lenken,
verb. bewegung nach einer bestimmten seitenrichtung hin machen oder veranlassen, mhd. lenken;
in verschiedener fügung. 11)
intransitives lenken,
eine richtung nehmen, mit ortsbestimmung durch adverbien oder präpositionen: und dô si ubir geschiffeten, dô quâmen si durch in daʒ lant Gerasenôrum, und si lenkiten zuo.
Behaims evang.-buch, Marc. 6, 53 (
bei Luther und fuhren an); ich lenkte deszhalb nach einem wäldchen. Göthe 25, 356; ihr dürft nicht ohne erquickung weiter ziehen. verschmäht nicht,
die kurze strecke zurück zu lenken. Freytag
ahnen 5, 124; so kam die gesellschaft vor das haus der jungfrau; diese lenkte zu dem bau, in dem der rittmeister einquartiert war. 125; wie sie eine weile nun so fortgeritten, zeigte sich ein kleiner pfad, der mitten durch den wald geraden wegs zu einem brunnen führte. Geron lenkt dahin. Wieland 18, 59; sah er Adelheit, und lenkte schnell den pfad zu ihr entlang. Stolberg 2, 44; sprachs, und lenkte dahin. Voss
Luise 1, 237; zuletzt thät man herrn Milon sehn, der nach dem schlosse lenkte. er liesz das röszlein langsam gehn. Uhland
ged. 345;
bildlich: item der obrigkeit ampt gegen die unterthanen hat allein im rechtsprechen mit der frag zu thun, was mein und dein ist, und solt in erkäntnüs weder zur rechten noch zur linken lenken. Schuppius 24; da er das herz nicht hatte, ganz gerade auf die sache los zu gehen, so lenkte er von weitem dahin, indem er .. versicherte
u. s. w. Göthe 22, 43; der dichtung heilige magie dient einem weisen weltenplane, still lenke sie zum oceane der groszen harmonie! Schiller
die künstler v. 448. 22)
reflexives lenken,
in derselben bedeutung und anwendung, in der schriftsprache bis zum 18.
jahrh. nicht unhäufig, jetzt vielfach durch sich wenden
verdrängt. 2@aa)
von lebenden wesen: und gott befalh jnen im trawm das sie sich nicht solten wider zu Herodes lenken.
Matth. 2, 12; du solt nicht hin auf ziehen hinder jnen her, sondern lenke dich von jnen, das du an sie komest gegen den maulberbewmen.
1 chron. 15, 14; rede mit den kindern Israel, und sprich, das sie sich rumb lenken, und sich lagern gegen dem tal Hiroth.
2 Mos. 14, 2; und wenn sie giengen, durften sie sich nicht rumb lenken, sondern wo sie hin giengen, giengen sie stracks fur sich.
Hes. 1, 9; ritte also bei nacht zur hindern thür hinaus, ... lenkte mich auch auf den weg, wo ich wuste, dasz die viehhändler herkommen solten.
Simpl. 2, 298
Kurz; nun will ich mich von dannen lenken. H. Sachs 3, 2, 89
a; ich will vielmehr mich dahin lenken, wohin mich tapferkeit weist
an. Fleming 498; sich die blümlein nidersenken, seind so gar, und gar entferbt: todt zur erden sie sich lenken. Spee
trutznachtigall (1654) 218; Daphnis, wan ich dein gedenke, deiner qualen, deiner noht, ich mich matt zur erden lenke. 219;
im bildlichen ausdrucke: wir wollen jmer gerne bei heiligen leuten sein, die nicht wünderlich sind, sondern sich fein nach uns lenken, das es jmer gehe nach unserm sinn. Luther 4, 49
b; sich zur wollust lenken,
ad voluptatem propensum, proclivem esse. Stieler 1145; sich zum verderben lenken,
vergere ad perniciem Steinbach 1, 1037; ich lenke mich (
bei einer betrachtung) vielmehr wieder in meinen weg, wenn ein spatziergänger anders einen weg hat. Lessing 6, 489; selig, ders kan vorhin bedenken, der weisz, im unglück sich zu lenken. B. Waldis
Esop 2, 66, 30; doch wiszt er sich nit drein zu lenken, fandt keinen rath, wie er dem schaden vorkommen solt und sichs entladen. 3, 94, 46; wer sich kan zur seiten lenken, gegen dem wind den mantel henken. 4, 75, 149; je meh man vom leib sich schwenkt, je meh man zu dem gmüt sich lenkt. Fischart
dicht. 3, 240
Kurz; solchs, schätzlein, wol bedenke, bei zeit dich zu mir lenke (
in liebe). Hoffmann
gesellschaftslieder 6; sag mir, schöns lieb, wirstu auch mein gedenken, und dich allzeit in treuen zu mir lenken? 73; sie (
wesiheit) ists, die der himmel schenkt, und in solche seelen senket, die sich vor zu ihm gelenket. Fleming 299; camerad, die zeiten sind schwer, das schwert ist nicht bei der wage mehr; aber so mag mir keiner verdenken, dasz ich mich lieber zum schwert will lenken. Schiller
Wallenst. lager, 11.
auftr. 2@bb)
von körpertheilen mit selbständiger bewegung: seine füsze lenkten sich unwillkürlich nach seiner alten wohnung; ich weisz, o herr, dein auge flieszt bei diesem herben angedenken, und wird sich, da es dieses liest, betrübt nach ihrer ruhstätt lenken. Günther
bei Steinbach 1, 1037;
übertragen auch vom herzen, vom geist: seit mein herz, da ich es dir geschenket, der knechtschaft abgesagt, und sich nach ehre lenket. J. E. Schlegel 1, 222; diesen nothzwang leid ich gern, weil ihn die natur beschieden. nach der neigung dieser mutter lenkt sich mein gesetzter geist. Günther 838;
von der stimme, ohne ortsangabe, und daher mehr in der allgemeinen bedeutung gelenkig sein: ich musz den hafen vor schwenken, so wird sich die stimm fein lenken und renken.
Garg. 86
a. 2@cc)
von dingen, die bewegung oder auch erstreckung haben: wenn die cherubim jre flügel schwungen, das sie sich von der erden erhoben, so lenketen sich die reder auch nicht von jnen.
Hes. 10, 16; und die quelle der beche, welche reicht hin an zur stad Ar, und lenket sich und ist die grenze Moab. 4
Mos. 21, 15; und mit hohem wald umzogen, und mit ritterschlosz gekrönet, lenkt sich hin des gipfels bogen, bis er sich dem thal versöhnet. Göthe 5, 18;
von der grenze: und die grenze gehe .. erab und lenke sich auf die seiten des meers Cinereth gegen dem morgen.
4 Mos. 34, 11; und lenket sich erumb von Baala gegen dem abend zum gebirge Seir.
Jos. 15, 10;
von ländern und deren bewohnern: Kernten, gegen dem nidergang und mittag an das welsch gebürg sich lenkend und Frigaul berrende. Frank
weltb. 90
a; für alle kelte, wiewol diser wenig allda ist, dann sy lenken sich gegen dem mittag. 222
b; das land lenket sich gegen mitternacht,
ista regio vergit, deflectit in septentrionem. Stieler 1145. 2@dd)
von anderem: die bauchdiener und freszlinge, ... die durch das predigen nichts suchen, denn das sie gnug haben, und jren wanst füllen, wo das wort nicht wil dienen zu jrem bauche, da drehen sie jm eine nasen, das es sich dazu lenken mus. Luther 4, 54
a; die aufmerksamkeit lenkte sich auf diesen jungen mann; die beobachtung lenkte sich auf das auffällige gebahren eines schlecht gekleideten menschen; die unterhaltung hat sich auf diesen punkt nicht gelenkt; wohin sich das gespräch der edlen lenkt, ich folge gern, denn mir wird leicht zu folgen. Göthe 9, 106. 33)
transitives lenken,
einem oder etwas eine bestimmte richtung nach der einen oder der andern seite hin geben; mit oder ohne nähere ortsbestimmung. 3@aa)
im eigentlichen sinne, in bezug auf wagen, zug- oder reitthiere, schiff, kahn: darumb lies er die lade gottes (
die auf einem wagen geführt ward) nicht zu sich bringen in die stad David, sondern lenket sie hin ins haus ObedEdom des Githiters.
1 chron. 14, 13; siehe, die pferde halten wir in zeumen, das sie uns gehorchen, und lenken den ganzen leib. sihe, die schiffe, ob sie wol so gros sind, und von starken winden getrieben werden, werden sie doch gelenkt mit einem kleinen ruder, wo der hin wil, der es regieret.
Jac. 3, 3; die pferde vom weege lenken,
equos de via deflectere. Steinbach 1, 1037; so schwer es ist, das kämpfende schiff gegen die winde zu lenken. Schiller
räuber 1, 2; lenkte mit langem stabe die beiden gewaltigen thiere. Göthe 40, 245; o zaudre nicht, im nahen sturmgewitter das falsch gelenkte steuer zu ergreifen! 9, 325; wo jetzt nur, wie unsre weisen sagen, seelenlos ein feuerball sich dreht, lenkte damals seinen goldnen wagen Helios in stiller majestät. Schiller
götter Griechenlands; kein schiffer lenket die fähre.
bürgschaft; der ruderer lenkte den kahn fort. Voss
Luise 1, 752; dort, wo vielleicht ihr euer gebogenes schiff vorbei lenkt, edler Odysseus.
Odyssee 12, 82; lenk, Aineias, du selbst dein rossegespann mit den zügeln!
Ilias 5, 230; dort nun lenkten sie durch die leichtgesporneten rosse. 752, weisz auch rasch im getümmel die hurtigen rosse zu lenken. 7, 241; sieh, wenn es dämmert, lenk ich langsam seitwärts dich (
wüstenross). Freiligrath
dicht. 1, 88;
ungewöhnlich von thieren, mit der stimme lenken,
weil man sich das gelenkte auch zugleich berührt denkt: die (
doggen) hetz ich auf den lindwurm an, .. und lenke sie mit meiner stimme. Schiller
kampf mit d. drachen; von gestirnen, die am himmel laufen: du droben in dem himmelszelt, der sonnen lenkt und herzen hält. Arndt
ged. (1840) 213;
vom schwert, vom geschosz: ihr heldengeist .. lenkt des schwertes stahl, den östlichen barbaren mit tieferm druck ins herz zu fahren. Seume
ged. 108; dorthin lenkt' es (
das todesgeschosz) gerade die herrscherin, wo sich des gurtes goldene spang anschlosz, und zwiefach hemmte der harnisch.
Ilias 4, 132; Pallas lenkte selbst gerad aufs nasenbein am aug den spiesz. Bürger 161
b; die mündung des gewehrs ward gerade auf seine brust gelenkt;
vom faden des gewebes: fäden kommen, fäden weifen, jeden lenk ich seine bahn, keinen lasz ich überschweîfen, füg er sich im kreis heran (
spricht Lachesis). Göthe 41, 35. 3@bb)
auch vom menschen: dieser lenkte ihn ... hinter die nächsten stachelbeerstauden hinaus. J. Paul
Hesp. 2, 6;
mit persönlich gedachtem subject: in schlachten wirst du (
schwert) funkeln! bald klirrst du, wo dein blitz ein volk von reitern lenkt! Freiligrath
dicht. 1, 92;
in freierem sinne: und meiner phantasie gewebe lenkt mich hin zu dir. Seume
ged. 206;
meist in bezug auf seine sittliche oder sonstige führung: es wollten sich aber i.
f. g. nicht lenken lassen. Schweinichen 1, 125; er lenkt ihn nach seinem willen,
ad voluntatem suam eum regit Steinbach 1, 1037; hab ich schwachheit und gebrechen, herr, so lenke meinen freund, mich in güte zu besprechen und nicht als ein leu und feind. P. Gerhard 265, 82
Gödeke; sonsten regiere mich, lenke und führe wie dirs gefällt. 295, 87;
mit persönlich gedachtem subject: und die noth, so mich gedrängt, dränge dich von allen seiten, bis sie dich zum himmel lenkt. Günther 842; jenes gesetz, das mit ehrnem stab den sträubenden lenket. Schiller
genius v. 47;
und zugleich mit persönlich gedachtem object: nie gewahr des geistes, der sie (
die natur) lenket.
götter Griechenlands v. 107; sich von einem oder etwas lenken lassen (Luther 4, 21
a,
s. die stelle unter g): der könig, als man ihn gedachte zu bekränken, und durch verschiedenes erweckte seine wuth, liesz sich doch allezeit von seinem zorne lenken. Olearius
reisebeschr., widmungsgedicht; komm, komm! und lasz dich nichts von dem beginnen lenken, das du so löblich itzt nach Frankreich hingericht. Caniz 64; euch auch nach seiner unterweisung dazu (
zum gütlichen vergleich) lenken lasset.
d. städtechron. 1, 142, 8; der freund, der mich zum guten lenkte. Gellert 2, 185;
und mit ausgelassenem object (die menschen): weisheit, die zum glücke lenkt. Seume
ged. 142. 3@cc) geist, herz, sinn, willen des menschen
u. ähnl. lenken: er lenket jnen allen das herz, er merket auf alle jre werk.
ps. 33, 15; o wahre zier, itzt lenke meine sinnen, dasz sie nur dich alleine lieb gewinnen. Fleming 284; lenke du der feinde muht, dasz sie uns eins werden gut. 292; der aller herz und willen lenkt, und wie er will regieret. Gerhard 10, 1
Gödeke; das herz, das sie an sanften banden lenket. Schiller
künstler v. 82; gott sei gelobt, mein sohn, der väterlich unser gesorgt hat und wie die wasserbäche das herz der gemeine gelenket. Voss
Luise 2, 188; wenn ich aber irre, vater, lenke du mein herz, den bessern weg zu sehn. Seume
ged. 18; faszt seines geistes freie zügel schnell, eh seine sichre faust sie wieder aufgreift; ihr könnt ihn lenken; lenkt ihn gut und ehrlich! Körner
Rosamunde 3, 1;
mit persönlich gedachtem subject: es kommt doch auf die vorsicht an, die unsern sinn nothwendig lenket. Günther 85; éin wille lenkte hier zwo seelen. Gellert 1, 135; einfalt heiszt das himmelsmädchen, das mit göttern räth und denket, das an unsichtbaren fädchen stern und menschenherzen lenket. Arndt
ged. (1840) 120; sein herz, seine sinne auf etwas lenken: wer eifrig seiner brunst, halb wütig nach wil henken, musz blitzlich seinen mut auf ehrerbittung lenken, wenn unsrer (
der jungfrauen) augen glanz mit wolken überzeucht, und für den göldnen strahl ein finster unmut leucht. Logau 2, 11; auf eigne klugheit kommts nicht an, die unsern sinn auf thorheit lenket. Günther 86; zu einem
oder etwas lenken: er spricht: gott lenk dir, könig, zu mir den hohen sinn. Arndt
ged. (1840) 59; lenkest du nicht die gedanken, gott, mein vater, himmelwärts. 518; von etwas lenken: soll sie diesz herz vom himmel lenken! Gellert 1, 32. 3@dd)
von gliedmaszen: die gebärden und gestalt dieser dame waren ubermenschlich anzusehen, gienge langsam, wuste im gehen jhre glieder so à la mode zu kehren und wenden, zu renken und lenken, das alle die so jhr ansichtig waren, gegen derselben mit unverhoffter lieb und affection entzündet wurden. Philander 1 (1642) 74;
gewöhnlich von den füszen und den augen: er lenkte seine füsze nach dem wäldchen,
nahm den weg dahin; lenke deine augen auf diese landschaftlichen schönheiten; wo ich mein gesicht hin lenke. Fleming 421; die liebe heiszt mich zwar auf mich dein auge lenken. Hoffmannswaldau
bei Steinbach 1, 1037; ich hätte nie den blick auf Pindus ferne höhen, und nie den fusz gelenkt, den musen nach zu gehen. Adelgunde Gottsched
Popens lockenraub 51. 3@ee)
diesem den fusz lenken
entspricht wieder den schritt, gang, lauf lenken,
welches letztere aber auch von laufenden geräten, wagen und schiff gilt: sie lenkten ihren lauf, sobald die see nur irgend etwas freier und offner war, wieder mehr nach süden. Wieland 35, 190; dar uber wolde er sînen ganc zu hûse wider lenken.
Marienlegenden 176, 71; gegen gaukler, die bethören, gegen memmen, welche knechtschaft lehren, hieher lenken sie den pfad. Arndt
ged. (1840) 244;
bildlich: lenkte freundlich meine ersten schritte auf des erdenrunds verschlungner bahn. Seume
ged. 170;
und zu das auge lenken
tritt den blick lenken: beliebt dir einen blick auf meinen brief zu lenken. Hoffmannswaldau
bei Steinbach 1, 1037. 3@ff) lenken,
in bezug auf mancherlei, was einen fortgang hat, und in eine bestimmte bahn gewiesen wird: grosze krankheiten, so wie die sieche ermattung nach einem verschwelgten gestern, dringen uns solche aschermittwoche auf, die zuweilen das ganze leben sichten und lenken. J. Paul
kom. anh. zum Tit. 1, 82; so unverständig und voreilig durften sie nicht das schicksal der geliebten kinder lenken. Freytag
ahnen 5, 266; es zeigt sich sonnenklar, dasz Oberon, wiewohl noch unsichtbar, die zügel seines schicksals wieder lenket. Wieland 23, 192 (
Oberon 10, 51); die erde, den himmel lenken,
mit bezug auf sein geschick, aber, wie das eben gegebene beispiel aus Wieland, anknüpfend an oben 3,
a: herr, der du alle welten lenkest! Cronegk 2, 160; der süsze herr der gnaden, .. der erd und himmel lenkt. Arndt
ged. (1840) 550;
sprichwort: der mensch denkts, gott lenkts. Frisch 1, 607
a,
jetzt gewöhnlich mit unterdrücktem object der mensch denkt, gott lenkt; (
der christ) der, was er thut und denket, so insgeheim als öffentlich zu gottes ehre lenket. Günther 38; der herr wird alles lenken. Gellert 38; unsre vorfahren wagten es nicht, dieses angeborne recht (
das faustrecht) zu unterdrücken. sie gönneten ihm seinen lauf, aber sie lenkten es durch gesetze. Möser
patr. phant. 1, 321 (recht lenken
in anderm sinne s. unten g); die geschicke des staates lenken,
auch nur den staat lenken; er lenkte das reich während eines menschenalters mit groszer umsicht; dasz er (
der zufall im romane) aber immer durch die gesinnungen der personen gelenkt und geleitet werden müsse. Göthe 19, 181; ihr hattet wissenschaft von allem, lenktet aus eurem kerker planvoll die verschwörung. Schiller
M. Stuart 1, 7; die zeit lenken; mir steht das feste wort gewisz, das ewigkeiten lenkte. Arndt
ged. (1840) 501; eine unterhaltung, ein gespräch lenken; er lenkte die unterredung auf die neuesten vorkommnisse; er, der nur gewohnt ist zu befehlen und zu thun, kennt nicht die kunst von weitem ein gespräch nach seiner absicht langsam fein zu lenken. Göthe 9, 10;
auch eine schlacht, ein gefecht lenken,
wobei auf das endgeschick derselben gewicht fällt (
verschieden von schlacht, gefecht leiten (leiten 5,
c sp. 732);
vgl. schlachtenlenker. 3@gg) lenken,
in bezug auf worte, schrift, satzungen mit dem sinne des umdeutens oder anders deutens: das wir unsern dünkel zuvor in die schrift tragen, und darnach die selbige nach unserm sinne lenken, und allein darauf sehen, was dem pöfel und gemeinem dünkel eben ist. Luther 3, 63
b; hie hebt sich nu die frage, ob Jona auch gesündiget habe, das er für dem herrn flohe? die alten heiligen veter sind zumal geneigt gewesen, die propheten, aposteln und grosze heiligen zu entschüldigen, mit welcher nerrischen demut, sie so ferne komen sind, das sie gleich der heiligen schrift, und gottes wort haben gewalt gethan, sie gezwungen und gedrungen, ehe sie die heiligen haben wollen lassen sünder sein. wiewol nu solch jre demut zu dulden ist, .. so ists doch fehrlich, die schrift also zu lenken, und jrer auslegunge zu folgen. 200
b; aus dem spruch mus man das lenken und verstehen, das Jacobus sagt, sonst sind die zwei (
Petrus und Jacobus in ihren aussprüchen) wider einander. 263
a; weil es aber gott redet, so gebüret dir nicht sein wort aus frevel zu lenken, wo du hin wilt. 4, 2
a; es gebürt uns nicht gottes wort zu deuten, wie wir wollen, wir sollen es nicht lenken, sondern uns nach jm lassen lenken (
oben b). 21
a; dasz eigen gutunken, eigen nutz und eigen vortheil und geniesz, der rö
m. kirchen einige regel und richtschnur seie, darnach sie all schriften, decreten und concilien lenk und bieg. Fischart
bienk. 50
a; häuptleut derer abdanken ist und geschicht eben auf den vorigen schlag, doch gelenkt nach jrem ampt (
d. h. nach ihrem verhältnis anders gewendet). Kirchhof
milit. disc. 210; es ziemt sich nicht für uns, den heiligen gebrauch mit leicht beweglicher vernunft nach unserm sinn zu deuten und zu lenken. Göthe 9, 24; das recht lenken: dazu helfen auch juristen und rechtsprecher, so das recht lenken und dehnen, wie es zur sache helfen wil, die wort zwacken und zu behelf nemen, unangesehen billigkeit und des nehesten notdurft. Luther 4, 406
b; beim hirsch wird uns fein dargethon eins ungrechten richters person, der vor das recht nimpt gab und gschenk, damit das recht aufs unrecht lenk. B. Waldis
Esop 4, 94, 266; und jrs gefallens thun sie lenken das recht, dazu den glauben krenken. 275. 44) lenken
bei den böttchern, eine gewisse art, mit der hüfte den stiel eines beiles zu regieren, dessen klinge mit der hand gefaszt und das der rundung des gefäszes nach geführt wird. Jacobsson 6, 451. 55)
bei lenken
ist uns die grundbedeutung einer seitlichen bewegung noch ganz gegenwärtig, wenn auch das zu grunde liegende femininum lanke
sp. 187,
mhd. lanke,
ahd. hlanca (
ilia hlanca Hattemer 1, 299
a)
der schriftsprache ausgestorben ist. über die weiteren etymologischen bezüge s. unter gelenk.
die verbreitung des verbums lenken
war von je eine zeitlich und auch örtlich, wesentlich auf hochdeutsche gebiete eingeschränkte; ahd. ist das einfache lenchan
nicht nachgewiesen, nur luxo ich irlencho
altd. bl. 1, 351,
dem ein mhd. erlenken
wenden, umwenden (Lexer 1, 649)
entspricht; das einfache lenken
aber erscheint schon mhd. nicht unhäufig. im nhd. ist lenken
nicht sowol ein wort der lebendigen volkssprache, als der büchersprache; und der umstand, dasz es noch heute in den oberdeutschen mundarten eigentlich fehlt, und wo gebraucht, nur aus dem schriftdeutschen eingedrungen ist (
wie denn auch im Basler neuen test. v. 1523 Luthers lenken
als '
auslendig'
durch umbkeren, umbwenden
erklärt wird, vgl. Fromm. 6, 43
a),
scheint auf eine eigentlich mitteldeutsche heimat des wortes hinzudeuten.