 25.9.79 GWBN11,22,8 VersVermittlObjSubj GWBN7,370 Morph Plp
uö(selten) im Bild; auch ‘Blüten der S.’ [
briefliche Mitteilungen Werthers; betr von Eleonore verfaßtes Gedicht während des Heiratsspiels] sie lispelte es nur und legte es vor mich hin..ich war erstaunt, erschrocken: so bricht die Knospe der Liebe in ihrer größten S. und Bescheidenheit auf GWB19,209,3 BrSchweiz I GWB37,63,23 Arianne an Wetty ―
mBez auf an Vegetabilisches erinnernde kristallisierte Formen Sie rühmen mir..die S. Ihrer gefrornen Fensterscheiben, und können mir nicht genug ausdrücken, wie diese vorübergehenden Erscheinungen sich..zu Blättern, Zweigen, Ranken, ja sogar zu Rosen bilden..sie möchten gern diese Krystallisationen zum Range der Vegetabilien erheben GWBN13,427,8 Naturlehre δ
mBez auf Gestein bzw Edelstein; vereinzelt mit der Konnotation Erlesenheit; einmal ‘in pyropischer S.’ (von Granat) ein großes, fast eine Elle langes Exemplar von dem sogenannten kristallisierten Sandstein aus Fontainebleau von der größten, instruktivsten S. GWBA(MA9,983,11) Bericht 22.11.12 K Die Achate [
bei sizilianischen Steinschleifern erworbene Stücke] sind von der größten S., besonders diejenigen, in welchen unregelmäßige Flecken von gelbem oder rothem Jaspis mit weißem, gleichsam gefrornem Quarze abwechseln GWB31,124,10 ItR GWBB19,175,5 Blumenbach 15.8.06 GWBB26,350,3 Leonhard 29.4.16
uö(selten) ε
mBez auf eine (kultivierte, Gebäude einschließende) Landschaft, auf ein Dorf, eine Stadt, ein Land; mehrf mit der Konnotation des Malerischen, Imposanten, Erhabenen; einmal ‘der S. Land’ für Griechenland Das Saal Thal hab ich noch nie gesehn in solcher S. GWBB7,207,14 ChStein 25.4.86 Die merckwürdige Tour durch die Bernischen Glätscher..Keine Beschreibung noch Erinnerung reicht an die S. und Grösse der Gegenstände GWBB4,79,14 ChStein 14.10.79 Von der S., im vollen Mondschein Rom zu durchgehen, hat man, ohne es gesehen zu haben, keinen Begriff. Alles Einzelne wird von den großen Massen des Lichts und Schattens verschlungen, und nur die größten allgemeinsten Bilder stellen sich dem Auge dar GWB30,265,8 ItR~GWBB8,161,6 ChStein 2./3.2.87 GWB15
1,152 Faust II 7978 GWB20,179,16 Wv I 17 GWB34
1,8,18 Rochusf
uö ζ
mBez auf einen Himmelskörper, ein Himmelsphänomen; speziell von Wolkenerscheinungen mit der Konnotation (formenreiche) Fülle; einmal in personifizierendem Bild [
Wilhelm, dem Makarie im Traum als ein Stern am Himmel erschienen war:] schlaftrunken taumle ich nach dem Fenster, den Stern noch lebhaft in meinem Auge, und wie ich nun hinblicke - der Morgenstern, von gleicher S., obschon vielleicht nicht von gleicher strahlender Herrlichkeit, wirklich vor mir! GWB24,186,5 Wj I 10 [
Imogine, an den Mond gewandt:] Auf Herzen die sich einen, die zerbrechen|Schaut trohnend lachend deine S. [
Thou smil'st in throned beauty] GWB11,452 Maturin,Bertram Plp [
aus Marienbad] Die Wolkenerscheinungen sind in dieser Höhe von der größten S. und Mannichfaltigkeit, besonders da man sie meist alle zusammen auf einmal beobachten kann. Eben jetzt..stehen die leichtesten Cirrus am obern Himmel..indessen ein mächtiges Gewitter in tieferer Region bedenklich einherzieht GWBB36,89,15 August 7.7.22 GWB17,30,28 TriumphEmpfindsamk III GWBT6,229,28 v 17.7.18
uö(selten) η
mBez auf eine Farbe, Farbgebung, auch ein experimentelles Farbphänomen; mit der Konnotation Reinheit, Intensität; auch neben ‘Klarheit’; wiederholt ‘in seiner vollkommenen/größten S.’ uä sowie ‘an S. wachsen’ Man weiß, mit welcher Sorgfalt die Alten ihre Mauern abtünchten..Diese reine Fläche mahlten sie mit Wachsfarben, die ihre S.
bis jetzt noch kaum verloren haben GWB47,239,23 VonArabesk Überhaupt zeigt uns die Natur kein allgemeines Phänomen, wo die Farbentotalität völlig beisammen wäre. Durch Versuche läßt sich ein solches in seiner vollkommnen S.
hervorbringen GWBN1,325,4 FlD 815 GWBN1,222,23 FlD 550 GWBN1,183,11u23 FlD 443u444
uö θ
mBez auf etw handwerklich Gefertigtes, insbes Kleidung, Stoff; einmal mit der Konnotation Eleganz, Feinheit Unsere Garderobe-Vorsteher haben zu den gestickten Kleidern keine sonderliche Lust, mögen Sie aber solche herüber senden; so will ich einen Versuch machen sie durch die S. derselben zu reizen GWBB25,104,16 LKnebel 21.12.14 K GWB25
1,125,15 Wj III 5 LenardosTgb [G/Meyer]~GWB25
2,268,27 Wj Plp [Meyer]
im Bild [
Chor zu den Knaben an Mignons Sarkopharg:] Kinder! eilet in's Leben hinan! In der S. reinem Gewande begegn' euch die Liebe mit himmlischem Blick und dem Kranz der Unsterblichkeit! GWB23,255,13 Lj VIII 8 b
speziell als Qualität von bestimmten künstlerischen Hervorbringungen, von ästhetischen Formen, Prinzipien; auch mit der Konnotation von Harmonie, Wohlproportioniertheit α
mBez auf die bildende Kunst; wiederholt in Fügungen wie ‘von außerordentlicher/unglaublicher/unendlicher S.’ sowie ‘S. der Formen’, auch neben ‘Reinheit’, ‘Deutlichkeit’ [
aus Leipzig] Zwey Landschafften habe ich gesehen eine von Everdingen die andre von Ruisdal beyde gezeichnet, von der grösten S. GWBB6,113,28 ChStein 28.12.82 Man hat unter den Farnesischen Sachen, die jetzt nach Neapel gehn, einen Torso eines sitzenden Apoll von außerordentlicher S. gefunden, den man über alles setzt was von Statuen existirt GWB32,387 ItR Plp Hier [
bei Mengs] lernte dieser [
Winckelmann] die S. der Formen und ihrer Behandlung kennen GWB46,39,17 Winckelm die deutsche Kunstwelt des 16. Jahrhunderts..kann in sich nicht für vollkommen gehalten werden..üben Sie..an den vollkommensten Dingen der alten und neuen Kunst den Sinn für Großheit und S. GWBB22,88,2 Cornelius 8.5.11 GWBB22,256,1 Schlichtegroll 31.1.12 GWB49
1,73,23 Philostrat GWB47,250,19 Gutachten übAusbild jgMalers [Meyer]
uö in allg Betrachtung; bei Hervorhebung des Zshgs mit dem auf das Wesentliche, Gesetzliche in der Natur gerichteten bildkünstlerischen Schaffen, mit den Prinzipien von Proportion u Maß, des die Extreme mildernden Vermögens, des höheren Stellenwerts gegenüber dem Charakteristischen ua; je einmal ‘sinnliche S.’ (iSv ‘Anmut’) u ‘geistige S.’; auch sich mit Pkt A4b berührend Die Kunst..sie fixirt die höchsten Momente dieser oberflächlichen Erscheinungen [
in der Natur] , indem sie das Gesetzliche darin anerkennt, die Vollkommenheit der zweckmäßigen Proportion, den Gipfel der S. GWB45,260,18 Diderot,Malerei [
Benennung von Merkmalen ‘höchster Kunstwerke’] Lebendige, hochorganisirte Naturen..Charaktere..Ideal..Anmuth..Schönheit. Ferner ist er [
der künstlerische Gegenstand] dem Gesetz der geistigen S.
unterworfen, die durch das Maß entsteht, welchem der zur Darstellung..des Schönen gebildete Mensch alles, sogar die Extreme zu unterwerfen weiß.. ..Jedes Kunstwerk muß sich als ein solches anzeigen, und das kann es allein durch das, was wir sinnliche S. oder Anmuth
nennen.. ..die Gruppe des Laokoon..ein Muster..von Symmetrie und Mannichfaltigkeit..von Gegensätzen und Stufengängen, die..eine angenehme Empfindung erregen..den Sturm der Leiden..durch Anmuth und S.
mildern GWB47,103,9u10 u 104,5 u 105,8 ÜbLaokoon [
Oheim, mBez auf antike Basreliefs mit Darstellungen des Schicksals der Niobiden:] Alles Charakteristische ist gemäßigt, alles natürlich Gewaltsame ist aufgehoben..das Charakteristische liegt zum Grunde, auf ihm ruhen Einfalt und Würde, das höchste Ziel der Kunst ist S. und ihre letzte Wirkung Gefühl der Anmuth GWB47,163,8 Samml 5 Er [
Goethe] habe seinen Zweck während seines zweijährigen [
Italien-] Aufenthalts doch nicht erreicht..Er habe wollen so ins Anschauen der Kunst sich vertiefen, daß diese Vorstellung ganz objektiv, und sein Wesen, seine Ichheit ins Anschauen der S. übergegangen wäre, er sozusagen sein Selbst darin verloren hätte GWBGespr(He1,607) FBruns 12.7.95 GWB47,158,16u22 Samml 5 GWBB1,229,23 Reich 20.2.70 GWB47,200,10 Samml 8 Undulisten
uö iSv Schönheitsprinzip [
betr Entwürfe für Münzstempel] hatte ich denn..Zeichnungen nach meiner Einsicht und nach der S. der Kunst [
secondo la bellezza dell'arte] gemacht GWB44,96,11 Cell III 8 β
mBez auf die Architektur; auch im Zshg einer lebendigen Aneignung eines ganzheitlichen Schöpfungsideals im Akt der Produktion (bei Kritik an der vom frz Klassizismus geprägten akademischen Proportionslehre)4), in Betonung der Einheit, Identität mit dem Wahren ua; einmal im Bild [
in Heidelberg] Ich ging..zum Oberthore hinaus..Die Brücke zeigt sich von hier aus in einer S., wie vielleicht keine Brücke der Welt GWBT2,88,28 v 26.8.97 Wälscher!..Hättest du mehr gefühlt als gemessen, wäre der Geist der Massen [
antiker Baukunst] über dich gekommen, die du anstauntest, du hättest nicht so nur nachgeahmt..nothwendig und wahr hättest du deine Plane geschaffen, und lebendige S. wäre bildend aus ihnen gequollen GWB37,141,16 Von dtBaukunst 1773 zu dir, theurer Jüngling, gesell' ich mich, der du bewegt dastehst, und die Widersprüche nicht vereinigen kannst, die sich in deiner Seele kreuzen, bald die unwiderstehliche Macht des großen Ganzen [
des Straßburger Münsters] fühlst, bald mich einen Träumer schiltst, daß ich da S.
sehe, wo du nur Stärke und Rauhheit siehst.. ..Hier steht sein [
Erwin vSteinbachs] Werk, tretet hin, und erkennt das tiefste Gefühl von Wahrheit und S. der Verhältnisse, wirkend aus starker, rauher, deutscher Seele GWB37,148,12 u 150,2 Von dtBaukunst 1773 GWBGespr(He1,919) Voß Febr 05 [
Zit Pkt A5aβ] B12,178,14 Schiller 1.7.97 20,221,1 Wv II 3
uö in allg Betrachtung sich mit Pkt A4b berührend Je mehr sich die Seele erhebt zu dem Gefühl der Verhältnisse, die allein schön und von Ewigkeit sind..je mehr diese S. in das Wesen eines Geistes eindringt..daß er nichts aus sich wirkt als sie, desto glücklicher ist der Künstler GWB37,149,21 Von dtBaukunst 1773 γ
mBez auf die Schauspielkunst, speziell auf körperlichen Ausdruck [
im Zshg der Beurteilung des von HSchmidt gesprochenen Hamlet-Monologs] die Hand unter dem rechten Ellenbogen..in eine Faust zusammengezogen..gegen alle Regel der S. ..Nur langer Umgang mit der Malerei..verschafft uns..Gewalt über die Theile des Körpers, denn es gilt hier nicht sowohl Nachahmung der Natur als ideale S. der Form GWBGespr(He1,795) HSchmidt 1801 ―
im kritischem Zshg bezogen auf ein gefallsüchtiges Gebaren, Sich-zur-Schau-Stellen, eitle Schauspielerei; in Berührung mit Pkt A2 Zur neuprojectirten Coquette: Der Egoismus unter der Form der S. ..die S. unergründlich und zugleich unendlich anziehend GWB53,440,31 Aus Notizb GWBGespr(He2,250) Riemer 13.8.07 2
im Zshg von musikalisch-akustischer Wahrnehmung iSv Wohlklang; im Hinblick auf die Erscheinung der vortragenden Künstlerin auch in Berührung mit Pkt A1 [
mBez auf das Klavierspiel von MSzymanowska] Da bin ich nun wieder in den Strudel der Töne hingerissen, die mir, modern gereiht, nicht immer zusagen, mich aber doch dießmal durch soviel Gewandtheit und S.
gewinnen und festhalten GWBB37,248,21 Knebel 29.10.23 [
für: la beauté] GWB45,110,14 RamNeffe 3
im Zshg von poetisch-imaginativer Wahrnehmung, Gestaltungsart mit der Konnotation des Poesievollen, in Inhalt u Form Übereinstimmenden; mBez auf eine bestimmte (authentische) Darstellungsweise, auf ein konkretes literarisches Produkt; wiederholt in allg Betrachtung; vereinzelt im Bild; auch ‘innere/äußere S.’ mBez auf das Verhältnis von Inhalt u Form; auch in Berührung mit Pkt A4b Wahrheit wird in seinen [
des begabten, genialischen Jünglings] Liedern sein, und lebendige S., nicht bunte Seifenblasenideale, wie sie in hundert deutschen Gesängen herum wallen GWB37,225,8 FGA PolnJude selbst die zarten Liebesgedichte von der größten S. haben etwas Fremdes GWB42
1,253,7 Volkslieder dSerben Alte Liebe rostet nicht..Die S. des Schlusses muß gefühlt werden..in den letzten zwei Zeilen scheint er [
der Dichter] sich zu vergessen, nennt sie [
die Geliebte] bei ihrem Vornamen, und heißt sie Du GWB40,246,21 Üb:Grübel,Ged Über Poesie [
teilt Goethe mit] , daß sie keinem Gesetz untertan sei, als dem der S., und frei zwischen Himmel und Erde herum schwebe und sich keine Fesseln anlegen lassen müsse GWBGespr(He1,608) FBruns 12.7.95 Burns war in einem höchst prosaischen Zeitalter..geboren..ohne Förderniß als die Begriffe, wie sie in eines armen Mannes Hütte wohnen, und allenfalls die Reime von Ferguson und Ramsay, als das Panier der S. [
standard of beauty] aufgesteckt GWB42
1,198,22 Carlyle,Schiller GWBAADiv3,63 Plp Vs 36 [
Zit s v *Schönheitskoran] 32,215,20u22 ItR
uö mBez auf die dichterische Begabung [
betr ‘Gottfried vBerlichingen’] Es ist alles nur gedacht..Wenn mir im Grunde der Seele nicht noch sovieles ahndete..dass ich hoffen könnte, wenn S. und Grösse sich mehr in dein [
Goethes] Gefühl webt, wirst du gutes und Schönes thun, reden, und schreiben, ohne dass du's weist, warum GWBGB1
1,232,34 Herder etwa 10.7.72 GWB28,247,17 DuW 14
uö(selten) ―
im philos-ästhetischen Zshg: für das durch die menschliche Seele erfahrene Urbild des Geordnetseins bei Plato, die Idee des Schönen [
Notiz bei Lektüre von MMendelssohns ‘Phädon’5)] Platons Sokrates..Kann die Seele ohne Sinne empfinden? Sie wird die erhabne, heilige, geistische Gefühle von S., Ordnung und also von Gott haben GWB37,104,2 Ephem [1770/71] 4
(im Anschluß an Pkt A1-A3) in mehr od weniger übergreifendem, abstrahierendem, allg Gebrauch als hohe, zentrale Qualität; weit überwiegend in reflektierendem Kontext a
mBez auf die (lebendige) Erscheinungsvielfalt der Natur bzw ihre Ganzheit; bei Akzentuierung von Zeitlichkeit, Vergänglichkeit, auch in Gegenüberstellung zur Kunstschönheit (mittels ‘Vollkommenheit’ u ‘Gestalt’) ua; je einmal in personifizierender Vorstellung, im Vergl u im Bild Warum bin ich vergänglich, o Zeus? so fragte die S.|Macht' ich doch, sagte der Gott, nur das Vergängliche schön GWB1,350 VierJahresz 35(565) das lebendige Ganze..das..Kräftige..Schöne, dahin ist der Künstler angewiesen..der Naturbetrachter..muß das Ganze [
des Erkenntnisobjekts] trennen, die Oberfläche durchdringen, die S. zerstören, das Nothwendige kennen lernen GWB45,255,7 Diderot,Malerei S. der Natur ist Vollkommenheit des Ganzen, zu einer anschaulichen Kenntnis gebracht; Schönheit der Kunst ist gleichsam der Anblick des Vollkommenen, in der Seele des Künstlers zur Gestalt gereift und durch innere Kraft wieder zur Gestalt wirkend. Die erste S. besteht in Ordnung und Gesetzen der Natur, soweit sie übereinstimmend erkannt werden; die Schönheit des Künstlers gründet sich auf dieselbe Ordnung, aber sie wirkt stärker auf die Sinneskräfte..Beiderlei Arten mischen sich in der Seele.. GWBGespr(He1,468) CHerder 6.2.89 Der Geschmack ist nur der zarteste Theil des Characters. Er verhält sich zu ihm wie die Epiderm zur S. GWB42
2,420,14 Volksb histInh Schema GWB37,210,1 FGA Sulzer,SchöneKünste [G/Merck] GWB5
1,309 Tab vot 34(627)
uö(selten) ―
mBez auf Frauenschönheit als Inbegriff, Sinnbild von höchster Naturschönheit; weit überwiegend in Hinblick auf Helena, auch auf Pandora; einmal stärker verallgemeinernd, bei personifizierender Vorstellung; wiederholt in problematisierendem Zshg [
betr ein der Verherrlichung Helenas gewidmetes Gemälde] alle diese geistigen und körperlichen Schmerzen [
des trojanischen Krieges] , um wessentwillen werden sie erduldet? Um eines Weibes willen, des Sinnbildes der höchsten S. GWB48,107,23 Polygnot [
betr Euripides' ‘Helena’-Tragödie] so verdiente..Euripides gewiß den Dank aller Griechen, wenn er sie [
Helena] als gerechtfertigt, ja sogar als völlig unschuldig darstellte und so die unerläßliche Forderung des gebildeten Menschen, S. und Sittlichkeit im Einklange zu sehen, befriedigte GWB48,110,7 Polygnot [
Astrolog, beim Hervortreten Helenas:] Die Schöne kommt, und hätt' ich Feuerzungen!|Von S.
ward von jeher viel gesungen..[
Faust:] Hab' ich noch Augen? Zeigt sich tief im Sinn|Der S.
Quelle reichlichstens ergossen? GWB15
1,84 Faust II 6484u6488 [
Helena, von Faust Abschied nehmend6):] Ein altes Wort bewährt sich leider auch an mir:|Daß Glück und S.
dauerhaft sich nicht vereint. [ Daß hoher S. holdes Glück sich nicht gesellt
Var ; Nie war ein daurend Glück der Schönsten zugetheilt
andere Var] GWB15
1,239 Faust II 9940 [
Phorkyas, mBez auf Helena:] Alt ist das Wort, doch bleibet hoch und wahr der Sinn,|Daß Scham und S. nie zusammen, Hand in Hand,|Den Weg verfolgen..|Tief eingewurzelt wohnt in beiden alter Haß,|Daß, wo sie immer irgend auch des Weges sich|Begegnen, jede der Gegnerin den Rücken kehrt.|Dann eilet jede wieder heftiger, weiter fort,|Die Scham betrübt, die S. aber frech gesinnt GWB15
1,186u187 Faust II 8755u8761 GWB50,328 Pand 656 GWB15
2,209 Helena Plp 1,218 GWB15
2,115 Faust II 9482 Var [
Zit s v schön/Schöne Pkt 2]
uö(selten) b
mBez auf die Kunst bzw die Künste; auch bei Betonung der auf Gesetzlichem basierenden, doch zugl eigenständigen Werkindividualität, des Produziert-, Gesetztseins durch den Künstler, der Vorbildhaftigkeit griech Kunst (‘griechische S.’) ua; einmal in Gegenüberstellung zur Naturschönheit [
Philosoph:] der Gattungsbegriff ließ ihn [
den menschlichen Geist] kalt, das Ideale erhob ihn über sich selbst; nun aber möchte er..jene frühere Neigung, die er zum Individuo gehegt, wieder genießen..Was würde aus ihm in diesem Zustande werden, wenn die S. nicht einträte..Sie gibt dem Wissenschaftlichen erst Leben und Wärme..Ein schönes Kunstwerk..ist..eine Art Individuum, das wir mit Neigung umfassen GWB47,174,2 Samml 6 Die Kunst ist constitutiv. - Der Künstler bestimmt die S., er nimmt sie nicht an GWB47,292,10 Propyl Plp NaturKunst Vollkommenheit ist schon da, wenn das Nothwendige geleistet wird; S., wenn das Nothwendige geleistet, doch verborgen ist GWB42
2,255,16 MuR(1109) GWBGespr(He1,468) CHerder 6.2.89 [
Zit Pkt A4a] 5
1,313 Tab vot 63(386)
uö c
die Natur u die Kunst, den Weltzshg übergreifend; metasprachl, definitorisch, auch etymol; einmal im (durch die Hermetik beeinflußten) bildhaften Zshg7) [
Charakteristiker:] Können Sie mir sagen was S. sei?..[
Oheim:] Vielleicht nicht!..aber ich kann es Ihnen zeigen..[
Charakteristiker:] möchte es wohl nöthig sein, daß wir das Wort S. und seinen Ursprung näher betrachten. S. kommt von Schein, sie ist ein Schein und kann als das höchste Ziel der Kunst nicht gelten..[
Oheim:] Der Charakter verhält sich zum Schönen wie das Skelet zum lebendigen Menschen..der Knochenbau..begründet..die Gestalt..aber nicht..die letzte Erscheinung die wir, als Inbegriff und Hülle eines organischen Ganzen, S. nennen GWB47,158,25 u 159,7u8u25 Samml 5 die Idee: S. sey Vollkommenheit mit Freyheit GWBN(GOETHE14/15,143) Schönheit organ Naturen Titel das Licht ist die Wahrheit, doch die Sonne ist nicht die Wahrheit, von der doch das Licht quillt. Die Nacht ist Unwahrheit. Und was ist S.? Sie ist nicht Licht und nicht Nacht. Dämmerung; eine Gebuhrt von Wahrheit und Unwahrheit. Ein Mittelding.. GWBB1,199,21 FOeser 13.2.69 GWB5
1,47 Etymologie 11
unter wesentlichen Aspekten: im Hinblick auf ein absolut Schönes, auf die Einheitlichkeit des Natur- u des Kunstschönen, auf das Grundprinzip der Proportionalität ua; einmal im bildhaften Vergl; auch ‘S. der Welt’ S.|S. ist ewig nur Eine, doch mannichfach wechselt das Schöne,|Daß es wechselt, das macht eben das Eine nur schön GWB5
1,309 Tab vot 30(191) es ist zu hoffen, daß diese [
die proportionalen Verhältnisse organischer Wesen erfassenden] geistigen Formeln zuletzt mit dem Verfahren der größten Künstler zusammentreffen, deren Werke..die schönen Naturprodukte umschließen werden..Höchst interessant wird..die Betrachtung seyn, wie man Charaktere hervorbringen könne, ohne aus dem Kreise der S. zu gehen.. GWBN(Goethe14/15,145) Schönheit organ Naturen Vollkommenheit kann mit Disproportion bestehen, S. allein mit Proportion GWB42
2,255,19 MuR(1110) [
Winckelmann-Zit8)] Die höchste S. ist in Gott GWB46,396,18 Winckelm Plp GWBB1,238,12u20 JGHetzler 12.7.[70] K GWBGespr(He2,114) Luden 19.8.06 GWBN6,19,24 MorphH Inhalt
uö personifiziert; im bildhaften Zshg; als gegenüber dem ‘Geist’ dominierendes Prinzip Die S. hatte schöne Töchter,|Der Geist erzeugte dumme Söhne,|So war für einige Geschlechter|Der Geist nicht ewig, doch das Schöne GWB3,190 Palinodien 2 Vs 18 GWB3,189 Palinodien Titel u Vs 4 ―
anknüpfend an das Konzept der Kalokagathia in Berührung mit Pkt B; auch in personifizierender Vorstellung; einmal ‘höchste S.’ die ewige Wahrheit..daß wir uns in der Welt spiegeln, die Welt in uns und daß es daher unsere höchste Pflicht sey uns selbst möglichst rein und schön zu erhalten, damit wir die Reinheit und S. des Universums darin sich die Gottheit offenbart GWBN5
2,379,23 Fl Plp der Mensch auf den Gipfel der Natur gestellt..steigert..sich, indem er sich mit allen Vollkommenheiten und Tugenden durchdringt..und sich endlich bis zur Production des Kunstwerkes erhebt..es..nimmt..alles Herrliche..in sich auf, und erhebt..den Menschen über sich selbst..vergöttert ihn..[
mBez auf die Jupiter-Statue des Phidias] Man erblickte die höchste Würde, und ward für die höchste S.
begeistert GWB46,29,28 Winckelm Schönh GWB51,87,25 ThS I 22
uö(selten) 5
metonym a
für: schöner (materieller od ideeller) Gegenstand bzw schöner Teil von etw; weit überwiegend pl α
im Bereich der (kultivierten) Natur, insbes mBez auf Objekte landschaftlicher Szenerien od allgemeiner auf natürliche Gegebenheiten; auch in den Fügungen ‘die (besonderen/auserwähltesten) S-en der Natur’, einmal ‘malerische und übermalerische S-en’; auch in Überschneidung mit Pkt A5aβ Spaziergang auf die neuen Anlagen [
Landschaftsgarten von Eduards Besitztum] . Der Hauptmann..bemerkte jede S., welche durch die neuen Wege erst sichtbar..geworden GWB20,28,13 Wv I 3 Mit dem empfindlichsten Auge für die S-en der Natur, das heißt für schöne Massen, Formen und Farben, hat er [
SGeßner] reizende Gegenden durchwandelt, in seiner Einbildungskraft..verschönert GWB37,285,18 FGA Geßner,Idyllen [
mBez auf PhHackerts Mitteilungen über eine durch seine Lektüre der Goetheschen ‘Winckelmann’-Schrift angeregte Malweise] meine Freude über den Entschluß..den Sie gefasst haben, die auserwähltesten S-en der Natur zu einem idealen Ganzen zu verbinden GWBB51,190 Hackert 4.4.06 gedencken Sie mein bey den reichen S-en der Natur und Kunst [
Frankfurts] GWBB32,151,9 ABrentano [19.1.20] GWB46,113,23 Hackert JgdlAnfänge GWB28,175,12 DuW 13 GWB32,90,16 ItR
uö speziell mBez auf ein Tier [
betr das Erscheinungsbild eines Zugpferdes] Ein Maler fände..an dem mächtigen Ausdruck von Knochen, Sehnen und Muskeln..ein weit mannigfaltigeres Spiel von allerlei S-en, als an dem milderen..Charakter eines..Reitpferdes GWBGespr(FfA II 12,600,31) Eckermann 18.4.27 β
im Bereich der Kunst; mBez auf bildende Kunst, Architektur, Dichtung od Musik; einmal im bildhaften Vergl [
Verzierungen an Cellinis Modell für das Salzfaß] die Erde hatte ich weiblich gebildet..Sie..hielt..das Horn des Überflusses, mit allen S-en [
bellezze] geziert, die ich nur in der Welt wußte GWB44,13,13 Cell III 2 [
Litterator zu Euripides:] Herr W. zeigt nur, daß er nach Ihnen habe wagen dürfen eine Alceste zu schreiben; und daß, wenn er Ihre Fehler vermieden und größere S-en aufempfunden, man die Schuld Ihrem Jahrhunderte..zuschreiben müsse GWB38,15,16 GöttHeldWieland [
Entstehung des Librettos von ‘Scherz, List u Rache’] Ich fing..an den fliesenden Gang der Arie..zu unterbrechen, oder vielmehr ich dachte ihn zu heben..Eben so in Duetten..Noch mehr hat mich auf meinem Gange bestärckt daß der Musickus selbst dadurch auf S-en geleitet wird, wie der Bach die lieblichste Krümme durch einen entgegenstehenden Fels gewinnt GWBB7,166,6 Kayser 23.1.86 GWBGespr(He1,920) Voß Febr 05 GWBGespr(He2,299) Riemer 6.4.08 GWB37,288,2 FGA Geßner,Idyllen
uö b
für: gut, herrlich aussehende (weibliche) Person, auch für ein mythol od ein märchenhaftes Wesen; einmal als emphatische Anrede; wiederholt im Bild, auch bei personifizierender Vorstellung; meist mit Attribuierungen wie ‘lieblich’, ‘heiter’, ‘aufblühend’, ‘vollkommen’, ‘himmlisch’, einmal ‘sinnliche S-en’ mBez auf sinnlich ansprechende weibliche u männliche Personen [
Lenardo:] Diese blonde S. [
Valerine] habe ich oft mit jener Braunen [
Nachodine] , die man keine S. nennen durfte, spielen sehen GWB24,212,1u2 Wj I 11 NußbrMädch Heut ist mir ihr [
Lottes] Blik tief durch's Herz gedrungen..ich sah nicht mehr in ihr die liebliche S. ..Ein weit herrlicherer Blik würkte auf mich, voll Ausdruk des innigsten Antheils GWBAA107,5 Werth¹ II~GWBWerth² Bei meiner Arbeit [
am ‘Werther’] war mir nicht unbekannt, wie sehr begünstigt jener Künstler [
Zeuxis] gewesen, dem man Gelegenheit gab, eine Venus [
eigentlich: Helena] aus mehrern S-en herauszustudiren, und so nahm ich mir auch die Erlaubniß, an der Gestalt und den Eigenschaften mehrerer hübschen Kinder meine Lotte zu bilden GWB28,232,28 DuW 13 [
Mana:] Majestät! - [
Andrason:] S.! [
Sora:] Herr! [
Andrason:] Gebieterin! GWB17,5,18 TriumphEmpfindsamk I er [
Karl] hatte sich..von der blendenden S. verführen lassen, die unter dem Namen Freiheit sich erst heimlich, dann öffentlich so viele Anbeter zu verschaffen wußte GWB18,98,10 Unterhaltungen GWB41
2,8,17 Üb:JSchopenh,Gabriele GWB20,20,18 Wv I 2 GWB18,245,12 Märchen GWB37,151,23 Von dtBaukunst 1773 GWB44,354,17 CellAnh XII [
Zit Pkt B]
uö mBez auf Helena im ‘Faust II’ bzw auf den gesamten Helena-Akt; einmal ‘griechische S.’, in Hinsicht auf die ambivalente Sirenennatur Helenas nur für deren Oberkörper; auch in den Fügungen ‘S. der S-en’, ‘antike S.’ ua Es erscheint die Gestalt der Helena. Die Bemerkungen der Damen über diese S. der S-en beleben die übrigens fürchterliche Scene GWB15
2,175,51u52 Faust II Schema Die neue Sirene [
Helena im ‘Faust II’] .|Habt von Sirenen gehört? - Melpomenens Töchter sie prunkten|Zöpfumflochtenen Haupts, heiter entzückten Gesichts;|Vögel jedoch von der Mitte hinab..|Eine geschwisterte nun, zum Gürtel ab griechische S.,|Sittig hinab zum Fuß nordisch umhüllt sie das Knie GWB4,126 Die neueSirene 5 [
mBez auf den Helena-Akt] möge Sie die antike S. freundlichst begrüßen; das reine Manuscript kann ich nur, wann es höchst nöthig ist, aus den Händen geben GWBB41,234,16 Boisserée 22.11.26 GWB41
2,292,16 Üb:Helena GWB15
2,73 Helena 1800 Vs 36 [
Zit s v Schöngestalt]
uö mBez auf eine bildkünstlerische Gestalt; einmal im Anruf; in Berührung mit Pkt A5aβ Rauch hat mir diese kleine S. [
Büste der Henriette Sontag] zum Geschenk gemacht GWBGespr(He3
2,399) Schnitter April 29 [
Künstler, ein Bild der Venus Urania auf die Staffelei setzend:] Meine Göttin..|Die ich in Seel' und Sinn, himmlische Gestalt,|..Uranfängliche S.! Königin der Welt! GWB16,144 KünstlersErdew 15 GWBB42,98,2 Meyer 21.3.27
uö(selten) (verhüllend) für: Prostituierte [
für: la courtisanne] GWB45,153,12u15 RamNeffe B
ethisch: moralische Größe, sittliche Vollkommenheit, Edelmut, Güte; auch in allg Betrachtung In einem strengen [
Militär-] Dienste..wo die Gerechtigkeit zur Härte und Grausamkeit ward..war seine [
des Offiziers] gute Seele, die in einem freien und willkürlichen Leben ihre S. würde gezeigt..haben, gänzlich verdruckt GWB51,256,21 ThS III 11 [
betr herabsetzende Artikel über die Weimarer Gesellschaft, auch über Goethe selbst in Cottas ‘Allgemeiner Zeitung’] fühlen Sie die S. unsres Verhältnisses in seinem ganzen Umfang, so machen Sie diesen unwürdigen Redereyen ein Ende, die sehr bald ein wechselseitiges Vertrauen zerstören müßten GWBB19,253,4 Cotta 25.12.06 Es [
das Sittliche] ist mehr oder weniger den Menschen im allgemeinen angeschaffen, im hohen Grade aber..ganz vorzüglich begabten Gemütern. Diese haben durch große Taten oder Lehren ihr göttliches Innere offenbaret, welches sodann durch die S. seiner Erscheinung die Liebe der Menschen ergriff GWBGespr(FfA II 12,595,15) Eckermann 1.4.27 GWBB5,79,19 ChStein 12.3.81
uö(selten) ―
‘moralische/sittliche S.’; einmal metonym ‘sittliche S-en’ für sittlich hochstehende Personen [
betr SGeßners Idylle ‘Das hölzerne Bein’] Wie lebendig läßt sich an diesem kleinen Stücke fühlen, was Geßner uns sein könnte, wenn er nicht durch ein zu abstractes und ekles Gefühl physikalischer und moralischer S. wäre in das Land der Ideen geleitet worden GWB37,288,17 FGA Geßner,Idyllen wir finden durchaus bald derbe, bald reizende [
weibliche] Gestalten an seiner [
Cellinis] Seite..Nicht leicht gibt es ein so hohes, heiteres..Verhältniß, als das zu Porzia Chigi, und kein sanfteres, liebevolleres..als das zu der Tochter des Goldschmieds Raffaelo del Moro. Bei dieser Empfänglichkeit für sinnliche und sittliche S-en..mußte die Schönheit männlicher Jugend mehr als alles auf ihn wirken GWB44,354,17 CellAnh XI GWBGespr(FfA II 12,596,2) Eckermann 1.4.27
uö(selten) C
mBez auf die Witterung: Heiterkeit, Milde [
in Karlsbad] Das Wetter ist von der größten S., das Barometer verharrt auf einem hohen Standpuncte; nur verbietet die Hitze manche Besuche und Communication mit Menschen GWBB37,197,1 August 30.8.23 Vor meinen Stürmen..muß der Sommer mir|Mit seiner S.
weichen GWB16,191 Maskenz Aufz dWinters 22 GWB29,107,24 DuW 18
uö(selten) → GWB
Charakter- GWB
Frauen- GWB
*Gebirgs- GWB
Kunst- GWB
Natur- GWB
Perser- GWB
Regenbogen- GWB
Seelen- Syn zu A
GWB
Anmut GWB
Herrlichkeit GWB
Pracht GWB
Vollendung GWB
Vollkommenheit zu A1 u C
GWB
Schöne zu A5b
GWB
schön/Schöne GWB
Schöngestalt zu B
GWB
Edelmut GWB
Edelsinn GWB
Größe GWB
Großheit GWB
Großherzigkeit GWB
Großmut GWB
Güte GWB
Gutheit GWB
Gütigkeit GWB
Hochsinn GWB
Seelengröße zu C
GWB
Heiterkeit GWB
Milde 1) Vgl hierzu WSchadewaldt, Faust u Helena. Zu Goethes Auffassung vom Schönen u der Realität des Realen im zweiten Teil des ‘Faust’. In: Ders, Goethe-Studien (1963),165-205. Der Aufsatz versammelt u interpretiert ua eine Reihe von Kernaussagen Goethes zu ‘schön’ bzw ‘Schönheit’. Seine Auffassung vom Schönen dort als „potenziertes Leben” gefaßt (169). 2) Diese Einschätzung entspricht einem grundlegenden Befund der Geschichte der Ästhetik; vgl ÄGB Bd 5(2003),395 (s v schön/Schönheit). - Zur begriffsgeschichtlichen Einordnung von Goethes Schönheitsverständnis s dort insbes den Abschnitt: ‘Das 18. Jh: Die Ästhetik entdeckt ihren zentralen Begriff’ (396-416) 3) Zur Verabschiedung des klassizistischen Schönheitsideals in Goethes Helena-Akt, auch zur Gesamtentwicklung des Klassizismus als bürgerlicher Emanzipationsbewegung in Deutschland s WHeise, Zur Krise des Klassizismus. In: Ders, Realistik u Utopie (1982),177-266 4) s hierzu RLiess, Goethe vor dem Straßburger Münster (1985),44ff 5) vgl MMendelssohn, Phädon (1767),168f 6) Bezüglich des Konflikts von Schönheit u Glück im Helena-Akt vgl auch Helenas Selbstcharakterisierung in Euripides' ‘Helena in Ägypten’ (1780),21 (I 3) 7) s Zimmermann 1,206ff 8) vgl JJWinckelmann, Geschichte der Kunst des Altertums (1764),149 (1. Theil, 4. Kap, 2. Stück) Michael SchilarM.S.