Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
lenken swV.
1.1 von Personen
1.2 von Konkreta
1.3 von (gesprochener) Sprache
1.4 von Abstrakta ( sin/ muot )
1.5 unpers.
1.6 übertr. ‘etw. in die Wege leiten’ (?; anders FWB 9,967 z.St. ‘etw. überlegen, erwägen, gedanklich hin und her wenden’ )
2 ‘sich/ etw. (wohin) wenden, richten’ (mit direktionalem Adv. oder präp. Erg.)
3 ‘sich/ etw. biegen, beugen’ (mit fakultativer präp. Erg.)
3.1 allg.
3.2 übertr. ‘sich jmdm./etw. beugen, fügen’ (mit Dat. oder Präp.-Obj.)
3.3 Part.-Adj. ‘gebogen, gewunden, gefaltet’
4 ‘etw. anbringen’ (mit präp. Erg.)
1 ‘jmdn./etw. (wohin) lenken, führen, leiten’ (häufig mit (Pron.-)Adv. oder präp. Erg.) 1.1 von Personen: daz sich der bâbst liez lenken / ze solhen untriwen / mit guot Ottok 3158. 54562. 54563; si fürwâr wol westen, / die wîl daz lant wære / rehter herren lære, / sô liez sich niemen lenken [beherrschen] ebd. 1387; sin wunder was groz und groz, / daz sin herze alumme sloz / und in sus wart lenken Pass I/II (HSW) 41471 1.2 von Konkreta: er [Gott] wol kan / alle ding [...], swî er wil, / lenkin NvJer 22234; die schœne maget Blanschemanîs / ir blanken arme criuzewîs / vaste über einander schrenkete, / gein herzen sie die lenkete / und dructe sie ûf ir brustel HvFreibTr 712; also wil ich, herre, in deinem namen / [...] / mein schifflin nider lenken, / denne do ez treibet der segel wint MvHeilGr 150 1.3 von (gesprochener) Sprache: so wil ich die wile gan / hin uz fuͤr die tuͤr stan, / bizir iuch bedenket: / wie ir mir denne lenket / die rede, dar nach riht ich mich WhvÖst 9034. – die Zunge als Subjekt: iedoch sol unverdrozzen / min zunge lenken wilde sage WhvÖst 129; nicht wort [...] daz man sprichet mit lefsen, / [...] / noch daz zunge mac gelenken, / noch daz herze mac gedenken HeslApk 625; subst.: mit aller zunge lenken / kan nimmer munt volbringen, / noch herze volliclîchen volledenken, / waz guoter dinge man mit harren endet Hadam 555,2 1.4 von Abstrakta (sin/ muot): des sunis wîsheit lenke / mîne cranken sinne, / daz ich vornumft gewinne NvJer 70; dô wurdin abir denkin / dî brûdre unde lenkin / darûf ire sinne, / als dî gotis minne / sî wîste ebd. 15822; wo ich min sin hin lenck MinneR 298 29; ez sol niht lenken / deheiner slahte guot [Subj.] / eins so rîchen kuniges muot Ottok 7469. – sînen ganc/ sîne vart ~ : dar uber wolder sinen ganc / zu huse wider lenken Pass I/II (HSW) 16003; er [...] begonde lenkin / sîne vart allumme NvJer 16308 1.5 unpers.: den rossen ward gelencket, / unnd iedes sper gesencket FrSchw 6253 1.6 übertr. ‘etw. in die Wege leiten’ (?; anders FWB 9,967 z.St. ‘etw. überlegen, erwägen, gedanklich hin und her wenden’): der zauberer wol erkannt / das sein zaubry was ertrant [gebrochen] / [...]: / ain annders begund er lingken FrSchw 6242 2 ‘sich/ etw. (wohin) wenden, richten’ (mit direktionalem Adv. oder präp. Erg.): dâvon [von guter Zurede] begunde ir werden warm / daz kreftelôse herze / und entliez sich ir smerze. / dâvon begunde sich ir muot / tempern unde lenken LvRegSyon 1591. – mit ane, (wâ) hin, zuo: die tobenden wazzeres unden, / sturmwetter unde wint / alle wider mich nu sint, / wand ich mich an in lenke Pass III 199,67; daz herze an got sie lenken Pass I/II (HSW) 10486; daz du [...] minem herzen nach jagest, / wa sich daz hin lenke ebd. 20677; wa hin sin gemute sich lenket Physiogn 121; daz sult ir bedenken / und iwern haz lenken / ze guot und zuo barmunge Ottok 4834; man siht an ir henden / mit vil hurticlîcher ger / iriu wînes volliu sper [iron. für Becher] / gên dem munde senken / und sich zer tjoste lenken, / diu in nicht harte vellet Helbl 13,100 3 ‘sich/ etw. biegen, beugen’ (mit fakultativer präp. Erg.) 3.1 allg.: daz waren blech begozzen / von golde, etewa beslozzen, / daz si sich lenchen mohten Serv 499; die [sieben Hörner] man sach uf dem lamme lenken [vgl. Apc 5,6] Frl 1:13,32. – häufig vom Körper und seinen Teilen: diu knie vor im lenken Ottok 14808; wer sich lenket als ein stock [stocksteif dasteht] , / des dienst kan ich gepruven niht Jüngl 120; eine chruchen [Krücke] fraissam, / daruber muͦst er sich lênchen Wernh A 1697; die vuze sie begunden / an dem cruce lenken / und uber einander schrenken Pass I/II (HSW) 6481; sin arme und sin hende, / [...] / die wurden da gelenket / und umb di sul geschrenket ebd. 5961; WhvÖst 17335 3.2 übertr. ‘sich jmdm./etw. beugen, fügen’ (mit Dat. oder Präp.-Obj.): vnserem râte solt dv dich lênchen Wernh A 1408; sî inmûstin lenkin / sich undir des geloubin joch NvJer 4814; er hete sich gelenket / und geschepfet nâch ir site KvWTroj 16430; nû enweiz ich leider wie / ich gedanc gelerne, / dâvon sich mîn muot gerne / in den willen lenke, / daz ich an in gedenke, / alsô daz ich im bî / in geistlîcher beschöude sî LvRegSyon 1956 3.3 Part.-Adj. ‘gebogen, gewunden, gefaltet’ sine [des Vogels] reinen swankeln sytten [ sîten ] / waren meisterlich gelenket Minneb 5179; diu selbe riche banier zier / was von drien stucken, / [...] / daz ober und daz under / stuͤcke was geroͤtet / [...] / daz drittail wiz begarwe / da durch was schon geblenket, / ain larikant [ein strahlend weißer Stoff] gelenket WhvÖst 16550; und menig merwunder fin / das ist von gold gelenket drin [hineingewoben (in das Gewand)] / da nidenan bi dem orte EckenlE2 94,2; daz hemde stuont gelenket / nâch einem fremden schrôte [Schnitt] KvWEngelh 3078; HvNstAp 15100. – übertr.: sit vrouwen pris solch wirde / treit in lobes girde / gepartiret und geschrenket, gelenket Frl 3:33,3 4 ‘etw. anbringen’ (mit präp. Erg.): ir gesinde rief si do / unde hiez daz hus benken [Bänke darin aufstellen] , / ir ummehenge lenken / her unde dar an di want Pass I/II (HSW) 3106
MWB 3,3 1065,14; Bearbeiterin: Wemhöner