halbweg,
halbwege,
adv. Beide formen sind zusammen aufzuführen, da sie beide zusammenziehungen accusativischer natur sind, nur dasz die erstere einen acc. sing., die andere einen acc. plur. in sich schlieszt, was aber die bedeutung beider worte nicht von einander scheidet. — halbweg
flieszt zusammen aus halben weg,
was zunächst nach halb
sp. 188
eine längenerstreckung bis auf die mitte eines wegs bezeichnet, nachher in abgezogene bedeutung sich verliert; so bereits mhd.: etwenne wert si sich halben wec und volget halben wec, als der sieche, der dem trinken nâch luoget daʒ im der arzât verboten hât.
d. myst. 1, 312; sô stêt er wol halben wec müeʒic. Br. Berthold 17, 8; sô wêr mîn klage wol halben wec gestillet.
j. Tit. 5142, 4.
noch heute sind in Baiern und Franken entweder beide theile des wortes, wie im mhd., für sich bestehend: halben weg, halben weg so vil, halben weg tod (Schm. 4, 45),
oder zusammengeflossen in die form halmig (H. Sachs 2, 4, 82
b), halmi (Schm. 2, 177. Fromm. 5, 517),
die ihre entstehung aus halben weg
deutlich zeigt. ähnlich ist das ags. adv. ealnig
semper (Grein 1, 244)
aus ealne veg
geworden. gegenüber jenem halmig, halmi
steht eine andere, bairische und mitteldeutsche form halbeg,
die in nichts mehr das accusativzeichen des ersten theils der zusammenrückung bewahrt hat, und dadurch, namentlich wenn sie in der form halbig (H. Sachs
a. a. o., Schm. 2, 177),
nd. halwig (Schütze 2, 93)
auftritt, mit dem adj. und adv. halbig (
sp. 205)
sich vermischt, so dasz beide worte nicht immer scharf auseinander gehalten werden können. — halbwege
ist aus halbe wege
entstanden, und der form halbewege
bedient sich noch Göthe (
bei Merck briefs. 1, 99);
wie bei halbweg
ist zunächst örtlich an die erstreckung bis auf die mitte eines wegs gedacht, nur dasz das singularische halbweg
aus dem gesichtspunkte einer person gefaszt ist, das pluralische halbwege
aber aus dem gesichtspunkte zweier personen, die sich in der mitte begegnen, von denen also jede einen weg macht. Die bedeutung beider wortformen ist zunächst eine örtliche, dann eine zeitliche, endlich, und am häufigsten, eine abstracte. 11)
die accusativische natur von halbweg, halbwege
würde besonders deutlich hervortreten, wenn deren verbindung mit praepositionen bezeugt werden könnte; die wendung einem auf halbweg entgegenkommen, auf halbweg zu einem kommen,
erscheint nicht unnatürlich; in ähnlicher, nicht völlig gleicher verbindung findet sich zu halbe wegk lange hoszen. Stolle
bei Haupt 8, 319,
lang bis auf die mitte des beins, halblang. rein adverbial wird halbweg
in localer bedeutung z. b. im Osterlande angewendet, so bei ortsbeschreibungen: gehe halbwege diese strasze, dann kommt ein weg, der links abführt;
auch ist in diesem sinne das wort in praepositionaler stellung gebraucht: dit scal de rad don halfwege Brunswik unde Horneborch.
deutsche städtechroniken bd. 6
s. 108.
vgl. halbwegs. 22)
in zeitlichem sinne wird halbweg, halbwege,
wie halb
sp. 186
bei stundenbestimmungen verwandt, das rührt noch an die örtliche bedeutung des worts, denn die uhr geht
ja auf eine stunde hin (
s.auf II, 12
th. 1, 609):
nd. et geit up halwege
es wird bald halb schlagen Schütze 2, 93;
im nassauischen es ist halbweg 4 uhr. Kehrein 182; halbweg zu mitternacht. Rothe
Elisabeth 2042; den 2. augusti nach halbweg abends (
d. i. nach drei uhr nachmittags, vgl. halber abend
sp. 188). B. Ringwald
tr. E. B 2
b; dieser actus .. hat gewäret 1½ stunde, von 12 uhr bisz uff halbweg zwei. Dreyhaupt
Saalkreis 1, 235 (
von 1546); war es aber
halbeg oder drei viertel (
an der uhr).
unw. doctor 547; um halbweg viere hast du bei Stromen sein sollen. J. E. Schlegel 2, 142; kömpt an in disz castell, des morgens halbweg neun, und hat bei ihm nicht mehr, als einen knecht allein. D. v.
d. Werder
Ariost 29, 82, 7. 33)
der abstracte sinn von halbweg, halbwege,
mittelmäszig, ziemlich, notdürftig, geht eben auch von der bedeutung 1
aus, insofern er stellung, lage, beschaffenheit einer person oder eines gegenstandes andeutet; so hess. halbweg
neben halbweges Vilmar 146;
in Düringen es geht so halwege mit ihm,
er befindet sich leidlich, ähnlich in der Altmark (Danneil 74
a);
nd. wenn et halwege geit,
wenn es irgend möglich ist Schambach 72
b; he hett halwege recht
nicht ganz unrecht Dähnert 171
a; der kammerherr hält gewis keinen halbwege gescheidten menschen eine stunde länger in Montpellier auf. Thümmel
reise 6, 175; alles was dem menschen gut dünkt und nur halbwege so aussieht. Claudius 4, 96; falls er sie nur halbwege zur bewegung der zunge angehalten hätte. J. Paul
liter. nachl. 4, 52; der wisch ist von Rösen — ja, wenn das wetterweibsen nur schreiben kann, und halbwege ein jahr in der stadt gewesen ist, so ist kein ehrlicher mann mit seiner stirne sicher. Wall
die beiden billets s. 13; so lange einem essen und trinken schmeckt und man nur halbweg gesund ist. Tieck
tischlerm. 1, 105; drum wer die leute halbwege ergötzt, wird gleich in alle sprach übersetzt.
schriften 13, 331; Göthe
bedient sich des wortes mit vorliebe: bei halbweg einer freien, edlen, unerwarteten that. 16, 67; ein glücklicher einfall, halbwege deutlich, und nur gleichsam symbolisch dargestellt. 38, 136; ein mensch, der halbwege abenteuer zu bestehen weisz. 57, 210; einer der halbweg was werth ist. 213; so einen politisch-moralischen grindkopf halbewege zu säubern.
bei Merck 1, 99; halbweg schadlos halten.
an Voigt 278; es ist ein närrisch ding um ein empfindlich blut! es pocht, wenn man auch nur halbweg was böses thut. 7, 64; und wenn ihr halbweg ehrbar thut. 12, 100. 44)
die volkssprache hat dieses halbwege
auch adjectivisch verwandt, man hört im Osterlande und Düringen die frau ist bei halwêger gesundheit, ein halwêger kerl
ein leidlich hübscher; nd. en halwêgen prîs krî
gen. Schambach 72
b;
unter anlehnung an diesen brauch hat Rabener: so viel ihre bauerjungen von gottes worte brauchen, will ich ich ihnen doch wohl vorsagen. für armer leute kinder mag es halbweg sein.
satiren 3 (1757)
s. 41.